Kookaburra – Wie unser Traumfahrzeug entstand

Das ist eine lange Geschichte. Emotional kann man sie als manisch-depressive Phase bezeichnen: himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Sie fängt irgenwo in der Sahara an: wir sind unterwegs mit einem VW-Bus mit Familie. Das Erlebnis der wunderbaren Wüste, die freundlichen Menschen in den Beduinenzelten. Der Frust mit eingelochten Rädern, schaufeln und der Aussage: NIE MEHR NUR 2-WD. Später die Miete eines Bushcampers von Britz in Australien. Die erste Erfahrung: Einführung in 5 Minuten: wo sind die Bedienungselemente, Wann darf man im Allrad-Modus fahren, wann nicht.

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Dann Übergabe des Schlüssels: Happy travelling. Ab auf die Strasse. Hoppla, da gilt Linksverkehr. Da vorne ein Roundabout. Wo, wie geht es weiter? Nach einer halben Stunde, mit mehreren Zwischenhalten fühlen wir uns schon fast als Profi. Das ist ja kinderleicht. Nun, ganz so einfach war es dann doch nicht, aber Zuversicht, Freude und Sicherheit stiegen von Tag zu Tag. Ein kleines Manko zeigte sich bald: Das Fahrzeug war gefühlte 50cm zu kurz. Wir mussten unsere Koffer morgens und abends immer umpacken.

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Nein, nein, das ging nochmals glimpflich ab. Nur etwas viel Wasser strömt durch die Lüftung herein

Im nicht mehr ganz jugendlichen Überschwang besuchte ich die Armee-Gant in Thun: da sind sicher alte Militärfahrzeuge zu haben.  Ein MOWAG-Kommandefahrzeug sticht mir in die Augen: erst 15000km gefahren, zwar 30 Jahre alt, sieht aber gut aus. Die Kabine kann man ausräumen, neu einrichten, die Fantasie macht Purzelbäume.Beim Gebot von 1200.-Fr. bin ich der letzte Bieter: …..zum Dritten: der MOWAG gehört mir!

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Die Realität sieht dann anders aus: Lager, Bremsen Kupplung, Motor müssen revidiert werden wegen Standschäden. Der Umbau der Kabine braucht viel Zeit, das alles neben der normalen Arbeit. Ich traue dem MOWAG auch nicht mehr ganz über den Weg: welchen Zustand haben die alten, brüchigen Elektrokabel, die Gummi- und Kunststoffleitungen? Wie verhalten sie sich im schweren Gelände, auf Wellblechpisten? Dann kommt plötzlich der Transfer nach Singapore. Fazit: ich lasse den MOWAG verschenken. Vielleicht war das Lehrgeld gar nicht so teuer. Eine Panne in der Wüste wäre noch teurer geworden (das nennt man Positiv Denken!)

In Alice Springs sehen wir einen auf Allradantrieb umgebauten Toyota Coaster Bus, eine Art Schulbus. Klein in den Aussenmassen, gross im Innenraum. Der Erbauer demonstrierte die Geländegängigkeit: erstaunlich. Die Suche im Internet führte zum Frust: Der Coaster wird nur in Asien verkauft. Umbauten können in Australien gemacht werden. Für Schweizer kaum machbar.

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In Laupen begegnen wir einem FFB-Camper zu einem verlockenden Preis: das ist was für Campingferien in Europa: zum manövrieren erstaunlich beweglich und drinnen sehr viel Platz. Aber eben: 2WD, nichts für weichen Boden (musste in Island 2Std. schaufeln bis er wieder flott war).

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Wir lernen Susi & Ruedi kennen. Die bauten sich ein grossartiges Geländefahrzeug auf der Basis eines australischen OKA. Ja natürlich, das ist die Lösung. Zwar etwas gross und schwer, und kostet ein kleines Einfamilienhaus. Können/wollen wir uns nicht leisten.

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Wir besuchen die Allradmesse in Bad Kissingen, in Europa die grösste Ansammlung von Geländefahrzeugen und 4WD-Freaks. Hier findest Du alles Mögliche und Unmögliche zum Thema 4WD, Geländefahrzeuge, Expeditionsträume und DIY-Lösungen mit ihren stolzen Besitzern. Geländegängige Einfamilien-Villen oder einfache Kombi-PW mit sinnvollen Koch- und Schlafgelegenheiten, alles was das Herz begehrt und die eigene Fantasie anstachelt. Viele Hersteller zeigen ihre Lösungen.

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Es wird bald klar: Bastel-Lösungen können billig sein, bewähren sich vielleicht in ganz bestimmten Situationen. Die grossen ausgebauten Lastwagen bieten jeden erdenklichen Komfort. aber sie können nicht auf allen Pisten und Brücken verkehren. Bleiben noch die kleinen Geländewagen wie Landrover, Landcruiser und Co. Die üblichen Lösungen: kleines Geländefahrzeug mit Dachzelt oder kleinem Aufbau. Im Internet finden wir bald Occasionsfahrzeuge. Jedes hat seine guten Seiten aber auch viele Schwächen: meistens ist der Platz spartanisch oder aufwendig zum Umbauen beim Lagerplatz. Das kennen wir schon! Wenn sie gut ausgebaut sind, darfst Du nicht an Klaustrophobie leiden. Du fühlst Dich wie der Astronaut in der Mercury-Kapsel: alles ist da, in Reichweite der Hände und Augen. Vergiss andere Bewegungen.

Auf unserer letzten Tour in Island mieten wir einen Toyota Hilux mit Wohn-Kabine. Gar nicht so schlecht und gut geländegängig. Tom in Markt Bibart offeriert gerade ein solches Basisfahrzeug zu einem tragbaren Preis. Wir treffen auf Yvonne. Sie hat ihr Haus verkauft, einen Toyota Landcruiser mit Einbauten gekauft und reist nun in der Welt herum. Sie wird nach Island bei Tom vorbeigehen für Revisionen und Service. Auf der Fähre nach Dänemark reift unser Entschluss: wir fahren via Tom in die Schweiz zurück.

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Die Kabine des Hilux ist ein Absteller: schlechte Einteilung, wackliger Tisch. Da ist auch der günstige Preis zu teuer! Aber Tom hat ein paar Kundenfahrzeuge auf der Basis Toyota Landcruiser in der Werkstatt. Da werden Träume zusammengebaut. Wir vergessen Realität und Kosten, planen unseren Traum, wobei Tom sich kaum von seinem Konzept abbringen lässt: vergessen Sie das, ich weiss was funktioniert, Sie beommen ein Weltreisefahrzeug, das funktioniert und nicht enttäuscht!

Wir besuchen auch Böhlen in Thun. Er baut ebenfalls sehr gute Expeditionsfahrzeuge, leider ist seine Lieferzeit wesentlich länger als ein Jahr. Tom offeriert 6-8 Monate.

Der langen Rede kurzer Sinn: So wurde unser Kookaburra gebaut.

2 Gedanken zu „Kookaburra – Wie unser Traumfahrzeug entstand“

  1. Guten Tag Heidi und Willi,
    ich habe mit Genuss Eure Seite durchforstet und sehr viel Schönes und Wissenswertes entdeckt.
    Wir haben letztes Jahr bei Tom ein Weltreisefahrzeug (HZJ78, EURO3) bestellt. Das Fahrzeug soll am Anfang mit deutschen Kontrollschildern fahren (unter meinem Namen bei Tom registriert). Es wäre aber schön und auch einfacher, wenn es irgendwann Schweizer würde. Habt Ihr für die Zulassung in der Schweiz zusätzliche Tipps? Das Fahrzeug soll im Frühjahr 2020 geliefert werden. Wir planen im Frühjahr 2021 mit der Panamericana zu starten. Haben also etwas Zeit und Nerven für die Zulassung.
    Ich bin für jeden Kommentar und jede Anregung dankbar.
    Ich wünsche Euch weiterhin eine gute und spannende Reise.
    Bis bald,
    Samuel Basler

    1. Hallo Heidi und Willi
      Hallo Samuel
      Zuerst einmal grosses Kompliment für eure tolle Seite!
      Wir haben das gleiche „Problem“, da wir wahrscheinlich (trotz aller Nachteile) das Auto in der Schweiz einlösen lassen möchten. Ich bin schon mit den Herrschaften vom Strassenverkehrsamt in Kontakt aber einige Tipps können sicher nicht schaden. Wir haben ebenfalls ein 78er Worldcruiser, welcher im August 2019 ausgeliefert werden soll;-)
      Herzliche Grüsse
      Marcel

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