Feuerland

Feuerland – ein magisches Wort für Weltentdecker. Magallan, Beagle, Darwin, Kap Horn, ein Traum, Abenteuer und Entbehrungen schwirren im Kopf umher. Feuerland, das Land der Feuer. Die krumme Südspitze Amerikas, zerfurcht von Fiorden, bedeckt mit Gletschern, wilden, unzugänglichen Urwäldern. Feuerland mit seinem berüchtigten 4-Jahreszeitenwetter: jeden Tag alle vier Jahreszeiten. Das Ende der Panamericana, der längsten Strasse der Welt, von Alaska bis Feuerland. Das wollen wir besuchen, entdecken, erleben, im Hochsommer, der Ferienzeit der Argentinier.

Wir sind in Punta Arenas, der südlichsten Stadt Chiles, noch auf dem Festland. Victor, ein Zufallsbekannter von Chris hat uns seinen Hinterhof als Stellplatz angeboten. Praktisch, da in Punta Arenas kaum Plätze für Overlanders zu finden sind. Im Hinterland von Punta Arenas hat der Schweizer Skitross schon mal sein Sommertraining gemacht.

Wir besuchen den Hafen. Die Fähre nach Porvenir auf Feuerland fährt jeden Tag um 9 und 16 Uhr, es ist keine Reservation nötig. Also keine Eile.

Wegen einsetzendem Regen lassen wir uns vom Taxi zum Mercado Munizipal mit seinen Fressbuden kutschieren. Der Lachs ist ausgezeichnet. Das Strassenverkehrsamt des Kt. Bern braucht von uns ein Lebenszeichen wegen der verpassten Medizinischen Kontrolluntersuchung. Wir sollen eine Postkarte schicken! Von hier? Das kann Wochen dauern! Oder ist ihr Office mit Postkarten aus aller Welt tapeziert? Ein Mail sollte genügen, nur können sie das Beweisfoto nicht öffnen.

Am nächsten Tag nehmen wir die Fähre um 4 Uhr, Zeit genug um unsere Vorräte aufzufüllen und das Schiffsmuseum zu besuchen. Hier sind die Original-Kopien der Nao Victoria von Magallan und die Beagle von Darwin aufgestellt.

Wenn man sich in diesen Schiffen bewegt, merkt man die Grösse und gleichzeitig die Enge an Bord.

Erstaunlich mit welchen Wohnmobilen man damals um die Welt gereist ist, ohne maps.me und Mapout! Kein Dieselmotor half, den Gegenwind zu bekämpfen. Die Lebensmittel konnten nicht im Carrefour aufgefüllt werden. Gegen Unfall und Krankheit half nur die Zeit. Kein Internet, um den Daheimgebliebenen die beruhigende Nachricht des Überlebens zu schicken.

Wir sind früh bereit zum Verladen. Ein deutsches Paar ist mit einem gemieteten Camper von Punta Arenas via Feuerland nach Santiago unterwegs, in 6 Wochen, eine Horror-Vorstellung für uns.

Die Überfahrt mit der grossen Fähre ist ruhig, zügig, nach 2 Stunden kommen wir in Porvenir an. Helen & Marco, die wir in El Chaltén getroffen haben, empfangen uns am Quai. Sie sind auf dem Rückweg nach Punta Arenas und haben den Laster von Chris gesehen. Von Provenir fahren wir auf der Y71 der Küste entlang auf der Suche nach einem geeigneten Nachtplatz. Wir finden ihn bei Bersovio el Covacio in der Nähe einer Fischerhütte. Der Enkel des Fischers will uns frisch gefangene Riesenkrabben verkaufen.

Wir können leider die armen Viecher nicht in unseren kleinen Pfannen kochen. Der Wind hält sich in Grenzen und flaut in der Nacht ab. Der Platz gefällt uns, wir bleiben und lesen den ganzen Tag.

Am nächsten Tag fahren wir zeitig weg durch eine Hazienda-Landschaft aus kargen Weiden mit Schafen, ein paar Guanancos, Graugänsen, Flamingos.

Beim Parque del Pinguino Reys stellen wir fest: am Montag geschlossen, erst am 2.Januar wieder offen. Die Königspinguine müssen warten. Wir fahren weiter der Küste entlang auf der Y897 Richtung Puerto Arturo in den Karukinka NP.

Zuerst wie gehabt: kahle Weiden mit Schafen, dann kommt ein richtig urchiger Wald mit grossen Bäumen und Baumleichen, ein richtiger Urwald.

Vor dem Rio Galeta ist für Walter Schluss: der Track ist ihm zu beschwerlich, er kehrt um, will bald nach Ushuaia.

Wir fahren mit Chris auf dem schönen Off-Road-Track weiter bis wir bei der Estanzia Yartou aufgeben.

Der Track wird immer schlimmer, die Beschreibungen auf dem iOverlander sind nicht gerade einladend und was haben wir davon? Dann noch der Rückweg! Wir kehren um, fahren zum Lago Yartou zurück und finden einen guten Platz abseits der Strasse, direkt am See.

Bei einem warmen Lagerfeuer geniessen wir den Apéro und ein feines Asado-z’Nacht: gegrilltes Fleisch mit Mais, frischem Salat und einem Glas Rotwein.

Zur Silvesterfeier gibt es einen Moscato-Klepfwein mit Panetone. Dank Whatsapp-Connection können wir von dieser verlassenen Gegend unsere Silvestergrüsse in alle Welt verschicken.

Für den Rückweg müssten wir die Ebbe um halb vier abwarten. Wir bleiben auch am Neujahrstag hier.

Die Owner Family kommt vorbei, sie wohnt in Puerto Natales. Das eingesammelte Holz fiel sofort auf den Boden! Die Farm war eine Schweizer Kolonie, mit Sägewerk, deshalb die verrosteten Dampfkessel. Wir dürfen problemlos bleiben, einfach mit dem Feuer vorsichtig sein. Wegen der Kälte verfeuern wir was gisch-was-hesch das Fallholz aus dem Wald.

 

Wohlige Hitze und schneidiger, kalter Wind wechseln sich beim Drehen um die eigene Achse ab.

Unser Neujahrsmenu: Schlangenbrot an Stecken mit Wienerli am Bügel des Scheibenwischers. Dazu Klepfwein. Bis spät Abends und bei Sonnenschein sitzen wir um das Feuer.

Auf einem Spaziergang dem Meer entlang begleiten uns 2 Delfine schwimmend und tauchend. Nach dem Mittagessen fahren wir die „schöne“ 4-WD-Strecke zurück. Die Ebbe ist genügend tief, wir können den Rio Galeta problemlos durchqueren. Die Landschaft erinnert an Szenen in Irland, wie wir sie uns vorstellen: wilde Küste, grüne Weiden.

Der Buchen-Wald ist jedoch typisch „Feuerland“ verhangen mit langen Flechten. Nach Cameron steigt das Gelände über die Y85 stetig bis über 200m an. Weite Weideflächen, eher kahl, mit Schafen und Guanacos, ein paar Kühe und Pferde.Eine alte verlassene Goldgräber Maschine

Nach Pampa Guanaco folgen wir beim Chilenischen Posten der Y761 zum Lago Blanco.

Der Weg führt durch dichten, jungen Wald zum See hinunter.

Beim CP begrüsst uns Victor aus Punta Arenas, der mit dem Stellplatz. Er kennt nur die Namen, Chris & Angie, hat jedoch den Steir im Internet gesehen. Die Welt ist klein! Chris hat ihn über camperlibre via Internet kontaktiert für einen Platz in Ushuaya. Victor & Anita sowie Gerardo & Rosanna as Ushuaia sind mit einem riesigen Wohnmobil-Car hier in den Ferien.

Zum z’Nacht „vernichten“ wir mit Heisshunger Kartoffelsalat mit überlagertem Poulet Gschnätzelten. In der Verpackung hat sich Methylmercaptan angereichert. Das Fleisch war überreif, aber nicht kontaminiert, wir hatten in der Nacht keine Verdauungsprobleme.

Prächtiger Sonnenschein am frühen Morgen kann uns kaum wecken. Wir schlafen noch den Schlaf des Gerechten. Vor Mittag ziehen wir los, Richtung Lago Deseado, durch eine herrliche Hügel-, Farm- und Berg-Landschaft des Parque Karukinka.

Viele Guanacos, märchenhafte Wälder bis auf über 600müM. Von Ferne leuchten Gletscherberge.

Dann geht’s auf Serpentinen zum Lago Deseado runter. Der anvisierte Nachtplatz ist nicht offensichtlich, wir fahren deshalb weiter auf Serpentinen bis 700m hinauf und runter zum Lago Fagnano und weiter zur Hazienda Galeta Maria.

Wir treffen Gerardo Klein, den uns Victor empfohlen hat. Wir könnten hier übernachten, aber der kalte Wind ist uns zu stark. Gerardo empfiehlt die Brücke über den Rio Azopardo: der Platz ist windgeschützt und der Fluss soll fischreich sein.

Das wollen wir kurz ausprobieren. Das klare Wasser des Flusses reisst ordentlich. Ausser Bodenhechten (einer viel zu gross, die Leine reisst) nichts. Bei Chris beisst einer kurz an, geht aber wieder verloren. Heute haben die Fische keinen Hunger.

Die Windwirbel hinter der Brücke zerren an der Zeltplache und den Nerven. Am Morgen feiner Regen über dem See, ein Regenbogen, schnelle Wolken verändern das Licht. Im See schwimmt ein Biber, taucht weg und im Fluss wieder auf. Wir fahren auf der Y85 weiter bis zum Ende der Baustelle.

Diese Strasse soll dereinst Chile bis ganz in den Süden erschliessen, bis Yendegaia am Beagle Kanal. Dort soll sogar ein Flughafen entstehen und die Touristen in Konkurrenz zu Ushuaia anziehen. Die letzten 40km werden an hohen Bergen mit Gletschern vorbei führen.

Die Landschaft ist wunderbar, erinnert ein wenig an Seitentäler des Engadins. Viele Hochmoore mit Biber-Dämmen.

Auf dem Rückweg treffen wir auf Jorge aus Santiago. Er ist per Autostop unterwegs in dieser einsamen Gegend, mit Zelt und einem Boot zum Übersetzen kleiner Seen, Flüsse. Beim Lago Deseado finden wir einen Strandplatz direkt am Wasser.

Chris lockt ein tiefer Graben zum überqueren. Mit viel Holz und Steinen reduzieren wir den Böschungswinkel etwas. Zum z’Nacht werden alle Gemüse- und Fleischreste zu einem feinen Irish-Stew gekocht.

In der Nacht fällt leichter Regen, die Berggipfel sind weiss überzuckert, ein kalter Wind weht. Chris verbessert seinen Graben noch etwas, dann gelingt die Durchfahrt problemlos. Wir fahren die Haarnadelkurven der Y85 zurück durch den Parque Karukinka und über die Y769 zur Grenze Paso Bella Vista.

Die Abfertigung ist auf beiden Seiten sehr speditiv, die befürchtete Lebensmittelkontrolle entfällt. Ein grosser Schäferhund streunt unauffällig umher, findet aber keine Drogen. Auf der argentinischen Seite leeres Farmland mit Schafherden, Guanacos, Rindern. In Rio Grande tanken wir auf und erneuern unsere Vorräte im La Anonima. Dann geht’s rassig auf der asphaltierten RN3 nach Süden der Küste entlang, durch feuerländische Wälder und Hügel nach Tolhuin.

Der CP Hain ist eine Kunstausstellung zum Erleben, ein grosses Sammelsurium von Nützlichem und Unnützen, kunstvoll vereint mit einem Recicling-Hintergrund. Walter und sein Kollege Karel (sie waren wochenlang zusammen in San Pedro de Atacama) sind ebenfalls hier.

Sie haben genug vom Touristenstress und -Lärm in Ushuaia und von der Kälte. Sie wollen an die Wärme.

Der Wind bläst unablässig stark die ganze Nacht. Der Windschutz bewährt sich hervorragend in der richtigen Parkrichtung: Schnauze gegen den Wind. Beim Morgenessen klopfen Heike & Oskar ans Fenster. Sie sind seit 2 Jahren unterwegs: Halifax, Kanada, Alaska, Panamericana bis Ushuaia. Jetzt auf dem Rückweg Richtung Montevideo, zum Verschiffen ca. im März. Ein Spaziergang durch den CP zeigt erst die grosse Vielfalt und Fantasie:

Roberto verspritzt fast vor Lebensfreude, seit 29 Jahren baut er diesen Platz aus. Schulen verbringen ihre Ferienlager hier und lernen modernen Umweltschutz spielerisch. Am Nachmittag laufen wir ins Dorf zu einer Parilla im Posada de los Ramirez. Sehr viel Fleisch, gut. Die Panaderia de Union ist eine Grossbäckerei-Konditorei mit Café, voll Leute. Auf dem CP trinken wir den Apéro in der warm-geheizten Cocina para todos. Roberto zeigt uns seine Imitationskünste als Töffmotor.

Schönes Morgenrot, warme Sonne, windstill am Morgen. Bis Mittag entscheiden wir uns zu bleiben. Hinter der Küche entfachen wir ein Feuer und rösten Schlangenbrot und Bratwürste. Vilunium (?) aus der Nähe von Rio de Janeiro ist „Geografer & Geologe“, hat im Amazonas und Bolivien gearbeitet, ist mit einem grossen Ford mit grosser Wohnkabine unterwegs. David Schwaiger aus Oesterreich, Unternehmer, leistet sich seine ersten 5 Wochen Ferien seit 10Jahren. Er reist mit seinem Onkel, der schon monatelang in Südamerika unterwegs ist. Er ist erstaunt, dass es sowas wie ein Leben nach der Arbeit (er meint: vor dem Tod) gibt.

Es graupelt / schneit / taut in der Nacht. Wir verabschieden uns von Walter und Karel und fahren nach Ushuaia über den Paso Garibaldi. Zuerst Regen, dann schönster Sonnenschein.

Wir parken vor dem Casino auf dem grossen Parkplatz, geben die Wäsche ab, finden das erste Café mit WiFi. Im Hafen liegen 3 grosse Schiffe vor Anker. Welche fahren wohl in die Antarktis? Bei den Travel Agents ist klar: nächste Fahrten 15. und 21. Januar. Kosten: 5600.- bis 7500.- U$. Wir buchen nicht, lassen die Antarktis sausen. Wir fahren am Abend in den NP Tierra del Fuego zur Laguna Verde. Beim Eingang schauen uns die Parkranger tief in die Augen: die Kasse ist geschlossen kommt am Morgen früh zum bezahlen.

Der CP ist sehr schön, mit einer chemischen Toilette. Wir bleiben 2 Tage und wandern die diversen Senderos ab: dem schönen sauberen Fluss entlang, zum Hochmoor, zum Mirador Lapataia, zum Leuchtturm La Baliza.

Erstaunlich viele Touri-Cars führen hunderte Touristen in die Wildnis Feuerlands, ans Ende der RN3. Ein Chinese as Shanghai (arbeitet bei DHL) begrüsst uns enthusiastisch. Er ist 23 Tage in SA inkl. Lima, Iguassu, Feuerland und hat für ein Dutzend Flüge knapp 1600U$ bezahlt! Da müssen ja die Produkte aus China billig sein.

Gegen Abend braten wir auf dem Cobb Ojo de Bife, mit Gemüse-Beilage. David und sein Onkel sind ebenfalls hier. Mit einem kleinen Lagerfeuer verbrennen wir unseren Abfall.

Wir fahren gemütlich zum Parkeingang zurück. Der Gegenverkehr ist heftig, staubig. Bei der Kontrolle warten wir: wir müssten noch bezahlen, sagen wir. Fahrt ihr nochmals zurück in den Park? Nein. Dann könnt ihr passieren, meint der Ranger. Wir haben ein blankes Gewissen! Wir parken vor dem Casino, holen die Wäsche ab und suchen einen Cambio. Auf dem PP taucht John auf, Deutscher, lebt seit Jahren in USA, Canada. Er ist seit 2Jahren unterwegs, manchmal allein. Im Cafe tauchen Andrea & Marco LU auf. Ueli & Susanne (Brügg) sind ebenfalls da.

Gemeinsam übernachten wir bei der Laguna Victoria auf dem Weg zur Est. Harberton.

Es ist bedeckt und regnet am Morgen. Wir fahren weiter zur Esta. Harberton durch einen Feuerland-Wald mit Hochmooren. Der Beagle Kanal ist mit Inseln besetzt.

Wir beteiligen uns an der Tour durch die Estancia, einer der ersten missionarischen Siedlungen in Feuerland mit Sägewerk, Schafschur-Hallen und

einem schönen Wohnhaus mit Gemüse- und Blumen-Garten

sowie einem Friedhof auf dem Hügel.

Die Nachkommen der Gründerfamilie Bridges wohnen immer noch hier. Daneben liegt ein Museum mit lokalen Skeletten einheimischer Tiere, vor allem Meeressäuger, Wale. Biologinnen sind mit der Präparation gefundener toter Tiere beschäftigt.

Anschliessend fahren wir auf der RP33 Richtung End of the World. Beim Rio Cambaceres finden wir einen guten Platz für alle 4 Fahrzeuge. Während dem Apéro wird das Lagerfeuer entfacht. Zwischendurch scheint die Sonne schon warm.

Bei viel Regen, Wind und wenig Sonnenschein fahren wir am Morgen weiter auf der gut ausgebauten RP33 Richtung Osten. Der Wald der Estancia Moat ist geschützt und dementsprechend schön grün. Tosende, weissgischtende Wellen, felsige und steinige Beaches, grüne Wälder, graue Baumleichen, Mistel-geimpfte Bäume, Biber-Stauseen, Sonnenlöcher und Regenschleier wechseln sich ab. Der starke Wind bleibt. Im Beagle Kanal wächst viel Seetang. Am Ende der Strasse, End-der-Welt, befindet sich eine Station der argentinischen Prefectura Naval (deshalb die gut ausgebaute Strasse).

Die Schifffahrt durch den Beagle Kanal muss recht dicht sein. Heute steht ein Frachter vor Anker, wartet besseres Wetter oder einen freien Platz in Ushuaia ab.

Nathalie aus Sion ist mit einem kolumbianischen Töff seit 2 Jahren in SA unterwegs. Sie geniesst die Möglichkeit einer Dusche in der Station.

Für uns wird das Wetter zu garstig: Schnee, Regen, heftiger Wind (gem. Prognose bis 90km/h). Wir kehren um, suchen uns einen vernünftigen Platz. Niemand hat Lust bei diesem Wetter, also treffen wir uns im Restaurant Sirena y Capitan in Puerto Almanza. Es soll feine Riesenkrabben geben. Leider sind die Fischer nicht ausgefahren, es gibt nur Fisch, der ist auch gut. Im Hafengebiet besetzen wir den Rasen mit unseren 4 Fahrzeugen. Der Sonnenuntergang verläuft unspektakulär. Die Nacht ist zwar windig, aber wir sind einigermassen in der Wagenburg geschützt.

Am Morgen lacht uns die Sonne ins Gesicht, trotz einem stetigen Wind. Ueli & Susanne wollen noch bleiben, vielleicht bekommen sie doch noch eine Riesenkrabbe. Alle andern haben genug von der Kälte und fahren zum CP Hain. Hier treffen wir auf Martina & Herrmann aus D. Sie sind mit einem Steir seit 2 Jahren unterwegs von Halifax, via Alaska, Mittelamerika in SA. Nachdem sie die Füsse auf das Ende der Strasse gesetzt haben, planen sie die Rückkehr diesen Frühling /Sommer durch ARG, Paraguay, Pantanal, Brasilien nach Montevideo zum Verschiffen. Nach einem kühlen, windigen Apéro verziehen sich alle in ihre Gemächer. Später treffen wir uns in der Cocina para todos wieder zu einem Glas Wein, Erfahrungsaustausch und viel Lachen.

Martina & Hermann fahren früh weg. Für uns beginnt ein fauler Tag mit kleineren Reparaturen (u.a. die Fischerrute). Die Suche nach Fett-Patronen für die Fettpresse ist ohne Erfolg,

Regen zum Aufwachen. Regen zum Aufstehen. Regen zum Wegfahren. Hermann & Martina sind schon wieder vom Ende der Strasse zurück.

Wir reduzieren den Pneudruck auf Piste und fahren auf der RP18 Richtung Lago Chepelmut / Lago Yehuin durch hügelige Wälder mit flechtenverhangenen Bäumen.

Ein schöner Umweg. Auf der RP9 Richtung Norden grosse Farmen mit wenigen Rindern, zwischendurch viele Guanacos.

Zurück auf der Hauptstrasse RN3 geht’s zügig nach Rio Grande ins La Anonima zum gebremsten Einkauf. Wir wollen ja Morgen über die Grenze nach Chile, also keine Früchte, Gemüse, Fleisch etc. Im Shop begegnen wir dem Sohn einer Estancia-Dynastie. Ihr gehörte früher fast halb Feuerland. Wir könnten bei ihm morgen etwas Guanaco-Fleisch abholen. Schade haben wir den Grenzübergang schon vorgesehen. Der CP La Casa Azul de Graziela ist für uns eindeutig zu klein, es gehen knapp 2 PW hinein. Aber Graziela sprüht von Grazie. Wir tanken nochmals billigen argentinischen Diesel. Zum kalten Wetter meint die Tankfrau: „Der Wind bläst noch bis Ende Januar. Wenn die Hitze im Hochsommer 15*C erreicht, reissen wir uns das Leibchen vom Leib“. Das sind ja mutierte Hitzköpfe! Wir fahren zurück auf der RP8 Richtung Chilenische Grenze Paso Bella Vista. Starker Gegenwind. Unterwegs finden wir einen geschützten Platz neben der Strasse in einem lichten Wald in der Nähe der Est. Aurelia.

Der Morgen ist ganz klar. Um halb fünf leuchten im Osten Venus und Jupiter um die Wette. Eine Rinderherde wird von uns überrascht. Im Wald rufen sie sich gegenseitig Suchrufe zu.

Später kommt eine Herde Guanacos dazu. Wir packen und machen uns auf den Weg durch den Wald und über Farmland zur Grenze Bella Vista. Die Immigration / Zollabfertigung geht auf beiden Seiten zügig voran. De Biokontrolle ist bei uns kurz. Bei Chris werden sie fündig und behalten Kartoffeln, Bohnen, Zwiebeln zurück. Gekocht dürften sie behalten werden. Über die Y85, Y895 und Y981 fahren wir nach Norden, nahe der Grenze nach Cerro Sombrero. Zuerst ist die Strecke noch dicht bewaldet, dann folgt eine Farm, die vor kurzem den Wald gerodet hat und später folgen die endlosen, leeren Weidegebiete der grossen Haziendas. Wir begegnen vielen Schafen, Gunanacos und weniger Rindern. Eine Schafherde wird von Gauchos und den Schäferhunden zum Scheren durch die Strasse getrieben.

Unterwegs finden wir ein Guanaco, festgehalten vom Zaun. Wir können es mühsam befreien. Es hat Angst, Schmerzen und schreit. Endlich kann es weiter humpeln, wahrscheinlich ist ein Bein gebrochen oder Muskeln gerissen. Auf der asphaltierten 257CH geht es zügig nach Cerro Sombrero.

Diese Stadt wurde ursprünglich für die Familien der Angestellten der chilenischen Oelgesellschaft ENAP gebaut mit einer amerikanischen 50-er Jahre-Architektur. Im kleinen Shopping Center füllen wir wieder unsere Frisch-Reserven. Im Touristenbüro weiht uns Enrique in die Geschichte der Stadt ein. Daneben befindet sich eine öffentliche, freie Toilette mit warmer Dusche. Auf einem etwas windgeschützten PP verbringen wir die Nacht. Hermann und Martina sind ebenfalls hier. In der ganzen Stadt gibt es freies WiFi. Wieder mal interneten.

Wir bleiben einen weiteren Tag hier, aktualisieren unsere Internetdaten. Neben dem CP üben Männer Paint-Ball. richtig kriegerlen im Erwachsenenalter.

Viele Interessierte an der Theke. Enrique in seinem Element. Marco von Bologna, Italia, seit 2017 unterwegs auf der Panamericana vom Norden in den Süden. Susanne & Ueli reisen nach ihrem Riesenkrabbenessen hier vorbei zur Fähre. Heute ist der Coiffeursalon „Chez Willi“ offen. Heidi bekommt eine neue Frisur.

Torres del Paine

Der Entschluss steht fest: Wasser tanken, Reifen aufpumpen und dann rassig ab nach Süden nach El Calafate auf den Niriguao-CP. Gauchos treiben ihre Herde zusammen.

Der Lago Viedma ist immer noch schön gletschermilchig und der Lago Argentino leuchtet in seinen schönsten, unwirklichen Türkis-Tönen.

Die Berge grüssen aus der Ferne, die Sonne scheint warm, dazwischen ein paar Regentropfen.

Auf dem CP treffen nach und nach die anderen Overlander von El Chaltén ein: die Deutschen, Holländer und der Pinzgauer. Kleiner Service am Kooka, das Horn geht wieder, die Filter am Kompressor und der Luftfilter sind ok. Walter wechselt seine Batterie aus bei Mechanic Willi. Feines Chili con Carne mit Salat in der warmen Sonne. Schlechte Nachricht von UY-Felix: SURA erneuert unsere Versicherung nicht. Wir suchen in den nächsten Tage eine Versicherungs-Lösung. Bei Claudia & Klaus in El Bolson (webseite) werden wir fündig.

Die Tage in El Calafate ziehen sich dahin mit Webseite aktualisieren, essen, Pressluftpistole flicken, dazwischen ein Spaziergang zum Parque de Nimez mit den Flamingos. Die sind so weit entfernt, dass wir bei den sehr heftigen Windböen keine Lust haben, sie zu porträtieren.

Endlich geht’s wieder mal weiter in Richtung Torres del Paine. Doch zuerst tanken wir und versuchen vergeblich, das Gas nachzufüllen: „solo Argentino“-Anschlüsse! Über die RN40 fahren wir gegen Süden, durch das Tal des Rio Santa Cruz, dann auf das Hochplateau. Zwischen Strassen-Zäunen grasen Schafherden.

Die Abkürzung über die RP7 ist eine Rüttelpiste sondergleichen. Den Pneudruck vermindern hilft hier nur bei glatten Strassenstücken. Unterwegs treffen wir die deutsche Velofahrerin (die wir auf dem Calafate CP kennen lernten): sie ist müde, geht zu Fuss im starken Gegenwind: die Beine wollen nicht mehr. Sie ist aber fröhlich und zuversichtlich. Der Grenzübergang nach Chile ist zügig, unbürokratisch: das befürchtete Ausmisten des Kühlschranks entfällt: Knoblauchresten, Gingerresten und eine Zitrone werden zurückbehalten, Konfi, Butter etc. sind kein Problem. Auf chilenischer Seite stürmen wir das „Shopping-Center“, ein Minimarkt El Pioniero. Nach unserem Besuch haben weitere Kunden Mühe mit der Auswahl (und wir haben fast nichts gekauft). Im Cafe Ovejero können wir Geld wechseln 200 U$ = 128’000 ChP, Kaffee und Kuchen verschlingen. Chile schindet Eindruck mit seiner neu asphaltierten Strasse. Die R9 in den NP ist noch im Bau. Wir folgen ihr bis zum Lago Sarmiento und bleiben über Nacht beim Kontrollposten in den NP. Für morgen sei der schönste Tag der Woche angekündigt. Wir werden sehen. Das Abendrot ist immerhin ein guter Anfang.

Wir (Chris & Wilu) stehen schon um 5 Uhr auf und laufen zum „Puma Point rauf.

Wir sehen keine Pumas, jedoch viele Blumen, Vögel, Guanacos und 2 Skelette.

Der Sonnenaufgang ist nicht spektakulär, ein wenig rötlich bei klarem Himmel. Die Torres sind ohne Wolken.

Wir fahren eine schöne Rundtour auf der Y150 über dem Lago Sarmiento und dann entlang dem Gebirge, über den Rio Paine zum Campamente, das Basislager für die meisten Touren. Wir sind zu faul für Aktivitäten und geniessen in der warmen Sonne einen ausgedehnten Powernap. Leider dürfen wir nicht her bleiben. Wir bekommen widersprüchliche Aussagen: die Parkwächter sagen ok, müsst aber bei der Resevation fragen. Diese sagen nein und Overlander behaupten, der Platz war leer. Wir fahren deshalb zurück zum PP Laguna Amarga.

Gänseeltern bewachen ihre Jungen am flachen Seitenarm des Rio Paine.

Der nächste Morgen bringt keine glühenden Farben, deshalb gilt: weiterschlafen. Später fahren wir über die Y166 zur Cascada del Paine.

Der Fluss hat sich tief in die Felsen und Sedimente eingefressen. Das Wasser stürzt 15m in die Tiefe. Eindrücklich! Hier sehen wir endlich auch den 4. Torre.

Der Weg führt weiter durch die Berge an grossen Guanacoherden vorbei bis zum Lago Azul. Der tiefblaue See ist vom heftigen Wind durchgepeitscht.

Pferde grasen, bereit für Touren mit ungeübten Reitern. Schwarzhalsschwäne und Gänse suchen im Moorwasser Futter.

Die Sonne scheint warm. Im Hintergrund grüssen die Torres in voller Pracht, ohne Wolken.

Wir geniessen die Gegend mit einem langen Powernap. Am späten Nachmittag fahren wir zurück und weiter bis zur Cafeteria Pudeto. Starker Wind und ruppige Wellblechpiste lenken ab von den phantastischen Ausblicken auf die Hängegletscher, die hohen Berge, die vielen Lagunen mit Wasservögeln, die Guanacoherden und staubigen Touribussen.

Bei der Cafeteria ist der Parkplatz starken Winden ausgesetzt, also kein guter Platz zum Ubernachten. Nach einem feinen Sandwich fahren wir zum Hotel/CP Lago Pehoé.

In der Ferne sehen wir den Salto Grande zwischen dem Lago Nordenskjöld und dem Lago Pehoé. Der CP ist etwas windgeschützt. Mit 2 australischen und einem südafrikanischen bilden wir ein Landcruiser-Konzentrat. Stuart und Ailsa von Adelaide und Tom von Perth haben wir schon gestern getroffen, beides ex-Lehrer in Arnhemland im Norden Australiens.

Wir besuchen zuerst den Salto Grande in der Nähe der Cafeteria Pudeto. 100m3 Wasser stürzen hier pro Sekunde 15m in die Tiefe, ein Drittel des normalen Rheinfalls.

Das Wasser ist glasklar-türkisfarbig. Sehr starker Wind bläst durch das enge Tal.

Wir laufen zum Mirador Cuernos mit einem schönen Ausblick auf die vergletscherten Berge über dem Lago Nordenskjöld.

Wir lernen, dass die hellen Stellen in den Bergen aus Granit bestehen, die aus erkaltetem Magma entstanden sind. Die schwarzen Schiefergesteine unter dem Granit sind jünger als die darüber liegenden!

Unser Walter!

Anschliessend fahren wir zur Hosteria Lago Grey. Die Wetterprognosen für die 2 nächsten Tage sind schlecht: zu viel Wind und bedeckt. Die Schiffe fahren heute nicht zu den Gletschern. Im Hotelrestaurant lassen wir uns etwas zu voll laufen mit Pisco Sour!!! Das tut uns gar nicht gut. Chris und Walter ist’s eindeutig zu viel. Wilu hat sich noch knapp unter Kontrolle und die beiden Frauen sind recht stabil. Wir bleiben auf den Parkplatz des Parkrangers wegen den Baños. Die Nacht ist ausgesprochen ruppig, nicht wegen dem Pisco sondern wegen dem uflätigen Wind: ab 4 Uhr folgen sich die starken Böen fast im Sekundentakt. Wir müssen im Finstern umparken, das Fz richtig in den Wind stellen. René & Brigit (AR, BS) leiden auch hier.

Bei heftigem Wind, leichtem Regen verbringen wir einen faulen Tag. Der Versuch einer Wanderung auf die Halbinsel im Lago Grey scheitert: cerrado! Wegen dem Wind. Der Weg zum Ausguck Mirador Ferreira ist uns zu weit. Und der Pisco kann weiter auslüften!

Am dritten Tag klappt es. Wir müssen eine Hängebrücke über den Rio Pingo und einen langen, weichen Kiesdamm überqueren, dss ist sehr ermüdend.

Der Katamaran führt uns durch den Lago Grey, mit dem grauen Gletscherwasser.

Bald tauchen die ersten Eisberge auf, hell blau-türkis-farbig.

Das Wetter ist bewölkt, der Wind recht ruhig. Beim CP Refugio Grey steigen einige Passagiere aus, sie wollen offenbar den 3.5h Rückweg wandern.

Der breite Glaciar Grey breitet sich flach in 3 Zungen in den See hinunter, in grosse Brocken aufgerissen.

Gelegentlich donnern sie ins Wasser und bilden sehr schöne Eisberge auf dem Wasser.

Auf dem Rückweg kippen wir den spendierten Pisco Sour mit gemischten Gefühlen.

Nach der Rückkehr lassen wir uns mit Salmon / Salat/ Risotto con Fungi verwöhnen. Das Wetter wird garstiger, regnerisch. Wir flüchten in unseren Kooka und geniessen zum z’Nacht eine feine Suppe mit Wienerli (ja, ja, wir haben zum Glück keine Waage dabei).

Wir fahren, mit Walter im Schlepptau, durch das Tal des Rio Grey, dem Lago del Toro entlang nach Puerto Natales durch eine bergige Landschaft.

Die Strasse ist bis zum Rio Serrano sehr rauh, wellblechig dann Asphalt, mehr oder weniger reparaturbedürftig. Wir haben starken Rückenwind, was entgegenkommende Velofahrer gar nicht schätzen, denn sie müssen nicht nur den Berg rauf tief in den ersten Gang schalten um überhaupt langsam vorwärts zu kommen, sondern ebenfalls auf der Fahrt ins Tal runter. Und das auch noch auf groben Schotterstrassen. Der CP Campinguino ist zwar dem Wind ausgesetzt, aber wir bekommen unsere Plätze. Mit dem Landi fährt uns Walter in die Stadt zum Einkaufen. In einer Pizzeria genehmigen wir uns Pizza und Churrasco. Chris &Angie sitzen im Mesita Grande. Wir füllen die Gasflasche nach. Diese stinkt nacher zum Himmel, was wie eine leckende Flasche wirkt: alle haben das Gefühl, dass die ganze Umgebung bald in die Luft fliegt, dabei ist nur der Geruch störend.

Am Abend wird im Gemeinschaftsraum des CP gemeinsam mit allen Campern gekocht und gegessen, eine passende Weihnachtsfeier. Bei einem Glas Wein werden allseits Reise Erfahrungen ausgetauscht.

Lange schlafen, z’Mörgele und schon ist es 14 Uhr am Weihnachtstag. Mit Günther & Hildegard besprechen wir ihr Camper-Umbauprojekt. Sie haben Pläne für’s Pantanal. Die Nahrungssuche ist schwierig, wegen Weihnachten sind die meisten Läden und Restaurants geschlossen. Im Mesita Grande, dem ehemaligen Schweizer Konsulat, finden wir die gesuchte Pizza mit Cesars Salad.

Mit Chris und Angie machen wir einen Spaziergang zum Hafen runter. Am Abend läuft im Gemeinschaftsraum des CP „Kevin, Home alone“.

Der Stefanstag ist ein fauler Tag. Am Hafen stellen wir fest: die Fähre nach Galeta Tortel hätte für morgen noch einen Platz frei, der nächste offene Termin ist erst am 21.Februar! Alles ausgebucht. Wir sind in einem Dilemma: sofort Richtung Wärme durch die Fjorde ohne Chris, Angie, Walter oder ab nach Süden, mit schlechter Wetterprognose, einer besonderen Landschaft, Ende der Strasse und Ushuaia abhaken, ev, günstiger Tripp in die Antarktis. Die Entscheidung muss zu kurzfristig gemacht werden. Wir fahren nach Süden! Der Fischladen hat leider nur gefrorenen Pangasius u.a. Seafood, keinen Lachs. Bei Chris&Angie bekommen wir Apéro. Im Vegi-Shop Bananen, Aprikosen (unreif und hart wie aus dem Wallis!) Kirschen etc. In der Recasur Ferreteria bekommen wir Ersatz für die defekten Scheibenwischer. Zum z’Nacht gibt’s Heidi’s G’hacketes mit Bohnen, Gemüse und Kartoffelstock. Mmmmh!

Walter bleibt noch in Puerto Natales: er ist auf einem gäbigen CP, Einkauf und Restaurants sind in der Nähe und unsere Geschwindigkeit wird ihm zu schnell. Wir fahren mit Chris & Angie durch die chilenische Pampa Richtung Punta Arenas durch eine hügelige Landschaft mit bizarren nebelfeuchten Wäldern mit langen Flechten.

Ein Vorgeschmack auf Feuerland. Endlose Farmlandschaften mit Schafen. Ein paar Salzseen. Die Sonne scheint, wenige Wolken, gute Strasse, wenig Verkehr passen uns. In Punta Arenas kaufen wir im grossen Unimarc ein, darunter ein gebratenes Huhn zum z’Nacht. Chris und Angie tauchen auch bald auf. Im Hinterhof von Victor’s Werkstatt können wir über Nacht bleiben.

Reiserfahrungen

Inhalt

Reisen & Umwelt
Ausstattung
Fahrzeug
Immatrikulation in der Schweiz
Verschiffung, Transport
Innen-Einrichtungen
Stauraum
Ersatzteile, Werkzeug
WC
Abfall
Strom
Gas
Gesundheit
Essen
Küchenutensilien
Wasser
Lebensmittel
Sauberkeit
Sicheres Reisen
Orientierung
Navigation
Internet
Kommunikation
Fahren

 Reisen & Umwelt

Wer eine Reise tut, der kann etwas erleben…..

Reisen bewegt. Reisen bildet. Reisen verbindet. Reisen ist spannend. Reisen ist schön. Reisen entspannt. Reisen belastet. Reisen schadet.

Es gibt keine „Öko-Reisen“. Es gibt nur mehr oder weniger ökologisches Reisen.

Du bist und bleibst das schlimmste Raubtier auf der Erde, ob als Sofasportler, Hobbygärtner, Bauer, Geschäftsmann, Arbeiter oder Reisender (Frauen mitgemeint)

Du willst Dein Leben verändern, das Hamsterrad „an den Nagel hängen“, hast genug vom ewigen Tramp. Du willst Reisen. Du träumst von einem Weltreisefahrzeug, das Dich überall hin bringt, an die schönsten Orte dieser Welt. Du hast die Qual der Wahl (Link). Ist Dein Budget beschränkt, schlaf nochmals ein paar Wochen darüber, vielleicht erwachst Du in einem anderen Traum

Du besuchst die unbekannten, geheimen, unentdeckten wunderbaren Orte dieser Welt und bist erstaunt über die Horden von Touristenbussen. Woher hast Du die Info? Vom Lonely Planet? Internet? Google Earth? IOverlander? Eben!

Die Welt ist entdeckt. Die Welt ist erschlossen. Mit Strassen, Wegen, Tracks. Da kommst Du hin. Die andern Orte findest Du auf BBC, Arte und im Internet. Da kannst Du billig reisen. Leider wird Dir da der Duft, der Wind, das Eigenerleben fehlen. Und das Hamsterrad dreht im Nebenzimmer.

Die Welt ist nicht nur entdeckt, sie ist auch verteilt. Jedes Stück Land gehört irgend jemandem. Entweder privat, dem Staat oder einer Gemeinde. Du betrittst fremdes Eigentum. Wünsche der Eigentümer sind zu respektieren, ob das in Dein politisches Schema passt oder nicht. Oft sind die Ländereien in einsamen Gegenden und den Besitzer stört Deine Anwesenheit nicht, solange Du den Wald oder die Pampa nicht in Brand steckst, nichts hinterlässt als persönliche Erinnerungen und die Tore bei den Zäunen wieder so hinterlässt, wie Du sie vorgefunden hast.

Reiseerfahrungen musst Du selber machen. Du musst hier nicht weiterlesen.

Aber vielleicht bleibt doch etwas hängen in Deiner Erinnerung: ach, hätte ich doch nur…der hat doch etwas Ähnliches beschrieben…

Wir reden hier nicht von den Ferienreisen von Kuoni, den Kreuzfahrten auf der Queen Elisabeth ll oder der Adventure Tour im Amazonas. Hier geht es um das Selberreisen mit dem eigenen Fahrzeug, monate-, wenn nicht jahrelang. Mit einem Weltreisefahrzeug. Das braucht Mut, Erfahrung, Können, Geld. Und wenn das alles fehlt, Übermut, Abenteuerlust, Anpassungswillen, Anpassungsfähigkeit und Selbstvertrauen: wird schon schief gehen, aber Unkraut verdirbt nicht so schnell. Hier wird das Geld als „Lehrgeld“ eingefordert.

Fahrzeug

Das Fahrzeug soll und wird Dich überall hin bringen, das muss es auch können! Ich begegne vielen überladenen Fz, die bald einmal Rheuma, Gicht und Muskelzerrungen bekommen. Moderne Camper mit allen Schikanen, bleiben stehen, weil das Abgassystem den Dreckdiesel nicht verträgt und auf „Notlauf“ schaltet. Alte Fz, die liebevoll restauriert und eingerichtet wurden, haben chronische Schmerzen, brauchen Reparaturen und Ersatzteile. Die Garage „nebenan“ ist ein paar hundert km entfernt, das Handy hat keinen Empfang, der Track ist einsam und sehr selten begangen. Du bist allein! Doch keine Panik, erst mal langsam bis 10 zählen, das Hirn vom Panikmodus in den Denkmodus umstellen, vielleicht mal den Campingtisch und die Stühle rausnehmen. Du hast ja Zeit, viel Zeit. Mit der Zeit kommt Rat!

Es gibt viele, erfahrene Reisefahrzeugbauer, jeder ist der Beste seines Faches. Bauen lassen kostet Geld. Occasionsfahrzeuge kosten Reparaturen. Eigenbauten kosten Lehrgeld. Das dritte Fahrzeug entspricht dann in etwa Deinen Erwartungen

Reisen kostet. Immer! Hoffentlich nicht die Gesundheit.

Tom in Markt Bibart ist der Beste. Er weiss alles. Bei ihm habe ich gelernt, bei totaler Ignoranz einfach sicher aufzutreten! Tom baut Raum-Zeit-Fahrzeuge, keine fahrenden Wohnhäuser. Sie sind handlich, aussen klein, innen gross, brauchen flexible Bewohner, die sich elegant in der Raumzeit bewegen können („einfach umbauen“ heisst das auf Mobilhome-Deutsch).

Nach mehreren Versuchen habe ich folgende Lektionen gelernt:

  • Nicht am falschen Ort sparen!!!

  • Im Standardpaket ist das Wichtigste eingeschlossen, kannst Du auf Toms Liste nachprüfen.

  • Getriebe (Benziner), Kupplung, Bremsen, Federung sind verstärkt.

  • Das Landcruiser-Diesel-Getriebe ist berüchtigt schwach und die verstärkte Federung ist bei den Lasten wichtig.

  • Ich habe den Turbo einbauen lassen, nach der Probefahrt in den Alpen, würde ich nie mehr weggeben! 

  • Genügend Diesel Reserven bieten eine Tankfreiheit, Du musst nicht dringend jede Tankstelle anlaufen. 300lt Diesel: besonders wenn Du von Süden über den Finke River nach Hermannsburg fährst und im Boggy Hole komplett ersäufst, bist Du froh um Dieselreserven.

  • Gerade heute hat mich die Differentialsperre vorn und hinten aus dem Schlamassel gerettet, sehr wichtig, denn Dein Fz verleitet zu etwas gewagten Strecken. 

  • Reifen: Mit welchen Schuhen Du herumfährst ist egal, aber Dein Fz braucht die besten, passenden Schuhe. Nie bei den Reifen sparen. Ausser Du wechselst und flickst mit Freude Reifen und machst mit im Wettbewerb „Ich bringe mehr Flicke auf einen Reifen als jeder andere“! In diesem Fall solltest Du Dir auch einen grösseren Kompressor einbauen lassen.

  • Test in Europa: sehr wichtig, auch mal im Gelände. Genügend Zeit für einen Zusatzbesuch bei Tom einrechnen, für Änderungen / Anpassungen. Bei uns gab es Metallsplitter im Dieseltank, die die Leitung verstopften und am Samstag vor der Abreise bemerkte Tom selber, dass das Untersetzungsgetriebe nicht funktionierte. Es wurde am Sonntagmorgen von Tom und seinem 12-jährigen Sohn ausgetauscht und getestet. Keine Probleme mehr. Am Montag ging’s zum Hafen.

Spezielle Ausrüstungen

Tankstange ist gleichzeitig Einstiegshilfe, Unterfahrschutz und Solarwassertank. Macht Dir Tom mit einem Duscheanschluss.

Seilwinde: viel Gewicht. Wir konnten anderen aus dem Schlamassel helfen, haben uns damit einen Weg durch den Wald freigerissen und konnten uns selber sichern. Gibt aber ein gutes Gefühl. Nimm Baumsetzlinge mit auf die Reise, denn die meisten Bäume wachsen nicht dort, wo Du gemäss ATW-Training die Umlenkrolle fixieren musst. Mangels Bäumen im Outback musst Du sie zuerst pflanzen und warten bis sie gross genug sind!

Was würde ich nicht mehr hergeben?

  • Stausäcke innen: ausgezeichneter, riesiger Stauraum auf kleinstem Raum, flexibel, sorgt für Ordnung, gleichzeitig Isolation und weiches Rückenkissen.

  • Staukästen: enormer Stauraum, wenn richtig „gepackt“. Suchen wird schwierig, wenn zwei einpacken. Zuständigkeit festlegen! Der/die Andere ist ein Chaot!

  • Tisch: verschiebbar von vorn bis hinten, abnehmbar, ohne störendes Tischbein, gleichzeitig Einbruchschutzwand in Führerkabine für RoRo-Transport.

  • Markise: Regen- und Sonnenschutz, Küchenunterstand. Flexibel für beide Fz-Seiten. Leichter Auf- und Abbau. Vorsicht: unerwarteter Wind (der kommt immer unerwartet!) zerstört das Gestänge. Immer mit Seilen absichern. Bei zu starkem Wind halt einrollen.

  • Hintere Tür zum Aufklappen: immer ein Regenschutz- oder Schattendach! Mit Duschezelt privates Badezimmer mit Dusche, WC, auch mitten in der Stadt.

  • Airline-Schienen: ein Alleskönner im Befestigen, Halten, Montieren

  • Dachbox: riesiger Stauraum für leichtes, voluminöses Gepäck. Reserverad kann mit einfachem Seilzug (U-Schlaufe) auch allein runtergelassen und emporgehoben werden.

  • Sandblech: Aussenküche, Tisch

  • CH-Steckdose: 3 Sicherheitsstecker, wo sonst ein D-Schuko-Stecker Platz hat

Innenausbau

  • 2 Fenster: hatten wir zu Beginn, bis wir eines in einem Wald weggerissen haben. Es ist nun mit einer Platte verschlossen. Sowieso keine Aussicht. Die ganze Seite ist mit Säcken, bestückt, Sicht fehlt uns nicht, die Zusatzsäcke sind wertvoller Stauraum.

  • Warmluftheizung gibt schön warm, wenn sie läuft. Nach einem langen Tag herumstehen, ohne Stromanschluss, mit viel Compi-Arbeit ist die Batterie vielleicht etwas überfordert: Fehleranzeige F-03: Stromfehler! Damit Du nicht erfrierst, kannst Du beide Batterien beim Steuergerät zusammenschliessen oder lass den Motor laufen (Deine Nachbarn werden entzückt sein) schalte die Heizung ein. Sobald sie richtig läuft, kannst Du den Motor wieder abstellen. Zum Anlaufen braucht die Dieselheizung für die Zündung viel Strom.

  • Boiler: schön, wenn Du Dich mit warmem Wasser duschen oder waschen kannst oder das Geschirr mit warmem Wasser abgewaschen wird. Du könntest natürlich das Wasser mit Gas aufheizen. Aber Deine Gas-Reserven sind wesentlich kleiner als der Dieselvorrat. Zudem muss der Motor sowieso gekühlt werden.

  • Zusatzheizung für den Boiler: 10lt heisses Wasser sind rasch einmal aufgebraucht, resp. durch kaltes abgekühlt. Du könntest mit laufendem Motor den Boiler heizen. Deine Nachbarn werden das schätzen. Die Zusatzheizung kann aber auch den eiskalten Motor in den Altiplanos Boliviens vorheizen. Keine dicke Rauchwolke und ein rund laufender Motor fördern den Reisestart.

  • Hupe / Horn: das Original tönt sehr verschämt. Damit machst Du niemandem Eindruck, verscheuchst nicht mal einen alten Döschwo, In Indien wird Dein Fz zu Tode gehupt! Ein Schiffshorn bleibt aber ein Traum (SVA).

  • Wohnkabine: ja sie ist breiter als das Fz, passt nicht mehr in die typischen Landcruiser Schneisen in Australien. Sie wird bald viele Kratzer haben (keine Angst, nur der erste Kratzer ist eine Katastrophe, Du gewöhnst Dich rasch an diese Katastrophen). Aber innen bietet sie Dir einen „unglaublichen“ Wohnraum (Link) (die andern übertreiben auch!) Darin kannst Du richtig durchatmen, arbeiten, faulenzen, schlafen, leben, auch zu zweit.

Immatrikulation in der Schweiz

Einlösen in der Schweiz: wenn Du mit einem „fremden“ Fahrzeug in der Welt herum tourst, muss Du immer amtlich, notariell etc. beglaubigte Papiere dabei haben, die jeder versteht, dass eigentlich Du der Besitzer bist. Und als CH-Deutscherverlierst Du gelegentlich die Aufenthaltsbewilligung. Also macht die Einfuhr in die Schweiz (ich nehme an Du bist Schweizer / hast Deinen ständigen Wohnsitz in der Schweiz) absolut Sinn. Die Probleme hängen vom Strassenverkehrsamt und dem Fahrzeug ab: mit Euro-Zulassung keines, mit Tom/Deutscher Zulassung mehr oder weniger gross! Euro-6 sollte gehen, weiss ich nicht. Zulassung des OBD-Systems prüfen. Beim SVA gibt es solche die vor lauter Problemen keine Lösung sehen (Biel) und anderen, die Probleme lösen wollen (Thun). Von ZH habe ich gehört, dass der Chef (der Gesuchsteller kannte ihn) selber mal gesagt hat: so das reicht jetzt, lasst ihn endlich durch. Aber grundsätzlich haben alle SVA dieselben Vorschriften zu befolgen. Die andere Lösung: Du wirst Deutscher, nimmst Wohnsitz in D, lässt Dein FZ auf Dich in D einlösen (Tom kennt sich aus), fährst mindesten 6 Monate im Ausland (Vorsicht, als Schweizer darfst Du kein deutsches Auto in der Schweiz fahren!) dann kannst Du das FZ als Umzugsgut in die Schweiz einführen, dabei gelten einfachere Vorschriften für Abgas, Lärm, Personenschutz. Es braucht dann immer noch Geduld und Nerven beim SVA. Und zugelassene Zertifikate (Toms gehen meistens nicht) für kritische Einbauteile.

Neuer Turbomotor: wenn der eine neue Motornummer hat, musst Du darüber sprechen, weil im FzAusweis noch die alte steht. Sonst: die merken auch nicht alles.

D-Kennzeichen am Kooka: ja, ich war vorübergehend Deutscher. Das SVA Biel sagte mir ein solches Fz kommt nie durch in der CH, habt ihr ihn schon gekauft?Im SVA Thun meinte der Chef: mal sehen was es braucht / angepasst werden mussund nach einem schwer lösbaren Problem: fahrt das Fz mind. 6 Monate im Ausland (mit Wohnsitz) dann könnt ihr es als Umzugsgut, wie die Möbel, einfach einführen. Hier kann Dir Tom helfen.

Verschiffung, Transport

  • Verschiffung nach Australien: Das Fz möglichst ohne lange Ferienreise für Australien vorbereiten. Keinckenbein im Kühlergrill darf einreisen. Das Fz muss schlecksaubersein: mit dem Finger in versteckte Löcher greifen und abschlecken! Im Ernst: die Biokontrolle ist sehr gewissenhaft. Vor dem Verpacken im Container nochmals gründlich reinigen. Den Unterbodenschutz hat Tom ja frisch gestrichen.

  • Australien: Beginnst Du in Perth? Guter, unkomplizierter Hafen.

  • Transporteur: wir haben mit Massimo von ITS in Reinach beste Erfahrungen gemacht. Sein Sorglospaketnimmt Dir alle Sorgen ab und er hat überall seine Gewährsleute. Transporteure: sind rasch in ihren Prozessen, Massimo sehr rasch: bevor seine Konkurrenten meine Mails zu Offerten gelesen hatten, bekam ich von Massimo innerhalb 2 Stunden eine angepasste, individuelle Offerte! Aber das organisieren des Transportes braucht schon etwas mehr Zeit. Und Zeit ist Geld im Transportgeschäft. Gib ihm die Zeit, er wird Dir eine „günstige, nicht billigeOfferte machen. Sag ihm Bescheid, wenn Deine Reisepläne klarer sind.

  • Verschiffung nach Südamerika: Grimaldi ist hier die Wahl. Mit ihren Autofrachtern bearbeiten sie Afrika und Südamerika. Massimo meinte: die könnt ihr bei jedem buchen, die sind billiger als ich. Wir haben über Globetrotter gebucht. Und sind in der Owners Cabin (2 Zimmer mit Bad und Aussen-Fenster) mitgereist, ein etwas teurer Spass, aber bei der unsicheren Reisezeit (statt wie geplant 25 waren wir 47 Tage unterwegs. Eine tolle Crew, Reisegruppe und gutes Essen hat unser Reiseerlebnis positiv geprägt. Wir würden‘s wieder machen.

  • Gasflaschen: drin lassen, unterschreiben, wird schon nicht in die Luft gehen. Oder leere NEUE mitnehmen und vor Ort versuchen aufzufüllen. Tom gibt Dir Gasschläuche mit, die an Ort vielleicht angepasst werden können.

  • Containertransport: Üblicherweise geht ein Landcruiser in einen Normalcontainer, aber ohne Dachbox, ev, etwas Luft ablassen, beim be- und entladen mit schweren Männern belasten. Wichtig: die voll geladenen Batterien abhängen. Unbekannte, „unmöglicheVerbraucher können Batterien tiefentladen, dann kaufst Du Down-Under neue oder ein Solarpanel, weil sie keine Kapazität mehr haben.

  • HighCube: höhere Eingangstüre, Tom will keine Reklamationen mehr wegen zu hohen Fz im Container. High Cube ist heute auch nicht mehr ein Problem, weil sehr viele Güter in HighCube transportiert werden. Früher waren diese Container noch Mangelware und mussten für einen Transport auf der Welt zusammengesucht werden. Kosten ev. leicht höher.

Innen-Einrichtungen

  • Auf Multifunktionalität achten: Mehrfachnutzen mit einem Teil! Im Raum-Zeit-Fahrzeug von grossem Nutzen: das Teil kann zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Funktionen erfüllen.

  • Aussenküche mit den Sandblechen sehr praktisch mit kleinem Gaskocher (Fischliebhaber?) Wir haben einen einfachen, einflammigen, billigen Primus-Kocher mit Gaspatronen und sind sehr zufrieden damit. Gaspatronen bekommst Du überall. Wir hatten einen ausgewachsenen 2-flammigen Campinggaskocher dabei, nie benutzt, zu sperrig.

  • Omnia „Backofensehr zu empfehlen zum kochen, backen. Klein, leicht, vielseitig einsetzbar: Auflauf, Brot, Kuchen, Gemüse, Asiatisch, Austern etc.

  • Cobb Kocher: ein Ungetüm, aber wirklich gut und vielseitig zu gebrauchen: kochen braten grillen backen, heizen. Bambusholzkohle Briketts brennen fast 2 1/2 Stunden, genügend Vorrat kaufen, bekommst Du Down-Under. Geht auch, aber weniger gut, mit normaler Holzkohle. Wokpfanne und Backblech separat kaufen. Lohnt sich. Verstauen in der Dachbox

  • Innenkochen ist die Ausnahme in Australien, in Südamerika und anderswo die Regel.

  • Dachbox: hilfreich für sperrige Lasten (Reisetaschen, Cobb-Kocher, Reserverad etc.)

  • Markise: genial bei Regen und Sonnenschein.

  • Plastikplane, robust, als Arbeitsunterlage, Windschutz, Regenschutz

  • Die Treppe war mir zuerst suspekt: das baut man doch ein! Falsch! Die multifunktionale Treppe ist nicht nur Einstiegshilfe, sondern Arbeits-Plattform für Arbeiten in der Höhe, als Sitzgelegenheit, als Beistelltischchen für den Apéro.

  • Die Säcke sind Gold wert!

  • Tisch: genial mit dem Verschiebemechanismus, ohne Bein. Wir haben einen leicht grösseren (1m) plus eine Zusatzauflage links unter Waschbecken. Wir können ihn als Einbruchsperre vorne im Gang fixieren für RoRo-Transporte, eingeklemmt zwischen Boden und Bett.

  • Nach einem Jahr Australien mit heissem Kola haben wir einen 2.hlschrank gekauft.

  • Habe mir einen eigenen Windschutz gebaut für die patagonischen Sturmböen (bis 100km/h). Hat sich ausgezeichnet bewährt. Kann so auch oben schlafen.

  • Die Wandverkleidung mit dem Teppich ist ideal: leichte Isolation, verhindert Kältebrücken, Kondensation. Mit Klett-Bändern kann alles mögliche „angeklettet“ werden (Spiegel, kleine Dosen für Brillen, Säcke, Aufhänger etc.

  • Die Lautsprecher sollten vom Innenraum mit iPhone angesteuert werden können.

Stauraum

Du hast kein riesiges Mobilhome auf einem grossen Lastenzug in dem jedes Ding seinen klar zugewiesenen Platz wir in einer wohlorganisierten Werkstatt. Oder wie bei Hornbach: wo sind die Stecker? Regal 9 Mitte links unten!.

Du hast ein kleines Raum-Zeit-Wunder. Wie der Supermercado Don Ciro in Puyuhuapi an der Carretera Austral in Chile: im Raum einer kleinen 3-Zimmerwohnung ist das Sammelsurium eines Baumarktes, des Tante-Emma Ladens, einer Ferreteria, einer Landi und des Coop City Centers zu finden. Ein Abstecher lohnt sich, um Deine alte Wunschliste abzuhaken. Beim Gang durch die engen Gestelle findest Du alles, was Du noch nie gesucht hast und das Meiste, was Du sonst nirgends findest. Angel für den passionierten Fischer? Ein Griff in eine Schachtel. Gaspatronen? Welche Grösse? kochgeschirr? Was Dein Herz begehrt. Gasanschluss für meine Euro-Gasflasche? Nein, haben wir leider nicht.

Im Raum-Zeit-Fahrzeug hat alles zu seiner Zeit seinen Platz. Bist Du ordnungslebend? Ein Messi? Ist meine Ordnung Dein Chaos? Ich suche nicht, ich finde, das braucht aber seine Zeit.

Bei den über 30 Stauplätzen und zahlreichen Behältern im Fahrzeug hast Du die Wahl:

  • Ich möchte meine Reisezeit nicht mit dauerndem chaotischen Suchen verbringen, ich halte (wenigstens ein wenig) Ordnung.

  • Aber Vorsicht: jeder und jede versteht unter Ordnung etwas anderes. Zuständigkeiten festlegen, wer wo seine Ordnung unterhält, reinpfuschen führt zu Stress (siehe Zweierkiste).

  • Ich habe einen geometrischen Plan aller Stausäcke, Staukästen und versteckten Stauplätze und eine Liste aller Kleider, Utensilien, Werkzeuge, Ersatzteile mit Stauplatz. Tönt hochkompliziert, ist aber extrem hilfreich, wenn ein sehr gwundriger Zöllner wissen will, was Du alles dabei hast, Du erinnerst Dich wieder an das Abendkleid, das unbedingt mit musste, Du findest nach langem bei Bedarf das Spezialkabel, den Kombinationsstecker und das Spezial-Ladegerät, den Ersatz-Wasserfilter usw.

  • Wenn die Liste einigermaßen aktuell gehalten wird, fallen Dir bald mal unnötige Sachen auf, die Du getrost zu Hause lassen oder verschenken kannst.

  • Der Weinkeller hat vielleicht eine besondere Bedeutung. In ihm lagerst Du Deinen Bier- und Weinvorrat. Aber aufgepasst: zu Hause wird Dein Weinkeller nur selten bei einem Erdbeben durchgeschüttelt, im Fahrzeug hast Du dauernd Erdbeben der Stärke 9-10!

  • Weinflaschen aus Glas zerbrechen, wenn sie aufeinander knallen.

  • Bierdosen sind technisch hochentwickelte Produkte. Die Wandstärke berücksichtigt den Innendruck zur Stabilisierung, d.h. die Alu-Schicht ist extrem dünn. Alu ist weich und kratzempfindlich. Sich reibende Dosen platzen über kurz oder lang.

  • Beim kleinen Weinkeller ist schon ein halber Liter Flüssigkeit, die irgendwohin läuft, sehr viel.

  • ALSO: Bierdosen und Weinflaschen immer mit Karton untereinander abtrennen!

Ersatzteile, Werkzeug

  • Nur das Notwendige mitnehmen (das weisst Du aber erst nach 2 Jahren!)

  • Ersatzteile, Werkzeuge: was Du mitnimmst, brauchst Du nicht, alles andere wird Dir fehlen!

  • Victorinox Sackmesser und eine Flachzange oder ein Weatherman und ein gutes Klebeband lösen 80% der Probleme

  • Übrigens: Sackmesser sind ausgezeichnete Geschenke, wenn Dir mal jemand sehr geholfen hat und nichts dafür verlangt.

  • Kleiner Bohrschrauber ist auch ein Mixer für die Küche

  • Industrieller Sekundenkleber auf Bad Kissinger Messe gefunden klebt fast alles beinhart!

  • Die Raum-Zeit-Werkzeugschachtel: Auf kleinstem Raum sind all die nötigen und unnötigen Werkzeuge versorgt. Raum-Zeit weil das herausnehmen und wieder richtige, platzsparende Einordnen seine Zeit nimmt. Nicht wie an der Werkzeug-Wand alles übersichtlich und griffbereit. Ist auch nicht nötig, Du willst ja möglichst nichts reparieren.

  • Die Raum-Zeit-Werkzeugdose: ist dasselbe in verkleinerter Form, eine Wunderdose der ganz besonderen Art.

  • Mit dabei ist noch ein Sack mit den grossen Schlüsseln und der Drehmomentschlüssel für die Radschrauben. Im Reparaturset von Tom findest Du einen Spezialschlüssel für die Radnaben, der normalerweise in den Werkstätten fehlt.

  • Weitere wichtige Werkzeuge sind: eine robuste, gute Schaufel (für Erdbewegungen!), ein kräftiges Beil, das Holz hacken kann, eine Säge, die das Holz auch schneidet, eine geschärfte Machete, wie sie die Gauchos nutzen.

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WC

  • PortaPorty braucht Platz. PortaPorty ist keine schlechte Lösung. Reicht für einige Sitzungen. Wir benützen es selten (Schaufel-WC).

  • Wir haben für den Notfall Plastiksäcke für unser Portaporty dabei, obschon da alles rein geht.

  • In einigen NP darfst Du nur mit eigenem WC übernachten.

  • Du wirst mit allen möglichen und unmöglichen Lösungen konfrontiert. Von piekfein bis abscheulich. In Südmerika sind die Abwasserleitungen so eng, dass kein WC-Papier ins Klo darf. Ich höre jetzt noch die Kriegsirenen-lauten Entstopfungsmaschinen in Calafate und El Chaltén.

  • Für eigene WC gibt so viele Versionen wie Erfinder! Wir haben die verrücktesten Lösungen gesehen: umgedrehte Bierkiste mit Deckel und Plastiksack, Klappstuhl mit Deckel und Plastiksack (hatte einer dabei, dessen Frau chronischen Durchfall hatte). Statt Bag-Loo: kauf Dir im Baumarkt einen WC-Deckel, nimm von einem Klappstuhl die Sitzfläche weg und klemm einen Plastiksack ein, das ist platzsparend, einfach und mit einem kleinen Rundvorhang sogar mitten in der Stadt zu benutzen, leider ohne Spülung.

  • Bag-Loo

  • Plastiksäcke sind gut, meint man. Aber deren Entsorgung ist sehr problematisch! Sind sie dicht? Mitnehmen? Auswaschen? Vergraben? In den Ghüder? Wo geht der hin? In die Kehrichtverbrennung im Hagenholz? Oder einfach auf eine grossflächige Deponie in der Pampa, vom Winde verweht? In den nächsten Fluss und ab ins Meer? Du wirst sehen: Plastiksäcke sind weltweit ein Riesenproblem!

  • Das Problem im Klein-Camper ist die Zweierkiste: das WC ist nicht abgetrennt.

  • Camper mit separaten WC: Denkt auch ans umweltgerechte Entsorgen, nicht einfach hinter den nächsten Busch, in den Fluss, ins Meer oder in ein überfordertes WC entleeren, wie wir das immer wieder sehen. Ja, wohin denn? Ein grosses Loch graben? Spezielle Entsorgungsanlagen sind in Europa Standard, sonst Mangelware.

  • Moderne Bio-WC: mit Flüssigkeits-Abtrennung und „Kompost“ wir Kokosfasern, Torf etc. Auch die werden mal voll.

  • Wir benutzen meistens das „Schaufel-WC“: in der Nähe ein Loch von mindestens 30cm Tiefe graben und beim Verlassen wieder sauber zudecken. Darin hat Dein persönlicher Abfall Zeit zum Verrotten. Achtung: bei Tag ist der Weg einfach zu finden, bei Nacht sieht alles anders aus! Wegmarken mit 1-2 WC-Papieren an gut sichtbaren, windgesicherten Stellen leuchten im Stirnlampenlicht. Natürlich werden auch die entsorgt.

Abfall

  • An der Quelle verhindern: (nichts) einkaufen, (nichts) essen, (keine) Souveniers, (alles) verwerten,

  • Was übrig bleibt, sorgfältig „entsorgen“.

  • Das Trennsystem der CH kennen die wenigsten.

  • Saubere Kehrrichtverbrennungsanlagen existieren kaum.

  • Die aufgestellten Abfallsammler werden zwar oft geleert und eingesammelt, der meiste Abfall landet aber auf irgend einer riesigen Müllhalde, neben der Strasse, im Fluss, im Meer, wird „vom Winde verweht“.

  • Vergraben geht kaum. Besonders in den Wüsten der Sahara und Australiens kommt der Müll nach dem nächsten Sturm wieder zum Vorschein.

  • Wir trennen nach „brennbar“ und „nicht brennbar“. Im nächsten Lagerfeuer wird der Abfall im starken Feuer möglichst rauchlos entsorgt.

  • Organischer Abfall aus der Küche (Rüstabfälle) gehören nicht in die unberührte Natur: sie verrotten zu langsam, werden von Tieren (v.a. Ratten) als Fremdfutter gefressen und zerstreut. In Alaska haben Bären so die Menschenscheu verloren und werden gefährlich.

  • Glas (Wein), Alu (Bier, Mehrschichtenpapier nach Verbrennung) etc. geht halt in die lokale Entsorgung.

  • Die grossen 6 lt-Wasserbehälter entpuppen sich, aufgeschnitten, als ideale Kehrricht- Entsorger: getrennt gesammelter Müll kann direkt darin, auf dem Feuer, verbrannt werden.

  • Auch wir sind Umweltverschmutzer, es ist halt so einfach, den Müll einfach (wenigstens) in den nächsten Kübel zu werfen!

Strom

  • Genügend USB Stecker einbauen lassen! (Ich nehme an, Du hast mehr als ein iPhone)

  • Ich habe 3xCH-Steckdosen einbauen lassen, brauchen gleich viel Platz wie ein D– Schukostecker. Musst Du Tom liefern. Vorsicht bei Steckdosen über dem Kühlschrank: wegen Platzmangel fällt der  Kühlschrankdeckel auf die Finger, tut nicht nur weh, kann auch brechen!

  • Zusatz-Solarpanel nur, wenn Du bei dauerndem Schlechtwetter keinen Stromanschluss hast, nicht fährst und dauernd am Computer sitzest, mit einer Batterie, die beim langen Transport tiefentladen wurde. Zusatzpanel richtig anschliessen!

  • Bei einigen Stromanschlüssen ist die Absicherung schwach. Du kannst mit Deiner Kaffeemaschine einen ganzen Campingplatz lahm legen.

  • Deine Strom-Anschlüsse sind genormt (CH ist platzsparend und mit vielen Geräten kompatibel. Jedes Land hat andere Normen. Einfache Übergangsstecker für jedes relevante System sind besser als die universalen, multifunktionalen Reisestecker. Vielleicht ist (für den langen Australien-Aufenthalt) ein Umbau der Kabel die einfachste Lösung.

Gas

Gas für Kocher ist praktisch, aber in jedem Land findest Du andere Behälter, Bezeichnungen und Anschlüsse. Gas aus der Petroleum-Industrie wird im wesentlichen in folgenden Qualitäten genutzt:

  • Erdgas, Methan ein hochflüchtiges Gas wird in den stationären Erdgasnetzen der Städte eingesetzt, früher noch mit CO, Kohlenmonoxid. Erdgas lässt sich nur mit hohem Druck zu LNG Liquid Natural Gas verflüssigen, ist für den Camper uninteressant.

  • Propan: niedrig siedendes Gas aus den leichtflüchtigen Anteilen der Erdölförderung. Weit verbreitet im Küchen- und Campingbereich. Auch im Winter genügend Druck.

  • Butan: etwas höher siedendes Gas als Propan. Ebenfalls weit verbreitet im Campingbereich. Butan kann bei tiefen Temperaturen im Winter verflüssigen und verliert dabei den notwendigen Druck

  • Die Druckregulatoren von Propan und Butan werden verschieden eingestellt.

  • LPG (liquid petroleum gas) die Gasfraktion aus der Erdölförderung, ist ein Gemisch von Propan, Butan- und Pentanisomeren. Hat ähnliche Eigenschaften wie Propan und Butan und wird vielfach als Benzinersatz in „Gasautos“ und in Gasküchen eingesetzt. Darf nicht mit Methan (LNG, steht unter hohem Druck) verwechselt werden.

  • LPG kann gefahrlos als Propan- oder Butanersatz eingesetzt werden. Die Leistung der Kocher kann unterschiedlich sein.

  • Gasflaschen nachfüllen: ist vielerorts ein schwieriges Thema. Unterschiedliche Anschlüsse, gesetzliche Sicherheitsvorschriften, Nichtkönnen und Nichtwollen lassen die Suche nach einem geeigneten Gasfüller zur Odyssee werden. Deshalb frühzeitig drum kümmern.

  • Tom gibt Dir Gasschläuche mit einem Stutzen mit. Damit kannst Du an Ort lokale Schläuche kaufen, den Anschluss abschneiden und mit Schlauchbriden verbinden.

  • Wenn Dir niemand helfen kann / will, kauf Dir eine normale zu grosse Gasflasche, verbinde sie mit Deiner Gasflasche und fülle das Gas durch Schwerkraft um. Das kann zeitraubend sein. Die grosse Flasche oben sollte wärmer sein als die kleine unten. Rauchen bei dieser Operation ist ein sehr kurzes Vergnügen!

  • Das Gas ist mit einer Substanz (Benzylmercaptan) imprägniert, damit es „nach Gas riecht“. Wenn Du vom Gasfüller eine stark riechende Flasche zurück bekommst, heisst das nicht unbedingt, dass die Flasche undicht ist. Er hat vielleicht beim Abfüllen viel Gas entweichen lassen (das beschleunigt das auffüllen) Nun ist Deine Flasche mit Benzylmercaptan versaut. Das kannst Du mit einem Lappen / Papier mit Abwaschmittel entfernen. Nachher bist Du der „Gäseler“!

Gesundheit

Gesundheit ist nicht Alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts!“ haben schon viel gescheitere Menschen gesagt. Beim Reisen ist die Gesundheit noch mehr in Gefahr als zu Hause und eine Reparaturklinik ist kaum auffindbar. Also Vorsorgen!

  • Unfälle (Verkehr und wilde Tieren) Infektionskrankheiten und Lebensmittelvergiftungen stehen im Vordergrund.

  • Eigene schlafende, nicht erkannte Krankheiten können akut erwachen (zB. Bluthochdruck, Gicht, Nierenversagen, Krebs, Allergien, Rheuma u.v.a)

  • In Europa bist Du für und gegen alles versichert, aber wie sieht das ausserhalb aus? Zum Thema Versicherungen hier mehr.

  • Bist Du medikamentenabhängig? Den Verbrauch realistisch und gut einschätzen, genügend Reserven mitnehmen (eine “riesige“ hunderter-Packung reicht ev. nur 3 Monate), vom Arzt Rezept mit Alternativen vorschlagen lassen, an Ort bei Bedarf frühzeitig Nachschub suchen. Lokale Apotheken sind auf den Bedarf der lokalen Bevölkerung ausgerichtet, nicht auf Deine Spezialwünsche.

  • Vielleicht kannst Du mit Deinem Arzt sowas wie eine Ferndiagnose / -hilfe per eMail abmachen.

  • Besuch beim Tropenarzt vor der Abreise ist obligatorisch! In einigen Ländern musst Du den Nachweis einer Impfung dabei haben (Link)

  • Operationen und notwendige Behandlungen möglichst vor Deiner langen Reise (endlich) abschliessen.

  • Eine Standard-Erste-Hilfe-Apotheke mitnehmen, vom Arzt gut ergänzen lassen. Multi-Vitaminpillen gegen ev. Mangelerscheinungen, Magnesium gegen Muskelkrampf.

Essen

Beim Reisen verbrauchst Du viel Energie. Du bewegst Dich schnell durch die halbe Welt, Du konzentrierst Dich auf den Weg, die Umgebung, Dein Ziel. Die verbrauchte Energie muss ersetzt werden. Futtern! Aber Achtung: der grösste Energieverbrauch kommt aus den Dieseltank! Zuviel essen brauchst Du also nicht, Du bewegst Dich ja nur im Fahrersitz hin und her, gute Chancen, Deinen Bauchfett-Anteil schnell zu vergrössern! Essen mit Mass, nicht in Massen!

Küchenutensilien

Wenig ist mehr! Wir haben kein 24-er Service für den ganzen Campingplatz. Wir haben je ein Teller, klein, mittel, gross, Tasse, Becher, (Plastik-)Weinglas, Besteckset, Stuhl für uns. Wenn wir zum Apéro einladen, muss jeder selber für den Stuhl und das Glas sorgen.

  • Multifunktionales Pfannenset: passt ineinander. Zum kochen, schmoren, braten.

  • Dampfkochtopf: würden wir nicht mehr hergeben. zeit-, aroma-, gestank- und gas-sparend

  • Wasserkocher: bei unserem Kaffee-Konsum überlebenswichtig

  • Tischsets: man gönnt sich ja sonst keinen Komfort

  • Kleine Küchenwaage: Backrezepte müssen stimmen! Und der Kalorienverbrauch sollte unter Kontrolle sein.

  • Gummeli“ verschliesst vieles

  • Settigi Chlammere“ aus dem Bürobedarf, verschliesst den Rest

  • Tupper-Dosen: Restensammler, Vorratsbehälter etc.

  • Küchenschublade“ berüchtigtes Sammelsurium, hier sauber geordnet.

  • Teig-Salat-Misch-Schüssel gross im Volumen, klein im Platzverbrauch.

  • Plastikbehälter um Raum-Zeiten abzugrenzen

  • Klapp-Toaster

  • Gesund essen, es muss nicht immer Pommes, Pizza, Fastfood und Spaghetti sein. Es braucht auch nicht jeden Tag ein Grillfest.

  • Vielseitig und variantenreich essen, keinen Trott wie zu hause aufkommen lassen.

  • Neben dem Müesli und Grillfleisch auch mal was anderes.

  • Auf dem lokalen Markt findest Du Sachen, die Du sicher nicht kennst. Frag die Marktfrau, wie man das zubereitet. Du wirst sofort in die Geheimnisse der einheimischen Kochkunst eingeweiht. Ein bisschen Geschmacks-Abenteuerlust muss sein mit gewagtem Kochen.

  • Es muss in Afrika ja nicht nur Buschmeat sein.

  • Eintopfgerichte zwingen zur Fantasie. Was hab ich noch, was muss unbedingt aufgebraucht werden?

  • Eine Suppe aus Resten, mit Fantasie ergänzt, ev. mit Instant-Nudeln angereichert ist ein fantastischer Eintopf-Allerweltskönner.

  • Apéro schmeckt zwar, hängt aber bald im Bauchfett fest. Mit Bier und Wein geht‘s noch schneller. Kein Problem, wenn das Bauchfett wegbewegt wird.

  • Gesund bewegen. Spätestens wenn die Wurzeln im Regenwald, die Steinstufen am Berg zu hoch und mühsam werden, ist es Zeit, etwas gegen den Muskelschwund zu tun.

  • Beim Fahren bewegst Du Dich, klar, aber nur mit dem Fahrzeug, Du bleibst immobil im Fahrersitz.

  • Muskelaufbau und Muskelschwund gehen in ein gefährliches Ungleichgewicht!

  • Vielleicht doch den angegebenen Sendero, den Weg zum Aussichtspunkt gehen. Beim Fotografieren das Tele vergessen und mit dem Weitwinkel nah dran laufen.

  • Laufen, laufen. Eingerostete Gelenke und Muskeln langsam wieder lösen, mit einem Aufbautraining. Nicht kompliziert, nur langsam, immer wieder, steigernd.

  • Muskelschmerzen (Muskelkater) hat etwas mit überforderten Muskelfasern zu tun. Mikro-Faserrisse schmerzen und brauchen ein paar Tage zur Regeneration.

  • Nach einer Tor-Tour könnte Dein Salzgleichgewicht im Blut unausgeglichen sein. Bei Magnesiummangel bekommst Du Muskelkrämpfe. Ausgleichen.

  • Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen sind oft die Folge zu schwacher Muskeln.

  • (Ich rede hier nicht von chronischen Gesundheitsschäden mit anderem Hintergrund)

  • Dein Fahrzeug ist ein ideales Turngerät. Dehn-, Stütz-, Hebe-, Kraftübungen, mit und ohne Gummiseile lassen sich ausdenken.

  • Kraftübungen mit dem Bier- und Weinglas sind unergiebig, aber gesellig!

  • Mangels Personen-Waage kannst Du Dein Gewicht an der Bauchfett-Falte messen: pro cm ca. 6kg Übergewicht! Trägst Du den 30kg-Rucksack gerne überall hin mit?

Wasser

Das wichtigste Überlebensmittel. Sauberes, einwandfreies Trinkwasser kann rar sein. Du brauchst kaum eine Trinkwasseraufbereitungsanlage, die aus einer schlammigen Brühe feinstes Tafelwasser macht. Dafür solltest Du bei jeder Gelegenheit Deine Wasservorräte mit trinkbarem Wasser auffüllen. Tom hat Dir ein gutes Filtersystem eingebaut. Immer Reservefilter mitnehmen. Damit kommst Du weit, sofern Du haushälterisch mit dem Wasser umgehst. Sauberes Wasser ist wichtig zum trinken, gutes Wasser ist wichtig zum kochen. Zum waschen, abwaschen, putzen, genügt jede andere Qualität. Wasser kann auch mehrfach genutzt werden. Das Wasserglas wird mit wenig heissen Wasser gespült, danach werden die Kaffeetassen und die Teller mit dem gleichen Wasser abgewaschen. Mit diesem Abwaschwasser kannst Du noch Deine müden Füsse waschen, sie werden gleichzeitig etwas eingefettet und leicht erfrischend parfümiert, wenn Du das Zähneputzwasser mit verwendest. Deine Körperpflege kannst Du ebenfalls wassersparend und doch einwandfrei machen, dazu brauchst Du keine ganze Badewanne voll. Mit feuchten Lappen kannst Du viel erreichen, sie müssen nachher sauber gewaschen und getrocknet werden. Isch alles nid gruusig, tönt nur so! Aber für Warmduscher gibt es immer wieder eine Gelegenheit zu einer Verwöhndusche oder ein Bad im warmen See. Kaltduscher nehmen das Bad im nächsten Fluss (Australien: Vorsicht vor Krokodilen, Asien: beurteilen, ob Du nach dem Bad sauberer oder dreckiger aus dem Wasser kommst. Afrika: Vorsicht bei verseuchtem Wasser).

  • Wasser-Tank auffüllen: bei jeder Gelegenheit die Wasserqualität der Wasserhahnen prüfen (Farb- und Geschmackstest) und ev. nachfüllen.

  • Bei Verdacht kannst Du das Wasser mit Silberionen (Micropur-Tabletten) absichern.

  • Tankstellen und Campingplätze haben oft einen Trinkwasseranschluss

  • Eigenen, sauberen, geruchlosen Schlauch benutzen, mind. 5m + 50cm-Stück

  • Gardenia Schlauchverbinder passen, mit den Schraubanschlüssen (1/2 und 3/4 Zoll fast überall.

  • Tom‘s Plastik-Wasser-Behälter haben einen 1/2Zoll Wasseranschluss-Gewinde.

  • Die Rückstossstange ist ein praktisches Wasserreservoir für Warmduscher (im Sommer)

  • Heisswasser vom Boiler (Motorheizung und Dieselheizung) sehr praktisch

  • Versauter Wassertank: gut und sauber ausspülen, ev. mit Mikropur absichern

  • Notfallmässiges, unsauberes Wasser nur in Kanister abfüllen, nicht in den Tank.

  • Luxus: sauberes Tafelwasser von Nestlé, Coca Cola & Co in Plastikflaschen.

  • Wäsche: mit dem „Scrubby“ einem Plastiksack mit Rippen, kannst Du deine kleine Wäsche zwischendurch erledigen.

  • Vielerorts gibt es (in SA) „Lavanderias“ die gerne ein paar Pesos verdienen und einen guten Service bieten.

  • Alternativ: das Plastikfass auf dem Autodach, mit Wäsche und Waschwasser. Nach einem Tag Rüttelpiste sollte die Wäsche sauber sein.

Lebensmittel

Du hast bald zu viele Lebensmittel dabei. Jedesmal im grossen Shopping Center auffüllen, im lokalen Markt die schönen, feinen Gemüse und Früchte einpacken. Und nach dem Einkauf den Hunger im Spezialitäten-Restaurant mit überdimensionierten Portionen stillen. Schon werden die frischen Produkte wieder mindestens einen Tag älter.

Wenn schon futtern, dann wenigstens die Reihenfolge umkehren: zuerst essen, dann einkaufen. Du kaufst ohne Hunger viel weniger ein. Auch hier hilft Ordnung: nur mit einer aktuellen Einkaufsliste durch die Regale schlendern, Dich nicht (immer) verführen lassen. Ok, zwei Päckli Biskuit für den Kaffee und Chips für den Apéro liegen drin.

Als Kaffee-Junkies brauchen wir unsere tägliche, grosse Ration Kaffee. Zu Hause haben wir den besten Kaffe ausgesucht, die beste Zubereitung gefunden. Kaffe trinken ist Routine. Auf der Reise ist das gaaanz anders! Auch wenn Du in Kolumbien die besten Kaffebohnen vom Bauern direkt bekommst, es wird eine Enttäuschung sein: Mischung, Röstgrad, Mahlgrad und das richtige Druck / Temperaturverhältnis in der Kaffeemaschine stimmen nicht. Ach so, eine Kaffeemaschine hast Du ja gar nicht, der kleine italienische X-Kocher passt auch nicht. Es vergehen etwa 4 Tage und wir haben uns an den globalen Brösmeli-Kaffee von Nestlé & Co. gewöhnt. Der Koffeinspiegel im Blut stimmt!

Bei Grenzübergängen gelten teilweise strenge Vorschriften, insbesondere für frische Früchte, Fleisch, Milchprodukte, Gemüse und Alkohol. Du willst doch die Zollbeamten nicht mästen? Einige nehmen Dir alles weg, andere schauen interessiert Deine Einrichtungen an: nice car!

Wenn Du mit Drogen in Berührung kommst (zB. Autostopper) kann das den

Drogenhund am Zoll interessieren. Wenn er sich ganz brav neben Dich hinlegt, dann wird Dein Auto auseinander genommen (Vielleicht kein Scherz!)

Die Kühlbox ist in den heissen Zonen wichtig, Die Tiefkühlbox kann Dich auf Deinen ausgedehnten Outback-Tripps mit dem gewohnten Esskomfort (frisches Gemüse, Steaks & Co.) verwöhnen. In abgelegenen Gegenden ist die Versorgung mit Frischprodukten „etwas gewöhnungsbedürftig“. Aber Du könntest Dich ja anpassen!

Sauberkeit

Sauberkeit ist eine Zier, doch manchmal geht‘s auch ohne ihr! Oder so ähnlich. Du wirst erstaunt sein, das erste Sandkorn, der erste Grashalm im Auto bringt Dich fast um den Verstand. Ich will keine Dreckbude. Putzen, waschen, polieren. Irgendwann wird die Putzerei zur Routine und Du beginnst zu denken.

Sand, Staub, Grashalme hat es draussen überall. Aber drinnen hat das Zeugs nichts zu suchen. Logisch: verhindern, dass es reinkommt. Tom hat Dir ein ziemlich staubdichtes Vehikel gebaut. Wenn Du mit offenem Fenster durch die Staubwolken des entgegenkommenden Verkehrs fährst, ist klar: schon wieder putzen. Sind die Seitenfenster nur wenig offen, wirkt das als Vakuumsauger: der Staub, ganz besonders der „Bulldust“ (das ist der Feinststaub, berüchtigt im Norden Australiens nach den saisonalen Überschwemmungen) werden durch jede Ritze ins Fahrzeug gezogen. Also: Fenster schliessen und Lüftung einschalten, das gibt einen Überdruck im Auto.

Zum putzen haben wir eine kleine, handliche Schuhputz-Kleider-Boden-Bürste für alles. Vor der Einstiegstreppe liegt immer eine Türvorlage für den Garten: Füsse scharren nimmt 98% des täglichen Schmutzes weg, das Gitter vor der Abfahrt kurz durchklopfen. Sauber.

In unregelmässigen Abständen hat unser Kooka eine Schaumwäsche verdient, oft mit Himbeergeschmack, den liebt er besonders.

Sicheres Reisen

  • Alarmanlage: hast Du sicher schon gehört, wie die piepsen, alle drehen den Kopf verständnislos. Hab eine nachträglich eingebaut, funktioniert noch nicht, weil ich die Kontaktmagnete noch nicht eingebaut habe. Das Fz wurde noch nicht gestohlen.

  • Typischerweise werden die Fenster eingeschlagen und die herumliegende Foto- und Computerausrüstung gestohlen, in weniger als 2 Minuten, auch auf dem Shoppingcenter PP. In kritischen Gegenden bleibt eine Person im FZ.

  • Tom hat mir eine Türverriegelung mit einem Spannriemen eingebaut, sichtbar von aussen. Die Türen lassen sich so, auch nach Scheibenbruch nicht einfach öffnen.

  • In Küstengebieten ist die Kenntnis von Ebbe und Flut immer sinnvoll. Der schöne Platz könnte in der Nacht unter Wasser liegen oder die flache Bachpassage ist 6 Stunden später ein unüberwindbares Hindernis. (https://www.tide-forecast.com)

  • Ein Overlander erzählt folgende Geschichte: bei einer Baustelle auf der Insel Chiloé (Chile) muss er warten. Ein paar Bauleute stehen herum. Kurz vor der Grünphase macht ihn ein Arbeiter auf einen platten Reifen aufmerksam. Er steigt aus, sieht die Bescherung, fährt aus dem Weg und beginnt den Reifenwechsel. Die freundlichen Bauleute sind sehr hilfsbereit. Der Reifen ist bald gewechselt, die Fahrt kann weitergehen. Kurz darauf bemerkt der Fahrer, im Handschuhfach fehlen alle Dokumente. In den Reifen wurde ein Loch gestochen. Alle konzentrieren sich auf die Reparatur, unterstützt von hilfsbereiten Leuten. Einer benutzt die Gelegenheit zum Griff ins Handschuhfach!

  • Merke: hilfsbereite Leute sind eine grosse Hilfe in der Not. Sie könnten aber auch Deine Notlage ausnützen. Vorsicht mit offenen Türen. Eine Person sollte immer ein wachsames Auge auf die Gesamtsituation haben, sich nicht ablenken lassen. Das ist leichter gesagt als einzuhalten.

  • Vorsicht mit „wilden Tieren“: sie sind scheu, fliehen. Aber wenn Du sie bedrängst, der Schlange auf den Schwanz trittst, werden sie aggressiv und beissen zu. Bei einer Death Adder reicht es Dir dann kaum zum Schlussgebet.

  • Unruhegebiete sind Unruhegebiete. Auf unbeteiligte Touristen wird in den seltensten Fällen Rücksicht genommen. Touristen sind lohnende Geiseln: viel Geld, viel Aufmerksamkeit.

  • Bist Du Brillenträger? Hast Du mehrere Reservebrillen und das Brillenrezept dabei? Ist Deine Brille mit einem Sport- oder Sturmband gesichert?

  • Du suchst Dir den schönsten Übernachtungsplatz, unten am Fluss. Dabei solltest Du zuerst das Hirn einschalten:

      • Der Weg geht steil runter, komm ich da wieder rauf? Natürlich deuten frische Spuren auf regelmäßigen Gebrauch hin. Das sind meistens Fischer mit ihren leichten Pick-Ups. Mit Deinem übergewichtigen Traum musst Du 2 mal überlegen. Vorher zu Fuss anschauen ist gut für Deine Gesundheit und viel besser als eine aufwendige Bergung am nächsten Tag.

      • Der Weg ist ok. Ist das der Fluss auch? Angeschlossen an einem Elektrizitätswerk mit plötzlichem Wasserablass? Ist die Wetterlage im Einzugsgebiet stabil? Wir haben die Maggia erlebt, wie sie vom schönen Wildbach zum tödlichen Monster wurde. Übrigens: in der Sahara ertrinken mehr Menschen in reissenden Flüssen als verdursten. Der schöne Platz könnte zur Insel ohne Durchfahrt werden.

    • Verschlossenen Tore sind oft mit dicken Schlössern abgesichert: Privat! Manchmal ist irgendwo ein Kettenglied durchgeschnitten zum Öffnen ohne Schlüssel. Der Farmer will ja nicht wegen einem vergessenen Schlüssel nochmals einen halben Tag zurückgehen. Es kann sein, dass Du 100km fährst, immer auf der gleichen Farm.

Orientierung

Du bist in einer kleinen, übersichtlichen Welt aufgewachsen. Du kennst die Strassen, Deine gewohnte Umgebung, die Stadt. Du kannst Dich gut orientieren in der Schweiz, sogar in Europa.

Jetzt bist Du aber in der Pampa, in der Wüste, im Outback. Du hast Dein Handy mit Geolokalisation und GoogleMaps dabei. Aber: Du hast kein Netz, die Karte zeigt nur den nächsten Ort in hundert km Entfernung.

Du bist im lockeren Busch, ein paar Bäume um Dich herum. Du musst mal! Gehst hinter die Bäume. Und nachher suchst Du Dein Fahrzeug! Ja wo ist es denn, das war doch vorher noch da. Oder da? Oder da? War da nicht ein grosser Baum? Alle Bäume sind gross!

In dieser Situation nicht in Panik geraten! Nicht hirnlos herumrennen. Hirn einschalten, Kurzzeitgedächtnis aktivieren! Wie sind wir zu unserem Platz gefahren? Der Weg, das trockene Bachbett, die Sonne. Wie stand das Fahrzeug? Zur Sonne? In welcher Richtung bin ich weggegangen? Was ist mir aufgefallen? Höre ich etwas? Rieche ich das Feuer? Noch einmal gut gegangen!

Es ist eine Tatsache, im offenen Busch kannst Du Dich nicht wie gewohnt orientieren. Schon nach 50-100m kannst Du komplett verloren sein, wenn Du Dich „orientierungslos“ bewegst. Nachts wird das ganze noch potenziert.

Gewöhn Dir ein paar Grundregeln an:

Merkpunkte wie Sonnenstand (nachts die Sterne: markante Sternbilder, Polarstern, Kreuz des Südens), bei bedecktem Himmel die vorherrschende Windrichtung, Berge, Felsen, auffallende Bäume, Licht einer entfernten Siedlung, Meeresrauschen, Bachrauschen, eine befahrene Verkehrsstrasse. Sind im Wald die Baumstämme einseitig mit Moos bedeckt (meistens auf die Wetterseite hin). Kann ich in die Höhe? Auf einen Hügel, einen Baum klettern? Hab ich beim Weggang ein Signal vereinbart (Rufen, Autohupe, Licht einschalten, Feuerrauch, automatisch nach unerwartet langer Abwesenheit)?

Aber Vorsicht: die Erde dreht sich, Sonne und Sterne bewegen sich am Himmel (um 15* pro Stunde, in drei Stunden um 45*, ein halber rechter Winkel). Das Wetter ändert sich, Wolken ziehen schnell auf, der Wind dreht, bei starkem Wind hörst Du das Rauschen nicht mehr. Aus einer anderen Richtung sehen Bäume „überall gleich“ aus, Felsen ganz anders, Berge verschwinden hinter einer Kuppe.

Die Sonne geht im Osten auf und im Westen unter. Sie steht auf der Nordhalbkugel im Süden aber auf der Südhalbkugel im Norden. Wir sind in Australien schon mal 200km in die falsche Richtung gefahren, wegen dem Sonnenstand! Im Tropengürtel in Äquatornähe, zwischen den Wendekreisen, steht die Sonne mal im Süden, mal im Norden, je nach Jahreszeit. Die Dämmerung ist hier sehr kurz, von untergehender Sonne bis dunkle Nacht weniger als eine halbe Stunde. Im hohen Norden und tiefen Süden musst Du dafür „bei Tag ins Bett“.

Immer ein GPS dabei, bei dem der Parkplatz markiert ist und die Batterien genügend Saft für einen ganzen Tag haben. Reservebatterien sind leichter als ein nutzloses GPS im Rucksack. Akkus leeren sich schneller als Batterien. Tracking einschalten, dann kannst Du den gleichen Weg zurück laufen, geht auch ohne Kartendetails. Für kurze Touren immer Wasser mitnehmen. Die Strecke kann viel länger als geplant oder unerwartet schwierig sein, eine Verletzung verzögert die Rückkehr, die Sonne verdampft Dein Körperwasser, das Wetter kann sich kurzfristig drastisch ändern. Eine Taschenlampe ist nicht schwer, aber bei Dunkelheit wichtig (siehe Tropengürtel oben). Gegen den Hungerast („ich kann, mag und will nicht mehr, habe genug“) hilft ein Stück Brot!

Navigation

  • Garmin: gibt es mit globalem Tracking (?) sonst ist Garmin mit Karten etwas kompliziert. Der Bildschirm recht klein.Technisch einwandfrei. Bringt alles, was ein GPS soll. Handlich für den Rucksack, als Back-up.

  • GPS-Tracking: bei mir läuft der Garmin immer im Hintergrund.

  • IPad als Navigationssystem! Grosser Bildschirm, immer mit USB-Ladekabel verbunden. Offline-Karten: bewährt haben sich Maps.me und Mapout mit OSM. Einfach, gut, weltweit.

  • Bei mapsme die vorgeschlagene Route gut nachprüfen! Nimmt oft den kürzesten Weg, nicht immer die beste Wahl (sogenannte „Grab‘sche Abkürzungen, enden oft abenteuerlich!).

  • Mapout: ideal zum Planen, Routen zeichnen, verfolgen, mit 3D-Höhenprofil. Internet-Tracks können geladen werden.

  • Alternative: OsmandMaps. Übersichtlich aber oft langsam, wenn detaillierte Karten benutzt werden.

  • Im iPad Hintergrund-Apps schliessen, sonst kann’s langsam werden.

  • Offline Karten benutzen!

  • Peakfinder hilft Dir, die Berge eines Panoramas zu identifizieren, weltweit.

  • IOverlander als Info-Quelle für Weltreisende, v.a. SA

  • Sky Guide hilft Dir bei der Orientierung am Himmel

  • WeatherPro, zeigt Dir das kommende Wetter, 1 Woche, weltweit. Die kostenpflichtige Pro-Version für 14 Tage plus Wetterkarten

  • Sightsmap zeigt Dir die Hotspots der Fotographie (auf der Basis der Anzahl Photos im Internet) Du kannst sie suchen oder meiden!

Internet

  • WiFi: für Down-Under genügt ein kleiner WiFi-Router mit einer SIM-Karte von Telstra. Bei Ausreise von Telstra entsperren lassen.

  • WiFi: such Dir eine weltweit mögliche Lösung für ein Bord-WiFi, ev. mit WiFi-Antennen-Verstärker, sonst bastelst Du in jedem Land etwas neues oder suchst krampfhaft ein WiFi-Café. Vielleicht bastelst Du Dir ein eigenes Bord-Computer-Netz.

  • Joachim gibt auf seiner Webseite https://internet-im-reisemobil.com von www.reisestationen.de viele gut fundierte Infos zu WiFi / Internet im Wohnmobil.

  • Mit Instashare kannst Du Daten von Gerät zu Gerät über WiFi schicken, geht für Windows, Apple, Android.

  • Satphone: nur wenn Dein Sicherheitsgefühl danach schreit! Ist teuer und kaum zu gebrauchen. Du kannst damit Deine Kinder, Deine Eltern aus der Pampa gratis anrufen, die bezahlten Gebühren verfallen sowieso.

  • Wir haben das Netzwerk von Inmarsat gewählt. Es ist über den ganzen Globus erreichbar. In tiefen Tälern kann der Empfang durch Schattenwurf eingeschränkt sein.

  • Wir haben unser System in Perth gekauft:

  • Global Maritime Data and Airtime Services | 107 Forsyth Street, O’Connor, WA 6163, Australia, tel. (08) 9331 0070 | fax (08) 9314 2929 | skype behramiraniami

e info@gmdas.com.au<mailto:info@gmdas.com.au> | w www.gmdas.com.au<http://www.gmdas.com.au/>

  • Funkanlage: die von Tom ist gut, aber ohne Funkerfahrung nutzlos. Vielleicht einen Funkkurs absolvieren? Kräftige Funkanlagen sind in vielen Ländern verboten.

  • Dokumente: alle wichtigen Dokumente kopieren, auf dem Computer und in Internet (Dropbox, DocSafe) speichern (ich weiss, im Internet hat es Datenpiraten).

  • Fahrausweis, Fahrzeugausweis, Pass, ID: mehrere Papierkopien. Kannst Du immer wieder gebrauchen, bei unsicheren Kontrollen, am Zoll, bei Ämtern.

Kommunikation

  • Örtliche Sprachkenntnisse öffnen Tür, Tor und Herzen! Ein Sprachkurs ist sein Geld wert! Wenn Du 100 wichtige Wörter kannst, kommst Du durch, wenn Du 1000 Worte kennst und ein wenig Grammatik, kannst Du Dich ordentlich verständigen.

  • In der Schule war mir der Sprachunterricht ein Gräuel. Heute bin ich froh um meine Subjonctif-Kenntnisse im Franz. Ich weiss, damit kann ich nur Franzosen beeindrucken!

  • Google Übersetzer, mit heruntergeladenen Sprachmodulen, hilft bei zwischenmenschlicher Kommunikation in fast allen Sprachen

  • Im Notfall hilft Deine Muttersprache: die kommt, mit den Gesten, weltweit unverfälscht rüber und wird erstaunlich gut interpretiert.

  • Bei gewissen Situationen verstehe ich aus Prinzip nur „Bahnhof“ und schweizerdeutsch.

  • Handy: immer zur Hand, ohne Netz nur ein kleiner hand-held Foto-Computer zum Spielen.

  • In einigen Cafés steht: „No WiFi, talk together!“

  • Es ist erstaunlich, heute kann man sogar ohne Internet überleben! Ob Du The Latest News verpasst hast oder nicht, die Welt dreht sich ohne dieses Wissen weiter um ihre Achse. Deinen Fans brauchst Du nicht jeden Furz über Facebook mitzuteilen.

  • Wenn Du nach Monaten in den schönsten Gegenden dieser Welt kurz nach Hause gehst, wirst Du feststellen: die Diskussionen drehen sich immer noch um dieselben Probleme und kein Schwein interessiert sich für Deine einmaligen Sonnenuntergänge über den Dünen hinter der Oase. „Oh, wie schön! Weisst Du, der Fritz, der vom Boden, ist letzte Woche gestorben. Und Martha ist nun endgültig ihrem Kurt davongelaufen. Und ich habe immer gesagt, die in Bern machen ja sowieso, was sie wollen, sie hören nicht aufs Volk. Und…“

  • Doch Du hast das Gefühl, die Welt, das Leben neu entdeckt zu haben, Du bist nicht mehr der Gleiche. Du hast die Schönheiten und die grossen Probleme dieser Welt mit eigenen Augen gesehen, kannst sie nicht davor verschliessen. Dein Innerstes schreit nach der natürlichen Gerechtigkeit. Du hast eine Gelassenheit gegenüber den täglichen dummen, kleinen Problemchen, dem Trott in Deiner heimatlichen Umgebung entwickelt. Es gibt viel Wichtigeres! Das Leben!

Fahren

Wir haben uns angewöhnt, dass wir immer abwechslungsweise beide fahren. Aus Sicherheitsgründen und weil beide Spass daran haben. Im Notfall muss jedes selbständig, in jedem Gelände fahren, navigieren, einen gesuchten Ort anfahren, den richtigen Reifendruck einstellen und mit dem Satphone Hilfe anfordern nnen. Denk daran, Murphy reist als blinder Passagier mit (der “es-kommt-schlimmer-als-du-denkst“- Murphy)!

  • Dieselmotor starten: immer auf Glühzünder warten. Wenn der Motor kalt ist 3x Glühzünder glühen lassen, sonst hast Du Abgas- (schwarzer Rauch) und Zündprobleme (weisser Rauch). In beiden Fällen: abstellen, Glühzünder richtig einschalten, neu starten. Vor allem bei abgeschaltetem Abgassystem.

  • Bei zu erwartender grosser Kälte (Winter, grosse Höhe, -15*C) dem Diesel im Haupttank 5% Kerosen zumischen. Wenn der Motor warm ist, auf SUB umstellen. Ein paar km vor dem Anhalten auf den Haupttank zurück stellen. So geliert der Diesel nicht in den Leitungen und im Haupttank. Dieser Diesel wird auch für die Heizungen gebraucht (Motor vorwärmen)

  • Der optimale Reifendruck ist eine komplexe Funktion von Strassentyp, Strassenzustand, Wassergehalt, Bodenhaftung, Temperatur, Reifenzustand, Gummimischung, Gummialter, Abrieb, Verschleiss, Komfort und Kosten. Also ein Kompromiss.

  • Auf gut ausgebauten, asphaltieren Strassen wenn sinnvoll, den Reifendruck anpassen, sonst langsam fahren. Nicht mit eingeschaltetem 4-WD-Antrieb fahren. Beim Landcruiser Vorderradantrieb auf 2×4 umschalten, sonst drehen die Achsen leer mit.

  • Auf Pisten Reifendruck und Geschwindigkeit anpassen.

  • Bei „guten“ Pisten 2-WD-Betrieb.

  • Wellblech, Corrugations oder Rippio ist alles derselbe Schmarren auf Naturstrassen: mangelnde Strassenpflege (mit Grader) und viel Verkehr führen (immer) zu mehr oder weniger regelmässigen Wellen auf der Fahrbahn. 50-80cm lang und 3-15cm hoch. Du kannst versuchen sie einzeln im langsamen Schritttempo auszufahren. Bei 20-50km/h sind sie am unangenehmsten, Du hörst buchstäblich, wie Dein tolles Fahrzeug auseinander bricht. Du kannst versuchen mit 70km/h darüber hinweg zu fliegen. Das gibt ein ruhiges Brummen. Aber denk daran, Du hast ein Auto, kein Flugzeug, die Bodenhaftung ist vielleicht noch ein paar Prozent und bei der kleinsten Schwierigkeit machst Du eine Dachlandung.

  • Bei schlechten, ruppigen, steilen Pisten Vorderradsperre auf 4×4 einschalten und bei Bedarf auf 4-WD-Betrieb umstellen.

  • Mit Untersetzung kannst Du Strecken sehr langsam befahren, wichtig, wenn die Strecke mehr als ruppig ist, nur noch aus grossen Steinen und Löchern besteht. Zugleich kann der Motor eine enorme Kraft auf die Räder bringen (auch als Bagger im Loch)

  • Auf sandigen und schlammigen Tracks Reifendruck anpassen. Mit tiefem Druck greifen die Reifen erstaunlich gut. Bei sehr tiefem Druck (unter 1Bar) vorsichtig anfahren, damit sich die Reifen nicht vom Rad lösen.

  • Weicher Sand ist am Morgen griffiger als am Abend (Feuchtigkeit). Vielleicht abwarten und darüber schlafen.

  • Im Sand immer 4-WD, ev. mit Untersetzung. Bereit, die Diff-Sperren einzuschalten. Aber Achtung: mit eingeschalteten Diff-Sperren darf auf festem Grund nur geradeaus gefahren werden. Besonders wichtig, wenn Du zum Schluss auf eine Asphaltstrasse kommst!

  • Wenn sich die Räder eingraben, sofort stop! Spätestens jetzt Diff-Sperren einschalten. Ev. Reifendruck anpassen.

  • Ist das Fahrzeug einmal auf dem Chassis aufgebockt, kommt viel Arbeit auf Dich zu: Räder heben, Unterlage unter die Räder schieben, Achsen frei schaufeln, einen Sprung weiterfahren, das ganze von vorn!

  • Unterstützung mit anderen Zugfahrzeugen oder mit richtigem Einsatz der Seilwinde prüfen.

  • In einsamen Wüsten mal einen Baum setzen, vielleicht wächst der schnell genug, damit Du die Seilwinde richtig einsetzen kannst.

  • Sandbleche gut einsetzen. Am besten unter alle 4 Räder. Ansteigwinkel beachten. Sonst mit Ästen, Steinen, Brettern, Blechen, Teppich-, Plastik-, Sack-Planen, unterstützen. Ev. mit Wasser Sand befeuchten.

  • Im Schlamm wären 8 Sandbleche ideal um einen Brückenpiste zu bauen: 4 lange zum weiterkommen, 4 kurze zum Abstellen und Sandbleche vorwärts bewegen.

  • Im Altiplano Boliviens findest Du keine Bäume, kein Holz, kein Blech. Und manchmal sind die „Felsbrocken“ gepresster Lavasand. Vermeide die Schlammlöcher!

  • Eine gute Vorbereitung hilft viel mehr als ungeduldiges Versuchen.

  • Im Sand kannst Du schaufeln üben, im Schlamm wird’s sehr schnell sehr ernst!

  • Schlamm kann sich unter einer „harten“ Sandschicht verstecken und metertief sein!

  • Rundkies am Strand ist wie Weich-Sand, die Räder sinken sofort ein.

  • Eine Flussdurchfahrt gut prüfen: felsig, verblockt, kiesig, sandig, schlammig, alt und fest oder frisch und weich. Den andern den Vortritt lassen. Wenn unsicher 4WD und Untersetzung einschalten, ev. Diff einschalten, vielleicht brauchst Du die Kraft. Nicht vom Gas und anhalten. Ich konnte mal eine Flusstiefe von 110cm durchqueren. Im Internet gibt es eine Videosequenz, bei der ein Landi-Fahrer die verpasste Furt doch noch erreichte, das Fz zur Hälfte unter Wasser (Link)

  • Vorsicht Diesel-Motor: Wasser in der Ansaugluft: Stillstand. Benzin-Motor: Wasser in der Elektrik: Stillstand.

  • Fahrspuren können abgehärtet oder aufgeweicht sein.

  • Bei vielen Fahrspuren: die anderen Spuren sind immer besser als Deine! Wechseln bringt nichts!

  • Wasserlöcher können sehr tief sein (Boggy Hole > 1m)

  • Bulldustlöcher (Nord-Australien) können unter 1cm Trockenschicht 80cm tief sein.

  • Bei Schlaglöchern: nicht mit Vollbremsung hineinstürzen, damit brichst Du Deinem Fahrzeug das Fussgelenk. Wenn Du zu spät bist, locker darüber rumpeln. Der Schaden wird kleiner.

  • Reifenplatzer: kann auch bei neuen Reifen passieren, wenn Du Luft verlierst (spitzer Stein, Metallteil) und zu schnell fährst. Keine Vollbremsung! Spur halten, langsam abbremsen und auf die Seite fahren.

  • Hättest Du Reifenwechseln vorher schon mal üben sollen? Ersatzrad vom Dach mit einfachem „Flaschenzug“ (Seil oben befestigen, Seilschlaufe durchs Rad) halbiert das Radgewicht. Kannst Du allein bewältigen.

  • Radschrauben mit Drehmomentschlüssel richtig anziehen. Zu wenig: Lotterschrauben. Zu viel: Schraubenbruch! Nach einigen km nachziehen. Wir haben mal einen Stationmanager auf der Gibb River Road in Kimberly getroffen. Dem wurden in der Garage die Schrauben zu fest angezogen. Vier sind abgebrochen, die letzte war eine Umdrehung vor dem Bruch.

  • In allen Situationen gilt: vorher denken, Schaufeln vermeiden.

  • Beim Ausschalten der Diff-Sperren darauf achten, dass sie auch wirklich ausgeschaltet sind. Wenn sie klemmen (ist normal) kurz vor / rückwärts / leicht links / leicht rechts steuern, ein paar mal probieren.

  • Wenn 4-WD sich nicht ausschalten lässt, kurz mit einem Ruck zurückschalten oder kurz rückwärts fahren.

  • Fahrzeug-Parkdienst“: das Militär weiss, weshalb regelmässige Kontrollen nötig sind. Bei Deinen Strecken ist das ebenso wichtig. Wenn Du eine Schraube locker hast ist das das Problem Deiner Reisegefährtin. Wenn aber am Fz eine Schraube locker ist, kann Deine Reise gefährdet sein.

  • Gelegentlich unter das Fz kriechen und einfach schauen. Vielleicht fällt Deinen ungeübten Augen etwas auf. Kannst ja jemanden Fragen, der etwas mehr versteht.

  • Vor dem Wegfahren unbedingt Reifendruck, Dach, Türen visuell prüfen. Wenn Du vom Flussufer die steile Strasse mit offenem Dach rauffährst, ist es oben sicher unten! Mit einem platten Reifen kannst du vielleicht einen km fahren, dann ist endgültig Schluss, auch mit dem Rad.

  • Gönn Deinem Traum einen regelmässigen Service, er verdient sich den jeden Tag!

  • Wir fahren grundsätzlich nur am Tag. Nachts bewegen sich Tiere auf und nebeb der Strasse. Das blendende Licht blockiert sie, versetzt sie in Panik. Ein Zusammenstoss mit einem Känguru ist nicht nur fatal für das Tier, die Schäden um/am Fahrzeug können verhehrend sein.

Die Süd-Anden – Gebirge der Superlative

In Bern werden 2 Frauen spektakulär unspektakulär in den Bundesrat gewählt. Für uns ein fauler Tag in El Calafate. Wir machen einen kurzen Spaziergang in die Stadt, besuchen das Haus und den Garten der NP-Park-Administration. Drink-Halt. Am Lagerfeuer braten wir feines Fleisch. Walter hat ein Problem mit seinem rechten Auge. Der Augenarzt kann ihn beruhigen: er hat Haare in den Augen also kein Problem. In der Stadt treffen wir auf ein paar Overlanders: ein Feuerwehrauto aus Zürich, ein MAN-Lastwagen aus Deutschland. Reise-Alltag.

Über die RP15 fahren wir zur Estacia Rio Mitre.

Wir werden freundlich und enthusiastisch von den Geissen und dem Truthahn empfangen.

 

Der Farmer serviert ein feines Nachtessen im Restaurant.

Brigitte & Udo kommen von El Chaltén und Reinhold und Catharina sind ebenfalls da.

Am Morgen lassen wir uns früh wecken, wir wollen ja die ersten beim NP-Eingang zum Perito Moreno-Gletscher sein! Eine halbe Stunde warten wir auf die Öffnung, pünktlich um 8 Uhr.

Bald kommen die ersten Autos. Der Weg entlang dem See zieht sich in die Länge. Ein Regenbogen überzieht den Himmel über dem Perito Moreno Gletscher.

Die Farben sind unwirklich blau. Gross, breit, hoch, weiss und blau liegt er vor uns.

Staunen! Bald kracht irgendwo Eis ins Wasser. Er bewegt sich!

Wolken lassen das Licht über den Gletscher wandern. Wir warten (erst) vergeblich auf den grossen Eissturz. Die Besucheranlagen sind für grosse Menschenmassen gebaut. Die Saison hat erst begonnen und wird im Jan/Feb den Höhepunkt erreichen. Über Mittag steigen wir zum Restaurant hinauf. Nun spucken Busse die Leute nur so aus. Einige gehen schnurstracks ins Restaurant, ein paar Tour-Guides locken die Leute auf die Beobachtungs-plattformen. Wir gehen nochmals hinunter und warten auf das grosse Ereignis. Bald zeigt sich im Eis ein grosser Riss, der immer grösser wird. Dann bricht plötzlich die ganze Front mit einem Eisturm weg.

(Video folgt)

Whou! Ein Donner-Getöse. Ein Tsunami breitet sich aus. Entzückte Schreie der Zuschauer-Massen. Ja wie sieht das denn aus in der Hochsaison? Das wird kaum zum aushalten sein. Zufrieden kehren wir nach El Calafate auf den CP zurück.Von Weitem grüsst der mystisch-türkisblaue Lago Argentino.

Inkl. Udo & Brigitte, Reinhold & Catharina, Chris & Angie, Walter. Der Platzwart ist begeistert: „su amigos tambien?“ Natürlich!

Nach Spiegelei mit Schinken und auftanken fahren wir via RN40 Richtung El Chaltén. Über den Rio Santa Cruz, Rio Leonia, vorbei am türksfarbenen Lago Argentino, dem Lago Viedma.

Am Himmel prangen die berühmten Ufo-Wolken

Durch eine urtümliche Patagonien-Landschaft. In der Ferne die schneebedeckte Andenkette.

Der Weg bis El Chaltén entlang dem Lago Viedma zieht sich in die Länge. Vor uns, wie das sprichwörtliche Rüebli vor dem Esel streckt sich der Fitz Roy mit seinen Nebengipfeln in die Höhe.

Ein Prachstkerl!Und ein Kletterparadies.

Beim Visitor Center bleiben wir mit einem halben Dutzend weiteren Overlanders auf dem reservierten Parkplatz. Heinz und Anne Marie aus Frauenkappelen sind mit einem Mercedes mit Bimobil 366 gegen Norden unterwegs. Bei einem kurzen Spaziergang in die Stadt geniessen wir eine ausgezeichnete Pizza und Kaffee.

Am frühen Morgen drückt die Blase. Es ist 05.15 Uhr. In einer halben Stunde geht die Sonne auf. Gerade richtig erwacht. Und wie! Warm anziehen.

Im Osten brennt der Himmel!

Im Westen leuchten Fitz Roy und Cerro Torre frei von Wolken, zuerst blass rötlich und dann erreichen die Sonnenstrahlen die Gipfel.

Das ist das, was ich mir heimlich erträumt habe. Vereinzelte Wolkenlinsen verstärken den Eindruck. Gebannt warten wir auf die Veränderungen. Wir, das sind ein paar Overlanders, die ebenfalls früh aufgestanden sind. Einfach wunderbar. Um 5.43 erreichen die Sonnenstrahlen das Dorf durch den Taleingang. Das Dorf wurde 1987 genau richtig hierher geplant. Nach dem Sonnenaufgang ist alles wieder „normal“, Zeit zum weiterschlafen.

Wir haben mit Chris, Angie, Walter, Heinz und Annemarie um 10 Uhr abgemacht für eine Bergtour zur Laguna Torre, 10km mit 250m Höhendifferenz, einfach.

Vor uns die wolkenfreien Türme des Fitz Roy und des Cerro Torre.

Der stark begangene Weg führt recht steil durch einen niederen Buchenwald mit vielen Blumen, Orchideen, vorbei an Miradores, hoch über dem Rio Fitz Roy.

Die Blätter der Notofagus antarcticus duften herrlich nach Zimt-Vanille.

Gemächlich gewinnen wir km um km und die Höhe. Wir merken unsere mangelnde Kondition. Die Wolken haben nicht auf uns gewartet, sie decken die Torres zu, feine Regentropfen fallen. Beim Gletschersee verschlingen wir die mitgebrachten Brötchen.

Wir sind nicht die einzigen auf diesem Weg. Kara-Kara und Andenkondor begutachten uns.

Dutzende weitere Gruppen hatten dasselbe Ziel. Wie muss das erst in der Saison aussehen!

Müde, fix und fertig erreichen wir um 6 Uhr wieder das Dorf, suchen uns das erst-beste Restaurant mit WiFi und löschen unseren Durst. Bald ist klar, niemand will kochen, also bestellen wir Pizzas. Um 10 Uhr ist Zimmerstunde, Zeit zum schlafen. Ein langer, mühsamer aber sehr eindrücklicher, schöner Tag nimmt sein Ende.

Es folgt ein fauler Tag, die Glieder wollen geschont werden, die Wäsche muss in die Lavanderia, Im Restaurant Pangäa versuchen wir das Internet. Keine Chance! Dafür ist die Menü-Karte verführerisch. Wenn wir nur Hunger hätten!

Beim Camper geniessen wir zum Apéro argentinischen Wein mit Stefan & Connie aus Niederösterreich, Heinz & Annemarie, Chris & Angie. Der WInd bläst fürchterlich und treibt den Staub in den Wein. Heidi’s Landi-Omnia-Brot wird wie immer phänomenal.

Der Stellplatz ist voll Overlanders, viele Deutsche, Schweizer, Österreicher, Holländer, Tschechen, wenige Argentinier. Grosse Lastwagen und kleine Busse von Wicked Campers aus ChiIe, die „normalen“ Mercedes-Camper, ein 6×6 Pinzgauer.

Früh aufstehen lohnt sich kaum mehr, die Wolken hangen zu tief das Wetter macht Kapriolen.

Ein paar wenige rote Streifen und der Fitz Roy wird langsam heller. Ein fauler Tag wird mit dem Aufstieg zu den Miradores De Las Condores und Las Aguilas unterbrochen. Der Weg führt steil den Berg hinauf durch eine geheimnisvolle Blumenwiese mit Orchideen und Liliengewächsen.

Eine Spechtmutter füttert ungestört ihr Junges in einem Baumloch direkt neben dem Wanderweg.

Condore schweben schwerelos über den Hügeln.

Vom ersten Mirador haben wir einen guten Überblick über das Dorf und die Berge dahinter.

Vom zweiten Mirador dehnt sich der Blick über den Lago Viedma und den Rio de las Vueltas.

Beim Abstieg werden wir schaf beobachtet

Auf dem CP langer Apéro neu mit 2 rauchenden Baslern. Am Abend geniessen wir mit Heinz und Annemarie im Pangäa ein gutes Essen. Den ganzen Tag weht ein kräftiger Wind, es ist empfindlich kühl.

Wieder kein farbiger Sonnenaufgang. Wir fahren mit dem Landi, Chris, Angie, Walter zum Lago Desierto und spazieren durch den urtümlichen Urwald dem See entlang mit viel Fallholz, gelben Orchideen und weissen „Waldvögelein“.

 

 

 

 

Indianerbrot, ein essbarer Pilz auf Buchestämmen

Heinz und Annemarie tauchen auch noch auf. Auf dem Rückweg legen wir ein paar Fotostopps ein. Im Patagonicus genehmigen wir uns einen Pisco Sour und eine Roquefort-Pizza. Vielleicht nicht ganz die gleiche wie das letzte mal, aber immer noch gut. Wir besprechen die Weiterreise nach Süden. Eigentlich wäre der NP Torres del Paine am Weg. Herbert hat uns von seiner Begegnung mit 5 Pumas erzählt und uns den Platz beschrieben. Den möchten wir aufsuchen, ob sie noch da sein werden? Wir stecken in einem Dilemma: das Wetter wird gegen Süden bis Ushuaia immer ungeniessbarer, kälter, windiger, schlechter in den nächsten Wochen.

(Forts. folgt)

Patagonien – Land der Gegensätze, Paradies für Paläontologen und Kletterer

Patagonien, das ist der südliche Landesteil Argentiniens. Weite bis zum Horizont, flach wie eine Flunder, riesige Haziendas mit Viehzucht. Unendliche Zäune begrenzen die Strasse auf beiden Seiten, stundenlang, tagelang immer das Gleiche, keine Abwechslung. Der legendäre, immerwährende starke Patagonien-Wind, ein Trauma für die Velofahrer, so das gängige Klischee dieses Landstriches.

Es gibt aber noch ein ganz anderes Patagonien. In die Ebenen sind tiefe Täler eingeschnitten mit klaren, türkisfarbenen Flüssen, Hügel und Berge.

Oder das Patagonien der Anden. Mit den hohen Gebirgen der Süd-Anden, der grossartigen Gletscherwelt und den glatten, hohen Kletterwänden eines Cerro Torre oder Fitz Roy.

Oder das Patagonien mit den grössten Dinosaurier-Funden oder den grossen versteinerten Wäldern, den grossen Oel-Vorkommen aus fossiliertem Meeres-Plankton. Hier wurde vor hundert Millionen Jahren Geschichte geschrieben, bei der Aufspaltung von Pangäa in die heutigen Erdteile.

In Trelew besuchen wir das Paläontologischen Museum Eugidio Feruglio.

Der Besuch hat sich wirklich gelohnt: Argentinien und insbesondere die Region Chubut sind ausserordentlich reich an Fossilien, darunter der grösste, jemals gefundene Saurier, über 77 Tonnen schwer, 40m lang und 20m hoch lebte vor 95-100 Millionen Jahren.

Er hat noch keinen festen Namen.

Gegen die Ölstadt Comodoro Rivadavia schüttet es aus Kübeln. Wir besuchen das Museo del Petroleo. 1907 wurde hier zum ersten mal Öl gefunden. Im Umkreis von 30km finden sich viele Bohrstellen. Das Museum gibt einen guten Überblick über Entstehung und Gewinnung des Erdöls: Meeresplankton wurde in den Sedimenten durch Druck und hohe Temperaturen in Öl umgewandelt und im Gestein eingeschlossen. Es diffundierte später in durchlässige Sandsteinschichten. Comdoro Rivadavia ist heute ein wichtiges Erdöl-Versorgungszentrum für Argentinien.

Von Comodoro fahren wir über die RN26 / RP20, vorbei an unzähligen Erdöl-Pumpen zum versteinerten Wald von Sarmiento.

Das farbige Hügelgebiet erschliesst viele versteinerte Bäume mit einer erstaunlichen Detailtreue, obschon die ganze Holzmasse abgebaut ist.

Der Wind bläst heftig, fast zum Fliegen.

Für das Nachlager finden wir den am Lago Musters Club de Pesca y Náutica einen guten Platz. Das feine Nachtessen, Teigwaren mit Bolognese-Sauce essen wir gemeinsam in einer grossen Halle, völlig windgeschützt, während draussen heftige Böen den See aufwühlen.

 

Die Nacht war sehr windig-böig. Ob ein Windschutz geholfen hätte? Wir nehmen uns Zeit, füllen die Wassertanks, Walter muss einen Platten auswechseln. Wir besuchen kurz den Parque de Gigantes del Valle: ein Sammelsurium von Saurier-Reproduktionen, teilweise defekt und nur mit Führung.

Wir lassen’s sein. Walter fährt direkt nach Rada Tilly, Chris, Angie und wir machen den Umweg über die RP24 / RP26 bis zum Rio Chico. Eine wilde-schöne Strecke durch einsame Gegenden,

entlang dem ausgetrockneten Lago Colhué Huapi über trockene Hochebenen, vorbei an erloschenen Vulkanen.

Wir begegnen aufgehängten Füchsen, Nandu-Familien, schwimmenden Flamingos.

Der Rio Chico ist entgegen den Erwartungen völlig ausgetrocknet. Sandstürme haben die überschwemmten Farmen im Flussbett fast ganz zugedeckt.

Hier kann es offensichtlich auch ungesittet zu- und her gehen. Unter einem Hang finden wir einen vernünftigen Platz, montieren die Windschutzplatten und geniessen den Sonnenuntergang mit einem Wein von Walter. Prost Walter!

Auf der RP26 fahren wir zuerst durch meterhohe Sanddünen auf das Plateau, eine karge, trockene wilde und schöne Landschaft. Gegen Pampa de Castillo kommen wir wieder in die Ölfelder mit vielen Pumpen, Pipelines und Erschliessungsstrassen.

 

Am Rand liegt ein Hylux schwer demoliert, nach einem Rollbügeltest. Die RP39 ist eine reine Ölstrasse mit Pumpen, Tanklagern, Kleinraffinerien, Werkstätten. Wir erreichen wieder Comodoro.

Von Jaramillo benutzen wir die RP93 als Abkürzung zum versteinerten Wald. Mitten in der Pampa geniessen wir warmes Lagerfeuer.

Der NP Bosque Petrificado Jaramillo ist den Besuch absolut wert: riesige versteinerte Araucarien liegen herum teilweise 3m dick und 50m lang, dazwischen versteinerte Holzsplitter.

Das Gebiet ist erst seit 2003 geschützt. Davor wurden viele Relikte einfach abtransportiert.

Auf dem Weg über einen kleinen Estanzia-Pfad zurück zur Küste begegnen wir stolzen Guanacos, Nandus, Maras, die vor uns auf der Strasse herrennen und vielen anderen Sehenswürdigkeiten.

 

Versicherungen

Klaus und Gabi sind in Equador. Er hat sehr schmerzende Nierensteine und braucht dringend eine Operation. Seine Versicherung verweigert die Kostengutsprache, der Operationstermin platzt. „Wegen eines Formfehlers“ ist er seit zwei Jahren ohne Versicherung unterwegs in Südamerika.

Wir Schweizer sind ja für und gegen alles versichert. Wir zahlen uns dumm und dämlich für eine Krankenversicherung die uns einen Hotelaufenthalt im Spital bezahlt. Wir sind Gefangene dieser Mentalität: sollen wir jetzt Kosten sparen und nur die Basisversicherung behalten? In unserem Alter? Wenn wir jetzt „endlich“ die Versicherung nutzen müssen? Dabei ist die Versicherung nur mit einem Zusatz weltweit gültig! Wir haben noch die TCS-Krankenversicherung weltweit. Für 50.- im Jahr! Die kann doch überhaupt nichts taugen. Ich habe das Kleingedruckte lieber nicht gelesen!

Die Autoversicherung ist auch nur in Europa gültig. Für SA mussten wir eine lokale Versicherung bei SURA für die Mercosur-Staaten abschliessen. Die ist so billig, da lohnt sich das Lesen des Kleingedruckten auch nicht mehr. Aber wir kommen damit problemlos über die Landesgrenzen. Bis wir sie erneuern wollen, im Dezember. Von Paraiso Suizo bekommen wir die Nachricht, dass die Versicherung nicht verlängert werden kann. wir müssten in Argentinien eine neue lösen. Felix von UY-Storage kann auch nicht weiter helfen, er musste zuerst ausstehende 50U$ zahlen (wir haben immer alle offenen Rechnungen bezahlt). SURA schliesst keine Versicherungen mehr ab für ausländische Fahrzeuge, Claudia & Klaus in El Bolson haben einen Service für Overlanders eingerichtet. Sie haben uns von Freitag bis Montag Mittag eine neue, vernünftige Haftpflichtversicherung für die Mercosur / Mercosul – Staaten inkl. Peru vermittelt. Eine Glanzleistung, wenn man bedenkt, dass sie für den Internetanschluss 20km fahren müssen. Herzlichen Dank, Claudia & Klaus.

Die Wetterprognose ist schlecht. Soll ich den Regenschirm mitnehmen? Eine Versicherung gegen den Regen? Nehme ich ihn nicht mit, regnet es sicher. Also mitschleppen, damit das Wetter schön bleibt.

Der Hund zieht brav an der Leine. Er folgt korrekt jedem Befehl. Sein Herrchen lässt ihn laufen, er folgt ihm bei Fuss. Bis das Reh auftaucht. Nun kennt der Hund kein Halten mehr. Ohne Versicherungsleine!

Die billigste Versicherung ist diejenige, die man nie braucht. Alle andern werden sehr teuer, wenn du das Kleingedruckte nicht ganz klar verstanden hast.

Klaus braucht dringend eine Kostengutsprache von 10’000U$. Sehr gute Freunde haben ihm geholfen. Gute Freunde sind die beste Versicherung! Der neue Operationstermin steht fest. Die Operation verläuft wunschgemäss. Gute Besserung, Klaus. Gut, dass es Dir wieder gut geht!

Die Atlantikküste

Nach einem feinen Z’Morge laufen wir in El Condor dem Strand entlang. Beachcomben wie wir das nennen seit Australien. Ein paar grosse tote Karpfen liegen im Sand, die Fischer fangen Seetang.

 

Die kreischenden Papageien seien weiter westlich bei der Steilküste, heisst es. Wir sehen ein paar kleinere Gruppen im Wind.

Doch als wir an den Rand des Kliffs treten, fliegen dunkle Wolken von tausenden dieser Felsenpapageien in die Luft. Es ist die weltweit grösste Population dieser schönen Vögel hier.

Wir folgen der Küste bis Las Grutas. Der Weg führt durch hohe Sanddünen, wir fühlen uns irgendwo zwischen der Sahara und Australien.

Die Nandus sind da, nur die Kängurus fehlen. Wir geniessen unseren „ersten“ Reisetag. Trotz starkem Wind scheint die Sonne recht warm. Zum z’Nacht gibts feinen Poulet-Reis-Salat.

Wir nehmen die letzte Etappe nach Valdés über die RN3 unter die Räder. Mit Tankhalt in Sierra Grande. Das letzte Teilstück an die Küste ist wegen Sanddünen geschlossen. Wir reduzieren den Pneu-Druck und fahren trotzdem ohne Probleme durch. Auf dem Playa Pardelas erwarten uns Angie und Chris. Freudiges Wiedersehen. Es gibt bei einem Bier viel zu erzählen.

 

Draussen im Meer schwimmen einzelne Wale mit ihren Jungen vorbei, etwas weit weg, deshalb nicht so spektakulär. Nach Sonnenuntergang hören wir sie dann laut auf das Wasser platschen und schnaufen.

Der frische, kühle Wind kommt plötzlich und geht wieder, dreht auf alle Seiten. Bei Windstille ist es angenehm warm. Nach einem ausgiebigen z’Morge laufen wir auf den Hügel hinter unserem Platz. Da gibt es „Netz“. Walter meldet sich für nächste Woche an.

Eine giftige Schlange, ca. 40cm (Yarará Ñata, Bothrops ammodythoides, Snub nosed Yarará Viper), sonnt sich im Windschatten eines Busches.

Eine Eule wird von kleinen Vögeln angegriffen.

Ein Raubvogel, (Halcon Peregrino, Falco peregrinus, Peregrine Falcon) macht ebenfalls Scheinangriffe auf uns. Angie ist immer noch geschockt von vorgestern. Sie fühlt sich im Hitchcock-Film.

Auf dem Meer tummeln sich über ein Dutzend Wale, meist weit weg. Junge springen aus dem Wasser, plantschen mit Getöse zurück.

Die Mütter legen sich auf die Seite oder den Rücken, damit die Jungen besser trinken können. Ein Paar kommt zu unserem Platz und bleibt Stunden da, tauchen auf und ab.

Die Mutter füllt sich gelegentlich das Riesenmaul.

Gerade Schönheiten sind sie nicht, die Southern Right Whale (Eubalaena australis).

Aber anmutig zum lange Zuschauen. Fast den ganzen Tag.

Wir bekommen Besuch von Alejandro. Er ist Besitzer des Grundstücks. Er ist nicht besonders glücklich mit der Parkverwaltung: die nähmen das Geld und machten nichts im oder für den Park. Er will den Weg zu uns mit einem Tor verschliessen. Eigentlich möchte er den Platz touristisch sanft entwickeln. Er lässt uns hier bleiben.

Der Tidenhub ist mit fast 8m erstaunlich hoch. Nach einem gemeinsamen Apéro mit Chris und Angie kochen wir uns eine feine Gemüse-Poulet-Suppe.

Das Wetter ist durchzogen trüb mit leichtem Regen. Wir geniessen einen faulen Tag mit etwas walking, etwas fischen (nur Bodenhechte), etwas lesen, Reifen pumpen, Kühlschrankstecker ersetzen, Apéro mit Angie & Chris.

Wir fahren eine Rundtour über die Halbinsel Valdés Richtung Punta Norte. Der geschlossene Zugang zu unserem schönen CP ist zusätzlich mit einem neuen Tor verschlossen. Wir können gerade noch daneben duchzirkeln. Auf der langen Fahrt begegnen wir vielen Schafen, Gunanacos, einem Fuchs und von weitem einem Mara.

Der wilde Punta Norte ist voll dicke „Maden“: dösende See-Elefanten liegen faul am Strand, gelegentlich bewegen sie eine Flosse um sich mit Sand zu bestreuen.

Dieser Punkt muss zur richtigen Zeit wirklich sehenswert sein, wenn neben den See-Elephanten auch See-Löwen, Pinguine und die Orkas sich um die Jungen sorgen. Weiter der Küste entlang nach Süden besuchen wir die nestenden Magellan-Pinguine.

Männchen und Weibchen wechseln sich ab. Sie machen sich mit Esels-Lauten bemerkbar. Flavio & Melanie aus Schötz sind mit schwer beladenen Velos seit 4 Wochen in SA, auf dem Weg nach Süden. Bisher zum Glück mit Rückenwind.

Vor der Küste lagern hier Kiesinseln, wie bei einem Haff.

Bei Punta Cantor bekommen wir ein dickes, grosses Sandwich, gerade richtig für den täglichen Hunger.

Auf den Aussichtsplattformen können wir wieder die faulen See-Elephanten bestaunen.

Ein Gürteltier zieht auf dem Besucherplatz seine Runden.

Auf dem Rundweg begegnen wir wieder der Yarará Viper, Eidechsen und Gekkos.

Bei Punta Delgado liegen die See-Elephanten tief unten am Strand. Man kann sie nur mit einem Guide näher besuchen.

Auf dem Rückweg zum Camp sind wir ausgeschlossen: Alejandro hat heute ganze Arbeit geleistet: neben dem Tor ist ein stabiler Draht-Zaun aufgebaut. Chris, Angie und Walter (er ist heute Mittag eingetroffen) können nicht mehr raus ohne den Zaun zu zerstören, ausser Alejandro öffnet mit dem Schlüssel. Wir fahren weiter bis Puerto Pirámides auf den CP Municipal. Ein grosser CP gut versteckt hinter der ersten Sanddüne, geschlossen aber mit offenem Tor. In der Saison muss hier die Post abgehen, im Moment: tote Hose. Zum zNacht: UY’s Spiegeleier mit Speck und Käse. Mmmmh.

Wir wollen nach dem Zückerli von Susanne & Ueli Haslinger nochmals auf Orka Jagd gehen. Sie hätten bei Caleta Valdés Orcas gesehen, dem „Haff“. Wir fahren rasch zum Aussichtspunkt. Ein Versuch durch das freie Gelände wird von einer scharfen Parkwächterin resolut verhindert, „zu viel Schlangen“. Wir warten geduldig auf die.maximale Flut, keine Orkas. Eigentlich sollen die ja erst Jan-März kommen. Wir fahren zurück. Bei einem kurze Halt im Visitor Center Penisula Valdés bekommen wir einen guten Einblick in die Geschichte sowie Flora und Fauna der Halbinsel. Im CP A.C.A in Puerto Madryn treffen wir wieder auf Angie & Chris, Walter sowie Brigitte & Udo aus Riehen.

Der Eingang war nur sichtbar verschlossen. kein Problem für Walter. Es gibt einen sehr langen Apéro bis in die Nacht. Mit mehreren Flaschen Wein. Wir haben trotzdem gut geschlafen, gefolgt von zwei faulen Tagen.

Die letzte Nach war richtig ungemütlich. Heftige Böen zerrten am Zeltdach, der Wind machte einen angstmachenden Lärm in den Bäumen. Wie wird das erst, wenn wir draussen in der freien Pampa sind und der berüchtigte Patagonien-Wind so richtig los lässt? Flavio & Melanie aus Schötz sind mit ihren schwer beladenen Velos auch hier gelandet. Bisher mit Rückenwind. Wir packen, füllen Diesel, Wassertank und die Kanister und fahren mit Walter und Chris zum Leuchtturm Punta Ninfas, eine ruppige Wellblechstrecke, aber zum Glück trocken. Tiefe Spuren lassen den Schlamassel bei Regen erahnen. Der Leuchtturm ist 100müM. Tief unten beobachten wir Gruppen von See-Elephanten.

Auf einem steilen Pfad kletter Chris und Wilu zu den Tieren hinunter und können sie aus der Nähe fotografieren.

Auf dem Plateau treffen wir auf Brigitte und Udo. Der Platz ist dem starken Wind ausgesetzt. Wir wollen zum Hotel El Pedral runterfahren. Leider ist das Tor mit Schlössern fest verschlossen. Wir fahren deshalb über die RP6 weiter Richtung Rawson und campen bei einem Hazienda-Grenzzaun. Beim Sonnenuntergang geniessen wir den Apéro. Zum z’Nacht gibts Bratwurstbrät mit Gemüse und Kartoffelstock. Weisch wie fein! In der Nacht fährt ein einziges Auto vorbei.

Nicht gerade früh erwachen wir, gut ausgeschlafen, der Wind hat bald nachgelassen. Wir fahren über die RP6 / RP1 nach Trelew. Vor Rawson sehen wir, wo unser Müll gelagert wird: verstreut auf Feldern, verblasen vom Wind.

Wenn wir also unseren schön gesammelten Müll ordentlich in die Sammelbehälter füllen, ist zwar unser Umweltgewissen beruhigt, aber das Problem nicht gelöst. Da machen es sich die Indonesier einfacher: im Meer entsorgt, kann der Wind die Plastiksäcke nicht mehr verblasen! Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir die Problematik angehen (morgen!).

Wir finden einen guten Platz bei der Playa Escondida direkt an einem schönen, breiten Kies-, Sand- und Felsenstrand mit vielen See-Elephanten.

Wir verbringen einen ganzen Tag mit Lesen und Beobachten der See-Elephanten. Sie liegen wie lebende Fettmassen faul herum, die Machos immer wieder raufend das Revier verteidigend. Sie kommen ganz nah an den liegenden Fotografen heran. Ein paar Fischer tränken ihre Angeln. Das Wetter ist leicht bewölkt mit ein paar Regentropfen und einem schönen Regenbogen.

Im Touristenzentrum Punta Tombo werden wir über die Pinguine informiert. Auf dem Rundweg beobachten wir tausende Magellan-Pinguine, die hier nisten.

Ein Raubvogel baut  sein Nest mitten ins Futterparadis!

 

Die meisten Nester sind belegt, das Paar löst sich regelmässig ab, zum Futtern und zum Baden. Ein paar wenige Flaumknäuel sind ausgeschlüpft und zeigen sich kaum. Auf den Gehwegen haben die Pinguine eindeutig Vorrang. Wehe, sonst gibt’s Schimpfis von den Parkwächtern. Lustig ist der Watschelgang. Im Wasser sind sie jedoch sehr schnell und beweglich.

Ein paar wenige junge Herren haben noch kein Weibchen für ihre Nester gefunden und versuchen sie im Vorbeigehen für sich zu gewinnen. Etwas müde fahren wir auf der RP1 weiter durch eine hügelige patagonische Urlandschaft.

Bei der Hazienda Cabo Raso finden wir einen schönen Platz.

Die Besitzer Eduardo und Eliane sind ausserordentlich aufgestellt und freundlich. Sie bieten ein Nachtessen an, aber nach ihrem Zeitplan. Um 22 Uhr werden wir gerufen. Im „Salon“ liegen viel Zeitschriften mit Bezug „Cabo Raso“ auf. Das Nachtessen ist fein: Kartoffelstock mit Lammcurry, Salat und Dessert. Dazu einen süssen Wein von Mendoza.

Um Mitternacht fallen wir sofort in Tiefschlaf. Der Wind rüttelt heftig am Zelt.

Etwas spät wachen wir auf und machen uns am Mittag auf den Weg zur Seelöwen-Kolonie.

Der stündige Fussmarsch hat sich eindeutig gelohnt: hunderte Seelöwen, Seehunde und See-Elephanten räkeln faul am Strand oder schwimmen verspielt im Meer, gucken keck zu den Besuchern.

Die Machos verteidigen ihr Territorium, die Weibchen machen sich den Platz streitig und ein junges Baby sucht krächzend seine Mutter. 2 Stunden schauen wir dem Spektakel zu.

Nach dem Rückmarsch fahren wir auf den RP1 weiter nach Camarones auf den CP Munizipal. Der Platzwart ist etwas verschnupft, dass wir ihn nicht sofort erkannt und begrüsst haben.

Wir fahren zuerst zur Pinguineria auf Cabo dos Bahias. Eine grosse Magellan-Kolonie mit einigen 10’000 Paaren nesten hier. Die Jungen kommen her zum Federwechseln. Pinguine sind nur etwa drei Monate pro Jahr an Land.

Die ersten Nester enthalten junge Pfluderi. Wir beobachten ein Kommen und Gehen der Eltern, die sich gegenseitig abwechseln. Mit lauten Rufen suchen sie ihre Partner.

Dann geht’s weiter auf der RP1 nach Bahia Bustamante. Die Hotelanlage ist schön gelegen an der steinigen Beach, sieht wie ein Industriebetrieb aus. Das Restaurant ist gefüllt mit Gästen (hergeflogen??). Das Essen muss vorher reserviert werden. Wir könnten am Abend Take-Away von Schaf-Barbeque haben. Das ist uns zu nobel. Nach einem kurzen Imbiss bei Chris fahren wir auf der RP1 weiter durch die schöne patagonische Landschaft. Bei einem tiefen Flussbett bleiben wir über Nacht. Zuerst ist es etwas windig, später ruhig.

Die Fahrt über die RP1 führt uns durch eine urchige patagonische Landschaft mit vielen, einsamen Haziendas, hügelig-bergig und endet auf dem Hochplateau auf 600müM bei der RN3. Wir begegnen einer Nandu-Familie mit über 20 Chickens.

Die Strasse ist wild-romantisch, trocken. In der Ferne tauchen Regenwolken auf. Gegen die Ölstadt Comodoro Rivadavia schüttet es aus Kübeln.

Wir tanken und füllen im grossen Jumbo unsere Lebensmittelvorräte. Der CP Rada Tilly ist wegen des Regens ganz aufgeweicht. Ein Holländer erzählt Horrorstories von versumpften Strassen. Zum Glück haben wir die RP1 hinter uns. Die wäre jetzt kaum noch zu befahren!

Nach dem z’Mörgele besuchen wir Susanne und Ueli Haslinger bei der Mercedes Garage. Sie müssen den vorderen Stossdämpfer flicken, sind deshalb über die Pampa von Baja Caracoles hierher zurückgefahren. Wir tauschen viele Reise-Erfahrungen aus.

Wir montieren Willis Windschutzplatten. Der Windschutz wirkt perfekt! Sogar der Wind hört auf! Nein, die Funktion ist recht gut, das ewige Klappern der Zeltplachen verstummt. Sogar bei Windstärke über 90km/h halten sie! Das Innendesign ist jedoch eine Katastrophe: die Magnetbänder haben sich verzogen, passen farblich und magnetisch nicht mehr richtig. Statt Bänder sollten farblich angepasste Streifen benutzt werden, die sauber gelagert werden können. Zusätzlich müssen bei den Falten die Magnete versetzt werden, damit sie sich beim Lagern nicht gegenseitig aus der Verankerung stossen.

Wir finden am Strand eine gute Seafood-Beiz, Puerto Cangrejo. Die feine Seafood-Platter erschlägt uns fast, sie ist sehr reichhaltig und ausserordentlich gut. Auf dem CP Rada Tilly steht ein deutscher Rotel Tour Bus, das berüchtgte Sargwagenhotel!

Edwin Martinez aus Bogota ist am Kooka interessiert. Er ist von Kolumbien nach Ushuaja gereist und ist nun dem Atlantik entlang Richtung Brasilien auf dem Rückweg. Eine Pfadigruppe zieht am Abend in einer Zeremonie die ARG Fahne ein und hisst sie am Morgen in einer religiösen Feier wieder auf.

Wir fahren Richtung Loberia. Die Grab’sche Abkürzung erweist sich als abenteuerlich, wir lassen es sein. Bei der Loberia sind wir allein, nicht mal ein einziger Seelöwe. Chris & Walter sind offenbar schon weiter gezogen bis zur nächsten Loberia. Die Küste bis Caleta Olivia ist wild-romantisch schön. Hunderte Seelöwen räkeln sich in/über/untereinander in einem dichten Haufen. Natürlich herrscht nicht eitel Freude. Wir schauen dem Spektakel amüsiert zu.

Wir folgen der RN3 weiter via Fitz Roy, zweigen auf die RP93 ab und halten in der Nähe eines Sees in einem, jetzt vollkommen trockenen, Schlammloch. Ein super Platz!

Ein kurzer, sehr heftiger Luftwirbel zeigt, wie es sein könnte! Nach dem Apéro wird ein Feuer entfacht, die Frauen backen Brot.Wir geniessen ein feines Barbeque mit Ojo de Bife und Salat. Das Lagerfeuer brennt bis tief in die Nacht. Die Nacht ist ruhig und ohne Wind.

Der Morgen eine Pracht mit einer warmen Sonne. Vor der Abfahrt verletzt sich Chris den Finger an der Treppe. Die Fahrt über die RP93 wird immer wilder, schöner. Ein Prachts-Track, wenn man sowas sucht: rauh, etwas ausgewaschen, selten befahren, durch eine wunderbare, farbige Landschaft. Erinnert an den Norden Argentiniens oder an Western Australia (ist aber nicht so rot!) Grüne Büsche und grünes Gras täuschen aus der Ferne fruchtbaren Boden vor, aus der Nähe ist alles trocken, dornig, steinig. Kein Wunder sind die Tiere (Guanaco, Schafe, Pferde, Maras, Gürteltiere, Nandus) so spärlich verteilt. Zum Glück sind die Regenspuren ganz abgetrocknet, sonst wären ein paar Stellen schwierig zum befahren. Die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz auf dem Weg nach Puerto Deseado erweist sich schwieriger als gedacht: auf der RP49 sind wir wunderlig, entlang der RN3 wollen wir nicht und die Abkürzung über die RP89 ist sehr tricky: die Gatter sind kunstvoll verschlossen, wir werden von Einheimischen in eine Sackgasse geleitet. Bei einer Hazienda-Ruine bleiben wir über Nacht. Der Wind bläst leicht.

Wir suchen den Track weiter, nach Kompassrichtung. Das bewährt sich, der Feldweg ist zwar selten befahren, führt aber über eine Hochebene, patagonien-mässig durch karges Farmland, vorbei an kleinen Schafherden, Guanako-Gruppen mit Jungtieren, Nandus, Maras, die vor uns auf der Strasse rennen, bis wir nach 10km wieder auf die RP89 und nach weiteren 37km auf die RP47 treffen. Nach Mittag treffen wir in Puerto Deseado bei Darwin Expeditions ein. Wir werden von Roxane freundlich empfangen. Die Wetterlage erlaubt morgen nur eine Flussfahrt, und die Fahrt auf die Pinguin-Insel findet erst am Donnerstag statt. Heftige Windböen bis 87km/h sind vorhergesagt! Im Restaurant „Puerto Cristall“ geniessen wir ein feines Mittagessen mit Seafood und Steak.

Am Nachmittag machen wir die Fluss Tour auf dem Rio Deseado mit Darwin Expeditions. Zuerst auf dem Flusslauf gegen das Meer. Bald folgt uns ein schwarz-weisser Commerson Delphin.

Auf der Fahrt in die Bucht begegnen wir Seeschwalben, Seemöwen, Seelöwen, Magellan Pinguinen, Oyster Catcher, Felsen Kormoranen, Rotfuss Kormoranen und vielen anderen See-Vögeln.

Auf einer Kiesinsel brüten tausende Magellan-Pinguine, Seemöwen und Oyster Catcher. Deren Eier liegen offen im Kies. Das Elternpaar versucht krampfhaft uns mit Pfiffen von den Nestern wegzulocken. Wir müssen uns sehr vorsichtig bewegen.

Die südlichen Austerncatcher haben Angst um ihre Brut. Verständlich, wenn die Eier ungeschützt im Kies liegen.

Die Möven haben wenigstens sowas wie ein Nest.

Recycling von Lebendfutter!

Die Bucht ist, wie Darwin 1832 schrieb: „No creo haber visto jamás, un lugar mas alejado del mundo que esta grieta de rocas en medio de la inmens llanura“.

Oder wie Roxane sagt: das ist mein Paradies.

Am nächsten Tag machen wir uns früh für die Abfahrt bereit. Wir haben die Isla Pinguino Tour mit Darwin Expeditions gebucht. Roxane ist unser Guide. Kurz nach der Ausfahrt aus dem Rio Deseado kommt schon der erste Delfin, ein Austral oder Chileno, mit schwarzem Rücken.

Auf der Insel geht dann die Post ab: Seelöwen, See-Elefanten, div. Kormorane, dann grosse Magellan Kolonien und als Höhepunkt die Rockhoppers mit ihren gelben Federn (erst ab 4-Jahren).

Die Rockhoppers sind vor 30 Jahren von den Falklandinseln rübergekommen und geblieben. Heute brüten über 1000 Paare hier max. 2 Eier, das erste ist klein und wird nicht grossgezogen, quasi als Reserve und Futter für die Raubmöwen. Das zweite ist grösser..

Wir geniessen die Zeit mit ihnen fast 3 Stunden. Köstlich, ihnen zuzuschauen, ihre Geduld im Nest, die sorgfältige Eierpflege, ihr possierliches Hüpfen. Wir beobachten sie beim Baden und müssen auch miterleben, wie Möwen ein Nest überfallen und die Eier rauben. Natur!

Auf dem Rückweg kommen wir in die Nähe von Skua-Nestern. Diese Raubmöwen verteidigen ihre Nester aggressiv mit Scheinangriffen.

Auf der Rückfahrt begleiten uns 5 lustige Tonina Overa oder Commerson Delphine.

Beim Clubhaus begiessen wir die absolut lohnende Tour mit einem Apéro. Brigitte und Udo kommen, ohne ihren Hund. Er hat sich am Lago Musters mit Blaualgen tödlich vergiftet. Gemeinsam laufen wir in die Stadt und essen im Quinto grosse Pizzas.

Die Nacht verläuft für Heidi sehr unangenehm: mitten in der Nacht kommt die Pizza unverdaut wieder hervor. Draussen regnet es und der Südwind bläst heftig. Am Morgen hält der Windschutz den Böen nicht mehr stand und fliegt auf mit einem Knacks. Natürlich, wenn das Fz nicht richtig im Wind steht! Gegen Mittag wird der Wind immer heftiger, bis 95km/h. Wenn der Windschutz richtig montiert und das Fz richtig steht: kein Problem, auch ohne Rückwand! Heute ein fauler Tag mit Fotos bearbeiten bei Wind und Kälte!

Wir machen uns zeitig auf den Weg. Walter fährt direkt nach Puerto San Julian auf den CP Municipal. Chris, Angie und wir tanken Diesel und fahren dann auf de RP47 / RN3 / Circuito Costero an die Playa La Mina. Die Landschaft ist abwechslungsreich hügelig, flach wie eine Flunder und von breiten Tälern durchzogen. Die RP47 ist grössten Teils eine Baustelle: irgendwann wurde hier sowas wie eine Autobahn geplant und mit dem Bau begonnen. Teils sind Stücke fertig asphaltiert, teils im Rohbau, teils erste Grabungen gemacht aber nirgends zum Gebrauch frei gegeben. Fertige Stücke sind mit Kieshaufen abgesperrt. Am Pflanzenwuchs ist abzuschätzen, dass seit Jahren nicht mehr gebaut wurde. Dafür ist die Tierwelt intakt: Maras hüpfen weg, auf der Strasse sonnen sich Nandus mit ihren Jungen. Zuerst läuft die Familie auf der Strasse, rennt dann doch ins Gras, worauf die Mutter frech vor das Fz rennt und so von ihren Jungen ablenken will. Guanakos springen elegant über den Zaun, Pferde freuen sich in Familienherden ihres Lebens. Schafe laufen mit ihren Jungen gemächlich weg. Wasserpfützen vom letzten Regen ziehen offenbar die Tiere auf die Strasse (und spritzen unsere Fz voll). Die befürchtete Flussquerung ist eine feuchte Betonplatte. Am Anfang des Circuito Costero zweigen wir zur Playa La Mina ab. Unter hohen Felsencliffs finden wir einen Platz mit Windschatten (wenn der Wind nicht vom Meer her blasen würde). Zum z’Nacht braten wir auf dem Cobb Ojo de Bife zu Kartoffelsalat und Kürbisgemüse. Fein, aber der Wind bläst kalt im Schatten der Felswand.

Der noch heisse Cobb bringt etwas Wärme unter den Tisch. Zum Abschluss gibt’s Kaffe mit Wienachtsgüezi vom Deseado-Beck

In der Nacht dreht der Wind. Am Morgen scheint die warme Sonne. Wir fahren den Circuito Costanero der wilden Küste entlang.

Die Argentinier geniessen den Sonntag. Auf dem CP Municipal in Puerto San Julian treffen wir wieder auf Walter. René und Brigitte aus dem Aargau, Willy und Isabelle aus Luzern. Eine lokale Familie hat noch Fleisch vom sonntäglichen Asado auf dem CP übrig und bietet uns Wein, Fleisch und Bier an.

Sehr freundlich, lustige Diskussionen und zum Schluss gemeinsames Fischen am Strand. Sie ziehen zwar rasch ein paar heraus, für Chris und uns bleibt nichts mehr.

Wir fahren zeitig los, pumpen die Reifen auf Asphalt-Niveau und folgen der RN3 bis Piedrabuena. Hier sieht Patagonien aus wie erwartet: flache Hochebene, leichtgewellt, Weidezäune auf beiden Seiten, weite, karge Weideflächen. Guanakos und Nandus mit Jungen lassen sich vom Verkehr nicht stören, was einigen zum Verhängnis geworden ist: Roadkill wie in Australien!

In Piedrabuena nehmen wir am Rio Santa Cruz einen kleinen Imbiss. Der Fluss führt reichlich trüb-grünes Wasser das aussieht wie Gletschermilch.

Ein Loica commun leistet uns Gesellschaft,

Wir wollen den NP Monte León besuchen. Er ist aber wegen Regenschäden geschlossen. Auf der RP9 suchen wir einen vernünftigen Platz. Beim Heli-Landeplatz der Estancia Rincón finden wir im Schutz der Lagerhallen für die Helis einen halbwegs windgeschützten Platz. Der junge Station Manager kommt vorbei und erlaubt uns den Aufenthalt. In einer Halle ist eine Art Museum aufgebaut, mit alten Flugzeugmotorbetandteilen und alten Fotos.

Zwei zutrauliche Hunde kommen vorbei, einer will sich bei uns einschmeicheln. Auf dem Feld läuft ein Skunk vorbei. Der neugierige Hund wird vollgespritzt mit einem starken geröstet-animalischen Duft nach Phenylethylmercaptan, vermischt mit Skatol und Indol.

Ein schöner Sonnenuntergang beschliesst den Tag.

Die Pflanzen sind voll haariger Raupen.

In der Nacht bläst der Wind heftig, wird zwar von den Gebäuden gut abgehalten, aber die Luftwirbel schütteln unseren Kooka doch heftig durch. Die Windschutzplatten krachen immer wieder laut. Die Fahrt auf der RP9 verläuft am Rand des Hochplateaus zum Tal des Rio Santa Cruz. Oben Patagonien wie erwartet: flach, weit, karges, trockenes Weideland. Unten: das unerwartete Patagonien: türkisfarbener Fluss, breites Tal, Talrand wie ein Gebirge.

Das Land ist ebenso trocken wie oben. Bald tauchen in der Ferne die ersten Schneeberge der Anden auf. Die RP9 ist recht ruppig gebaut mit groben Steinen und hat wenig Verkehr. Die RN40 ist wieder geteert.

Der Lago Argentino leuchtet unirdisch türkis-grün.

In El Calafate ziehen auf den CP Niriguao. Die Schwarzkopf Ibis lassen sich auf dem CP nicht stören.

Bei Apéro und einem Grillfeuer beschliessen wir den Tag. Wieder mal Internet.

 

Die Sonne geht auf, die Papageien kreischen…

Die Tauben gurren ihr Ua-Uh-Uuu. Papageien kreischen überall. Es ist halb sechs am 6. November 2018. In den USA finden die Midterms statt. Die Amerikaner sind aus dem Trump-Trauma erwacht. Neben mir schläft Heidi noch tief. Es ist 7*C im Kookaburra aber schön warm unter der Daunendecke. Wir sind in El Cóndor an der atlantischen Küste von Argentinien. Wir sind angekommen.

Vor fast 3 Monaten sind wir in die Schweiz zurückgekehrt. Haben das viele Geschirr in der Küche erstaunt angeschaut: weshalb brauchen wir so viel? Je 2 Tassen, Teller, Gabeln und Messer reichten uns doch immer! Wir haben die Zeit genossen, haben Familie, Freunde, Bekannte und Unbekannte getroffen, Besuche erhalten und Besuche gemacht. Ein wunderschöner, trockener Sommer erinnerte uns an die trockenen Altiplanos Boliviens, ohne Wasser. Langsam wurden wir wieder von der Agenda kontrolliert. Wir waren an der Chilbi in Wil: „Häsch gse, s‘ Grabe sind wider emol do. Schön öi z’träffe, nach so langer Ziit“.

Doch das Reisefieber hat uns wieder gepackt. Wir besuchten Reise-Vorträge von

Christian Zimmermann: The Trolly Man quer durch Australien.

Peter Bähni: 9 Jahre mit dem Segelschiff auf See.

Dylan Samararickrama, Martina Zürcher: Leben im Büssli, Am Ende der Strasse

Wir steckten im Shopping Center Brügg eine Visitenkarte ans Fenster eines Weltreisefahrzeugs: Susanne & Ueli Haslinger meldeten sich und sind jetzt auch hier unterwegs Richtung Süden. Wir werden sie noch treffen.

Wir haben „die Heimat“ schmählich verlassen. Martina und Vincent werden schon auf unser Haus aufpassen, Juan wird gelegentlich den Rasen mähen, Weiher und Tiefkühler überwachen, die Pflanzen einwintern und Simon wird alle unsere unerwünschten Rechnungen pünktlich bezahlen, die Post beantworten. Wir sind so dankbar, dass ihr uns das Weg-Sein erlaubt.

Lieber Daara, dein gebrochener Arm tut uns so weh. Hoffentlich wird dich der Gips nicht mehr lange nerven. Denk dran, auch ein Samurai bricht sich immer wieder den Arm.

Der wunderbare Sommer nimmt nun doch langsam ein Ende. Die Natur ist nicht sicher ist das nun der Herbst oder der Frühling? Veilchen im Herbstlaub!

Am 31. Oktober hat uns Ruth zum Bahnhof gebracht. Dort überrascht uns Marlis und begleitet uns bis Olten im Zug. Dank GA! Am Flughafen werden wir in der Bye-Bye-Bar von lieben Wilemer Freunden verabschiedet. Gute Freunde sind wichtig!

Wir versuchten, unseren Aufenthalt in Madrid von 9 auf 2 Stunden zu verkürzen. Keine Chance, wir haben ein Billig-Ticket, die Verkürzung kostet die Hälfte des ganzen Retour-Preises. Also schlagen wir uns die Zeit um die Ohren und füllen unsere Mägen.

Brösmelikaffee

Ziemlich übernächtigt landen wir am 1. November morgens in Montevideo. Felix steht bereits in der Flughafenhalle, wie schön, dass wir abgeholt und sicher zu Kookaburra geführt werden. Unser Gefährt hat den Urlaub sichtlich genossen, frisch geputzt und geschmiert, mit neuen Schuhen, steht er für die kommende Reise in den Süden bereit. Wir verstauen unsere mitgebrachten Schätze, Landi-Mehl, Italienisches Gewürz, Knorr-Bouillon, Ikea Fertigbrotmischung, Schweizer-Schoggi und steigen letztendlich todmüde in unser frisch gewaschenes Nachtlager. Es ist ein gutes Gefühl dort oben, wir freuen uns auf unsere bevorstehende Reise.

Am nächsten Morgen, 09.00 Uhr, wo sind wir? Wieso fliesst die Aare nicht vor unserem Fenster durch? Warum ist es nicht richtig hell und  lichtdurchflutet? Wir starren an Zeltwände, alles ist ziemlich viel enger als im Byfang-Schlafzimmer. Unsere Köpfe pochen, wir haben beide Kopfschmerzen. Ich steige einen Stock runter….., halt, wo ist die Kaffemaschine, deren Inhalt unseren dicken Köpfen den Garaus machen könnte? Haben wir überhaupt Kaffee? Eilig wird die Vorratskiste durchgeforstet… Verdauungstee, Migros-Bio-Alpenkräutertee, Magen-Darmtee, Chaitee…, kein einziges Brösmeli Kaffee weit und breit! Brösmelikaffee, die Stunde der Wahrheit ist gekommen, auf unserer Reise werden wir erneut auf BRÖSMELIKAFFEE umstellen, gefriergetrockneter Nescafe-Dolce oder Suave, den Kaffee den wir zuhause verachten und die Nase darüber rümpfen! Er wird unsere Kafisucht und das damit verbundene Kopfweh auf der Stelle heilen und Hand aufs Herz, nach ein paar Tagen Angewöhnungszeit finden wir das Gebräu super fein.

Also, nichts wie los in den nächsten Laden und hoffen, dass sie Brösmelikaffee am Lager haben!

Ute macht herrliches Vollkorn-Sauerteigbrot und die frischen Eier sind spürbar von glücklichen Hühnern. Wir nehmen einen Vorrat mit auf die Reise. Da wir für die Wale bei der Halbinsel Valdez recht spät dran sind, rasen wir „was gisch was hesch“ nach Colonia del Sacramento.

 

Auf die Schnellfähre nach Buenos Aires,

durch dichten Wochenend-Rushhour-Verkehr über die RN3

in die Pampa nach Süden.

mit Übernachten am Lago San Miguel del Monte, in den Sierras de la Ventana (die mit einem grossen „Martinsloch“ in den Felsen)

und gestern Abend in El Cóndor.

Wir sind angekommen. Unsere Reise kann beginnen. Wir suchen die kreischenden Papageien.

 

 

Rückkehr in die Schweiz & Fazit

Felix von UY-Storage fährt uns zum Flughafen. Die Maschine hebt pünktlich ab, der Flug ist ruhig, wenig Schlaf, viele Filme. pünktliche Zwischenlandung in Madrid. Wir müssen durch die Immigration. Stimmt, wir sind im Schengenraum eingetroffen und müssen überprüft werden. Wir haben ein wenig Zeit um uns über Madrid zu informieren. Das scheint wirklich eine interessante Stadt zu sein, da müssen wir unbedingt mal hin. Wir haben für den Rückflug nach Montevideo einen langen Stop-over in Madrid. Mal schauen, was sich da machen lässt. Wir haben in Singapore mal eine 2-stündige Taxi-Fahrt gemacht und damit ein wenig von der Stadt mitbekommen. Die Landung in ZHR ist etwas verfrüht. Dank der Immigration in Madrid können wir in Zürich ohne Kontrollen einreisen. Simon, Carine, Alika, Christoph holen uns ab. Lou und Daara sind auf einem Schulausflug. Nach langer Zeit wieder einmal ein schönes Familientreffen in der Hallo-Bar. Dann geht’s mit dem Zug nach Biel, mit Taxi in den Byfang. Wir sind wieder „daheim“.

Das begiessen wir mit einer Flasche Freixenet. Das Haus steht wie wir es verlassen haben, der Garten zwäg gemacht, die Fische im Teich haben überlebt. Lieber Juan, Du hast ganze Arbeit geleistet, vielen herzlichen Dank. Und auch ihr, Martina und Vincenz, vielen Dank für die Überwachung und eure Arbeiten und herzliche Gratulation zum wunderschönen, neuen Garten, wir sind neidisch.

Wenn das so „ring“ geht, haben wir fast keine Hemmungen, nochmals weit in den Süden abzuhauen.

Fazit der (ersten) Südamerika-Reise

Die Reise war wirklich toll, spannend, abwechslungsreich, schön und wie all die Attribute sonst noch heissen mögen. Sie war aber auch herausfordernd, zeitweise zermürbend streng. Wir hatten keine nennenswerten Probleme mit der Höhe der Anden oder der Gesundheit. Wir hatten keinen Unfall, keine wesentlichen technische Probleme mit unserem Kookabrurra. Wir haben eine Menge Menschen von ihrer freundlichsten Seite kennen gelernt, sowohl Einheimische wie Reisegefährten. Wir haben das „planlose“ langsame Reisen genossen: „bleiben wir noch oder wohin gehen wir heute?“ Wir konnten an wunderschönen, einsamen Plätzen bleiben und sind den Massen ausgewichen. Natürlich war nicht alles eitel Kuchen essen. Wir mussten uns an rudimentäre Sanitär-Anlagen gewöhnen, an eine unverständliche Bürokratie, an die laute Wochenend-Musik, an sehr ruppige, unangenehme Wellblechpisten, am Schluss an den kalten Winter-Regen. Die paar eiskalten Nächte haben wir gut überstanden.

War uns die überlange Reise auf dem Frachter zu viel? Nein! Wir Passagiere waren ein gutes Team auf dem Schiff und die Schiffs-Crew hilfsbereit, nett und der Koch ausgezeichnet. die längere Fahrt haben wir als Teil der Reise betrachtet und erlebt.

Die besuchten Länder haben uns einfach fasziniert, die eindrücklichen, abwechslungsreichen, farbigen, wilden Landschaften, die freundlichen Menschen. Ja es zieht uns nochmals in den Süden.

Haben wir aus den paar Fehlern etwas gelernt? Ich hoffe, ja.

Wir haben zwar ein super geländegängiges Fahrzeug, mit dem wir im Prinzip überall hin fahren können. Aber vielleicht sollten wir doch immer zuerst denken und überlegen, bevor wir „wie der Muni ine Chrishuufe inerenne“. Wir haben erlebt, wie Kookaburra sich wütend hinsetzt, wenn es ihm zu viel ist. Und wenn er bockt, brauchen wir unbedingt zusätzliche Hilfe.

Würden wir uns das wieder antun? Nun, Kookaburra ist in Uruguay hervorragend untergebracht, wird gehätschelt und gepflegt und wir haben nicht die Absicht das Retour-Billet zurückzugeben. Bis jetzt ist der 31. Oktober 2018 gesetzt.

Foz do Iguaçu – Uruguay

Foz do Iguaçu – Sao Miguel do Iguaçu – Santa Tereza do Oeste – Santa Maria – Capitao Leónidas Marques – Marmelándia – Realeza – Pérola d’Oeste – Santo António do Sudoeste – Barracáo /Dionisio Cerqueira – Sao José do Cedro – Guaraciaba – Sao Miguel do Oeste – Iporá do Oeste – Mondai – Caiçara – Frederico Westphalen – Palmeira das Missóas – Panambi – Cruz Alta – Itaara – Santa Maria – Canguçu – Pelotas – Balneario Cassino – Quinta – Santa Vitória do Palmar – Hermenegildo – Chui – Castillos – 19 de Abril – La Paloma – Rocha – San Carlos – Pan de Azúcar – Gregorio Aznarez – UY-Storage

Nach dem Besuch bei der Federal Police sind wir wieder auf Achse! Auf der BR277 fahren wir Richtung Cascavel den NP Iguaçu entlang durch eine fruchbar grüne Gegend.

In Santa Tereza do Oeste bleiben wir auf dem PP der Tankstelle.

Wir werden relativ spät vom Strassenlärm geweckt. Nach dem z’Mörgele brechen wir auf. Über die BR163 geht’s nach Süden, über hügeliges, frisch-grünes Gelände.

Bald überqueren wir den Rio Iguaçu bei Marmelândia.

Die Landschaft verändert sich, wird bergiger, erinnert an die bergigen Hügel Mitteleuropas und den Schwarzwald. Die Besiedlung wird kleinräumiger, dichter, viele Dörfer und Städte. Die Strassen sind recht gut, geteert mit einzelnen Löchern.

Über São Miguel do Oeste gelangen wir bei Mondai an den Rio Uruguai, den wir mit der Fähre überqueren.

Es ist Zeit für ein Nachtlager. In Frederico Westphalen werden wir fündig, bei der Tankstelle Posto da Lagoa. Nach 346km! Das ist eigentlich nicht unser Reisetempo. Die Schweiz ist heute gegen Schweden im Achtelfinal ausgeschieden. Nun müssen wir halt mit den Brasilianern mitfiebern.

Der Verkehr weckt uns nicht zu spät. Duschen, z’Mörgele und rasend ab nach Süden auf der BR158. Nebel und teils heftiger Regen begleiten uns über die Hügel und Berge durch Städte und Dörfer.

Kurz vor Santa Maria suchen wir einen CP. SOCEPE ist nur für Gruppen, privat. Sie schicken uns zu einer Pousada. Zwei junge Leute haben diese vor fünf Monaten übernommen, sind aber nicht für Camper eingerichtet. Also fahren wir weiter, hinunter nach Santa Maria. Das grosse Tafelgebirge bricht hier 300-400m ab ins Tiefland. Deshalb sind hier viele Wasserfälle zu besichtigen (wir haben keinen gesehen). Nach weiteren 60km finden wir einen Platz hinter einem Tankstellen-Restaurant.

Rasende Fahrt durch Nebel und Regen über die hügeligen Berge an die Küste von Cassino.

Das Meer brandet beige-braun an den flachen Sandstrand.

Im CP dos Ferroviários finden wir einen vernünftigen Nachtplatz.

Wir lassen uns sehr viel Zeit und fahren am Mittag weiter Richtung Chui durch ein flaches Feuchtgebiet mit Lagunen und Sumpfwiesen.

Dutzende Capibaras grasen neben der Strasse.

Riesige Windfarmen grasen den ständigen Wind in dieser flachen Landschaft ab.

In Hermenogildo bleiben wir auf dem CP Pachuca nahe am Strand. In der Nacht Dauerregen. Wir prüfen im Internet unseren Rückflug.

Die ganze Nacht Regen, Regen. Wir hauen ab Richtung Grenze. Brasilien: aufgestellte fröhliche Menschen, die WM ist auch für Brasilien gelaufen. Wir sind rasch durch bei der Brasilien Immigration und Receita. Die Multa, die Busse kommt kurz auf, ist aber weiter kein weiteres Thema. Bei der nächsten Einreise nach Brasilien sollte die Einsprache erledigt sein. Dann kommt die Zollfreizone Chui. Wir tanken auf. An der Uruguay-Grenze wieder aufgestellte Menschen. Auch für sie ist die WM vorbei. Immigration und Zollabfertigung für Kooka sind rasch erledigt. Wir rasen durch den Regen Richtung Dirk über eine flache, leicht hügelige, nasse Landschaft. Vor Rocha zweigen wir links auf einen dreckigen Feldweg Richtung La Paloma ab, typische Grab’sche Abkürzung. Bei beiden CP in La Paloma ist vorerst niemand da. Der CP MTOP ist geschlossen, wir kommen im PIT CNT unter. Grosse Bäume liefern guten Schatten, jetzt aber nur dicke Wassertropfen. Zum z’Nacht Heidi’s Kartoffelsalat mit Spiegeleiern. Mmmmh.

Bei strömendem Regen fahren wir noch kurz zum Leuchtturm am Strand. Kurze Fotosession und dann weiter Richtung Dirk.

Überall sind die Wiesen überschwemmt, die Flüsse bringen viel Wasser und sind teilweise über die Ufer getreten.

Olivenplantagen

Richtung Montevideo wird die Landschft wieder bergiger. Dirk’s Farm liegt etwas abseits. Von weitem sind die Hallen von UY-Storage sichtbar.

Felix weist uns auf den CP ein. Die Sanitäranlagen sind vom Feinsten was wir bisher in SA gesehen haben. Ein Paar aus Franz. Guayana (Bruno und Marilene ??) ist mit einem Hylux mit Aufsetzkabine hier. Sie wollen 2 Monate in Braslilien (u.a. Pantanal) verbringen. Mit dem Cobb kochen wir unseren Suure Mocke. Etwas trocken aber superfein. Wir versuchen, über eBookers unsere Flüge zu buchen. WiFi ist seeeeeehr langsam. Es klappt vorläufig nicht.

Wir machen uns an die Reinigung des Fahrzeugs. Kookaburra soll ja einen guten Eindruck machen in den nächsten 3 Monaten. Die Flugreservation mit ebookers.ch klappt immer noch nicht. Direkt buchen bei Iberia klappt mit einem USB-Modem. Wir können am 12. Juli fliegen. Felix zeigt uns die Werkstatt und die Lagerhallen. Die sind schon recht voll gepackt mit Overlander-Fahrzeugen.

Unsere ex-Begleiter von der Atlantico sind auch hier: die Lastwagen von Patrick und Chris. Eine Holländische Familie (Roos und Tanja) mit Hylux / Kabine reist am nächsten Tag via Buenos Aires ab. Wir reinigen innen und flicken kleinere Sachen wie die Seilwinde.

Am letzten Tag stehen wir etwas früher auf um die letzten Arbeiten zu erledigen: fertig packen, Wassertank füllen, Liste der Arbeiten mit Felix besprechen. Felix fährt uns zum Flughafen. Die Maschine hebt pünktlich ab, der Flug ist ruhig, wenig Schlaf, viele Filme. pünktliche Zwischenlandung in Madrid. Da müssen wir unbedingt mal hin. Landung in ZHR verfrüht. Simon, Carine, Alika, Christoph holen uns ab. Lou und Daara sind auf einem Schulausflug. Schönes Familientreffen in der Hallo-Bar. Mit dem Zug nach Biel, Taxi in den Byfang. Wir sind wieder „daheim“. Das begiessen wir mit einer Flasche Freixenet.

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