Los Lagos 1

Wir haben in Puerto Montt, bei der COPEC-Tankstelle die Nacht verbracht. Wir geniessen den Kaffee bei Sonnenschein und kühlem Wind. Unsere Dreckwäsche werden wir in der Lavanderia los, können sie jedoch erst nach dem Wochenende abholen.. Der Mercado Munizipal ist wieder einmal so richtig farbig und mit kräftigem Geruch. Bevor wir uns in einen Kaufrausch stürzen, essen wir ein feines Seafood-Menu. Über das Wochenende fahren wir über die Autobahn nach Norden nach Llanquihue auf den Camping Werner am gleichnamigen See. Die deutsche Familie ist vor 150 Jahren hierher ausgewandert, sie sprechen immer noch deutsch, obschon sie noch nie in Europa waren.

Über dem See leuchtet prominent das Wahrzeichen der Gegend, der schöne, symmetrische Vulkan Osorno.

Den Sonnenuntergang geniessen wir vom Logenplatz aus.

Der Platz ist voll und daneben findet das jährliche Bierfest statt: Oktoberfest im Januar. Rosamunde, Schneewalzer, Ambos-Polka & Co. lassen grüssen bis spät in die Nacht.

Am Morgen sehr früh aufstehen für den ultimativen Sonnenaufgang beim Osorno aber irgendwie stimmen unsere Uhren nicht.

Wir geniessen einen faulen Sonntag bei viel Bum-Bum-Musik im bayrischen Rhythmus.

Wir können die Wäsche abholen. Kookaburra bekommt auch ein Schaumbad, so sieht er wieder richtig schön aus. Er bekommt noch ein paar Fettspritzer in seine Gelenke. Hungrig kaufen wir im Unimarc ein. Das ist gar nicht gut. Die Einkaufstaschen überquellen von den Spontankäufen. Im Mercado Municipal decken wir uns zusätzlich mit Früchten ein

Seetang

Seafood

Riesenknoblauch

und verschlingen ein Paile Mare, eine Suppe mit vielen Muscheln

und ein Curanto, ein Eintopf mit Meeresfrüchten, geräuchertem Speck, gebratenem Poulet und Kartoffel, beides Spezialitäten der Region Chiloé.

Vollgefressen erreichen wir unser heutiges Ziel, Petrohue hinter dem Osorno am Lago Todos Los Santos auf einer schönen Fahrt dem Lago Llanquihue entlang.

Hotels, Ferienhäuser, Villen und die schönen Vulkansandstrände laden zum Ferien-machen ein. Der Osorno versteckt sich zuerst hinter Wolken, am Abend ist er wolkenfrei.

Er wirft einen langen Schatten über den See und die Bergkette zum spitzen Vulkan Puntiagudo.

Wir finden einen absoluten „Cosy-Spitzenplatz“ direkt am See mit vollem Blick auf den Osorno. Ein Traum! Und der Wind hat auch noch aufgehört.

Die Nacht ist absolut ruhig, die Milchstrasse leuchtet. Nur am Morgen meint jemand, er müsste seine hochwertige Musikbox laut laufen lassen, in diesem Paradies der Stille. Der Himmel ist bedeckt, der Osorno in den Wolken.

Wir fahren zu den Saltos de Petrohue. Hier wurde der Fluss von Lava gestaut, mehrere Fälle überwinden diese Barriere.

Er punktet mit seinem glasklaren, türkisfarbenen Wasser und den bizarren Felsformationen.

Auf der V69 umrunden wir den Volcan Calbuco. Zuerst ist die Strasse noch geteert doch dann folgt übles Ripio.

Im Fjord gibt es viele Aquakulturen, u.a. Tintenfische, wahrscheinlich die ganze Sammlung der Mariscos (Meeresfrüchte).

Die Landschaft ist prächtig, verwunschene Wälder mit patagonischen Laubbäumen, Eucalyptus und Bambus.

Leider verhüllen Wolken den Vulkan. Nach der Brücke über den Rio Puelo zweigen wir rechts auf einen schönen Platz, windgeschützt, Blick auf den Fluss und Feuerstelle.

Zum z‘Nacht gibt‘s den grossen Merluzzo vom Mercado Munizipal auf einem Sojasprossen-Broccoli-Champignon-Bett.

Weisch wie fein!! Kaffee am Lagerfeuer.

Um 2 Uhr Stimmen und Lärm: Junge sind spät angekommen, suchen laut Holz für ein Feuer. In den Unterhosen, voll bewaffnet mit Klappspaten und Pfefferspray verteidigen wir unseren Platz.

Sonne, leicht bewölkter Himmel, das Schreien eines Tourette-Syndroms (oder einfach Lebensfreude) in der Nachbarschaft, wir wachen relativ früh auf, geniessen den Morgen und fahren auf der V69 weiter, zuerst auf röhrendem Asphalt, dann dem berüchtigten südchilenischen Ripio! Rechts der Fjord mit vielen Aquakulturen, links die hohen bewaldeten Berge mit den Gletschern auf den wolkenverhangenen Gipfeln.

Die Ziegen auf der Strasse lassen sich kaum stören vom Verkehr.

Frühlings-Orchideen am Strassenrand.

Kleine Dörfer der Wassergärtner, Cabañas und Ferienhäuser für die Touristen. In Caleta Puelche wartet die Fähre auf uns und bringt uns auf die andere Seite des Fjords nach La Arena. In Chaicas verführt uns Mapsme auf eine Grab’sche Abkürzung durch einen engen, zum Schluss sehr steilen Feldweg zum NP.

Wir besprechen die Tour von Morgen mit dem Ranger, laufen durch einen kurzen Urwaldtrack und bleiben auf dem CP in der Nähe, direkt am Fluss.

Bei schönstem Sonnenschein geniessen wir den Apéro und zum z‘Nacht feine Wraps mit Ghacketem, Salat, Guacamole, Käse und als Beilage in Butter gebratene Maiskolben. So wird man zum verwöhnten Mitesser.

Der neue Tag verspricht viel Sonne. Wir bereiten unsere Brötchen für den Imbiss zu. Wir wollen zur Laguna Triángulo, 10km mit 500m Höhendifferenz, total 28 Lkm, ca 7Std. Schaffen wir das?

Der Anfang ist noch flach, zieht sich aber in die Lange bis zum Wasserfall und der tausendjährigen Alerce Andino.

  

 

Der Weg führt durch einen wilden, dichten und undurchdringlichen Kaltregenwald. Hohe Farne, Bambus und dichtes Moos säumen den Weg.

Nach dem Wasserfall steigt der Weg steil an und sinkt wieder auf die Höhe der Laguna Chaiquenes. Er ist durchsetzt mit Wurzeln und Schlammpfützen. Von der Laguna geht‘s dann sehr steil hinauf, mit kleinen Kletterpartien.

Bei der Bachüberquerung ist der Weg geschlossen. Ein Parkwächter zeigt uns den Weiterweg über eine Naturbrücke: ein alter Baum liegt quer über dem Bach.

  

Hier erscheint der Urwald noch recht ursprünglich: viele grosse, alte Bäume, durchmischt mit kleineren und Gebüsch, nicht mehr sehr dicht.

Nur ist ein Vorwärtskommen hier ausgeschlossen, weil die Bodenschicht tief mit Moosen und abgestorbenen Bäumen durchsetzt ist. Die Bäume brechen meist über dem Boden ab, sie sind bis in die Wurzeln hohl.

Nach 3 1/2 Stunden erreichen wir die traumhafte Laguna Triángulo. Sie bietet mehr als erwartet, sie liegt in einem tiefen Kraterkessel, das Wasser ist kristallklar.

2 Junge Touristen wagen das Bad im kühlen Wasser. Riesige, zwar schöne, Brämen reizen unsere Geduld.

Unterwegs begegnen wir einer riesigen Hummel. Sind wir hier im Jurassic Park? Wir vertilgen unsere mitgebrachten Brötchen und brechen bald wieder auf zum Abstieg. Der ist nicht etwa viel leichter, im Gegenteil, die hohen Stufen müssen nun „runtergerutscht“ werden. Bald macht sich der Muskelkrampf bemerkbar.

Endlich sind wir wieder bei der Laguna Chaiquenes, der Weg wird wieder etwas „normaler“.

Nach dem Wasserfall ist der Weg touristengerecht flach ausgebaut. Aber der zieht sich noch „unendliche“ 4 1/2 km bis zum Parkeingang.

 

Wir sind fix & fertig, müde abgeschlagen aber doch stolz: wir haben die ganze Strecke in 7 1/2 Std gemacht. Der Urwald war den Besuch absolut wert, der Wasserfall ist sehenswert, die Laguna Chaiquenes ist ein schöner Bergsee und die Laguna Triängulo hat für die Strapazen entschädigt.

Nur für die tausendjährige Alerce Andino allein lohnt isch der Tripp hierher nicht. Sie ist eingeengt in einen Beobachtungssteg, voll mit Selfie-Touris.

Wir wollen nicht mehr weiter und bleiben im selben CP. Eine rasche Nudelsuppe genügt uns gegen den fehlenden Hunger.

Sonnenschein und das Rauschen des Flusses wecken uns. Porridge mit Früchten und Joghurt, ein feines z‘Morge, dann geht‘s los zum anderen Eingang des NP nach Correntoso / Pangal.

Nein, da müssen wir nicht rüber.

Zuerst zügig Asphalt, dann die Bergstrecke Ripio. Warum verkauft eigentlich ein Geschäft „Ripio“? Aha, Wellblech! Oder doch „Kies“? Der Küste entlang viele Aquakulturen und Ferienhäuser, Cabañas, „se vende“. Über dem NP liegen dicke Wolken, doch hinter den Bergen eitel Sonnenschein. Die Parkverwaltung eröffnet uns, dass die alten Alerces hinten im Park nicht zugänglich sind: sehr schlechter Weg. Trotzdem möchten sie den normalen doppelten Einheimischen Tarif.

Das passt uns nicht, wir kehren um und legen uns beim schönen Ausguck, den wir Mirador Calbuco nennen, zur Ruhe, natürlich mit feinem Apéro, lesen und Compi-Arbeit.

Auf der Gegenseite des Tales grüsst der schneebedeckte Volcano Calbuco Wir lassen Puerto Montt warten. Bei heisser Sonne geniessen wir den freien Tag.

Wir erwachen bei schönstem Sonnenschein, das Tal liegt unter einem Nebelmeer, darüber der stolze Volcano Calbuco im blauen Himmel.

Die Bienen der Apiculteure sind fleissig am Nektar sammeln. Auf dem Weg nach Puerto Montt begegnen wir vielen „Entwicklungszonen“ für neue Wochenendhäuser mitten im Wald. Da läuft die Post ab!

Eine auffällige Kirche ist deutschen Auswanderern letzte Ruhestätte.

In Puerto Montt versuchen wir die Gasflasche aufzufüllen. Geht nicht. Wir besuchen nochmals den Mercado Munizipal, kaufen Früchte und schlagen unsere Mägen voll mit Curante und Fisch aus dem Dampf. Über die R5 erreichen wir die Fähre, die uns in einer halben Stunde nach Chiloe bringt.

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