Pantanal Auf der Suche nach dem Jaguar

Wir suchen uns einen Platz für die nächsten paar Tage. Wir wollen eine „Jaguar-Tour“ mitmachen. Das Pantanal-Jaguar-Camp liegt mitten im Dschungel, unter Palmen.

Es wirkt neu, bereit für die vielen Touristen, die entweder hierher fliegen oder mit dem Geländewagen über die Transpantaneira von Cuiabá hierher transportiert werden.

Adler, dunkelblaue Hyazinth-Macaw-Papageien, Tukane, Affen, Capibaras und viel anderes Getier kreucht und fleucht umher.

 

       

Ausser dem Gekreische der Vögel Totenstille und das Kesseln des Kochgeschirrs in der Küche. Ein Schmetterling sucht etwas Süsses in den Orangenschalen. Bääh, nichts für ihn.

Zum Mittagessen liegt ein feines Büffet mit Salat („cook-it, peal-it or forget-it“ vergessen wir), Reis, Linsen, Gurkengemüse, Fisch und Fleischvogel bereit. Die Touristen aus den USA, Irland und Holland kommen von ihren Touren zum Futtertopf. Ein fischender Jaguar wurde gesichtet. Wir buchen die Tour für morgen und machen uns einen gemütlichen Nachmittag mit Internet (ja, das WiFi funktioniert ganz ordentlich, über Satellit, auch wir sind immer noch News-Junkies!) sowie einem Spaziergang durch den Dschungel zum Fluss.

  

  

Mücken sind hier eigentlich eine Dauerplage. So sind wir ganz glücklich, dass wir den Dutzenden Herr werden. Zum z’Nacht lassen wir uns von der Kochkunst der Lodge verführen.

Heute müssen wir früh aufstehen: um 6 Uhr gibt’s Morgenessen und vor 7Uhr ist Abfahrt, auf die Jaguar-Tour. Wir sind 6 Touristen im Schnellboot, neben der Schweiz sind Holland, Spanien, Kanada und am Nachmittag noch Italien vertreten. Wir fahren rassig den weiten Rio Cuiabá hinauf mit einem kurzen Abstecher in den Corixo Negro. Wir suchen angestrengt die Uferböschungen ab.

Bei Hochwasser graben Fische diese Löcher für ihre Brut.

Die verschiedensten Reiher, Kormorane, Adler fliehen vor uns in die Luft, setzen entfernt wieder ab.

  

Kingfisher (Eisvögel) warten auf ihre Gelegenheit.

Ein Kardinal leuchtet mit seinem roten Kopf, ein orangeroter Oriol.

Das Pantanal bietet eine enorme Vielfalt an Vögeln, eine Fundgrube für Ornithologen.

Träge liegen die Kaimane im Wasser oder auf den Sandbänken.

Eine Riesenotter Familie schwimmt elegant durch die schwimmenden Hyacinthen, aber eigentlich suchen wir was anderes.

Plötzlich kommt Heltik auf. Wir wenden und fahren den Fluss wieder hinunter, bis wir weitere Boot am Ufer sehen: da steckt er, der Jaguar!

 

Ja wo denn? Im Gebüsch sind Lichtflecken zu sehen. Nur Gebüsch! Doch, da haben sich Lichtflecken bewegt. Jetzt sind die Konturen deutlich zu sehen. Er sitzt da, schaut uns gelangweilt an und streckt uns die Zunge raus. Hä, nichts zu machen, ich schlage mich in die Büsche. Und weg ist er. Nicht gerade befriedigend. Nach einer Wartepause kommt wieder ein Funkspruch. Noch ein Jaguar. Diesmal im Wasser.

Er schwimmt kräftig gegen den Strom den Schwimmpflanzen entlang. Es ist Jasy, gut zu erkennen an seiner hängenden Oberlippe. Er biegt ins Schilf ab. Doch dieser Platz ist besetzt von einem Kaiman. Kurzes aufschäumen und der Jasy zieht weiter, verschwindet dann im hohen Schilf. Warten bringt nichts.

Ein Hirsch wundert sich über die vielen Zuschauer

Es ist Zeit für die Rückkehr ins Camp zum Mittagessen.

Eine Riesenotter Familie geniesst den Mittagsschlaf an der wärmenden Sonne.

Sie lässt sich von uns nicht stören.

Ein Jabiru-Paar steht stoisch auf einer Sandbank. Der grösste Storch Südamerikas.

  

Nach der Mittagspause geht die Suche weiter. Weit flussaufwärts.

Nur das übliche: Vögel, Vögel, Vögel, Kaimane. „Nichts besonderes“.

  

  

Nur weil wir auf unseren Jaguar warten. Eine Spur im Sand.

Doch plötzlich kommt Hektik auf, wir drehen um und nun geht es im Höllentempo mit über 60km/h den Fluss runter, in einen Seitenarm.

Das Boot berührt die Wasseroberfläche kaum, wir fliegen fast. Und da ist diese wunderbare Katze. Im hohen Gras zwar, aber doch fast freigestellt. Ein ganze Stunde können wir das majestätische Tier beobachten.

Es ist vorsichtig auf der Suche nach etwas Fressbarem. Einmal eine kurze, vergebliche Attacke auf einen Vogel. Doch irgendeinmal hat es genug von der Show und verschwindet im hohen Gras.

Nach weiterem Warten wieder Hektik. Umdrehen, Höllentempo und da steht wieder einer, guckt keck aus dem Gras, lässt sich beobachten, aber nur kurz.

Es ist schon bald Abend, wir haben ein paar herrliche Tiere gesehen. Das Pantanal ist wirklich eine Reise wert.

  

 

 

 

  

  

  

Da rufen uns Fischer. Hört! Ein Knurren und Fauchen geht um hinter den Büschen. Die Spannung steigt. Da kommen sie, ein kleineres Weibchen wird von einem stattlichen Kater verfolgt, bedrängt.

Auf der Präsentationsbühne dreht sie sich wütend um, faucht ihn an. Es ist Juka. Entsetzt schreckt er zurück, kann aber sein Werben nicht lassen. Juka lässt sich jetzt nicht drängen und verschwindet in den Büschen.

Entspannt kehren wir bei Sonnenuntergang zurück. Die blaue Stunde verfärbt den Himmel blau-orange-gelb.

Beim Abendessen tauschen wir die Eindrücke aus. Wir werden morgen abreisen, die andern haben noch weitere Tripps gebucht

 

Pantanal Rio Paraguay

 

Das Pantanal ist eines der grössten Feuchtbiotope der Welt und gehört seit 2000 zum UNESCO-Welterbe. Mit einer Fläche von 230'000 Quadratkilometern erreicht es die Grösse von Westdeutschland. Das Überschwemmungsland wird von zahlreichen Flüssen, insbesondere vom Rio Sāo Lourenço, Rio Cuiabà und Rio Paraguai bewässert und vom Rio Paraguai entwässert. Da die Flüsse auf 600km nur ein Gefälle von 30m haben, wird das ganze Gebiet jährlich von den starken Regenfällen im Norden komplet überschwemmt und trocknet wieder aus. Dadurch entsteht ein einzigartiges Biotop mit Wasserflächen, Feucht- und Trockengebieten mit Flüssen, Seen, seichten Lagunen, Savannen, Flussgalerie- und Trockenwäldern.

Das Pantanal ist kaum erschlossen. Viele Farmen sind meistens nur in der Trockenzeit bewohnbar. Der Staat hat 1973 mit dem Bau der Transpantaneira eine Nord-Süd-Verbinung mitten durch das Pantanal begonnen, musst aber mitten drin abbrechen. Diese Strassenverbindung ist in der Trockenzeit über 127 Brücken befahrbar. in der Regenzeit jedoch grösstenteils geschlossen. Dank dieser fehlenden Erschliessung ist das Pantanal ein Pflanzen-, Tier- und vor allem Vogelparadies.
(Wikipedia)

Das möchten wir auf einem nicht ganz gewöhnlichen Weg besuchen und erleben. Mit unserem Kookaburra auf dem Floss von Corumba nach Porto Jofre und auf der Transpantaneira nach Pokoné.

Wir sind an einem wirklich schönen Ort gelandet. Hugo und seine Mutter Jane haben hier ein einmaliges, potentielles Bijou, eine Liegenschaft mit Potential, sie braucht aber etwas Arbeit.

(www.pousadadocachimbo.com.br). In längeren Diskussionen mit Hugo um die Zukunft der Pousada kommen wir uns näher. Die Pousada (Herberge) ist Teil seiner Familiengeschichte, hier ist schon seine Mutter gross geworden. Sein Vater handelte mit Vieh aus dem Pantanal. Hugo war 8 Jährig als sein Vater starb.

  

Hier in Corumba, direkt über dem Rio Paraguay, im Pousada do Cachimbo  bereiten wir uns auf diese Reise vor.

Die Nacht ist ruhig, abgesehen von lauter Samstagabendmusik einer Veranstaltung, die aber kaum stört. Am Morgen wecken uns krähende Hähne, gackernde Hühner und schnatternde Gänse. Wir geniessen einen ausgiebigen z’Morge (mit Magen-Darm-Tee und Breili wegen dem aus Bolivien mitgebrachten anhaltenden Durchfall seit Tagen).

Der Blick auf die Flusslandschaft ist überwältigend. Hugo gibt uns gute Ratschläge und nimmt uns gleich mit in die Stadt. Das Restaurant Laça de Ouro wechselt uns U$ in Real um. Wir essen in der Churrasceria gleich vom grossen Buffet. Anschliessend laufen wir zum Hafen runter: ein Touristen-Schiff macht sich bereit für einen Fischer-Ausflug.

Die Marine sucht neue Leute und hat einen Tag der offenen Kampfboote an der Hafen-Mole.

Wir vernehmen, dass ein Schiff mit Balsa (Floss) in 2-3 Tagen nach Porto Jofre ausfahren wird. Die Schiffsleute sind am grillieren, sie werden am Mittwoch Abend wegfahren. Wir könnten für 1100 U$ oder 6000Real mitfahren. Auf dem Rückweg zum CP lassen wir eine ATM Reals ausspucken. Wir verpassen deshalb den leuchtenden Sonnenuntergang über dem Pantanal.

Die Nacht ist kühl-schwül im Camper. Wir stehen erst spät auf. Hugo will mit dem Bootsführer verhandeln. Das angekündigte Boot macht am Mittwoch nur eine Teilstrecke, kommt für uns also nicht in Frage. Ein anderes Boot läuft jedoch am Freitag nach Porto Jofre aus. Der Preis wird berichtigt auf 3500 Real, inkl. Essen, zahlbar zur Hälfte bei Abfahrt, die andere Hälfte bei Ankunft.. Wir müssen uns überlegen, ob uns dieser Trip oder der Termin für die Rückreise in die Schweiz wichtiger ist.

Der Sonnenuntergang ist nicht ganz so farbig wie gestern Abend, aber immer noch eine sehr schöne Aussicht auf das Pantanal.

„Zu Hause“ geniessen wir einen selbst eingelegten „Suure Mocke“ mit Kartoffelstock à la Heidi.

Nach einer längeren Kälteperiode wird die Nacht feucht-warm, schon lange nicht mehr so geschwitzt. Heute kämpfen wir um unsere Entscheidung: Pantanal oder zeitig nach Hause? Beides sehr emotionale Argumente. Wir haben uns so lange auf das Pantanal gefreut, aber das bedeutet, erst Mitte Juli zurück in der Schweiz. Denn eigentlich war unser Reiseplan anders: wir wollten von Norden nach Süden durchs Pantanal fahren. Wir bekamen jedoch keine brauchbaren Informationen zum Zustand der Transpantaneirea und dem Fahrplan der Schiffe. Die Umkehrung des Weges bedeutet für uns ungeplante 2-3 Wochen spätere Rückkehr in die Schweiz. Wir lassen die Zeit verrinnen, sitzen am Internet, bummeln durch die Stadt, lassen uns vom brasilianischen Essen verführen. Wir müssen das Geld (Effectivo, Bargeld) für die Fahrt organisieren.

Am Freitag heisst es zeitig aufstehen, z’Mörgele, packen, Abschied nehmen von Jane und Hugo. ATM-Besuch, Einkaufen für die nächsten 2 Wochen, Tanken. Nochmals das Büffet im Laça de Ouro geniessen. Dann ab zum Hafen. Die Laura Vicuña und die Balsa (Floss) warten schon um 2 Uhr auf uns.  Wir müssen vom Ufer 1m Höhe überwinden. Aus dem Schlamm werden 2 dicke, massive Bretter herausgezogen, als Rampe aufgebaut und sauber ausgerichtet.

Mit leichtem Schwung befördert sich Kookaburra selber auf die Balsa. Er wird mit einem Seil abgesichert, damit er sich nicht selbständig machen kann.

Dann heisst es warten. Weitere Fracht wird geladen: Futtermittelzusatz, Diesel, Motorenoel, Gasbomben, Bettstatt, Reitersattel, Leder-Lassos, Reisekoffern, Gepäcke, Hühner etc. Die Viehgatter werden fast voll.

Auf dem Schiff reisen noch 20 Passagiere mit. Um halb sechs laufen die Motoren warm. Es ist nur der Generator. Wir nutzen noch die letzten Internet-Signale. Die Sonne verabschiedet sich dunkelrot. Um halb acht kommt nochmals ein voll beladener Lastwagen mit Umzugsgut, Reitsätteln, Kochherd, Schrank, Betten und Passagieren. Werden jetzt die Faziendas im Pantanal für die Trockenzeit eröffnet? Um viertel nach acht fährt die Laura Vicuña endlich aus, hängt sich die Balsa vorne an, schleppt sie aus dem Sumpf, dreht um und stösst uns voran auf den Rio Paraguay in die Nacht hinaus.

Die haben ja sicher modernste Navigationsmittel, Radar und Infrarotscheinwerfer, damit sie den Weg durch die vielen Flussschlingen finden. Oder der Skipper fährt nach seinem Gefühl und seinem sechsten Sinn.

Wie auch immer, bis jetzt ist er noch nicht auf Grund oder in die Büsche gefahren. Wir wären die ersten, die das merken würden. Draussen ist es kalt, wir flüchten in unsere warm beheizte Camper-Stube.

Die Nacht ist kühl, nur 15*C. Ruhig schaukelt unser Floss durch die Nacht. Der Skipper kennt seinen Weg. Er sucht jeweils kurz mit einem Suchscheinwerfer das Ufer ab, so kennt er immer seine genaue Position. Einmal erwachen wir kurz. Das Schiff steht still, wird offenbar entladen. Um halb sieben gibt’s Morgenkaffe mit Brötli. Wir verschlafen den Termin. Erst langsam werden wir wach, machen unser eigenes Müesli. Die Passagiere sind alle noch schlaftrunken (oder immer noch betrunken). Eine Farmerfamilie hat sich häuslich eingerichtet mit Bett, Decke und einfach warm zugedeckt.

Sie zügeln in der Trockenzeit von der Stadt zurück auf die Fazienda, mit dem ganzen Hausrat und zwei Jagdhunden.

 

Wir setzen uns in unsere bequemen Campingstühle zu vorderst auf dem Deck. Wir geniessen den weiten Blick.

Am Rand streift die grüne Hölle oder das grüne Paradies, je nach Sichtweise mit 8km/h an uns vorbei.

Eine undurchdringliche Wand bis ins tiefe Wasser und dahinter Flachwasser. Versteckt sich der Jaguar, die Anaconda dahinter? Wir sehen nichts. Nur die Vögel: Geier, Adler, Papageien in allen Grössen und Farben, Kormorane fliegen über das Wasser.

   

Aufgescheuchte grosse Graureiher schweben wellenförmig vor unserem Ausguck vorüber. Kleine Wasserhyazinthen-Inseln ziehen träge an uns vorbei.

Trotz dem geringen Gefälle von 30m auf sechshundert Kilometer fliesst das Wasser deutlich, sogar mit eine paar Wirbeln. Der Skipper meint, der Fluss sei 30-50m tief, eine riesige Wassermasse. Dabei hat die Trockenzeit gerade begonnen, der Wasserstand ist schon deutlich gesunken und wird noch weitere 3m abnehmen. Am Ufer versinken die Häuser auf ihren Stelzen fast im Wasser. Keller graben ist hier nicht möglich.

Dafür kann das Motorboot fast in die Küche fahren.

Das dunkle Wasser plätschert leise unter dem Floss. Vom Wind bilden sich leichte Schaumkronen.

Am Mittag verlassen wir die dunkle Wolken-Wetterhalle am Himmel, ein grosses Sonnentor öffnet sich gegen Norden.

Endlich etwas Wärme. Das Mittagessen ist einfach, aber gut.

Unser Cookie hat aus Kartoffeln, Reis, Bohnen und Rindsprägu ein feines Menu zusammengestellt.

  

Die Gespräche mit den Mitpassagieren und der Mannschaft sind nicht leicht, wir verstehen kaum portugiesisch. Aber mit Mundart, Zeichen und ein paar Misch-Brocken aus spanisch, italienisch, französisch und englisch können wir uns verständigen.

  

Hörst Du was? Ja, das Schiff fährt langsamer. Hinten wird das Beiboot mit Waren fast überfüllt, 2 Passagiere nehmen Abschied, sie haben ihr Ziel erreicht. Im Caracho zischt das Boot durch einen schmalen Kanal ins Grüne.

Wir fahren weiter ohne anzuhalten. Das Boot wird uns wieder einholen. Fliegend laden und entladen im Fluss!

Gegen Abend erreichen wir Amolar an einem Gebirge mitten im Pantanal, keine Siedlung, nur ein Flugfeld und ein paar Hütten, wie überall im Pantanal.

Die Faziendas sind weit gestreut, sind kaum durch Strassen verbunden. Das einzig Verbindende: Wasser, ein Flugfeld und eine Funkantenne. Die Landung ist etwas ruppig, unser Kookaburra wird in die Äste eines Baumes gedrückt.

Aufgeregt verlassen ein Dutzend grüne Papageien ihr riesiges Nest. Zum Glück bleibt es hängen.

Der Wind erlahmt. Wir schweben auf spiegelglattem Wasser still dahin, dem Sonnenuntergang entgegen. In der blauen Stunde entflammt der Himmel feuerrot.

Magisch. Frösche quaken, über den Büschen schweben dunkle Wolken von Zuckmücken. Bis der graue Deckel alles zudeckt.

Das z’Nacht: eine gehörige Portion Kohlenhydrate: Reis, Bohnen, Spaghetti Bolognese. Wir verziehen uns wieder in die traute Stube unseres Kookaburra zu Kaffe und Kuchen. Das sonore Brummen und leichte Schütteln begleitet uns in den Schlaf.

Die Nacht ist finster, die Sterne im diesigen Nebelschleier. Die Venus begleitet die zunehmende Mondsichel in die Nacht.

Am Schiff leuchten die grünen und roten Positionslichter und der Maschinenraum, sonst ist alles dunkel. Die Passagiere haben sich in ihre Hängematten verzogen schlafen den Schlaf des Gerechten oder den Rausch aus.

Von Zeit zu Zeit leuchtet der Skipper mit dem Suchscheinwerfer das Ufer ab. Er möchte die Kurven nicht allzu eng schneiden. Wir sind fast die einzigen auf dem Fluss. Selten begegnet uns ein Fischerboot.

Den Fluss kennt der Skipper wie seinen Hosensack, jede Kurve, jeden Busch. Keine Gefahr! In der Nacht ein ungewöhnliches Geräusch: neben uns schwimmt ein anderes Schiff und wir stecken tief in den Wasserhyacinthen!

Absicht oder ein Versehen?  Wir wissen es nicht, das Boot geht, wir kommen problemlos flott. Bei Sonnenaufgang parken wir bei der Anlegestelle der Fazienda Sâo Lourenço.

500 Säcke mit Futterzusatzstoffen (Mineralien) werden entladen. Dazu muss unser Floss umgedreht und von hinten entladen werden. Ein Manöver mit 20 Zuschauern.

Der Hundedreck der beiden Jagdhunde Panthera und Dynamiti wird aufgewischt.

Die 6 Hühner bekommen von Jao und Jarra eine Ration Mais zu fressen, sie sollen ja gesund und munter sein und sich auf der Farm tüchtig vermehren.

Wir geniessen den z’Morge: einerseits Spiegelei mit Reis, anderseits Cracker mit Käse und Wurst.

Das Wasser gluckert unter dem Floss. Bald beginnt die Hektik. Das Gros der Passagiere packt und verlässt das Schiff. Reisegepäck in Säcken, die Betten, Büchergestelle, Schränke werden auf Karren geladen.

 

Dann kommt die ganze Fracht dazu: Futtermittelzusätze, Vieh-Salz, ein Dutzend Dieselfässer, Benzinfässer, Gasflaschen, Laserdrucker,  Küchenkombination, Waschmaschine. Alles was man halt so braucht. Auf einer Fazienda. Während der Trockenzeit. Die Karren werden recht überladen, zum Schluss kommen noch die Leute drauf.

Ein schwerer Traktor schleppt ihn durch den Schlamm. Ohne kippen!

Endlich können auch Jao und Jarra ihren Hausrat verladen. Sie wurden vergessen, mit ihren Hühnern und überraschend, mit 2 kleinen frischgeborenen Hundebabies.

Leere Dieselfässer und Gasflaschen kommen auf die Rückreise. Wir haben ein Dutzend neue Passagiere mit ihrem dicken Reisegepäck. Aber immerhin noch keine Kühe!

Derweil beobachten uns ein grosser Alligator, ein Jabiru (der grösste Storch Südamerikas), Geier (Blackhead Jotas, keine Pleitegeier) Reiher, Schwalben und all die uns unbekannten Vögel.

Das Entladen zieht sich in den Nachmittag hinein. Der Skipper ist ganz locker: in 2 Stunden beginnt in Russland der Match Brasilien – Schweiz. Hektisch wird die Satellitenantenne gerichtet. Über Funk sollte er aktuelle Situationsberichte bekommen, wenns mit dem Satelliten nicht funktioniert.

Es ist Sonntag, der 17. Juni 2018 16 Uhr Lokalzeit. Wir sind in Porto Zé Viana. Unterwegs mit der Laura Vicuña auf dem Rio Cuiabá. Mitten im Pantanal Brasiliens.

Die Schweiz (mit 2) und Brasilien (mit 13 Zuschauern) spielen an der WM 1:1 unentschieden.

Die Emotionen gehen kurz hoch: „irregular“ sei das Tor der Schweizer. Die Enttäuschung der Brasilianer, die Freude der Schweizer. Wir malen uns aus, wie wir den Kaimanen zum Frass hingeworfen worden wären, hätte die Schweiz die Brasilianer gedemütigt. Wir können endlich weiterfahren. Mit der Suche nach versteckten Kaimanen oder exotischen Vögeln.

Es sind noch 60km bis Porto Jofre. Wir werden erst am Montag einen Schlafplatz suchen. Wir schweben über einem Spiegel dem Sonnenuntergang entgegen. Die blaue Stunde beginnt ihr Feuerwerk. Mystisch.

Unser Cookie lädt uns zum Nachtmal: Gulasch mit Reis und Bohnen. Wir gehen nicht schlafen, warten die Ankunft ab, mit Lesen und Bildern aufbereiten. Ein kurzer Halt beim Aerodromo Ilha do Caracará. Fässer mit Diesel und Benzin rollen von Bord. Lichter brennen, aber niemand ist weit und breit. Um Mitternacht legen wir an. Vis-á-vis von Porto Jofre im Busch. Entladen wird am Morgen, wir können schlafen gehen.

Bei Sonnenaufgang beginnt leichte Hektik: der z’Morge wird fertig: frittierte Brötchen und sehr süsser Maté-Tee. Dann wird das Boot vom Ufer gelöst und schwimmt auf die andere Seite, zum Porto Jofre. Wir sind die einzigen, die an Land wollen. Dicke Bretter werden sorgfältig ausgelegt.

Die Mannschaft hat ganze Arbeit geleistet.

Im ersten Geländegang, mit Sperrdifferential, fahren wir ganz langsam drüber hinweg. Achtung! Das rechte Hinterrad ist nur noch knapp auf dem Brett. Geschafft. Wir verabschieden uns von der Mannschaft und den Mitreisenden. Wir sind in Porto Jofre heil angekommen.

AUF DEN SPUREN DER MISSIONARE DURCH DAS TIEFLAND BOLIVIENS

Santa Cruz – San Ramon – San Julian – San Javier – Conception – an Silvestre – Santa Rosa de la Roca – San Ignacio de la Vasco – San Miguel de Velasco – San Rafael de Velasco – San Jose de Chiquitos – Taperas – Serrania de Santiago – Robore – Agua Caliente – El Carmen – Palmito – Yacuses – Puerto Suarez – Puerto Quijarro – Corumba

Kurz vor Abfahrt bemerken wir einen Druckverlust am linken Hinterrad: eine 20mm-Schraube steckt im Pneu. Bei der nächsten Gomeria wird das Fz kurzspitz auf der Strasse aufgebockt, der Pneu geflickt. Kooka auf dem Holzbein!

Wir umrunden das Zentrum von Santa Cruz auf dem 4.Ring nach Norden Richtung Trinidad / San Javier. Wir lernen ein neues Bolivien kennen: weites, flaches Land mit grossen Ackerbau- und Viehzuchtfarmen. Wir kommen an grossen Sonnenblumen-, Weizen-, Soja-Feldern vorbei.

Riesige Siloanlagen lagren das Erntegut. Uns fallen die vielen Reklamen der Agrofirmen auf: offenbar können hier noch sämtliche leistungssteigernden Methoden und Pestizide eingesetzt werden.

In den grösseren Ortschaften werden Märkte am Strassenrand abgehalten. Landmaschinenmechaniker haben hier ein gutes Auskommen im Unterhalt der alten und neuen Maschinen. Bei San Ramón beginnen die Serranias, ein hügeliges Gebiet bis 600müM mit vielen Estanzias.

Eine Gegend, die von den Jesuiten und anderen Missionaren vor 300 Jahren erfolgreich bearbeitet wurde. Fast jeder Ort ist nach einem Heiligen benannt. Die Kirchen bilden das sichtbare Hauptzentrum. Kloster-und Dorfeinrichtungen standen den Bekehrten als zivilisierte Unterkunft zur Verfügung. In San Javier suchen wir beim Einnachten einen vernünftigen Platz. Uns bleibt nur das San Xavier Eco Resort. Da schon alle Mitarbeiter weg sind, müssen wir uns im Zimmer selbst versorgen. Die Nacht ist kalt. Sogar im Zimmer ist es saukalt. Wir nutzen alles was uns irgendwie zudeckt. Das Morgenessen wird im Restaurant serviert, ebenfalls kalt. Die Sonne macht einen wärmenden Versuch. Dabei ist die Eco Lodge eigentlich ein tropisches Bijou, sie erinnert uns an Bali mit den Strohdächern, dem tropischen Garten.

 

Der Park ist zwar noch jung aber doch wirkt er schon ausgewachsen, tropisch eben. Der Besitzer ist ein Garten-Fan, hat alle Pflanzen botanisch angeschrieben. Sogar ein zahmer Ara begrüsst uns. Wir besuchen den grossen Kirchenkomplex beim Zentralplatz.

Die Jesuiten haben damals ganze Arbeit geleistet. Nach einer Renovation erinnern die schönen Bauten an die damaligen Zeiten.

Auf der F10 fahren wir via Concepción nach San Ignacio de Velasco über eine hügelige Berglandschaft, die an Mitteleuropa erinnert, aber mit vielen Palmen und indischen Buckelrindern oder Wasserbüffeln.

In den kleinen indigenen Dörfern ist heute Waschtag: überall hängt die farbige Wäsche zum Trocknen auf.

Oder ist es der erste sonnige Tag seit einer Woche?

Gelb und rosarot blühende Bäume leuchten trotz winterlicher Kälte. Schweinefamilien, Esel und Rinder trotten über die Strasse, ungeachtet des Verkehrs. Ein paar mal werden wir von der Strassenpolizei (korrekt) kontrolliert. Die Ausweiskopien genügen ihnen nach der Zusicherung, dass wir die Originale dabei haben. In San Ignacio de Velasco suchen wir auf dem Zentralplatz neben der grossen Kathedrale ein Café.

 

 

 

 

 

Ruedi mit ostschweizer Dialekt, von der Lavanderia Suiza lädt uns ein, bei ihm zu übernachten. Er ist seit 13 Jahren in Bolivien und 2 Jahre hier in Ignacio mit seiner bolivianischen Partnerin Miriam.

Mit der Lavanderia, feinem Vollkornbrot, dem kleinen Camping Platz und dem Untermieter Toni (Luzerner Hinterland, Metzger, seit >15 Jahren in Bolivien) kann er gut überleben. Nach dem Nachtessen bereiten wir das Fleisch für einen sauren Mocken vor. Der soll in den nächsten Tagen still vor sich hin marinieren. Vom Pantanal-Tour-Office bekommen wir eine unbefriedigende Nachricht: die Transpantanaira ist zwar offen, die Zeit ist ok für Jaguar-Beobachtungen aber die Schiffe ab Porto Jofre fahren nicht!

Die Nacht ist mit 13*C noch etwas kühl, die Sonne wärmt uns wieder nur leicht auf. Wir haben für Ruedi & Miriam ihren Platz auf iOverlander aufgeschaltet. Nach einem ausgiebigen Morgenessen brechen wir auf, zuerst zur Iglesia San Francisco de Assisi, dann an den See runter.

Wir haben heute eine lange Etappe vor uns, und das erst noch auf einer holprigen Piste. Wir haben unseren Plan geändert: statt via San Mathias / Poconé nach Porto Jofre ins Pantanal wollen wir den umgekehrten Weg versuchen: die Wahrscheinlichkeit, dass wir in Corumba ein Boot finden nach Porto Jofre ist wesentlich grösser als in Porto Jofre selber. Das bedeutet jedoch, dass wir mehr Zeit un Kilometer brauchen werden.
Über hügelges Gelände fahren wir an vielen Haziendas vorbei, oft durch einen Dschungel. Viehherden begleiten uns.

 

Eine Ameisenbär-Familie überquert die Strasse und versteckt sich sofort im Gebüsch. In San Miguel de Velasco und San Rafael de Velasco machen wir einen kleinen Umweg um den Hauptplatz mit Fototermin bei den Kirchen.

Zehn Leere Viehlaster kommen uns auf der schmalen Strasse entgegen. Der Hügelzug zieht sich weit in den Nachmittag hinein, endlich kommt die Ebene.

In San Jose de Velasco ist die Kirche nicht mehr ein Holzbau sobndern aus Steinen gebaut.

 

Wir fahren wir direkt auf den CP Villa de Chiquita. Im Hotel essen wir Chickensuppe und Schmorbraten. Wir haben wieder einmal ein funktionierendes WiFi.

Wir lassen uns treiben, geniessen die paar Sonnenstrahlen. Vor Mittag machen wir uns auf den Weg ins Valle de Luna im Gebirgszug südlich der Stadt.

 

Hier finden wir uralte Sandsteinklötze und tiefe Felsabbrüche. Über dem Valle de Luna ist ein Pilgerweg mit den Leidensstationen Christi und der Virgin de la Asunta aufgebaut.

Weiter östlich bei der Laguna Letei kommen böse Erinnerungen auf.

Abwer wir geniessen einen atemberaubenden Blick in die Felshänge und die weite Ebene von San Jose de Chiquitos.

Nun geht es auf der F4 Richtung Westen, vorbei an den hohen Serranias via Taperas nach Agua Caliente.

Bei Chochis sticht ein hoher Felsblock ins Auge: der Torre de David.

Nach Roboré zweigen wir links nach Santiago de Chiquitos ab.

Wir erwarten grosse Felstürme, nur macht das Wetter nicht mit: tiefe Wolken hängen über den Bergen und versauen die Aussicht. Dabei sind die Sandstein-Formationen wirklich sehenswert. Sie erinnern an die sächsische Schweiz in Deutschland, nur noch mächtiger. Das schlechte Wetter verleitet zu einer abgekürzten Tour, die Dämmerung beginnt schon und wir haben noch 40 km vor uns bis Agua Caliente. In der Nacht finden wir den CP doch noch. Leichter Regen in der Nacht. Manchmal fährt ein langer Zug vorbei. Der Morgen verhangen, kühl, nass. Charly und seine Frau aus Santa Cruz finden den Kooka „muy lindo“. Wir laufen dem „Fluss“ entlang zu den „Hervores“, dem Quellfluss.

Der Fluss ist eigentlich ein See mit fliessendem Wasser. Unter Sand quillt körperwarmes Wasser hervor, die Hauptquellen sind richtige Schwimmsandlöcher, man kann darin glatt versinken.

Das Thermalbad ist das grösste in Südamerika mit 5km x 100m x 1m. Überall im ganzen Fluss quillt warmes Wasser aus dem
Boden empor, begleitet mit Gasblasen. Das Schwimmen ist trotz der winterlichen Kälte sehr angenehm. Tausende kleine Fische (Moderlieschen? Sardinas, max. 10cm) umschwärmen die Füsse und den aufgewirbelten Schlamm. Das Wasser ist sehr sauber. Der Fluss hat keinen Abfluss, das Wasser versickert irgendwo. Eine Mennoniten-Familie verlässt das Bad in ihren traditionellen Kleidern. Gotthelf lässt grüssen.

Leichter Nebel deutet auf besseres Wetter. In der Nacht und am Morgen fahren lange Züge vorbei. Vor dem Morgenessen gehen wir schwimmen.

Mit dem Sonnenschein ein herrliches Gefühl. Die Fischchen können sich nicht genug satt fressen und piecksen in die Füsse.

Nach einem ausgiebigen z’Morge fahren wir auf der F4 weiter Richtung Corumba.

Die Landschaft: ein tropischer Buschwald soweit das Auge reicht, Abzweigungen zu Haziendas, ein paar verschlafene Dörfer, kleine Bergketten. Bei Yacuse wollen wir auf einen dieser Berge, der Weg scheint gut. Wir passieren die „modernste Zementfabrik Boliviens“. Ihren Rohstoff hohlt sie aus einem Steinbruch bei „unserem“ Berg. Der Weg führt um diesen Steinbruch herum und verläuft sich im Gras: er wurde seit langer Zeit nicht mehr benutzt. Nach der Devise: „Nicht schon wieder ein Abenteuer“ kehren wir um und suchen uns einen geeigneteten Platz in der Pampe. Diesen finden wir auf einem Kehrplatz einer Seitenstrasse zu einer kleinen Hazienda. Wir scheuchen viele Vögel auf.

Wir fühlen uns fast wie im Pantanal Boliviens, nur die Jaguare fehlen uns noch.

Am Abend kommt der Farmer der Estancia vorbei, hält kurz und will wissen, ob alles ok sei. Am Morgen werden wir von summenden Insekten geweckt. Das Summen wir immer stärker, bis wir merken, dass ein Bienenschwarm Gefallen am Kooka findet und auch das Innere erkundet wird. Wir packen schnell, ohne zMorge, zusammen und fahren bis zur Hauptstrasse zurück. Dort holen wir den zMorge nach und gelangen auf der F4 durcheine flache Landschaft nach Puerto Suarez.

Zollformalitäten der besonderen Art

Bei der bolivianischen Immigration warten wir 3/4 Stunden in der Schlange, das Abstempeln geht dann schnell. Bei derAduana müssen wir das Fz Papier abstempeln lassen. Eine weiter 1/4Stunde und wir sind durch.
Die brasilianische Immigration geht mit 3/4 Std ebenfalls recht zügig. Kommt die Receita, der brasilianische Zoll für das Fz. In Puerto Suarez haben wir in einem Internet-Café das ominöse Papier ausfüllen wollen, es hat einfach nicht geklappt. An der Reiceita heisst es stoisch: wir brauchen 2 Kopien des Ausdrucks, ohne geht gar nichts. Nun sind wir nicht mehr in Bolivien mit dem Internet Anschluss und Brasilien hat keinen. Wir benutzen das WiFi des Zolls und können das Formular doch noch ausfüllen. Aber sie brauchen eine gedruckte Kopie! Dazu müssen wir das File auf den Laptop bringen, eine logistisch Knobelarbeit, denn der Drucker geht nur über den Laptop (kein Zwischenkabel!). ITunes geht auch nicht: gerade dieses File erscheint nicht im Browser. Der Laptop kann im Moment keine Mails empfangen, also über die Dropbox zwischenspeichern, mit einem Hotspot des iPhones. Das klappt, der Drucker druckt und wir gehen erleichtert zum Zoll: das ist das falsche Dokument! Nochmals von vorne! In der Hitz des Gefechts kommt wieder ein flasches File. Endlich bestätigt der Zöllner: das ist alles richtig, ihr müsst jetzt nur noch warten, bis der bevollmächtige Zöllner den Stempel aufdrücken kann, er selber darf das nicht! Mit einem Kollegen sitzt er den ganzen Nachmittag am Computer, der eine liest die Daten aus den Kopien vor, der ander tippt sie mühsam ein. Nach zwei Stunden warten kommt der Bevollmächtigte endlich. Langsam, bedächtig sitzt er vor dem Computer, tippt gelegentlich drauf herum, studiert zwischendurch sein Handy. In einer halben Stunde hat er das Formular abgeschrieben (das eigentlich auf dem Netz des brasilianischen Zolls zu finden ist) ich muss nur noch den Originalpass und das Fz für die Inspektion holen. Autonummer, Marke, Typ und Farbe stimmen. Wir bekommen das ersehnte Papier ausgehändigt, wir können gehen, nach 7 Stunden. Merke: wenn der brasilianische Zoll eine Kopie eines Dokument verlangt, dann sofort spuren! Sie haben unendlich Zeit für jeden Blödsinn und lassen Dich das spüren!
Im Pousada do Cochimba in Corumba, direkt am Rio Paraguay finden wir spät abends den gesuchten, ruhigen Platz für 2 müde iOverlanders bei Hugo und seiner Mutter Jane.

Wehe, wenn sie losgelassen…..,

Nach Uyuni treffen wir uns wieder im Garten von Felicidad und Alberto in Sucre. Wir, das sind Klaus und Gabi, Peter und Brigitte, Denis und Corinne und wir zwei Gringos. Die blühenden Hibiskus, Bougainvillea und Jasmin tragen zur gehobenen Stimmung bei, es wird getratscht, ge-aperölt, sonnengebadet….

Doch plötzlich gehts los, die Männer m ü s s e n arbeiten. Autos werden mit Brettern angehoben, Räder abmontiert,

Unterbodenbleche mit Restsalz vom Salar weggeschraubt, es wird gesprayt, geölt, geputzt, was das Zeug hält und das, wohlverstanden, in der geeigneten Kleidung,

Overalls, Schutzhose, am Boden Plastikplanen, jeder Chefmechaniker hätte seine helle Freude am Arbeitseinsatz unserer Overlanders.

Natürlich wird kommentiert, argumentiert, Vorschläge oder sogar Verbesserungen angebracht,

tatkräftig mitgeholfen oder auch nur zugeschaut.

Das Treiben hält bis zur Dämmerung an, morgen ist auch noch ein Tag!

Runter von den kalten Bergen ins kalte Tiefland. Von Uyuni nach Santa Cruz de la Sierras

    

Uyuni – (F5) – Pulacayo – Estancia Marcahui – Vila Kkota – Tica-Tica – Estancia Thaicactita – Potosi – Betanzos – Millares – Puente Mendez – Sucre – Yotala – Sucre – (F5) – Cal OrkhoMojotoro – El Chaco – Chuqui Chuqui – Bella Vista – Rio Novillero – Quiroga – Aiquile – Totora – Molle Molle – Chilijchi – Colpa – Ruinas Incallajta – Colpa – (F7) – Epizana – Rodeo Chico – Copa Chuncho A – Villa Esperanza – Siberia – Comarapa – San Isidoro – La Palizada – Mataral – Los Negros – Yerba Buena – Mairana – La Yunga Pueblito – Cerro Meson – NP Amboro – Samaipata – Ruinas del Fuerte de Samaipata – Canon Rio Laja – Bermejo – La Angostura – El Torno – La Guardia – Santa Cruz

Wir geniessen die Zeit im Hotel in Uyuni, treffen viele Overlanders. Gabi und Klaus fahren weiter nach Potosi. Hartmut und Lisa sind begeisterte SA-Reisende. Wir essen und tratschen mit Peter und Brigit, Gabi und Cornel. Wir tauschen Erfahrungen und Bücher für den Tolino aus. Wir schlürfen die neuesten Nachrichten aus dem Internet. Wir bereiten unseren Kookaburra für die Weiterreise vor, tanken Diesel und Wasser. Dicke Salzkrusten in der Stossstange wurden übersehen und werden nochmals gründlich weggeputzt.

Wir verlassen Uyuni auf der F5 Richtung Potosi. Über den Berg mit Aussicht auf den Salar. vorbei an der Silber Mine Pulakayo. Runter in ein breites Tal mit Quinoa-Äckern. Wir besuchen die Therme bei der Estancia Marcahui.

Hier kommt viel kochendes Wasser aus dem Boden, das in langen Kanälen gefasst, abgekühlt und ins Bad geleitet wird. Das Bad ist erst rudimentär fertig, die Wände stehen, die Wannen (3x10x1.5m, Becken von 2x2x1m) sind fertig und sauber, abgesehen vom normalen Algenwuchs.

Ein Besucherpaar aus Potosi kommt offenbar hierher zum Baden mit Seife und Shampo. Das sei normal, meint die Besitzerin. Draussen befinden sich mehrere kleine Becken (1x1x0.4m) als Waschtröge. Eine Familie wäscht ihren ganzen Haushalt.

Weil wir früh dran sind, fahren wir weiter. Bei den Cordilleras Vila Vila zweigen wir links ab zu einer orange-roten Laguna. Wir folgen Signalen nach einer Therme bei Villa Kkota in 6km, finden aber nichts. Wir bleiben neben dem Weg über Nacht.

Die Nacht ist mit -10*C sehr kalt, dafür scheint am Morgen die Sonne angenehm warm, zum draussen essen. Ein paar Flamingos und andere Wasservögel beleben die Gras- und Wasserflächen. Wir laufen auf die Sanddüne, sie bietet einen schönen Ausblick auf die Bofedales mit den zahllosen Lamas.

Entlang der F5 bestaunen wir die vielen farbigen Landschaften und Felsen, verwaschene Berge, Bofedales, Dörfer und eine gut ausgebaute Strasse über 4000müM.

Nach Thakactita suchen wir einen Platz vor Potosi. Auf der Hochebene zweigen wir links ab und finden einen besetzten Platz: Peter und  Brigit sind schon da, an einer kleinen Lagune.

Zum z’Nacht gibts Rindsplätzli mit Gemüse. Die Nacht ist wieder kalt -8*C. Die Sonne wärmt zwar schnell und gut, aber weil wir spät dran sind, kommt frischer Wind auf. Peter, Brigit und wir fahren heute via Potosi nach Sucre.

Potosi ist eine gebirgige, staubige Minenstadt (einst eine der reichsten Städte der Welt), wir halten nicht. Die F5 ist sehr gut ausgebaut und führt durch eine schöne Berglandschaft, mal durch enge Schluchten mit speziellen geologischen Formationen, mal über eine landwirtschaftlich genutzte Hochebene auf 3300müM mit grossen Weizen- und Maisfeldern.

Die Hochebene erinnert entfernt an die Freiberge. Dann geht’s tief in ein Tal hinunter. Hier ist nun Bolivien authentisch: breite, fast trockene Flussbette, viele Dörfer.

Die Fussgängerbrücke Puente Mendez – Sucre besuchen wir zu Fuss. Der Zugang ist schon fast abgewaschen, aber die 2008 renovierte Brücke und ihre Brückenpfeiler sind in einem guten Zustand.

Leider ist sie nicht vollständig fertig gebaut, die letzten 3m auf der Chuquisaca-Seite fehlen. Der Fluss kommt hier in einem sehr breiten Bett daher.

Bis Sucre nimmt der Verkehr immer mehr zu. Wir fahren direkt zum CP Alberto y Felicidad. Wir finden zwar das verschlossene Tor, aber niemand öffnet. Nach einer Weile kommen Peter und Brigit daher. Gemeinsam suchen und finden wir die Besitzerin. Der CP ist ein kleiner Hinterhof mit Platz für 5-7Fz unter Bäumen in einem Blumengarten und sauberen Baños. In seiner Werkstatt wickelt Professor Alberto Elektro-Motoren neu (er ist Professor für Motorentechnologie an der Universität und seine Studenten machen bei ihm in der Werkstatt ein Praktikum). Seine Frau ist so glücklich wie sie heisst.Die beiden sind sehr aufmerksam und freundlich, geben viele Hinweise für den Stadtbummel.

Weil der Platz so angenehm ist, die Stadt sehenswert und doch ein paar Servicearbeiten anstehen, bleiben wir ein paar Tage in Sucre. Wir bummeln durch die Stadt, gehen wieder mal Sushi essen, shoppen im Central Market.

Wir finden einen bolivianischen Gas-Adapter, nur passt leider unser Gasschlauch gar nicht auf die leere Gasflasche. Wir versuchen bei der Immigration unser Visum zu verlängern. Das geht erst ab 5 Tagen vor Ablauf. Das Bodenblech muss weg, da noch Salzresten übrig geblieben sind. Die werden sauber weggewaschen (erstaunlich, was für Dreck noch runter kommt!) Das Einfetten erfolgt „mitten auf der Strasse“: ein ganzer, dicht befahrener Strassenzug wird als Autowerkstatt benutzt: Pneuhändler montieren Reifen, defekte Windschutzscheiben werden ersetzt, Lastwagen stehen auf Böcken ohne Räder und eben: in der Strassenmitte stehen Junge mit Fettpumpen. Ein Wink und sie rennen daher, klettern unters Fahrzeug und pressen das Fett in die Nippel.

Bei einem Glas Wein und Früchten verbessern wir die Welt und tauschen Reiseerfahrungen aus und geniessen die faule Zeit. Wir, das sind Peter & Brigit, Klaus & Gabi, Dennis & Corinne aus Luzern. Sie sind mit dem VW-Bus seit Dezember in SA.

Endlich haben wir uns entschlossen, weiter zu fahren (Peter & Brigit ebenfalls). Wir fahren zuerst durch Sucre, in Sackgassenhinein, bei Märkten vorbei bis wir bei der Zementfabrik im Parque Cretácico landen. Hier liegt eine riesige, geneigte Wand Cal Orck’o (110x1500m) mit über 12’000 Fuss-Spuren von diversen Dinosauriern offen. Cal Orck’o ist weltweit die grösste Sammlung seiner Art.

 

Das Zentrum bietet eine gute Übersicht über die Zeitepochen und die Dinos mit lebensgrossen Modellen. Auf der Führung können wir die quadratmeter grossen Spuren von nah bewundern.

Dann führt uns die F5 Richtung Aiquile über hohe Berge und tiefe Täler.

Nach dem Zusammenfluss des Rio Chico mit dem Rio Grande finden wir im Flussbett des Rio Novillero einen vernünftigen Nachtplatz.

Vom Flussbett geht’s über die F5 nach Aiquile. Stop zum Geldwechseln, Essen, Tanken. Dies ist jedoch nicht möglich: es gibt keinen Diesel für Ausländer. Weiter auf der Carretera nach Totora: Kopfsteinpflaster über 75km.

Besser als Wellblech, dafür über hohe (2500müM) Berge und tiefe Täler (1800müM) mit steilen, engen Kurven. Viel Landwirtschaft mit Getreide, Mais, Soja. Die Landschaft verändert sich, wird waldiger.

Die Strasse ist eigentlich ein schöner Panoramaweg. Vor Totora zweigen wir nach links Richtung Collpa ab, eine Grab’sche Abkürzung: ein schmaler Feldweg an Steilhängen, der relativ frisch ausgebessert wurde.

Vor den Ruinenstätten Incallajta bleiben wir auf einem Grasfeld über Nacht. Wir folgen den Spuren der Inkas in den Ruinas de Incallajta. Auf einem Plateau über dem Tal wurde im XV.Jahrhundert eine Verwaltungssiedlung gebaut.

Ein grosses Gebäude Kallanka (78x26m, überdacht), sowie zweistöckige Gebäude (damals einmalig), Truppenunterkünfte, Bürogebäude, Wohngebäude und Lebensmittelsilos prägen die Siedlung. Ein grosser Platz wurde für Märkte und Zeremonien benutzt, mitten drin ein grosser Opferstein.

Die Siedlung ist umgeben von einer Schutzmauer und bewacht von Wachtürmen. Hinter der Siedlung zerstiebt ein 30m hoher Wasserfall sein Wasser. In den Bäumen hängen lange Flechten herunter.

Wir fahren denselben Weg bis Collpa auf (Inka-?)Pflastersteinen zurück, dann Richtung F7. Diese überrascht uns mit einem feinen, neuen Asphaltbelag, Balsam für die Nerven. Die F7 führt durch die Cordillera Cochabamba auf 3000müM hinauf und runter auf 2100m. Sie bietet eine wunderbare Aussicht auf Berge und in tiefe Täler. Vom Norden her drücken dichte Wolken (stationär?) über den Bergrand. Bald ist jedoch fertig lustig mit dem Asphalt: die neue Strasse ist immer noch im Bau. Kilometerlange Baustellen und Bulldust versauen buchstäblich den Genuss der Landschaft.

Vom Strassenrand hebt ein Condor elegant ab und lässt sich vom Wind tragen. Wir suchen lange nach einem vernünftigen Nachtplatz. Die iOverländerplätze sind wieder zugebaut. Im Bachbett des Rio Pojo finden wir einen guten Standplatz, leider geht bald die Sonne unter. Morgens gemütliches Geniessen des Bachbettes bis ein paar Einheimische hinten am Bach waschen wollen.

Wir fahren auf der F7 weiter, zuerst Asphalt, dann roher Belag in Arbeit und ab Siberia 20km bis vor Comarapa Bäbätsch vom Feinsten: wir sind in die immerfeuchten Nebelwälder eingetaucht.

Dünnflüssig, dickflüssig, klebrig, zäh, bis 30 cm tief ist der Strassenbelag, unser Kooka wird wieder einmal vollgespritzt.

Wie wird das erst in der Regenzeit! Zum Glück fahren wir runter und nicht hinauf. Ein Lastwagen kommt in einer Kurve in die Bedrouille, schwenkt weg und versinkt mit den Hinterrädern.

Nach viel Steineschleppen ist er wieder frei, der Verkehr geht weiter. In Comarapa verdrücken wir ein Huhn mit Reis/Pommes/Spaghetti für ganze 24Bol (inkl. Trinkgeld und ein Glas Saft, das sind etwa 3.50Fr für beide!) Wir suchen einen Nachtplatz abseits der Strasse. Der Weiher auf einem Berg ist abgesperrt, kein Zugang. Mist, dabei wäre der Platz sehr schön gewesen, mit Weitsicht und Sonne von morgens bis abends. Etwas weiter finden wir dann doch noch einen Platz auf einer Pipeline-Service-Piste.

Am Morgen wissen wir, weshalb die Lastwagen nachts immer scharf abbremsten: vor unserem Camp befinden sich 2 hohe Schwellen wegen der Baustelle. Die F7 führt uns durch weite, fruchtbare (sogar grosse Traktoren werden eingesetzt) Täler über Pampa Grande, Yerba Buena nach Mairana.

Hier folgen wir den Spuren von Susi & Ruedi  in die Berge: sehr steil, eng, ausgewaschen geht’s hoch hinauf, hinunter, hinauf. Wir haben genug und zweigen bei La Yunga Pueblito Richtung Samaipata ab. Die Felder sind bis in die steilsten Hänge mit Kartoffeln, Soja, Erbsen  und anderem bepflanzt.

Wir möchten die Elechos Gigantes, ein Riesenfarn, aufstöbern (Hinweis vom iOverlander). Auf dem PP treffen wir auf einen Tourguide: der Wald soll ein einzigartiges Relikt aus der Jurassic Zeit sein. Elechos Gigantes Riesenfarn, Arroyo Ando und Pino negro werden versprochen. Wir lassen uns überraschen.

Die Wolken rasen über den Himmel, verdecken kurz Mond, später Sonne begleitet von stark rauschenden Windböen. Kommt ein Auto? Nein, nur eine Böe rauscht heran und zerrt am Dachzelt. Die dicken Wolken hinter dem Berg lösen sich hier in Nichts auf. Die Sonne brennt, fast wie im Sommer. Ein richtiger Föhnsturm über den Anden. Wir sind auf 2166müM. Die Temperatur in der Nacht angenehme 15*C. Es gibt keine offiziellen Wege in den NP Amboro. Wir folgen dem Track in die „Area Natural de Mañejo Integrado Amboró“, ein Gemeinschaftswerk der Eingeborenen. Deshalb müssen wir auch 30 Bol Eintritt bezahlen. Wir laufen ein Stück den Weg entlang bis zum Ende: der Weg ist neu bearbeitet und führt zu einem „Bauernhaus“ mit frisch abgebrannten Feldern,

aber nicht zu den gigantischen Farnbäumen. Auf dem Rückweg entdecken wir den gesuchten Pfad. Er führt steil in die Höhe, durch einen sekundär-Regenwald mit vielen Flechten, Farnen und einer grossen Diversität der Pflanzen.

 

 

 

 

Endlich finden wir auch die Elechos Gigantes. Sie sind zwar noch jung und klein, aber in hundert Jahren können sie noch wachsen.

Wer sie in Tasmanien gesehen hat wird hier mächtig enttäuscht. Das könnte im Zentrum des NP jedoch anders aussehen. Wir verlassen den Platz und fahren den Berg hinunter nach Samaipata. Wir erreichen den CP La Vispera noch rechtzeitig, denn das Restaurant ist nur bis 15Uhr geöffnet. Ein Holländer hat sich vor 25 Jahren ein Paradies geschaffen. Wir gönnen uns die berühmte grosse Gemüseomelette. Mmmh so fein! Dazu gibt’s das bisher beste Brot in SA, feinen Tee und eine Karaffe mit Mango-Passionsaft. Hier lässt’s sich gut leben! Wir dürften den Gemüse- und Früchte-Garten plündern, wenn wir wollten!

Am Abend suchen Nele und David aus Deutschland verzweifelt jemanden, der ihr Gepäck aus dem verschlossenen Sekretariat bringt. Sie haben den Nachtbus nach Sucre gebucht, der in 2 Stunden fährt. Sie haben 9 Monate in Santa Cruz gearbeitet und wollen jetzt noch ein wenig von Südamerika sehen. Die Sekretärin kommt doch noch vorbei, die beiden werden mit ihrem schweren Gepäck von einem Taxi zeitig abgeholt.

Samaipata feiert 400-jähriges Jubiläum und erwartet den Präsidenten. Fast die ganze Nacht und den ganzen Tag bis spät in die nächste Nacht wird gefeiert, wir hören nur von Ferne zu, hören jedoch keinen Helikopter landen. Wir geniessen einen faulen Tag und das feine Essen im Cafe (Thai-Curry mit Pollo). Wir besuchen den Markt zum Einkaufen.

 

Wir haben in der Nacht Besuch bekommen: Max und Laura aus Köln sind mit ihrem Landi mit Dachzelt seit Januar (ein Schiff nach uns) unterwegs. Sie haben Chris, Angie und Walter in La Paloma getroffen. Wir verabschieden uns bald und fahren zur Inka-Festung La Fuerte de Samaipata.

Diese liegt sehr gut gesichert auf einem hohen Fels.

Eindrückliche Felsgravuren im Sandstein zeugen von einer rituellen Bedeutung. Daneben finden sich Spuren der militärischen Macht der Inkas.

Wie in Incallajta ist hier ein „Grosses Gebäude“, die Kallanka das zeremonielle Zentrum.

Auf der RN7 fahren wir weiter Richtung Santa Cruz durch einen tiefen Cañon des Rio Laja.

Bei La Angostura verlassen wir die Anden endgültig (für diesen Trip). Wir sind wieder in der Zivilisation: dichter Verkehr, Lärm, Maut- und Polizeikontrollen, eine hügelige Landschaft mit vielen, zusammenhängenden Dörfern, die ein wenig an Indonesien erinnern. Vor Santa Cruz zweigen wir ab zum Landhaus CP. Der ist zwar geschlossen, aber ein Mitarbeiter öffnet uns trotzdem. Statt ein Steak im Restaurant gibt es halt Spiegelei mit Speck und frisches Brot aus Samaipata.

Nach dem Morgenessen im Restaurant gehen wir in die Stadt zur Migracion um unser Visum zu verlangern. Wir benutzen einen der vielen Microbusse und ein Taxi. Der Taxifahrer weiss wo die Migracion ist, unser maps.me-Eintrag ist falsch. Das Procedere ist einfach, wenn man zuerst die Q-Number nimmt und eine Kopie des Passes mitbringt, hat man den Verlängerungsstempel rasch im Pass. Nachher laufen wir Richtung Zentralplatz, essen im Nuevo Mercado ein Menu und in einem Cafe mit WiFi ein Dessert mit Kaffee und Pisco Sour.

Dann schlendern wir Richtung Ausfahrt zum Landhaus, erwischen den Bus 44, der uns direkt vor den Eingang bringt. Die Busfahrer sind hier schon etwas verrückt: sie halten auf Verlangen von draussen und drinnen, kassieren / wechseln das Fahrgeld, prüfen ihr Facebook und fahren schnell durch dichten, drängenden Verkehr mit einem Höllentempo, das die Schweissdrüsen überquellen lässt. Und das alles in Ruhe, ohne Ausrufen, Schimpfen und ohne einen Tätsch mit anderen Verkehrsteilnehmern. Eine Meisterleistung! Zum z’Nacht gehen wir wieder ins Landhaus und vertilgen ein 400g-Quadril mit Reis, Papas frittas und blanchierter Gemüsesalat (für zwei!). Auf eiskalten Tellern in einer eiskalten Atmosphäre. Es ist saukalt in Santa Cruz! Nichts von „tropischem Klima“! Dabei haben wir uns doch so gefreut auf die tropischen Temperaturen nach den eiskalten Nächten in den Anden. Die Einwohner bestätigen: es ist aussergewöhnlich kalt, aber eigentlich normal für diese Zeit. Die Wetterprognosen für die nächste Woche sieht nicht gerade blendend aus: es gibt kein entrinnen aus der Kälte. Max und Laura hat’s auch hierher verschlagen. Sie müssen ihren Aufenthalt verlängern lassen. Sie bleiben nur kurz, im Hotelzimmer ist es einiges wärmer als im Dachzelt auf ihrem Landi (meinen sie).

Über’s Internet versuchen wir herauszufinden, ob eine Flussfahrt im Pantanal zurzeit möglich ist. Wir bekommen nur unbefriedigende Antworten, weil alle nur die teuren Boots-Ausflüge verkaufen möchten. Rudi vom Landhaus gibt uns viele gute Tipps für unsere Weiterreise. Wir lassen unseren

Kooka nochmals waschen und fetten und können doch noch als Ausländer volltanken. Im Hipermaxi kaufen wir für die nächste Woche ein und im Landhaus versuchen wir ein Cordon Bleu und eine Schweinshaxe.

Diese erschlägt mich! Das ist etwas zuviel des Guten!

Salar de Uyuni, der grösste Salzsee der Welt oder: Nicht schon wieder ein Abenteuer

Wir zweigen auf eine ruppige sandig-salzige Piste Richtung Cuevas de las Galaxias ab.  Sprachlos bewundern wir das Innere, so etwas haben wir noch nie gesehen: von der Höhlendecke hängen spinnenwebartige, dünne Kalkblätter herunter in bizarren Formen.

Offenbar sind in diesen Höhlen vor 15-35 Millionen Jahren Algenteppiche hängen geblieben und verkalkt, verdientermassen ein UNESCO Kulturgut. Daneben liegt in einer weiteren Höhle eine Grabstätte aus der Vor-Inka-Zeit um 1200 mit über 75 Gräbern, die aber jetzt alle leer sind.

Im „Garten“ vor den Höhlen stehen versteinerte „Kakteen“.

Vom Mirador auf dem Hügel hat man einen schönen Rundblick zum Salar de Uyuni.

Wir dürfen auf dem Parkplatz über Nacht bleiben. Die Nacht ist ruhig, +3*C. Nach dem z’Mörgele gehen wir nochmals zum Mirador. Elias ist schon wieder an der Arbeit: mehrere Touri-Touren kommen vorbei, darunter offenbar auch Schweizer, „e Guete“ tönt es von oben auf unseren Frühstückstisch.. Der Himmel ist bedeckt, keine grossartigen Spiegelungen auf dem Salar, aber immerhin sieht man schwebende „Berge“.

Wir wollen zur Insel Incahuasi hinausfahren und wählen den direkten Weg. Zuerst ist der Weg noch gut, dann wird er schlechter, die Gringa schlägt vor rückwärts zu fahren, wer aber Gringo kennt, weiss, wie „der Muni im Chrishuuffe“ reagiert, immer mit den Hörnern voraus! Es ist nur noch eine Piste auf dem Salz sichtbar. Die Spuren werden immer spärlicher, wir weichen vom Track ab. Ein See taucht auf, die gleissend weisse Salzfläche spiegelt stark, wir werden geblendet. Durch das Wasser wollen wir auf keinen Fall fahren! Wir drehen panikartig ab zur Isla Campana, erreichen das Ufer. Doch hier beginnt das Unheil: plötzlich versinken wir im tiefen Schlamm.

Verständliche Aufregung, dann intensives Arbeiten: Steine herschaffen (noch nie haben mir die spitzen, scharfen Lavasteine so gut gefallen, die Gringa muss sie herschleppen, ihren Fingern gefallen sie gar nicht!).

Schaufel runter, Seilwinde an einem Felsen verankern, Sandbleche unterschieben. Es funktioniert für ein paar Meter, dann fängt das Ganze wieder von vorne an. Bis zum Abend schaffen wir etwa 10 Meter. Nach Sonnenuntergang unterbrechen wir die Arbeiten, wir sind geschafft. Immerhin haben wir WhatsApp-Kontakt zu Gabi und Klaus in Uyuni. Morgen sehen wir weiter.

Schlecht geschlafen, trotz 10*C. Natürlich beschäftigt uns die verfahrene Situation. Es wird mühsam, immer wieder sinken wir ein. Dabei ist das Ganze doch einfach: Wagen anheben, Steine drunter, wegfahren. Gabi und Klaus haben in Uyuni ganze Arbeit geleistet: eine Truppe der bolivianischen Polizei rückt mit Bergungsmaterial aus. Für die 120km brauchen sie aber schon Zeit. Am Nachmittag sehen wir die Autolichter über den Salar herandonnern.

Mit einem Sicherheitsabstand von 100m (auch ihr Fahrzeug frisst sich für eine kurze Strecke ein) laden sie Bretter, Balken und Wellbleche aus. Mit vereinten Kräften, Gabi und Klaus sind auch dabei, werden Nägel mit Köpfen gemacht:

Der letzte Akt: wie bringen wir das Fahrzeug von der Insel auf die feste Salzfläche. Das macht einer der Polizisten: er nimmt Anlauf und rast  über die weichen Stellen auf die Salzfläche hinaus, wir halten die Augen geschlossen, der arme, malträtierte Kookaburra, aber – geschafft!!

Noch ein Erinnerungsfoto mit allen Anwesenden, dann geht’s im Polizei Cordon in rasendem Tempo die 120 km bei einbrechender Dunkelheit via Inkahuasi, Colchani nach Uyuni vor das Polizei-Hauptquartier. Ohne die Polizei wäre die Orientierung sehr schwierig gewesen, es hat viele Spuren. Vor Colchani durchqueren wir noch Wasser bis 40cm tief. Das ist sicher konzentrierte Salzlake.. Alle sind müde. Wir bleiben mit Gabi und Klaus vor dem Polizei-Gebäude über Nacht. Unsere letzten Gedanken gelten unserem Fahrzeug: Kookaburra muss dringend von seiner Salz- und Lehmkruste befreit werden! Und ja,

HERZLICHEN DANK GABI UND KLAUS!!

MUCHAS GRACIAS LA POLICIA DE UYUNI !!

Wir haben nach 2 Tagen wieder einmal gut geschlafen. Die Polizei verlangt für Benzin- und Materialverbrauch 1000BOL, der Rest ist freiwillig. 400 U$ scheinen uns angebracht. Gabi und Klaus gehen nochmals auf den Salar. Unser Bedarf ist gedeckt.

Wir laden den ganzen Dreck in unseren geduldigen Kookaburra und fahren zum Hotel Toñito, essen im Mercado Central in der Nähe ein Almuerzo: Nudelsuppe mit Gemüse und Reis mit zähem Fleisch. In der Flanierzone löschen wir unseren Durst und den Gluscht nach einer Glace. Vis à vis sitzt eine junge Bernerin, Fabienne, sie ist auf einer 7-Wochen-Tour durch Bolivien, Peru. Zurück im Hotel geniessen wir die erste warme Dusche seit Wochen und finden einen Waschservice für das Auto und für die „betonierten“ Lehm-Kleider. Zur Feier des Tages gibt’s die berühmten Pizzas beim Minuteman.

Am nächsten Tag können wir unseren Kookaburra in die Reinigung geben.  Sübergepützt und salzfrei kommte er dabei heraus.  Am Abend essen wir mit Gabi und Klaus eine weitere Pizza und verbessern dabei die Welt.

Die Lagunenroute

Avaroa – Laguna Canapa – Laguna Hedionda – Laguna Chiar Khota – Laguna Honda – Laguna Ramaditas – Cerro Aguas Calientes – Laguna Pastos Grande – Laguna Kara – Arbol de Piedra – Laguna Colorada – Villa Mar – Laguna Negra – Rocas – Soldado Muerto – Alota – Sora – Laguna Buena Vista / Nidos de Condores – San Agustin – Julaca – Cuevas de las Galaxias – Isla Campana – Colchani – Uyuni

Auf der gut ausgebauten Strasse Avaroa – Alota kommen wir rasch vorwärts bis zur Abzweigung auf die Lagunenroute. Aha! Wie versprochen, saumässig zum fahren, ruppig, grobe Steine, weichsandig, tiefe Spuren, viele Tracks (die anderen sind immer besser als der Selbstgewählte). Die Landschaft hilft über den Ärger hinweg: grosse, schön geformte, farbige Vulkane in einer hügeligen Landschaft.

Zwei Holländer kommen uns entgegen. Sie bestätigen unsere Befürchtungen. Nun, so schlimm ist es nun auch wieder nicht: mit langsamem Fahren kommt man gut über die steinige Piste und das Rütteln der Wellblechpiste hält sich (noch) in Grenzen. Bei der Laguna Cañaga müssen wir Maut bezahlen (10BOL „für den Strassenunterhalt“). Hundert Flamingos grüssen uns, wir bleiben doch nicht, fahren weiter zur Laguna Hedionda, zur Eco-Lodge Los Flamingos. Im See tummeln sich tausende Flamingos, der Concierge will für die Übernachtung (Doppelzimmer, Nacht- und Morgenessen) 150U$. Das scheint uns zu viel. Etwas Abseits der Lagune schlagen wir bei starkem Wind unser Nachtlager auf.

 

Ein feines Bife-z’Nacht mit Gemüse lässt uns wie die Fürsten leben!

Im Laufe des Morgens nimmt der Touri-Strom zu, zuerst vereinzelt, dann bald in Gruppen. Die Lagunenroute ist hier teilweise sehr ruppig, die Tour-Guides fahren langsam. Die vielen Flamingos erwachen ebenfalls aus der Nacht-Starre, kommen näher ans Ufer. Wir lassen uns Zeit und geniessen den Ausblick auf die elfenbein-leicht-türkis-farbige Laguna Hedionda und den schneebedeckten Bergketten des Cerro Cañapa, Cerro Caquella und den Vulkan Araral.

Auf der Höhe zwischen den Lagunen Hedionda und Char Kkota schiessen wir ein paar (folgenschwere) Fotos, dann gehts weiter zur Laguna Honda.

Bei einem kleinen Disput bemerken wir den Verlust eines Höhrgerätes. Im Kästchen liegt es nicht mehr, also muss es beim Fotographieren  passiert sein! Wir kehren um und tatsächlich finden wir das kleine Ding. In der Hitze des Gefechts haben wir nicht bemerkt, dass wir mit offener Hecktüre angefahren sind, bei dem Staub eine grössere Katastrophe! Die ganze Wohnung ist voll bedeckt mit feinstem Staub. Wir fahren trotzdem Richtung Laguna Pastos Grande und müssen dabei dutzende tiefer Spuren überqueren. Das schafft die Gringo-Frau bestens. Wir umrunden den Cerro Aguas Calientes.

Schwere Lastwagen fahren auf den farbigen Berg. Da gibt es offenbar etwas zu holen. Die Laguna Pastos Grande ist grösstenteils ein Salar. In Ufernähe quillt warmes Wasser aus dem Boden. Agua Caliente!

Wir bleiben ca. 1km vor der aktiven Saline am See-Ufer. Kein Apéro, dafür intensive Tiefenreinigung der Wohnung, der starke Wind wirbelt den Staub immer wieder auf oder trägt ihn fort.

Die Nacht ist kalt, innen -6*C, das Wasser ist eingefroren. Kein Wind am Morgen. Das gibt gute Spiegelbilder über den See.

Wir überqueren weite Sandebenen mit Hügeln. Es gibt kaum Tracks. Die schöne, eindrückliche Landschaft erinnert an die Sahara mit Vulkanen im Hintergrund.

Später viele Sand-Tracks, nur wenige Steine – ein Schwimmfest! Mitten in der Wüste queren wir einen fliessenden Bach! In der  Kaki-grünen Laguna Kara spieglet sich der flachen Steinhaufen Cerro Chascon. Durch ein enges, kleines Tal erreichen wir die hundertspurige Lagunenroute mir Touri-Verkehr.

Wir halten beim Arbol de Piedra: grosse, vom Wind ausgeblasene Felsenstrukturen.

Der Arbol ist ein, auf die Spitze gestellter, zerfetzter Kegel und gleicht einem Baum. Bald taucht die Laguna Colorada auf mit überraschend intensiven, orange-roten Farben und voller Flamingos.

Die Fahrspuren werden durch tiefe Gräben so abgelenkt, dass man unweigerlich bei der Zahl-Barriere vorbei muss. Vom Mirador Norte und später vom Mirador Sur geniessen wir die Eindrücke.

Beim Mirador Sur lassen uns die Flamingos sehr nahe heran.

Ein sehr kräftiger Wind bläst grosse Staubwolken (aus Borax) über die Lagune.

Die Lamas und Alpacas sind die Lieblinge der Touristen.

 

Wir umfahren die Lagune und schlagen unser Nachtlager bei einbrechender Dunkelheit auf einem Feld abseits dem Weg auf. Unterkühlt geniessen wir ein Kürbis-Risotto mit Glühwein.

Ein bissiger Wind bläst am Abend, flaut aber wieder ab. Die Nacht ist arschkalt. Innen -10*C draussen fühlbar kälter. Unter dem Dvet und den 2 Daunenschlafsäcken fühlen wir uns komfortabel erwärmt. Nur die Atemluft kondensiert und gefriert an der Decke. Die Aluschienen und das Zeltdach tragen Eis. Am Morgen sind das Wasser und das Abwasser gefroren. Zum Glück funktioniert die Heizung. So können wir leicht erwärmt aufstehen. Die Sonne heizt uns bald auf.

Der Track Richtung Villa Mar ist wie versprochen fürchterlich, holprig, steinig, Wellblech, ruppig.Manchmal teilt sich die Spur mehrfach. Nur: die andere Spur ist immer die bessere, da hilft kein wechseln! Dafür laben wir uns an der Landschaft: eine Wüstenhochebene, steinig-sandig, kaum Vegatation (was fressen die Vikunjas eigentlich?) An der Parkgrenze werden unsere Tickets geprüft und abgestempelt.

Im anschliessenden Salar wird tüchtig abgebaut (Natriumsulfat?, Borsäure, das weisse Pulver, dem wir schon öfter begegnet sind). Der Weg führt über 4650müM  in die tiefer gelegene Hochebene von Villa Mar. Von weitem grüssen die schneebedeckten Vulkane Uturunko (bei der Laguna Celeste), Cerro Lipez und viele weitere, deren Namen wir nicht kennen. Villa Mar ist ein kleines Dorf mit ein paar Handwerkern und Bauern.

 

Bald fallen uns links grobfelsige Lavinenfelder auf. Hier muss zu Urzeiten sehr viel Lava geflossen sein.

In einem Cañon finden windgeblasene Felsstrukturen unser Interesse.

Auf den Satellitenaufnahmen von Google Earth ist mir eine besonders dunkle Lagune mitten in den Lavafelsen aufgefallen. Von Touroperators haben wir ebenfalls einen Hinweis bekommen. Diese wollen wir anpeilen. Bei der Estanzia Catal folgen wir einem stark ausgefahrenen Track, durch einen Bach , dann durch enge Felsengassen. Nach einer scharfen Kurve öffnet sich ein Paradies:

wir sind in einem breiten Cañon mit hohen Felsen und einem flachen Tal mit Wasserläufen und Gras wie ein kurzgeschnittener Teppich:

die Lamaherden fressen das Gras bis fast zu den Wurzeln ab. Ein Touroperator führt seine beiden Gäste aus Gex bei Genf durch die Schönheiten Boliviens. Er erklärt uns den Weg zur Laguna Negra hinter dem Cañonrand. Die wollen wir morgen besuchen.

Heute gibt’s nach dem Apéro ein feines Bife mit warmem Gemüsesalat, Luxus vom Feinsten.

Die Nacht ist angenehm kühl, nur +6*C und unter der Bettdecke ist es angenehm warm. Wir lassen uns von diesem kleinen Paradies verzaubern und bleiben noch eine weitere Nacht hier. Nach dem Morgenessen laufen wir um die Laguna Negra, ein kleiner See inmitten von alten Lavafeldern, die wie Finger in die Landschaft geflossen sind und dazwischen Cañons hinterlassen haben mit kleinen Bachläufen.

Auf diesen Bofedales grasen, oder besser gesagt, rasieren die Lamas das kurze Gras ab.

Die Touri-Führer kommen recht zahlreich zur Lagune, die meisten auf dem zweiten Weg oder lassen ihre Gäste selber den Weg suchen. Viele Wasservögel beleben die Lagune.

Unser Dasein stört weder die Mäuse noch die Vögel: sie laufen ungeniert um unsere Beine herum auf der Suche nach etwas Fressbarem. Im Wasser schwimmen viele kleine Fische (Grösse Moderlieschen). Wo die wohl herkommen? Der Bach versickert irgendwo im Wüstensand.

Die Nacht ist etwas kühler als gestern. Die Tour-Operators wecken uns aus dem wohligen Schlaf. Bald schon stehen ein halbes Dutzend Wagen vor unserer Tür. Wir lassen uns beim Morgenessens nicht stören, auch nicht von Basler Fasnächtlern.

Wir bekommen interessante Tipps von den Führern: wir haben die Laguna Vinto mit speziellen Felsformationen verpasst. Die Rocas sollten wir unbedingt sehen und den Mirador Soldado Muerte über einem Cañon nicht verpassen. Oberhalb der Estanzia Sora gibt es Nidos de Condores.

Langsam machen wir uns auf den Weg, über die Rüppelpiste Richtung Alota. Die Rocas sind riesige Felsklötze, teilweise mit sichtbaren Figuren.

Wir fahren noch ein Stück weiter ans Ende des Tracks. Die grosse Lavagegend ist vollständig verwittert zu interessanten Formen. Die Ebene von Alota wird landwirtschaftlich intensiv genutzt. Grosse Äcker mit abgeernteten Quinoa-Stummeln warten auf ein bisschen Feuchtigkeit.

Der Soldado Muerto ist offenbar auch ein gängiges Ziel der Touri-Führer: 3 junge Touristen aus Jona-Rapperswil sind auf einer Hetztour. Aber ein Selfie mit Kookaburra und CH-Zeichen ist ihnen doch noch sehr wichtig. Ciao, gute Reise und weg sind sie. Von einer ausladenden Plattform fällt der Blick in einen tiefen Cañon.

Unten fliesst ein Bach durch eine zauberhafte Gegend, mit einem Weg. Die möchten wir von unten ansehen. Auf den Karten ist kein Weg eingezeichnet. Den suchen wir uns selber, zuerst in einem falschen Tal. Bei einer Bewohnerin eines Weilers bekommen wir den richtigen Tip und fahren dem Bach entlang in den Cañon. Cristobal aus Potosi mit seiner Tochter Valeria und seinem Sohn Marco haben sich verfahren und wollen uns folgen mit ihrem Nissan. Der Weg ist teilweise sehr anspruchsvoll: enge Passagen, tiefe Bachdurchfahrten (60-70cm) und steile Böschungen. Doch das Tal ist wirklich paradiesisch: das saubere Wasser entspringt einer Quelle 2m über dem Boden und schiesst als Wasserfall aus dem Felsen.

Wir haben einen interessanter Kulturaustausch und Quecha-/Schweizerdeutsch-Sprachkurs mit unseren bolivianischen Amigos und kauen zum Abschluss gemeinsam Coca-Blätter. Hasta luego amigos!

Wir fahren weiter Richtung Sora und finden bei Dunkelheit die Lagune Bella Vista mit den Nestern der Kondore.

Nach dem z’Mörgele machen wir eine Rundtour um die Lagune, man könnte sie „colorada“ nennen, sie ist ganz rot-orange. Die Kondor-Nester sind leider im Moment leer. Langsam kommen wir auf Touren und fahren den Pass hinunter nach San Agustin. Das relativ grosse Dorf sieht aus wie eine Gefängnisstation, Hecken, eingezäunte, abgeschirmte Häuser, es sieht nicht einladend aus, wir fahren weiter.

Entlang dem breiten Tal liegen hohe, farbige Felsen. Die Hügel darüber sind teilweise überweidet, kahl, keine Vegetation mehr.

Das können kaum Lamas sein. Schafe? Ziegen? Wir wissen es nicht. In den breiten Ebenen zwischen Rio Grande und Avaroa liegen grosse Äcker mit abgeerntetem Quinoa. Bei Julaca überqueren wir die Eisenbahnlinie Antofagasta (Chile) nach Uyuni.

 

Entlang der chilenisch- bolivianischen Grenze nach Norden

Calama – El Tatio – Chiu-Chiu – Inka Coya – „Rainbow-Canon“ – El Tatio – Linzor – Geotherma El Papellon – Salar de Ascotan – Laguna Verde – Salar de Carcote – Olagüe

Wir fahren gemeinsam mit Marianne und Johan aus Südafrika Richtung El Tatio.

Sie sind seit 4 Monaten mit ihrem selbst geplanten und ausgebauten Landcruiser in SA unterwegs. Sie sind wegen Bremsproblemen 700km von Copaipó nach Calama gerast, in der Hoffnung auf einen Mechaniker-Termin. Sie haben 2010 schon die ganze Westafrika-Route bereist, von Südafrika bis Marokko.

Wir bleiben auf halber Höhe nach El Tatio auf einem wilden CP im „Rainbow-Cañon“, einer alten, vertrockneten Heiswasserquelle.

Der Weg hinunter ist besonders schlecht, ruppig. Am Morgen fahren wir zum Geysirfeld auf 4260müM.

El Tatio

ist ein richtiger Touristen Magnet für Leute, die noch nie so etwas gesehen haben. Kein Vegleich mit Island oder Neuseeland!

Trotzdem, den Swimming-Pool mit herrlich warmem Wasser haben wir für uns allein, denn die Touris sind nur am Sonnenaufgang interessiert.

Wir übernachten auf dem Parkplatz des Besucherzentrums. Burkhard, aus den Nähe von Köln gesellt sich zu uns. Er macht die Tour in vier Wochen, wofür wir ein Jahr brauchen, dementsprechend sein Gejammer über Höhen-Kopfweh.

Wir stehen ungewöhnlich früh auf für das Morgen-Spektakel. Auf dem Parkplatz stehen schon über 50 Touri-Busse. Drei weitere Dutzend sind schon bei den Geysiren. Dabei ist es noch stockdunkle Nacht, der leicht angeschlagene Vollmond versinkt gleich hinter dem Horizont.

Langsam kommt die Dämmerung, von weitem sieht man erste Blitzlichter aufflackern. Dann, die ersten Dampfsäulen. Doch, doch, El Tatio scheint doch noch sein Versprechen einzuhalten. Immer mehr Dampfsäulen steigen senkrecht in der Dunkelheit in den Himmel, sicher 5-15m hoch.

Bei genügend Licht ist dann das „Spektakel“ zu sehen: Hunderte, ja, tausende Leute stehen frierend wie gebannt vor den Dampfschwaden (es ist deutlich unter null Grad), warten auf den magischen Moment, den es im Selfie festzuhalten gilt.

Frierend laufen sie von einem Dampfkessel zum andern. Hinter dem Berg geht die Sonne auf. Nun sieht man die Dampfschwaden viel besser, nur weht jetzt schon ein schwacher Wind, die hohen Dampfsäulen verbiegen sich, verschwinden.

Mit den sonnenbeschienenen Bergspitzen lassen sich noch ein paar spezielle Fotos machen.

Wir haben bald genug, fahren zum Parkplatz zurück und geniessen ein feines z’Mörgeli. Burkhard kommt ganz entsetzt zurück: „Das ist ja ein Spektakel!“ Um 10 Uhr ist der Spuk zu Ende, die Touri-Busse abgefahren, einer muss noch einen Platten flicken, dann ist endgültig Ruhe. Wir sind wieder allein, mit einem einsamen Parkwächter.

Der Weg nach Linzor, die B245 ist als „in schlechtem Zustand“ gesperrt. Der Parkwächter meint, wir könnten mit unserem Kooka durchkommen. Wir möchten ja „hinten durch“, nahe der Grenze Chile / Bolivien Richtung Ollagüe fahren. Zuerst ist der Weg, wie versprochen, schlecht unterhalten, steinig, eng.

Kurz vor Linzor zweigt ein Weg rechts ab. Er ist auf den Karten nicht verzeichnet, aber rein geographisch geht er in die richtige Richtung.

Er wird noch steiniger, steiler, enger, aber er ist für uns passabel. Wir haben richtig spekuliert, es ist eine Grab’sche Abkürzung „oben durch“ zur B145. Die Landschaft wild, voller Vulkane, weiten Tälern, viel Vulkansand.

Vor uns ein breiter Lavaberg: der Vulkan hatte zu wenig Kraft um all die Lava in die Höhe zu speien. Die B145 ist in einem guten Zustand, wir fliegen auf Samtpfoten dahin. Vor uns tauchen die majestätischen Vulkane San Pablo und San Pedro auf.

Um uns herum nichts als Vulkane, die sich gegenseitig konkurrenzieren: wer ist der Schönste im Land? Bei einer Abzweigung nach Bolivien (ohne Zollposten) tauchen aus dem Nichts plötzlich 2 gelbgraue Geländefahrzeuge auf. Mit schussbereiten, auf uns gerichteten Maschinengewehren. Die Schützen sind mit furchterregenden Masken verhüllt. Die chilenische Armee macht Kontrollen in diesem Gebiet. Sehr freundlich zeigen sie uns einen direkten Weg Richtung Ollagüe „hinten durch“. Dieser Weg ist sehr gut ausgebaut für das geothermische Kraftwerk El Papellon auf 4200müM.

20km vor Ascotán finden wir beim Cerro del Inca auf 4254müM einen ruhigen Platz am Eingang zu einer kleinen Schlucht, neben einer Siedlung aus der Vor-Inka-Zeit.

Wir lassen uns am Morgen viel Zeit, wechseln die Gasflasche, füllen das Kerosen (als Antigeliermittel für Diesel) in den Haupttank, flicken das Waschbecken. Dann geht’s los, über und entlang dem Salar Ascotán zur Laguna Verde / Laguna de Lion.

Wir haben schöne Ausblicke auf die umliegenden Vulkane. Die, von Google Earth erwarteten Farben des Volcan Ascotán leuchten kräftig.

Im Salar wird Wasser für die Mine aus der Tiefe gepumpt. Die Mine produziert grosse Mengen eines weissen, leichten Gesteinspulvers (Gips? Borsäure?).

Von Google Earth ist uns auch die grasgrüne Laguna Verde bekannt. Sie ist sogar als solche signalisiert.

Sie ist zwar nicht so grasgrün,  wie auf den Satelliten-Aufnahmen, aber mit dem Vulkan Ollagüe im Hintergrund ein fantastischer Nachtplatz.

Sogar der Wind freut sich an uns und lässt etwas nach. Ein schwer beladener Zug fährt Richtung Küste.

Abends kommen sehr starke Böen zurück, die aber bald wieder nachlassen.

Die Nacht ist ruhig, kaum Wind. -3*C, bei warmem Sonnenschein geniessen wir das Morgenessen draussen.

Wir fahren entlang dem Salar de Carcote nach Ollagüe, ein halbtoter Bahnhof mit Dorf.

Am chilenischen Zoll geht die Abfertigung recht flüssig; Immigration ausstempeln, Zollpapier für das Fahrzeug abgeben: todo bien, pasa! Beim bolivianischen Zoll wird’s etwas schwieriger: die Zeit eine Stunde zurückdrehen, Siesta! Warten! Endlich tauchen nach der Siesta Beamte auf, arbeiten sich durch einen Stoss Papier, dann geht’s vorwärts: Immigration einstempeln (andere Strassenseite) Zollpapier für Kooka ausfertigen, unterschreiben. Pasa! Keine Bio-Kontrolle, denn die wäre uns gar nicht bekommen,  hatten wir doch Lebensmittel für mindestens eine Woche dabei.

Hat sich der Weg „hinten durch“ gelohnt? Wir meinen ja, die Landschaften hier sind einfach wunderbar.

San Pedro und die Atacama

Hito Cajon – San Pedro de Atacama – Valle de la Luna – Valle de Arcoiris – Calama – Chuquicamata – Chiu-Chiu – Inka Coya – El Tatio

San Pedro de Atacama ist ein Touristen Zentrum par Exellence.

Praktisch jedes Haus hat etwas mit Tourismus zu tun: Tour-Operator, Essen, Tour-Operator, Souvenirshop, Tour-Operator, Geldwechsler, Tour-Operator, Unterkunft etc.

Soviele Leute haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Am Abend Ramba-Zamba wie auf Mallorca bis in die frühen Morgenstunden. Wir bleiben ein paar Tage hier, interneten, prüfen ob sich die Erde immer noch dreht, die Schweiz immer noch existiert. Wir nutzten die Zeit und das WiFi um die Webseite zu aktualisieren, gehen auswärts essen und lassen es uns gut gehen. Wir sind voll integriert in den Touristenstrom.

Wir treffen verschiedene „Overlander“, Leute, die wie wir die Zeit ihres Lebens zum Reisen nutzen:

Gabi und Cornel aus Engelburg, SG sind mit ihrem Fiat Ducato auf dem Weg nach Alaska.

Gerlinde & Markus aus Österreich, seit Jahren in SA, oft als Tourenleiter, Berg- und Kulturtouren kennen SA wie ihren Hosensack, Markus gibt uns viele gute Tipps.

Hartmut und Lisa aus München machen ein Sabbatical vom Lehrerberuf sind mit einem VW Sprinter 4×4 unterwegs.

Valle de la Luna

Wir machen noch ein paar letze Einkäufe, wechseln Geld, tanken die Dieseltanks voll und dann geht’s ab ins Valle de la Luna. Wir waren etwas skeptisch von diesem Touristen-Magneten, doch wir wurden eines Besseren belehrt: das Valle de la Luna hat Spitzenqualität!

Berge aus Salzgestein haben wir noch nie gesehen. Das kann nur in dieser furztrockenen Gegend vorkommen. Die Cuevas sind ausgewaschene (und von Schweisshänden polierte) Höhlen durch den Berg.

  

 

  

Bei der Duna Grande fahren wir vorerst vorbei zum Mirador Achachaes mit einem herrlichen Blick auf die Felsstrukturen in der Umgebung. Dann kommen wir zur Mina Victoria. Hier wurde früher Salz, vor allem für die Kupferminen abgebaut, heute ist sie nur noch eine museale Touristenattraktion. Am Schluss der Route die Tres Marias: durch vulkanische Aktivitäten herauskritallisierte Salzfiguren.

Auf der Rückfahrt steigen wir auf die Duna Mayor, um diese Zeit wandern wir noch fast allein. Der Bergrücken zieht sich etwas in die Länge bis zum Endpunkt.

Von der Krete aus bietet er wunderbare Blicke in die Sanddünen, ausgewaschene Sandkegel, die leicht erodierten grün-blauen Steinsalz-Strukturen und die eindrucksvollen aufgestellten Schichten im Anfiteatro.

Hier wird die untergehende Sonne ein Feuerwerk entflammen. Beim Abstieg kommen uns schon Horden von Touristen entgegen, die sich diese Schauspiel nicht entgehen lassen wollen. Wir meinen, dass wir für den ultimativen Foto-Schuss nicht 3 Stunden warten wollen, den finden wir sicher im Internet. Statt dessen fahren wir zum CP Andes Nomades, ausserhalb San Pedros nahe beim Salar. Hier baut sich Mauricio ein eigenes Paradies auf. Er erklärt mir die neue Wasseraufbereitungsanlage mit Umkehrosmose. Viele iOverlander nutzen diesen Platz als Absteige und vermeiden so die Touri-Meute in San Pedro.

Wir erwachen erst um halb zehn und alles ist noch ruhig schlafend. Wir diskutieren mit Peter & Brigitte, Raperswil-Jona, ex Mobilhomeausbauer, Klaus & Gabi aus München, Krankenpfleger zuerst 4 Std. stehend,  anschliessend noch bis spät abends bei einem Glas Hess-Malbec Reiseerfahrungen, Lebenserfahrungen. Deshalb bleiben wir noch eine weitere Nacht.

Wir können uns alle fast nicht von Andes Nomades trennen. Alle schieben den Entschluss auf die andern ab. Bis wir uns gegenseitig entscheiden: wir gehen, obschon der Platz zum Bleiben drängt.  Wir fahren nach San Perdo für die nötigen Einkäufe. Wir trefffen uns alle nochmals von Ferne in der Stadt. Beim Parkplatz finden wir weitere Weltenbummler: eine Familie mit Kleinkindern aus Buenos Aires, ein Paar aus  Wien.

Wir fahren weiter zum Mirador Cuevas de Chulacao über dem Valle de Luna: wir erkennen dieses Tal kaum: eine ganz andere Aussicht auf ein völlig zerfressenens Salzgebirge.

Über die gut ausgebaute 23CH fahren wir durch einen riesigen Schutt-und Kieshaufen,

rundgeschliffen vom Wasser und zweigen auf die B207 nach Rio Grande ab.

Valle Arcoiris

Tief im Tal des Rio Salado zweigen wir ins Valle Arcoiris ab. Plötzlich tut sich eine neue Welt auf: in den Sandsteinfelsen blühen die schönsten Regenbogenfarben auf.

 

Da der Himmel noch bedeckt ist, erwarten wir morgen eine Farbenorgie, wie wir sie noch nicht gesehen haben. Wir bleiben auf dem PP des Mirador Valle de Arcoiris.

Die Touri-Busse kommen erst spät, dementsprechend schlafen wir recht lang. Wir laufen ein paar interessante Schlaufen und gehen bis zuhinterst ins Tal.

Das Valle de Arcoiris setzt farblich und von den diversen Felsstrukturen noch einen drauf: blau-grün, rot-braun, violet-weiss, schwarz und von Sand-, Salz-, Lehm-, Schiefer-, Vulkan-, Glimmer-, Granit-Vorstufen- und vielen anderen   Felsen gibt es alles.

  

 

   

Tiefe Schluchten, breites Flussbett, Lamas, Alpacas und natürlich die obligaten Touristen.

Wir können uns nicht entscheiden, ob wir bleiben wollen oder doch nach Calama fahren. Die Bewölkung nimmt immer mehr zu. Ein Touri-Führer kommt uns warnen: wenns regnet, kann der Rio Salado rasch hoch anschwellen und unpassierbar werden. Kaum ist er weg, beginnt der Regen. Unser Entscheid ist rasch klar: weiter nach Calama. Über weite, hügelige Landschaften auf 3500müM, schräg runter nach Calama auf einer schnurgeraden Strasse 23CH, vorbei an einer GROWIAN, einer grossen Windräderanlage. Die Stadt liegt auf einer wüstenartigen Hochebene, sie ein Versorgungszentrum für die grossen Minen in der Nähe.

Die Suche nach einem CP ist nicht einfach: entweder privat, geschlossen oder heruntergewirtschaftet. Auf dem CP Extracction Calama finden wir Unterschlupf. Es ist Wochenende, das heisst, wie allgemein üblich viel Remi-Demi mit lauter Musik.

Chuquicamata

Wir besuchen die grösste Kupfermine der Welt, Chuquicamata.

Der Open Pit ist 5x3x1.2km gross, ein Riesenloch.

Schon von weitem stehen die Abraumhalden hoch aufgeschüttet vor den Augen.

Hier wurden riesige Mengen Gestein verschoben. Die Stadt Chaquicamata, nahe der Mine wurde 2008 aufgegeben.

Nun steht hier eine intakte Geisterstadt ohne Geister, gebaut nach nordamerikanischem Vorbild, breite Strassen, herausgeputzte Häuser, Parks, eigentlich schade, die Stadt dem Verderben zu überlassen.

Die Dimensionen in dieser Mine sind gigantisch.

 

Ein Hilux wirkt wie ein kleines Matchbox-Outöli

Die Riesen-Laster tragen 350 t pro Fahrt aus der Grube hinauf. 1Std rauf, 20min runter.

Riesige Bagger füllen die Laster

Die maximale Tiefe der Lode ist 3-5km tief. Das muss im Untertagebau gefördert werden.

Das elektrolytisch reine Kupfer wird per Bahn an die Küste und von dort in alle Welt verteilt.

Vom Schlammloch nach San Pedro de Atacama

Viluyo – San Pablo de Lipez – Relave – Cerro Papellon – Villa Collpani – Laguna Blanca – Laguna Celeste – Pena Barroza – Quetena Grande – Laguna Kolpa – Thermes de Polques – Sol de Manana – Aduana de Bolivia (Mina) – Desierto Dali – Laguna Verde – Aduana Hito Cajon – San Pedro de Atacama

Wir sind wirklich erleichtert, können wieder lachen, haben gut geschlafen. Kookaburra steht in alter Höhe auf dem festen Sand. Alles wieder sauber putzen und versorgen, dann kann es weiter gehen. Über 4600müM nach San Pablo de Lipez.

Im kleinen Dorf fallen das grosse, grasgrüne Fussballfeld und die grosse Kirche auf.

Eine Gewitterwolke türmt sich über dem Lipez-Massiv auf. Kooka bekommt eine Dusche und wir die ersten Schneeflocken. Die Route führt uns durch Relave um den Cerro Lipez zu unserem CP Papellón.

Der markante Cerro Papellón ist eine schöne Pyramide etwa 2km von uns entfernt. Der Besitzer taucht auf, todo bien, wir dürfen die Nacht bleiben. Die Nacht ist kalt, minus 0*C im Schlafzimmer.

Bis Villa Collpani überqueren wir die Berge bis auf 4500müM auf einer ruppigen, schmalen, engen Strasse.

Sie ist vollgespickt mit spitzen Steinen. In Villa Collpani erkundigen wir uns nach dem weiteren Weg, denn Susi &Ruedi haben nicht den Hauptweg genommen, sonderen eine Piste, die im Nirgendwo aufhört. Die Signale der Einwohner sind eindeutig: nach rechts geht die Strasse. Bald merken wir den Grund der Alternative von Susi & Ruedi: der Weg ist (immer noch) stark ausgewaschen, teilweise fast abgebrochen, sehr eng und sehr steil. Der Weg wird nicht besser, im Gegenteil, bald kommen wir auf alte Lavafelder mit groben spitzen Steinen. Die Fahrt geht im Schritttempo langsam, mühselig vorwärts.

Dafür haben wir schöne Ausblicke auf den frisch verschneiten Cerro Lipez und vor uns die schöne Pyramide des Cerro Uturunco und eine Hochebene mit vielen Lagunen, teils in tiefen Caldaren.

Ein paar Dutzend Flamingos suchen nach Nahrung.

Wir fahren mühsam, konzentriert über Stock und Stein im Geländegang bis zur Laguna Celeste und bleiben auf der Halbinsel.

Starker Wind und dunkle Regenwolken vermiesen den Abend etwas. Kürbisgemüse mit Kartoffelstock hellt uns auf.

Der Morgen erstrahlt in vollem Sonnenschein. Das ist wirklich einer der schönsten Plätze.

Wir geniessen die Wärme am frühen Morgen. Ein paar Flamingos schwimmen in der Lagune.

 

Die Weiterfahrt ist wie gestern: unangenehm ruppig, steinig, wenn sandig, dann mit Wellblech. So macht das Geländefahren keinen Spass. Wir kommen mit 10-15km/h vorwärts. Dafür werden wir belohnt mit schönen Panoramen. Wir umrunden den Cerro Uturunco. Eine grosse Vikunia-Herde ist den Verkehr nicht gewohnt, nimmt vor uns reissaus. Die vielen Lagunen entwässern sich offenbar unterirdisch.

Wir treffen auf einen stark fliessenden Bach, der aus dem Nichts kommt. Ein „Andenhase“ mit langem Schwanz (Viscacha) beobachtet uns neugierig.

Von der Hochebene kommen wir in ein tiefes Tal mit viel Wasser, Lamas und Bofedales, eine Art Hochmoore.

Beim Kontrollposten des NP Eduardo Avaroa bezahlen wir die Parkgebühr und etwas weiter einen Strassenzoll „por el camino“. Wenn dieses Geld gut in den Strassenunterhalt investiert wird,  bezahlen wir gerne.

Nur ist ab diesem Posten die Strasse wieder in einem schäbigen Zustand. Ein Konvoi mit 4 Hilux, gefüllt mit Belgiern sind seit Tagen die ersten Verkehrsteilnehmer, die wir treffen. Vom tiefen Tal geht’s nochmals auf 4700müM hinauf, sinkt leicht zur Laguna Hedionda, und weiter zur Laguna Kollpa. Tausende Flamingos begeistern uns.

Wir bleiben über Nacht. Der Abend ist wechselnd bewölkt und windig. Nach dem farbigen Sonnenuntergang kühlt die Temperatur schnell ab.

Die Nacht ist eiskalt. Im Innern messen wir -5*C. Aber unter unserer Daunendecke ist es mollig warm. Nur wenn eine Hand aussen bleibt, wird sie rasch abgekühlt, ganz zu schweigen von der Nasenspitze, die halbgefroren aus der Decke lugt. Der Morgen ist blendend: die Sonne scheint warm, noch kein Wind. Wir geniessen das z’Mörgele und winken den vielen Touri-Wagen zu, die hier vorbeifahren.

 

Wir machen einen Halt auf der gegenüberliegenden Seite der Lagune, bei der „Saline“. Wie sich herausstellt, wird hier nicht Salz gewonnen, sondern ein feines, weisses Pulver (Natriumborat?).

Die Flamingos zeigen sich von der schönsten Seite. Über 4600müM geht’s dann rasch runter zur Ebene der Laguna Salada auf 4300müM.

Wir merken, dass wir in eine Touristengegend kommen: „viel“ Verkehr, die Strassen teilweise gut, teilweise stark ausgefahren, ruppig. Wir besuchen die Termes de Polques an der Laguna Chalviri.

Endlich ein gut körperwarmes Bad! Bis 13.30 sind die Parkplätze voll von Touri-Wagen, nachher sind wir allein. Sie fahren nach Norden oder Süden. Vom Parkwächter wissen wir, dass die Zollabfertigung auf über 5000müM, bei einer Borax-Mine gemacht wird und nicht am Grenzübergang nach Chile. Auf dem Weg zur Mine besuchen wir noch die Geotermas Sol de Mañana.

Blubberschlammlöcher und ein dampfender Geysir erinnern uns an Island, nur nicht so mächtig. Beim Zoll können/wollen sie uns nicht abfertigen, das werde an der Grenze gemacht. Na dann, wir haben wenigstens einen neuen Höhenrekord aufgestellt: 5025müM. Die Rückfahrt geht Richtung San Pedro de Atacama. Wir sind schon recht spät dran und suchen einen vernünftigen Schlafplatz: bei den Thermen hat es keine offenen Toiletten und der Rummel soll am Morgen um 6.30 losgehen.

Also fahren wir weiter zur Desierta Dalí. Einzelne Felsklötze sind in der Sandwüste verteilt und erinnern an die surrealen Bilder Salvador Dalís.

Hier ist alles flach und man soll die Hauptstrasse nicht verlassen und neue Spuren in den Sand drücken.

Als Ausweg bleibt ein Track Richtung Mina Horsu. Beim Cañón bleiben wir in der Dunkelheit.

Die Nacht ist kalt (3*C), Der Not-Platz ist eigentlich sehr schön, die Desierta Dalí vor uns, daneben ein tiefer Riss in der Erde mit einem kleinen Bach von nirgendwo nach nirgendwo, dahinter ein Vulkan.

Wir bewundern das Farbenspiel und wundern uns über die Vicuñas, die in dieser Wüste doch nichts Essbares finden.

Wir fahren nur eine kurze Strecke weiter bis zu den Lagunen Blanca und Verde durch ein Gebiet mit farbigen Vulkanen.

Diese Lagunen bestechen durch ihr Farbenspiel und dem Hintergrund, die prominenten Vulkane Licancabur und Juriques.

Wir haben viel Zeit, finden einen guten Platz. Als Abwechslung nehmen wir den Cobb in Betrieb, kochen ein Kürbis-Risotto und backen 2 Brote.

Der starke, kalte Wind verdirbt uns etwas den Spass.

Die Nacht ist eisig kalt, -10*C im Wagen, Zeltwand und das Wasser sind gefroren. Wir hätten den heissen Cobb unter den Wassertank stellen sollen.Aber bald wärmt uns die Sonne wieder auf. Beim Mirador stehen schon die ersten Touristen um nach 20 min. weiterzureisen. Ein grosser, beiger Steyr steht dort. Thomas Meier ist seit 7 Jahren unterwegs. Er schwärmt auch vom Salar de Sourire mit seinem Thermalwasser. Bald gesellen sich Dorothe und Koni aus München mit einem Landcruiser und Sandra aus dem Tirol mit einer Tourigruppe zu uns. Wir fahren zur Bolivianischen Grenze. Zuerst kommt die Parkverwaltung. Sie prüft und stempelt unsere Tickets. Dann folgt der Aduana: die bolivianischen Fahrzeugpapier werden eingezogen. Dieser Posten ist nur sporadisch offen. Wenn geschlossen, muss man zur Mine zurück fahren. Dann kommt der Bolivianische Grenzposten, stempelt den Pass und will für die Ausreise 15 Pesos. Die Gringa drückt ihm das Geld in die Hand und wünscht ihm „salud“ für sein Bier, er lächelt verschmitzt und dankt. In Richtung San Pedro kommen wir zur Passstrasse über den Jama-Pass mit dem Chilenischen Zoll. Pass stempeln. Grosse Aufregung: wo ist mein Pass, soeben hielt ich ihn noch in den Händen? Aha, 50m vor dem Gebäude ist er runtergefallen. Pflanzen- und Tierbestandteile müssen abgegeben werden, der Zöllner freut sich über die Zwiebel und das Kilo Kartoffeln, dass es noch angefangener Salami und eine Avocado im Kühlschrank hat, übersieht er. Dann folgt der Abstieg nach San Pedro: 2400m auf 30km, eine steile Rampe.

Man sieht unten San Pedro und denkt unweigerlich an überhitzte Bremsen, deshalb die vielen Notbremsstellen.  Der Jama Pass ist ein wichtiger Transportsektor Chile-Argentinien. In San Perdo de Atacama finden wir im Hinterhof des Puritama Hotels einen zwar engen, aber gut gesicherten Schlafplatz. Zusammen mit Gaby und Cornel essen wir in einem der sehr vielen Restaurants (Tierra Todo Natural) Lachs und Lomo. Das Wetter ist wieder warm.

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