Singapore

Besuch in Singapore

Wir sind gespannt auf die Veränderungen in Singapore. Wir wissen ja, dass sich dieser Stadt-Staat im ständigen Wandel befindet. Als wir 2008 Singapore verliessen, waren riesige Bauvorhaben in Gange: Bei der Marina und auf Sentosa waren 2 Resorts im Bau für je 5 Milliarden S$. Daneben an der Orchard Road verschiedene Shopping Centers, im Botanischen Garten eine riesige Baugrube für einen neuen „prähistorischen Teil“  und „auf dem Land“ neue Wohnsiedlungen. Eine neue MRT-Linie ist angefangen, neue Autobahnen quer durch die Stadt und am Meer ist ein neuer Plausch-Garten geplant. Und jetzt, 6 Jahre danach?

Der Center-Circle der MRT ist voll in Betrieb, die Autoschlangen wälzen sich über neue Autobahnen ins Zentrum der City, die neuen Shopping Centers sind voll Shoppers wie eh und je. Wo kommen die nur her? Von den neuen Siedlungen, die eigentlich kleine Städte sind?

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Das Sand Resort an der Marina ist schon weltberühmt wegen der eigenartigen Form: 3 Hochhaustürme sind auf dem Dach mit einer Art Schiff verbunden, auf dem grosse Swimming Pools einen nahtlosen Überblick über die City verschaffen.

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Das Formel-1 Rennen mitten in der Stadt gehört schon „zum Inventar“. In Singapore wird nicht gekleckert, hier wird geklotzt! Neue Baustellen zeugen vom unentwegten „Fortschritt“. Keine Gedanken an die Zukunft der Erde, an die endlichen Limiten der Ressourcen. Reine freie, gesteuerte Marktwirtschaft im „besten Sinne des Kapitalismus“. Hier gelten keine Grenzen.

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Auf unserem Rundgang durch den Botanischen Garten kommen nostalgische Gefühle auf. Das sehr üppige Grün der tropischen Pflanzen, die Regenwälder, die unzähligen Duftimpressionen und der Sound der Vögel vermissen wir schon. Wie konnten wir nur die Tropen verlassen? Aber es ist ein grosser Unterschied, ob man in Singapore arbeitet oder hier in die kurzen Ferien geht oder als Rentner hier leben muss. Auch hier kostet das Brot nicht mehr 20 Rappen! Der „Prähistorische Garten“ wurde zum „Evolution Garden“. Er zeigt die Evolution der Erde, angefangen vor 4.5 Milliarden Jahren , die Kontinentalbildung, das Erwachen des Lebens in allen seinen Formen und die Entwicklung der Pflanzenwelt. Urtümliche Pflanzen stehen hier als wären sie schon immer da  gewesen. Moose und Flechten überziehen die Felsen. Die Bäume teilweise über hundertjährig. Der Urwald „wie richtig“.

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Vanda ist die National-Orchidee von Singapore

Vanda, National Flower of Singapore

Im Orchid Garden bekommen wir mit, weshalb hier immer alles blüht: emsig sind Gärtner damit beschäftigt, neue, blühende Orchideen aus den Treibhäusern einzupflanzen. Aber eindrücklich ist das allemal!

Garden by the Bay

Was ist aus der Idee „ Blumengarten an der Bay“ geworden? Bei unserer Abreise war die Gegend hinter dem „Sands“ ein lockerer Parkwald mit Walking Tracks und Hawker Centers („Strassenfressbuden“). Wir erwarten dort einen neuen Park mit vielen Blumen, schönen Bäumen, Grill- und Spielplätzen. Was wir aber vorfinden, verschlägt uns die Sprache: schon von weitem leuchten riesige Glashäuser aus dichten Wäldern, getopt von riesigen, kunstvollen Stahltürmen in Baumform. Kitsch as Kitsch can? Mit nichten! Bei näherem Betrachten sind die Konstruktionen sorgfältig mit Pflanzen auf der ganzen Höhe bedeckt. Mit dem Lift können Besucher 22 m hoch über dem Wald die Vogelperspektive geniessen und auf den Garden by the Bay, die Türme des Sands-Resorts und die Skyline der City bis zum Flyer, dem Riesenrad auf der anderen Flussseite, herabschauen.

Garden by the Bay Garden by the Bay

Oder in 55m Höhe im Restaurant essen. Auch die Glashäuser haben es in sich: Im „Flower Dome“ sind hunderte Pflanzenvertreter aus allen Erdteilen, u.a. Jahrhunderte alte Olivenbäume aus dem Mittelmeerraum.

Garden by the Bay Garden by the Bay Garden by the Bay

Schon nach 6 Jahren sehen die aus, als wären sie schon immer da gewesen. Die Australienflora stimmt uns auf unser nächstes Ziel ein. Schon die schiere Grösse stellt alles in den Schatten. Alles? Nein, denn das kommt erst im „Cloud Forest House“: ein 35 m hoher Berg mit grossem Wasserfall und Felsstrukturen, vollgepflanzt mit Pflanzen aus den kühl-feuchten Hochlandtropen versprühen im Nebel eine Üppigkeit die seinesgleichen sucht.

Garden by the Bay Garden by the Bay Garden by the Bay

Was wir als kleine Zimmerpflanzen kennen, wächst hier um ein Vielfaches grösser und wilder. Seltene Hochgebirgsorchideen oder fleischfressende Pflanzen, Moose, Farne und Bromelien bedecken die Bergkonstruktion. Der Eindruck: einfach gigantisch. Wieder nicht gekleckert, sondern geklotzt. Will Singapore hier einfach nur seine wirtschaftliche Stärke demonstrieren? „Wir sind die Grössten und machen alles noch grösser“, quasi als Kompensation eines versteckten Minderwertigkeitskomplexes wegen der Landesgrösse? Beim Rundgang kommt man zuletzt durch einen Vorführraum, der alles klar macht: der ganze „Garden by the Bay“ ist eine ökologisch autarke Konstruktion und verwirklicht die neuesten Erkenntnisse der Botanik, der Lebensräume, der Ökologie, dem Recycling und der autarken Energieversorgung: Das Regenwasser wird aufbereitet für die Pflanzen. Pflanzenabfälle werden in Biogas und Bioenergie umgesetzt, kompostiert als Dünger und Pflanzenerde eingesetzt. Die hohen „Baumtürme sind Sonnenkollektoren für Wärme- und Stromgewinnung. Der Strom wird für die nächtliche Beleuchtung und die Wasserpumpen eingesetzt. Alles in allem höchste Technologie im natürlichen Kleid. Da kann man nur sagen: Chapeau, Singapore. Hier setzt Singapore ein eindrückliches Bildungskonzept für die nächsten Generationen um.

Diese aussergewöhnlichen Eindrücke sollen aber nicht von den Menschen ablenken: geht es ihnen ebenso gut wie all den Projekten? Wir können folgende Kategorien unterscheiden:

  • Die „glücklichen Businessleute“ die zwar gestresst, aber sonst zufrieden mit ihrem Leben sind. Sie sind jung, haben genügend Geld, haben einen befriedigenden Job und gehen abends gesellig aus.
  • Die „Ameisen“ sind fleissig, arbeiten von früh bis spät, lenken sich sitzend, stehend, laufend, essend mit Handy und iPad ab. Lesen unsinnige Facebookbeiträge (have just put lipstick on my lips), schauen sich Filme an oder hören irgendwelche Musik. Kommunikation = 0. Ohne iPhone und iPad laufen sie wie Zombies herum, abgelöscht, ins Unendliche gerichteter Blick.
  • Die Alten versuchen, sich mit irgendwelchen Jobs über Wasser zu halten, die Gesichtszüge verwittert oder verbittert.
  • Die Reichen, gepflegt, gebotoxt, topgekleidet, mit rassigen, teuren Autos, leben mit Maid in teuren Villen.
  • Die Alten, Gebrechlichen und Behinderten waren für uns in der Vergangenheit nicht existent: irgendwie wurden sie in Singapore in Ghettos versteckt. Heute sieht man recht häufig Leute in Rollstühlen. Die Gebäude und Transportwege müssen rollstuhlgängig gemacht werden.
  • Die Kinder laufen in adretten Schüler-Uniformen herum mit runden Brillen, wie Studiosi. Anders als in der Schweiz, wo eine starke Konkurrenz herrscht: „ich laufe doch nicht mit einer Migros-Tasche herum. Ich will auch ein Prada-T-Shirt.“ Wenn die Regierung den Babybonus erhöht, steigt die Geburtenzahl.
  • Die Maids, klar zu erkennen, entweder als Baby-stossendes oder -tragendes Kommunikationszentrum: dauernd an telephonieren (mit alten Handymodellen) oder am Sonntag als dichte Masse vor billigen Shoppingcenters. Meistens mit etwas rauhen Gesichtern aus den Phillippinen oder Indonesien stammend.
  • Wenn Du einen älteren Asiaten mit einer jungen Asiatin siehst, kannst Du wetten, dass er sie auf eine Matching-Party in Vietnam gefunden hat.
  • Die vielen Expats sind:
  • entweder Junggesellen, vielbeschäftigt, jetten in Asien herum und haben, wenn sie Banker sind, überrissene Einkommen, Egos und Barrechnungen. Mit ihrem Slang bewegen sie „Kisten“ statt Millionen. Wechselnde Beziehungen mit aufgeweckten jungen Asiatinnen.
  • oder verheiratet, mit Frau und Kindern. Sind dauernd auf Business-Trip, Member des Vielflieger Clubs. Ihre Ladies sind dank  Maid für Putzen, Kochen und Kinderhüten unterbeschäftigt, warten im Club bei einem Cocktail mit „Leidensgenossinnen“ auf ihre Kinder aus der International School.  Die Themen kreisen um „Homeleave“, Ferien in Bali und Japan, die Clubbesuche und Shopping.
  • oder „Desperatlies“, besonders ältere Expats. Du erkennst sie sofort: sie schlendern Hand in Hand mit einer jungen Asiatin durch die Orchard Road. Sie klebt an ihm, denn sie sucht „desperately / verzweifelt“ die Sicherheit für ihr zukünftiges Leben und er sucht wegen seinem Alter und seinem Aussehen (etwas entfernt von George Clooney) „desperately“ eine „handsome / handliche“ Frau, die ihn verwöhnt. Wenn sie dann heiraten, werden ihre Freundinnen sagen:  „she made it! Sie hat es geschafft!“.

Wie bei allen Clischees gilt auch hier: Ausnahmen sind die Regel.

Shopping ist eine der wichtigsten Beschäftigungen der Singaporians. Deshalb befinden sich an jeder grösseren Strassenkreuzung mindestens vier Shopping Centers. Entweder sind dort Prada, Gucci & Co vertreten, oder es gibt viele kleine private Shops mit allem Möglichen und Unmöglichen: ein 1-$-Shop verkauft alles für einen $. Eine Essbude verkauft gezuckertes, gerräuchertes Schweinefleisch. Unmengen Kleider „Made in China“ in allen Kindergrössen für die kleinwüchsigen Asiatinnen. Du findest aber auch einen H&M der im Ausverkauf die Wintergarderobe los werden will: dicke Pullover, warme Wollschals Felljacken etc. Entweder haben die eine neue Marktlücke entdeckt oder die Europa-Zentrale hat weltweite Verkaufsziele festgelegt: sie sind weit und breit die einzigen mit einem solchen Sortiment. Bei unserer Heimkehr vor 6 Jahren wären wir froh gewesen um diese Artikel: von den heissen Tropen flogen wir im Juni ohne warme Kleider direkt in die Schafskälte, und in der Schweiz waren im Hochsommer keine warmen Kleider zu finden.

Musst Du dringend um 3 Uhr morgens ein Velo, ein T-Shirt und einen Liter Milch kaufen, gehst Du zu Mustafa. Hier bekommst Du alles 24/7/365 rund um die Uhr das ganze Jahr.

Essen in Singapore ist ein spezielles Thema: brauchst Du dringend ein Fondue: geh in den Schweizer Club. Reichen Dir Rösti mit Züri-Geschnetzeltem, geh ins Marché. Aber wenn Du asiatische und internationale Spezialitäten magst, bist Du hier richtig: Im Hawker Center bekommst Du für wenig Geld jede Geschmacksrichtung, ob in Little India oder Chinatown oder in jedem grösseren Zentrum.

 Little India Little India

China Town China Town

Muss es der Gault-Millaut Koch sein oder ein original Peking Ente: Du hats die Qual der Wahl. Aber eines solltes Du nicht verpassen: geh zu Maggie an der Liang Seah Street und bestelle Black Pepper Beef, Honey glaced Chicken, Shrimps in roasted Oatmeal. Du wirst es nicht bereuen.

Maggie's Maggie's

 

In Singapore fallen die vielen Taxis auf. Das Herbei-Winken eines Taxis mit gesenkter Hand ist so normal wie in der Schweiz das Grüssen. Der Taxi-Service ist top: bei einem Anruf, fragt die Computerstimme, ob man zu Hause oder am Arbeitsort oder sonstwo abgeholt werden will. Nach ein paar Sekunden gibt die Stimme bekannt, welches Taxi (mit Kennzeichen) nach wieviel Minuten auftaucht. Wehe Du bist dann noch nicht bereit!

Sonst bewegst Du Dich mit der MRT (Mass Rapid Transport, und das ist auch so zu verstehen: schnell Massen transportieren): schnell, bequem, überall, günstig. Oder das gut ausgebaute Bussystem. Als schneller Überflieger buchst Du den Hop-on-Hop-off Bus: vom Flughafen in die Stadt, bei allen wichtigen Touristenspots vorbei, günstig. Autofahren in Singapore kannst Du auch. aber Achtung: links Verkehr, dicht, eigene Regeln, Parkplätze in Parkhäusern. Du brauchst eine spezielle Zahlkarte für die Strassengebühren (ERP, (Elektronic Road Prizing) und die Parkhäuser. Wehe Du hast einen Unfall mit Alkohol im Spiel, da gibt es nur eins: mit dem nächsten Taxi zum Flughafen und raus aus dem Land und nie mehr zurückkehren!

Genügen Dir all die „Biggest, Greatest“ noch nicht? Dann vergiss nicht, dass Singapore noch mehr davon zu bieten hat:

Vergiss den Singapore Sling nicht in der Long Bar im Raffels Hotel. Die Atmosphäre ist sehr speziell:

Raffles Long Bar

Raffles Long Bar  Raffles Long Bar 

 

Im Bird Park findest Du „die schönste Sammlung an wildlebenden Vögeln. Du kannst mit dem Zug in die Volière fahren und durch ein Dschungeltal mit 30m hohem Wasserfall wandern.

Auf einer Night Safari bummelst Du (oder für lazy people: fährst Du mit dem Zug) nachts durch den Regenwald mit all den wilden Tieren. Du hörst die brüllenden Löwen, stehst hinter einem Busch direkt vor den hungrigen Hyänen oder wirst von Flughunden bepisst.

Der Zoo Singapores ist auch sehr speziell: im Regenwald sind verschiedene Biotope aus der ganzen Welt aufgebaut, wo sich die Tiere sichtlich wohlfühlen und die Menschen sie sicher und nicht störend beobachten können.

Ich kann nicht auf all die interessanten Museen und „Heritages“ eingehen. Auch für die vielen, hochstehenden kulturellen Anlässe brauchst Du viel Studienzeit. Nimm sie Dir, es lohnt sich. Denk dran: 2015 ist ein spezeilles Jahr für Singapore: 50 Jahre seit der Gründung. Ich kann mir vorstellen, dass die Aktivitäten am 9.8.2015 alles Bisherige in den Schatten stellen.

Singapore hat sich nicht verändert, Singapore ist Veränderung.

 

4 Gedanken zu „Singapore“

  1. Oh ihr Lieben, danke für den lebendigen, farbigen und ausführlichen Bericht aus S. Mein letzter Besuch war 2013. Es ist immer wieder toll aus der Stadt meines Herzens so bunte Schilderungen zu lesen. Danke, danke, danke, dass Ihr mich entführt habt in diese Welt und ich daran teilhaben darf. Ich wünsche euch weitere tolle, farbige, herzerwärmende, spannende und so weiter Erfahrungen. Bis bald, Melanie

  2. Ist ja sehr spannend über Singapur zu hören.
    Hier warten wir auf Schnee zumindest in den Bergen.
    War am Sonntag in Zürich mit Myrtha. Dachten die Läden wären offen. Nein es war Silvesterlauf bei mildem angenehmem Wetter
    Um euch gluschtig zu machen ,bei mir schmeckt es nach Weihnachtsguetsli
    Gruss aus Bülach Elsi

  3. Freue mich sehr über Euren Bericht, War noch nie dort, aber es ist richtig Einladend mal Singapore zu besuchen. freue mich schon auf den nächsten Bericht. häbet euch Sorg. liebe Grüsse Anna

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