Torres del Paine

Der Entschluss steht fest: Wasser tanken, Reifen aufpumpen und dann rassig ab nach Süden nach El Calafate auf den Niriguao-CP. Gauchos treiben ihre Herde zusammen.

Der Lago Viedma ist immer noch schön gletschermilchig und der Lago Argentino leuchtet in seinen schönsten, unwirklichen Türkis-Tönen.

Die Berge grüssen aus der Ferne, die Sonne scheint warm, dazwischen ein paar Regentropfen.

Auf dem CP treffen nach und nach die anderen Overlander von El Chaltén ein: die Deutschen, Holländer und der Pinzgauer. Kleiner Service am Kooka, das Horn geht wieder, die Filter am Kompressor und der Luftfilter sind ok. Walter wechselt seine Batterie aus bei Mechanic Willi. Feines Chili con Carne mit Salat in der warmen Sonne. Schlechte Nachricht von UY-Felix: SURA erneuert unsere Versicherung nicht. Wir suchen in den nächsten Tage eine Versicherungs-Lösung. Bei Claudia & Klaus in El Bolson (webseite) werden wir fündig.

Die Tage in El Calafate ziehen sich dahin mit Webseite aktualisieren, essen, Pressluftpistole flicken, dazwischen ein Spaziergang zum Parque de Nimez mit den Flamingos. Die sind so weit entfernt, dass wir bei den sehr heftigen Windböen keine Lust haben, sie zu porträtieren.

Endlich geht’s wieder mal weiter in Richtung Torres del Paine. Doch zuerst tanken wir und versuchen vergeblich, das Gas nachzufüllen: „solo Argentino“-Anschlüsse! Über die RN40 fahren wir gegen Süden, durch das Tal des Rio Santa Cruz, dann auf das Hochplateau. Zwischen Strassen-Zäunen grasen Schafherden.

Die Abkürzung über die RP7 ist eine Rüttelpiste sondergleichen. Den Pneudruck vermindern hilft hier nur bei glatten Strassenstücken. Unterwegs treffen wir die deutsche Velofahrerin (die wir auf dem Calafate CP kennen lernten): sie ist müde, geht zu Fuss im starken Gegenwind: die Beine wollen nicht mehr. Sie ist aber fröhlich und zuversichtlich. Der Grenzübergang nach Chile ist zügig, unbürokratisch: das befürchtete Ausmisten des Kühlschranks entfällt: Knoblauchresten, Gingerresten und eine Zitrone werden zurückbehalten, Konfi, Butter etc. sind kein Problem. Auf chilenischer Seite stürmen wir das „Shopping-Center“, ein Minimarkt El Pioniero. Nach unserem Besuch haben weitere Kunden Mühe mit der Auswahl (und wir haben fast nichts gekauft). Im Cafe Ovejero können wir Geld wechseln 200 U$ = 128’000 ChP, Kaffee und Kuchen verschlingen. Chile schindet Eindruck mit seiner neu asphaltierten Strasse. Die R9 in den NP ist noch im Bau. Wir folgen ihr bis zum Lago Sarmiento und bleiben über Nacht beim Kontrollposten in den NP. Für morgen sei der schönste Tag der Woche angekündigt. Wir werden sehen. Das Abendrot ist immerhin ein guter Anfang.

Wir (Chris & Wilu) stehen schon um 5 Uhr auf und laufen zum „Puma Point rauf.

Wir sehen keine Pumas, jedoch viele Blumen, Vögel, Guanacos und 2 Skelette.

Der Sonnenaufgang ist nicht spektakulär, ein wenig rötlich bei klarem Himmel. Die Torres sind ohne Wolken.

Wir fahren eine schöne Rundtour auf der Y150 über dem Lago Sarmiento und dann entlang dem Gebirge, über den Rio Paine zum Campamente, das Basislager für die meisten Touren. Wir sind zu faul für Aktivitäten und geniessen in der warmen Sonne einen ausgedehnten Powernap. Leider dürfen wir nicht her bleiben. Wir bekommen widersprüchliche Aussagen: die Parkwächter sagen ok, müsst aber bei der Resevation fragen. Diese sagen nein und Overlander behaupten, der Platz war leer. Wir fahren deshalb zurück zum PP Laguna Amarga.

Gänseeltern bewachen ihre Jungen am flachen Seitenarm des Rio Paine.

Der nächste Morgen bringt keine glühenden Farben, deshalb gilt: weiterschlafen. Später fahren wir über die Y166 zur Cascada del Paine.

Der Fluss hat sich tief in die Felsen und Sedimente eingefressen. Das Wasser stürzt 15m in die Tiefe. Eindrücklich! Hier sehen wir endlich auch den 4. Torre.

Der Weg führt weiter durch die Berge an grossen Guanacoherden vorbei bis zum Lago Azul. Der tiefblaue See ist vom heftigen Wind durchgepeitscht.

Pferde grasen, bereit für Touren mit ungeübten Reitern. Schwarzhalsschwäne und Gänse suchen im Moorwasser Futter.

Die Sonne scheint warm. Im Hintergrund grüssen die Torres in voller Pracht, ohne Wolken.

Wir geniessen die Gegend mit einem langen Powernap. Am späten Nachmittag fahren wir zurück und weiter bis zur Cafeteria Pudeto. Starker Wind und ruppige Wellblechpiste lenken ab von den phantastischen Ausblicken auf die Hängegletscher, die hohen Berge, die vielen Lagunen mit Wasservögeln, die Guanacoherden und staubigen Touribussen.

Bei der Cafeteria ist der Parkplatz starken Winden ausgesetzt, also kein guter Platz zum Ubernachten. Nach einem feinen Sandwich fahren wir zum Hotel/CP Lago Pehoé.

In der Ferne sehen wir den Salto Grande zwischen dem Lago Nordenskjöld und dem Lago Pehoé. Der CP ist etwas windgeschützt. Mit 2 australischen und einem südafrikanischen bilden wir ein Landcruiser-Konzentrat. Stuart und Ailsa von Adelaide und Tom von Perth haben wir schon gestern getroffen, beides ex-Lehrer in Arnhemland im Norden Australiens.

Wir besuchen zuerst den Salto Grande in der Nähe der Cafeteria Pudeto. 100m3 Wasser stürzen hier pro Sekunde 15m in die Tiefe, ein Drittel des normalen Rheinfalls.

Das Wasser ist glasklar-türkisfarbig. Sehr starker Wind bläst durch das enge Tal.

Wir laufen zum Mirador Cuernos mit einem schönen Ausblick auf die vergletscherten Berge über dem Lago Nordenskjöld.

Wir lernen, dass die hellen Stellen in den Bergen aus Granit bestehen, die aus erkaltetem Magma entstanden sind. Die schwarzen Schiefergesteine unter dem Granit sind jünger als die darüber liegenden!

Unser Walter!

Anschliessend fahren wir zur Hosteria Lago Grey. Die Wetterprognosen für die 2 nächsten Tage sind schlecht: zu viel Wind und bedeckt. Die Schiffe fahren heute nicht zu den Gletschern. Im Hotelrestaurant lassen wir uns etwas zu voll laufen mit Pisco Sour!!! Das tut uns gar nicht gut. Chris und Walter ist’s eindeutig zu viel. Wilu hat sich noch knapp unter Kontrolle und die beiden Frauen sind recht stabil. Wir bleiben auf den Parkplatz des Parkrangers wegen den Baños. Die Nacht ist ausgesprochen ruppig, nicht wegen dem Pisco sondern wegen dem uflätigen Wind: ab 4 Uhr folgen sich die starken Böen fast im Sekundentakt. Wir müssen im Finstern umparken, das Fz richtig in den Wind stellen. René & Brigit (AR, BS) leiden auch hier.

Bei heftigem Wind, leichtem Regen verbringen wir einen faulen Tag. Der Versuch einer Wanderung auf die Halbinsel im Lago Grey scheitert: cerrado! Wegen dem Wind. Der Weg zum Ausguck Mirador Ferreira ist uns zu weit. Und der Pisco kann weiter auslüften!

Am dritten Tag klappt es. Wir müssen eine Hängebrücke über den Rio Pingo und einen langen, weichen Kiesdamm überqueren, dss ist sehr ermüdend.

Der Katamaran führt uns durch den Lago Grey, mit dem grauen Gletscherwasser.

Bald tauchen die ersten Eisberge auf, hell blau-türkis-farbig.

Das Wetter ist bewölkt, der Wind recht ruhig. Beim CP Refugio Grey steigen einige Passagiere aus, sie wollen offenbar den 3.5h Rückweg wandern.

Der breite Glaciar Grey breitet sich flach in 3 Zungen in den See hinunter, in grosse Brocken aufgerissen.

Gelegentlich donnern sie ins Wasser und bilden sehr schöne Eisberge auf dem Wasser.

Auf dem Rückweg kippen wir den spendierten Pisco Sour mit gemischten Gefühlen.

Nach der Rückkehr lassen wir uns mit Salmon / Salat/ Risotto con Fungi verwöhnen. Das Wetter wird garstiger, regnerisch. Wir flüchten in unseren Kooka und geniessen zum z’Nacht eine feine Suppe mit Wienerli (ja, ja, wir haben zum Glück keine Waage dabei).

Wir fahren, mit Walter im Schlepptau, durch das Tal des Rio Grey, dem Lago del Toro entlang nach Puerto Natales durch eine bergige Landschaft.

Die Strasse ist bis zum Rio Serrano sehr rauh, wellblechig dann Asphalt, mehr oder weniger reparaturbedürftig. Wir haben starken Rückenwind, was entgegenkommende Velofahrer gar nicht schätzen, denn sie müssen nicht nur den Berg rauf tief in den ersten Gang schalten um überhaupt langsam vorwärts zu kommen, sondern ebenfalls auf der Fahrt ins Tal runter. Und das auch noch auf groben Schotterstrassen. Der CP Campinguino ist zwar dem Wind ausgesetzt, aber wir bekommen unsere Plätze. Mit dem Landi fährt uns Walter in die Stadt zum Einkaufen. In einer Pizzeria genehmigen wir uns Pizza und Churrasco. Chris &Angie sitzen im Mesita Grande. Wir füllen die Gasflasche nach. Diese stinkt nacher zum Himmel, was wie eine leckende Flasche wirkt: alle haben das Gefühl, dass die ganze Umgebung bald in die Luft fliegt, dabei ist nur der Geruch störend.

Am Abend wird im Gemeinschaftsraum des CP gemeinsam mit allen Campern gekocht und gegessen, eine passende Weihnachtsfeier. Bei einem Glas Wein werden allseits Reise Erfahrungen ausgetauscht.

Lange schlafen, z’Mörgele und schon ist es 14 Uhr am Weihnachtstag. Mit Günther & Hildegard besprechen wir ihr Camper-Umbauprojekt. Sie haben Pläne für’s Pantanal. Die Nahrungssuche ist schwierig, wegen Weihnachten sind die meisten Läden und Restaurants geschlossen. Im Mesita Grande, dem ehemaligen Schweizer Konsulat, finden wir die gesuchte Pizza mit Cesars Salad.

Mit Chris und Angie machen wir einen Spaziergang zum Hafen runter. Am Abend läuft im Gemeinschaftsraum des CP „Kevin, Home alone“.

Der Stefanstag ist ein fauler Tag. Am Hafen stellen wir fest: die Fähre nach Galeta Tortel hätte für morgen noch einen Platz frei, der nächste offene Termin ist erst am 21.Februar! Alles ausgebucht. Wir sind in einem Dilemma: sofort Richtung Wärme durch die Fjorde ohne Chris, Angie, Walter oder ab nach Süden, mit schlechter Wetterprognose, einer besonderen Landschaft, Ende der Strasse und Ushuaia abhaken, ev, günstiger Tripp in die Antarktis. Die Entscheidung muss zu kurzfristig gemacht werden. Wir fahren nach Süden! Der Fischladen hat leider nur gefrorenen Pangasius u.a. Seafood, keinen Lachs. Bei Chris&Angie bekommen wir Apéro. Im Vegi-Shop Bananen, Aprikosen (unreif und hart wie aus dem Wallis!) Kirschen etc. In der Recasur Ferreteria bekommen wir Ersatz für die defekten Scheibenwischer. Zum z’Nacht gibt’s Heidi’s G’hacketes mit Bohnen, Gemüse und Kartoffelstock. Mmmmh!

Walter bleibt noch in Puerto Natales: er ist auf einem gäbigen CP, Einkauf und Restaurants sind in der Nähe und unsere Geschwindigkeit wird ihm zu schnell. Wir fahren mit Chris & Angie durch die chilenische Pampa Richtung Punta Arenas durch eine hügelige Landschaft mit bizarren nebelfeuchten Wäldern mit langen Flechten.

Ein Vorgeschmack auf Feuerland. Endlose Farmlandschaften mit Schafen. Ein paar Salzseen. Die Sonne scheint, wenige Wolken, gute Strasse, wenig Verkehr passen uns. In Punta Arenas kaufen wir im grossen Unimarc ein, darunter ein gebratenes Huhn zum z’Nacht. Chris und Angie tauchen auch bald auf. Im Hinterhof von Victor’s Werkstatt können wir über Nacht bleiben.

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