Import des Kookaburra in Australien

Import eines Fahrzeugs nach Australien? Seid ihr verrückt? Dort kannst Du doch jedes geeignete Fahrzeug mieten oder kaufen. Und erst noch billiger! Einverstanden. Aber dafür haben wir uns nicht ein teures Gefährt bauen lassen, um wieder halbbatzige Lösungen zu mieten. Ja, der Transport kostet etwas: viel Geld und viel Nerven. Als Transportmöglichkeiten kommen Flugzeug (zu teuer für Normalsterbliche aber ein gute Lösung für den Töff, (gell Gabi & Rainer) Standard-Container sowie RoRo (Roll-on-roll-off mit Fähren). Wenn ich an unsere Island-Reise denke, scheint mir das eine praktische Lösung für kürzere Transfers. Mir schien dies eine teurere Lösung als der Container. Die ist ja für die Logistik-Betriebe weltweit ein Standardprozedere. Was sich im Container befindet, ist denen egal (sofern keine gefährlichen oder verbotene Waren drin sind). Wir haben Kookaburra containertauglich bauen lassen (jedenfalls fast!). Beim Vergleich der Frachtkosten kommt RoRo gar nicht schlecht davon. Nachteil: das Fahrzeug ist offen zugänglich und muss leer sein. Gerüchten zufolge nutzen müde Seeleute die bequemen Wohnmobile während der Überfahrt als Schlafgelegenheit. Nur Gerüchte! Im Container darf derselbe sowie das Fahrzeug vollgestopft sein (aber Vorsicht: keine gefährlichen Dinge wie Treibstoff, Gasflaschen und für Australien / Neuseeland: absolut keine Lebensmittel, Pflanzenbestandteile oder Dreck).

Bevor aber der Transport organisiert werden kann, musst Du (für viele Länder) ein Carnet de Passage en Douane (CPD) haben. Das ist ein dicker Stapel bedrucktes Papier vom TCS oder ADAC, das den Zollbehörden garantiert, dass das Fahzeug wieder ausgeführt wird. Der Automobilclub verlangt ein Depot von 25% des Wertes in Cash.

Kommt die Frage: First Class oder Second Class? First: direkt nach Fremantle in ca. 31 Tagen. Second: Umladen in Singapore, ca, 37-50 Tage, dafür etwa 10% billiger.

Dann kommt die Versicherung: 1.Stufe: Die Ladung haftet für eine allfällige Bergung des sinkenden Schiffes. Dies Versicherung ist obligatorisch, denn bei einer Havarie reicht das vekaufte Eigenheim nicht zur Deckung des Schadens. Kosten: 0.75% des Versicherungswertes 2.Stufe: Totalverlust des Fahrzeugs. Ist eine freiwillige Ermessensfrage. In Anbetracht von 10’000 verlorenen Containern jedes Jahr doch nicht ganz trivial. Kosten: 1.5%. 3.Stufe eine Art Vollkasko: jeder Kratzer oder jede zerbrochene Scheibe wird vergütet. Kosten: 2% Nur lohnt sich hier das Kleingedruckte zu lesen. Bevor die Versicherung zahlt, muss man hieb- und stichfest beweisen, dass die Transporteure am Schaden schuld sind. Hinausgeworfenes Geld.

Der „Transporteur“, das sind eine ganze Reihe von Akteuren. Der erste verspricht Dir das Blaue vom Himmel und Du musst nur deinen Liebling irgenwo abgeben und hoffen, dass Du ihn an einem andern Ort wieder bekommst. Er nennt das „Sorglos Paket“. Du bemerkst gar nicht, das er nichts anderes tut als sich drum zu kümmern. Aber er kennt die Abläufe und die Leute am Bestimmungsort. Er kennt auch die Crew, die Dein Fahrzeug sorfältig im Container sicher verstaut. Die haben aber mit Papierkram absolut nichts am Hals. Bestätigung? Nummer von Container und Siegel? Wozu braucht ihr das? Der Lastwagen steht ja schon bereit, irgendwo auf einer Strasse. Woher wissen die eigentlich, dass hier ein wertvolles, teures Fahrzeug verpackt wird und wohin fahren die damit?

Irgendwann bekommst Du die Meldung: der Container ist mit dem Lastwagen unterwegs nach Rotterdam, nicht mit dem Zug. War das nicht so besprochen? Oder ist das einfach Logistik-Flexibilität? Hat sich ein privater Chauffeur einen lukrativen Zwischenjob ergattert? Der Chauffeur lädt den Container nicht selber auf den Frachter. Da kommen wieder Händler (im Sinn von behandeln, machen) ins Spiel. Endlich ist alles auf dem Schiff. Du bekommst den Namen des Schiffs. Im Internet-Zeitalter findest Du sogar den täglichen Weg des Schiffes auf den Weltmeeren. Aha, es ist noch in Le Havre gelandet. Aua, wie ist das Wetter in der Biscaya? Hohe Wellen? Halten die Container? In der Strasse von Gibraltar stauen sich viele Schiffe. Was, der geht noch nach Genua? Nachladen? Nächstes Ziel: Damietta. Aber die Hauptstadt von Malta heisst doch Valetta! Nein, Damietta ist offenbar der Warteplatz vor dem Suezkanal. Ja. da müssen die vielen Schiffe das Nadelöhr durchqueren. Aber ein Woche lang kann doch nicht sein. Das Internet klärt auf: Europa und das Mittelmeer sind mit landgestützten Positionsmeldern ausgestattet. Östlich vom Suezkanal braucht es teure Satellitenverbindungen. Und Logistiker sind Rappenspalter. Kommt dazu, dass die „Logistiker“ im Golf von Sudan gerne ihre Überfallpläne mit genauen Durchfahrtsdaten optimieren würden.

Endlich (und pünktlich wie geplant um sechs Uhr früh) kommt  das Schiff in Fremantle an. Der Computer hat die Schiffsladung so geplant, das die Container nicht umgepackt werden müssen. Von oben nach unten wird entladen, was raus muss. Die Lastwagen warten schon der Reihe nach. Jeder bekommt „seinen“ Container. Der Zoll hat schon lange bevor das Schiff ankommt, die Frachtpapiere studiert: der Container aus Basel, mit einem vollgestopften Wohnmobil muss durch den Röntgenapparat, wer weiss, was da alles noch drin ist. Stimmen Ladepapiere mit dem Inhalt überein? Alles ok.

Der Container darf ins Zollfreilager zum Auspacken. Wegen den strengen Grenzvorschriften seit 9/11 und seit den realen Bedrohungen in Australinen dürfen wir nicht dabei sein. Aber wir wissen doch dass das Fahrzeug im Container zu hoch ist, mit 4 schweren Mannen beschwert werden muss und nicht noch mehr Luft aus den Pneus rausgelassen werden darf. Wir wollen keine zerstörten Solarzellen auf dem Dach.

Hier kommt der erste Transporteur wieder ins Spiel: Du hast doch ein Sorglos-Paket gebucht, also mach Dir keine Sorgen. Vergiss Botox! Keine Sorgenfalten! Du fährst noch in diesem Jahr mit Deiner Rakete davon! Wie Recht er hat: die „Das-Blaue-vom-Himmel-Versprechenden“ sind alle geklont. Sie halten sogar was sie versprechen!

Nun, mindestens bei uns hat das geklappt. Danke Massimo, Delia, Fabrizio, Ivan, Mark und Lou. Sonst hätte ich mich mit all dem Papierkram wie IMO-Zertifikat, BAF/CAF Zuschlag, THC,ISPS Spesen, Bill of Lading, VATOS, Gefahrengutzuschlag und noch vielen weiteren Ausdrücken, wovon ich keine Ahnung habe, herumschlagen müssen. Nein da wirkt nicht mal Botox oder Valium. Lass sie machen.

Ist das Fahrzeug ausgepackt, kommt der Mann von der Quarantäne: Australien hat schlechte Erfahrungen gemacht mit eingeschleppten fremden Organismen, angefangen bei den Kaninchen, Riesenkröten, Pflanzen und Krankheiten (nehmen wir den Menschen aus). Australien ist immer noch ein wenig verpesteter Kontinent und das wollen sie so beibehalten. Keine Lebensmittel, kein Strassendreck, keine Insekten. Nichts. Bis vor Kurzem wurde jedes Flugzeug samt Passagieren vor der Landung mit Insektiziden ausgeräuchert. Der nette Aussi mit Bart sieht das neue Fahrzeug, ist entzückt ob der Sauberkeit. Zum Glück sehen nur wir die Schmutzflecken auf der Motorhaube. Die Bodendeckeli gehen auch durch. Sein Finger wird unter dem Raddeckel nicht schmutzig: „Very nice car. I wish you a nice stay in Australia. I will just send an eMail to speed-up the release.“ Sagts, grüsst und geht. Wenn nur alles immer so problemlos wäre.

Jetzt bekommst Du die Schlüssel, darfst den Motor starten, wenn die Batterie noch geladen ist, dann musst Du die Pneu wieder auf den normalen Druck aufpumpen. Jetzt merkst Du, dass sich der Einbau des leistungsfähigen Kompressors gelohnt hat: da hat viel Luft platz. Noch ein Papier unterschreiben, dass Du das Auto bekommen hast. Keine weiteren Papiere? Wozu? Sie haben ja ihr Fahrzeug!

Halt! Hast Du die „Temporary Permit“ vom DoT, dem Department of Transport? Ohne dieses Permit darfst du das Fahrzeug nicht in Australien fahren, keinen Meter. Es ist maximal 48 Std. gültig und Du musst exakt angeben, auf welchem kürzesten Weg Du ins nächste staatliche „Examination Center“ fahren willst. Keine krummen Touren! Du musst also noch vorher bei diesem Examination Center einen Termin bekommen, und die dulden keine Verzögerung. Du bekommst noch eine Stunde vor dem Termin eine Mahnung, dass Du unbedingt 15 Minuten vorher dort eintreffen solltest.Beim DoT kannst Du ev. 20 Minuten am Telefon hören welche Leistungen Dir das DoT sonst noch liefert, im Minuten Rhythmus! Das Ganze ist eine nervlich spannende logistische Just-in-Time Übung!

Jetzt aber nichts wie los. Achtung, auf der linken Seite fahren. Achtung wie fährt man über eine Kreuzung? Wie sind schon wieder die Geschwindigkeitsbeschränkungen? Shit, zu früh von der Autobahn abgezweigt. Wo gehts jetzt wieder auf die Autobahn, denn das war nur eine Abfahrt. Endlich landen wir beim Hotel. Wir haben den Termin übermorgen früh (um 2Uhr läuft die Temporary Permit ab).

Unser Prüfzentrum lag nahe beim Entladepunkt aber weit weg vom Hotel. In einer halben Stunde sind wir dort. Von der freundlichen Empfangsdame bekommen wir Papiere zum ausfüllen. Der Examiner ist schon bereit. Seine Augen strahlen: Nice Car. Er prüft die Felgen: aha, Spurverbreiterung. Die Lichter der Reihe nach anzünden, Blinker. Wie leuchten die Abblendlichter, Scheinwerfer auf seine Papiere? Dann über die Grube fahren. Wieder kommt seine Taschenlampe zum Zug. Alles ok. Am Computer registrieren, Papiere ausfüllen. Nach einer Stunde ist alles überstanden. Wir bekommen den Fahrzeugausweis, behalten unsere D-Nummer, bezahlen die obligatorische „Third-Party-Injury-Insurance“ und bekommen den Ratschlag, doch ein Schild „Left Hand Drive“ für unsere Sicherheit zu montieren. Nichts wie weg!

Nächster Stop: BCF (Boating, Camping Fishing). Wir wollen die leeren Gasflaschen auffüllen. Der Mann schaut sich die Flaschen kurz an: Ich kann diese Flaschen nicht auffüllen, zu alt. Wenn ich das tue, verliere ich meinen Job! Waaas? Wir hatten 2 neue, volle Gasflachen von Tom und die habe ich gegen 2 leere, alte Flaschen ausgetauscht. Glaub der Gugger, hat mich der Händler in Hindelbank komisch angeschaut. Was nun: Neue Flaschen? Gibt es Anschlüsse? Übergangsstücke, Murkslösungen? Wir suchen, vergleichen, passen an: nichts geht. Wir versuchen es noch bei Swagelok Australia, die Gasrohr-Spezialisten: das entspricht nicht unserem System, sorry about that!

Wir müssen unbedingt noch beim RAC (Royal Automobil Club) vorbei für die Versicherungen. Die Dame am Schalter: „We do not insure Left-Hand-Drive“. Schock! Ja aber ein Bekannter hat doch das auch bekommen! Sorry about that. Ihre Kollegin meint: Aber die Vorschriften haben sich doch geändert. Ok, sie guckt krampfhaft in ihren Computer. Welches Modell? HZJ79L. steht auf dem Australischen Fahrzeugausweis! Sorry, haben wir nicht auf unserem Computer, sorry about that. Ein Kunde meint zu Heidi: die kommt nicht „druus“, kommt später noch einmal vorbei, wenn jemand anderes da ist. Die müssen das machen. Fortsetzung folgt!

Kein Gas, keine Versicherung: Scheiss drauf, nix wie los, würde Tom jetzt sagen. Recht hat er. Wir fahren gegen Norden zum nächsten Campingplatz, fix und fertig. Denn wir haben inzwischen auch eingekauft, das Ganze in den Gang gestellt und beim Öffnen fallen 12 Eier und 2 2lt-Cola-Flaschen auf den Boden und zerplatzen. Nur ruhig bis zehn zählen und abwarten bis es vorbei ist!

Die Themen „Versicherung“ und „Gaskocher“ werden noch weiterverfolgt.

2 Gedanken zu „Import des Kookaburra in Australien“

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