Eine Reise abseits der Touristenströme

Marokko – die Bilder im Kopf: Nord-Afrika, trockene Berge mit Skitouren, Kamelreiten in der Wüste, orientalische Städte mit den Märkten und aufdringlichen Teppich-Verkäufern, eine lange Meeres-Küste mit vielen Touristen. Unsere Recherchen zeigen: komplett mit WoMo überfüllte Campingplätze, extreme Hitze über 50*C im Süden, kein Regen seit 3 Jahren.

Unser Plan: wir vermeiden die grossen Touristenströme sowohl örtlich wie zeitlich. Wir erwarten wenige Begegnungen auf einsamen Tracks, vermeiden die grossen Touristen-Zentren und den europäischen Winter, wenn „tout F, Be, D“ die Wärme in Marokko geniesst, besonders die Langzeit-reisenden Pensionäre mit ihren grossen mobilen Häusern.

Marokko hat uns vielseitig überrascht: wir sahen im Mai frisch verschneite Berge, erlebten erstaunliche Wasserfälle, einen Platzregen, wie wir ihn in der Schweiz selten sehen, einen wuchtigen Sandsturm und in der vermeintlichen Hitze-Periode trugen wir die wärmende Daunenjacke. Sogar in den heissen Regionen fühlen wir den frischen Wind, die kühlen Nächte, während Europa in der Hitze dahin schmilzt. Die Leute sind äusserst freundlich: „Bonjour, soyez bienvenues“ und zurückhaltend. Ja, ausserhalb der nervenden Touristen-Ströme nimmt der Dauerstress ab.

Islam

Der Islam ist Staatsreligion und wird streng-gläubig gelebt: Männer überall, auf den Märkten, in den Feldern, in den Teehäusern, in langen luftigen Djellabas (mantel-artige lange Hemden mit/ohne Kapuzen). Die Frauen verschleiert, vermummt, vermeiden Augenkontakt, wenden sich ab. Aber in Taroudant erleben wir die Frauen neu: am Abend „geniessen“ sie den Ausgang, das Einkaufen im Souk. Ganz normal. Der Islam ist eine „gütige, zahme“ Religion, hat nichts mit dem politischen Islam zu tun.

Ein Tagebuch

Das detaillierte Tagebuch ist sehr textlastig. Ein bebilderter Reisebericht folgt (irgendwann ?)

11.-30.4.2023 Orpund – Frankreich – Spanien – Gibraltar

Am 11.April sind wir reisebereit, alles geladen – um 18 Uhr – müssen im Centre Brügg noch die Brille abholen. Es wird zu spät. Wir holen die Brille mit dem Kooka, fahren ins Zentrum, essen „dick“ als Ferienauftakt, zurück in den Byfang und schlafen im Kooka in der Garage – unser erster CP auf dieser Reise.

Am Morgen geht’s los, via Biel – Neuenburg – Waadt – Genf – nach Frankreich über die Rhonetal-Autobahn A40, A42, via Lyon, A7 nach Valence. Mehrere vergebliche Versuche für einen CP enden beim CP La Garenne in Saint-Laurent-du-Pape. Sehr schöner Platz.

Das Wetter: regnerisch. Lange Autobahnfahrten mit dicht-lockerem Verkehr.

Der nächste Tag bringt erste wärmende Sonnenstrahlen und einen scharfen Wind. Die Natur wird grüner, die Bäume blühen. Felder bedeckt mit Plastiktunnels und Glashäusern. Weiter auf der A7, A9 ( La Languedocienne) bis Perpignan auf den CP Les Rives du Lac, einer der wenigen geöffneten CP, aber noch nicht im Vollbetrieb.. Wir stossen mit einer Flasche Lambrusco (Überbleibsel der Albanien-Reise) auf unser neues Abenteuer an.

Wir verlassen die Autobahn und fahren die Küstenstrasse der Costa Brava entlang an den Ausläufern der Pyrenäen vorbei. Granit-felsig, trocken, wenig fruchtbaren Boden unter den steilen Weinbergen. Die Costa Brava, ein Touristengebiet mit den üblichen Bausünden in der wundervollen Landschaft. Die Strassen sehr kurvig, steil auf- und absteigend. Kleine Städtchen kuscheln sich in den Flussmündungen, herrliche Aussichten auf das Meer, die Berge, die Steilküsten.

Das Maquis in Frühlings-Blust. Das Wetter: sehr windig, kalt, vereinzelt Regenschauer.

In Canyelles finden wir den steilsten CP: mit Kooka können wir den höchsten Platz mit grossartiger Sicht auf das Meer und den Hafen gerade noch erklimmen. Ein grösseres Fz kommt hier wegen den engen Spitzkehren kaum rauf. Aber wer es schafft, bekommt einen guten CP mit anständigen Anlagen.

Auf der C32 fahren wir weiter bis El Masnou. Am windigen Strand geniessen wir bei einem Apérol Spritz „Ferien-Stimmung am Meer“.

Wir treffen einen früheren Aromatiker-Kollegen: Joan und seine Frau Mercé. Alte Erinnerungen werden geweckt, ausgetauscht beim Mittagessen, Besuch im schönen Haus mit vielen Familienfotos, beim Tauchen gehobenen alten Amphoren, einem gepflegtem Garten und bei einem Ausflug mit ihrem Schiff auf‘s Meer.

Wir besuchen Barcelona, fahren mit der Bahn ins Stadt-Zentrum zum Plaça Catalunya und lernen die Stadt auf 2 Bus-Touren kennen.

So konnten wir die Sagrada Familia von der Straße aus sehen. Kein Eintritt, alles ausgebucht. Aber trotzdem sehr beeindruckend. Ich erinnere mich von einem früheren Besuch an eine Baustelle auf einem grünen Platz mit ein paar imposanten Türmen. Und jetzt dominiert sie die Stadt.

Wir machten einen langen Weg zu Fuss zum Güell-Park-Eingang. Aber auch hier: kein Ticket: ausverkauft!.

Entlang der Ramblas genossen wir Speisen und Getränke, besuchten den großen bunten Markt, schlendern durch die lebendige Altstadt.

Zusammenzufassend: Barcelona ist eine großartige Stadt und eine Extrareise wert: so viele interessante Dinge zu sehen und zu entdecken. An einem Tag kratzt man nur an der dünnen Oberfläche. Wir müssen Barcelona wieder besuchen.

Aber: Besuche von Sehenswürdigkeiten im voraus planen, Sight-Seeing-Spots muss man vorher buchen, um Einlass zu bekommen: Viel zu viele Touristen mit dem gleichen Interesse wie wir warten am. Eingang Tickets via Internet reservieren!

Das Auto ist in der Stadt kaum brauchbar: viel Verkehr, keine PP, teuer. Die Tageskarte für den ÖV bringt uns an jeden gewünschten Ort.

Die nächste Station ist Salou, das Treffen mit Elsbeth und Heinz. Das Autobahnsystem um Barcelona ist erstaunlich komplex: bis 10 Spuren und ein halbes Dutzend komplexe Kreuze auf einer Strecke von 30km. In Salou landen wir auf einem riesigen CP, fast leer, mit Kolonien von Holländern und Briten. In der Hochsaison muss das ein riesiger, emsiger Ameisenhaufen sein. Aber jetzt haben alle noch Zeit, Geduld, Musse und sind entspannt freundlich. Elsbeth und Heinz verbringen die „Heuschnupfenzeit“ in Spanien, erwarten ihre Enkel für eine Woche. Beim Nachtessen werden alte Erinnerungen an Singapore und die Zeit in Asien ausgetauscht. Auch die CS (als früherer Arbeitgeber) ist ein Thema.

Am nächsten Tag gehen wir gemeinsam mit dem Bus nach Tarragona, eine spannenden alte Stadt mit einem römischen Amphitheater und einer dominierenden Basilika. Wir suchen ein japanisches Restaurant, werden aber erst nach einem Imbiss fündig. Zum Abendessen werden wir ans Buffet ihres Hotels eingeladen.

Die Fahrt geht über die Autobahn weiter, der Küste entlang. Kurzer Halt bei der Laguna Albufera, ein sterbendes Vogelparadies bei Valencia. Die Berge erinnern an chilenische Landschaften ohne Vicuñias: trockene Täler, steile Felsen, Grasbüschel im Geröll.

Vermehrt tauchen „Schneelandschaften“ auf: grosse Flächen überbaut mit Plastik-Treibhäusern und Plastik-Tunnels für die Versorgung Europas mit frischem Gemüse und Früchten. Wenn pro m2 nur 1 lt Wasser proTag verbraucht wird, sind das 1000m3 pro Tag. Das bietet die trockene Landschaft kaum. Da ist die Klimakatastrophe vorprogrammiert.

Von Ferne grüsst die Sierra Nevada mit ihrem höchsten Gipfel auf 3400 müM.

Von der Costa del Sol zweigen wir bei Marbella ab in die Berge Andalusiens nach Ronda.

Ronda ist bekannt für seine hohe Brücke, die Stierkampfarena mit der kritischen Geschichte des Stirekampfes, das arabische Bad und die schöne Stadt.

Ronda ist ein Ausgangspunkt für die „Pueblos Blancos“ Andalusiens, auffallende weisse Dörfer mit alten, schönen Ortsstrukturen, meistens mit dominierenden Kirchen und Burgruinen.

Das erste, Setenil de las Bodegas, ist ganz speziell in die Felsen einer Schlucht gebaut, mit einer Schatten- und einer Sonnen-Seite.. Wir können uns den Rummel in der Hochsaison vorstellen.

In Olivera besuchen wir die imposante Kirche Parroquia Nuestra Señora de la Encarnación, bestaunen die Ruine des Castillo de Olivera und die dichten Dächerformationen des Dorfes.

In Algodonales suchen wir das Dutzend Brunnen, finden nur 2 davon. Der Fuente del Algarrobo besticht als Waschhaus mit reich fließendem Wasser im sonst trockenen Andalusien.

Zahara am gleichnamigen Stausee imponiert mit seinem Panorama mit der Burg auf dem Felsen über der Kirche Santa Maria de la Mesa.

Bevor wir auf den Pass La Paloma hinauffahren, machen wir einen „Abstecher“ in die Garganta Verde“.

Wir unterschätzen den Weg (2.5km, 200 Höhenmeter) komplett: der Weg führt zuerst flach aufwärts zu einem Mirador und in die Nähe der Brutplätze der Gänsegeier-Kolonie. Etwa ein Dutzend dieser majestätischen Riesenvögel kreisen über uns. Dann geht es bei starkem Sonnenschein steil die Schluchtwand runter. Entgegen kommende Touristen sind ausgelaugt. Unten ist die Temperatur erträglich frisch, der Bach nicht besonders beeindruckend, wir lassen die Ermita de la Gargante Verde (ein zusammengebrochenes Schluchtstück) unbesucht und nehmen den Aufstieg in Angriff. Trotz Fuss-OP und mangelnder Kondition schaffen wir den Weg zurück, wohlbehalten und stolz für die erreichte Leistung. Ja, andere schaffen das in einem Drittel unserer Zeit. Ein lohnender, aber für uns anspruchsvoller Abstecher.

Mit vielen Spitzkehren überwinden wir den Pass La Paloma, geniessen die Aussicht und bleiben auf dem kleinen CP Tajo Rodillo bei Grazalema, wieder eines der kompakten „weissen Dörfer“.

Wir queren den NP Grazalema mit den großartigen Bergkulissen nach Ubrique, eher eine „weisse Stadt“.

Über eine kurvenreiche Bergstrasse fahren wir über eine schöne andalusische Berglandschaft durch ausgedehnte Kork-Eichen-Wälder mit einer verblühenden Orchideen-Flora nach Jimena de la Flora mit einem Zwischenhalt bei der Porta Galiz. Der Wirt bereitet uns feinen Hirsch- und Wildschwein- Ragout zu.

Nun nähern wir uns rasch dem Meer. Von Weitem grüsst der mächtige Felsen-Zahn von Gibraltar. In Algeciras buchen wir bei Carlos die Fähre nach Tanger.

Fazit der Anreise:

Spanien ist weit weg, km um km müssen (auf guten Autobahnen) abgespult werden. Die Mittelmeerküste ist wie erwartet: voll auf Tourismus, trotzdem noch nicht kaputt. Das besorgt die Intensiv-Gemüse- und Früchte-Agrarwirtschaft für die Versorgung Europas mit ihren riesigen plastik-gedeckten Plantagen und dem enormen Wasserverbrauch in dieser trockenen Gegend.

Wir haben erkannt: Andalusien ist nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Mit seiner abwechslungsreichen Berglandschaft und der erhaltenen Kultur ist Andalusien eine weitere Reise wert.

30.4.- 6.5. 2023 Tanger – Guercif

Kurzer Schock vor der Überfahrt mit der Fähre von Algeciras – Tanger Med: Heidi‘s Pass läuft am 7.7.2023 ab. Was ist, wenn die Grenzkontrolle strikt ist. In Spanien kein Problem, auf dem Schiff oder im Hafen: umdrehen, abbrechen? Wir fragen die Botschaft in Rabat und fahren auf die Fähre.

Einstieg und Fahrt ist problemlos, die Passkontrolle ebenfalls. Beim Ausladen ok. Die Polizeikontrolle ist etwas verwirrend: wir (und alle andern) müssen umdrehen und beim Röntgen-Apparat vorbeifahren. Nach 2 Stunden ist der Spuk vorbei. Wir können noch im Hafengebiet Geld wechseln und eine SIM-Karte kaufen. Wir fahren unbehelligt in Marokko. Beim neuen Hafen Tanger Med sind viele Strassen neu, noch kaum in OSM registriert. Wir fahren gegen Einbahnstrassen-Signale ohne Alternativen über die steilen Berge Richtung Ceuta / Fnideq / M‘Diq nach Cabo Negro, unser erster CP in Marokko. Im Restaurant geniessen wir unser erstes Tajine.

Entlang der Steil-Küste fahren wir Richtung Oued Laou in die Riffberge nach Akchour im Talassemtane-NP. Es ist 1.Mai und ganz Marokko besucht die bekannten Wasserfälle. Wir können am Abend auf einem leeren PP übernachten. Am nächsten Tag steigen wir zur „Grande Cascade d‘Akchour“ auf. Für uns etwas mühsame 3 Stunden. Aber der Aufstieg ist lohnenswert. Nicht wegen der geringen Wassermenge, sondern wegen der hohen Felswand aus vorhangartigem Tuffgestein. Eigentlich wollten wir 2 Nächte bleiben, aber der „CP“ ist uns doch zu unbequem. In Marokko sind Schulferien, Zeit für einen Besuch bei den Wasserfällen.

Wir fahren also weiter nach Chefchaouen, der „blauen Stadt“. Der CP befindet sich weit oberhalb der Stadt. Der Stadt-Rundgang beginnt also mit einem steilen Abstieg in die erstaunliche Medina: blaue Häuser, enge Gassen mit vielen Fotosujets. Die blaue Farbe soll die bösen Geister abhalten. Der Ras el Maa wird von vielen Quellen gespiesen. Getränke und Früchte liegen im kühlen Wasser. Unsere Tour endet auf dem Place Outa Hamam vor der grossen Moschee und dem Kasbah-Museum. Wir verschlingen ein fades Couscous. Erst am Schluss bemerken wir die bereitstehende, geschmackvolle Sauce. Am nächsten Tag soll ein malerischer Wochenmarkt stattfinden. Wir finden jedoch nur geschlossene Jahrmarkt-Attraktionen und ein paar wenige Gemüse- und Früchte-Händler. Wir entdecken ein China-Restaurant „La Petite Chengdu“. Wir bestellen eine Auswahl an Platten. Herrlich zum Essen, aber jede Platte ist eigentlich eine ganze Portion. Das genügt wieder für eine lange Zeit.

Der Aufstieg zum CP ist steil und lang. Mangelnde Kondition macht sich bemerkbar.

Durch eine grüne Berglandschaft mit viel Landwirtschaft (die Weizenernte ist im Gang, jeder m2 wird genutzt, fahren wir zum Stausee Al Wahda, dem grössten See Marokkos. Wir finden keinen guten Übernachtungsplatz und fahren weiter durch die intensiv genutzte, schöne Berglandschaft nach Taounate zum Tourismuspark Berg Ifrane zuoberst auf einem Hügel mit grossartiger Sicht auf den Stausee und (besonders nachts) auf Taounate. Der Tourismuspark ist speziell: in 8 Beduinen-Zelten können die Besucher übernachten, im grossen Zelt essen, gekocht wird im Kochzelt und wir bleiben im Kooka auf einem fast ebenen Platz. Naina + Taha bewirten uns mit Leib und Seele.

Über Berge, Täler und Hügel mit Weizenfeldern in Ernte fahren wir auf die Eben hinaus nach Guercif. Hier wird die Landschaft „endlich“ gelb-braun.

6.-16.5, 2023 Guercif – Erg Chebbi – Merzouga

Auf unseren Karten ist in Guercif ein schöner CP markiert, mit Schwimmbad und allem Komfort. Leider hat das „Piscine Municipal“ den CP schon lange geschlossen. Wir werden nach Lamrija verwiesen. Ein Glücksfall: dort befindet sich ein Hotel mit Schwimmbad (leer), CP, Stellplatz, sauberer Toilette, heisser Dusche (Solarwärme), Waschmaschine (die täglich mit Bettwäsche läuft). Wir bekommen die obligate Tajine, feine Creme-Suppe und Truttenspiesli. Wir lassen‘s uns 2 Tage gut gehen und bereiten die nächsten Fahrten vor: der PistenKuh-Track OTR (https://pistenkuh.de) über das Rekkane-Plateau, eine richtig „wüste Fahrt“ im besten Sinn: auf der Autostrasse werden wir von einer Polizei-Patrouille gestoppt: mit 69 statt der erlaubten 60kmh. Kostet 150MAD. Wir überzeugen uns, dass das Schild wirklich existiert, wir es übersehen haben. Entschuldigung. Zum Abschied gibt uns der Polizist das Geld wieder zurück: passt beim nächsten mal besser auf. Danke.

Die Fahrt geht durch eine flache, trockene, dürre Landschaft mit vereinzelten Oliven-Plantagen.

Wir zweigen auf die RP5102 ab, verirren uns bald in eine Aprikosen-Plantage. Der Track wird sehr ruppig, die Bach-Durchfahrten sind tief und steil. Einzelne können wir umfahren, aber eine ist besonders tief. Wir bauen eine Steinpiste hinauf, leider viel zu schmal. Aber Kooka krallt sich mit allen 4 Rädern fest und schafft den Sprung mit Bravour. Auf der RR606 kommen wir rasch zur Abzweigung auf den Track OTR nach Süden. PK verspricht eine ruppige, schlechte, ausgewaschene Piste. Das können wir bestätigen! langsam übersteigt Kooka Stein um Stein, Graben um Graben. Aber irgendwie freut er sich mit uns: eine wilde, ursprüngliche Landschaft, die uns an Gebiete in Australien und Südamerika erinnert: genau was wir von Marokko erwartet haben: tiefe, ausgewaschene Flussbetten, hügelige, weite Steppe.

Ein Ort erweckt unser Interesse: eine runde, grosse, schwarze Fläche mit schwarzen Steinen und zerbrochenen „Achat-artigen Steinen“. Ein nicht-metallischer Meteorit? Keine Ahnung.

Wir bleiben auf eine Anhöhe über Nacht, geniessen die Ruhe, den farbigen Sonnenuntergang, die schwarze Nacht. Und Heidi’s typischer „Bohnen-Kartoffel-Salat mit Spiegelei. Wir fühlen uns zu Hause. In der Ferne leuchten ein paar Dörfer. Die Nacht ist empfindlich kühl mit 16*C aber am Tag brennt die Sonne heiss.

A propos: Das PID in Bern hat zur Causa „Passverlängerung mit Rabat Kontakt aufgenommen. Juan und BePiTha kämpfen unverdrossen gegen die Algen im Teich. Juan meldet: Problem gelöst.

Die Weiterfahrt ist mindestens so mühsam, wie der erste Teil: im langsamen Schritttempo fahren wie 70km in 7 Std. bis zu einem Hügel über dem Weiler Aussat Jeraba. Bald bekommen wir Besuch von einer Schafhüterin mit iPhone. Mit Google-Translate können wir uns knapp verständigen. Zum Schluss möchte sie Heidi‘s Gesichtscrème mitnehmen. Beim Nachtessen schaut uns ein Mädchen reglos eine halbe Stunde zu. Es bekommt Kafi-Guetzli und verschwindet zufrieden.

Wir folgen dem OTR Track weiter, machen jedoch den Umweg über die Asphaltstrasse via Anoual nach Talsint durch die trockene. schöne wüste Landschaft. Die beiden grünen Orte liegen auf Wasserquellen.

Über die RR601 gehts rassig weiter nach Bni Tadjite (Bleiminen ?) und über die Piste du Col de Belqassem über den Berg. Auf der Ebene treffen wir auf einen Vater mit einem kleinen Kind: Sein Motorradreifen hat die Luft verloren. Kein Problem für Kooka, bald ist der Reifen wieder prall gefüllt. Hoffentlich hält die Luft bis nach Hause. Der Reifen sieht nicht gerade robust aus. Dann die obligaten Fragen nach Geschenken, Kleidern, Schuhen. Schliesslich bekommen die beiden unsere Wasserflasche (oh, Frigo?).

Der Pass Belqassem (oder Tizi N-Sidi Ahmed) kommt etwas überraschend: der Aufstieg recht harmlos aber der Abstieg hat‘s in sich: steil, verblockt, eng. Die Pistenlady schafft ihn mit Bravour.

Der Ksar Tazougart ist eine grüne Oase inmitten weiter trockener Landschaft. Die angrenzende Schlucht ist ein einziger grüner Garten. Der Bach führt (stehendes) Wasser. Die Fliessrichtung überrascht uns: wir haben den Eindruck, wir fahren die Schlucht hinauf, auf die grosse Hochebene von Boudenib (950müM). Überall wird Wasser aus dem Untergrund gepumpt zur Bewässerung vieler neuer Plantagen (Wassermelonen, Gelbe Melonen, Gemüse, Oliven, Aprikosen, Granatäpfel) Das Wasser fliesst West-Ost vom Ksar in die Ebene, nicht umgekehrt Ost-West.

Im Camp Le Rekkam finden wir bei François & Khalida einen sehr angenehmen, guten Platz, wir bleiben 2 Nächte und geniessen ihr Nachtessen (Tajine mit Poulet und Fleischkugeln mit Tomatensauce riche).

Auf dem Markt decken wir uns mit „Fleisch“ (frisches Rindskottelet). Gemüse und Früchte ein und nehmen den Track SBM von Pistenkuh, abgeschwächt mit dem Track von

https://voyagesautourdumonde.fr von Boudnib nach Merzouga unter die Räder. Wir überlassen die schwierigen Abschnitte den 4×4-Cracks und geniessen die weite, „eintönige“ wüste Landschaft: Tafelberge, Oued-Täler, Busch-Steppe, kleine Pflanzenoasen. Wir bleiben bei einem tiefen Geländeeinschnitt mit Übersicht über die Tiefebene. Hier haben sich grosse Wassermassen seit Urzeiten tief in die Felsen eingegraben und einen 100 m hohen „Wasserfall“ hinterlassen, heute natürlich trocken. Am morgen kommen ein Dutzend Touris im Konvoi mit ihren Geländefahrzeugen vorbei, bestaunen 10min die Aussicht und fahren im Staub des vorderen Fz weiter.

Wir kommen bis auf 5km an die geschlossene, vom Militär überwachte Grenze zu Algerien. Noch eine steile, verblockte, kurvenreiche Abfahrt auf die untere Ebene, vorbei an der Palmeraie Oasis d’Hassi Talrhemt, dem Militärposten Merdane, weiter durch ein breites, weichsandiges Flussbett mit vielen Track-Spuren („die andere ist immer besser!“). Wir folgen dem Vorschlag der Pistenkuh und bleiben in den kleinen Dünen, abseits den grossen, touristisch ausgeschlachteten Dünen des Erg Chebbi. Wir geniessen den Spätnachmittag mit kühlem BiCoWa123 und einem Nickerchen auf unseren „so bequemen Liegestühlen“. Heidi hat noch die Wettervorhersage für die Gegend: warm, gegen Abend Regen ( 7Uhr, 85% 1.5mm). Wir machen uns noch lustig über die Wettermodelle. Gegen Abend verdichten sich die Wolken, werden grau und dunkel. Gegen 7Uhr werden sie gelb.

HALT! das ist kein Gewitter! Das ist ein Sandsturm! 2min später kommt jede Reaktion zu spät: Markise und Dach sind noch aufgestellt, Stühle und Tisch draussen. Mit voller Wucht kommt der Sturm viel rascher und heftiger als erwartet: Kooka wird voll gesandet. Heidi‘s Kartoffel-Bohnensalat wird sandig gewürzt. In der Hektik wird das Dach über die Matratze zugewürgt, die Dachluke ist undicht. Wir schrubben viel Sand aus den Polstern, der Abdeckung. Erst mit dem Abdichten der Dachluke sehen wir Fortschritte im Sand-Entfernen. Nun wir es aber im gut isolierten „Haus“ schweiss-warm. Mit Fensterlüften beginnt das Putzen von Neuem. Knirschend geniessen wir den feinen Salat. Ab 10Uhr soll der Wind nachlassen.

Nun, der Wind nimmt erst am Morgen ab. Kooka strahlt aussen wie neu: der Sand hat den letzten Dreck weggewischt. Sandgestrahlt! Kärcher macht‘s nicht besser. Drinnen entsorgen wir einen Teil des Sandes. Die Stühle sind fühlbar viel schwerer geworden.

Wir machen uns auf den Weg nach Merzouga, querfeldein, durch weichen Sand mit vielen Spuren. Der Dünenrand ist besetzt mit dutzenden Touristen-Camps, mit langen Absperrungen. Bei Dead-Ends müssen wir umdrehen.

Vor uns die grossen, berühmten Dünen des Erg Chebbi. Irgendwie finden wir die Strasse nach Merzouga. Wir suchen einen passenden CP aus den Dutzenden, die zur Wahl stehen, bald haben wir Besuch von „ortskundigen“ Personen, die genau wissen, wohin wir gehen sollen („völlig unverbindlich“). Das „Portes du Desert“ bietet zwar einen schönen Pool, aber der Stellplatz ist eine grosse, sonnige Sandfläche. Wir wechseln zum Nächsten: „Heaven la Chance“: das ist es was wir suchen: grosse, schattige /sonnige Platze in einem schönen Palmenwald, ein sauberer Pool, gute Toilettenanlagen und ein gutes Restaurant (Wahl: Tajine oder Couscous!).

Der nächste Tag ist Putztag: alles raus, schütteln, reinigen, waschen. Am Abend fix&foxy fertig. Und eine Nasenhölen-Entzündung („Ich hab dir immer gesagt, du sollst das Grübeln in der Nase lassen“). Erste Hilfe mit Bordmedizin.

Wir lernen Reisende kennen, die die gleiche Route wie wir vorhaben (F), oder solche die auf dem grossen Platz unbedingt einen halben Meter neben uns parkieren müssen (A).

7.5. – 23.5.2023 Merzouga – Rabat

Die Botschaft in Rabat möchte keinen multilateralen Info-Austausch, empfiehlt den elektronischen Passantrag. Mit diesem läuft der ganze Prozess plötzlich wie am Schnürchen, auf den richtigen Bahnen: der Antrag wird bestätigt, Rabat informiert. Wir setzen den Termin für die persönlichen Digitaldaten fest: statt nach Süden reisen wir gegen Norden, statt in den Sand in die Berge, statt 45*C haben wir bald 3*C, statt trockener Wind Regen und Schnee in den Bergen (soviel Schnee haben wahrscheinlich nicht mal alle Wintersportorte in der CH gesehen).

Über die RN17 fahren wir via Rissani nach Erfoud auf den CP Karla. Im Souk von Rissani decken wir uns mit frischem Gemüse und Früchten ein und lassen uns obendrein beim Laden der SIM-Karte über‘s Ohr hauen: statt die gekauften 50GB landet gerade 1GB auf dem Konto! Selber schuld, nicht kontrolliert! Wir treffen die Bündner Monika und Arno mit ihrem umgebauten Feuerwehrauto.

Auf dem CP macht die Nasenhöhlen Entzündung negativ Fortschritt, der Arztbesuch Erfoud wird spontan organisiert und durchgezogen. Die Ärztin leistet gute Arbeit: Blutdruck, Lungenfunktion, Ultraschall der Nasenhöhle und die richtigen Fragen enden in einem Sack voll Medikamenten. Die Pisten-Krankenschwester sorgt für die Einhaltung des Einnahme-Plans.

Wir folgen dem Oued Ziz: ein grosser Fluss, wenn er denn Wasser führt, mit vielen grünen Oasen, über weite „öde“ Ebenen, tiefen Schluchten durch Er Rachidia, vorbei am grossen Stausee, der das Tafilalet bewässert.

Der Oued Ziz windet sich in einer tiefen Schlucht durch die Ausläufer des Hohen Atlas. Wir finden einen schönen Übernachtungsplatz beim Kasbah Hotel Jurassic, direkt über dem grünen Tal. Der Weg steigt beim Pass Tizi N‘Talghaumt auf 1900 müM. In der Ferne leuchten die frisch verschneiten Bergspitzen des Hohen Atlas durch die dichten Regenwolken.

Ab Midelt beginnt der Mittlere Atlas: Grassteppe und Wälder verändern die Landschaft bis zur grünen Agrar-Landschaft mit Baumkulturen, Weizenfeldern und dichten Wäldern. Der Regen benetzt wenigstens die Pflanzen und die Bodenoberfläche, zaghaft sammelt sich das Wasser in den Bächen, Rinnsale entstehen. Beim Tizi Moudmam erreicht die flache Passstrasse 2200 müM. Die Landschaft erinnert an den Altiplano und die Bofedales in den Anden – ohne die Vicuñas.

Im NP Ifrane begegnen wir einer Gruppe Berberaffen. Erinnerungen an das „Central Catchment Reservoir“ in Singapore werden wach. In den Dörfern brüten die Störche auf den Dächern ihre Eier aus.

In Azrou bleiben wir im Euro-CP Emirates, ein grosser, leerer CP neben einem luxuriösen Hotel. Es ist kalt (12*C, nachts bis 7*C) und regnet. Nach einem Apéro gibt es Instant Nudeln zum Znacht. 3 weitere Camper tauchen noch auf.

Im Eiltempo fahren weiter Richtung Rabat, machen Halt bei der Haziende des Cigognes in Tiflet, Ein Weingut, das in den 50er von Franzosen aufgebaut wurde und nun Marokkanern gehört. Ein guter, moderner Betrieb mit gut ausgebildeten Mitarbeitern. Karim und Jalil bieten eine freundliche Atmosphäre, freien Übernachtungsplatz, eine Betriebsführung mit Degustation und ein Nachtessen an. Natürlich mussten wir unseren Weinbedarf mit dem guten Wein ergänzen. Der Name stammt übrigens von den nistenden Störchen auf dem Dach.

Wir entschliessen uns dann doch noch, bis zur Küste nach Kenitra auf den CP Mehdia, näher an Rabat, zu fahren.

Unser Termin in der Botschaft um 11.00 Uhr. Bei heftigem Regen und Gewitter treffen wir pünktlich ein. Die PP-Suche im Quartier eigentlich unmöglich, aber ein hilfreicher Parkwächter verschafft uns einen freien Platz mitten auf der Strassenkreuzung. Das Prozedere in der Botschaft ist schnell, professionell: Formular, Foto, Fingerabdruck, Sie werden den neuen Pass avisieren, und raus in den Platzregen, rennen zur nahegelegenen Polyklinik. Wir bekommen einen Termin. Der Arzt bestätigt die richtige Versorgung durch die Ärztin, setzt die Medikamente ab, ergänzt mit Cortison (salzfrei essen !!) und einem X-Ray des Kopfes. Die Rechnung: fliegend, ohne Quittung.

23.5. – 29.5.2023 Mohammedia – Ouzoud

Im nahen Marjan-Shopping Center decken wir uns mit „europäischen“ Produkten ein und fahren der Küste entlang Richtung Casablanca auf den CP Ocean Bleu in Mohammedia. Wir treffen hier wieder auf Herbert aus Grenchen, den wir auf der PK SBM beim Erg Chebbir getroffen haben. Es gibt viel zu erzählen, wir bleiben 2 Nächte, machen einen Spaziergang der Küste entlang. Eine Bewohnerin des Wohnblocks sucht ihre Katze. Sie arbeitet in der Linde in Orpund! Small World!

Uns fällt der singende Muezzin auf: so schön brachte bisher keiner seine Botschaft rüber.

Wir suchen unsere Ziele für 4-6 Wochen, dann müssen wir den neuen Pass abholen. Die Uzud-Falls im hohen Atlas scheinen uns interessant, aber nicht auf direktem Weg. Wir fahren ostwärts auf ein Plateau via Benslimane, ein „versnobter“ Ort nahe beim Flughafen Casablanca in die „Berge“ Richtung Rommani / Ezzhiliga. Wobei uns diese Berge eher „verkehrt“ vorkommen: die Erd-Platte ist ausgewaschen mit tiefen Tälern. Grüne Landwirtschaft mit grossen, flachen Weizenfeldern auf Plateaus. Wir steigen bis auf 1000müM, suchen nach einem geeigneten CP. Das ist jedoch nicht Touristen-Gebiet. Nur ein „Agro-Tourismo“ bietet sich an. Ein Glücksfall ! Wir landen bei Joachim in der „Achat-Farm“. Er ist Deutscher, mit einer Marokkanerin verheiratet, 3 Söhne (2 in D, einer mit der Mutter im Nachbardorf Aguelmouss). Er ist Kunstmaler, Fremdenführer, Mineralien-Spezialist für Achate, Architekt, Baumeister, Maurer, Schreiner, Gärtner, Botaniker, Landwirt und baut sich seit den letzten 20 Jahren einen Traum: Eine Herberge für seine riesige Achat-Sammlung und Gäste, mit Biogarten, Obstplantagen und einem PP, geeignet für Camper, mit allem Notwendigen. Überall Achate eingebaut: Bodenplatten, Tür-Fries, Fensterrahmen, Wände, Säulen.

Er ist jetzt 76. Das Dach für den „Sakralbau“ zwischen den Gästezimmern fehlt noch: er hat schon eine halbe Million € investiert, spart jetzt für das Dach („ich muss noch ein paar schöne Achate verkaufen, dann klappt‘s“) Es ist erstaunlich, was er bisher erreicht hat, es ist beängstigend, welche Ideen noch realisiert werden müssen. Joachim ist eine Frohnatur und macht Menschen glücklich. Wir wünschen ihm noch viele gesunde Tage für dieses vielversprechende, schöne Projekt.

Er hat ein Moto von einem Indianer:

„Baue ein Haus, baue es fertig, aber höre nie damit auf“

Er gibt uns gute Tipps für die Weiterreise: die Quellen von Oum Rabbia, den Lac Auguelmam Zigza und den Khenifra NP mit seinem höchsten Berg Jebel Tarharhat.

Die Quellen Oum Rabbia sind erstaunlich: aus dem Nichts quillt leicht salziges Wasser aus dem Berg und schwillt zu einem Wildwasserfluss für Kajak-Fahrer an (bis Kenifra fast 50km fahrbar nach Regen). unterhalb des Dorfes werden Lachse im salzigen Wasser gezüchtet.

Die Behausungen am Bach gehören Berbern. 2 Junge bieten ihre kundige Führung an.

Von der Quelle fahren wir über eine (PK-würdig: steil, eng, Spitzkehren, schlammig bei Regen) Piste über die Berge zum Lac Auguelmam Zigza, ein schöner fast blauer See, tief in einem von Felsen umgebenen Tal. Viele lokale Touristen, Berberaffen.

Wir suchen uns einen einsamen Platz in NP und finden „den zweitschönsten Platz in Marokko“: inmitten grosser Zedern ein flacher moosiger Platz, offen-schattig. Ein Bewohner kommt auf seinem Esel vorbei, möchte „eine Creme für Gesichtsmassage“ und „erlaubt“ uns das Übernachten. Zum z‘Nacht: salzloses „Faux-Filet“ mit Kürbis. Man kann’s so auch essen, aber gut gewürzt ist anders.

Der neue Tag beginnt düster: dicker, feuchter Nebel im Wald. Die Aussicht vom höchsten Berg,

Jebwl Tarharhat, können wir vergessen. Wir ändern unseren Reiseplan und fahren Richtung Süd-Westen. Ziel: Wasserfall von Ouzoud. Aber nicht in einer Etappe. Wir verpassen das „Ferienhaus von Saadia & Mustapha (p4n), passieren die grosse Stadt Beni Mellal und steigen in die Ausläufer des Hohen Atlas über steile Serpentinen und landen schliesslich im CP Zebra in Ouzoud. Arbeitstag. Wir lernen Heinz Schmitz aus Aachen kennen. Ein eingefleischter nonkonformer (ver-rückt im Sinn von aus-der-Reihe-Tanzender) Reisefreak mit einem WoMo, neu bemalt mit einem schönen Sahara-Bild.

Wir besuchen die überraschenden Wasserfälle: recht viel Wasser stürzt hier über eine Felswand in Stufen 130m in die Tiefe. Im Tosbecken vergnügen Fremdenführer ihre Touristen mit dem Gischt des Wasserfalls. Auf dem Rückweg treffen wir wieder auf die Bündner Monika & Arno.

30.5. – 3.6. 2023 Ouzoud – Mohammedia

Wir bekommen die Rückmeldung von der Botschaft in Rabat: Pass und ID sind angekommen, abholbereit. Unser Dilemma: weiter gegen Süden oder zurück nach Rabat? Wir entscheiden uns für letzteres und fahren „im Affentempo“ Richtung Rabat. Die Fläche zwischen dem Atlantik und dem Atlas ist erstaunlich dicht bewohnt und landwirtschaftlich bearbeitet. 300km sind uns doch etwas zuviel. Wir bleiben eine Nacht auf der Biofarm Zockach bei Settat: auf 3ha betreibt das freundliche Besitzerpaar einen pädagogischen Bio-Farmbetrieb mit Restauration, Plantagen, Biogarten und Vorzeigetieren für Familien, Kinder, Gruppen.

Bald gelangen wir ins Einzugsgebiet von Casablanca und landen wieder auf dem CP Ocean Blue in Mohammedia. Pünktlich holen wir Pass und ID bei der Botschaft ab. Das hat perfekt geklappt. Im Marjam decken wir uns wieder mit „Ruschtig“ ein, retablieren in Mohammedia (waschen, Jeans flicken, Körperpflege, Fisch kochen).

4.-12.6.2023 Mohammedia – Marrakech – Zagora

Die Wetterprognosen für den Atlas sind nicht besonders gut: Regen, Kälte, Nebel. Wir entscheiden uns für die direkte rasche Fahrt Richtung Wärme im Süden: Marrakech, Ouarzazate, Zagora.

Wir fahren im Tempo des 3-fach gehetzten Affen über die Autobahn nach Marrakech. Wir besuchen die Souks in der lebendigen Medina: Schlangenbeschwörer, Affenbändiger, Trommler, Flötenspieler und einige Touristen (wie sieht das wohl in der Reise-Saison aus?) In der verwinkelten Medina reiht sich Shop an Shop mit allem was ein Herz begehrt und der Verstand verbietet. In den aktiven Werkstätten wird gehämmert, geschweisst, genäht, geschnitzt. Bald verlaufen wir uns in ein Wohnquartier, mit unzähligen Dead-Ends.

In einem modernen Hotel geniessen wir auf der Terrasse Thai-Curry, und Tandoori-Chicken mit Naan. Eine schöne Abwechslung.

Wir treffen auf Marcel & Conny Nützel SZ und Marcel & Susanne Bruni. Belp. Interessante Gespräche und Austausch von Reiseerfahrungen.

Wir verzichten auf weitere „Sehenswürdigkeiten“ wie das „Safran-Paradies“ oder die Wasserfälle im Ourika-Tal und überqueren den Tizi-n-Tichka (2260müM) nach Ouarzazate über die RN9. Dichter Staubnebel macht den Eindruck von Dunst. Wir vermeiden die Kälte in den Bergen, fahren direkt zum Ziel. Die Filmstadt Ouarzazate überrascht mit ihrem schönen, neuen Stadtbild mit traditionellen Lehmbau-Strukturen. Auf dem CP Munizipal wird ein neues Gebäude mit Theke, Saal und Terrasse fertiggestellt, die Wände mit einem Glimmer-Belag zum glitzern gebracht. Wir bleiben 4 Tage, besuchen Ait Ben Haddou, die Filmkulisse von unzähligen Filmen. Alte Gebäude, Treppen, Gassen, Lehmhäuser sind gute Sujets für jede Geschichte. Im Moment wird eine Arena für einen neuen Film „Gladiator“ aufgebaut.

Marcel & Susanne tauchen wieder auf. Intensive, freundschaftliche Gespräche über das Leben, Erfahrungen und das Reisen. Sie sind mit einem IVECO mit grosser Kabine unterwegs, waren schon im Süden und reisen weiter nach Norden. Heidi erwischt einen „Chotz-Käfer“ und liegt einen Tag flach.

Nach einem herzlichen Abschied geht unsere Reise weiter Richtung Zagora. Durch trockene Berge mit alten Lava- und Basalt- Schichten und vereinzelten Bäumen.

Abstecher über den Tizi n’Tiniffift zum „Wasserfall von Tizgui“. Ein kleiner, aktiver Wasserfall, unter Palmen, mit Fröschen und kleinen Fischen im Wasser, das in einem Kanal zur Oase geleitet wird.

Wir bleiben in Agdz auf der Ferme Tanssift. Heidi geht‘s wieder besser.

Durch das Palmen-bewachsene Draa-Tal gelangen wir nach Zagora. Die Temperatur steigt gegen 40*C. Wir werden „abgefangen“ von einem einheimischen 4WD-Fahrer, der Tom kennt und mit uns in seiner Garage ein Foto machen will. Dort erscheint dann die ganze Mannschaft die uns den Service anbietet. Wir lehnen dankend ab und fahren auf den CP Palmeraie d‘Amezrou, mitten in den grossen Dattelpalmen. Der Chef offeriert eine gute Tajine maison. Am nächsten Morgen überzeugt er uns, dass wir noch einen Tag bleiben und im Hotel nebenan den Pool geniessen können. Dieses Hotel erinnert stark an Ferien auf Bali: Drink, warm, Pool, Palmen, grün.

Wir sind fast die einzigen Gäste. Der Zusatztag hat sich gelohnt. Heidi ist wieder Back-Königin. Christian aus London ist mit einem Kleinbus unterwegs, möchte auch den Erg Chigaga besuchen auf einem sicheren Track.

13.6. – 15.6.2023 Erg Chigaga – Tissint

Nun geht’s definitiv in die Wüste! Wir decken noch unseren Wasserbedarf. Über die RN9 durch das trockene Draa-Tal, durch die Berge. in die Hamada du Draa. Auf einem guten Track fahren wir nördlich der Sanddünen durch die Kiesebene. Wir begegnen Kamelherden und Antilopen. Von weitem sehen wir vereinzelte Berber-Zelte und Brunnen. Das Land ist „besetzt“! Ein paar Abstecher in die Dünen zwingen uns zur Rückkehr: die Sicht ist sehr schlecht, Spuren verschwinden im Dunst. Wir wollen keine unnötigen Risiken eingehen, bei den hohen Temperaturen und allein.

Beim NP d’Iriqui finden wir einen geschützten Platz. Hoffentlich zieht kein Sandsturm auf. Viele Käfer und Insekten werden vom Taschenlampen-Licht angezogen. Bald tauchen die ersten Fledermäuse auf, machen Jagd auf die Insekten.

Die Nacht ist ruhig. Am Morgen fahren ein paar freundlich grüssende Touris vorbei. Der Lac Iriki ist eine ausgetrocknete Schwemm-Ebene, der Schlamm trägt jetzt gut. Bei Nässe könnte er zur Falle werden.

Wir fahren am Tafelberg El Mdarouer el Srhir vorbei. Der Bergzug im Norden verschwindet im Dunst. Staub-„Nebel“. Der ruppige Track führt uns langsam durch eine Palmeraie zur „Kathedrale“. Wir sind früh dran und entscheiden uns für die Umrandung des El Mdarouer el Kbir mit der markanten „Kathedrale“ und dem spitzen Felsenfinger. Der PK-Track SFF ist selten begangen. die Spuren verwischt und oft mit vielen anderen vermischt. Auf halbem Weg nehmen wir die Abkürzung quer durch die Berge. Schotter, Felsen, Sand und Rüppelpiste wechseln sich ab. Bei der „Kathedrale schlagen wir unser Camp auf. Die Landschaft erinnert an Monument Vally und Talampaya.

Wir trinken literweise Wasser, aromatisiert mit Cola. Temperatur (gegen 40*C) und eine absolute Trockenheit zehren unseren Flüssigkeits-Haushalt aus.

Der Sonnenaufgang wird verpasst, aber die Kathedrale leuchtet trotzdem. Wir haben ein eher abenteuerliches Programm: zuerst durchqueren wir die Schwemm-Ebene des Oued Zguid inkl. Bachbett: die weggeschwemmte Strassenbrücke zeugt vom Hochwasser dieses trockenen Flusses. Wir verstehen jetzt die fehlenden Querspuren. Bald zweigen wir von der RN17 auf die PK-Piste SFT. Sie beginnt harmlos als Schotterweg, Er führt durch 2 wunderschöne „leere“, trockene Täler mit Akazien, Kamelen, Eseln, Ziegen und ein paar wenigen Berber-Zelten. Wenig zum Überleben, zuviel, um nichts damit anzufangen.

Dann folgt der angekündigte „Bergübergang mit groben Steinplatten“. Nach PK: SG3. Die Schwierigkeiten sind nicht enorm, wenn die Geschwindigkeit unter halber Geh-Geschwindigkeit und die Geduld 2Std anhält. Endlich kommen wir ins Tal von Tissint: eine fruchtbare Schwemmton-Ebene mit Dattelpalm-Kulturen. Der Weg ist nicht leicht zu finden: alte Spuren sind durch Kultur-Gärten verbaut. In Tissint staunen wir über den kleinen Stausee mit fliessendem „Wasserfall“: offenbar wirkt der Bergriegel wie ein Staudamm für das Aquifer oberhalb der Schlucht. Wir folgen dem Tal ein Stück und finden in einer grossen Palmeraie einen guten Nachtplatz. Der grosser Durst wird mit BiCoWa123 gelöscht.

16.6. – 21.6.2023 Tata – Tafraout – Icht

Wir folgen dem Tal entlang einer hohen Bergkette bis Tata. Wir sprengen Ali vom Essen weg um uns die Tür zum schönen, schattigen CP zu öffnen. Wir besuchen den Wochenmarkt: viel Gemüse, Früchte und draussen kläglich wimmernde Ziegen, essen im Restaurant Poulet mit Pommes, einmal etwas anderes.

Wir ändern unseren Reiseplan, statt direkt in den Süden ins Draa-Tal folgen wir der RN7 entlang dem Anti-Atlas. Vorbei an der Goldmine von Iouririne. Grössere Kamelherden überleben in der kargen Trocken-Landschaft, mit alter Vulkan-Aktivität. Die Besitzer locken sie mit Wasserstellen in ihren Rayon. Bei PK ABZX03 (Aît Adelnder) zweigen wir ins Tal Aît Mansour nach Tafraout ab. Dieses enge Tal überrascht durch sein üppiges Grün, die Palmen stehen dicht zusammen, die enge einspurige Strasse wirkt wie ein ausgeschnittener Tunnel. Fz über 3m werden ihre Mühe haben. Streckenweise führt der Fluss Wasser. Die Dörfer, auch zerstörte, sind an die Hänge geklebt. Die Strasse erreicht mit vielen Serpentinen bei Taloust 1673 müM. Dichter Nebel schwappt über die Wasserscheide. Tief unten leuchten Felder im Sonnenlicht. Die Geologie wechselt zu grossen Granitkugeln. In Tafraout bleiben wir auf dem CP Tête de Lion. Der Löwenkopf liegt im Nebel. Die Temperatur ist empfindlich kalt, die Daunenjacke bekommt wieder Arbeit, das „versprochene“ Schwimmbad ist leer. Neben uns stehen Thomas & Roswita aus D mit einem Aussi-Minen-Landcruiser von Australien. Wir bleiben 2 Tage, retablieren und ruhen. Es ist empfindlich kühl, um 20*C. Der Löwe zeigt sich doch noch in seiner ganzen Pracht.

Auf dem Weg nach Süden passieren wir den „Chapeau Napoléon“ und andere Felsformationen. Auf einer Hochebene liegen die „farbigen Felsen“, ein eindrückliches Kunstwerk des belgischen Künstlers Jean Vérame: grosse Granitfelsen sind in Gruppen blau, violet, rot, gelb schwarz bemalt. (1984, 20to Farbe)

Dann nehmen wir eine „Grab‘sche Abkürzung“ über einen kleinen Track der prompt mit Steinen blockiert ist. Über ein Fussballfeld und einen Strassengraben erreichen wir doch noch die Asphaltstrasse. Über die RR107 geht es steil in die Berge des Anti-Atlas nach Izerbi und weiter Richtung Süden. Wir zweigen auf die neue Strasse ab, die in die Schlucht von Igmir führt. Ein erstaunlicher Canyon öffnet sich in die Tiefe. Colorado lässt grüssen. Interessante Felsformationen mit einem grossen Fenster. Am Ende der Strasse ein grosser Parkplatz und ein kleines Dorf in der engen Schlucht. Bekannt ist der natürliche Tunnel durch eine Bergschlaufe: der Bach hat sich hier eine Abkürzung eingebaut. Durch das wilde Bachbett kann man an den Ausgangspunkt zurück laufen, vorbei an Palmengärten, Bewässerungskanälen. Ein Fussweg führt dem Bach entlang 5km nach Igmir. Das könnte eine interessante Wanderung sein.

Wir müssen die gleiche Strasse zurück fahren, gelangen aber weiter im Süden bei Igmir wieder in die enge Schlucht. Vereinzelte kleine Dörfer mit Palmenoasen. Nach dem Zusammenfluss mit dem Oued Tamanart weitet sich das Tal etwas. Gegen 7Uhr erreichen wir den grossen CP Borj Biramane bei Icht. Wir bekommen noch eine feine, geschmackvolle Tajine Poulet serviert.

Am Morgen machen wir mit Abdallah eine Führung ins alte Icht, ein 500 jähriges, befestigtes Dorf: im alten Teil sind die Häuser zusammengebaut mit „Stadt-Tor“ und unterirdischen Wegen. Die Häuser 3-stöckig: Stall, Wohnung für erste Frau + Kinder, Wohnung für zweite Frau + Kinder, Dachterasse und mitten drin ein offener Patio für das Sonnenlicht. Das Dorf ist besonders im Sommer schön kühl. In der alten Moschee erklärt er uns das Wesen des Islam: sanft, gütig, lebensfreundlich mit guten Taten. Er grenzt die Religion strikt vom Handeln des Menschen ab, das nicht religiös sein kann. Der „politische Islam“ hat nichts mit der Religion des Islam zu tun. Er erläutert die Situation der jungen Menschen in Marokko: sie sehen den „Reichtum der Touristen, der Rückkehrer und finden keine Perspektiven für Arbeit, Einkommen, Wohlstand (ausser für die Reichen: keine Krankenversicherung, keine Altersvorsorge. Wer arm ist bleibt arm. Deshalb ist der Druck nach Europa so gross, sie versuchen und riskieren alles für eine Flucht.

Am Nachmittag öffnet der Barkeeper den Pool für uns, ganz allein.

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Abdallah:

Pommier de Sodom: giftiger ? Strauch („Kabisblätter“), weisse Milch

Der Oscher (Calotropis procera (Aiton) W.T.Aiton, Syn.: Asclepias procera Aiton, Asclepias gigantea Jacquin non L.), auch Fettblattbaum genannt, ist eine Pflanzenart in der Unterfamilie der Seidenpflanzengewächse (Asclepiadoideae) innerhalb der Familie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae). Ihre Frucht wird auch als Sodomsapfel bezeichnet und ist nicht zu verwechseln mit der Pflanze Sodomsapfel aus der Gattung der Nachtschatten.

Johannisbrotbaum: die Kerne der Schoten wiegen genau ein Karat (––> Caroube)

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22.6. – 24.6.2023 Draa Tal

Schon im ersten kleinen Ort Fam El Hisn können wir mit Kreditkarte tanken. Wir füllen beide Tanks voll. Klar könnten wir in der West-Sahara günstiger tanken, aber bis dahin ist noch ein weiter Weg. und der SUB ist bald leer.

In Assa stellen wir fest: „The Master of the Universe“ hat vergessen das Dach zu fixieren. Wir sind mit offenem Dach gefahren. Das ist nicht gut

Wir kaufen Melonen, Guetsli, geröstetes Poulet mit Frites, Schafsfleisch, Wasser und etwas Früchte und Gemüse kurz vor der nachmittäglichen Siesta.

Bald führt uns die PK auf einen schönen, laaangen Track dem Oued Draa entlang. Das Tal ist breit, recht tief und grün, wenig Plantagen, viel Schwemmton und vertrocknete Böden. Der Track führt am Rand der Ebene, teils auf den Schotterrändern durch eine archaische, wilde, trockene Landschaft, mit den Bergen am Rand: im Süden die Kette des Jebel Quarkziz, im Norden die Ausläufer des Atlas. Ein paar mal lassen wir uns von den Spuren verwirren, landen im Caggo. Wir passieren an Palmen vorbei, Nomaden, Kamelen Eseln, Adler und 2 bellend-rennende Hunde.

Wir suchen „den schönsten Übernachtungsplatz von Marokko (Zitat PK). Der markierte Punkt ist direkt an der Piste im No-Where ohne Baumbestand. Klar ist die Bergkulisse schön, aber offenbar hat PK eine andere Vorstellung vom Schlafplatz oder schlicht falsche Koordinaten publiziert.

Also fahren wir noch ein paar km weiter und finden schöne grosse Tamarisken (?) mit einem schönen Sonnenuntergang, Poulet mit Frites und Guetsli zum Kaffee.

Die Nacht ist ruhig und kühl, knapp 20*C. Wir besuchen das Antennengrab, das PK (p. 180] beschreibt: auf einem Hügel ein Steinhaufen in Boomerang-Form. Nur aus der Luftperspektive richtig zu sehen. Der Hügel besteht teilweise aus Lava (gebrochen Geruch nach H2S. Wir finden eine Art „Achat“, zu verifizieren bei Joachim.

Die Fahrt durch das Draa-Tal ist abwechslungsreich: mal Weichsand, mal Geröll, mal flüssig, mal holprig-mühsam. Ein breites Tal, eingerahmt zwischen Bergketten. Heisser, starker Wind bildet Sand-Wirbel. Der Flusslauf ist grün von Akazien, Tamarisken, gelegentlich Palmen, Kakteen. Wir begegnen immer wieder kleineren oder grösseren Kamelherden. Die Beduinen halten sie mit Wasserbrunnen im Zaum. Sie sind oft mit alten Land-Rovern unterwegs.

Der Weg führt über Schwemmton oder Geröllfelder. Aufgebrochene Tonplatten sind Spuren der letzten Überschwemmung. Bald verabschiedet sich der Fluss durch die Berge (wirklich bergab durch Schluchten). Wir folgen der PK-Piste SAD weiter Richtung Tan-Tan. Die alte, zerstörte Siedlung Tilemzounn wird ausserhalb der Schlucht neu aufgebaut. Die Flüsse zeigen die Gewalt des Wassers, sollte es denn einmal fliessen.

Wir machen einen Abstecher zum Guelta Muleah (PK: SADG p. 179). Hier finden wir unter Palmen, am Wasser einen schönen Platz für die Nacht. Frisches Wasser drückt durch die Felsen, im kleinen Tümpel quaken viele Frösche. Spuren im Sand versprechen Besuch in der Nacht.

Heftige Windböen von der Küste kühlen empfindlich ab, gegen 20*C. Die Daunen-Jacke hilft. Regenwolken ziehen auf. Ob da was drin ist? Ein Platzregen wie in Rabat wäre hier nicht wünschenswert.

Am Morgen sind der Sand, die Pflanzenfeucht, ganz feiner Niesel macht sich bemerkbar. Ein Segen für die Blattpflanzen aber sicher zu wenig für den Rest. Kamele und Esel nähern sich dem Weiher, scheuen unsere Nähe. Dieser Platz ist ein Highlight zum Übernachten, die Ruhe selbst. Ein Nomade tuckert mit seinem Landi vorbei. Auf dem Weg nach Tan-Tan lernen wir eine archaische, trockene, leere Mondlandschaft kennen: weisser Quarz-Kies wechselt mit schwarzen Lava-Bruchstücken und grobem Schotter ab Die Piste ist dementsprechend ruppig, lässt keine Geschwindigkeit zu. Tan-Tan überrascht durch seine Grösse, Geschäftigkeit, Quirligkeit. Wir besuchen den „Marché Central“ und die „Bahnhofstraße“ voller Läden, decken uns mit Gemüse, Cocci, Milch und Butter ein.

25. 6. – 1.7. 2023 West Sahara

An der Küste landen wir im CP L‘Atlantique in El Ouatia.

Die RN1 führt uns entlang der Steilküste mit imposanten Ausblicken auf die Felsen und das trübe Meer. Die Tankstellen bieten, wie versprochen, den Treibstoff sehr günstig an: Marokko subventioniert damit die West-Sahara-Gebiete. Mitten an der Autobahn zweigen wir auf die PK Piste KNA ab. Sie führt uns in 50km zum prähistorischen Wasserfall Khaoui Naam. Der Track lässt keine Geschwindigkeit zu, zu grob-steinig mit teils steilen Auf- und Abstiegen auf die verschiedenen Fels-Plattformen. Die Track-Spuren sind oft kaum zu sehen, führen immer wieder in die Irre. Wir müssen uns strikt an die GPS-Spur halten. Wir passieren viele Kamelherden in trockenen Buschlandschaften. Gegen das Ziel sehen wir von weitem einen Mann wild winken. Er versucht seinen Landrover wieder in Gang zu setzen. Offenbar ist die Treibstoff-Pumpe defekt. Er spricht nur arabisch, wir verstehen uns sehr schlecht. Ich bin zu wenig mechanisch versiert und kann nicht helfen. Er hat sein Lager offenbar nicht allzu weit weg. Er bedankt sich mit „shukran“. Wir erreichen den „grossen Wasserfall“. Er muss in frühen Zeiten fast das Ausmass des Gulfoss in Island gehabt haben. Heute tröpfelt nur noch eine schweflige Giftbrühe über die hohen Felsen. Nicht mal die vielen Kamele und Esel der Umgebung trinken das rare Wasser. Am Morgen kommt ein lokaler Töff-Fahrer vorbei, auch er spricht nur arabisch. Er überprüft seine Kamele.

Der zweite Teil des Tracks, PK-KNB führt über 120km nach Laayoune. Die Piste ist hier meistens klar zu erkennen, immer wieder ruppig, mal fein. Ab El Hagounia ist die Strasse geteert. Aber viele Wander-Dünen versperren uns den komfortablen Weg. wir müssen auf weiche Pisten ausweichen.

Laayoune scheint ein grosses Zentrum zu sein, für Strom und Intensiv-Landwirtschaft. Wir fahren zur Küste nach Foum el Oued, der „ Plage de Laayoune“ Der Stellplatz ist sauber, der Platzwart bemüht sich sehr, das Rauschen der Wellen ist laut, die Sicht ist beschränkt von „Staubdunst“.

Zum z‘Nacht feines Lamm-Gigot mit Bohnen-Kartoffel-Eintopf mit einem Glas Syrah von den Störchen.

In El Marsa füllen wir die leere Butagas-Flasche auf, das geht reibungslos, schnell, billig. Der Industrie-Hafen von El Marsa hat laut Karte einen 3km langen Pier ins Meer. Der Zugang ist jedoch blockiert. Entlang der Strasse RN1 verhindert eine 8km lange Mauer den Zugang zum Meer, damit den Blick auf den Pier. Sie gehört zum Phosphat-Verlade-Hafen. Ein Förderband bringt das Material über 100km von der Mine Boucraa zum Hafen El Marsa.

Wir entscheiden uns, nicht mehr weiter nach Süden zu fahren und kehren um. Auf der RR109 fahren wir dem Strand entlang von Foum El Oued nach Tarfaya. Der Strand ist alles andere als leer: alle paar hundert Meter steht ein bewohntes Haus. Heftiger Gegenwind bläst Sand über die Strasse zu den Wanderdünen. Die Küste ist nun nicht mehr flach-sandig klar sondern felsig, das Wasser trüb, mit Algen. Kurz vor Tarfaya liegt ein gut erhaltenes Wrack im Wasser. In Tarfaya finden wir die Eisfabrik mit dem Wasserhahn, jedoch kommt kein Trinkwasser. Wir fahren über die RN1 weiter zum NP Khenifiss, vorbei an den Salinen. Beim Park-Zentrum bleiben wir auf dem Parkplatz. Ein Camper mit Franzosen steht schon da. Wir haben einen schönen Ausblick auf die Lagune, leider zur falschen Jahreszeit: sie ist ein wichtiger Zwischenstopp für die Zugvögel, Flamingos, Kormorane, Löffler, Mal-Enten uva. Unser Standplatz ist auch ein „wichtiger Durchgangsplatz für rasche Nacht-Wanderer“: Nachts leuchten überall im ganzen Parkkurz starke Taschenlampen auf. Ist das eine der Durchgangsrouten von Zentral-Afrika nach Europa? Alles zu Fuss der Küste entlang? Oder bewacht das Militär das Gelände?

Zum z‘Nacht feiner Nudel-Thon-Salat.

Der Platz ist eigentlich schön, die Sicht auf die Lagune herrlich, aber die Vögel und die Toiletten-Anlagen fehlen, der Urin-Geruch ist penetrant. Der Parkwächter nimmt unsere Personalien auf und ein Mann mit umgehängter offizieller Visitenkarte zieht das Parkgeld ein.

Wir fahren auf der RN1 weiter nordwärts. In Akhfennir funktioniert die Kreditkarte zum Tanken nicht. 20km weiter können wir an der Shelly-Tankstelle günstigen Diesel mit Kreditkarte auffüllen. Wegen dem 2-tägigen Opferfest (Eid Al Adha, 28.-29.6.2023) sind alle Läden geschlossen, ebenso in El Ouatia und Tan Tan. Kaum Verkehr auf den Strassen, weit und breit keine Leute.

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Ministerium für religiöse Angelegenheiten gibt offiziellen Termin zum Aid Al Adha (Opferfest) bekannt)

Rabat – Der erste Tag des neuen Monats des islamischen Kalenders Dhu al-Hijja des Jahres 1444 der Hegira fällt in Marokko auf Dienstag, den 20. Juni 2023. Damit ergeben, dass Aid Al Adha (Opferfest) am Donnerstag, den 29. Juni 2023, gefeiert wird. Dies teilte das Ministerium für Stiftungen und islamische Angelegenheiten am gestrigen Sonntagabend (18. Juni 2023) mit.

Das Ministerium teilte in einer Erklärung mit, dass es die Mondsichel, die den Beginn des Monats Dhu al-Hijja ankündigt, nach dem Al-Maghrib-Gebet am Sonntag, dem 29. Dhu al-Qa’dah 1444 H, was dem 18. Juni 2023 entspricht, nicht beobachtet hat und fügte hinzu, dass „alle Delegierten des Ministeriums im Königreich und die an der Beobachtung beteiligten Einheiten der Königlichen Streitkräfte bestätigt haben, dass die Mondsichel nicht beobachtet wurde“.

Somit hat der Monat Dhu al-Qa’dah 1444 H eine volle Dauer von 30 Tagen, womit der Monat Dhu al-Hija am Dienstag, den 20. Juni 2023, beginnt und Eid AI Adha folglich am Donnerstag Dhu al-Hijja 10, 1444 gefeiert wird, was dem 29. Juni 2023 entspricht, so die gleiche Erklärung weiter.

In Europa wird das Opferfest einen Tag vorher gefeiert. Die Feierlichkeiten in Marokko dürften daher einen Tag nach dem Beginn des Opferfestes z.B. in Europa begangen werden. Auch die Länder des Nahen Ostens dürften bereits am 28. Juni 2023 das Opferfest begehen.

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1.7. – 30.7. 2023 Atlantik-Küste

Der Bau der neuen Autobahn RN1 ist schon weit fortgeschritten. Die weissen Kamele, Wahrzeichen von Tan Tan, treffen wir etwas später mitten auf der Gegenfahrbahn, Wir zweigen nach dem Oued Draa auf eine Piste ab, die uns zum Ksar Tafnidilt führt. Eine modern-traditionelle Hotelanlage mit Camping, neben einem alten, zerfallenden Ksar. Wir lassen uns eine Tajine kefta servieren (Fleischkugeln an Tomatensauce). Mit etwas Salz, Pfeffer recht gut. Die Gemüsesuppe (Kürbis, Kohl?) reichlich, gut. Die Tajine Poulet / Gemüse ist ausgezeichnet.

Wir besuchen an unserem „freien Tag“ noch den alten Ksar, neben interneten.

Unsere Vorräte sind etwas mager. Wir bekommen ein frisch gebackenes Brot mit auf die Reise. Der Track PK STB führt uns zum Cap Draa. Dieser Track hat es in sich: Wanderdünen, Weichsand, steile Aufstiege, ruppige Felsen und Steine. Wir kommen nur langsam vorwärts. Am Cap Draa wacht die königliche Armee. Der Fluss dringt durch eine breite Schlucht ins Meer. Entlang der Steilküste gibt es immer wieder schöne Ausblicke auf das rauschende Meer. Der Kanaren-Strom bringt kaltes Wasser an die Küste, deshalb ist das Klima frisch-kühl (20-25*C) das ganze Jahr. Eine konstante Wolkendecke trübt den Blick in die Ferne. 4km vor der Bordj Aoreora Ruine finden wir einen „gäbigen“ Schlafplatz über den Klippen, bei einer Hausruine. Die „Küche“ zaubert eine feine Nudel-Gemüse-Kombination aus den Reserven. Ein Esel und ein Pferd trotten vorbei. Das Meer rauscht uns in den Schlaf.

Nachts kommen 2 Militärpolizisten vorbei: Passkontrolle. Patrouillen leuchten nachts die Umgebung mit starken Lampen herum. Im Khenifiss-NP waren das offenbar dieselben Leute, keine Migranten. Am Morgen leichter Niesel-Regen bei 20*C.

Durch Wanderdünen gelangen wir zum Oued Aoreora. Wir queren den Oued etwa 9km von der Mündung über eine steile Passage ins Tal. Auf dem folgenden Plateau finden wir viele Tracks, die meistens bei einem Haus enden. Via Google-Earth und MapOut haben wir uns einen „plausiblen“ Track selber gezeichnet und können ihm fast problemlos folgen, über weite Felder mit Kamelherden, verblockten und weichsandigenStellen. Auf den Satelliten-Aufnahmen auffälligen Strukturen entpuppen sich als gepflügte Äcker mit Randsteinen. Ob hier Weizen wachsen soll oder Quinoa? Keine Ahnung. Mitten im No-where ein einsamer Beobachtungsturm des Militärs.

Einige km vor El Abied wurde eine Asphaltstrasse gebaut, mit Sandhaufen versperrt, doch die Anwohner fahren problemlos drüber. Das Gebiet um El Abied wird neu entwickelt mit Hotel und Strassenbauten. Die neue Brücke über den Oued ist zwar fertig, aber noch gesperrt.

Wir fahren auf der RP1302 weiter und zweigen nach Fort Bou Jerrif ab. Das moderne Resort wurde von einem Franzosen gebaut und gehört nun einem Genfer. Wir bleiben 2 Tage, besuchen das alte Fort und geniessen ein feines, selbst gemachtes „Osso bucco de Dinde“.

Der Weg führt uns weiter durch die Gebirgs-Schluchten des Küstengebirges in die weite fruchtbare Eben von Guelmim mit vielen Gewächshaus-Plantagen. Bei einem Brunnen können wir frisches, gutes Trinkwasser tanken. Geldwechseln auf einer Bank in Marokko ist sehr zeitraubend: eine grosse Warteschlange, einer der Schalter und Geldmaschine bedient und 4 sitzen herum und warten auf Kundschaft. Im Marjane füllen wir die Vorräte auf. Zum Übernachten müssen wir in die Oase Tighmert fahren. Der erste CP ist geschlossen, beim zweiten taucht nach einer kurzen Zeit der Besitzer auf (war noch beim Essen).

Wir besuchen nochmals Guelmim, Marjane und den Markt und fahren direkt durch die Küstenberge nach Sidi Ifni, ein moderner See-Badeort (mit kühlem Atlantik-Wasser). Endlich ein Restaurant, das etwas anderes als Tajine bietet: Seafood, fein.

Die Fahrt der Küste entlang nach Norden bietet ein paar High-Lights: die Felsentore von Igzira, der Badeort Igzira, die wir zu Fuss erkunden. In Mirleft bleiben wir auf den CP Le Nomade.

Von Mirleft wählen wir einen Weg etwas abseits der normalen Route „hinten-durch“ durch kleine Dörfer, über die Berge. Schöne Ausblicke auf das Meer und die Berge. Die Strasse ist einspurig, aber gut ausgebaut. Wir passieren viele verdorrte Feigen-Kakteen-Kulturen: sie sind alle einer tödlichen Krankheit erlegen. Wir landen in der Ebene von Tiznit und finden 1km ausserhalb der intakten Stadtmauer einen wunderschönen CP Targua. In 3 Tagen geniessen wir die Ruhe auf dem CP, fast allein: ein Franzose ist mit ganz grobem Geschütz eingezogen: ein 8m-Haus mit Doppel-TV und einem Buggy mit Lamborghini-Motor und zugehörigem Anhänger. Ein Mechaniker repariert die Antenne. Wir schlendern durch die schöne, verwinkelte Altstatt von Tiznit, ein Zentrum der Silber-Schmuck-Herstellung.

Wir planen die Weiterfahrt entlang der Küste durch den Sousse-NP. Die Tracks sind verschwommen, in Google-Earth knapp sichtbar. Von Aglou aus ist der Weg die ersten 5km noch klar aber dann folgen „Fischer-Tracks“: unklar, verzweigt, Dead-Ends. Bei einem Oued wird es Tricky: der Abstieg ist noch ok, aber der Aufstieg im weichen Sand wird von der Crew unterschiedlich beurteilt. Sicher ist, dass noch mehr Dünensand folgen wird. Wir entscheiden uns für die Variante „innen-durch“ über die Hauptstrasse RP1016 über Massa auf die RN1 nach Tifnit auf den CP La Palmeraie. Eine sehr schöne Anlage von einem Franzosen gebaut und vor einem Jahr eröffnet. Die Bepflanzung sieht jedoch schon viel reifer aus, bietet Schatten und Sonne. Der rote Oleander duftet fein nach Vanille-Cacao, Männertreu.

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Eine spezielle Baumart fällt auf: Kurrajong Flaschenbaum Brachychiton populneus (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Brachychiton_populneus). Ein Zierbaum aus Ost-Australien. Wir begegnen ihm übrigens noch oft auf andern CP.

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Swimming-Pools verleiten (trotz tiefen Temperaturen um 25C) zum Planschen. Die Anlage wird von Tagesgästen gut besucht, Wenige Camper und ein paar zeltende Familien geniessen ihre Zeit. Der CP bietet uns einen Service an zur Verlängerung unseres Marokko-Aufenthaltes. Wir müssen ein halbes Dutzend Dokumente vorbereiten Kopien und auf der Gemeinde in Sidi Bibi beglaubigen lassen. Nun müssen wir auf die Antwort warten. Der CP akzeptiert Kreditkarten, deshalb können wir ungeniert im Restaurant essen gehen. Sie bieten Tajine, Tacco, Pizza an jeweils Dinde, Boeuf, Kefta, oder Poisson (wenn‘s hat). Dazu Glace. Die Region ist die Geburtsstätte des Tajine, darauf sind sie stolz. In Sidi Bibi steht eine Tajine-Statue. Es herrscht kühl-kaltes Wetter, 20-25C, wechselt am Abend mit Gewitter und warmen Regentropfen.

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Die Webseite whot.ch funktionierte nicht mehr: nach einem Update störten Inkompatibilitäten. Update zurück nehmen, System auf den neusten Stand bringen und es funktioniert.

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Der CP bietet den Service für die Aufenthaltsverlängerung. Wir bereiten die Unterlagen vor. Mr. X kontrolliert, kopiert sie. Wir müssen auf der Gemeinde alles beglaubigen lassen. Wartezeit für Unterschriften, Stempel und Marken: 2Std. Mr.X (Houssan?) bringt sie zum „Touristenamt“ (?). anschliessend müssen wir zusammen zur Gendarmerie Royale für ihre Unterschrift. Der Polizist beklagt sich wegen der Bürokratie in Marokko. Nun läuft das Prozedere. „Irgendwann“ werden wir die Zulassung bekommen.

Wir machen einen Ausflug nach Agadir, kaufen im Carrefour ein. Im „Cave“ lagern die Alkoholika. Wir füllen unser Bier-Lager. Dann suchen wir einen Weg ins „Paradise Valley“, landen irgendwo auf der Müllhalde von Agadir. Eine neue, noch nicht registrierte, nicht betriebsbereite Autobahn führt uns zu einem Dead End. Wir schummeln uns weiter, bis wir wieder „auf der Karte“ sind. Die Landschaft ist eigenartig weiss vom steinigen Kalkboden mit vielen Arganienbäumen, Ein UNESCO-Weltkulturerbe (https://de.wikipedia.org/wiki/Arganöl) Wir landen auf dem CP Paradise Nomade, Amalou. Die Kinder werden zum lauten Esel geführt: „dites bonjour“.

Nach 2 Nächten fahren wir weiter Richtung „Paradise Valley“. Über steile Berge, tiefe Täler, Serpentinen gelangen wir zum vollen PP. Ja, die Marokkaner sind in den Ferien, besuchen ihre Sehenswürdigkeiten. Auf dem Fusspfad merken wir die Hitze: aha, das ist das, wovon ganz Europa stöhnt. Das Valley ist eine schöne, grüne Oase mit Wasser-Gumpen zum Baden. Der Tourismus ist voll entwickelt: Stühle und Tische im Wasser, eine Fressbude neben der andern, viele Leute im Wasser, der Bach ist noch nicht ganz ausgetrocknet. Sogar Fische schwimmen in grosser Zahl herum. Der Weg weiter ins Tal ist ein Latrinenweg. Wir kehren um. Im iOverlander finden wir einen wilden Übernachtungsplatz weiter oben im Flussbett. Der Weg hinunter ist jedoch steil schmal und „abenteuerlich“. Wir fahren weiter in die Berge, bis 1300müM. Zuerst über Teerstrassen und dann, vom Pass zweigen wir auf die RP1004 ab. Auf MapOut eine „gelbe Strasse“ in Realität ein enger, steiler verblockter 4WD-Track mit Spitzkehren, der es in sich hat: steiler Abgrund auf der Mitfahrerin-Seite, Geschwindigkeit langsamer Fussmarsch im 1. Geländegang (nach PK SG 3-4 für unser FZ, 5 für grössere FZ). Weiter unten folgt dann eine neue, noch nicht registrierte Strasse mit schönen Geologie-Aufschlüssen (1000 Colors). Riesige Felsplatten überragen das Tal, dienen als Unterschlupf „für Höhlenbewohner“.

Der CP Terre d‘Ocean von Taghazout thront hoch über dem Atlantik gross, mit ein paar lauten, Kiffenden Marokkanern. Ein Spanier interessiert sich für Kooka. Jonny ist in Simbabwe geboren, kennt den Süden Afrikas gut und träumt von einem Klon von Kooka.

Wir bekommen vom CP in Tifnit gute Nachrichten: die Bewilligung ist da.

Ganz Europa leidet unter der Hitze- und Touristen-Welle Hitze, Stau und Dichtestress überall. Der Strand von Anza ist dagegen „locker bestückt“. Surfer suchen im kühlen Wasser die „ultimative Welle“ und wir drinken im Blue Waves Surf einen frischen Vitamin-Shot: Orangen-, Limetten- und Gingersaft, essen dazu einen Salat mit rohem eingelegtem Fisch. Herrlich frisch und einmal anders, wie Ferien.

Im CP Palmeraie bekommen wir unsere Aufenthalts-Dokumente. Wir könnten weitere 3 Monate bleiben.

Nach ein paar Tagen geht unsere Reise weiter Richtung Essaouira der Küste entlang, vorbei an Bananen-Plantagen, durch die lockeren Arganien-Wälder. 200 müM bleiben wir auf einem schönen Platz mit grandioser Aussicht auf die Küste und den Sonnenuntergang. Es gibt ein feines Entrecote mit Bohnen/Pasta. Reisekoller macht sich bemerkbar.

Der Weg der Küste entlang (RP2201) bietet immer wieder schöne Ausblicke auf das Meer, steigt über 300müM, ist aber recht „rough“. Wir haben den Reifendruck immer noch auf „Autostrasse“. In Tafedna, einem Fischerdorf, bummeln wir bei heftigem Wind dem Strand entlang. Im Restaurant Aftasse lassen wir uns frischen Dorade und Sardinen auf dem Trottoir grillen. Die Sardinen sind überraschend gut („sehr bitter!“), die Dorade etwas dünn. Wir sammeln den Gräte-Abfall im Tellerchen, nicht so zerstreut wie am Nachbartisch, über die ganze Tisch-Fläche verstreut. Der Weg führt uns weiter, der Küste entlang, durch lockere, steinige Arganien-Wälder, mit schön aufgeschichteten Trockenmauern (als Depot für die Steine) ob hier im Winter Weizen gesät wird, wissen wir nicht. Statt nach Essaouira (ohne CP) fahren wir ins Hinterland auf den CP Esprit nature der Franzosen Patrice und Séverine: gut ausgebaut und mit schattenspendender Bepflanzung. Wir besuchen von hier aus die Altstadt Essaouiras. Eindrücklich, eng farbig (blau-weiss) lebendig aber nicht überfüllt. Hier muss es in der Touristen-Saison dicht zu und her gehen. Viele Shops von Plunder („MiC“) bis Kunsthandwerk. Im sehenswerten Souk werden Fische verkauft, Katzenhaien wird die Lederhaut mit einer Beisszange vom Leib gerissen. Wir suchen uns eine Kombination von „Aal?“, Dorade, Flunder und Crevetten aus. Sie werden grilliert und uns auf der Dachterrasse mit marokkanischem Salat serviert. Der Aal ausgezeichnet, die Flunder gut, die Dorade leicht verbrannt mit Schuppen und die Crevetten klein, dank Darm leicht bitter.

Wir kaufen Arganöl für die Haut (geruchsneutral) und zum Kochen (geröstet, wie Sesamöl.

Wir schlendern weiter durch die engen Gassen und landen bei der Bastion Nord, der Skala de la Ville. Von der Stadtmauer herrlicher Blick auf die Brandung des, vom Wind aufgepeitschten Meeres. (Essaouira, früher Mogador – the windy City). Kanonen erinnern an die wehrhafte Stadt zu früheren Zeiten. Bei einer Glace lassen wir uns von der lauten Musik der Strassenmusikanten nicht stören. In der Musik-Szene ist Essaouira bekannt (Jimmy Hendrix, Bob Marley, Rolling Stomes Jim Morrison waren in den 70ern hier) und im Juni das Gnaoua-Festival. Im Carrefour füllen wir unsere Vorräte. Den CP geniessen wir einen weiteren Tag. 4 Tupperware (F) ein Zelt (MA) und ein Caravana: Mini:Wohnwagen (D) leisten uns Gesellschaft. Herrlicher Schwumm im Pool für uns allein.

Zum z‘Nacht ein Racclette mit Sauerkraut, Birne, Kartoffeln, Gurken, Speck, Zwiebeln, Surimi auf dem Gasofen und einem Glas Wein: einmal etwas anderes, ausgezeichnet im Geschmack und der Gasgrill (mit Toastergrill) ideal: abstellen / heizen. Vreni & Roberto’s Racclette-Pfännli bewähren sich ausgezeichnet.

30.7. 4.8.2023 – Atlas-Ausläufer

Nun gehts von der Küste weg in die Berge, über die Ausläufer des Hohen Atlas Richtung Taroudant. Wir wählten die direkteste Linie „über Stock und Stein“, Nebenstrassen und Pisten. Nach dem Volltanken in Ounagha werden wir überrascht von eigentlich recht guten Strassen, sogar „der gestrichelte Pfad“ ist eine voll ausgebaute Piste. Google Earth hatte also doch recht. Wir fahren durch lockere Arganienwälder mit vielen Trockenmauern und gepützelten Feldern (Weizenfelder im Winter?). Marokko ist „besiedelt und landwirtschaftlich genutzt“. viele Kleindörfer, vereinzelte Höfe, alte Ruinen und Neubauten. Gegen das Landesinnere steigt die Temperatur bis gegen 40*C. Der anvisierte Übernachtungsplatz in einem Bachbett ist uns zu warm.

Über 500müM wechselt der Baumbestand zu niedrigen Wacholderbüschen. Riesige Schneisen deuten auf Brandschutz-Massnahmen hin: der Wald hat offenbar schon mal gebrannt.

Auf 1000müM finden wir einen gäbigen ÜP, abseits der Strasse, hoch über dem Tal. Das Thermometer zeigt 40*C, ein frischer Wind kühlt angenehm. Die Ameisen lassen sich von Brosamen nicht zweimal bitten: sie überfallen uns zu tausenden. Feine Gemüse-Nudeln bilden den Abschluss.

Am Morgen erreichen wir „endlich marokkanische Verhältnisse“: Das Thermometer zeigt 50*C an. Heute wird‘s warm! Wir steigen von 1000müM ins Tal runter auf 600müM und wieder rauf auf die Berge, auf guten Strassen. Bei Ait Aissis Ihahane zweigen wir auf eine ruppige, schmale, steile, verblockte, ausgewaschene Piste ab. Nach einem km fragen wir uns, ob wir uns wirklich die nächsten 20km antun wollen. Der Gestrichelte Teil der Piste kommt ja erst noch. Umwege sind weiträumig. Google Earth zeigt zwar eine fahrbare Piste. Wir fahren weiter. Nach einem weiteren km die grosse Überraschung: eine nigel-nagel-neue Strasse führt uns weiter, Berg & Tal, durch kleine Dörfer. Auch der gestrichelte Abzweiger ist eine ganz passable gute Piste.

Wir merken: Marokko ist bevölkert, bebaut und erschlossen.

Bald erreichen wir die Höhe von Tiqqi, vorbei an einem schönen Fichtenwald, den wir uns merken. In Tiqqi zweigen wir rechts ab. Unser Ziel: Die Grotte Win-Timdouine (https://fr.wikipedia.org/wiki/Grotte_de_Win-Timdouine , kurze Schluchten. 6km vor dem Ziel ist fertig lustig: der Rest ist ein enger, anspruchsvoller 4WD-Track. Wir kehren um. Ist ja nicht sicher ob die Höhle für Zufallsgäste überhaupt zugänglich ist. Auf der Rückfahrt entdecken wir eine „Höhlen-Siedlung“: Häuser sind unter überhängende Felsen gebaut, erinnert an die Pueblos in Neu-Mexiko. Bei Tiqqi suchen wir uns einen Nachtplatz. Der anvisierte Platz ist zwar flach, ohne Schatten, ohne die erwartete Aussicht auf den Stausee Abdelmoumen. Also fahren wir zurück zum Fichtenwald. Ein herrlicher Platz um den Durst zu löschen und für ein feines z‘Nacht: Kartoffelsalat à la Patrone mit Rosenkohl und Filet vom Rind (ja in Marokko kostet nicht nur das Brot „es Zwänzgi“ sondern auch die guten Fleischstücke sind sehr günstig).

Wespen und ein Super-Käfer leisten uns Gesellschaft. Am Morgen Ziegen und ein Einheimischer „Tourist“, der sich neben dem Auto ein Schläfchen gönnt.

Wir fahren die kurvenreiche Strasse runter zum Stausee und auf der andern Seite über den Tizi Oukhij vorbei an schönen Terrassenkulturen und kurvenreich ins Sousse-Tal runter nach Lamnizla. Schon von Weitem grüssen die grossen Plantagen-Felder, riesige Treibhäuser: Das Soussetal ist dank gutem Wasser-Vorkommen sehr fruchtbar: Früchte (Citrus, Bananen, Äpfel, Pfirsiche, Nektarinen).

Taroudant besticht durch seine intakte Medina mit der Stadtmauer. Der anvisierte Stellplatz vor dem Stadttor Bab El Khemis ist geschlossen, wir landen im schönen CP Le Jardin, etwas ausserhalb der Stadt. Wir sind die einzigen Besucher, freundlichst empfangen vom Besitzer. Wir finden den idealen, schattigen Platz neben den Bougainvilla und Jasmin, der nachts herrlich duftet.

Kleine Service-Arbeiten: den SUB-Tank freiblasen, den kleinen Gaskocher wieder in Gang setzen, „Klebarbeiten“. Wir besuchen gegen Abend die Medina, die Souks. Ein ex-mitarbeiter des Circus Royal führt uns durch die Souks zu „gewissen Läden. Wir bekommen eine Einführung in die Herstellung von Arganöl. Da ist viel Leben auf der Strasse, besonders viele Frauen haben „Ausgang“ um Einkaufen. Wir finden Ersatz für die defekte Thermos-Flasche, eine Marokkanische Teekanne und Fliegen-Täpper. Da ist kein Einkaufszentrum notwendig. Auf einer Dachterrasse gibt‘s eine Tagine Poulet, mal ohne Gemüse. Aus den umliegenden Moscheen ertönen die Muezzin in stereo. Die Temperatur ist angenehm kühl, nachts 22*C, am Tag bis 35*C.

4.8. – 8.8. 2023 – Taroudant – Hoher Atlas – Ouarzate

Wir planen die Weiterreise über den Tizi n’Test, quer über die Berge Richtung Ouarzazate.

Unser Weg führt uns durch das fruchtbare Sousse-Tal, entlang von Fruchtbaum-Kulturen, großen Melonenfeldern, abgeernteten Weizenfeldern und grossen Treibhaus-Plantagen. Wir kaufen noch genügend Wasser, Brot, Coke für die nächsten Tage und füllen die Tanks. Eine riesige Kamel-Karawane kreuzt unseren Weg. Ausserhalb Oulad Berhil suchen wir eine „Site historique“. Elmghafra ist eine unterirdische Säulenhalle. Wasserreservoir? Lager für Ernte?

Nun steigt die Strasse steil, serpentinenartig zum Tizi n‘Test auf 2000müM. Mit Tiefblick ins Tal. Bei einem Zwischenstopp füllen wir unseren Wassertank auf, bei einem Thé Menthe. Der Verkehr hält sich in Grenzen, die Strasse ist gut ausgebaut. Auf der Passhöhe bläst uns ein starker Wind entgegen. Wir parken Kooka neben dem Gästehaus. Der Wind erschüttert das Zelt arg. Nachts wechseln wir den Platz vor das Haus. Vom Garten dringt eine starke Duftwolke des Feigenbaumes heran. Auf der Dachterrasse des Restaurant bekommen wir bei untergehender Sonne eine Omelette Berber und eine Tajine Poulet. Der Wirt pflanzt Iris. Die getrockneten Wurzeln „se vendent“. Für die Parfümerie?

Unsere Route geht nun steil in Kurven bergab. Durch grüne Oasen mit „vertrockneten Dörfern“.

Bei Ijoukak zweigen wir rechts in ein Seitental. Die befürchtete Piste erweist sich als neu gebaute, schmale Strasse. Wir steigen bis 2500müM. Auf der Passhöhe finden wir viele Bienenstöcke: Apikultur im industriellen Massstab. Sie gewinnen den Honig von „gelb-grünen Stachelkissen“ mit kleinen, unscheinbaren Blüten. Dem Kooka müssen wir die verstopfte SUB-Arterie ausblasen. Es hilft nur kurz: stinkender, blauer Rauch entweicht dem Auspuff bei strengem SUB-Betrieb. Wasser im Tank??

Die Suche nach einem geeigneten Nachtplatz ist nicht einfach: entweder steile Berghänge, felsige Bachbette oder Kulturland mit Dörfern. Ein Strassenbau-Platz wäre zwar flach, aber unwirtlich, kein Schatten. Endlich finden wir ein flaches, sandiges Bachbett, im Schatten von Mandelbäumen und bei abgeernteten Feldern. Ein paar Mandeln sind reif. Ein wunderschöner, idealer Schlafplatz, kühler Wind. Am Abend kommt der junge Bauer vorbei: kein Problem. Wir geniessen Gemüse-Spagetti-Flädli mit einem feinen, zarten Faux-Filet und den Rotwein mit Orangina: eine Sangria. Sogar das internet funktioniert hier gut.

Nachts um 20-22*C am Morgen scheint die Sonne wieder sehr warm, ein kleines Lüftchen kühlt.

Geissenpeter besucht uns mit seiner grossen Ziegenherde.

Bis Igli geniessen wir noch den guten Weg, aber dann kommt‘s ganz dick: die 25km von Igli bis Tayoualte ist zwar ein Fahrweg, aber schmal, steil, mit engen Spitzkehren durch enge Dörfer, von 1200-2000müM. Mit bedrohlicher Tiefsicht. Nicht gerade nervenberuhigend. Aber phänomenal.

Granit zerfällt zu Sand. Grosse Granitkugeln. Viele Mandelbaum-Kulturen. Tayoualte ist wie ein Stadt-Souk ohne Stadt: ein 4-eckiger Platz umgeben von diversen Shops.

Ab Tayoualte wieder Asphaltstrasse, aber weiterhin kurvig, steigend. Wir suchen einen Nachtplatz und finden ihn in Ascaoun: vor der Stadtmauer ein Pinienpark mit geparkten Autos. Gerade richtig, mit guten Schattenbäumen und recht flach. Kaum ausgestiegen kommen die ersten Kinder, dann immer mehr. Zuerst etwas schüchtern, dann vorwitzig und schliesslich besitzergreifend und nur noch störend. Nach einer Stunde packen wir zusammen und fahren weiter auf der Suche nach einem Schlafplatz. Irgendwie haben wir‘s geschafft und fahren in die falsche Richtung, den Weg zurück, merken das aber erst nach über 10km. Also retour. weiter hinauf. Auf 2400müM finden wir eine flache Grube des Strassenbaus, etwas abseits der Strasse. Nach dem Nachtessen bekommen wir Besuch. ein junger Ziegenhirte spricht kaum französisch, aber in einer Gebärdensprache. Er lässt sich kaum abschütteln, geht erst nach 11 Uhr. Ein zweiter gesellt sich kurz dazu, begnügt sich mit Wasser und geht wieder.

Weiter geht die Reise über den Tizi Touggoukine (2500müM) in ein altes Vulkangebiet mit den markanten Anrar, Tougmast und Amsdour, ein 3000-er. Viel Lava, Vulkanasche und zerborstene Granit-Strukturen. Die ganze Landschaft erinnert an die Vulkanlandschaften in den Anden. Die grünen Ebenen erinnern an die Bofedales, ohne Lamas., dafür mit Ziegen, Schafen, Rindern. An den Hängen kleben grosse und kleine Dörfer. Nach Tachakchte gelangen wir auf grosse Hochebenen, die landwirtschaftlich genutzt werden (Weizen?). Ab Anzal gelangen wir auf die RN10 mit etwas Verkehr. Die Landschaft erinnert an den Wilden Westen in NA. Beim Stausee des Assif Iriri treffen wir auf eine kleine Geisterstadt: Die Film-Location Gas Haven (scenery „Hills Have Eyes“ (2006) Gas Station). In Ouarzazate bleiben wir wieder auf dem CP Munizipal. Die Temperatur liegt Tags bei trockenen 35-40*C, nachts bei angenehmen 28*C.

8.8. – 18.8. 2023 Ouarzate – Tifnit – Marrakech

Wir werden überrascht vom Regen. Ein paar Tropfen nur, aber mehrmals werden wir unter die heisse Markise gejagt.

Ein Telefon-Anruf aus Sidi Bibi beunruhigt uns: wir sollen bei der dortigen Polizei unsere Pässe stempeln lassen.

Ein Besuch bei der Gendarmerie Royale zeigt: wir müssen zurück, nach Biougra. Nur wohin genau? Mohammed, der Police-Officer antwortet nicht auf unsere Nachfrage, also fahren wir nach Sidi-Bibi, fast 400km. Wir nehmen den „direkten Weg“ über die Berge Talkida, die sich als zahm erweisen: die Strasse ist gut ausgebaut, führt zuerst durch eine neues „Stadt-Entwicklungsgebiet“ mit vorfabrizierten Strassen-Quadrate. Die Berge sind die Ausläufer des Vulkangebirges. Nach Taznakht geht’s mit der RN10 über weite Hochebenen mit Landwirtschaftsland hinunter nach Taliouine. Wir bleiben 2 Nächte auf dem CP Toubkal. Über den Tizi n‘Sous gelangen wir ins Sous-Tal, vorbei an Taroudant, dem Fughafen von Agadir und kommen noch vor Betriebsschluss zur Gendarmerie Sidi Bibi. Die ist natürlich nicht zuständig und verweist uns an die Polizeistelle in Biougra. Mohammed würde uns dort erwarten. Nun war die Temperatur seit Taliouine weit über 40*C. Aussen-Luft-Temperatur 49*C, auf dem Armaturenbrett 69*C. Da gibt unser iPad-Navi den Geist auf: zu warm, Not-Abschaltung. Von Sidi Bibi fahren wir ungewohnt mit Google Map auf Heidi‘s iPhone nach Biougra. Die Strecke führt uns durch die (teilweise brennende) Abfallhalde der ganzen Region, vorbei an zerfallenden Treibhäusern mit haufenweise Plastik-Abfall. In Biourga finden wir Mohammed. Er macht uns den richtigen Stempel in die Pässe, das war’s: wir müssen vor dem 28.Oktober das Land verlassen.

Auf direktem Weg fahren wir zum CP Palmeraie Tifnit, schlingen ein Pizza runter. Sie stöhnen von der ungewohnten Hitze. Unsere Mood ist ebenfalls überhitzt.

Am Abend ein endloser Verkehr von der Küste her („Osterverkehr am Gotthard, ohne Stau“). Der CP ist etwas „ringhörig“.

Wir verbringen einen ruhigen Tag, überlegen den weiteren Weg. Eine Route von 2000km für ca. 3 Wochen, etwas anspruchsvoll: Agadir – Marrakech – Cathedral – Dades – Rosental – Todra – Imilchil – NP Haut Atlas – NP Khenifra – Achat Farm – Meknes – Volubilis – Tanger.

Zudem sollten wir noch die Gasflaschen füllen, die Haare schneiden, Bettwäsche waschen und das „Nest der Gotthard-Fahrer“ besuchen.

Die Temperatur sinkt um 25*C auf 23*C am Abend, fast angenehm kalt. Wir halten‘s noch aus ohne Daunenjacke. Wir bleiben einen weiteren Tag.

Coiffeur-Tag, Wäschetag, Schlendrian.

Vor der Weiterreise fahren wir nach Tifnit an die Küste: wirklich ein „Touristennest“ mit grossem Sandstrand, Restaurants und dem Zentrum für die Fischer. Fischmarkt am Strand. Ein Fladenbrot, auf Steinen gebacken, leicht gewürzt begeistert uns. Auf dem Weg füllen wir noch unseren Wasservorrat am öffentlichen Brunnen. Auf dem langen, aufreizenden Weg nach Agadir sinkt die Stimmung (Fahrer/Beifahrer-Syndrom) Bei Sousse-Gaz gibts kein Gas, bei Petrochim ebenfalls nicht: die nächste Füllstation sei bei Afrique-Gaz in Sidi-Bibi!. Dieser Ort verfolgt uns noch! Wir decken uns im Carrefour ein und fahren auf dem kürzesten Weg nach Amalou auf den CP Paradise Nomad. Hier treffen wir Uwe aus Stuttgart (Schindler D mit MAN 4×4 mit Kabine nach Mauretanien, jetzt auf dem Rückweg, in Tifnit getroffen). Reisegespräche beim Kaffee.

Im Tempo des gehetzten Affen fahren wir über die Autobahn nach Marrakech. Sandwich-Halt. AfriquGaz soll Butan nachfüllen, eine Fehlinformation. Auch der Nachbar-Gasfüller hat nur Propan. Auf dem CP Le Relais bieten sie einen Service an – für Propan. Ein Händler im Ort habe Camping-Gas. Sie raten sie zum Kauf einer Butagasflasche. Wir werden morgen sehen. Autowaschen ist in der ganzen Gegend wegen Wassermangel nicht gestattet. Es wird am Tag sehr heiss, nachts ok. Der CP ist recht besucht. Im Pool nur aufrecht schwimmen.

18.8. – 30.8.2023 Hoher Atlas

Der Gäseler bläst unseren Wunsch in den Wind: nur Propan. Füllt keine Flaschen. Nächster Halt: Marjan für vergessene Artikel, dann ab in die Berge. Nach 15km merken wir: wir fahren Richtung Agadir zurück, haben eine wichtige Abzweigung verpasst. Umkehren, nochmals durch die Stadt fahren und dann richtig abzweigen nach NE Richtung Sidi Rahhal, über eine weite, fruchtbare Ebene mit grossen Plantagen und Bewässerungssystemen. Bei einem Gas-Shop kaufen wir eine (verbeulte) Butagasflasche (10Dr Füllung 25Dr Flasche), Anschluss passt: das „komplizierte Gas-Problem“ löst sich in Luft auf:

Bei Eintritt ins Land passende volle Flasche mit richtigem Gas / Anschluss kaufen, einbauen und wenn leer eigene Flasche montieren, volle, eingetauschte Flasche einsetzen. Bei Ausreise Flasche abgeben.

Bei Agadir Bouachiba zweigen wir Richtung Demnate in die Berge ab, über den Staudamm des Moulay Youssef-Stausees steigt die Strasse nun kontinuierlich bis 1400m an. Bald erreichen wir tief im Tal die grosse Stadt Demnate, fahren aber gleich weiter bis Imi n‘Ifri mit der Naturbrücke. Erster Eindruck: wirklich sehenswert. Wir fahren noch ein paar hundert Meter zum Hotel Tamount Space, eine Ecolodge mit Bio-Betrieb und einem PP für Camper. Zum z‘Nacht lassen wir uns ein Couscous Poulet servieren.

Am nächsten Tag laufen wir zur „Brücke“ und sind beeindruckt: eine etwa 50m hohe Felsbarriere ist von Oued Tissilt durchbrochen. Muss noch eindrücklicher sein, wenn Wasser normal fliesst, durch die Schlucht und ein Bach über die Brücke fliesst und einen Wasserfall (klein-Ouzoud) bildet. Zudem sollen tausende Vögel herum schwirren und ihre Jungen aufziehen. Bei über 40*C

Wir folgen dem Tal weiter, bewundern die Dino-Spuren von Iroutaine und sind erstaunt über die dichte Bebauung dieser Landschaft. Das „Tal der Glücklichen“ muss wirklich glücklich machen. Nun steigt die Strasse immer weiter von Dorf zu Dorf bis 2000müM. Wir zweigen ab Richtung Tizi n‘Tighist (2400müM) mit seinen steinzeitlichen (3500-4000 Jahre alt) Felsgravouren. Der Weg hat sich gelohnt.

Unterhalb des Passes finden wir einen abgelegenen Stellplatz. Ein Gewitter zieht auf, beleuchtet die Landschaft dramatisch. Die Luft kühlt bis 21.5*C ab. Regentropfen und starke Böen zwingen uns in den Kooka. Kein Internet. Die Daunenjacke ist noch angenehm warm von der Tageshitze.

Die Nacht ist ruhig. Stille dröhnt in den Ohren. Kein Gedröhne, kein Motorenlärm, kein Gezwitscher, kein Sausen, kein Summen, kein Nichts. Eine Urlandschaft. So habe ich mir Marokko vorgestellt. Aber schon der neue Weg im Berghang weist darauf hin: auch hier ist‘s vorbei mit der Einsamkeit.Die Nacht ist kühl bis unter 20*C.

Wir geniessen die Ruhe, spülen die SUB-Leitung und folgen unserem Track durch die Täler der Glücklichen: sehr viel grün, Wasser, Dörfer, mit Obstplantagen, Nussbäumen, Mandelbäumen. An den Berghängen Wacholder- und später Kiefer-Bäume.Zwischendurch regnet es, nicht heftig aber doch Scheibenwischer-Menge.

So habe ich mir Marokko nicht vorgestellt.

Wir fahren an Vulkan-Kegel-artigen Bergen vorbei, auf deren Spitze ein Agadir, ein Erntespeicher steht. Wir sehen von Weitem ein farbige Bergstruktur die auf einer Tafel als spezielle geologische Formation aus frühen (Jura- und ?….) erklärt wird. Ab Ifrane steigt die Strasse in engen Serpentinen auf 2750müM. Die imposanten Felsen des Jebel Azourki und Jebel Aroudane im Hohen Atlas leuchten im Wolkenspiel / Sonnenschein in verschiedenen Farben. Der Assif Ahansal führt reichlich Wildwasser, das ganze Tal dementsprechend grün. Die Berghänge locker mit Steineichen und Kiefern bewachsen. Wir zweigen auf einen als „Campingplatz“ vermerkten Weg. Der Track führt uns bis zur Abbruchkante: 300m unter uns fliesst der Bach vorbei. Ein Berg verdeckt die direkte Sicht auf die Cathedrale. Ein wunderbarer Moschus-Duft der Kiefern.

Zum z‘Nacht Wraps mit Lachs, Crème fraiche, Gurken, Zwiebeln, Knoblauch, Peperoni. Mmmh, fein.

Am Morgen lassen wir uns Zeit zum Aufbruch. Wir folgen unserem Track weiter. Es geht kurvig-steil bergauf. Von 1500-1800müM und sinkt dann ins Tal des fliessenden Assif Ahansal. Endlich kommt die Cathedrale Mastfrane in Sicht: von der Höhe ein unscheinbarer Felshügel, aber von unten ein mächtiger breiter Berg, eine Riesen-Kathedrale. Viele Leute baden und campen in dieser freien Natur. Wir nehmen den PK-Track HAM unter die Räder, er soll steil, schmal, eng-kurvig, ausgesetzt und in der Höhe beschränkt sein. Bald erreichen wir einen Cañon mit dem fliessenden Assif Melloul: enge Felswände, die Strasse in den Felsen gehauen. Es geht steil hinauf, um eckige,unübersichtliche Kurven, steil bergab, entlang ein paar Engstellen, aber für Kooka kein Problem (ausser die gelegentliche Arterien-Verengung des SUB. Wir kommen nicht schnell vorwärts, müssen immer wieder anhalten zum fotografieren. Bald breitet der Cañon auf, kleine Oasen mit ausgebreiteter Wäsche, Menschen, Esel, Schafe, Zeigen und Hunde tauchen auf, Kinder spielen und baden am Wasser. Wir finden eine breite Kiesbank, gerade richtig für ein Nachtlager.

z‘Nacht: Osso Bucco de Dinde mit Broccoli. Mmmmh fein. Internet: 4G in diesem tiefen Cañon!

Verkehr: 1 Auto, 2 Töff, 1 Ziegen/Schaf-Herde mit 1-Zahn-Hirte.

Donnern von Ferne. Die Nacht ist kühl, um die 20*C. Mit der Sonne kommt wieder die Hitze.

Morgenstund hat Gold im Mund: Rein in die Badehose und schwups in kalte (18.3*C) Bachwasser, nicht gerade sauber, aber erfrischend. Dann unter die warme Dusche. Eigentlich sollten wir das öfter machen. 12V-Stecker für RouterSicherung flicken.

Langsam packen wir und folgen dem Track. Die Engstellen sind vorbei, jetzt kommt der schmale Teil ohne Ausweichmöglichkeiten. Zum Glück kommt niemand entgegen. Dann folgen die ausgesetzten Stellen: hoch in der Felswand durch den tiefen beeindruckenden Cañon. Wenige Leute nutzen die grünen Stellen, für Schafe, Ziegen oder kleine Gärten. Dazwischen liegt Wäsche zum Trocknen. Bei Anergui öffnet sich der Cañon zu einem breiten Tal. Das kleine Dorf hat ein paar Läden und einen Souk, einen Marktplatz. Ab hier steigt die RP3104 auf einer Strecke von 10km um 1000m in engen Serpentinen auf 2500müM. Wir haben deshalb den SUB nochmals durchgeblasen, sonst wäre der Anstieg sehr mühsam geworden. Von oben haben wir einen Überblick über die Berge des Hohen Atlas, die Täler und Cañons des Assif Melloul. Die Hochebene ist genutzt für Bienen, Landwirtschaft, Schaf- und Ziegenzucht, deshalb locker bevölkert. Die Berghänge leuchten in allen Farben! Resultat vulkanischer Aktivitäten?

Wir halten Ausschau nach einem Nachtplatz. Nicht ganz einfach: steinige Hänge, Getreide-Äcker, Apfel-Plantagen, Wohnhäuser. Eine Abzweigung vor dem Tizi n‘Tfenza verspricht ein paar flache Übergänge. Der 1.: perfekt flach, neben der Strasse bei einem Sendeturm. Der 2. flach über eine Geröllhalde neben der Strasse. Der 3. ein Feldweg hinunter mit flacher Stell: unser Platz! Der Bauer kommt vorbei: alles ok. Donner, Regen und Kälte kommen auf: wir verkriechen und unter die Markise, später in den Kooka: sind 20.0 *C wirklich so kalt?

z‘Nacht: Rest Osso Bucco de Dinde mit Eier-Nudeln + Randensalat. Kein Internet.

Nachts: Regen, 19*C. Die Sterne leuchten: Jupiter, Fuhrmann, Cassiopeia, Pleiaden, Orion uva.

Aufstehen, …., Turnübungen, z‘Mörgele, die Sonne wärmt. Wir studieren die Details der Weiterfahrt. Endlich am Mittag sind wir bereit, gepackt. Wir verlassen einen schönen SP in der Mulde, fahren den Weg zurück und über den Tizi n‘Tfenza nach Tassent auf die RN12. Grossartige Aussichten auf die hohen Berge und die tiefen Täler des Hohen Atlas mit seinen Felsen-Schichten und -Strukturen. Beim Lac de Tislit zweigen wir auf die Piste zum Lac d‘Isli ab. Ein Volltreffer: der See leuchtet magisch türkis-farbig. Ein Gewitter-Donnern von fern und Regen, die Scheibenwischer in Fahrt. Der Lac d‘Isli ist mit 92m der tiefste See Marokkos, ein gefüllter Vulkankrater. Ein Vogelparadies. Das Ufer sandig-lehmig: Vulkanstaub, ausgewaschen vom Regen. Ein paar wenige Tages-Besucher, ein Overlander. Wir finden einen wunderschönen Platz in dieser Einöde ohne Baumbewuchs (immerhin 2300müM). Auf der gegenüberliegenden Seite Farmen mir Baumkulturen, Weizen-Feldern.

Den Sonnenaufgang verpasse ich um Minuten, trotzdem ein Spaziergang dem See entlang. Im „Loch“ versuchen ein halbes Dutzend „Pillendreher“ ihre Kugeln zu bergen. Eine Sisyphusarbeit ohne Erfolg. Dank Hilfe können sie die Kugeln doch noch weiter transportieren: an den Bachrand. Dort werden sie eifrig vergraben. Der Overlander ist schon zeitig aufgebrochen. Wir folgen am Mittag. Vorbei am Lac de Tislit nach Imilchil. Dort kaufen wir frisches Brot und tanken 20 lt in den Haupttank. Auf der ruppigen RN12 geht‘s durch das schöne, grüne Tal des Assif Melloul zwischen hohen Bergen nach Agoudal. Wir bleiben beim Assif Melloul fahren auf der neuen R704 Richtung Dades-Tal. Bald setzt starker Regen ein. Der Besuch der Naturbrücke Akhiamn fällt buchstäblich ins Wasser: der Track verwandelt sich in ein fliessendes Bachbett. Im Sommer in Marokko !

Wir folgen der R704 weiter, der Regen lässt nach. Wir überqueren den Col du Ouano, mit 2900 müM einer der höchsten Pässe Marokkos und die Klimascheide zwischen Mediterran und Wüste. Gleichzeitig ist fertig lustig mit Asphalt: die Piste ins Dades-Tal ist schmal, ruppig, felsig. Für einen Lastwagen müssen wir etwa 200m rückwärts fahren zu einer breiteren Stelle. Ausblicke in die grossartige Cañon-Landschaft. Die erwartete traumhafte Landschaft bei Agni, versprochen von Google Earth ist uns nicht zugänglich: der Track ist ein knapper Fussweg. Nun folgt die „Tremola“ 400m ins Tal hinunter. Das Tal ist gesegnet mit Wasser: überall grüne Wiesen, Obstkulturen, Büsche und Bäume (Pappeln). Dorf reiht sich an Dorf, dazwischen Felder der Landwirtschaft. Wir suchen intensiv einen Nachtplatz. Bei M‘Semrir werden wir neben der Verbindungsstrasse ins Todra-Tal in einer Kiesgrube endlich fündig.

Das Dades-Tal ist eine Reise wert! In den flachen Teilen grüne Oasen mit einer starken Landwirtschaft, va. Obstplantagen ( Äpfel, Pfirsiche, Feigen, Baumnüsse) und Gräser (Weizen, Luzerne, Mais), Gemüse (Kartoffeln, Melonen, Zucchetti, Zwiebeln, …). Dorf reiht sich an Dorf.

Die Schluchten sind spektakulär: eng, tief, Cañon-artig: Grand Cañon in Marokko. Die Strassen entsprechend schlangenförmig in Serpentinen.

In Oudinar finden wir einen angenehmen CP. Ibrahim bewirtet uns mit einer ausserordentlichen Tajine, gewürzt mit Saffran: einmalig gut. Saffran hat er von der Kooperative im Dorf. Wir bekommen ein Muster. Danke Ibrahim für die Gastfreundschaft.

Am nächsten Tag fahren wir ein paar km zu den „Affen-Pfoten-Felsen“, eine geologische Spezialität: Vulkan-Ausbrüche haben Schichten von gesprengtem Schotter, Sand und Staub in Schichten abgelagert. Die verfestigten Felsen erodieren zu runden Formen. Ein kleiner Nebenfluss des Dades hat einen tiefen, engen Cañon geschaffen. Den lassen wir uns nicht entgehen. In 5Std. wandern, klettern, zwängen wir uns durch den halben Cañon. Ein paar Schlüsselstellen schaffen wir. Beim eingeklemmten Feigenbaum haben wir genug. Der heimliche Wunsch, einmal einen solchen Cañon von unten zu erleben ging in Erfüllung. Er erinnert stark an den Antelope-Cañon in Arizona (wenigstens aus Erinnerung von Bildern): die magischen roten Licht-Reflexionen. Müde kehren wir zum CP zurück, geniessen nach einem BiCoWa ein Entrecôte mit Speck-Bohnen und Kartoffeln. Sooo guuut

Wir verlassen das Dades-Tal bei Ait Ishaq über eine rauhe Piste via Tisguine ins Tal der Rosen. Wir verlassen die grünen, fruchtbaren Oasen und landen in einer trockenen Mondlandschaft. Der Track führt durch ein enges Flussbett, an der Schlüsselstelle hat Kooka gerade knapp Platz. So habe ich mir den Atlas vorgestellt, erinnert an die Altiplanos in Bolivien: wechselnde Felsenstrukturen, wild, ruppig, steil. Über steile, unsichere Track-Spuren erreichen wir das Tal des Oued M‘Goun. Kinder weisen uns den Weg durch die Furt bei Tisguine, in Erwartung eines Obulus. Dann geht‘s wieder steil den Berg hinauf und in engen Serpentinen tief ins Rosental hinunter. Von Rosen sehen wir zwar nichts, ist ja nicht Rosen-Zeit, aber überall Spuren von „Rosen“: Distillerie, Parfums, Jardins…. Das ganze Tal voll. Wie wir später hören, finden vom September bis April „Festivals“ statt. Nun, wir wissen nicht, was wir verpassen. So what? Vielleicht das nächste mal.

Der Fluss führt reichlich klares Wasser. Die Oasen üppig grün. Dorf reiht sich an Dorf. Felsformationen bringen uns zum Staunen: sind da mal Dinos rumgelaufen?

In Kalaat M‘Gouna finden wir einen Geldwechsler, im Markt kaufen wir ein paar Früchte und suchen den CP Chabab Saghro. Der MapOut-Track geht ins Leere: viel „Neubauquartier“ und die Schlucht des Dades trennt uns von der andern Seite. Schliesslich finden wir einen Track mit einer Furt über den Fluss. Der CP liegt auf einem Hügel mit 360* Rundumsicht. Der junge Besitzer macht hier was Schönes, Gutes. Wir geniessen eine Tajine seiner Mutter: herzhaft gewürzt.

Nun geht‘s „zurück, nach Hause“, Richtung Norden, auf der RN 10 via Boumalne Dades (Tanken) nach Tinghir. Durch eine „weite Wüste im Dunst“. Wir haben uns für den CP Eden Le Lac entschieden: klein, unter Palmen am Schatten, neben dem Bach der „heiligen Quelle mit ihren heiligen Fischen“. Ein Spaziergang durch die Gärten der Palmeraie ist wie ein Dschungel-Trip; durch Gebüsch-Tunnels, vorbei an Pflanz-Plätzen mit Gemüse, Mais, Gras, Tomaten, Peperoni, Gurken Kartoffeln. Wir treffen einen Bauern, der seine Bewässerungskanäle bearbeitet: jeder hat ein Kontingent an Wasser, das hier nicht rar ist. Schliesslich finden wir den Weg doch noch zurück.

Zum z‘Nacht eine wirklich feine, würzig-aromatische Berber-Omelette, das bisher teuerste z‘Nacht!

Die Engstelle der Todra-Schlucht machen wir zu Fuss: für Marokko ein Touristenziel wie der Rheinfall: Familien im Wasser, Selfies en Masse. Die Schlucht ist wirklich beeindruckend: eng, hoch und aus Quellen quillt viel frisches Wasser. Die Fahrt durch das Todra-Tal wie gehabt: grüne Oasen, Dorf an Dorf, imposante Berge. Der neue Stausee ist noch klein, die Staumauer zierlich, die neue Strasse pompös.

Eigentlich wollten wir bei Toumiline den „künstlichen Wasserfall“ (Wasserleitung überwindet den Höhenunterschied über die Felsen) und eine Salinen-Grotte „Meni de Sel“ besuchen. Leider war der Weg zu eng, das Interesse zu gering. also ging‘s weiter. Über den Col de Tirherhouzine (2709müM) nach Agoudal, auf die Strecke ins Dades-Tal. Wir verzichten auf die natürliche Brücke.

Vor Imilchil zweigen wir rechts auf die RP7319 Richtung Tabanast, Tirrhist, Tamalout über den Tizi N‘Innouzane (2650müM) mit einer Apatit-Mine (Knochenbaustein, Phosphat, Fluor: https://de.wikipedia.org/wiki/Apatit)

Wir durchqueren den NP Haut Atlas Oriental mit seinen wunderbaren farbigen Felsen-Strukturen. Die Täler mit grünen Oasen und Dörfern. Wir haben Mühe, einen geeigneten ÜP zu finden. Die Mühe hat sich gelohnt: ein flaches, sandiges Flussbett, etwas abseits der Strasse. Bald trudelt ein Ziegenhirte an. Er lässt sich mit ein paar Guetsli abspeisen. Der Vollmond erhellt die Szenerie fast die ganze Nacht.

Wir passieren die letzten Berge des Hohen Atlas, verlassen ihn bei Tounfit und überqueren die Hochebene zwischen Mittlerem und Hohen Atlas, immer noch auf 2000müM. Die Landschaft verändert sich komplett: weite Ebenen, trocken, zT. fruchtbar, zT. Kalkboden mit wenig Humus.

31.8. – 7.9.2023 Moyen Atlas

Im Khenifra NP geht‘s steil ins Tal runter auf 1200müM, steigt dann wieder auf‘s Plateau von Kerrouchen. Hier erwischen wir ein 4-WD-Piste durch den Wald zur P7306 auf 2000müM: steil, ruppig, felsig, kurvig: eher von der unangenehmeren Sorte. Aber die Pisten-Lady schafft sie, zwar genervt, aber mit Bravour. Mitten im Zedern-Wald finden wir eine flache Stelle zum übernachten.

Wir geniessen Instant-Nudeln mit Gemüse und Rindfleisch-Scheiben.

Die Nacht ist absolut ruhig. Der Mond bringt eine gespenstische Stimmung. Am Morgen ein Zapfensammler und Schafherde mit Hirt.

Heute ist „Wandertag“: wir wollen den Jebel Tarharhat besteigen, den uns Joachim empfohlen hat, aber wegen dem dicken Nebel verschoben wurde. Eine ruppige Piste führt auf den Gipfel, aber wir wollen uns ja selber bewegen, parken Kooka auf halber Höhe in einer Wiese. 2km, 140 Höhenmeter, schaffen wir in knapp einer Stunde, bei meinem „Muskelschwund“ eine passable Leistung. Die Aussicht ist, wie versprochen, grandios, leider vom fernen Dunst eingeschränkt. Der Hohe Atlas lässt sich nur virtuell im Peakfinder erahnen.

Bei der Wahl: via Joachim nach Norden oder direkt durch den Khenifra- und Ifrane-NP entscheiden wir uns für die 1. Variante. Also weiter zu unserem „Zedernplätzli“ im NP, immerhin 60km. Die Strasse ist teilweise in schlechtem Zustand. Offenbar gab es in der Vergangenheit Unwetter. Beim Oued Srou treffen wir 2 Parisien ( Romuald et Mylène). Sie sind schon 6 mal in Marokko mit ihrem Landcruiser 75 unterwegs, haben nur 3 Wochen Zeit und ein Riesenprogramm mit neuen Pisten.

Wir treffen kurz vor dem Eindunkeln bei unserem Plätzli ein. Es ist immer noch sauber, das Gras/Moos jedoch dürr. Ein Bollito Misto füllt unsere Mägen. Nachts regnet es leicht. Nicht die Nässe, sondern der Geruch von feuchtem Waldboden weisst darauf hin. Am Morgen Schafherden mit Hunden. Einer lässt seinen Blick nicht von uns, erweicht unser Herz.

Auf bekannten Wegen geht‘s via Khenifra (Auffüllen bei Carrefour) weiter nach Adelmousse zu Joachim. Er macht einen frischen Eindruck, war in D und macht vorwärts: neue schöne Holztüren und die Bodenplatte für die neue CP-WC/Dusche wird gerade gemacht. Er begutachtet die mitgebrachten Steine als Feuerstein, ungebänderter Chalzedon, dieselbe Quarzform wie Achat. Joachim ist für mich das geologisch-mineralische Lexikon für Marokko.

Nach 2 Nächten geht‘s „auf direktem Weg“ in den NP Ifrane, eine Berg-Landschaft mit Stein-Eichen / Zedern-Wäldern. Wir finden die „Cèdres de Gourault“, die grössten Zedern Marokkos, leider abgestorben, aber immer noch ein Touristen-Magnet. Spezialität: der Platz ist von 2 Seiten zugänglich, aber der Weg ist nicht durchgehend.

In Azrou finden wir den gemütlichen CP Amzigh. Gegen Abend sind wir nicht mehr alleine.

Christoph & Angie aus Deutschland, mit Familie, hat eine Auszeit, schickt die 2 Kinder in Rabat zur Schule, beide sind Reisekrank (Panne auf dem WC!), mit Allrad-VW-Bus, hat PK-Tracks runter geladen, träumt von Pistenfahrten. Wir diskutieren mögliche Pisten.

2 Radfahrer zelten in der Nähe. Michelle Marti, Safnern mit Partner aus Uster, kennt Thalhammers. Sie sind ein paar Monate mit dem Velo in Marokko unterwegs.

Ifrane überrascht uns mit dem „Suisse Style“: Dachfirste mit roten Ziegeln bedeckt, sieht fast aus wie eine CH-Einfamilienhaus-Siedlung. Eine grosse Shopping Mall bei der Moschee mit vielen Restaurants, auch „Atlas-Forellen“. Leider haben wir zu viel z‘mörgelet.

In der Schlucht finden wir die „Ain Vittel“, eine Trinkwasserquelle mit grossem Vergnügungspark, eine Baustelle. Etwas weiter überrascht uns die „Cascades d‘Ifrane“: eine grosse Travertin-Barriere war einmal ein imposanter Wasserfall, jetzt trocken. Auch hier: Abfall-produzierende Picknick-Plätze.

In einem Waldabseits der Strasse finden wir einen guten, schönen ÜP. Zum z‘Nacht ein trockenes Poulet vom Fresstaurant in Ifrane.

7.9. – 10.9.2023 Retour nach Tanger

Vom Winterkurort Ifrane auf 1650müM sinkt die Strasse stetig bis 500müM in Meknes. Schneebarrieren weisen auf die Wintersperre hin. In den tieferen Lagen breiten sich grosse Plantagen aus, gegen Meknes auch Weingüter.

Meknes ist umgeben von einer (40km?) langen, 15m hohen Stadtmauer. Wir parken in der Nähe der Souks und machen eine Rundtour durch die Medina. Es ist viel los wegen einem jüdischen Fest. Farbenfrohe Stände überall: heimisches Handwerk, MiC (Made in China) und Tex-Aid nebeneinander. Dazwischen die aromatischen Gewürzhändler, Metzgereien „from Head-to-Tail“. Wir passieren die Heim-Möbel-Strasse, die Näher- und Schneider-Strasse, die Klempner-Strasse. Emsiges Begutachten, Auswählen, wieder-Hinlegen. Wir kommen als Touristen ungeschoren davon (soyez bienvenue, Allemagne?). In einem Restaurant bekommen wir als einzige Gäste eine freundliche, informative Bedienung: Couscous mit Gemüse und Kalb oder Poulet. Als spezielles Geschenk des Hauses, eine Taktouka: eine feine Mischung von langen Perperoni, Tomaten, gewürzt in Olivenöl gekocht.

Nach der Tour fahren wir direkt zum CP Zerhoun Bellevue Richtung Volubilis, vergessen, dass wir eigentlich noch im Carrefour einkaufen wollten. Auf dem Platz befinden sich 3 Lastwagen-Camper: 2 D und Robbie aus GB. Sie haben „die grosse Tour“ vor: Sanddünele im Erg Chebbi, dann wieder nach Hause.

Bei den Vorbereitungen für die Weiterreise entdecken wir, dass der Nachbarort Moulay Idriss Zerhoun geschichtsträchtig ist: die Nachfolgestadt der Römerstadt Volubilis und Geburtsort von Marokko. Natürlich ist sie uns den Besuch wert: ein kurzer Rundgang hoch hinauf für einen Überblick.

Volubilis ist ein „geordneter Steinhaufen mit klarem Bauplan, in paar Mosaik, Bogentore und Basilika. Wer sich für die römische Geschichte interessiert, findet hier Antworten auf Fragen.

Wir fahren noch ein rechtes Stück weiter bis zum Motel-CP Rif durch eine flach-hügelige Landschaft. Nichts von „Bergen“. Hier treffen wir ein Schottisches Schaf-Farmer Ehepaar: Mel & Norman. Sie sind nur kurz in Marokko. Wir geben ein paar Tipps.

Zwischen hier und Tanger-Med gibt es kaum CP, frei campieren ist nicht ratsam. Wir nehmen in Tanger den CP Miramonte ins Visier, eine rechte Strecke, nun über die hohen nördlichen Ausläufer des Rif-Gebirges. Hier dürfte man ruhig „Kiff-Gebirge“ sagen: in den grossen Tälern hektaren-weise Hanf-Plantagen. Zwischendurch den Wassertank füllen bei einem Rinnsal von Brunnen.

Über eine Umfahrungs-Strasse eines neuen Stausees werden wir von unserem Weg abgelenkt. Kommen dafür bei den Monolithen von Mzoura vorbei. Kurzer Disput mit dem „Gardien“, der für ein Foto 50 Drm will.

Wir folgen der Küstenstrasse (breite km-lange Sandstrände leer oder mit Sonntags-Ausflüglern überfüllt) nach Tanger über den Park Cap Spartel, ein 300m hoher Berg am Eingang der Meerenge von Gibraltar. Ein Schild warnt vor Wildschweinen. Und tatsächlich: plötzlich eine kleine Rotte am Strassenrand: am letzten Tag unsere Marokko-Reise die ersten echten Wild-Tiere. Der Park ist sehr schön angelegt mit Pinienwäldern und Gärten mit einem mediterranen Flair.

Der CP ist, wie auf p4N angegeben, von unten seeehr steil. Die Plätze oben sind nicht gerade riesig, aber nahe beim Restaurant, das neben Tagine, Couscous noch anderes anbietet: wir konsumieren exotischen Salat, Caesars Salad, Pizza Royal, Filet mit Pfeffersauce, Wir freuen uns auf die Spanische Küche!.

11.9.2023 Au revoir Maroc, Saludos España

Kurzer Disput: wann sollten wir zur Fähre fahren. Einerseits haben wir die 4 Abfahrtszeiten von Carlos, anderseits meldet das Internet: praktisch jede Stunde eine Fähre. Wir entscheiden uns für die 2.Version und z‘Mörgele vorerst. Dann geht‘s rasch nach Tanger-Med über die kurvenreiche Küstenstrasse. Wir erreichen den Hafen vor halb 12. Wir bekommen ein Ticket für die 13.00 Fähre. Nun geht der Prozess harzig voran: Passkontrolle: lange Schlangen, keine Vorwärtsbewegung „the other row is always faster“. Nach einem Wechsel bremsen wir: Verlängerung? 2 Pässe? Endlich durch, weg. Halt: Zoll-Inspektion mit dem mobilen Scanner: Schlange stehen, max. 5 Fz in einem Durchgang. 13 Uhr ist vorbei. Endlich: ein paar km zum Abfahrts-Gate. Wir sind die einzigen, müssen warten: Lastwagen werden verladen. Es reicht doch noch für uns: wir müssen uns vorne hinstellen. Dh. wir gehören zu den ersten, die entladen!.

Die Überfahrt mit der Fähre verläuft planmässig, ruhig. Wir beobachten Fliegende Fische und Delfin-Schwärme. Nach 2 Std. landen wir in Algeciras. Ausfahrt, Kontrollen: sehr rasch. Auf der Hauptstrasse erreichen wir den CP Torres de la Pena bei Tarifa. Wir geniessen am Abend Seafood und frischen Salat: Aaahh. Wir müssen uns noch an die Zeitumstellung gewöhnen, direkt am Strand.

Wir verschaffen uns einen Überblick über unsere Restzeit: für die ca. 3000km durch Spanien / Portugal bleiben uns ca. 30 Tage: ein Stress-Programm, das wir kürzen müssen.

12. – 18. 9. 2023 Südspanien – Algarve Portugal

Über die A4 bewegen wir uns rasch Richtung Cadiz / Sevilla durch die Südspanische Hügel/Bergwelt: grosse Windparks, viel Landwirtschaft (uns fallen die Monumente der Kampfstiere auf). Die weisse Stadt Vejer de la Frontera leichtet weiss vom Hügel herab. Die Täler des Rio Guadalete und Rio Guadalquivir sind tief, flach. Salzwasser wird in Salinen auskristallisiert. Flamingos in grosser Zahl. Wir bleiben in Dos Hermanas auf dem CP Villasom.

Auf einer City-Bus-Rundfahrt bekommen wir einen ersten Eindruck von Sevilla:

Neben den Klassikern fallen Spuren der Expo92 auf: moderne architektonische Bauten, Calatrava’s Schrägseil-Brücke. Wir merken: wir kennen Sevilla absolut nicht. Ein separater Besuch?

Dann geht‘s rasch weiter in den Doñana NP, vorbei an grossen Plantagen (Citrus?) durch einen schönen Pinienwald auf ruppiger Piste auf einen ruhigen, scheinbar verlassenen CP und an die Küste zur Touristenstadt Matalascañas: dichte Kugelpackung ist locker dagegen! Schöner Strand zum Beach-comben mit umgestürztem Leuchtturm. Via Huelva gelangen wir in die Nähe der portugiesischen Grenze nach Isla Cristina. Wir freuen uns vergebens für ein Seafood-z‘Nacht: Die Essenszeit ist vorbei.

Heute geht‘s über die pGrenze nach Portugal in die berühmte Algarve, vorbei an den weissen und roten Salinen der Isla Cristina. Bei Ebbe kommt der Muddy-Mud zum Vorschein. Der Grenzfluss Rio Guadiana wird über eine imposante Schrägseil-Brücke überquert. Für Ausländer gilt auf den Autobahnen ein elektronisches Zahl-System. Erst die 4. CC wird akzeptiert. Offenbar gilt die Quittung 1 Monat lang, dh. die Kosten werden kontinuierlich abgezogen. Die Fahrt auf der Autobahn geht zügig durch hügeliges Gebiet mit Plantagen (Mandarinen?) voran. Der letzte Teil Richtung Küste ist etwas tricky: MapOut kennt Einbahnstrassen nicht. Auf Umwegen gelangen wir an die Praia de Falesias: wunderschöne Farben der wilden Felsen-Strukturen? Zum Parkieren setzen wir den langsamen Geländegang ein, um vom besetzten PP zum freien PP runter durch ein „Bachbett“ zu gelangen. Der CP Falesias Algarve ist praktisch voll. So sieht wahrscheinlich Marokko im Winter aus.

Nach dem ersten farbigen Algarve-Eindruck wollen wir „die richtige Algarve kennen lernen: in Benagil den „Percurso dos Sete Vales Suspensos“ mit der „Gruta de Benagil“. Es geht ins Wochenende, starker, zähflüssiger Verkehr und keine Parkplätze. In Carvoeiro können wir die steil-felsige Algarve „geniessen“ auf einer kleinen Tour durch die Klippen: das ist die “andere Algarve“. Im noblen „Boneca Restaurant“ geniessen wir eine Fish-Creme-Suppe, Risotto de Marisco und merinquierten Zitronenkuchen.

In Figueira bleiben wir auf dem Wohnmobil-Stellplatz.

In Lagos kommt dann die wilde, zerklüftete Algarve zur Geltung. Wir sind nicht allein und im Wasser tummeln sich dutzende Kanuten durch die Fels-Höhlen.

Weiterer Zwischenhalt in Sagres auf dem CP Orbitur Sagres. Von hier ist ein kurzer Weg zur Westspitze der Algarve, dem Cabo Sâo Vicente. Hier trifft die volle Wucht des Atlantiks auf Europa. Etwas weiter nördlich, über ruppige Pisten, besuchen wir Ponte de Aspa an der wilden Süd-West-Küste Portugals, dem „Parque Natural do Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina“.

18. – 28. 9. 2023 Portugal

Die Küstenstrasse führt uns durch das hügelige Hinterland des Alentejo. Zwischenhalt in Vila Nova de Milfontes. Dann weiter Richtung Evora durch die niederen Berge und Hügel des Alentejo, vorbei an riesigen Brandflächen („Grosses Moos“) durch Korkeichen- und Eukalyptus-Wälder, vereinzelt Reisfelder. Eine schöne Natur- und Agrar-Landschaft, fette Rinderherden, mit einigen Siedlungen. Eine lohnenswerte Strecke. In Evora bleiben wir auf den CP Orbitur Evora. Wäsche ist möglich, bei 15*C und Nebel am Morgen.

Wir wollen Evora besuchen und dann weiter. Es bleibt beim Besuch, wir kehren zum CP zurück: Evora ist ein Besuch wert: schöne Altstadt mit Stadtmauer, ein imposanter römischer Tempel und Kirchen, Kathedralen, darunter São Francisco mit der Capela dos Osses: die ausgegrabenen Gebeine aus Friedhöfen wurden hier in Form einer Kapelle kunstvoll arrangiert. Als Gedenken der Vergänglichkeit des Lebens:

„Spruch am Eingang“

In einem Strassenrestaurant versuchen wir portugiesische Spezialitäten: Gebratener Bacalao und geschmortes Lamm. Nun, nicht schlecht, aber wir können uns vorstellen, dass andere Restaurants diese Spezialitäten leckerer, ansprechender machen würden.

In der Nacht regnet es. Unser Stromkabel legt den ganzen CP lahm!

Statt nach Tomar entscheiden wir uns für eine direkte Fahrt nach Nazaré, mit einer Schleife zum Aquädukt in Evora. Es gibt noch viele gut erhaltene Ruinen dieser Art. Auf der Fahrt werden wir vom Schild „Cromeleque dos Almendres“ überrascht. Haben wir doch gelesen: von den grossen „Hinkelsteinen in Portugal. Wir zweigen ab. Wenn wir schon da sind! Ein bisschen prähistorische Eindrücke sind willkommen.

Und was wir sehen! Auf ruppigen Pisten gelangen wir zum PP „Menhir dos Almendres“. Ein tiefer, ausgewaschener, schlipfiger Graben führt uns zum einsamen, aufrecht stehenden Menhir, ca. 4m hoch, schlank. Abgehakt! Nächste Station: „Cromeleque dos Almendres“. Schon auf dem Weg begegnen wir immer wieder Plakaten: „Prohibito, Interdiction“. Beim PP sehen wir den Grund: die Ganze Anlage hat durch den Besucherandrang gelitten, nun muss der Boden neu gemacht werden, kein Betreten! Wir können uns durch eine Tür dem Aussengehege entlang zum Ziel bewegen: doch, die Anlage ist eindrücklich: viel grosse Steine liegen aufrecht in der Anlage. Ob sie den berühmten „Steinkreis“ bilden, ist uns nicht ersichtlich. Da haben die ersten Homo Sapiens kräftig gearbeitet. Nun fehlt uns noch das Hügelgrab „Anta Grande do Zambujeiro“, die grösste Anlage auf der iberischen Halbinsel. Nur sind die Angaben zur Lage ungenau, auf der Karte nicht ersichtlich. Der „Monte de Piedras“ hat nichts damit zu tun. Wir fragen beim „Centro Interpretativo dos Almendres“ nach. Wir bekommen die richtigen Koordinaten und den Hinweis auf die Info-Tafel im Garten. Das ist gelebte Archäologie! wir bekommen alle Infos, Beschreibungen und Hintergründe zu allen Anlagen. Anta Grande do Zambujeiro ist wirklich umwerfend: wie konnten die Leute damals, ohne Metallwerkzeuge und Maschinen solch riesige Felsklötze herausarbeiten, transportieren und aufstellen? Eine unvorstellbare Gewaltsleistung, zur gleichen Zeit, als in Ägypten die Pyramiden gebaut wurden.

Nun haben wir fast den ganzen Tag „vertrödelt“ mit interessanten historischen Steinen. Bis zur Küste sind es immer noch 170km. Das wollen wir uns nicht antun. Wir fahren auf der EN114 durch eine schöne Berg-Hügel-Landschaft mit Kork-, Stein-Eichen, Eukalyptus, manchmal mit Braunvieh. Recht dünn besiedelt, wenig Verkehr. Im Tal grosse Maisfelder. Unterwegs kräftiger Rauch-Geruch: eine aktive grosse Köhlerei produziert Holzkohle.

Wir finden einen Stellplatz bei Coruche im Tal des Rio Sorraia: die Gemeinde Erra hat einen neuen Stellplatz für WoMo eingerichtet, mit Strom, Wasser, Dusche, WC, Kiosk und einen Treffpunkt für Biker. Die Anlage ist seit 2022 neu, die Schranke ist offen. Kein Strom. Nachts Brandgeruch. Köhlerei?

Am Morgen kommt ein Plastik-Bomber vorbei, entleert seine Tanks und geht wieder. Wir machen uns auf Richtung Obidos / Nazaré, über eine hügelige Landschaft. Ab Santander via Autobahn. Nur haben wir das Problem, kurz nach der Zahlstelle die Ausfahrt zu verpassen und die A1 Autoestrada do Norte ist eine landesweite Autobahn, mit wenig Ausfahrten. Die nächste 25-30km entfernt. Mitten drin eine Raststätte: bei einer Glace beraten wir die Weiterfahrt:

  • Rückfahrt ausgeschlossen
  • Abkürzung nach Nazaré
  • Weiterfahrt in den Norden
  • Wir entscheiden uns für einen Abstecher nach Fatima, das „Lourdes von Portugal“, eine Pilgerstätte mit Millionen Besuchern. Anschliessend nach Nazaré.

Die Pilgerstätte ist enorm: fast 0.25x1km, mit einer taraditionellen Kirche: die Basílica de Nossa Senhora do Rosário de Fátima und ein top-moderner Rundbau, die Basílica da Santíssima Trindade. Papst Paul war sicher ein halbes Dutzend mal hier.

Wir fahren über Stock und Stein, durch kleine Dörfer, über Hügel und Kalkberge nach Nazaré auf den CP Orbitur Valado. Apéro am der Bar: 1 lt Sangria, fährt in die Knie. Der Platz ist, für unsere Verhältnisse „überfüllt“. Die Franzosen strömen ein Aggregations-Pheromon aus und kleben fast aneinander. Neben uns ein Franzosen-Paar (ihre Wäsche an unserer Autotür) und eine Familie aus Olten (Sandro Jaqueline), sind mit ihren Mädels für 6 Wochen unterwegs).

Zum z‘Nacht geniessen wir ein Raclette mit Käse von Marokko. So richtig fein.

Wir besuchen Nazaré: unten am Strand keine Parkmöglichkeit, also rauf in die „Hochstadt“. vom (einzigen) PP laufen wir zum Leuchtturm: ein „Museum“ für die „grosse Welle“: Wegen einem tiefen Cañon im Meer vor Nazaré, türmen sich bei günstigen Wetterbedingungen (meistens Januar) bis zu 30m hohe Monsterwellen, die von wagemutigen Surfern vor dem Leuchtturm „bespielt“ werden. Auch bei „normalen“ Bedingungen sind die Wellen beeindruckend.

Wir fahren entlang der Küste durch Pinien- und Eukalyptus-Wälder, teilweise grossflächig abholzt und im jungen Stadium, über alte Sanddünen. Über die A17 Richtung Aveiro. Wir überqueren den Rio Mondego mit grossen, reifen Reisfeldern. Bei Mira zweigen wir ab Richtung Küste, bis Costa Nova, parken im CP und laufen ins Städtchen. Es ist Samstag, ein „stimmungsvolles Wochenende steht bevor: Raketen-Knallerei, „Mini-Europa-Park“. Marktstände und viele Leute. Wir suchen und finden ein Seafood-Restaurant, essen Mariscos con Riz: gute Meeresfrüchte, etwas schludrig gemacht: viel Suppe, wenig Geschmack, aber ok.

Am Morgen laufen wir über die Düne zum Meer: Das Donnern der Wellen in der Nacht sehen wir nun bei Tageslicht: unablässig brechen die grossen Wellen am km-langen Sandstrand.

Auf der Strasse mischt sich der Sonntagsverkehr mit dem Festival-Verkehr: ein Oldtimer-Treffen mit vielen Landis, ein alter Rolls-Royce. Zähflüssiger Verkehr. Über der Kanalbrücke Richtung Aveiro löst sich der Stau auf. Wir stellen den Kooka auf einem provisorischen PP-Gelände ab, tauchen ins „Venedig von Portugal“ ein. Auf einer 3/4hr- Gondelfahrt geniessen wir Aveiro vom Wasser aus: alte und neue Gebäude, moderne Brücken, eine riesige Baustelle für einen zukünftigen Platz, drehen bei der „Roten Fabrik“, heute ein Kulturzentrum, um. Beim anschliessenden Bummel bleiben wir bei einem Restaurant mit „typischen portugiesischen Spezialitäten“ hängen Wir geniessen ein Sammelsurium von diversen Käse, Oktopus-Salat, frittiertes Poulet, sautierte Knoblauch-Shrimps, Surimi-Paste, Oliven, normales und Maisbrot, Country-cuts (Pommes) und Kräuterbutter, zusammen mit einem Liter Sangria. Prost! Uns passte das wegen den guten, kräftigen Geschmäckern. So richtig „Ferien“.

Dann fahren wir über die A25 – A29 Richtung Porto, Übrigens trotz Sangria, die macht sich kaum bemerkbar. Wir haben den CP Orbitur Canidelo im Visier. Leider ist er schon voll. Sind die ersten Winter-Pensionäre schon unterwegs? Wir weichen auf den CP Salgueiros aus. Der ist vor allem mit Langzeit-Campern besetzt: Mehrzimmer-Zelt-Villas mit / ohne „Gartenzwerge“. Der Platz-Einweiser gibt sich alle Mühe, noch die letzten „Franzosen“ hinein zu zwängen. Der Flughafen von Porto ist zwar 15km nördlich, die landenden Flugzeuge machen sich trotzdem bemerkbar. Hoffentlich gilt eine Nachtsperre.

Wir besuchen Porto mit dem Bus Nr. 15 direkt vor dem CP zur Station Jardim de Moro. Von hier folgen wir dem Tram über die eiserne Brücke Ponte Don Luis l mit einem umwerfenden Blick auf den tiefliegenden Douro und die Stadt, die sich mit ihren farbigen Häusern an den Steilhang schmiegt. Porto hat viele „Hoch & Tiefs“. Der Fluss ist belebt von vielen Touristen-Piraten-Schiffen. Auf dem grossen Platz vor der Kathedrale Sé do Porto spielen Strassenmusiker. Am Bahnhof Bento verpassen wir die riesigen Fliesenbilder. Wir lassen uns von der Gross-Baustelle abschrecken. wir schlendern durch die Ria das Flores mit ihren unzähligen Läden. An einer ATM versorgen wir uns mit frischen €. Im Vinte Vinte testen wir 4 Porto-Weine mit Schokolade. Der Älteste passt uns gut, der 2. hat Zapfen, der 3. ist ein Tinto, „bekannt“ und der jüngste wirkt wie ein junger Rotwein: „vernünftig, eher flach“.

Unten am Fluss, den Cais da Ribeira, geniessen wir „typisch portugiesisches“: asiatische Teigtaschen ( Dim-Sum fritiert) mit Ente in Teryaki-Sauce, Bacalhau mit Kartoffeln und Gemüse, Shrimps in Maisbrot, Dazu eine Karaffe Sangria mit Passionsfrucht. Gut gesättigt und etwas weich in den Beinen („hoppla, den Trottoir-Absatz verpasst“) gehts dann wieder hinauf auf die Brücke über eine „unendlich lange Treppe“ zum Bus und zurück zum CP. Wir realisieren: der Besuch war entspannend, aber kurz und unvollständig. Im Kooka planen wir bei „angenehmen“ 21*C die Weiterfahrt via Braga in den Peneda-Gerês-NP.

Zuerst landen wir im Gaja-Shopping-Center im „Continente“ und füllen unsere Reserven auf, anschliessend bekommt Kooka beide Tanks mit feinem Diesel gefüllt.

Dann geht‘s auf das Autobahn-System durch / um Porto und über die A3 bis Braga. Der Eindruck: Portugal ist neben den Eukalyptus-Wäldern dicht überbaut. In Braga besuchen wir den Wallfahrtsort „Basilika de Bom Jesus“ hoch oben auf einem Hügel, berühmt für seine Treppen-Anlage. Auf der Weiterfahrt geraten wir in den Rush-Hour-Stau um Braga. langsam gelangen wir in die Berge Nord-Portugals: kurvige Strassen, viele Dörfer. Der Rio Lima ist zu einem langen Stausee aufgestaut und auf einer Halbinsel liegt „der schönste CP Portugals“. Nun, die Sanitär-Anlagen sind praktisch neu, der Empfang persönlich mit vielen Infos, die Plätze eher etwas knapp, aber der alte Baumbestand, direkt über dem Wasser versprechen einen angenehmen Aufenthalt. Ein kräftiger Honig-Kakaoduft (Typ „Phenylessigsäure, Nitrophenyläthan“) liegt in der Luft, er könnte von einer Ginsterart stammen. Jede halbe Stunde erklingt das Glockenspiel der nahe gelegenen Kirche. Die ganze Nacht? Nein, wird abgestellt.

Morgenpirsch durch den Wald.

Unsere Nachbarn, Eddy & Ursula Hafner aus Muri AG sind seit 2 Wochen auf Reise in Iberica, Ende offen Dezember? ev. anschliessend nach Marokko.

Wir bleiben noch einen Tag und machen einen Spaziergang durchs Dörfchen. Es ist Mittwoch, alles scheint ruhig, verlassen. Viele Fruchtbäume in den Gärten, Häuser mit dicken Granitbrocken gebaut. Ein halb vertrockneter Perlpilz wächst am Strassenrand.

Nach einem ruhigen Tag wollen wir eine Tour in die Berge machen und anschließend Richtung Vigo weiterfahren. Die 30km-Tour ist gut geplant, geht in die Berge, zwischendurch über Pisten.

Die Anfahrt nach Vila Chã (Santiago) ist sehr steil. Weit oben sehen wir unser Ziel, den Bergkamm. Auf der Piste wird es etwas enger, aber plötzlich stehen wir vor einem niederen Aquädukt. Da ist kein Durchkommen für Kooka. Also 2-300m rückwärts fahren.

Neuer Plan: wir fahren direkt Richtung Vigo. Da sind ja auch Berge. Wir überqueren den Rio Lima beim alten EW und gelangen zu den sehenswerten alten Maisspeichern in Soajo, den „Espigueiros e Eira Comunitária do Soajo“: aus massiven Granitblöcken gebaut, mit Rattenabwehrenden Füssen auf einem grossen Granit-Block. Die Form erinnert an alte Walliser-Speicher.

Die Berglandschaft erinnert an verlassene Tessiner-Täler: Kastanien-Wälder, Granitfelsen, steile Täler mit kleinen Dörfern an den Hängen angeklebt. Dichte Wälder mit Eukalyptus, Casuarina, Föhren, Kastanien, werden in der Höhe buschiger, mit Erika, Ginster, Farn. Und langhornige Braune Hochlandrinder (?) tummeln sich frei auf den Feldern, im Wald, auf der Strasse. Darüber Gras und blanker Granit. Ein Mirador zeigt die ganze Vielfalt des NP. Von Weitem sehen wir die Kirche von Peneda.

Bei einem flacheren Seitenweg machen wir einen „Pilzhalt“: wenn wir nichts finden, gehen wir nach 15 Min weiter. Das Suchen artet in Finden aus: Maronenröhrlinge, Perlpilz, Kupferroter Schmierling, Birkenröhrling, (falscher) Eierschwamm: 2 Chochete.

Wir haben schon soviel „Zeit verloren“ und suchen uns einen näheren ÜP. Der CP Lamas de Mouro im NP liegt gerade richtig. Kommentare sind zwiespältig: wunderschön aber heruntergekommen. Wir finden einen sehr schön gelegenen Naturpark im Wald, an einem kleinen Bach, mit unebenen Plätzen, saubere Sanitäranlagen und eine freundliche Bedienung. Und Pilze, darunter ein Steinpilz. Mehr brauchen wir nicht. Zum z‘Nacht natürlich Risotto con Fungi. Mmmhh.

Morgenpirsch: Foto & Steinpilze.

Langsam kommen wir auf diesem schönen Naturpark auf Touren. Am Mittag fahren wir endlich los Richtung Monçâo über Berg und Tal durch eine schöne Landschaft mit Wäldern und (leeren) Dörfern. In Monçâo kurzer Halt: Die Stadt liegt am Grenzfluss Rio Miño. Früher gbe es immer wieder Streitereien mit Kastilien. Des haben sich die Grenzstädte (Salvaterra de Miño auf spanischer Seite) mit kräftigen Schutzmauern umgeben. Beide Städte sind bekannt für ihre Thermalbäder.

28. 9. – 17.10. 2023 Nordspanien

Ohne Halt überqueren wir die Grenze nach Spanien und fahren durch eine recht dicht bebaute Gegend nach Pontevedra und der Küste entlang zum CP Monte Cabo. Leider sind die vordersten Plätze schon besetzt. Wir haben trotzdem Meerblick, wenn auch etwas verbaut.

Unser heutiges Ziel: Fisterra ist etwas weit weg, über Berge, Täler, enge Dörfer hinter der Küste. Wir lassen’s an uns heran. MapOut findet den kürzesten Weg, wird korrigiert: ohne Wanderpfade.

Der Weg führt uns durch den samstäglichen Verkehr der Küstenstädte, durch enge Dorf-Passagen („da kommen wir nicht durch, wie kann man nur solche Wege wählen?“) durch Eukalyptus-Wälder, durchsetzt mit Föhren / Pinien. Farnen. Die Strassen teilweise sehr steil („Fahrverbot für Mobile-Homes: 30% Gefälle) bis 400müM, über die Staumauer des „Encoro de Santa Uxia“ 2km vom Meer entfernt. Das überschüssige Wasser speist einen grossen Wasserfall. Uns fallen immer wieder die steinernen „Mais-Speicher“ auf: die gibt‘s offenbar nicht nur in Soajo in Portugal.

Wir besuchen die Halbinsel Fisterra. Beim Faro gibt es 2 recht volle Stellplätze mit schönem Blick auf‘s Meer, leider ohne Toiletten. Wir fahren zurück zum CP Ruta Finisterre: leider seit Mitte September geschlossen. Also weiter zum „gut prämierten CP Lago Mar: ein kleiner aber sehr gepflegter CP. Er wird morgen schliessen. Wir geniessen ein feines Filet vom schwarzen Schwein mit Salat. Am Abend dringt dichter Nebel vom Meer herauf.

Am 1.Oktober schliesst der CP, wir können also nicht bleiben. Aber wir haben einen schönen Platz beim Faro Cabo Touriñan im Auge. MapOut bringt uns wieder über steile Hügel und durch enge Dorfgassen zum Leuchtturm, eine kurze Strecke. Wir befinden uns am „westlichsten Punkt der spanischen Halbinsel“ (ok. Cabo da Roca in Portugal liegt noch weiter westlich). 5200km weiter westlich liegt Brooklyn. Unser Platz befindet sich „hinter dem Hoger“, nur mit 4×4 / Untersetzung langsam zugänglich. Dafür ein herrlicher Blick auf‘s brausende Meer. Wir geniessen die „Freizeit“ mit Apéro, Speck-Bohnen mit Kartoffeln und ein portugiesisches Rinder-Filet-Stück zum z‘Nacht. Ein Fischer versucht sein Glück vergebens. Er war „vor vielen Jahren“ in der CH (VS, GE, JU) spricht noch gebrochen französisch.

Der Sonnenuntergang ist eher enttäuschend. Ein wunderschöner Platz, am Morgen leider bewölkt, einzelne Boote auf dem Meer. Am Mittag sind wir bereit zur Weiterfahrt Richtung Santiago de Compostela. Schon bald schickt uns MapOut durch zu enge Dorfsträsschen. Wir müssen umkehren. Einfache Landwirtschaft mit den steinernen Kornspeichern. Abgeräumte Maisfeldern dürfen von Schafen „nachgeputzt“ werden. Die Wälder, wie gehabt: Eukalyptus, Föhren in Reih und Glied, am Boden hohes Farn, Brombeeren, Gebüsch: nichts für Pilz-süchtige.

Kurz vor Santiago schwenken wir statt auf die Stadt-Autobahn auf die „Atlantico AP9“ ab was eine Zusatzschlaufe von fast 50km bedeutet. Auf einer Raststätte mit Übergang in die andere Fahrrichtung ist dieser gesperrt. Wir genehmigen ein vorzeitiges Nachtessen. Endlich erreichen wir doch noch den CP As Cancelas. Für den Rundgeng zur Kathedrale wird es zu spät. Ein „WeFaWa“ (Grab‘sche Sangria: Wein-Fanta-Wasser) tut‘s auch.

Wie zu erwarten, ist die Fahrt mit Kooka in die Stadt alles andere als einfach: der anvisierte PP steckt weit hinter Bauschranken und Einbahnstrassen. Mit Glück finden wir doch noch einen PP hinter der Bahnlinie bei einem alten Sportplatz, mit einem einfachen Zugang zu Altstadt und Kathedrale. Vorbei an Universität und vielen müden Jakobs-Wanderern gelangen wir zur imposanten Kathedrale. Hier sitzen und liegen sie, glücklich und erschöpft, staunen ob dem Bau und ihrer vollbrachten Leistung. Lange Schlangen vor dem Eingang ins „Heiligtum“ halten uns vom Besuch der Innereien ab. Wir ziehen bei Sibouya frische, ausgezeichnete Sushi vor.

Weiter geht’s Richtung Lugo. Wir sind etwas spät dran und bleiben in Guntin de Pallares auf den freien Stellplatz der Gemeinde. Ohne Toilette. Also bereiten wir unser jungfräuliches Kompost-WC auf die Nacht vor. Der Nachbar, Franzosen aus Rennes, Jean-Marc und Christine laden uns zu einem Glas „Rosé d‘Anjou“ in ihren Plastik-Bomber ein. Reger Erfahrungs-Austausch. Nachts ist der Platz voll. Unser WC bewährt sich.

Der Besuch von Lugo geht in die Hosen: der Stellplatz ist wegen Festivitäten gesperrt, der Eingang durch die Stadtmauer wegen Bauarbeiten und der Rest sind unentwirrbare Einbahnstrassen. Wir verzichten auf den Gang über die Stadtmauer und fahren Richtung Küste. Zuerst eine hügelige Voralpen-Landschaft, dann über die 700m hohen Küstenberge zum CP Gaivota. Ein Pilz-Halt bringt ein anständiges Chochetli zusammen.

Ein Walisisches Paar interessiert sich für unseren Kooka: sie ist in einem 4WD-Club, der für den Schutz der Walisischen 4WD-Tracks und Feldwege in Wales kämpft. Die Green Lane Association.

Wir besuche das absolut sehenswerte „Monumento Natural A Praia das Catedrais“: bei Ebbe sind die grossen Felsenhöhlen und der Strand zu Fuss zugänglich: monumentale Felsenstrukturen und sehr viele Leute: die immer „im Bild stehen“. In der Saison muss der Besuch im Internet vor-gebucht werden.

Nun geht die Reise weiter, der Küste entlang nach Osten. Bei Tapia de Casariego zweigen wir zum „Jardim de Camaradas“ ab. Den Hinweis lieferte Google Earth: ein Künstler-Park mit skurrilen Figuren.

In Navia machen wir einen kurzen Walk. Nichts Besonderes.

Das Cabo Vidio ist den Besuch wert: über senkrechten Felswänden wird der Leuchtturm in Zukunft für die Besucher in ein Restaurant umfunktioniert.

Nahe gelegen liegt ein kleiner, natürlicher Hafen, zugänglich über einen 100m-langen Tunnel. Entdeckt in Google Earth.

Wir erreichen unser Tagesziel, den schönen CP Amuravela hoch über dem sehenswerten Hafenstädtchen Cudillero. Wir wollen Sea-Food geniessen uns laufen die vielen Treppenstufen zum Hafen runter. Eine tolle Szenerie liegt über dem Städtchen. Beim zentralen Platz liegen rundherum Restaurants, Bars offen Essen später. Das erste ist voll reserviert, das zweite hat eine Warteliste und beim dritten bekommen wir eine Art Fast-Sea-Food: einen Seafoof-Salad mit kleinen, „jungen Aalen“, gebratene Tintenfische, Sole und „Sagra“. ein Fisch mit „Knochen“. Als Drink: „Sidra“ serviert aus grosser Höhe. Der Weg zum CP ist treppenstufig beschwerlich, macht fit.

Wir bleiben einen weiteren Tag („Waschtag“). Der nahegelegene „Palacio de selgas“ ist leider geschlossen. Wir können die schöne Parkanlage nur erahnen. Der Aussichtspunkt über der Playa de Aguilar ist schon kräftig zugewachsen, lässt aber ein paar Durchblicke in die Tiefe zu.

Auf dem Rückweg geniessen wir einen Sidra, diesmal mit einer elektronischen Spritz-Vorrichtung.

Weiter im Osten, in Aviles besuchen wir das „Centro Cultural Internacional Oscar Niemeyer“, des Brasilia-Architekten, der hier ein Konferenz- und Ausstellungs-Zentrum entworfen hat: Formen in Beton. Daneben liegen, als Kontrast, Pfeiler-Bauteile für GROWIAN am Boden.

Nun verlassen wir die Küste, lassen die Industriestädte Gijon links und Oviedo rechts liegen und zielen in die Berge des NP Picos de Europa: eine Hochgebirgs-Landschaft mit Gipfeln bis 2700müM, vielen Berg-Wanderwegen ( die MapOut für Kooka vorschlägt). Wir folgen dem Rio Sella zuerst durch das tiefe Tal, dann die tiefen, engen Schluchten zum „Puerto del Ponton“, dem Pass auf 1280müM.. Dann geht‘s flach runter zum Stausee von Riaño. Der CP hoch über der Stadt bietet einen wunderschönen Ausblick. Die 1200müM merken wir in der Nacht: das Thermometer sinkt auf 5*C und am Morgen ist das Gras gefroren. Der SUB-Tank hat Kreislauf-Probleme und muss wieder ausgeblasen werden. Hilft offenbar nur kurz.

Bald wärmt die Sonne. Wir folgen der N621 über den Puerto de San Glorio (1600müM) nach Potes (290müM). Auf dem Pass ein Abstecher „in den Wald“: eine gute Kollektion Steinpilze ist das Resultat. In Potes füllen wir unsere Reserven und fahren das Tal des Rio Bullón hinauf zum neuen CP Liébana. Wir sind die einzigen Gäste und geniessen in der Wärme ein Nudel-Pilz-Lachs-Gericht. (Nudel con fungi di mare).

Die Nacht ist ruhig, kühl. Der Schlafsack hilft. Es wird spät mit unserer Abfahrt. wir folgen dem Rio Bullón. Das schöne Tal wird enger, die Strasse steiler, der Wald färbt sich herbst-braun und herbst-gelb. Auf dem Puerto de Piedrasluengas (1355müM) haben wir einen schönen Überblick über den Parque Natural Montaña Palentina. MapsMe folgt einer Abkürzung über eine Piste. Bei Zwischenstopps finden wir Pilze (vertrocknete Butterröhrlinge und Champignons). Bei Salinas de Pisguerda eine Barriere im Fluss mit Steinbogenbrücke. Im Wasser gut-mässige Forellen. Bald erreichen wir den CP Monte Royal in einen prächtigen Föhren-Wald. Z z‘Nacht feine Speckbohnen mit Kartoffeln, Schweinefilet und einer formidablen Pilz-Sauce.

Die Nacht ist kühl: 9*C. Der SUB wird nochmals ausgeblasen. Erfolg? wir werden sehen, scheint gut. Der Deckel des Hydraulik-ÖL-Reservoirs ist verschmutzt, Niveau ok. Woher? Beim Zusammenpacken: Starter-Batterie auf rot, ganz warm und auf 11V entladen. Wieso? Kein Kurzschluss, Nachladen mit laufendem Motor geht, Spannung nimmt wieder ab. Batterie defekt /interner Kurzschluss? Wir suchen die nächst-gelegene Werkstatt kurz vor 14Uhr auf. Belastungstest zeigt: wenig Kapazität, der Alternator lade auch knapp, meint der Mechaniker. Aber wir schliessen jetzt. Ein Batterie-Wechsel liegt noch knapp drin in 3 Minuten: alles perfekt. Grund für den schlechten Ladezustand: der Kompressor hat die müde Batterie ausgesaugt! Kein Grund zur Panik!

Im Lepa-Supermarkt nebenan kauft Heidi u.a. frische Forellen für‘s Nachtessen. Ausserhalb der Stadt definieren wir unser Tagesziel: den CP im NP Sierra de la Demanda. Heidi fährt die ganze Strecke durch. Wir bewegen uns auf 900müM durch eine alte, hügelige Dünen-Landschaft mit viel Landwirtschaft. Später tauchen Kalkberge auf. Grosse GROWIAN und PV-Anlagen Wir weichen Burgos aus, fahren direkt in die Berge. Ein Pilzhalt geht flöten, der Wald ist trocken. Der CP ist sauber, sonnig und leicht besetzt. Vor dem Nachtessen nochmals ein Pilz-Versuch im angrenzenden Wald: furztrocken. Beim Bach unterhalb des CP ist die Vegetation etwas feuchter. Pilze spriessen: va. Milchlinge, Schirmlinge, Rötelritterlinge, Birkenröhrlinge. 2 Rote Röhrlinge entpuppen sich als Rubroboletus rhodoxanthus: Dunkler Purpurröhrling, nicht essbar (aber schön) in Mittel-Nord-Europa selten, Mediterran häufig.

Die Forellen schmecken ausgezeichnet.

Unser Tagesziel erreichen wir zuerst über die herbstlich gefärbte Sierra de la Demanda, enge Kalk-Schluchten, über flach-hügeliges Landwirtschaftsland mit grossen Föhrenwäldern. Wir halten für eine kurze Pilz-Kontrolle: vieles vertrocknet, ein paar Kupferrote Gelbfüsse, Parasol. Wenig.

Am Schluchtausgang des Cañons des Rio Lobos finden wir den gesuchten CP, viel Schatten, nachts 10*C. Wir lassen uns (von der geschlossenen Küche) Salat und ein dünnes Schweinsplätzli mit Salat, Pommes servieren, dazu ein Glas Rosé.

Am nächsten Tag wandern wir durch die Schlucht zur „Ermita Templaria de San Bartolomé“. einer alten Kirche in einer imposanten, durchlöcherten Fels-Landschaft des Cañons. Der Fluss hat stellenweise Tümpel, sonst trocken. In den Felshängen kreisen die Geier.

Zurück im Kooka leeren wir eine Flasche Vino Branco spumante, Meio Secco. Der fährt in die Knie und der Regen beginnt, zaghaft. Der Nachbar rüstet gesammelte Pilze.

Es geht weiter, Richtung Laguna Negra de Urbión. Beim Fahrerwechsel bietet sich ein PP im Wald an. „Parque Micologia“ steht da. Kein Halten, wir müssen’s versuchen: Riesen-Champignons, Butterröhrlinge, Reizker, Habichtspilze, Maron. „Es reicht jetzt“. Aber wir haben die Orientierung verloren. iPhone hilft. Neben uns suchen noch eine ganze Menge Leute, mit Körben voll Reizker, „die mit dem roten Saft“.

Weiter geht‘s hinauf zur Laguna Negra. Der grosse PP liegt 2km unterhalb dem See. Hinauf kommt man zu Fuss oder mit dem Bus. Wir laufen. Die Laguna ist ein Gletschersee unterhalb einem markanten Felsband. Das Wasser kalt „banio prohibito“. Forellen im leicht trüben Wasser. Auf dem Rückweg essen wir im PP-Restaurant eine Spezialität: frittierter Speck, Chorrizzo mit Brot.

Der anvisierte CP liegt in Villoslada de Cameros im NP Sierra Cebollera hinter dem Pass „Puerto de Santa Ines“ (1753müM, zwischen 2000ern). Hier befindet sich ein Skigebiet mit einem Skilift. Die Gegend: gebirgig mit tiefen Tälern. Der CP etwas in die Jahre gekommen, sehr ruhig, mit Kuhglocken-Gebimmel in der Nacht (und Kuhfladen auf dem Platz. Zum z‘Nacht natürlich „Tortilla con Fungi“: mmmmhhh, fein.

Wir haben eine Gewalts-Etappe vor uns: wir möchten zum NP Bardenas Reales, über eine PK-Piste 2EL zum verlassenen Dorf La Santa. Zwar nur 130km, aber steile, ruppige Auf- und Abfahrten.Wir folgen dem Rio Iregua, ein wildes, enges Bergtal mit einzelnen pittoresken Dörfern. Dann über die LR245 ins Tal des Rio Leza. Nach Jalón de Cameros beginnt die PK 2EL. MapsMe schickt uns auf der guten Strasse nach Hornillos de Cameros und zwängt uns zwischen 2 Häuser hinein. Umdrehen und MapOut vertrauen: über die ruppige Piste (mit Fahrverbot für Velos und PW) erreichen wir den Bergrücken mit den vielen Windrädern: zu Dutzenden gewinnen sie Strom aus dem Wind (wenn er denn weht. Heute bewegen sich nur wenige Flügel). Hier oben ändert sich die Landschaft drastisch: karg, Gebüsch, wenig Wald, weidende Kühe.

Von weitem sehen wir die Ruinen von La Santa: die renovierte Kirche und eingestürzte Häuser (Zitate aus PK Nordspanien) Ein Gang durch die Ruinen stimmt nachdenklich, traurig: gut gebaute Häuser zerfallen langsam, Brombeeren, Schwarzdorn, Rosen nehmen überhand.

Wir fahren über die Berg-Krete weiter, vorbei an Rinderherden, Windrädern, bis der Track steil ins Tal führt.

Wir besuchen die Dinospuren, samt Dino-Modellen.

Das Tal ist eng, karge Fels-Hänge mit engen Fels-Schichten, der Talboden wie eine Oase. Die Landschaft erinnert an den Hohen Atlas in Marokko.

Armadillo ist ein malerisches Dorf mit schöner Bogenbrücke.

Nun ändert sich die Art der Felsen: roter weicher Sandstein ersetzt den (Trias-?) Schiefer. Überall wurden (Wohn-?) Höhlen ausgebrochen. Da wir knapp dran sind, lassen wir diese Sehenswürdigkeiten aus, für den nächsten Besuch im Rioja. Wir ändern unser Ziel: Stellplatz in Calahorra. Ohne WC. Wir sind wieder in landwirtschaftlich intensiv genutztem Gebiet, mit Plantagen, Gewächshäusern im Tal des Ebro. Die Restaurants in der Stadt sind geschlossen, also weiter zum CP Banderas in bei Milagro. Gewöhnungsbedürftiger Empfang: nicht jeder findet die Art lustig. Im Restaurant bekommen wir ein riesiges, feines zNacht:: Melonen-Crevettensalat, Warmer Pilz-Baccalo-Salat, Tintenfisch nach Galizien-Art, Geschmorter Ochsenschwanz. Wirklich gut aber die Portionen killen.

Regen beginnt. Nachts 18*C. Der sehr nahe Strassenlärm ist nachts ruhig.

Wir besuchen den NP Banderas Reales. Vom Internet wissen wir Bescheid über Zugangsbeschränkungen (Jagd, Touristenflut) lassen uns aber im Visitor-Center gerne im Detail erklären wo, was, warum interessant ist. Wir fahren die Rundtour um den NATO-Schiessplatz, staunen ob den sehenswerten Erosionsformen dieser Wüstenlandschaft. Der Park wird recht intensiv landwirtschaftlich genutzt und militärisch eher geschützt. (Geologie-Geschichte).

Wir verbringen die Nacht auf dem neuen Stellplatz Valtierra.

Die Wetterprognosen für die nächste Woche sind schlecht. Nun geht‘s rassig Richtung Pyrenäen, um Pamplona herum nach Auritz durch eine stark genutzte Landschaft in eine schöne, wilde Naturlandschaft in den Bergen ( Pilzhalt? ).

17. – 31.10. 2023 Via Frankreich nach Hause

Nachts Regen, Morgen Nebel: Auf dem Puerto de Ibañeta die Wetterscheide: von Spanien Regen / Nebel, nach Frankreich Sonne. Die Fahrt durch das hohe Baskenland erschliesst uns eine tolle, wilde Landschaft mit tiefen Tälern, Farnfeldern, Wald und einsame Bauerngehöfte. Im Tal wird das saubere Bergwasser für die Forellenzucht eingesetzt. Leider verpassen wir die Gelegenheit des Direktkaufs in Banca. Im Tal entscheiden wir uns für den Besuch der Dune de Pilat in den Landes. Einer der wenigen offenen CP liegt in Capbreton. Die Wetterprognosen für die Woche sind miserabel. Wir verzichten auf die Düne und möchten nach Hause. Bis Ende Monat noch eine lange Zeit.

Die Fahrt durch Frankreich ist gezeichnet von Regen, tiefen Temperaturen (nachts 12-14*C) und der Suche nach offenen CP: Saison-Ende.

Wir besuchen die eindrückliche Nachbildung der Malereien in der Höhle von Lascaux. Die sind wirklich gut gemacht und ersparen dem Original die Millionen Besucher. Der freundliche CP-Wart gibt uns Vorschläge für eine „Original-Perigord-Essen“. Leider alle geschlossen oder „complet“. Vom Änggu bekommen wir noch den Hinweis „Sarlat“. Also nix wie los. Im alten Städtchen ( Filmkulisse) finden wir im „Petit Bistro“ das Gesuchte:

Als Einstieg ein Kir Royal.

Amuse bouche: Oeuf Mimosa à la Truffe, Tartine aux beurre de Truffe et sa chiffonnade de jambon.

Bloc de Foie Gras de Canard avec confit d‘Abricots, frischen Salat mit Baumnüssen, Coeur de Canard en Persillade, Anchaud perigourdin (Schweinebraten mit Gänseleber, kalt) Pommes Sarladaise mit Petersilie.

Dazu ein halbeli Roten aus demPécharmant, Chateau Tiregand.

Zum Dessert eine Creme brulé truffé.

Insgesamt gut serviert, gut präsentiert, gut im Geschmack. Etwas viel im Fett.

Ich glaube, wir haben einen guten Eindruck von der Perigord-Küche bekommen.

Anschliessend die weichen Knie in den Gassen von Sarlac gefestigt und dann rauf zum CP Huttopia Sarlac. Am Abend plagt Heidi ein Durchfall.

MapsMe hat uns geärgert mit aufdringlicher Aufforderung zum Upgrade auf die Pro-Version.

Wir fahren nun „nach Mapy“. Der Tschechische Provider ist zwar genau im Sammeln von Daten, aber das Programm hat doch seine interessanten Seiten: Nach Bedarf mit einfachen, Höhen, Outdoor oder Satellitenkarten, online und offline. Die vorgeschlagenen Tracks nach Zeit oder Distanz-Minimum. Zudem erfolgen Umwegvorschläge zu Sehenswürdigkeiten, sowie fremde, gespeicherte Touren. Zum Speichern eigener Daten muss man angemeldet sein.

Mit Mapy-Vorschlägen fahren wir abseits der Hauptstrassen über Nebenstrassen durch die interessanten Landschaften Frankreichs, durch (Herbst-) Wälder, kleine schmucke Dörfer. Wir sind erstaunt über die relativ dichte Überbauung. Leider lässt das Regenwetter keine spannende Herbstfotos zu: die leuchtenden Herbstfarben fehlen.. Dazu kommt der ungünstige Pilzler-Zeitpunkt. Einzig auf dem CP du Lac Marcillac finden wir viele Butterröhrlinge, die zusammen mit Kartoffel/Rüebli-Stampf und Entrecôte ein feines z‘Nacht ergeben. Vor Clermont-Ferrand überqueren wir den Col de Cessat am Fuss des Puy de Dôme (der liegt versteckt in Regenwolken), die Vulkankette des NP Volcans de l‘Auvergne. Der CP Huttopia Royat Clermont-Ferrand hat wieder mal warme Duschen.

Mapy jagt uns durch die engen Strassen und den stockenden Verkehr von Clermont Ferrand (selber schuld, den kürzesten Weg ohne Rücksicht auf Verkehr, überall Rotlichter) und weiter durch die Region Alliers. Nach den tiefen Tälern der Dordogne mit den braunen Dörfern, den Vulkan-Gebirgen der Auvergne mit den schwarzen Dörfern fahren wir nun durch das weite leicht hügelige flache Tal des Alliers mit ausgedehnter Landwirtschaft, Ackerbau, weissen Charolais-Rinderherden. Die Dörfer sind blasser, weniger markant. Wir landen auf dem CP Moulin Bleu in Trézelles.

Wir bekommen „ein echtes Problem“: Irgendwie funktionieren unsere Kommunikationsmittel schlecht bis gar nicht:

Vodafon (E) frisst unser Guthaben in Sekundenschnelle, damit fällt der TPLink weg. Qynamic, neu EU-Special nachgeladen geht auch nicht. Heidi‘s iPhone kriegt keine Verbindung. Das alte iPhone WG bekam ein Daten-Paket, geht auch nicht. Und für Nachfragen, Kontrollen brauchen wir wenigstens eine funktionierende Verbindung.

Wir müssen das bei guter Telefon-Verbindung überprüfen: Netzqualität-, Virus- oder Guthaben-Problem. Telefon-Empfang ist am richtigen Ort ok. Es gibt in Frankreich in paar leere oder schwache Stellen. Qynamic meldet sich, vermutet ein fehlendes Update, kann‘s aber nicht lösen. SIM soll ersetzt werden. Heidi‘s iPhone wird als Hotspot verwendet.

Wir queren das Loiretal Richtung Burgund. In Digoin kommen alte Erinnerungen auf: der Canal du Centre vom Burgund überquert hier die Loire auf einem Viadukt. Das hatten wir doch in den 70ern mal mit einem Boot gemacht (?? oder zumindest mit dem Velo).

Über Hügel, durch herbstlich gefärbte Wälder, grosse Agrarfelder mit Ackerbau und Viehzucht, durch schmucke Dörfer, vorbei an alten Minen gelangen wir ins Weinbaugebiet des Burgunds. Zwischen Regengüssen ein paar wenige Sonnenstrahlen. Auf dem CP ist sumpfiger Morast angesagt. Mit 4WD kein Problem. Der CP ist recht gut besucht (einziger offen in der weiteren Umgebung) Ich glaube, im Winter muss der Platz renoviert werden.

Ein sonniger Tag mit leuchtenden Herbstfarben. Die Reben gehen farbenfroh in den Winterschlaf, während die ersten Rapsfelder gelbe Farbe bekennen. Wir wechseln vom Tal der Saône ins Tal des Doubs. Die ersten Kalkfelsen erscheinen, der Fluss schlängelt sich mit viel braunem Regenwasser durch die Furchen, begleitet vom Canal du Rhône au Rhin. In der Klus von Pays-de-Clerval bleiben wir auf dem schönen CP Munizipal des Iles, direkt am rauschenden Doubs (eine Schwelle staut den Fluss für die Schifffahrt). Wir geniessen die letzten Sonnenstrahlen mit unserer „Sangria Kooka“: heisser Tee (ind. Cha mit Gewürzen, Orangensaft, Merlot aus dem 3-lt-Sack). Zum z‘Nacht: feines Kartoffel-Rosenkohl-Gemüse (mit ein paar Tropfen Balsamico) mit Schweine-Filet, wunderbar zart.

Wir entscheiden uns für eine Fahrt ins Elsass, nach Eguisheim bei Colmar. Die Wälder entlang dem „Canal du Rhone au Rhin“ sind alles andere als „Pilzler-freundlich: Dornen Efeu, Gestrüpp in den Laubwäldern und den Monokulturen „Nadelwald“. Wir lassen‘s sein und geniessen den regenfreien Tag auf der raschen Fahrt durch die elsässischen Reben. Ganze Star-Scharen versammeln sich in den Rebbergen für ihre Reise in den Süden. Gute Reise.

Der CP „Trois Châteaux“ ist uns von einem früheren Besuch bekannt. Eguisheim ist voll von Besuchern für ein „Pilzfestival“ und eine „Einrad-Challenge“. Wir essen in der „Auberge des Trois Châteaux“ die typischenZwiebelkuchen, Suurchabis mit Fleisch, Kartoffen, Gewürztraminer, und ein Sorbet mit Traminer-Marc. Die Küche offerierte auch ein „Baekkeofe“ eine Art Tagine, das wollten wir uns nicht antun, obschon sie sicher gut war.

Am Morgen machen wir einen Rundgang durch das sehenswerte (und gut besuchte) malerische Städtchen.

Unser nächstes Ziel: der Solothurner Jura, mit Zwischenhalt beim Carrefour in Mulhouse: letzter Einkauf vor der Grenze. Es wir langsam Dunkel, Regen setzt ein. Mapy führt uns durch den elsässischenHinterhof Basels in den Jura. Nachts überqueren wir die offene Grenze Richtung Kleinlützel und landen bei starkem Regen hoch ob Bärschwil auf dem Hasel Hof: Corinne und Andy, die „Hofbauern“ empfangen uns nachts trotz starkem Regen mit aller Herzlichkeit auf ihrem Hof.

Die letzte Etappe unserer Reise führt durch den verregneten, aber wunderbar herbstlich eingefärbten Jura.

Im Byfang erwarten uns unsere Mieter, wohlgelaunt und auf dem Sprung in ein neues Abenteuer in Südostasien. Sie haben sich in den letzten Wochen intensiv mit den 3P beschäftigt: Planen, Putzen, Packen.

Das Haus ist in einem perfekten Zustand, keine „Missgeschicke“, schleck-sauber, der Garten „im Schuss“, Pit kann „Feuerring“: der ist perfekt konserviert.

Kurz zusammengefasst: Wir wünschen uns für unsere nächste Reise wieder BePiTha als Zwischenmieter.

Fazit der Reise

fehlt- Aber wer bis hierher gelesen hat, hat eine grosse Pause verdient.

Der Rappenspalter

Buchhaltung fehlt

Die Tracks

GPS-Tracks fehlen

Kookaburra kehrt heim 23.12.2020 – 9.3.2021

Nun sind wir schon über 10 Monate in der Schweiz, immer noch unter Kontrolle von Corona.  Die 1. Welle überstand sie mit „relativ harmlosen“ Beschränkungen (im Vergleich zu andern Ländern). Der Sommer „fast wie gewohnt“. Endlich wieder „frei wie die Väter waren“ machen was man wollte.

Wir genossen die Zeit mit der Familie, den Enkeln und mit Baden in der Aare, kleinen Velotouren und pilzlen im Wald.

Die zweite Welle hat die Schweiz voll auf dem linken Bein erwischt: Leider beachtete niemand ausser der Taskforce, dass die Epidemie noch lange nicht überstanden ist. Es kam, wie es kommen musste: der Hammer im November.

Den Sommer verbrachten wir ohne Kookaburra. Wir hofften auf eine Fortsetzung unserer Reise in naher Zukunft. Kookaburra wartete geduldig aus unsere Rückkehr. Regelmässig startet Alex den Motor zur Freude Kooka’s.

Wir hatten viel Kontakt mit Massimo von ITS damit wir alle Möglichkeiten ausloten konnten. Die Aussichten waren nicht besonders rosig. Seine Offerten waren Gold- und Silbertablets: Ab einem „vernünftigen“ Hafen sind die Kosten vergleichsweise günstig. Bolivien als Binnenland bietet nur langwierige Landtransporte über die hohen Anden-Pässe an den Pazifik, durch den Panamakanal nach Europa.

Ein RoRo-Transport ist für Massimo die Hölle: er möchte ein sorglos-Paket anbieten, aber die Wahrscheinlichkeit, dass das Fz ausgeräumt ankommt ist gegen 100%. Da würde er lieber einen Kostenbeitrag leisten, als die Verantwortung für den Transport zu übernehmen.

Ein FR (Flat Rack: eine Container-Plattform ohne Kiste drum herum) ideal für überdimensionierte Lastwagen-Wohnmobile, sind gemäss Massimo „sauteuer“.

Die Container 20″ oder 40″ HC (High Cube) sind für Kookaburra das richtige: gut verpackt, Standard Transport, dafür wurde er ja gebaut.

Massimo macht ein Angebot: ein 40″-HC für 2 Fahrzeuge ab Arica, Chile via Panama / Antwerpen nach Basel. Ab Cochabamba via LaPaz nach Arica auf einem Tieflader. Zusammen mit dem VW von Marcel.

Die Corona-Situation entspannt sich leicht, wir prüfen noch eine Alternative: selber das Fz nach Montevideo schaffen. Der Preisunterschied reicht gut für den Flug. Es geht doch nicht als lokaler Fahrer das Fz nach Uruguay zu fahren. Der Trick ist zu durchsichtig; No, es imposible!

Jetzt geht es ans Formulare ausfüllen! Zum Glück muss sich nur Massimo mit der Bolivianischen Bürokratie herumschlagen:

16 Dokumente müssen in ALLEN Details den wechselnden Wünschen der Bolivianischen Behörden angepasst werden. Zum Glück sind die Datenbahnen CH-BOL leistungsfähig und Massimo’s Nerven aus hartem Federstahl. Schliesslich bekommen wir das ok aus Bolivien: die Dokumente sind in Ordnung. Nun müssen sie nur noch von der Bolivianischen Botschaft in Genf, von der Wohngemeinde, vom Straßenverkehrsamt in Bern, vom Notar beglaubigt und von der Staatskanzlei in Bern mit einer Apostille staatlich legalisiert werden. Das ist überall mit deutlichen Kosten verbunden. So funktionieren offenbar Staaten untereinander, wenn man niemanden 100% trauen kann. Bei Massimo genügt uns sein lockerer Stil!

Jetzt braucht es nur noch ein Handbuch für die Vertreter Massimo’s in Bolivien: Wie öffne ich das einbruchsichere Fz baue die Gasflaschen aus, entleere die Dieseltanks und entsorge den ganzen unerwünschten Kram. Ist genau das, was man sich von fremden Leuten wünscht.

Kurz vor Weihnachten ist es so weit: der Tieflader taucht beim CP Las Lilas auf. Der Einbruch funktioniert perfekt. Die Leute sind Profis.

Alles wird ausgeräumt

 

Ein undichte Stell im Tank wird dokumentiert

Dann wird geladen

Festgezurrt

Und ab nach La Paz

In El Alto werden die Fz umgeladen

Walter vom Hotel Oberland kontrolliert nochmals die „zolltauglichkeit“ für Chile. Alle Lebensmittel, Kosmetik Artikel werden entsorgt.

Sogar unsere Desinfektionsmittel (Vodka !) überleben nicht.

Der überschüssige Diesel tröpfelt aus dem Tank. Wir möchten ja nicht eine Havarie des Container Frachters provozieren. Massimo hat uns genügend eingeheizt:

Pro Jahr gehen etwa 120 Schiffe unter (darunter am 12.3.2019 die Grande America der Grimaldi Lines), 10’000 Container schwimmen herum oder versinken und in den letzten 4 Jahren sind 2 grosse Reedereien Konkurs gegangen.

Endlich kann es los gehen an die Chilenische Grenze. Die Zöllner in Tambo Quemado nehmen ihre Aufgabe ernst.

In Arica werden die beiden Fahrzeuge in einen Container geladen.

Gut fixiert, hohe Wellen können die Ladung enorm strapazieren

Sauber verschlossen

und plomdiert

In Arica  beginnt die lange Seereise, zuerst mit dem Containerfrachter Alioth nach Callao, Lima

Dann mit der COSCO Danube (300m lang, lädt 9400TEU) via Panamakanal, Cartagena, Dominikanische Rep. Rotterdam, Hamburg nach Antwerpen.

Der Weg des Frachters lässt sich auf marinetraffic.com verfolgen

Hier muss der Container durchleuchtet werden, verpasst das Rheinschiff und kommt mit dem nächsten nach Basel. Endlich können wir am 9.3.2021 unseren Kookaburra in Empfang nehmen.

Sauber verschlossen, plombiert

Die Plombe geknackt

Er ist wirklich da!

Da stehen sie, mit Marcels VW-Traum. Er holt ihn 2 Tage später ab.

Das Ganze hat nur funktioniert dank der harten Arbeit von Norma und Massimo. Ein riesiges Dankeschön an die Beiden, denen die Lösung einer schwierigen Aufgabe zur Passion wird.

Beim Kaffee erzählen sie von den bürokratischen Monstern in Bolivien, von Fluch und Segen der Corona-Pandemie, von den vielen Hilferufen der gestrandeten Overlanders in der ganzen Welt. Massimo hat geschworen, nie mehr ein Fahrzeug aus Bolivien heraus zu holen.

Ich bin aber sicher Du kannst ihn am Ostersamstag in der Nacht anrufen, weil dein Repatrierungsflug am nächsten Tag abgeht. Nach einer halben Stunde (er hat inzwischen ein paar Anrufe gemacht) ruft er zurück und meint: mach dir keine Sorgen, wir machen das, ich habe zwar noch keine Ahnung wie, aber es wird klappen.

Und es wird so klappen wie bei uns; Kookaburra wieder zu Hause

Freude herrscht! Mit ein wenig Wehmut: werden wir je wieder in Bolivien weiterreisen?? 

 

Leben in der Corona Quarantäne 21.3.-19.4.2020

Die Nacht ist ruhig, die Strassensperre wird um Mitternacht aufgehoben, das Militär zieht ab. Um 5 Uhr laufen die lauten Motoren der abgeblockten Lastwagen warm, der Verkehr nimmt rasch zu. Wir schlafen noch eine Weile, der Pneu-Laden hinter uns bekommt neue Reifen geliefert. Vor 8 Uhr machen wir uns auf den Weg zum HiperMaxi Markt, durch dichten Verkehr. Der Supermarkt ist voll Kunden. Beim Eingang werden uns die Hände desinfiziert. Das volle Wägeli wird verladen und durch dichten Verkehr fahren wir zum CP/Hostel Las Lilas. Alex lässt uns auf seinem CP campen, das Hostel ist geschlossen. Hier sind wir gut aufgehoben, ein ruhiger Platz mit gutem Internet Anschluss. Kaffe Defizit und Hunger werden gestillt. Ab Mittag gilt in Cochabamba eine totale Ausgangssperre. Die Nervosität sinkt ab. Endlich wieder mal Kontakt mit der Familie, den Reisekollegen und der Welt.

Das Hostal Las Lilas bietet uns eigentlich alles, was wir brauchen: wir bekommen das Morgenessen, es hat eine schöne, fast perfekte Toilettenanlage mit warmen Duschen.

 

Uns werden Zimmer zum gleichen Preis angeboten (uns ist es aber wohler im Camper als in unbekannten Betten). Wir haben Strom Anschluss, ein recht schnelles WiFi, sauberes Wasser zum Nachtanken und viiiiel Platz.

  

Der grosse Aufenthaltsraum hat TV, Spieltische, einen Billiard-Tisch, eine Bibliothek.

Draussen eine grossartige Grill-Anlage, eine Küche. Ein Swimming Pool.

Auf der Wiese ein kleines Fitness-Center mit Home-Trainer, Box-Sack, Bauch-wippe, Gewichtsstangen. 

Die Familie und die Angestellten sind angenehm freundlich, hilfsbereit.

Alex, der Besitzer betreibt in einem Nebengebäude eine Produktion mit Plastik-Spritzguss-Maschinen.

Damit produziert er diverse Flaschen aus PET und PE.

Er hat einen Corona-Auftrag: Flaschen für dringend benötigte Desinfektionsmittel.

Deshalb ist der Betrieb nicht der Quarantäne unterworfen. Er muss pro Tag 10‘000 Flaschen produzieren. Das braucht natürlich Nachschub von den Rohstoffen. Die kommen aber aus Santa Cruz, da sind die notwendigen Bewilligungen und die Transporteure nicht einfach auf zu treiben. Deshalb steht die Produktion einige Tage still. Nachdem das Material endlich angekommen ist, arbeiten Carlos und sein Kollege fast Tag und Nach durch.

3 Hunde wohnen ebenfalls hier: Ein kleines, wildes, kläffendes Wollknäuel,

ein schwarzer, finster dreinblickender Pit Bull, der das Anwesen mit hin und her rennen verteidigt

und ein alter, gebrechlicher Bergamasker mit einem blauen Auge.

Er ist über 15 Jahre alt, kann sich nur schwer hinlegen. Plötzlich kommt er mit einem voll vereiterten Auge daher. Die Angestellten pflegen ihn liebevoll, bis die Entzündung weg ist. Er tut einem richtig leid.

Wir informieren uns über die Corona-Situation weltweit in der Schweiz und lokal, jeden Tag, ein paar mal. Wir möchten sie verändern, geht schlecht. Wir nehmen Kontakt auf mit der Schweizer Botschaft in La Paz. Wir merken, sie wird bestürmt von nervösen Touristen die einen Heimflug-Service vom Bund erwarten. Wir lassen uns nicht ins Bockshorn jagen: wir haben einen guten, sicheren Platz, die Corona-Situation ist hier viel überschaubarer und weniger dramatisch als in Europa, in der Schweiz. Wir nehmen uns die Zeit und bleiben geduldig. Wir klären mit Massimo in Reinach BL mögliche Transport-Szenarien ab. In WhatsApp wird eine Gruppe „Suizos stuck in Bolivia“ zusammengestellt. So können wir uns gegenseitig informieren, was läuft (oder nicht).

In Bolivien sind am 10.März die ersten beiden Corona Fälle aufgetaucht. 1 in Santa Cruz, 1 in Oruro. Sie kamen von einer Reise in Italien zurück. Sie wurden sofort isoliert. Nach 4 Tagen waren die Familienangehörigen in Oruro ebenfalls angesteckt. In diesem Moment hat die Regierung eine totale Quarantäne über Oruro verhängt, die Stadt von der Umwelt abgeschnitten. Zeitgleich wurde der Internationale und nationale Flugverkehr eingestellt und bald die Grenzen geschlossen.Das haben wir ja erlebt.

Dieses beherzte Vorgehen zeigte sehr gute Wirkungen: nach einem Monat sind in Oruro keine weiteren Fälle mehr aufgetaucht. Die Situation in Santa Cruz verschlechterte sich zusehends. Die Regierung ist sich bewusst, dass das bolivianische Gesundheitssystem im Argen liegt und keine Corona-Explosion verdauen kann. Deshalb musste die Regierung eine landesweite totale Quarantäne ausrufen, Seit in Pisiga Bolivianer aus Chile einreisen durften, steigen die Zahlen in Oruro wieder.

Corona-Quarantäne in Bolivien heisst: die Versorgung mit dem lebensnotwendigsten ist gesichert. Der leidenden Bevölkerung soll ein „Familien-Korb“ ausgeliefert werden, Strom- und Wasserkosten werden zu einen Grundbeitrag übernommen.

Die Total-Quarantäne bedeutet:

  • Kein Ausgang, ab Mittag generelles Ausgangsverbot
  • Kein Verkehr (nur mit restriktivem persönlichem Passierschein: Spitalbesuch für Dialyse, Lebensmitteltransporte, Polizei, Militär)

  • Einkaufen einmal pro Woche, je nach Endziffer im Personalausweis, nur am Morgen
  • Nur zu Fuss im nächsten Laden
  • Kein Einkauf ab 65 Jahren
  • Nur mit Gesichtsmaske
  • Keine Massenzusammenkunft
  • Abstand halten
  • Hygienevorschriften: fleissiges Händewaschen, Desinfizieren
  • Nicht einhalten der Vorschriften wird mit Busse, Gefängnis und Konfiskation des Fahrzeugs bestraft „wegen Gefährdung der Volksgesundheit“

Seither ist es ruhig in der Stadt, praktisch kein Verkehr, nur das viele Hundegebell stört.

Vereinzelt werden kleine Strassenmärkte mit 1-2 Ständen am Strassenrand toleriert. Lieferwagen fahren mit Gemüse, Eiern, Früchten mit Lautsprechern einmal in der Woche durch die Quartiere. Die Leute werden kreativ: in einem Haus werden Fische verkauft, im andern Poulets.

Ein Bauer im Wohnquartier hat einige Milchkühe. Ein Nachbar macht aus seinem Hauseingang einen kleinen Laden.

Alex organisiert einen Käser von den „Colinas del Sol“ mit wirklich gutem Käse: frischer Kräuterkäse zum Streichen, Camembert wie Délice de Bourgogne, einen weissen, harten Frischkäse mit vielen Löchern wie ein Sieb, Parmesan. Ein Glückstreffer für uns.

Einmal pro Woche darf Alex zum Metzger. Er brachte uns ein feines Lomo, das sofort im Kühlschrank verschwindet, Poulet-Brust und schönes, mageres g’Hackets.

Lomo mit Gemüse, frischen Pilzen, Kartoffeln

Beim Gemüse dürfen wir nicht allzu wählerisch sein: nicht alles ist frisch aus dem Garten, der Salat meistens etwas schlampig. Aber Tomaten, Gurken, Karotten gibt‘s genug.

Bei den Kartoffeln haben wir eine Andine Auswahl: der Ursprung dieser Knollen liegt ja hier in den Anden, mit hunderten Sorten. Grosse, kleine, gelbe, rote, violette, rosarote, gleichförmige und komplett verzworgelte, mit unterschiedlichem Geschmack und unterschiedlichen Kochbedingungen, frühe, späte, solche aus grosser Höhe über 4500müM, solche aus dem Tiefland. Viele werden getrocknet als weisse Knollen verkauft. Die Verkäuferinnen wissen immer genau, wie sie zubereitet werden, geben gerne Tipps ab.

Daneben sind Gemüse erhältlich, die wir nicht einmal von der Form her kennen. Die Caigua (Inka Gurke) ist eine Art spitze Paprika, aber völlig verschieden. Roh sei sie unbekömmlich, müsse gekocht werden. Das haben wir versucht: Caigua, gefüllt mit g‘Hacketem und kleinen rosaroten Andenkartoffeln an einer Hoisin-Sauce.

Wirklich fein! Heidi bekommt Blàhungen davon.

Saubohnen sind riesige Bohnen mit Kernen, nur diese werden verwendet. Gibt mit Teigwaren, Tomaten, Frühlingszwiebeln, Pecorino (oder bolivianischer Frisch-Käse) frischen Saubohnen nach einem alten sizilianischen Rezept der Spitzenköchin Anna Sgroi ein wunderbares z’Nacht.

Ein Art Kürbis zum Kochen.

Bei den Früchten ein ähnliches Bild: die Bananen gleichen nur dem Namen nach unseren Chiquittas. Ihre Formen, ihr Geschmack sind jedoch vielfältiger, manchmal fein-fruchtig, manchmal eher mehlig, eher Kochbananen.

Die Bolivianischen Orangen sind ebenfalls sehr ungewohnt: komplett grüne Schale mit leichtem Mandarinen Duft, extrem saftig mit einem harten, trockenen Fruchtfleisch, ähnlich wie Pomelos mit den einzelnen Zellen. Der Geschmack ist eher fad, säuerlich mit einer Mischung aus Pomelo und Mandarine, keinen Orange-Geschmack.

In den Gärten wachsen überall Zitronen und Limetten.

Die Äpfel sind eher 08-15. Offenbar aus marktwirtschaftlichen Gründen eingeführt.

Im tropischen Tiefland wären viel Exoten erhältlich: Chirimoya, Guanabana, Starfruit, Mango, Cupuaçu, Baumtomaten. Die sind hier rar.

Wir kennen noch nicht alle Tonsignale auf der Strasse: mal sind es die Gemüse- oder Früchte- Händler, mal ist es der Gas-Lieferant, mal die Kehricht Abfuhr alle rufen ihre Dienstleistung aus. Wir rennen oft vergebens zum Eingangstor.

Da unsere Aufenthaltsbewilligung abläuft suchen wir eine Lösung über die Botschaft. Sie bekommt ein Schreiben vom Außenministerium, dass alle Aufenthaltsbewilligungen automatisch über die Quarantänezeit verlängert werden. Für den Camper gibt es noch keine definitive Lösung, da der Zoll nicht voll arbeitet. Trotzdem sind wir zuversichtlich, dass auch hier eine pragmatische Lösung gefunden werden kann.Wir stellen Alex schon eine Vollmacht aus, damit er bei Bedarf den TIP beim Zoll verlängern kann.

Der Corona-Alltag beginnt mit dem Morgenessen, Rührei mit Salz, Brötli mit Butter und Vierfrucht-Konfi, Kaffe. Jeden Werktag, wenn die Arbeiter im Spritzwerk ebenfalls das Morgenessen bekommen.

Wir beginnen mit den neuesten Nachrichten, lassen uns dabei aber nicht zu stark nervös machen. Das kann sich hinziehen, wir haben ja viiiiel Zeit.

Daneben immer wieder Kleinigkeiten:

  • Wasserfilter wechseln
  • Port á Potti leeren, reinigen
  • Die WC-Tür der Toiletten Anlage flicken
  • Die Schiebetüre zum Aufenthaltsraum schmieren
  • Die Glas-Eingangstüre zum Aufenthaltsraum richten
  • Rasen mähen
  • Rasen zusammenrechen, wegräumen
  • Home Trainer reparieren, Fitness Geräte vorbereiten
  • Fitness Geräte auch nutzen! H: 30min, W: 10min (dann droht Milchsäure in den Muskeln)

  • Haare schneiden (H<->W) Unser Coiffeur hat immer offen. Die Distanzen halten wir nicht ein.
  • Haare färben
  • Brot backen

  • Kooka waschen
  • Grosse Wäsche waschen lassen
  • Kleine Wäsche zwischendurch
  • Bett neu anziehen
  • Kooka Reifen Aufpumpen
  • whot – Fotos bearbeiten, Berichte fertigstellen und aufschalten
  • Tägliches Fitness Programm (wenigstens eine von uns)
  • Bedienungsanleitung der Bose-Kopfhörer studieren. Es ist ja verrückt, was die alles können
  • Musik hören
  • Internet
  • Lesen
  • Foto Session in Garten und Betrieb

Das Ganze wird immer wieder unterbrochen von der Frage: was wollen wir essen/kochen?

Für den Apéro ist uns der Wein ausgegangen. Die letzte Flasche Portwein leert sich unheimlich schnell. Noch ein paar Dosen Bier für unser BiCoWa-123. (Bier-Cola-Wasser im Verhältnis 1:2:3, gar nicht so schlecht wie es tönt)

Am Sonntag bringt uns Alex einen Teller mit Gefülltem Rinds-Filet mit Reis, sehr geschmackvoll. Der Reis wurde mit gehackten schwarzen Oliven und roten Zwiebeln dunkel eingefärbt und ist sehr gut.

Das Filet ist mit Schinken und Käse (dem Lochkäse aus der Käserei!) gefüllt, auf dem Grill gebraten, sehr gut gemacht.

An Ostern wieder eine Platte mit gegrilltem Rindfleisch, Chorizo, Gschwellti und Risotto. Sehr fein! Wir schätzen Alex‘ Hobby, die Sonntags-Parillada, immer mehr!

Es gibt gute Gründe, den Heimweg so rasch wie möglich anzutreten. Nach einem Monat hat Bolivien die 300-er-Corona-Grenze überschritten, die nächsten Schritte werden grösser als bisher. Kürzlich wurde die Stadt Montero von der Umwelt militärisch abgeriegelt. In Santa Cruz werden die Massnahmen drastisch verschärft, weil sich die Leute nicht an die Vorschriften halten und „wie normal“ sich in der Stadt aufhalten. Militär wird die Einhaltung überwachen und Fehlbare müssen mit groben Strafen (bis 3 Jahre Gefängnis) rechnen. Santa Cruz ist die am stärksten betroffene Region. In 3 Nächten wurde die ganze Stadt (3500km lokale Strassen) komplett desinfiziert. Die Stadt ist ein Zentrum für Landmaschinen und die umliegenden Farmen haben viele Pestizid-Spritzmaschinen zur Verfügung gestellt: 150 Spritzmaschinen und 300 Tanklaster. Andere Städte wie San Ignazio de Velasquez wurden ebenfalls desinfiziert mit Hypochlorit, hat uns Ruedi mitgeteilt.Vor unserem Garten fuhr ebenfalls eine Spritz-Equippe durch. In El Alto / La Paz machen sie auf alternativ: Sprühvorrichtungen verteilen Eucalyptus, Wiri-Wiri, Kamillen Duft „zur Stärkung des Immunsystems“

Aus Ecuador erreichen uns Horrorgeschichten von Leichen auf der Strasse, die bereit zum Abtransport herumliegen. Alex‘ Mutter ist guter Dinge: die Bolivianer seien schon lange die Armut gewöhnt, immer wieder Krankheiten und krankmachenden Keimen ausgesetzt. Sie hätten ein gut trainiertes Immunsystem.

Es gibt aber auch gute Gründe, die Abreise zu verschieben. Die Situation in Europa, der Schweiz ist noch nicht rosig, obschon der Bundesrat vom Licht am Ende des Tunnels redet und Szenarien für eine Rückkehr zur Normalität entwickelt. Was Bolivien in einem Monat schafft, macht die Schweiz locker in einem Tag. Zudem sind die Reisebedingungen alles andere als einfach: Bisher wurden ein paar wenige Rückführungs-Flüge von der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Holland aus Südamerika durchgeführt. Die Familie Frei muss vorerst wieder aussteigen, weil ihre Plätze für die Crew reserviert seien. Auf den Flughäfen sehen wir Szenen, die wir lieber nicht erleben wollen: dichte, durcheinander gewürfelte Meute, manchmal für den nächsten Flug in Warteposition gesetzt. Ein Bus mit Rückkehr-Touristen donnert in einen Felsen.  Aber meistens klappts doch noch und dann sehr schnell: am nächsten Morgen bekommen wir schon die Grüsse von zu Hause. Die Gruppe „Suizos stuck in Bolivia“ wird stark dezimiert.

Wir haben Kontakt mit einigen gestrandeten Overlanders in Südamerika: René & Brigitte sind in Pilpichaca / Peru auf 4000müM zwar nicht glücklich, können dort aber vorläufig überleben. Roberto & Vreni mussten ihren Platz in Arica / Chile räumen: das Militär hat ihn beschlagnahmt. Am neuen Platz wurde Vreni von einem streunenden Hund gebissen. Die Wunde heilt gut aus. In Cafayate / Argentinien stecken Chris & Angie, Andrea & Marco, Marcus mit seiner Hündin Frieda, Patrick & Beatrice, Peter & Marita fest. In Cuzco, Peru harren Udo & Brigitte mit ihrem Hund aus, in Santa Teresa, Uruguay warten Susanne & Ueli auf bessere Zeiten und in Guaratuba haben Ilse & Elmar eine Ferienwohnung bezogen, bis sie von Sao Paulo in den Schwarzwald wegfliegen konnten. Udo, Brigitte mit Chili melden sich plötzlich aus dem Baselbiet. Sie konnten kurzfristig über Lima zurückfliegen.Frau Baumberger von der Botschaft in La Paz kann uns plötzlich einen Flug anbieten: Cochabamba – La Paz mit Bus, Flug La Paz – Quito, Quito – Buenoa Aires, Buenos Aires – Zürich Abfahrt hier Freitag -Morgen um 6 Uhr, Ankunft Zürich Sonntag Mittag 12.40.

Sollen wir? Wollen wir? Müssen wir?

Die Aussichten für eine kurzfristige Besserung der allgemeinen Situation sind nicht gut. Mit diesem Flug sind die meisten Schweizer aus Bolivien weg, ein weiterer Flug ist nicht in Sicht und noch 2 -4 Monate hier bleiben ist auch keine Option. Wir melden uns an.

Plötzlich wird alles hektisch. Wir müssen packen, unseren Kookaburra „standfest“ machen, den CP und die Parking-Miete bezahlen, Bolivanos für den Bus nach La Paz besorgen. Die restlichen Lebensmittel aufbrauchen oder abgeben, nochmals im trauten Huli schlafen.

Von Martina vernehmen wir, dass das Pfadiheim im Byfang der Stadt Biel als Quarantänelager für angesteckte Corona-Opfer genutzt wird. Darauf haben wir gerade gewartet!

Die Behörden in Ecuador verlangen eine Verschiebung des Fluges La Paz – Quito, sie wollen keine wartenden Leute im Flughafen. Die Abfahrt in Cochabamba wird auf 11.15 verschoben. Wir werden vom CP abgeholt als erste von 11 Erw. + 2 Kindern, in ganz Cochabamba zusammen gesammelt.Ein Abschiedskomité.

Kurz vor der Abfahrt setzt Regen ein. Schliesslich treffen wir um 1 Uhr den Bus aus Santa Cruz.

Cordula nimmt’s mit der Desinfektion genau

Gemeinsames Foto mit Cordula Thöni, Honorarkonsul in Cochabamba.

Die Strecke durch die Stadt und über die Berge ins Altiplano kennen wir schon gut, aber anders. Wenig bis kein Verkehr, die Strassen fast leer.

Die meisten Geschäfte sind geschlossen. Fussgänger und Velofahrer mit Mundmasken.

Strassensperren mit bewaffnetem Militär bewacht.

Auf der Passhöhe La Cumbre liegt etwas Schnee.

Das Altiplano gleich: fast kein Verkehr, Strassen leer, Geschäfte geschlossen.

Eine desolate Situation für die Betroffenen

Langsam geht die Sonne unter und übergiesst die Landschaft imit einem magischen Licht.

Um 8 Uhr erreichen wir den Flughafen El Alto. Gähnende Leere.

Später tauchen Leute mit roten Windjacken auf: die Vertreter der Botschaft stellen ein paar Tische auf mit Empfangsbüro,

Tee- und Snacks, die Schweizerfahne und 2 Ketten mit den Kantonswappen zum Check-in Schalter. Frau Baumbergerist auch dabei. Alle Formalitäten werden vorbereitet, wir können den Flug einchecken, das Gepäck abgeben und warten.

Gegen 3 Uhr morgens bewegt sich der Tross durch die üblichen Kontrollen zum Gate. Boarding,Mit Temperaturmessung.

Abflug um 3.45 Uhr. Nach einem kleinen Imbiss ist Lichterlöschen. Der Flug ist ruhig. Wir erwachen neben dem Cotopaxi, dem höchsten Vulkan Ecuadors. Quito ist komplett im Nebel. Die Passagiere mit Ziel Quito können aussteigen, wir müssen noch 1 1/2 Stunden warten., dann können wir über das Flugfeld zur A-340 der Edelweiss wechseln.

Nach einer Stunde wollen die Motoren nicht starten, wegen der Höhe. Quito liegt auf fast 3000müM. Um 12.30 können wir endlich starten. Der Flug nach Buenos Aires dauert 6 Stunden. Hier steigen weitere Heimkehrer ein. Das Flugzeug wird fast vollständig gefüllt, über 300 Passagiere. Der Flug ist ruhig, das Filmangebot wird genutzt. Müde verschlafen wir den langen Flug. Endlich, nach 18 1/2 Stunden landen wir in Zürich.

Das Aussteigen erfolgt wegen den Corona-Bestimmungen gestaffelt in kleinen Gruppen, zieht sich deshalb sehr in die Länge. Wir sind erstaunt, dass keine Corona-Prüfungen gemacht werden: Befragung zum Befinden, Temperaturmessung etc. nichts. Die Pass- und Zollkontrollen sind zügig, auf den Gepäckbändern warten schon unsere Koffer und beim Eingang erwartet uns Elsi.Wir trinken beim Beck vor der Migros einen Distanz-Kaffe, kaufen ein paar Sachen im Laden und fahren mit dem Zug nach Biel. Der Zug ist recht gut besetzt, wir achten darauf, dass die andern Passagiere den Abstand einhalten. Wenige Leute tragen, wie wir, eine Gesichtsmaske.  Zum ersten mal seit Jahren erleben wir wieder einmal einen grünen Frühling mit (viel zu früh) blühenden Kirsch- Apfelbäumen Flieder.

Herrlich. Ein Taxi bringt uns um 18.30 in den Byfang, nach seehr seehr langen 59 Stunden. Müde, aber doch zufrieden, feiern wir unser Ankunft mit einem Freixenet mit Sushi. Wir sind wieder zu Hause.

Ein besonderer Dank geht an die vielen Mitarbeiter und Vertreter des EDA, ganz besonder Frau Thöni in Cochabamba und Frau Baumberger in der Botschaft La Paz. Sie haben alle eine unglaubliche Leistung vollbracht mit der Organisation und Koordination der Repatriierungsflüge aus allen Erdteilen in die Schweiz. Das war sicher nicht immer einfach, vor allem, wenn die gestrandeten Personen nervös, ängstlich und manchmal sehr fordernd waren..Danke, Merci, Gracie. Grazia figt!

Der ungebetene Reisebegleiter 14.3.-21.3.2020

Wieso rasen wir 200km durch Nacht, Regen und Nebel über einen 4500m hohen Pass auf einer Strecke, die wir schon einmal gefahren sind, vorbei an Felsbrocken mitten auf der Strasse, vorbei an Strassensperren, hinunter nach Cochabamba, das wir vor einer Woche verlassen haben mit Ziel Chile?


Nach 5 faulen Tagen verabschieden wir uns von Carolina und Jochen. Wir müssen bald unsere Aufenthaltsbewilligung verlängern, deshalb ist unser nächstes Ziel die Chilenische Grenze, aber nicht zu schnell, wir haben noch zu viele Frischprodukte.

Wir füllen unsere Reserven im Hiper-Maxi, unter anderem Coca-Tee gegen den Höhenkoller. Nach dem Volltanken geht’s dann durch den hektischen, dichten Stadt-Verkehr Richtung Oruro. Unser Ziel ist der NP Sajama mit dem imposanten Vulkan gleichen Namens. Bald steigt die Strasse in die hohen Berge, die Cordillera del Confital. Wir bleiben auf 3260müM beim Llavini-Viadukt, der alte Strassentrack hinter dem Viadukt.

Wir wollen nicht zu viel Höhenunterschied. Der Platz ist ein iOverlander-Eintrag wert. Im Canyon hinten eine luxuriöse „Toilette“ mit Spülung vom Bach, ein grosser, flacher Platz. Der Straßenlärm sollte sich in Grenzen halten. Wir verschlingen nach dem Apéro das Grill-Poulet vom Hiper-Maxi.

Die Nacht ist erstaunlich ruhig, bald kein Verkehr mehr, der nimmt erst am Morgen wieder zu. Zuerst Sonnenschein, dann bewölkt. Wir fahren auf der F4 weiter in die Höhe, bis 4500müM bei La Cumbre. Es herrscht sehr viel Lastwagen- und Busverkehr in beiden Richtungen, überholt wird bei jeder sich bietenden, teils riskanten Gelegenheit. Niemand will hinter einem laaaangsamen, überforderten Laster dahinkriechen.

Weite Tiefblicke öffnen sich, mal links, mal rechts auf eine karge Landschaft mit steilen Matten in den Felsen, kleinen Dörfern mit zerfallenden Adobe-Lehmhäusern, gelegentlich einzelne Lamas. Eine Ölpipeline folgt der Strasse über die Berge. Einsetzender Regen führt zu triefenden Rinnsalen über die Felsen. Wir begegnen Schnee- oder Hagel-Resten. Die Bäche schwellen rasch und braun an. Die Regenzonen sind örtlich begrenzt.. Nach La Cumbre ist die Strasse zur 4-spurigen Autobahn ausgebaut. Nun muss man nicht mehr hinter den ganz langsamen Lastwagen hinterher zotteln, warten bis ein seltenes, gerades Strassenstück ein Überholen erlaubt. Bei Caihuasi-Ocotavi erreichen wir die Altiplano auf 3700-3800müM. Diese „Hoch-Ebene“ reicht fast 1000km, vom Titicaca-See in Peru bis über den Salar de Uyuni hinaus. Hier wird viel Landwirtschaft betrieben: Felder grob gepflügt,

Quinoa leuchtet in diversen Farben: rot, gelb, grün. Die Strecke Caracollo – Ancotanga ist ein einfacher Feldweg, ausgewaschen. Ein Gewitter zieht über den nahen Bergen auf. Wir verstecken uns in der Kiesgrube bei Ancotanga, sie ist windgeschützt. Es ist kalt, wir verschwinden im trauten Heim. Wir merken die Höhe: rascher Atem, doppelte Kochzeiten! Wir überlegen uns einen alternativen Reiseplan: statt weiterhin gegen den Winter in den Bergen zu frieren, wieso nicht hinunter an die warme Küste und nach Norden an die Karibik und im nächsten warmen Sommer in die Berge?

In der Nacht 10°C bei leichtem Regen, am Morgen trocken, die Sonne scheint warm. Wegen der Kälte war die Kiesgrube gar kein schlechter Platz, wir könnten sowieso die Gegend nicht geniessen.

Wir fahren auf der F31 weiter Richtung Sajama NP. Zuerst noch Asphalt, bis La Joya. Eine Brücke überquert den grossen, viel Wasser führenden Rio Desaguadero. Er entwässert den Titicacasee in den Salar de Uyuni. Wir passieren einen grossen Flugplatz mitten im Nowhere. Militär? Minen? Oder wegen dem Kraftwerk? Eine grosse Photovoltaikanlage für 50MW ist im Bau.

Vor uns haben wir eine kräftige Regenfront, die sich gegen unser Ziel hin bewegt! Nach La Joya wieder eine Dreckpiste im wahrsten Sinn des Wortes: der aufgeweichte Schlamm spritzt am Kooka hoch. Zum Glück gibt es grosse Pfützen! Links eine niedere Bergkette, rechts eine Salar-Ebene soweit das Auge reicht (und die tiefen Wolken es zulassen).

Viele Ackerfelder mit Quinoa, Lamas, Alpakas und viel Wasser. Vereinzelt ein paar Flamingos und Wasservögel. Ab San Pedro de Totora eine luxuriöse, neue Autostrasse bis zur F4. Diese durchquert eine Hügelkette mit vielen, farbigen Sandsteinformationen.

Die Abzweigung Richtung Ojsani ist ein ausgewaschener Feldweg durch eine spannende Landschaft: Wasser- und Wind-Erosion formten aus dem Sandstein viele skurrile Felsen-Figuren:

 

Säulen, Kugeln, durchlöcherte Fantasie-Gebilde. In der Ferne zeigt der Nevado Anallajsi seine schneebedeckte Spitze. „Unser“ Vulkan Nevado Sajama ist ganz in Wolken verhüllt. Wir passieren viele halbverlassene Kleinstdörfer, teilweise mit halbverfallenen Kirchen.

In den Bofedales weiden sehr viele Lamas, Alpakas und Guanacos. Nach Caripe wäre ein schöner Ausguck auf die weiten Bofedales mit den Lamas und im Hintergrund der majestätische Vulkan Sajama.

Leider zeigt er nur sein Knieröckchen.

Plötzlich rennen  grosse „Hasen“ über die Strasse, mit langen Schwänzen: Cuvier Hasenmaus Lagidium viscacia

   In Tonarapi werden wir von Community-Mitgliedern empfangen. Darunter Tivo, das aufdringliche Mascottchen der Community.

Sofort werden uns im Officina die Parkbillette verkauft. Auf einer kurzen Führung besuchen wir die alte, renovierte Kirche, das Restaurant mit Laden.

  

 

Wir bestellen ein Nachtessen und kaufen Handschuhe und eine Mütze. Im Camper wärmen wir uns mit Tee, Kaffee, Rohschinken und Käse auf. Zum Nachtessen im Eco Hostel gibt es eine feine Kartoffelsuppe mit Gemüse, Quinoa, ein dünnes Schnitzel (Lama? Rind?) und Kuchen als Dessert mit Tee. 2 Amerikanerinnen und ein Mexikaner sind mit von der Partie. Die Leute der Community teilen ihre Aufgaben im Turnus auf: Tourist Office, Empfang, Küche, Bedienung etc.

Wir parken direkt vor dem Hostel. Regen in der Nacht, 10*C, die Toilette ist geschlossen.

Der Wecker weckt uns zum Morgenessen im Eco Hostel: Omelette (mit Milchpulver, Kakao Pulver, Konfitüre, eine Eigenkreation), Brot, Cracker-Biscuit, Spiegelei, Tee oder Kaffee. Das Wetter ist bedeckt. Der Vulkan versteckt sich hinter dicken, „tiefen“ (etwa 4800müM) Wolken.Dafür gibt es ein Modell der Umgebung und in Hostel ein Fot mit Sonnenschein.

Der Ausblick wäre wirklich schön! Wir packen und fahren zur nächsten Etappe: die Laguna Huayna Khota. Sie enttäuscht uns mit 2 Flamingos, ein paar Enten, vielen Mücken und Fliegen.

Vicuñas

Also nächstes Ziel: Thermal Bath. Kurz vor dem Rio Sajama steckt der Viehtransporter von Amadeo und seinem Sohn Joshua im tiefen Dreck fest. Wir können mit Sandblech, Abschleppseil und der Seilwinde raus helfen.

Die Durchfahrt durch den Schlamm und die anschliessende Flussquerung erscheinen uns zu riskant, wir kehren um.

Nächstes Ziel: die Geysire lassen wir aus, der Weg dorthin sei nicht völlig fahrbar.

Also Papel Pampa: Hier ist der Fluss zu hoch. Was nun?

Der NP Sajama lässt uns im Stich: zur falschen Zeit hier: Regenzeit, kalt, viel Wasser.

Ein SMS von Christoph rät uns, in die Schweiz zurückzukehren. Der Bundesrat empfiehlt die Rückkehr von allen Schweizern im Ausland: die Gesundheitsvorsorge wegen dem Coronavirus sei besser gewährleistet als im Ausland. Wir werden uns das überlegen, vorläufig sind wir in den Hochanden recht sicher.

Wir verlassen den NP Richtung Colchane, sind aber für einen Grenzübergang nach Chile zu früh dran, zu viele frische Lebensmittel. Ab der F4 folgen wir einer Minenstrasse nach Chachacomani und auf dem Feldweg der Bergkette entlang weiter bis Macaya.

Überall kleine und grosse Wasserpfützen auf und neben der Strasse. Überall kleine Bäche.

Einige werden ruckelig umfahren, andere waschen den Kooka oder spritzen ihn voll mit Schlamm. Vor uns braut sich eine Gewitterwand zusammen.

Zum Glück zieht sie über die Ebene.

In Macaya eine Militärkontrolle. Im Dorf hält uns ein Mann auf. Wohin wir wollten? Richtung Cochane! „Da ist kein Durchkommen, der nahe Rio Lauca führt zuviel Wasser, keine Durchfahrt möglich. Die einzige Brücke befindet sich in Sacabaya. Es gibt einen kleinen lokalen Feldweg quer über die Ebene, kein allzu grosser Umweg“.

Aber er führt uns mitten ins Gewitter hinein. Heftiger Regen, Blitz, Donner und Hagel verwandeln die Gegend in eine wassergetränkte weisse Geister-Landschaft.

Die Wasserlöcher werden unheimlich tiefer, die Umfahrungen sind ebenfalls überschwemmt. Eine vermeintliche Umfahrung führt uns zu einem kleinen Gehöft, viele Wege führen weiter. Zum Glück weist uns der Bauer den richtigen Weg. Eine kleine Flussdurchfahrt schaffen wir gerade noch. Endlich erreichen wir den Haupt-Feldweg.

Beim Rio Sajama bleiben wir in der Nähe von Wila Kkolki auf einem guten Platz über Nacht. Hoffentlich steigt er nicht über das Ufer. Wir heizen den Kooka auf 20*C, nehmen die Wolldecke hervor.

Die Nacht ist kühl, drinnen 10*C. Wir schlafen ausgezeichnet. Wetterbesserung am Morgen, bald scheint die Sonne warm wir haben einen wunderschönen Platz, bleiben also noch einen Tag.

Am späteren Nachmittag ziehen über den Bergen dicke, dunkle Wolken auf mit Regenfronten. Kommen die auf uns zu? Wäre eine Weiterfahrt nicht besser? Wir spekulieren, dass die Regenfronten kaum bei uns kräftig abregnen. Wir bleiben und geniessen den Platz am Fluss. Das Wasser steigt merkbar, offenbar regnet es im Einzugsgebiet kräftig.

Viele Lamas / Alpacas und vereinzelte Vicuñas grasen in der Nähe, Wasservögel geniessen die Wasserflut. Bald setzt leichter Regen ein. Wir verziehen uns in den wärmeren Kooka. Lesen und Fotos bearbeiten.

Wir bekommen SMS und Anrufe von Christoph und Simon: Corona-Alarm. Wir rufen über das Satphone zurück. Sie machen sich Sorgen wegen uns Risikopersonen. In der Schweiz wird in den Stuben mit den Kindern gespielt. Der BR empfiehlt die Rückreise aller Schweizer. Wir bleiben vorerst in den Anden, fahren dann an die Küste runter und können uns dort besser informieren.

Wir geniessen einen Gemüsemix mit Rinderfilet, mmmmhh, ist das fein.

Am Abend wieder heizen. Lesen und Musik hören – bis halb vier, dann ist das Buch fertig!!

Wir schlafen bis zehn Uhr. Draussen scheint die Sonne, in der Nähe weiden Schafe, mit Kinder-Hirten. Ein paar der Vulkane sind nun sichtbar.

Das macht unsere Toilette nicht gerade privat! Nach dem Morgenessen werden alle nicht Grenz-tauglichen Lebensmittel gut verpackt, versteckt. Der Weg zur Grenze in Pisiga Bolivar, 120 km, entlang der Gebirgskette über die Ebene, ist nicht gerade einfach. Viel Sand, Schlamm, Wasserlöcher, Ausweichwege (die auch nicht besser sind).

Bei Sacabaya überqueren wir den hochgehenden Rio Lauca. Ja da wäre nur Durchschwimmen möglich gewesen.

Wir würden den Umweg nicht jedem empfehlen! Zu viele unsichere Verzweigungen. Ohne hohe Bodenfreiheit, 4WD mit Reduktion und Diff-Sperre könnten einige Schlammlöcher zu Fallen werden. Das Wasser ist zeitweise über 60cm tief. Zu allem Übel zieht noch ein Gewitter auf, mit heftigen Blitzen, leichtem Regen und Hagel. Der Weg zwischen Sacabaya, Quea Queani, Agua Rica ist ein zu viel benutzter Feldweg, tiefe Schlammlöcher und wenn befestigt, dann mit üblem Ripio.

Hier führen meistens Parallel-Pisten etwas ruhiger durch Schlammlöcher. Die ganze Strecke ist entweder ein Horror oder ein Genuss, je nachdem wie gerne man solche Pisten fährt. Im Fahrzeug sind beide Seiten vertreten.

Wenigstens gibt es schön farbige Quinoa-Felder zu bestaunen

Im Rücken die Cordillera Cabaray

Vor uns der dunkle Cerro  Cariquima in Chile

Von Simon haben wir vernommen, dass Bolivien und Chile die Grenzen seit heute dicht gemacht haben. Wir fahren trotzdem hin, denn unsere Aufenthaltsdauer in Bolivien läuft bald ab. Endlich erreichen wir die neu asphaltierte F12. In Pisiga Bolivar holt uns dann der Corona-Ernst ein:

Militär mit Schusswaffen, Strassensperre und die Auskunft: Chile lässt nur noch Chilenen einreisen. Keine Ausländer. Und Bolivien lässt auch niemanden mehr rein. Von der Migration bekommen wir keine Verlängerung, die müssen wir in Oruro einreichen. Wenigstens bekommt Kooka 3 Monate Verlängerung in Bolivien. An der chilenischen Grenze offeriert Claudio, als Vertreter der Chilenischen Regierung für Morgen ein Gespräch, vielleicht gibt es doch noch ein Schlupfloch. Wir parken am zentralen Platz, suchen dringend eine Toilette. Die sind in Pisiga eine Rarität und das Baño Publico ist nachts geschlossen. In einem Restaurant essen wir ein Menü: Quinoa-Gemüse-Suppe mit einem zähen Stück Fleisch. Kein Baño! Wir aktivieren unser Port á Porti. Gar nicht so schlecht.

Die Nacht ist sehr ruhig, einzelne Passanten. Am Morgen gehen wir, ohne z‘Morge zum Chilenischen Zoll: Claudio hat keine andere Nachricht: die Grenze ist dicht, vorläufig. Wir vernehmen, die Migracion in Oruro sei bis 3 Uhr geöffnet. Mit der Stunde Chile-Zeit, reicht uns das für die 240km, wenn wir sofort gehen und durchfahren. Die gut ausgebaute F12 führt fast schnurgerade über die flache Wüstenlandschaft.

Wir kommen mit flottem Tempo vorwärts. Eigentlich schade, die Landschaft hat was zu bieten: frisch verschneite Vulkane, farbenfrohe Lamas und Alpacas, riesige Quinoa Felder, schnell fliessende, trübe Flüsse, Lagunen und Salzseen, farbige Dörfer (Evo Morales hat offenbar jeder Familie ein farbiges Dach geschenkt).

Und für Gaffer: Ein Tanklastenzug verfehlt die Strasse, Tankerkollegen helfen dem Unglücklichen. Er hatte Glück im Unglück.

Kurz vor Oruro eine Strassensperre mit Militärunterstützung: Oruro sei unter Quarantäne, geschlossen für Fremde.

Aber wir müssen doch zur Migracion! Die hat um 13 Uhr geschlossen, ist erst wieder am Montag Morgen offen. Ein Missverständnis:13: treize, 3: trés? Egal, nach langem hin und her („ihr müsst wieder zurück nach Chile! Oder zurück, und Oruro weiträumig umfahren“, dh. Wieder durch die Sumpflöcher. Nein) können wir schliesslich doch Oruro durchfahren, ohne Anhalten, mit geschlossenen Fenstern, vorbei am Lago Uru Uru,

auf der andern Seite der Stadt bei einer Therme einen Platz aufsuchen und am Montag zur Migracion gehen. Am Montag sei die Quarantäne aufgehoben. Die Quarantäne in dieser Stadt haben wir uns etwas anders vorgestellt: dichter Verkehr, Verkaufsstände, sogar der grosse Markt ist offen. Man kann ja das tägliche Leben nicht komplett unterbinden. Wir finden die Therme Obrajes. Sehr schönes Bad, gute Plätze zum übernachten – aber leider wegen der Quarantäne geschlossen, strikt verboten. Etwas weiter oben leuchten gelbe „Felsen“.

Über einen holprigen Feldweg gelangen wir dorthin. Es ist eine Art Lehmgrube. Plötzlich setzt ein heftiges Gewitter ein, mit viel Regen und Hagel. Unser Standplatz wird sofort überflutet. Wir fliehen zu einem anderen Platz, mitten in Quinoafeldern bei Soracachi. Der ist noch trocken. Der fehlende Kaffe macht sich mit Kopfweh bemerkbar. Umpacken und schnell einen Kaffe trinken. Aah tut das gut. Wir können die versteckten Sachen wieder hervorholen.

Ein bisschen Internet funktioniert, wenigstens die SMS. Alarm von Simon: Bolivien wird ab morgen eine Verkehrssperre zwischen den Regionen einführen. Wir brechen sofort auf nach Cochabamba, das wäre morgen vielleicht nicht mehr möglich. 200km, nachts, bei Regen und Nebel, viele Lastwagen, vorbei an Felsbrocken mitten auf der Strasse, bis 4500müM hinauf und runter auf 2500m, kein Zuckerschlecken. Überall Militär und Polizeisperren. Sie lassen uns bis Cochabamba durchfahren, doch in der Stadt gilt ein striktes Nachtfahrverbot. Wir müssen am Trottoirrand übernachten. Wir verschlingen und trinken noch etwas, dann legen wir uns ins Bett und harren der Dinge, die da kommen sollen. Gelegentlich Lastwagenverkehr. Lebensmitteltransporte sind zugelassen.


Nun hat also der Coronavirus auch Bolivien erreicht , nachdem die Schweiz schon auf Hochtouren ausflippt und rotiert. 3 Fälle sind bekannt geworden: 1 in Oruru, 2 in Santa Cruz. Der Flugverkehr zwischen Bolivien und Europa soll unterbrochen werden. Scheint mir auch richtig in Anbetracht der prekären hygienischen Verhältnisse, die hier kaum zu kontrollieren sind und einem auf den täglichen Bedarf zugeschnittenen Gesundheitswesen. Auf jeden Fall haben wir uns auch mit Mundschutz und Wodka zur Händereinigung (!) eingedeckt.


Bolivien 26.2. – 13.3.2020

Wir parken wie vor 2 Jahren, weit weg vom offiziellen Grenzübergang Corumbá / Arroyo Concepción. Die Immigration hat noch eine Multa offen, die wir ihnen jedoch ausreden können, dann kommt der Stempel in den Pass und weiter zur Receita, dem brasilianischen Zoll. Hier ist der Stempel reine Formsache. Weiter zur Immigration in Bolivien. Etwas umständlich aber problemlos. Die 30 Tage können vor Ablauf verlängert werden. Bei der Aduana wird‘s kompliziert: wir müssen Kopien machen lassen, aber der Schalter schliesst für 2 Stunden! Bolivanos können wir besorgen und dann heisst es warten. Die Kopien bekommen wir bald im benachbarten Shop für ein paar Bolivanos. Bananen shoppen, ein Milanese essen, beim Zoll warten. Ein heftiger Regen setzt ein, verwandelt die Strasse in einen Wildbach. Die junge Schalterdame nimmt ihren Job sehr ernst. Es dauert, bis der Stempel endlich auf dem Zettel steht.

Nach der Grenze blochen wir auf der F4 3Std. Richtung Aguas Calientes. Vorbei an niedrigem Urwald, teilweise frisch oder früher abgebrannt.

Vereinzelt Vieh am oder auf dem Strassenrand. Gegen Abend treffen wir müde auf dem CP Tucan in Aguas Calientes ein. Wir geniessen eine kurze Erfrischung im warmen Flusswasser.

Die Nacht ist trocken und ruhig, abgesehen von einem Hund der irgend einem langsamen Viech hinterher bellte und vereinzelten Güter-Zügen auf der Bahnlinie. Ein herrlich warmes Bad am kühlen Morgen im warmen Fluss. Der Sand wäre schön, ist aber teilweise mit Schlamm bedeckt. Die kleinen Fische sind sehr aktiv im knabbern an unseren Beinen. Gegen Mittag entschliessen wir uns doch noch, weiter zu fahren.

Torre de David bei Chochis.

Serrania de Santiago

Bis San Ignazio ist es zu weit. Über die F4 bis San José de Chiquitos geht’s rassig, aber die F17 nach Norden ist happig: wir müssen den Reifendruck reduzieren:

Wellblech, grobe Steine, Löcher und lange Baustellen machen den Weg mühsam. Die anvisierten Schlafplätze sind inexistent oder unzugänglich, wir müssen bis San Miguel weiterfahren bis in die Dunkelheit hinein. Ist ja genau das, was wir schon immer wollten! Und das ist für das partnerschaftliche Raumklima nicht förderlich! Der Platz am See scheint in Ordnung zu sein, wir werden Morgen sehen.

Hoppla, gegen Mitternacht halten junge Leute mit Töff, Auto, lauter Musik, viel Gelächter und Gegröle eine Saufparty neben uns ab. Um 3 Uhr ist endlich wieder Ruhe. Da wir noch nicht im Bett waren, haben wir die Zeit mit Lesen verbracht. Am Morgen dann die Bescherung: Müll, Flaschen, Dosen überall. Wir räumen auf, legen alles fein säuberlich vor die Sitzbank. (Die Fotos sind im Mülleimer). Der Junge mit dem Töff kommt vorbei, sieht das Ganze verständnislos mit einem abwesenden Blick an. Sein Kopf scheint immer noch zu brummen. Wir packen und fahren Richtung San Ignacio weiter. Die Strasse ist übel: es wird gebaut, vorbereitet für den Bau, oder seit langem nicht mehr unterhalten, weil ja sowieso gebaut wird. Für die 40km brauchen wir fast 1 1/2 Stunden.

In San Ignacio fahren wir ins Zentrum, essen im „Food Court“ Fisch (+-) und Poulet (++) und kaufen im Mercado Central etwas Früchte ein.

 

   

Anschliessend erreichen wir Ruedi, Miriam, Toni und Heidi. Herzliches Wiedersehen. Wir bleiben auf dem neuen CP im Schatten grosser Bäume.

Es wird immer noch gearbeitet, gefräst, gebohrt. Aber die Anlage wird toll!  

Carlos baute eine schöne Freiluft-Dusche  

Bummel in die Stadt, wir suchen das Café Ame Tauna von Renate aus Österreich, mit WiFi. Leider erst ab 4 Uhr offen.

  

  Im Markt finden wir noch etwas Früchte und Gemüse. Und im „Food Court“ essen wir ein Chuletta mit einem kleinen Salat.

Bei Renate gibt‘s dann doch noch eine Glace mit WiFi. Toni ist jeden Tag um vier hier. Am Abend die übliche laute Musik

Wir sind eingeladen zu einem feinen Brunch mit der ganzen Familie.

Ein böser Käfer legt mich flach: Brechdurchfall, Gliederschmerzen, Fieber. „Cook it, peel it or forget it!“ wäre doch besser gewesen. Die Hängematte ist ein Segen. Am Sonntag die übliche laute Musik

Nach einem Tag scheint der Käfer besiegt. Durchfall, Fieber und Gliederschmerzen sind weg, die Lebensgeister zurück. Fauler Tag mit Compi-Arbeit. Am Nachmittag Einkauf im Val-Mart. Auf dem Rückweg treffen wir Christa Frei S. vor ihrem Casa Suiza.

Die interessante Frau erzählt bei Kaffee und Kuchen etwas aus ihrem Leben, wohnt seit 46 Jahren in Bolivien, hat 5 Bücher geschrieben, Geschichten aus ihrem Leben in Versform. Spannend und lustig. Vor einem Jahr ist ihr Mann Horst gestorben. Ihre Tochter Barbara Hasen hat eine Schnapsbrennerei in Ottiswil, Grossaffoltern.

Am Abend lange Gespräche mit Ruedi.

Wir geniessen die Ruhe in Ignazio mit Lesen, Fotos bearbeiten und Webseite vorbereiten. Das aufladen braucht Stahlseil-Nerven.

Nach einer knappen Woche verabschieden wir uns herzlich von der ganzen Familie. Es war wieder toll mit euch. Wir wünschen euch viel Erfolg mit dem schönen, neuen CP.

Wir ergänzen im Val-Mart unsere Vorräte, tanken fast voll (erstaunlich, dass wir in Bolivien als Ausländer Diesel zum lokalen Preis tanken können) und sind wieder auf Achse. Über die gut ausgebaute F10 Richtung Concepción. Durch eine fast natürlich wirkende hügelige Waldlandschaft.

 

Gelegentlich indigene Dörfer. Vereinzelt Abzweigungen zu Haziendas. Wir bleiben auf dem schönen CP Las Piedras, genannt nach den grossen Monolithen..

Zur Büffelfarm gehört ein kleines Hotel mit Zimmern, einem See. Ein Naturparadies.

Eine Herde Büffel quert den See schwimmend, geniesst noch das Wasser.

Viele Capibaras mit Jungen grasen oder schwimmen im See. Viele Vögel und Papageien bevölkern das Paradies.

Am Morgen schwimmen 2 Mutterkühe mit ihren Kleinen durch den See, als Nachhut?

Die Hazienda hält 80 Wasserbüffel für die Cholesterin-freie Käseproduktion.

Der weisse, feste Käse ist wirklich sehr fein. Er wird nach Santa Cruz geliefert. Die Kühe werden von Hand gemolken. 6 Bedienstete schmeissen die ganze Hazienda und das Hotel mit 2 Dutzend Betten.

Das Restaurant ist nur offen, wenn genügend Betrieb ist, während der Carnevalszeit, der Semana Santa und anderen Ferienzeiten. Der Besitzer ist über 90, wohnt in Mexiko und den USA und will die Farm verkaufen. Ein Bijou!

Nachdem wir etwas Wasser in Bidons abgefüllt haben, geht‘s los. Durch eine bergig-hügelige Voralpen-Landschaft mit schönem natürlichem Wald. Kurvenreiche, gut ausgebaute, steile Auf-und-ab-Strasse, auf etwa 500müM. Verstreute Farmen. Bei San Ramon erreichen wir die Ebene auf 250müM. Diese queren wir, zuerst asphaltiert, dann kommt eine eckelhafte Sand-Staub-Piste mit enormem Lastwagenverkehr.

Die Gringo-Frau macht einen Super-Sau-job, fährt mit stoischer Ruhe hinter den Staubfahnen der Laster her.

Grosse Sojafelder werden bald durch Zuckerrohr-Felder ersetzt.

Der breite Rio Grande

Montero ist eine grosse Industriestadt mit einer grossen Zuckerfabrik, ein Nest für grosse Lastenzüge.

Endlich ist die neue Autobahn wenigstens 1-spurig fertig gebaut. In Buena Vista fahren wir an der Queseria Suiza vorbei, hinauf zur Hazienda y Hotel El Cafetal. Eine wunderbare Anlage mitten im Dschungel, mit grossartiger Weitsicht über die Wälder (Kaffeeplantagen?) zun NP Amboró und einem einladenden Swimming Pool. Leider ist ausser einem Hund und vielen Katzen kein Knochen zu finden. Wir kehren um, fahren in die Stadt zurück zum überteuerten CP Pozazul. Der Besitzer weiss, dass er der einzige ist in der Stadt! Es ist schon recht spät und wir sind beide müde von der langen Fahrt.

Nachts herrscht viel Verkehr auf der Strasse. Ich gebe ja zu, der CP-Wart und seine Frau sind sehr freundlich, die Toiletten sauber, die Dusche funktioniert und das Schwimmbad ist angenehm. Trotzdem bleibt die Wolle im Bauch wegen der Preis-Diskussion der bolivianischen Camping Plätze! Fauler Tag mit Waschen, Lesen, Schwimmen, Reise-Details planen. Gegen Abend gehen wir in die Queseria Suiza.

Der Käse ist „wie gewohnt“, einfach gut. Das Essen im dazu gehörigen Restaurant: Züri Gschnäzlets mit Rösti und Medaillons Café de Paris ungewohnt gut gemacht. Wir verzichten auf das Fondue!

Happy Birthday, z’Mörgele mit Blüemli.

Wir dürfen die Queseria Suiza besuchen.

Peter und Markus, ex Emmi-Mitarbeiter, betreiben die Käserei seit fast 20 Jahren, erst etwas mühsam, riskant. Nun läuft das Geschäft „gut“ im kleinen Rahmen, ca 500 lt Milch. Auf der Führung bekommen wir einen guten Einblick in die modern eingerichtete Käserei und die Reife-Keller.

Sie machen etwa 10 verschiedene Käse-Sorten, darunter Emmental, Gruyère, Buena Vista, Tilsiter, Reblochon, Raclette, Ziegenkäse, Sandwichkäse, am Wochenende noch Quark und Yoghurt natur. Sie haben ihre 24 Lieferanten unter vernünftiger Qualitäts-Kontrolle.

Vor der Weiterfahrt machen wir einen Abstecher zum Markt, kaufen Brot, Früchte, darunter Key-Limes, gelbe Limetten mit dem feinen Methyljasmonat-Geruch in der Schale. Dann weiter, auf die F4 Richtung Villa Tunari. Die F4 ist die Hauptverkehrsader zwischen Cochabamba und Santa Cruz. Die 4-spurige Strasse ist weitgehend wenigstens 2-spurig befahrbar, die restlichen Spuren sind im Bau. Sehr viel Lastwagenverkehr. Die Landschaft ist flach, rechts die flache Pampa, links etwas entfernt die Gebirgskette des Amboró NP. Immer wieder folgen Dörfer und kleinere Städte wie Chimorré.

Wir quere mehrere breite Flüsse mit viel Sand. Am Wochenende wird viel gebadet, sogar die Autos stehen im Wasser des Rio Rio Vinchuta.

Gegen Villa Tunari wird der Wald dichter, üppiger, natürlicher. Die Berge vor uns sind wolkenverhangen, Regen?

Grosses Sportzentrum für Adventure Sport

Der CP Leña Verde ist ein Naturpark. Wir werden vom Grossvater Hugo und 2 schönen blau-gelben Aras sowie 3 kleinen, wilden Hunden empfangen.

Ruhige Nacht, etwas Hundegebell, weil sich Leute in der Nähe bewegen. Etwas Donnergrollen. Beim z‘Mörgele offeriert Hugo eine Tour über das Grundstück. Er ist 78, die 55ha gehören der Familie seit über 50 Jahren. Seit längerer Zeit wird hier nicht mehr intensiv produktiv geerntet, sondern ein natürliches Erbe gepflegt.

  

Seine Philosophie deckt sich weitgehend mit unserer: „la naturaleza es la vida“. Es gibt viele Fruchtbäume mit tropischen Früchten, Blumen und Gewürzen,  

 

  

Kakao, Cupuaçu, Palmen, Bananen, Zitrus in diversen Sorten, Chili,

Starfruits. Wenn sie reif sind, sind sie erstaunlich süss und aromatisch, nicht sauer, erdig,herb.

Coca Pflanze

Grosse Schmetterlinge und kleine Kolibris schwirren um die Blüten. Viele ungewöhnliche Insekten und Wildbienen machen uns nervös oder neugierig.

Ein paar wenige Baum-Riesen haben die Holzfäller überlebt.

Ein Fluss schließt das Gelände ab, er soll früher viel mehr Wasser geführt haben.

Zurück im Camp löschen wir den Durst. Der Nachmittag wird sehr heiss. Gerade richtig zum Brot backen, in der Hängematte lesen. Die 4 Aras lassen sich von Hand mit Starfruits füttern.

Nachts folgt ein heftiges Gewitter mit viel Regen. Am Morgen 100% Luftfeuchtigkeit und 38°C warm, wir triefen nur so. Nach dem Abschied von Hugo fahren wir auf der F4 Richtung Cochabamba.

Durch Villa Tunari

Zuerst durch einen feuchten, natürlichen Berg-Regenwald, vorbei an vielen Baustellen auf den 3700m hohen Pass.

Nebel in der Höhe, die Temperatur fällt drastisch. Ein Elektizitätswerk nutzt die Wasserenergie über die grosse Höhendifferenz durch einen Druckstollen. Nach der Passhöhe wechselt die Landschaft: Kleinfelder-Landwirtschaft an steilen Hängen, vereinzelt verbuscht.

Unten grüsst die grosse Stadt Cochabamba.

Wir suchen zuerst einen Supermercado und dann einen CP. Las Lilas ist überraschend gut gemacht. Heisshungrig verschlingen wir ein Gnagi im Essig, fein. Ein CDN / CHL- Paar ist mit einem Kleinbus unterwegs.

Wir merken, dass wir die Strecke von Villa Tunari über den 3713m hohen Waqanqui-Pass bis Cochabamba auf 2600müM zu schnell angegangen sind: Druck im Kopf, leichter Schwindel, „Dizziness“ macht uns zu schaffen. Anzeichen von Höhenkrankheit! Da hilft auch der Maté-Coca-Tee nicht viel. Wir müssen die Höhe 4 Tage aussitzen und bleiben auf dem CP.

 

2 Holländer tauchen auf: Thijs und Rieneke  lebten viele Jahre in den USA und sind jetzt auf ihrer 2. Weltreise. Als junges Paar haben sie alle Kontinente bereist, sind jetzt mit einem Mercedes Sprinter Lastwagen mit Aufbau in SA unterwegs. Sie haben das Amazonasbecken von Quito bis Belem durchquert. Sie wollen das Fz in Quito stehen lassen, müssen in die NL zurück und ihr Wohnboot einrichten. Dann wollen sie weiter bis in die Antarktis.

Wir machen einen Ausflug in die Stadt, besuchen die grossen Märkte Las Canchas und 25.Mayo.

Arbeiten macht müde

Die Busse sind alt und sehr farbenfroh.

Sehr strukturierte Angelegenheit: die Schuhstrasse, Tortenstrasse, Kinder-Ballkleiderstrasse, Ess-Strasse, Gemüse- & Früchtestrasse, usw. in jeder Strasse hat jedes Geschäft etwa die gleichen Artikel.

  

  

Eine Ordnungs-Polizeitruppe macht eine Razzia: Ständer und Verkaufswaren, die in die Strasse hinein reichen, werden in einem Lastwagen abtransportiert.

Wir finden eine Fressbude mit gutem Essen.

 

Die Advokaten offerieren ihren Service offen

Mit dem Taxi gelangen wir abends wieder zum CP.Ein veritabler Skorpion rennt durch die WC-Anlage. Hab nicht geprüft, ob er sticht.

Jochen, Maschinenbauingenieur, repariert und optimiert die chinesischen Plastik-Spritzguss-Maschinen des CP-Besitzers. Er arbeitet hier ein paar Wochen im Auftrag eines Hilfswerks der deutschen Behörden. Interessante technische Gespräche.

Brasilien 17.2. – 26.2.2020

Die Grenze führt mitten durch die Stadt Pedro Juan Caballero auf dem Gras-Streifen zwischen 2 Strassen. Beim riesigen Maxi Hypermercado kaufen wir nochmals ein und beim noch grösseren China Shopping finden wir im Food Court einen echten Japaner, der uns wieder einmal nach Asien zurückversetzt. Einfach gut. Die Grenzformalitäten sind etwas kompliziert, da Zoll und Migration jeweils weit auseinander liegen. Exit Paraguay geht rasch und schmerzlos. In Brasilien müssen wir zuerst zur Migration am Flughafen. Die stellen fest, dass da noch eine Multa offen ist und kein Ausreisestempel existiert. Wir sind offenbar in Porto Soberbo nicht ordentlich nach Argentinien ausgereist. Wir können trotzdem rein. Die Receita Federal (Zoll) nimmt es sehr genau: wo ist der brasilianische TIP, der ist immer noch offen, obschon wir ihn bei Soberbo abgegeben haben! Vom Fz werden Nr und Plakette sauber abfotographiert, alle Dokumente kopiert, der richtige Versicherungsnachweis (nicht der alte) verlangt. Endlich können wir doch noch einreisen. Wir müssen den TIP als Kopie behalten. Wir sind recht spät dran, unser Ziel, Seu Assis 250 km entfernt. Wir suchen einen Zwischenstopp bei einer Tankstelle, diese ist jedoch geschlossen.

Die Fahrt über die Hochebene des Mato Grosso do Sul ist wie erwartet: km2-grosse Sojafelder, vereinzelt Mais, Zuckerrohr. Immer wieder riesige Silo-Anlagen. Km-fressen auf den gut ausgebauten Strassen. Nach Sonnenuntergang erreichen wir endlich, müde, etwas gereizt den CP Seu Assis bei Jardim. Wir richten uns knapp ein, vertilgen das halb-gare Poulet. Die Nacht ist mit 25*C erstaunlich frisch.

Die Nacht ist sehr ruhig. Am Morgen werden wir von Motorenlärm geweckt: heute ist grosser Gartentag: die Bäume werden mit Klein-Kettensägen „schön-gestutzt“, der Rasen wird geschnitten, mit nervösen Fadenmähern. Wir haben das grosse Los gezogen: die Arbeit reicht bis in die Abendstunden.

Wir sammeln ein paar frische Limetten auf, sie sind sehr sauer, haben leicht oranges Fleisch und sehr viel Saft. Das gestrige Huhn oder die Orange heute morgen verpassen uns „eine Unpässlichkeit“. Leichter Durchfall plagt uns den ganzen Tag.

  

Der Fluss hinten am Platz ist leicht trüb aber voll Fische, kleine wie grosse.

Ein gestreifter Putzerfisch knabbert an unseren Füssen, kitzlig – stechend. Wie wild schiessen die Fische auf herabfallendes Laub. Kurzes Gewitter mit Regen.

Am Abend tauchen 8 grosse, hühnerartige Vögel auf. „Motun“ nennt sie der Gärtner. Endlich, kurz vor Sonnenuntergang, kehrt Ruhe ein – bis die Zikaden loszirpen.

Am nächsten Tag besuchen wir den Rio Prata, etwas verspätet zwar, aber früh genug, denn wir sind den Brasilianern ein Stunde voraus. Das Recanto Ecológico Rio da Prata ist der touristische Teil der Fazienda, Es empfängt viele Touristen für das „once-in-a-lifetime“-Erlebnis: Schwimmen im glasklaren Wasser mit tausenden Fischen. Doch zuerst wird das Mittagessen serviert: ein üppiges Buffet mit div. Salaten, Poulet, Pork, Reis und Teigwaren in verschiedensten Zubereitungen und ein reiches Dessert-Buffet natürlich mit Dulce de Leche. Wären wir doch beim z‘Mörgele etwas zurückhaltender gewesen!. Um 2Uhr (Brasilien Zeit) werden wir instruiert und mit Schnorchel, Anzug, Brille und Schuhen ausgerüstet.

Mit einem Kleinlaster werden wir 7 Touristen zum Startplatz gefahren. Zu Fuss laufen wir noch ein halbe Stunde. Das ist speziell angenehm, bei diesen Temperaturen. Der dicke Neopren gibt nie so warm wie jetzt! Wir kommen an einer klaren Quelle vorbei. Mit einer Giesskanne bekommen wir eine Dusche zum Abkühlen dann erreichen wir den Startplatz, den Olho d‘Agua.

Im kleinen (50m) glasklaren See tummeln sich hunderte kleine und grosse Fische (es soll hier etwa 65 Arten geben. In einem, mit Steinen abgesteckten Feld dürfen wir den Boden berühren, sonst ist jeder Bodenkontakt zu vermeiden.

Das ist mit einem Neopren ohne Bleigürtel kein Problem. Wirbelnder Sand in Löchern zeigt die Wasserquellen an. Die Temperatur ist recht angenehm, um die 25*C. Die Fische lassen sich von uns nicht stören. Einfallendes Licht lässt deren Farben leuchten. Die grossen Doradas haben einen grimmigen Blick, sind ja auch die Könige des Flusses. Wir lassen uns im fliessenden Wasser treiben. Erinnerungen an unsere Tauchgänge kommen auf: das Riff schwebt vorbei. Wir geniessen die Treiberei, vorbei an versunkenen Baumstämmen, über grüne „Wiesen“, nahe am Ufer mit den überschwemmten Landschaften. Einfach herrlich. Bei einem Zwischenhalt knabbern die kleinen Putzerfische an unseren Beinen. Aus riesigen Sandlöchern wabern frische, klare Wassermassen aus dem Untergrund.

Ein Alligator versteckt sich hinter einem Baumstamm. Zwischen Steinen lauert eine Krabbe. Eine Fisch-Mutter buddelt Nahrung für ihre Jungen aus dem Sand. Der Rio Olho da Agua mündet in den Rio Prata, der führt viel mehr Wasser, ist viel tiefer und etwas trüber. Bald erreichen wir das Ende der Tour, glücklich, zufrieden und mit tollen Erinnerungen ans Tauchen. Eine Woche Bali wäre jetzt gerade richtig!. Auf dem Rückweg zum CP machen wir einen Abstecher zur Buraco das Araras. Wir kommen für heute zu spät, schon geschlossen. Morgen ist auch ein Tag.

Heute fahren wir doch noch zum Buraco das Araras, aber zuerst müssen wir Kookas 90‘000km feiern, gut gemacht, junger Mann!

 

Auf dem Weg zum Boraco begegnet uns ein grünes Wohnmobil auf einem Hylux. Wir verabreden uns im CP Rio Formosa.

Im Visitor Center werden wir von Kennedy, unserem Guide empfangen. Er führt uns mit viel Sachkenntnis und Interesse zum „grossen Loch“.

Ein hundert Meter tiefer Einsturzkrater (Doline, eine eingestürzte, unterirdisch ausgewaschene Kalksteinhöhle) mit See, senkrechten Sandsteinfelsen wird von 60 Arara-Paaren bewohnt.

  

Wir sehen ein paar davon. Am Ufer dösen 3 Krokodile, ein ausgewachsenes 2-3m grosses und 2 junge.

Die Armee hat, ausser einem Autowrack, die Überreste abgestürzter Tiere, darunter 23 Menschenskelette, ausgeräumt. Kennedy kennt und erklärt viele Pflanzen und Tiere.

 

Nach einer Stunde fahren wir weiter Richtung Bonito. Wir sollten noch vom Geldautomaten Bargeld beziehen. Der hat leider nichts mehr und die Bank gibt kein Bargeld aus. Im Shopping Center ergänzen wir unsere Vorräte und fahren bei strömendem Regen zum CP. Hier begrüßen uns Burkhard und Barbara in ihrem Innovation Camper. Er ist „Mr.Innovation Camper“! Er hat seine neueste Innovation, ein Expeditions-Wohnboot dabei, mit dem sie den Amazonas befahren haben. Sie sind regelmässig seit vielen Jahren in Brasilien. Unter ihrem Moskito-Himmelbett plaudern wir bis in die Morgenstunden. Sie erzählen viel von ihren Erfahrungen, u.a. mit Tom! Die Meinungen sind gemacht. Sie erkennen im Kooka ihre eigenen Innovationen wieder. Sie haben viele esoterisch-verschwörungs-theoretische Erfahrungen gemacht.

In unserem Häuschen hat ein Taubenpärchen sein Nest. Sie wechseln sich regelmäßig ab.

Unter den Bäumen finden wir viele rote, saftige Früchte mit einem grossen Kern: Siriguaia. Säuerlich, frisch, süss, an Mango und Pflaumen erinnernd.

Burkhard & Barbara fahren schon früh zur Cueva Laguna Azul. Wir suchen in der Stadt einen Geldautomaten, werden nach langem hin und her laufen doch noch fündig. Vor dem Casarao Restaurant treffen wir Barbara & Burkhard. Sie fanden den Besuch lohnend. Wir buchen eine Tour für morgen. Im Restaurant gibt es ein frisches Buffet „pro kg“. Französisch: „à discretion“. Bärntütsch: „ fris soviu de wotsch“.

Wir starten früh zur Tour Cueva Laguna Azul. Die Strecke ist weit und ruppig. Beim Emfangszentrum werden wir schon erwartet, bekommen Instruktionen (in Brasiliero), einen Helm und schon geht‘s los, durch den Wald bis zum Einstieg: ein tiefes Loch im Boden.

 

Eine Treppe führt hinunter ein eine riesige Höhle und unten leuchtet schon der Blaue See. Das Sonnenlicht beleuchtet den obersten Teil der Höhle, das genügt um dem Wasser eine schöne Leuchtkraft zu verleihen.

Wir sind ja nicht die Einzigen! Jeder Einzelne will ein Selfie mit dem kobaltblauen See im Hintergrund. Nach dem Aufstieg haben wir den 2. Termin, in der Cueva San Miguel. Wir können mit einer früheren Gruppe mitlaufen. Diesmal geht es im Besucherzentrum zuerst in den 2.Stock hinauf. Von der Plattform können wir 2 Arara Pärchen beobachten.

Dann stolpern wir über eine Hochseilbrücke durch die Baumkronen etwa 200m gegen den Eingang der Höhle. Von einer Plattform können wir in den Schlund der Höhle hinabschauen. Tief unten sehen wir eine andere Gruppe in Labyrinth der Tropfsteine. Der eigentliche Eingang ist auf der anderen Seite.

  

  

Die Höhle ist riesengross, schräg gefüllt mit Deckenschutt und voll mit Tropfsteinen, Stalagmiten, Stalaktiten und dicken Säulen.

  

Eine ganze Wand besteht aus weissem Gestein. Exlusiv finden sich in der Höhle Reste von Korallen. Von der Decke beobachtet uns eine Eule. Der Rückweg zum PP führt wieder durch den Wald.

In der Stadt treffen wir beim Casarao Restaurant Barbara & Burkhard. Gemeinsam füllen wir unsere Mägen vom feinen kg-Buffet. Wir fahren zurück zum CP, löschen unseren Durst mit BiKoWa 123 (Bier-Kola-Wasser im Verhältnis 1:2:3, enthält viel Wasser, viel Geschmack und wenig Alkohol und ist gar nicht so schlecht, wie es tönt!) und das Kopfweh mit einem starken Kaffee. Heute besichtigen wir gegenseitig unsere Wohnmobile. Burkhard erkennt in unserem FZ alle seine Erfindungen wieder. Seine neuste Kreation, den kompakten Aufbau auf einen 4-Tür-Hilux mit automatischem Getriebe erstaunt mit dem grossen Innenraum, trotz des kleineren Aufbaus im Vergleich zum Kooka. Da die Hecktüre fehlt, kann der ganze Raum als Schlafzimmer / Wohnstube benützt werden, geschlafen wir unten. Küche / Stehplatz ist vorne, der Eingang von der Seite.

Der gleiche Aufbau wurde auf eine Schiff-Schale aufgebaut, natürlich mit Innovation-Präzision. Das Boot ist Tropen-Expeditionstauglich und hat sich im Amazonas-Becken bewährt.

Die frühe Nacht wird etwas laut: „Samstag-Abend“ eben. Ab Mitternacht ruhig.

Sonntags-z‘Mörgele mit Barbara. Viel Wochenend-Betrieb herrscht auf dem CP. Ein Brasilianer bringt uns einen Teller mit Gegrilltem Chicken- und Rindfleisch.

Wir beraten zu viert: weiter oder bleiben? Da der Zoll nach Paraguay wahrscheinlich heute und morgen (Rosenmontag, Feiertag in Brasilien) geschlossen ist, entschliessen wir uns, nach langem überlegen, zu bleiben. Es wird ein fauler Tag mit interneten, „tief-schürfenden Diskussionen, schwimmen im Rio Formoso und Brot backen. Ein Argentinier taucht auf, mit einem Motorvelo „Eigenbau“ und einem grossen Hund, den er in einer Kiste auf dem Gepäckträger mitführt und sehr liebevoll pflegt.

Er isst mit uns (der Argentinier), fährt aber noch nachts weiter Richtung Corumba-Bolivien-Peru. Er ist seit einem Jahr unterwegs.

Wegen dem verlängerten Wochenende ist Musikbetrieb bis spät in die Nacht.Die Affen werden gefüttert.

Ein Leguan möchte auch etwas.

Wir schliessen unsere Diskussionen erst um Mitternacht.

Nach einer Woche in der Umgebung von Bonito wird gepackt und bezahlt. Aber es geht nicht ohne das kg-Büffet im Casarao mit Barbara & Burkhard. Ja, es war schön mit euch, danke für die vielen interessanten Diskussionen. Der Abschied fällt etwas schwer.

Über die MS-178 nach Norden gelangen wir nach Miranda. Die Landschaft ist gebirgig-ursprünglich-wild-waldig-hügelig, schön, mit intensiver Landwirtschaft dazwischen.

Der erste Tukan fliegt an uns vorbei. Nach Miranda zweigen wir auf einen schmalen Feldweg ab zum „CP“ Pesquero Primavera. Wir werden mit offenen Armen und schnellem brasilianisch empfangen. Der Platz wirkt etwas heruntergekommen, ist fast auf Grundwasserhöhe, vom Regen noch etwas sumpfig, voll Mücken. Nach dem Apéro gehen wir bald schlafen, bei tropischen Temperaturen im düppig warmen, feuchten Bett. In Miranda ist Karneval, mit Trommel und Musik bis in die Morgenstunden.

Wir wehren die Mücken ab, so gut es geht. Bald fahren wir weiter, über die BR-262 Richtung Corumbá. Bald führt die Strasse durch die weite Ebene des südlichen Pantanals. Überwachsene Bäume und Sträucher wechseln mit feuchten Wiesen ab. Wir überqueren den -Rio Paraguai.

Vor Corumbá tauchen hohe Berge auf. Wir bleiben bei Jane im Pousada do Cochimbo. Hugo arbeitet (leider) weit weg in Minas. Herzliches Wiedersehen. Hier treffen wir „Giovano“ aus Argentinien. Er ist mit einem Hund und 2 Katzen (auch in einer Kiste) mit dem Velo unterwegs, Richtung Peru-Equador. „Synchronizität“? Am Abend noch leichte Gewitter und Regen, erfrischendes Bad im Pool.

In der Nacht „schiffet es“. Alles nass-feucht, am Morgen besser. Wir verabschieden uns von Jane, mit Gruss an Hugo und fahren zum Grenzübergang.

Paraguay 4.2. – 17.2.2020

Vom NP Iberá fahren wir Richtung Trinidad, Paraguay, eine endlos lange Fahrt bis Posadas / Encarnación. Beim Grenzübergang kurze Hektik: wo ist mein Pass? Nach langem Suchen kommt er aus einem Kleidersack zum Vorschein. Beim Aus-Checken des Fz wieder Ungereimtheiten: wir haben kein Einreisepapier („no nessecitá“ hat der Zöllner gesagt).

Nun müssen wir auf der Einreiseseite ein neues Papier ausfertigen lassen, das für die Ausreise wieder eingezogen wird. In Paraguay wollen sie den Impfausweis sehen, dann brauchen die FZ-Dokumente wieder etwas Zeit. Endlich können wir einreisen. Bei einem Bankomaten werden wir zu Millionären: 1.525 Mio. Guarani. Das gesuchte Restaurant Hiroshima (es soll sehr gut sein) hat leider geschlossen. So fahren wir weiter, bei rechtem Verkehr Richtung Trinidad. Wir bleiben auf dem CP Parque Manantial in Hohenau, werden deutsch empfangen und von Schweizern begrüsst: John & Isabell aus Meilen ZH sind mit einem Landrover unterwegs. Im Restaurant verschlingen wir hungrig eine feine Pizza und Pollo Milanese.

Der Parque Manantial ist ein gut ausgebauter Vergnügungspark mit Swimming Pool, Grillplätzen, CP, viel Platz, ein Restaurant und wird von einer deutschen Familie geführt. Infrastruktur, Sauberkeit beweisen die deutsche Gründlichkeit.

In mehreren Gehegen sind Tiere untergebracht: ein grosser Tapir, wirkt wie ein kräftiger Eber, lässt sich streicheln, mit geschlossenen Augen.

Daneben separat 3 Agutis, scheu, sie wirken wie grosse Ratten oder kleine Capibaras.

In einer Voliere ein grosser Vogel, etwas zwischen Fasan und Wasserhuhn.

Ein kleines Reh, zutraulich, lässt sich streicheln, folgt mir. Der Platz ist schön und ruhig, wir entschliessen uns hier zu bleiben, der Markt in Altos kann warten.

Wir geniessen den faulen Tag mit Haare schneiden, lesen, Schwimmen im Pool, Zeit geniessen, Pizza und Hamburger zum z‘Nacht. Und Interneten.

Markus aus Deutschland ist schon seit 2015 mit einem Steir in SA unterwegs, zuerst mit Frau, jetzt allein.

Beim Wegfahren begrüsst uns die Tapir-Familie mit einem geflecktem Jungen (wie ein junges Wildschwein).

Bei starkem Regen fahren wir die kurze Strecke nach Trinidad zu den Jesuiten Ruinen, warten dort den Regen ab und besuchen dann die gut renovierten Ruinen, ein UNESCO-Welterbe.

 

Der Komplex war im 17.Jh nur während 60 Jahren aktiv, wurde dann verlassen und zerstört. Im Komplex wurden die Guaranis der Umgebung „eingesammelt“.

 

 

Nach einem Einkauf im Dorf-Shop bleiben wir auf dem PP des Besucherzentrums.

Am Abend besuchen wir die Son-y-Luz Vorstellung in den Ruinen, zusammen mit etwa 20 Personen. Der riesige Platz ist mit kleinen Leuchten dekoriert, die Ruinen kunstvoll beleuchtet.

 

Der Ton / die Musik begleitet uns von einem Ort zum andern. Kraftvoll wirkt das in der grossen Kirche mit den gregorianischen Musik. Eine Führerin erklärt die ganze Geschichte, leider mit schwer verständlicher Aussprache. Fazit: wer sich für die Geschichte des Auf- und Niedergangs der Jesuiten in Südamerika interessiert, bekommt hier sicher einen guten Überblick. Son-y-Luz ist recht gut gemacht.

Am Morgen wecken uns die neuen Touristen, u.a. Berni & Daniela, Backpacker aus ZH. Sie sind seit 2 Monaten in SA, arbeiten mal für Kost & Logis auf einer Farm. Sie haben keinen festen Zeitplan. Reist gut, geniesst SA.

Am Mittag fahren wir im Schnelltempo Richtung Hasta la Pasta. Wir fahren auf der PY06 zurück nach Encarnacion, dann über die PY01 bis Villa Florida an den Rio Tebicuari und bleiben auf dem CP Municipal Playa Caapucú. Nach dem Apéro das letzte grosse Plätzli mit Gemüsesalat. Kolibris sitzen in den Bäumen.

Eigentlich wollten wir früh weg, den Agromarkt in Altos erreichen, bevor er schliesst. Es reicht gerade für einen Kaffee.

Die Landschaft ist zuerst flach wie die Pampa, dann hügelig, in der Ferne grüssen ein paar Berge. Wir durchqueren viele kleinere Städte: die „Schnittbrett-Stadt“, die „Fussball-Stadt“, die „Badering-Stadt“, die „Gartenschwan-Stadt“, die „Schafwoll-Stadt“, die „Hängematten-Stadt“. Warum diese Definitionen? Weil in diesen Städten über einen Kilometer sich Stand an Stand reiht, alle mit den gleichen Artikeln. Nach welchem Prinzip ihre Marketingstrategie funktioniert, ist mir unklar: die ersten Beiden verkaufen noch nichts, dann merkt der Kunde, da spielt die Konkurrenz und nach dem Letzen hat er seine Chance verpasst,also nichts gekauft.

Gegen Altos steigt die Strasse an. Es reicht für den Agromercado. Zuerst verstehen wir nichts, sind erstaunt. Wir werden schweizerdeutsch und hochdeutsch angesprochen! Die Community trifft sich jeden Samstag hier auf dem Markt, isst Sauerbraten mit Knödel und Salat. Wir decken uns mit gutem Schweizerkäse (Gruyère, Sprinz, Tilsiter, Appenzeller, Blaukäse, Pfeffer-Raclette-Käse) und Brot ein. Natürlich mit Sauerbraten und Knödel.

In Hasta La Pasta treffen wir gute Bekannte: Ilse & Elmar, seit gestern angekommen, wollen 2-3 Wochen bleiben.

Uwe & Claudia (Hüter von Peppamobil) und Thomas sind schon Wochen hier. Marion & René sind perfekte Gastgeber in diesem Paradies. Sie haben es vor 13 Jahren aufgebaut, mitten im Urwald, nur die nötigsten Gebüsche gefällt, eine Pastafabrik, ein Restaurant und einen CP eröffnet, mit schönem Pool, perfekten Toilettenanlagen und ein Sundowner-Platz mit Blick auf den See und den Sonnenuntergang.

René kuriert noch die Folgen einer einseitigen Lähmung aus, macht aber einen sehr zuversichtlichen Eindruck. Pastafabrikation und Restaurant mussten sie verkaufen. Von den Söhnen ist einer Tierarzt in ZH, der andere Bauingenieur hier in PY.

Nach dem Sundowner braten wir, zusammen mit Ilse & Elmar am Lagerfeuer ein Kotelett.

Die nächsten Tage vergehen in Ruhe! Schrille Zikaden in der Nacht, Wäschetag, auch wenn es regnet.

Das berühmte Freiluft-WC (für die Bord-Toiletten!)

Eine Runde durch den „Urwald“ des Grundstücks mit seinen grossen, alten Bäumen, riesigen bis 20m hohen Kakteen und 25cm dickem Bambus. Auf ihnen entdecken wir laute Brüllaffen.

Wir geniessen den Sundowner und Pool, zusammen mit den anderen Gästen.

  

Und die Hunde: eine spritzlebendige Bande. Die “Rakete” saust im Höllentempo durch den Garten, Mia von Uwe & Claudia bringt unermüdlich einen Ball oder Ast zu Fortwerfen. Die andern beiden von René & Marion sind gute Wachhunde und geben immer Laut, wenn jemand zum Eingangstor kommt.

Mit dem Taxi, mit Ilse & Elmar gehen wir in San Bernardino einkaufen. Zuerst laufen wir durch den Park zum „See“ Lago Ypacarai.

 

Der ist zwar sehr schön gelegen, aber sein Wasser entspricht verdünnter Gülle, und riecht auch so. Offenbar ist „Abwasser“ kein Thema in Paraguay. Schade!

Vom Byfang erreicht uns von Martina eine traurige Nachricht: Der Fuchs, der hat die Gänse gestohlen, er gib sie nicht mehr her….

Nach einer Woche Hasta La Pasta ist Aufbruchtag für Lille & Thomas, Ilse & Elmar und uns beiden. Ein herzlicher Abschied von Mia, Uwe & Claudia, René & Marion. Es war sehr angenehm und schön in Hasta La Pasta. Uns bleiben die guten Erinnerungen. Mia versucht nochmals, uns um ihre Pfoten zu wickeln mit einem Ast.

Wir fahren zuerst nach Altos zum Gas und Diesel tanken. Keine Probleme, nur sind die Kartuschen leider ausschliesslich im Camping44 in Assuncion erhältlich, das ist uns zu weit. Der Weg führt über Loma Grande und eine Grab‘sche Abkürzung mit einer „original Paraguay-Pflasterstein-Strasse“ zur PY03 und via Santa Barbara auf die PY08 nach Norden. Da unser SIM-Guthaben schon aufgebraucht ist, lassen wir bei einem Claro-Shop nach laden, es klappt sogar.

Die Landschaft ist zuerst hügelig mit Buschwald, dann flach-sumpfig, später kommen wieder Hügel mit intensiver Landwirtschaft, grossen Verarbeitungsbetrieben und Eukalyptus-Kulturen. Viele kleinere und grössere Orte. Wir suchen uns einen Schlafplatz beim Rio Aguaray Guazú, in der Nähe der Brücke. Ein Sandweg führt Richtung Wasser, aber bei einer Farm steht ein Schild: Privat, Zutritt verboten. Wir kehren um und bleiben bei der Petrobras Tankstelle in Santa Rosa del Aguaray. Die Strecke bis zur Laguna Blanca ist uns mit 30km zu weit. Wir trinken eine Kola und genießen eine Glace. Hinter der Tankstelle machen wir uns bequem, beginnen zu kochen, da hält ein Hilux. Der Fahrer Idilio Recalde begrüsst uns als Overlander und lädt uns zu sich nach Hause. Er wohnt genau in der „verbotenen“ Farm. Wir sind jedoch zu müde für einen Wechsel. Sein Sohn Roberto hat in Assuncion viel mit Overlandern zu tun. Schade, das wäre sicher ein guter Platz gewesen. Wir markieren aber den Platz im iOverlander. Unser Platz wird nur langsam ruhiger. Lastwagen kommen und gehen, die Chauffeure duschen.

Wir haben kein Internet, weder mit der Tankstelle, noch mit Claro, noch mit Qynamic oder Swisscom. So ein Desaster!!

Wir lassen uns viiiiel Zeit, hinter der Tankstelle, unter den schattigen Bäumen. Das Internet funktioniert wie gewünscht, nachdem die SIM-Karte kurz aus dem Router entfernt und wieder eingesetzt wurde. Es wird heute wieder heiss, über 30*C. Wir bemerken am hinteren rechten Rad eine fehlende Schraubenmutter, die wurde offenbar beim Reifenwechsel vergessen. Die Ersatzmutter passt nicht ganz. Die Mechanicos haben keinen Ersatz. Tom hat hier eine Spezialschraube eingesetzt.

Wir fahren nach Mittag auf der PY08 weiter Richtung Norden, durch eine hügelige Landschaft, Dörfer und kleinere Städte.

Die Farmen werden etwas grösser, viel Viehwirtschaft und grössere Silo-Anlagen. Nach Yby Yaú tauchen in der Ferne herausragende Felsengebirge aus der Landschaft auf: alte Vulkanüberreste.  

Hier hat Paraguay offenbar seine höchsten Berge, auch wenn die nur 2-500 m über die Ebene reichen. Eindrücklich. Wir fahren zum NP Cerro Corá auf den CP.

Ein Schutzgebiet, das einen historischen Wert hat: Ein Monument des „Guerra de la Triple Alianza“ sowie weitere Monumente sind im Bau.

  

Vor dem CP lagert eine Militär Kohorte. Wir nehmen an, die seien von der regulären Armee und nicht von der „paraguayanischen Befreiungsarmee“ die René erwähnt hat in diesem Gebiet. Die Baños sind noch im Bau, aber nutzbar.

Die Nacht ist sehr ruhig. Ein Geburtstagsschmaus zum z’Morge: Schinken-Zwiebel-Käse-Mini-Pizza. Mmmh, fein. Danke, für Dein Lächeln.

Am Morgen kommt Sgt. Marc Aurel vorbei. Er ist 15 Jahre im Militär verpflichtet. Nimmt an UNO-Missionen teil, war schon in Florida und hat eine Familie in Assuncion. Er baut mit seiner Mannschaft die Monumente und die Plätze für die Festivitäten vom 29.2.-3.3.2020: Paraguay feiert 150 Jahre „Guerra de la Triple Alianza“. Auch der Präsident wird anwesend sein. Es gibt noch viel zu tun.

Wir fahren auf der PY05 zurück und auf der PY08 weiter nach Norden.

In Bella Vista realisieren wir zu spät: der Paraguay-Zoll hat am Sonntag geschlossen und gemäss René („ich kenne niemand, der hier durchgekommen ist“) und iOverlander („keine Abfertigung von Fahrzeugen“) gar keine Chance für den Grenzübergang besteht. Also: alles retour und über die PY05 nach Pedro Juan Caballero. Da dort der Zoll auch geschlossen ist fahren wir zum Eco-CP Chacurru. Die letzten 10 km über eine ausgewaschene Landpiste durch grosse Sojafelder.

Der CP ist am Sonntag sehr gut besucht. Wir geniessen ein Bad im Pool. Nach 6 Uhr sind alle weg, es wird sehr ruhig.

Am Morgen bekommen wir Besuch von 2 aufgeweckten Herren, ein Brasilianer und ein Japaner. Sie finden das Fz interessant. Sie sind Zeugen Jehovas.

Wir besichtigen noch kurz den hohen Wasserfall (mit braunem Sand-Wasser) und fahren dann die ruppige Strasse zurück nach Pedro Juan Caballero an die Brasilianische Grenze.

Argentinien 31.1. – 4.2.2020

Der CP Munizipal, Salto Berrondo bietet eine ruhige Nacht. Nach dem tropischen z‘Mörgele füllen wir den Wassertank und besuchen den Salto Berrondo.

Immerhin etwa 10m und anständig Wasser. Dann folgt „autobahnrasen“ über die RN12 Richtung NP Iberá bis Ituzaingó mit seinem grossen Wasserkraftwerk am Rio Paraná.

Susanne & Ueli erwarten uns im CP Monte Rey. Der Weg in den Park ist gut, weil er trocken ist, sonst muss das eine Dreckpiste sein.

Heidi muss viele Vieh-Gatter öffnen und schliessen

Die Farmen nutzen jeden nicht geschützten Flecken dieser Feuchtgebiete. 

Wir sehen viele Wasservögel, Wasserbüffel, 2 Kaimane, und Capibaras, die sich von uns kaum stören lassen.

 

Beim CP freudiges Wiedersehen mit Susanne & Ueli. Beim Apéro tauschen wir Erinnerungen und Erfahrungen aus. Vor dem z‘Nacht machen wir eine kurze Wanderung in der Umgebung. Susanne hat einen feinen Eintopf gemacht.

Ein halbes Dutzend Füchse schleichen sich zwischen unseren Fahrzeugen hindurch. Am Abend wird die Welt total erneuert und verbessert.

Wir stehen für unsere Verhältnisse recht früh auf und entdecken auf einer kurzen Tour viele Vögel und eine Brüllaffen Familie.

  

 

 

Ein Kardinal

Nach dem z‘Mörgele fahren wir die 4km bis zum Wegende. Wieder sehen wir viele Vögel, Capibaras, Kaimane, Hirsche, Fische.

 

Für die Rückfahrt sind S&U schon vorausgefahren, zum Tanken, wir treffen uns beim anderen Parkeingang in San Miguel im Tourist Office. Hier bekommen wir ein paar interessante Infos zum Park, zur Geschichte der Guaranis, Jesuiten, den Park und die Pläne zur Wieder-Ansiedlung des Jaguars. Die Weiterfahrt zum CP San Nicolas führt über einen kritische, tiefsandige Piste, vorbei an Kieferplantagen zur Gewinnung des Baumharzes.

Mit 4WD und 2x-Diffsperre kommen wir gut durch bis zum Visitorcenter mit angeschlossener grosszügiger Camping-Anlage.

Müde und durstig geniessen wir den Apéro. Die Wanderung entlang eines kurzgeschnittenen Weges will kein Ende nehmen.

Er führt durch eine hochgewachsene Steppe, bei der kein Tier gesichtet werden kann. Mit einem gemeinsamen Nachtessen geniessen wir Ojo de Bife vom Grill mit Ratatouille und Cous-Cous.

Der nächste Tag ist ein eher fauler Tag, wir stehen früh auf, und fahren langsam bis Puerto Carambole.

Auf dem Weg begegnen wir vielen Wasservögeln, faulen Capibaras, vereinzelten Kaimanen und einem Hirschpaar. Beim Fluss haben wir eine Weitsicht auf die Insel, auf der ein Aufzuchtprogramm für Jaguare laufen soll.

Die Frauen nutzen den Tag zum Brot backen. Auf dem Abend-Spaziergang durch die Gras-Steppe bestaunen wir die fleissigen Blattschneiderameisen.

Wir bekommen Besuch

Auf dem Rückweg fallen uns dicke Pfotenspuren auf. Ob die wohl von einem Ameisenbären stammen? Der Parkwächter klärt uns auf: nein, das war ein grosses Capibara!

Am nächsten Tag trennen sich unsere Wege wieder. Susanne & Ueli machen sich „im dritten Gang“ dh. recht schnell Richtung Uruguay auf, in 5 Tagen wollen sie Flo bei UY-Storage treffen. Es wird ein herzlicher Abschied. Ja, es war schön euch wieder zu treffen. Bis zum nächsten mal, irgendwo auf dieser Welt.

Brasilien 1. – 31.1. 2020

Seit 4 Jahren feierten wir wieder einmal Weihnachten im Familienkreis. Wir packten unseren alten Weihnachtsbaum von Singapore aus, schmückten ihn schon mit den glänzenden goldenen Kugeln und den still leuchtenden LED-Ketten. Auch wenn er nur aus Plastik ist, hat er sich in den letzten 15 Jahren immer wieder bewährt. Geschenk-Päckli unter ihm erfreuen jedes Kinderherz. Ja, es war wunderschön, mit der ganzen Familie zusammen plaudern, etwas wehmütig erfahren, dass die Enkel sehr schnell wachsen, gross und erwachsen werden. Eigene Reisezeit ist eben auch Lebenszeit der andern.

Carine ist ganz entsetzt, dass wir für den Flug vom 27.12. noch nicht gepackt haben. Schon seit einem Monat sind ihre Koffer bereit für ihre Reise mit Familie in den Kongo, Mitte Januar.

Uns reicht es noch lange, den Weihnachtsbaum sauber zusammengelegt zu versorgen, die Wohnung aufzuräumen, von Ruth, Juan, Martina und Vincent Abschied nehmen. Der Koffer ist zwar voll (mit Schweizer Schokolade, Migros Gewürzen etc.), aber wir wissen nun, dass weniger Gepäck immer noch zu viel ist.

Endlich geht’s los, mit dem Zug zum Flughafen Zürich. Das Einchecken klappt gut. Wir hatten unsere digitalen Unterlagen für den Rückflug nach Montevideo komplett gelöscht, konnten im Internet nichts mehr finden. Keine Reisedaten. Panik! Der vermutlich geplante Flug nach Montevideo war ausgebucht. Ich verlangte von Air France (das wussten wir noch!) einfach eine Bestätigung unseres vermuteten Fluges und bekamen sie umgehend, mit allen Details und Codes. Wo is’n da ne Panich?

Der Flug Paris – Sao Paulo – Montevideo ist einfach (Sandwitches), ruhig.

Nach einem langen Flug erreichen wir am Mittag müde Montevideo. Bald holt uns das versprochene Taxi ab. Der Taxifahrer bringt uns mit einem Zwischenstopp im grossen Shopping Center in Atlántida zu UY-Storage. Er weiss, die Neuankömmlinge müssen sich mit allem Nötigen versorgen, bevor sie auf die grosse Reise gehen können. Unser Kookaburra erwartet uns auf dem Stellplatz, mitsamt der Familie von Felix. Der Service ist gemacht, neue Reifen und neue „Sandbleche“ aus Kunststoff sind montiert. Kooka ist bereit für neue Abenteuer.

Nur wir brauchen noch Zeit: Ankommen, Ausschlafen, Retablieren, Einräumen, Reise vorbereiten.

Wir sind nicht allein: Peter & Michelle aus Holland, Konrad aus Düsseldorf mit seinem grossen MANsind nicht zum ersten mal hier. Sie haben ihre Fahrzeuge eingelagert, machen sich wieder bereit für ihre Weiterreise. Das gibt Gelegenheit für viele interessante Gespräche.

Am Silvester Abend sind alle bei Timo, Felix und ihrer Familie eingeladen. Mit einem feinen Filet vom Grill, Sekt und Karaokemusik im Poolhaus schwappen wir gemütlich ins neue Jahr.

An Neujahr lange Ausschlafen, ein neues Mückennetz montieren. Felix kann die Klimaanlage nicht flicken. Ein Spezialist findet das Leck nicht. Wir müssen ohne Klimaanlage in die Tropen fahren.

Anfang Januar ist die Grande Hamburgo der Grimaldi in Montevideo angekommen. Es gibt viel neuen Besuch:

Fritz und Norbert aus Deutschland, Daan & Helle aus Holland, Joy & Karim aus dem Waadtland sind auf einer „Bio-Forschungs-Tour“ auf der Suche nach neuartigen Schlangengiften. Peter & Renate aus Wien mit Mitsubishi + Kabine, Roberto & Vreni aus Tägerwilen, Thurgau ziehen mit ihrem Landcruiser Prada „den besten Geländeanhänger aus Südafrika“ durch die Welt, Roberto lebte 3 Jahre in Südafrika. Markus mit seinem liebenswerten Hund im Lastwagen.

Wir müssen nochmals ein paar Tage warten: neue Probleme tauchen auf: die Bord-Batteriehalterung ist ausgerissen, der IBS-Battery-Monitor geht nicht. Wir brauchen eine Abwechslung und fahren an die Küste, zur „Beach Nr.5“ in Bella Vista von Peter & Mychelle (NL) Bei der 5.Strassenabzweigung. Wieder einmal Beach-comben! Wir geniessen den langen, kühlen Tag am Meer.

Am andern Tag wird wieder gearbeitet: Der Klimatiker kann nicht helfen. Wir füllen das Gas nachbei Rio Gas, verbinden den IBS-Battery Monitor mit einem Kabel zur Masse, alles ok. Mit Timo können wir die Batteriehalterung mit einer Stahlplatte erneuern.

Erwin/Edwin & Ziti aus Antwerpen / Belgien, machen ihr Motorrad Zorro für ihre Reise zu zweit bereit.

Endlich, nach 2 Wochen, machen wir uns auf den Weg Richtung Atlantik-Küste. In La Paloma betreten wir den tausend-km-langen Sandstrand, von Uruguay bis weit nach Brasilien.Ein Fischer zeigt uns einen frisch gefangenen Rochen.

Wir geniessen den Sand und den frischen Wind. Wir finden in der Nähe in La Pedrera auf dem CP Club del Campo einen guten, ruhigen Übernachtungsplatz im Wald. Raffael ex Montevideo, setzt sich zu uns, will sein Englisch trainieren. Daneben steht ein grosses Zirkuszelt. Später am Abend beginnt die Vorstellung. Wir hören die Ansagen, laute Musik und die dröhnenden Motorräder, die offenbar wie wild im Kreis herumfahren. Nach der Vorstellung wird bald alles ruhig.

Wir machen uns „rechtzeitig“ nach einem Kaffee gegen Mittag auf den Weg Richtung BrasilienGrenze. Mit 75-80 preschen wir durch die Gegend. Uruguay ist flach-hügelig, mit viel Rinderzucht, teilweise abgebrannten Eukalyptusbäumen. Vereinzelt tauchen Nutrias auf, etwas zwischen Meerschweinchen und schwanzloser Ratte.

Das verspätete Morgen-Mittag-Essen geniessen wir an de Laguna Negra bei Santa Teresa: ein wunderschöner Platz mit Schatten am See und nur wenige Besucher.

Der Grenzübergang in Chuy nach Brasilien ist einfach und problemlos. Der Beamte starrt zwar lange auf seinen Bildschirm, aber er macht keine Bemerkungen zum (abgelaufenen) Verfahren vom letzten Jahr. Wir füllen Diesel und Wasser nach der Grenze. An der Lagoa Mirim werden wir bei Anselmi fündig für einen ruhigen, schönen Nachtplatz, direkt am See.

Mitten in einem Vogelparadies mit Reihern, Störchen, Kara-Karas. Nach einem roten Sonnenuntergang, beim Einnachten leuchten überall die Leuchtkäfer. Bei einem (oder mehreren) Gläsern Ojo de Vino von Dieter Meier, Mendoza, geniessen wir unseren ersten wilden Nachtplatz, gefolgt von Spiegelei mit Speck.

Am frühen Morgen um 05.15 fahren Fischer auf die Lagoa hinaus. Sie ist etwa so gross wie der Bodensee. Die Fischer kommen um 11 Uhr zurück mit Plastikbecken voller Fische, darunter viele „Grundeln“, „Viola“ die sie einfach filetieren: Bauch wegschneiden, mit einem Holz mit 2 Drahtbügeln, werden die Filet einfach rausgekratzt. Ein grosser Raubfisch, ein „Salmonide“ mit grossen Zähnen, weckt unser Interesse. Wir kaufen für 20 Real genug Fisch für 2 Tage.

Der Platz ist wunderbar, weit, offen, mit vielen Vögeln: grosse und braune kleine Ibise, Südamerika-Taucherli, wenig Kormorane, weisse und graue Reiher, rot und gelb leuchtende „Amseln“, ein ganz magerer „Zaunkönig“ mit langem, spitzen Schnabel, eine „Lerche“. Kara-Kara und andere Raubvögel werden von einem toten, aufgeblähten Rind angezogen.

Wir finden hunderte von grossen Schneckenhäusern

Wir fahren die lange, schöne BR-471 Strecke durch ein überschwemmtes Feuchtgebiet, viel Capibaras, Wasservögel, sogar ein Krokodil. Daneben Weideland mit Rindern, zT. Im Wasser stehend. In Rio Grande Einkauf in einem riesigem Shopping Center. Mit der Fähre setzen nach São José do Norte über.

Weiterfahrt auf der BR-101 bis zur Abzweigung in Estreito Richtung Küste. Der Weg zweigt rechts über eine Brücke, mit vielen Weekend-Besuchern. Wir nehmen den Weg geradeaus, wie auf der Karte eingezeichnet – direkt ins Verderben: 2Std. Schaufeln, Sandblechen, Wagenhebern nützen nichts. Beim Einnachten schleppt uns ein Traktor aus dem Schlamassel. Muchas Grazias, Rogero. Aus dem Fischessen wird nichts! Wir übernachten im leeren Wald, wo vorher Dutzende Besucher herumlärmten.

Geburtstagsgrüsse müssen bei fehlendem Netz per Sat-Phone übermittelt werden.

Nach dem Kaffee wandern wir zur Küste durch die Dünen. Da hat‘s noch mehr „Loch-Möglichkeiten“.

Die Wellen schlagen stochastisch-chaotisch auf den feinen Sandstrand.

Der zieht sich über 1000km dem Atlantik entlang ziehen, von Uruguay bis weit nach Brasilien. Das Wasser wie gewohnt leicht bräunlich-trüb aber sauber. Gibt es wirklich individuell identische Sandkörner oder ist das rein statistisch unmöglich?

Jedes Sandkorn hat eine eigene Geschichte. Vereinzelte kleine blaue Quallen und eine „portugiesische Galeere“ schmachten ihrem Trockentod entgegen.Eine Seeschwalbe bleibt still sitzen.

Im Flussbett verschwindet eine kräftige Krabbe ins tiefere Wasser. Auf dem Rückweg ist doch ein Hilux im Sand versoffen. 2 schaufeln schwitzend. Wir alarmieren Rogero. Der lässt sich Zeit. Der Hilux kommt selber frei. Disput über „Gutmenschentum“ und übertriebene Hilfsbereitschaft! Dabei sind doch wir diejenigen, die immer wieder froh um unkomplizierte Hilfe sind. Wir fahren auf der RSC-101 bis Mostarda, dort an die Küste zum Balneario. Sand soweit das Auge reicht. Wir wollen nichts riskieren und fahren nach Mostarda zurück auf den CP Poente. Ein sehr sympatischer Empfang. Zum z‘Nacht garen die beiden ganzen Fische auf einem Gemüsebett, mit Reis und Salat.

Sonniger Morgen leichter Wind, viele Vögel, 2 Pferde und ein gutes Internet, wieder einmal den Zeitgeist des Tagi verfolgen. Gegen Mittag fahren wir weiter, auf der RSC-101. Nach Bacupari versuchen wir einen direkten Weg nach Quintão. Geht nur bis zum grossen Windpark, dann ist Schluss, also zurück auf die Hauptstrasse und weiter bis Capivari, dann Richtung Küste.

Durch den Kiefernwald via Cidreira nach Cruzeiro do Sul bei Tramandai finden wir im CP Lagoa e Mar eine luftigen Platz. Nach dem Apéro schauen wir den enthusiastischen Kite-Surfern zu: bei diesem heftigen Wind sausen die einen wie verrückt und voll stolz hin und her.

Andere versuchen immer wieder aufzustehen, einfach, im untiefen Wasser. Die Lagoa ist grossenteils nicht tiefer als 50cm, ideal für die ungeübten Surfer. Der grosse CP ist voll festverbauten Wochenendhäuschen, mit Zwergen und bunt beleuchteten Büschen. Eine Nachbarin sucht sofort all ihre Deutschkenntnisse zusammen. Zum z‘Nacht werden die Filets der „Grundeln“ in Soja/Knoblauch/Ginger/Limettensaft mariniert. Sie haben absolut keinen unangenehmen Fischgeruch. Sie munden mit Kürbis-/Kartoffelstampf und Salat mit Basilikum bestens.

Chris, Angie, Andrea & Marco sind in der Nähe. Wir finden sie auf einem schönen Platz am See, durch das Condominium Jardin da Lagoa.

Fröhliches Wiedersehen, tratschen, gegen Abend Churrasco: Feuer, Grill, Fleisch und diverse Zutaten: Salat, Crackers, Käse, Snacks. Viola von der Kite-Schule besucht uns und macht Andrea & Chris eine Kite-Bootsfahrt schmackhaft für Freitag.

Nach ein paar Tagen “die Welt verbessern”, baden im See, kiten, faulenzen, Brot backen und immer wieder mal essen (Quiche von Markus, Pizza von Angie) kommen wir „früh„ um 12 Uhr weg. Chris & Andrea gehen Kiten. Wir markieren noch den Workshop von Alexander im iOverlander und fahren über die Küstenstrasse ERS389 Richtung Torres.

Wir suchen in Praia Itapeva Sul die Farm von Laurence & Jaqueline auf dem Morro. Sie wohnen auf einem wunderschönen Platz auf einem Hügel, und lassen Overlander frei campen auf ihrem Grundstück. Ein tolles Angebot.

Sie wollen selber mal reisen und suchen Erfahrungen und bauen sich ihr eigenes Wohnmobil aus.

Morgen früh scheint die Sonne, das entfernte Meer rauscht. Wir sind im Paradies! Kurze Fototour: Bromelien, Orchideen, Vögel, Blumen und Gräser. Feine Duftblüten (Benzyklester, Ionon, Lacton, Zimtester) auf dem Baum. Exotisch-fruchtige Palm-Früchte (nach Ananas, Guanabana, Methylester schmeckend).

 

  

 

Wir geniessen ein feines z‘Morge mit tropischen Früchten (Ananas, Passionfruit, Baby-Banane, Mango) einfach herrlich. Laurence schenkt uns die halbe Wassermelone des Nachbars. Er ist Architekt, hat italienische Wurzeln, Jaqueline ist Ernährungsberaterin, hat deutsche Wurzeln. Der Nachbar bringt uns eine selbstgemachte Salami aus Schweinefleisch, wunder bar im Geschmack.

Wir geniessen den freien Tag im Paradies.

Am nächsten Morgen verlassen Jaqueline & Laurence das Haus, ohne dass wir sie bemerken. Wir lassen ein Tafel Schokolade und ein CH-Messer zurück. Gegen Mittag brechen wir auf, kaufen im Supermercado Nacional in Torres das Wichtigste ein.Das Gemüse ist soso, viele Früchte sind ok. Auf dem Weg Richtung Cânon Itaimbezinho suchen wir noch Gas-Patronen für den Kocher.die sind in Brasilien dünn gesäht. Die Ebene bei Praia Grande erinnert mit ihren Reisfeldern und den Palmen an Bali.

Bald geht es steil bergauf, der Asphalt bleibt auf der Strecke, ruppige Steine, ausgewaschene Löcher zehren an den Nerven. Gegenverkehr mit grossen Holz-Lastwagen in den Haarnadelkurven geben den Rest.

Heidi ist hart im Nehmen! Beim Parkeingang klären wir die Übernachtungsmöglichkeit, fahren weiter zum Café Parador und vertilgen ein feines Toastbrot. Wir bleiben über Nacht beim Eingang des NP Aparados da Serra mit dem Cânon Itaimbezinho, geniessen die feine Wassermelone von Laurence‘s Nachbar.

Araukarienstamm

Wir lassen uns von den vielen Touristen beim Morgenessen vor dem Parkeingang nicht stören. Gruss mal hier, mal dort. Wir begeben uns auf eine Tour zum Cotovelo (Ellbogen).

      

Alles ist in dickem Nebel, der Cañon lässt sich nur erahnen. Wir fühlen uns auf einerRadio-Herbst-Wanderung mit Touri-Cars. Schöner Bergwald mit Araukarien säumt den Cañon.

Die zweite Tour zum Ausblick auf den Wasserfall ist gesperrt „wegen Bienen“. Wir hätten wegen dem Nebel trotzdem nichts gesehen.

Wir wollen unser Glück beim Fortaleza Cañon versuchen. Der Weg via Cambará do Sul führt zuerst über eine grobe Schotterstrasse, dann bis vor den Park über Asphalt. An den steilen Strassenstücken haben wir den Eindruck, Kookaburra sei lahm. Wir durchqueren grosse Baumkulturen mit Föhren, finden am Boden einige Perlpilze. Bei einem Steinbruch steht ein bekanntes Fahrzeug: Helle & Daan sind auch hier. Wir begegnen ihnen auf ihrem Rückweg zu Fuss: sie wollten ihrem Fahrzeug den Schotter-Weg nicht zumuten. Wir fahren bis zur Abzweigung zur Cascata do Tigre Preto. Zuviel Nebel und einsetzender Regen geben uns den Bogen: wir kehren um und campen etwa 500m vom Parkeingang in einem flachen Steinbruch. Apéro mit Jean Rivier: Tocai. Nicht schlecht, aber kein Ungarischer Tokayer! Z‘Nacht eine Gemüse-one-pot-Pasta mit Chicken. Mmmmh.

Nachts leichter Regen, Leuchtkäfer am Mückennetz, Stille. Draussen sehr dichter, nasser Nebel. Wir verzichten auf die Besichtigung des Cascata do Tigre Preto und fahren zurück an die Küste, über die grosse Hauptstrasse. Kookaburra lahmt bei jedem Hoger. Etwas mühsam erreichen wir die Tiefebene. Wir fragen Laurence nach einem Tipp für eine Werkstatt. Er gibt uns „Nene“ in Praia Grande an. Nach 160km finden wir im Zentrum in einer Tankstelle „Nene“ auf Grund einer Foto von Laurence. Nene vermittelt uns eine „vertrauenswürdige“ Werkstatt. Der Unterstand ist voller Lastwagen und Pick-ups. Der etwas gar übergewichtige Chef schaut sich den Motor an, verlangt einen Reserve-Dieselfilter, lässt ihn montieren und nach einer halben Stunde schnurrt Kooka wieder wie gewohnt! Superarbeit. Nach dem Auftanken bleiben wir über Nacht auf dem lokalen CP Munizipal Praia Grande

Am Morgen ist der CP leicht unter Wasser vom Regen. Nach einem feinen zMorge machen wir uns auf den Weg Richtung Küste. Kurzer Kola-WC-Unterbruch im Strassenrestaurant. Das Büffet riecht verführerisch, die Leute vertilgen grosse Teller voll. Wir bleiben hart. Bei Sondrio rechts an die Küste nach Balneario Gaviota. Die Brandung ist stark, der Regen auch. Retour nach Sondrio und weiter nach Balneario Arroio do Silva. Wir suchen den CP Pousada Serra e Mar. maps.me will uns in den Kakao leiten. Eine Polizei-Patrouille zeigt uns den richtigen Weg. Ubaldo und Joce haben sich hier einen Traum erfüllt auf 74‘000 m2 mit Fischteichen, Ferienchalets, Restaurant und ihr besonderer Stolz: organischer Bio-Anbau von Gemüse und einheimischen Früchten.

  

Wir bekommen eine Einführung und Essproben von Pitaya, Ananas, riesigen Brombeeren und brasilianischen Tropenfrüchten. Joce produziert gefrorene Teigwaren zum freien Verkauf.

Wir verbringen eine ruhige Nacht bei leichtem Regen. Wir bleiben noch einen Tag hier. Ubaldo zeigt voller Stolz seinen Bio-Garten mit vielen Früchten und Gemüsen, Hühner, Schweine, Enten, Gänse. Er wird sich noch 3 Kühe für Milchprodukte anschaffen. Für den Eier-Räuber-Leguan hat er ein Falle gebaut. Wir sehen viele Vögel und Kolibris. Am Nachmittag laufen wir zum Strand (etwa 1000 km von Uruguay bis Florianapolis) und genießen dort den frischen Saft einer Kokosnuss.

Zurück, bringt Ubaldo eine Karaffe mit frisch gepresstem Passionsfruchtsaft mIt Zitrone, Ginger. Mmmmh fein. Am Abend treffen Don und Samantha aus Toronto ein. Sie sind sind Wein-Einkäufer, in 3 Jahren von Alaska nach Feuerland gereist, via Mittelamerika. Jetzt haben sie noch 3 Monate. Wir sind zum z‘Nacht eingeladen. Joce mach ein feines z‘Nacht mit selbstgemachten Spagetti mit Chicken, ein fein geröstetes Kohlgemüse mit Tapiokamehl, Salat. Wir bringen eine Tafel Schokolade für die Jungs und eine Flasche Wein. Joce kümmert sich nach dem Tischgebet um den Nachschub des feinen Essens. Wir verschlingen alles und wundern uns, dass Joce erst nach uns einen Teller füllt. Hier herrschen noch patriarchale, autoritäre Verhältnisse!.

Da 2 kleine Feldwege hinten an den CP führen, die von normalen Fahrzeugen gar nicht befahren werden können, werden Besucher immer wieder in die Irre geleitet. Wir lösen das Problem mit der Navigation zum CP im iOverlander mit einem neuen Eintrag:

Erst nach Mittag schaffen wir den herzlichen Abschied von der feinen Familie. Mit Gefrorenem Fruchtgelee, Pasta und einem Dutzend Bio-Eiern. Wir fahren auf direktem Weg zum Vista da Serra do Rio do Rastro. Ein tausend Meter hoher Cañon wird wie die Tremola erklommen, in 284 engen Spitzkurven.

Von oben bietet sich ein wunderschöner Tiefblicke in den Cañon und ins hügelige Vorland bis zum Meer.

Ein Töff-Fahrer-Paradies

Wir bleiben auf dem Parkplatz über Nacht. Mit uns 3 weitere Paare aus Brasilia, Angela (spricht etwas englisch) Andre (spricht einfach drauf los) Gilmar, Aurileda. Der Platz ist gut bewacht von der Polizia Militar. Zuerst tönt noch laute Musik aus geöffneten Kofferdeckeln. Der Lover will seine Liebste mit seinem Power-Pack beeindrucken.

Schon früh wecken uns die ersten Touristen. Die Nachbarn sind auch schon wach, bereiten das z’Morge vor. Wir halten uns heute bei einem Kaffee zurück. Interwall-Fasten. Einige Touristen interessiert unser Kookaburra, in schnellstem Brasilianisch. Ein wenig können wir ihrer Neugier folgen.

Andre bringt uns eine Schachtel mit Butiá (Palmfrucht etwas grösser als die von Laurence, weniger aromatisch, süsser). Nach einem herzlichen Abschied fahren wir weiter Richtung Sao Joaquim, Lages. Das Hochplateau erinnert an die Schwäbische Alb / Schwarzwald: hügelig, Täler, Wälder (Kultur und Wild) mit kleineren Farmen, Dörfern und Städten. kleineren Flüssen. Lages ist eine recht grosse Stadt. Der CP befindet sich tief im Tal am Stausee des Rio Caveiras.

Viele Sonntags-Ausflügler veranstalten ein Hip-Hop-Festival mit lauter Musik. Sie endet erst um halb Acht. Dann herrscht Totenstille, nur ein paar quakende Frösche, Fische im Wasser. Bald sind wir mutterseelenallein.

Wir erwachen recht früh bei schönstem Sonnenschein und Geschnatter von braunen Ibisen.

Sehr ruhige Nacht nach dem „Hip-Hop-Konzert“. Gemütliches z‘Mörgele mit tropischem Müesli, Siesta zum Beobachten der Fische und Kormorane, sogar ein Eisvogel sucht sich den z‘Morge-Fisch. Nachher kurzer Spaziergang über den grossen CP. Ein grosser weisser Schmetterling mit guter Tarnfarbe weckt unser Interesse.

Aufbruch Richtung Rio Chapecó Wasserfall bei Abelardo Luz. Die 300 km werden wir heute kaum schaffen. Über weite Hügel, Berg- und Talfahrten, vorbei an kleinen Farmen, Dörfern und Städten zieht sich der Weg in die Länge. Campos Novos ist ein landwirtschaftliches Zentrum mit Landmaschinen, riesigen Siloanlagen.

Wir begegnen vielen Mais und Sojafeldern, eher klein im Vergleich zum Mato Grosso. Nach langer, ermüdender Fahrt suchen wir nach Vargem Bonito ein Nachtlager. Etwas abseits der Hauptstrasse finden wir einen flachen Waldweg für die Nacht. Feine Risotto mit Rindsgeschnetzeltem (dem „schönen“ aber immer zähen), Gemüse, Chili von Ubaldo und Muskatnuss. Mmmmhh, fein. Feiner Regen und entferntes Donnergrollen setzen ein.

Wir stehen recht spät auf, erfrischend warm, bald scheint die Sonne heiss. Gmüetlechs z‘Mörgele mit tropischen Früchten, dann Brotohniwurscht mit Käse. Die Föhren (Pinus) stehen dicht an dicht, mit 2.5m Abstand —> 16pro Are, 1600 pro ha. Vergleich: im Naturwald stehen ca 6 Stk einer Spezies pro ha, dafür 2-300 verschiedene Spezies pro ha. Kein Baum oder Gebüsch berührt einen andern, jeder hat seine eigen Ameisen-Kolonie zur Verteidigung gegen Angreifer. Hier: ein wildes Durcheinander, die Äste machen sich gegenseitig Konkurrenz und verdrängen sich, sind verdorrt. Eine Situation wie in einem Konzentrationslager! Der Boden ist durchgehend bedeckt von Trockenen Nadeln, vereinzelt ein grüner Büschel, wenig grosse Boviste, trostlos. Wir bemerken 2 Arten Ameisen: grosse Soldaten und ganz kleine Arbeiterinnen. Kein Leben. Ein farbiger Schmetterling, Nr.88, weckt unser Interesse, die offenen Flügel mit der schönen grünen Zeichnung zeigt er jeweils nur kurz.

Wir fahren weiter Richtung Argentinische Grenze, lassen die Wasserfälle am Rio Chapecó aus. Unser Tagesziel: die Termas Ilha Redonda, ca. 200km. Hügel, Berge, Täler wie gehabt, die Agro-Felder werden etwas grösser.Friedhöfe, eine Augenweide in Südamerika!

Zwischendurch 2 Regengüsse. Die grossen Städte Xanxere, Xanim und Chapecó lassen wir links liegen. Treibhauskulturen.

Nach Balnéario de Pratas zweigen wir von der SC-283 ab auf die Linha Seis de Setembro, ein ruppiger Feldweg, der uns runter zum Rio Uruguay und direkt zum CP führt.

 

Wieder einmal eine gute Grab‘sche Abkürzung. Der grosse CP liegt direkt neben dem Bad der Therme. Nachts gelegentlich Regen. Am Morgen Sonnenschein. Wir lassen uns Zeit. Vor Mittag reicht’s doch noch für einen kurzer Schwumm im Bad. Weil wir so spät dran sind, ist der Eintritt gratis. Schön warmes Wasser. Packen und weiter geht die Fahrt, Richtung Frederico Westphalen über Berge, durch Täler, über eine grosse Brücke über den breiten Rio Uruguay. Im dichten Nebel-Regen sehen wir den Fluss kaum. Die Soja-und Maisfelder werden grösser, überall verstreut. Leuchtende grün- und strohfarbene Töne. Heftige Regenfälle begleiten uns, unterbrochen mit blendendem Sonnenschein. In Frederico Westphalen tanken wir und fahren weiter Richtung NP Turvo mit dem längsten Wasserfall der Welt, des Rio Uruguay; Salto Yucumá (Brasilien) oder Saltos del Moconá (Argentinien). Wieder sehr starker Regen, wir müssen mitten auf der Strasse anhalten, weil wir nichts mehr sehen. Beim Parkeingang müssen wir umkehren, wir sind zu spät dran und im Park darf man nicht campieren. Beim CP Parque das Fontes haben sie den Preis noch weiter erhöht, als schon im iOverlander bemängelt wird. Wir fahren deshalb zum CP Balneario Martens. Hier werden wir freundlich empfangen.

Gedeckte Plätze mit WC, Strom und Fischteiche. Beim Füttern springen die Fische wild in die Höhe.

Weiter Regen und Abends noch Gewitter. Zum z‘Nacht Heidi‘s Neukreation: Kürbis mit Kartoffeln, gestampft mit scharfen Chili von Ubaldo, Zwiebeln, Knoblauch, Bouillon, Essig, Speckschwarte und oben drauf Spiegeleier. Mit Parmesan einfach gut. Dauerregen in der Nacht, der gegen Morgen abnimmt. Der Tag bringt viel Sonnenschein. Wir besuchen heute den NP Parque Estadual do Turvo. Im Besucherzentrum bekommen wir einen Einblick in den geschützten Park. Brasilien und Argentinien haben die Grenze von Foz do Iguaçu bis zur Missiones-Grenze geschützt. Wir sehen Aufnahmen von Jaguaren und vielen anderen Tieren.

Ameisen, 2cm gross

Nutrias

Wir fahren runter zum Salto Yucumá oder Saltos de Moconá. Mit 1800m Länge gehört er zu den grössten Wasserfällen der Welt, trotz bescheidenen 5m (bei geringen Wasserstand bis 10m Höhe.

Die Wassertiefe in der Rinne soll 90-100m sein. Ein eindrückliches, endloses Spektakel.. Wir geniessen das Laufen auf den grossen Steinen zwischen den „Mühlen“ hindurch..

Ein paar argentinische Boote bieten Touristen einen „Adventure-Kitzel“ direkt unter den Wassermassen des Rio Uruguay an.

Wir werden von Bernard angesprochen. Nicole & Bernard aus der Nähe von Perpignan, France, sind seit 40 Jahren unterwegs, min. 6 Monate. Im Moment mit einem Hilux mit „Gazelle“-Wohnaufbau.

 

Der Weg im Park hat von den gestrigen Niederschlägen gelitten: „Bäbätsch“ überall. Kookaburra legt sein Werktags-Gwändli an, eine dicke, braune Kruste. Auf dem Rückweg helfen wir einem Pannenfahrzeug mit Wasser aus: sein Kühler ist defekt, sein Motor heiss gelaufen. Wir fahren zurück zum CP Balneario Martens. Im Weiher suchen wir unser Nachtessen, Heidi fängt bald einen kapitalen Tilapia. Der „fachgeprüfte Fisch-Spezialist“ ausser kleinen Beifang (geschränzt) keine einzige Flosse. Bernhard hilft aus der Patsche. Die Fische werden vom CP-Personal fachgerecht vorbereitet. Zum z‘Nacht gibt es frisch gebratenen Tilapia mit Kartoffelstock an einer Sauce Hollandaise. Eigentlich gar nicht so schlecht, wie wir gemeint haben. Der Tilapia hat eine recht zähe Haut und festes, weiss-rotes Fleisch. Gekocht ist es fein, zart. Bei einem Glas Wein sitzen wir mit Nicole & Bernhard zusammen und tauschen Reiseerfahrungen aus.

Nach dem Packen bekommt Kooka ein Bad: mit dem Kärcher wird er sauber abgespritzt, mit dem Lappen nachgeputzt. Nun darf er sich wieder ungeniert zeigen. Regennasse Strassen sind in Brasilien ein „roter Bäbätsch“! Wir verabschieden uns von Nicole & Bernhard und fahren eine „Grab‘sche Abkürzung“ zur Fähre in Soberbo. Der Weg führt uns über Feldwege, durch ein hügeliges Bergland mit vielen Bauernhöfen, Kleinfarmen.

Soja-, Mais-, Tapioka-Felder wechseln sich ab. Die Zollabfertigung geht auf beiden Seiten rasch, schmerzlos (zu rasch, wie wir später erfahren werden). Die Fähre über den Fluss ist voll. Auf der Argentinischen Seite fallen vermehrt die Wälder auf, z.T. Mischwald, Föhren- und Eucalyptus-Kulturen. Die RP2 begleitet den Rio Uruguay. Über die RP103 gelangen wir nach Oberá, vorbei an kurz geschnittenen Maté-Tee-Feldern. Im Supermercado El Cóndor füllen wir unsere Reserven (mit Hunger, der Einkaufswagen wird randvoll). Beim CP Munizipal, Salto Berrondo bleiben wir für eine Nacht.

Fazit der Reise 2019

Bald geht’s weiter, zurück nach Uruguay zu unserem Kookaburra. Wir lassen die Post bis Mitte Juli 2020 umleiten

Seit Sommer 2019 sind wir wieder in der Schweiz, geniessen das warme Wetter, die Familie, Freunde und unser Haus. Ferien vom Reisen! Das Pilzlen kommt nicht zu kurz:

Kookaburra haben wir bei Dirk, Felix und Timo in Uruguay in einer Lagerhalle untergebracht. Sie werden ihm neue Schuhe für die Weiterreise verpassen, die notwendigen Servicearbeiten und ein paar Anpassungen machen.

Wir hatten eine tolle Reise in den letzten Monaten, natürlich mit ups and downs. Würden wir wieder alles gleich machen?

Wir hatten viele Highlights, die wir nicht missen möchten. Die Atlanikküste mit ihrer spannenden Fauna. Die wilden Weiten Patagoniens, seine grandiose Berg- und Gletscherweltwelt. Das wilde, rauhe Feuerland. Wobei man sich Ushuaia gerne schenken kann, mit seinem Selfie-Touristenrummel.

Etwas Besonderes war die Fahrt mit dem Schiff durch die patagonischen Fjorde Südchiles. Wir konnten leider nicht die Fähre Puerto Natales – Galeta Tortel nehmen. Sie hat eine beschränkte Kapazität, fährt selten und muss deshalb frühzeitig gebucht werden. Die „Notlösung“ nach Puerto Montt hat sich trotzdem gelohnt. Trotz schlechtem Wetter und hohen Wellen (eigentlich ein Dauerzustand). Der Nachteil: wir „mussten“ die Carratera Austral weit nach Süden „zurückfahren“ und haben damit den klimatischen Zeitplan etwas durcheinander gebracht: am Schluss mussten wir wegen Schnee offene Pässe Chile – Argeninien abwarten. Aber die Anden in Südchile haben uns grossartg entschädigt.

Auf einem zick-zack Kurs überquerten wir die Anden, genossen den Wein Argentiniens und die Pazifikküste von Chile. Wir badeten hoch in den Bergen im warm-heissen Flusswasser, fischten grosse Forellen aus dem glasklaren Wasser, staunten immer wieder vor den geologischen Wundern der Erdgeschichte.

Wir trafen viele Overlanders, genossen gemeinsame Reiseerlebnisse, hatten Spass miteinander, tauschten Reiseerfahrungen aus und pflegen die Kontakte weiter.

Wir froren ein paar Tage bei tiefen Temperaturen und streikender Heizung, haben aber dank warmen Betten nie gelitten.

Die Fahrt von den Anden über die Pampa nach Uruguay war eher ein „Abspulen“ der grossen Distanz, mit Lustfaktor.

Wir haben einen Rückflug Montevideo – Paris – Zürich – Montevideo gebucht. Am 27.12.2019 geht’s wieder los. Das Wetter wird wieder garstig in de Schweiz.

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