Versicherungen

Klaus und Gabi sind in Equador. Er hat sehr schmerzende Nierensteine und braucht dringend eine Operation. Seine Versicherung verweigert die Kostengutsprache, der Operationstermin platzt. „Wegen eines Formfehlers“ ist er seit zwei Jahren ohne Versicherung unterwegs in Südamerika.

Wir Schweizer sind ja für und gegen alles versichert. Wir zahlen uns dumm und dämlich für eine Krankenversicherung die uns einen Hotelaufenthalt im Spital bezahlt. Wir sind Gefangene dieser Mentalität: sollen wir jetzt Kosten sparen und nur die Basisversicherung behalten? In unserem Alter? Wenn wir jetzt „endlich“ die Versicherung nutzen müssen? Dabei ist die Versicherung nur mit einem Zusatz weltweit gültig! Wir haben noch die TCS-Krankenversicherung weltweit. Für 50.- im Jahr! Die kann doch überhaupt nichts taugen. Ich habe das Kleingedruckte lieber nicht gelesen!

Die Autoversicherung ist auch nur in Europa gültig. Für SA mussten wir eine lokale Versicherung bei SURA für die Mercosur-Staaten abschliessen. Die ist so billig, da lohnt sich das Lesen des Kleingedruckten auch nicht mehr. Aber wir kommen damit problemlos über die Landesgrenzen. Bis wir sie erneuern wollen, im Dezember. Von Paraiso Suizo bekommen wir die Nachricht, dass die Versicherung nicht verlängert werden kann. wir müssten in Argentinien eine neue lösen. Felix von UY-Storage kann auch nicht weiter helfen, er musste zuerst ausstehende 50U$ zahlen (wir haben immer alle offenen Rechnungen bezahlt). SURA schliesst keine Versicherungen mehr ab für ausländische Fahrzeuge, Claudia & Klaus in El Bolson haben einen Service für Overlanders eingerichtet. Sie haben uns von Freitag bis Montag Mittag eine neue, vernünftige Haftpflichtversicherung für die Mercosur / Mercosul – Staaten inkl. Peru vermittelt. Eine Glanzleistung, wenn man bedenkt, dass sie für den Internetanschluss 20km fahren müssen. Herzlichen Dank, Claudia & Klaus.

Die Wetterprognose ist schlecht. Soll ich den Regenschirm mitnehmen? Eine Versicherung gegen den Regen? Nehme ich ihn nicht mit, regnet es sicher. Also mitschleppen, damit das Wetter schön bleibt.

Der Hund zieht brav an der Leine. Er folgt korrekt jedem Befehl. Sein Herrchen lässt ihn laufen, er folgt ihm bei Fuss. Bis das Reh auftaucht. Nun kennt der Hund kein Halten mehr. Ohne Versicherungsleine!

Die billigste Versicherung ist diejenige, die man nie braucht. Alle andern werden sehr teuer, wenn du das Kleingedruckte nicht ganz klar verstanden hast.

Klaus braucht dringend eine Kostengutsprache von 10’000U$. Sehr gute Freunde haben ihm geholfen. Gute Freunde sind die beste Versicherung! Der neue Operationstermin steht fest. Die Operation verläuft wunschgemäss. Gute Besserung, Klaus. Gut, dass es Dir wieder gut geht!

Die Atlantikküste

Nach einem feinen Z’Morge laufen wir in El Condor dem Strand entlang. Beachcomben wie wir das nennen seit Australien. Ein paar grosse tote Karpfen liegen im Sand, die Fischer fangen Seetang.

 

Die kreischenden Papageien seien weiter westlich bei der Steilküste, heisst es. Wir sehen ein paar kleinere Gruppen im Wind.

Doch als wir an den Rand des Kliffs treten, fliegen dunkle Wolken von tausenden dieser Felsenpapageien in die Luft. Es ist die weltweit grösste Population dieser schönen Vögel hier.

Wir folgen der Küste bis Las Grutas. Der Weg führt durch hohe Sanddünen, wir fühlen uns irgendwo zwischen der Sahara und Australien.

Die Nandus sind da, nur die Kängurus fehlen. Wir geniessen unseren „ersten“ Reisetag. Trotz starkem Wind scheint die Sonne recht warm. Zum z’Nacht gibts feinen Poulet-Reis-Salat.

Wir nehmen die letzte Etappe nach Valdés über die RN3 unter die Räder. Mit Tankhalt in Sierra Grande. Das letzte Teilstück an die Küste ist wegen Sanddünen geschlossen. Wir reduzieren den Pneu-Druck und fahren trotzdem ohne Probleme durch. Auf dem Playa Pardelas erwarten uns Angie und Chris. Freudiges Wiedersehen. Es gibt bei einem Bier viel zu erzählen.

 

Draussen im Meer schwimmen einzelne Wale mit ihren Jungen vorbei, etwas weit weg, deshalb nicht so spektakulär. Nach Sonnenuntergang hören wir sie dann laut auf das Wasser platschen und schnaufen.

Der frische, kühle Wind kommt plötzlich und geht wieder, dreht auf alle Seiten. Bei Windstille ist es angenehm warm. Nach einem ausgiebigen z’Morge laufen wir auf den Hügel hinter unserem Platz. Da gibt es „Netz“. Walter meldet sich für nächste Woche an.

Eine giftige Schlange, ca. 40cm (Yarará Ñata, Bothrops ammodythoides, Snub nosed Yarará Viper), sonnt sich im Windschatten eines Busches.

Eine Eule wird von kleinen Vögeln angegriffen.

Ein Raubvogel, (Halcon Peregrino, Falco peregrinus, Peregrine Falcon) macht ebenfalls Scheinangriffe auf uns. Angie ist immer noch geschockt von vorgestern. Sie fühlt sich im Hitchcock-Film.

Auf dem Meer tummeln sich über ein Dutzend Wale, meist weit weg. Junge springen aus dem Wasser, plantschen mit Getöse zurück.

Die Mütter legen sich auf die Seite oder den Rücken, damit die Jungen besser trinken können. Ein Paar kommt zu unserem Platz und bleibt Stunden da, tauchen auf und ab.

Die Mutter füllt sich gelegentlich das Riesenmaul.

Gerade Schönheiten sind sie nicht, die Southern Right Whale (Eubalaena australis).

Aber anmutig zum lange Zuschauen. Fast den ganzen Tag.

Wir bekommen Besuch von Alejandro. Er ist Besitzer des Grundstücks. Er ist nicht besonders glücklich mit der Parkverwaltung: die nähmen das Geld und machten nichts im oder für den Park. Er will den Weg zu uns mit einem Tor verschliessen. Eigentlich möchte er den Platz touristisch sanft entwickeln. Er lässt uns hier bleiben.

Der Tidenhub ist mit fast 8m erstaunlich hoch. Nach einem gemeinsamen Apéro mit Chris und Angie kochen wir uns eine feine Gemüse-Poulet-Suppe.

Das Wetter ist durchzogen trüb mit leichtem Regen. Wir geniessen einen faulen Tag mit etwas walking, etwas fischen (nur Bodenhechte), etwas lesen, Reifen pumpen, Kühlschrankstecker ersetzen, Apéro mit Angie & Chris.

Wir fahren eine Rundtour über die Halbinsel Valdés Richtung Punta Norte. Der geschlossene Zugang zu unserem schönen CP ist zusätzlich mit einem neuen Tor verschlossen. Wir können gerade noch daneben duchzirkeln. Auf der langen Fahrt begegnen wir vielen Schafen, Gunanacos, einem Fuchs und von weitem einem Mara.

Der wilde Punta Norte ist voll dicke „Maden“: dösende See-Elefanten liegen faul am Strand, gelegentlich bewegen sie eine Flosse um sich mit Sand zu bestreuen.

Dieser Punkt muss zur richtigen Zeit wirklich sehenswert sein, wenn neben den See-Elephanten auch See-Löwen, Pinguine und die Orkas sich um die Jungen sorgen. Weiter der Küste entlang nach Süden besuchen wir die nestenden Magellan-Pinguine.

Männchen und Weibchen wechseln sich ab. Sie machen sich mit Esels-Lauten bemerkbar. Flavio & Melanie aus Schötz sind mit schwer beladenen Velos seit 4 Wochen in SA, auf dem Weg nach Süden. Bisher zum Glück mit Rückenwind.

Vor der Küste lagern hier Kiesinseln, wie bei einem Haff.

Bei Punta Cantor bekommen wir ein dickes, grosses Sandwich, gerade richtig für den täglichen Hunger.

Auf den Aussichtsplattformen können wir wieder die faulen See-Elephanten bestaunen.

Ein Gürteltier zieht auf dem Besucherplatz seine Runden.

Auf dem Rundweg begegnen wir wieder der Yarará Viper, Eidechsen und Gekkos.

Bei Punta Delgado liegen die See-Elephanten tief unten am Strand. Man kann sie nur mit einem Guide näher besuchen.

Auf dem Rückweg zum Camp sind wir ausgeschlossen: Alejandro hat heute ganze Arbeit geleistet: neben dem Tor ist ein stabiler Draht-Zaun aufgebaut. Chris, Angie und Walter (er ist heute Mittag eingetroffen) können nicht mehr raus ohne den Zaun zu zerstören, ausser Alejandro öffnet mit dem Schlüssel. Wir fahren weiter bis Puerto Pirámides auf den CP Municipal. Ein grosser CP gut versteckt hinter der ersten Sanddüne, geschlossen aber mit offenem Tor. In der Saison muss hier die Post abgehen, im Moment: tote Hose. Zum zNacht: UY’s Spiegeleier mit Speck und Käse. Mmmmh.

Wir wollen nach dem Zückerli von Susanne & Ueli Haslinger nochmals auf Orka Jagd gehen. Sie hätten bei Caleta Valdés Orcas gesehen, dem „Haff“. Wir fahren rasch zum Aussichtspunkt. Ein Versuch durch das freie Gelände wird von einer scharfen Parkwächterin resolut verhindert, „zu viel Schlangen“. Wir warten geduldig auf die.maximale Flut, keine Orkas. Eigentlich sollen die ja erst Jan-März kommen. Wir fahren zurück. Bei einem kurze Halt im Visitor Center Penisula Valdés bekommen wir einen guten Einblick in die Geschichte sowie Flora und Fauna der Halbinsel. Im CP A.C.A in Puerto Madryn treffen wir wieder auf Angie & Chris, Walter sowie Brigitte & Udo aus Riehen.

Der Eingang war nur sichtbar verschlossen. kein Problem für Walter. Es gibt einen sehr langen Apéro bis in die Nacht. Mit mehreren Flaschen Wein. Wir haben trotzdem gut geschlafen, gefolgt von zwei faulen Tagen.

Die letzte Nach war richtig ungemütlich. Heftige Böen zerrten am Zeltdach, der Wind machte einen angstmachenden Lärm in den Bäumen. Wie wird das erst, wenn wir draussen in der freien Pampa sind und der berüchtigte Patagonien-Wind so richtig los lässt? Flavio & Melanie aus Schötz sind mit ihren schwer beladenen Velos auch hier gelandet. Bisher mit Rückenwind. Wir packen, füllen Diesel, Wassertank und die Kanister und fahren mit Walter und Chris zum Leuchtturm Punta Ninfas, eine ruppige Wellblechstrecke, aber zum Glück trocken. Tiefe Spuren lassen den Schlamassel bei Regen erahnen. Der Leuchtturm ist 100müM. Tief unten beobachten wir Gruppen von See-Elephanten.

Auf einem steilen Pfad kletter Chris und Wilu zu den Tieren hinunter und können sie aus der Nähe fotografieren.

Auf dem Plateau treffen wir auf Brigitte und Udo. Der Platz ist dem starken Wind ausgesetzt. Wir wollen zum Hotel El Pedral runterfahren. Leider ist das Tor mit Schlössern fest verschlossen. Wir fahren deshalb über die RP6 weiter Richtung Rawson und campen bei einem Hazienda-Grenzzaun. Beim Sonnenuntergang geniessen wir den Apéro. Zum z’Nacht gibts Bratwurstbrät mit Gemüse und Kartoffelstock. Weisch wie fein! In der Nacht fährt ein einziges Auto vorbei.

Nicht gerade früh erwachen wir, gut ausgeschlafen, der Wind hat bald nachgelassen. Wir fahren über die RP6 / RP1 nach Trelew. Vor Rawson sehen wir, wo unser Müll gelagert wird: verstreut auf Feldern, verblasen vom Wind.

Wenn wir also unseren schön gesammelten Müll ordentlich in die Sammelbehälter füllen, ist zwar unser Umweltgewissen beruhigt, aber das Problem nicht gelöst. Da machen es sich die Indonesier einfacher: im Meer entsorgt, kann der Wind die Plastiksäcke nicht mehr verblasen! Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir die Problematik angehen (morgen!).

Wir finden einen guten Platz bei der Playa Escondida direkt an einem schönen, breiten Kies-, Sand- und Felsenstrand mit vielen See-Elephanten.

Wir verbringen einen ganzen Tag mit Lesen und Beobachten der See-Elephanten. Sie liegen wie lebende Fettmassen faul herum, die Machos immer wieder raufend das Revier verteidigend. Sie kommen ganz nah an den liegenden Fotografen heran. Ein paar Fischer tränken ihre Angeln. Das Wetter ist leicht bewölkt mit ein paar Regentropfen und einem schönen Regenbogen.

Im Touristenzentrum Punta Tombo werden wir über die Pinguine informiert. Auf dem Rundweg beobachten wir tausende Magellan-Pinguine, die hier nisten.

Ein Raubvogel baut  sein Nest mitten ins Futterparadis!

 

Die meisten Nester sind belegt, das Paar löst sich regelmässig ab, zum Futtern und zum Baden. Ein paar wenige Flaumknäuel sind ausgeschlüpft und zeigen sich kaum. Auf den Gehwegen haben die Pinguine eindeutig Vorrang. Wehe, sonst gibt’s Schimpfis von den Parkwächtern. Lustig ist der Watschelgang. Im Wasser sind sie jedoch sehr schnell und beweglich.

Ein paar wenige junge Herren haben noch kein Weibchen für ihre Nester gefunden und versuchen sie im Vorbeigehen für sich zu gewinnen. Etwas müde fahren wir auf der RP1 weiter durch eine hügelige patagonische Urlandschaft.

Bei der Hazienda Cabo Raso finden wir einen schönen Platz.

Die Besitzer Eduardo und Eliane sind ausserordentlich aufgestellt und freundlich. Sie bieten ein Nachtessen an, aber nach ihrem Zeitplan. Um 22 Uhr werden wir gerufen. Im „Salon“ liegen viel Zeitschriften mit Bezug „Cabo Raso“ auf. Das Nachtessen ist fein: Kartoffelstock mit Lammcurry, Salat und Dessert. Dazu einen süssen Wein von Mendoza.

Um Mitternacht fallen wir sofort in Tiefschlaf. Der Wind rüttelt heftig am Zelt.

Etwas spät wachen wir auf und machen uns am Mittag auf den Weg zur Seelöwen-Kolonie.

Der stündige Fussmarsch hat sich eindeutig gelohnt: hunderte Seelöwen, Seehunde und See-Elephanten räkeln faul am Strand oder schwimmen verspielt im Meer, gucken keck zu den Besuchern.

Die Machos verteidigen ihr Territorium, die Weibchen machen sich den Platz streitig und ein junges Baby sucht krächzend seine Mutter. 2 Stunden schauen wir dem Spektakel zu.

Nach dem Rückmarsch fahren wir auf den RP1 weiter nach Camarones auf den CP Munizipal. Der Platzwart ist etwas verschnupft, dass wir ihn nicht sofort erkannt und begrüsst haben.

Wir fahren zuerst zur Pinguineria auf Cabo dos Bahias. Eine grosse Magellan-Kolonie mit einigen 10’000 Paaren nesten hier. Die Jungen kommen her zum Federwechseln. Pinguine sind nur etwa drei Monate pro Jahr an Land.

Die ersten Nester enthalten junge Pfluderi. Wir beobachten ein Kommen und Gehen der Eltern, die sich gegenseitig abwechseln. Mit lauten Rufen suchen sie ihre Partner.

Dann geht’s weiter auf der RP1 nach Bahia Bustamante. Die Hotelanlage ist schön gelegen an der steinigen Beach, sieht wie ein Industriebetrieb aus. Das Restaurant ist gefüllt mit Gästen (hergeflogen??). Das Essen muss vorher reserviert werden. Wir könnten am Abend Take-Away von Schaf-Barbeque haben. Das ist uns zu nobel. Nach einem kurzen Imbiss bei Chris fahren wir auf der RP1 weiter durch die schöne patagonische Landschaft. Bei einem tiefen Flussbett bleiben wir über Nacht. Zuerst ist es etwas windig, später ruhig.

Die Fahrt über die RP1 führt uns durch eine urchige patagonische Landschaft mit vielen, einsamen Haziendas, hügelig-bergig und endet auf dem Hochplateau auf 600müM bei der RN3. Wir begegnen einer Nandu-Familie mit über 20 Chickens.

Die Strasse ist wild-romantisch, trocken. In der Ferne tauchen Regenwolken auf. Gegen die Ölstadt Comodoro Rivadavia schüttet es aus Kübeln.

Wir tanken und füllen im grossen Jumbo unsere Lebensmittelvorräte. Der CP Rada Tilly ist wegen des Regens ganz aufgeweicht. Ein Holländer erzählt Horrorstories von versumpften Strassen. Zum Glück haben wir die RP1 hinter uns. Die wäre jetzt kaum noch zu befahren!

Nach dem z’Mörgele besuchen wir Susanne und Ueli Haslinger bei der Mercedes Garage. Sie müssen den vorderen Stossdämpfer flicken, sind deshalb über die Pampa von Baja Caracoles hierher zurückgefahren. Wir tauschen viele Reise-Erfahrungen aus.

Wir montieren Willis Windschutzplatten. Der Windschutz wirkt perfekt! Sogar der Wind hört auf! Nein, die Funktion ist recht gut, das ewige Klappern der Zeltplachen verstummt. Sogar bei Windstärke über 90km/h halten sie! Das Innendesign ist jedoch eine Katastrophe: die Magnetbänder haben sich verzogen, passen farblich und magnetisch nicht mehr richtig. Statt Bänder sollten farblich angepasste Streifen benutzt werden, die sauber gelagert werden können. Zusätzlich müssen bei den Falten die Magnete versetzt werden, damit sie sich beim Lagern nicht gegenseitig aus der Verankerung stossen.

Wir finden am Strand eine gute Seafood-Beiz, Puerto Cangrejo. Die feine Seafood-Platter erschlägt uns fast, sie ist sehr reichhaltig und ausserordentlich gut. Auf dem CP Rada Tilly steht ein deutscher Rotel Tour Bus, das berüchtgte Sargwagenhotel!

Edwin Martinez aus Bogota ist am Kooka interessiert. Er ist von Kolumbien nach Ushuaja gereist und ist nun dem Atlantik entlang Richtung Brasilien auf dem Rückweg. Eine Pfadigruppe zieht am Abend in einer Zeremonie die ARG Fahne ein und hisst sie am Morgen in einer religiösen Feier wieder auf.

Wir fahren Richtung Loberia. Die Grab’sche Abkürzung erweist sich als abenteuerlich, wir lassen es sein. Bei der Loberia sind wir allein, nicht mal ein einziger Seelöwe. Chris & Walter sind offenbar schon weiter gezogen bis zur nächsten Loberia. Die Küste bis Caleta Olivia ist wild-romantisch schön. Hunderte Seelöwen räkeln sich in/über/untereinander in einem dichten Haufen. Natürlich herrscht nicht eitel Freude. Wir schauen dem Spektakel amüsiert zu.

Wir folgen der RN3 weiter via Fitz Roy, zweigen auf die RP93 ab und halten in der Nähe eines Sees in einem, jetzt vollkommen trockenen, Schlammloch. Ein super Platz!

Ein kurzer, sehr heftiger Luftwirbel zeigt, wie es sein könnte! Nach dem Apéro wird ein Feuer entfacht, die Frauen backen Brot.Wir geniessen ein feines Barbeque mit Ojo de Bife und Salat. Das Lagerfeuer brennt bis tief in die Nacht. Die Nacht ist ruhig und ohne Wind.

Der Morgen eine Pracht mit einer warmen Sonne. Vor der Abfahrt verletzt sich Chris den Finger an der Treppe. Die Fahrt über die RP93 wird immer wilder, schöner. Ein Prachts-Track, wenn man sowas sucht: rauh, etwas ausgewaschen, selten befahren, durch eine wunderbare, farbige Landschaft. Erinnert an den Norden Argentiniens oder an Western Australia (ist aber nicht so rot!) Grüne Büsche und grünes Gras täuschen aus der Ferne fruchtbaren Boden vor, aus der Nähe ist alles trocken, dornig, steinig. Kein Wunder sind die Tiere (Guanaco, Schafe, Pferde, Maras, Gürteltiere, Nandus) so spärlich verteilt. Zum Glück sind die Regenspuren ganz abgetrocknet, sonst wären ein paar Stellen schwierig zum befahren. Die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz auf dem Weg nach Puerto Deseado erweist sich schwieriger als gedacht: auf der RP49 sind wir wunderlig, entlang der RN3 wollen wir nicht und die Abkürzung über die RP89 ist sehr tricky: die Gatter sind kunstvoll verschlossen, wir werden von Einheimischen in eine Sackgasse geleitet. Bei einer Hazienda-Ruine bleiben wir über Nacht. Der Wind bläst leicht.

Wir suchen den Track weiter, nach Kompassrichtung. Das bewährt sich, der Feldweg ist zwar selten befahren, führt aber über eine Hochebene, patagonien-mässig durch karges Farmland, vorbei an kleinen Schafherden, Guanako-Gruppen mit Jungtieren, Nandus, Maras, die vor uns auf der Strasse rennen, bis wir nach 10km wieder auf die RP89 und nach weiteren 37km auf die RP47 treffen. Nach Mittag treffen wir in Puerto Deseado bei Darwin Expeditions ein. Wir werden von Roxane freundlich empfangen. Die Wetterlage erlaubt morgen nur eine Flussfahrt, und die Fahrt auf die Pinguin-Insel findet erst am Donnerstag statt. Heftige Windböen bis 87km/h sind vorhergesagt! Im Restaurant „Puerto Cristall“ geniessen wir ein feines Mittagessen mit Seafood und Steak.

Am Nachmittag machen wir die Fluss Tour auf dem Rio Deseado mit Darwin Expeditions. Zuerst auf dem Flusslauf gegen das Meer. Bald folgt uns ein schwarz-weisser Commerson Delphin.

Auf der Fahrt in die Bucht begegnen wir Seeschwalben, Seemöwen, Seelöwen, Magellan Pinguinen, Oyster Catcher, Felsen Kormoranen, Rotfuss Kormoranen und vielen anderen See-Vögeln.

Auf einer Kiesinsel brüten tausende Magellan-Pinguine, Seemöwen und Oyster Catcher. Deren Eier liegen offen im Kies. Das Elternpaar versucht krampfhaft uns mit Pfiffen von den Nestern wegzulocken. Wir müssen uns sehr vorsichtig bewegen.

Die südlichen Austerncatcher haben Angst um ihre Brut. Verständlich, wenn die Eier ungeschützt im Kies liegen.

Die Möven haben wenigstens sowas wie ein Nest.

Recycling von Lebendfutter!

Die Bucht ist, wie Darwin 1832 schrieb: „No creo haber visto jamás, un lugar mas alejado del mundo que esta grieta de rocas en medio de la inmens llanura“.

Oder wie Roxane sagt: das ist mein Paradies.

Am nächsten Tag machen wir uns früh für die Abfahrt bereit. Wir haben die Isla Pinguino Tour mit Darwin Expeditions gebucht. Roxane ist unser Guide. Kurz nach der Ausfahrt aus dem Rio Deseado kommt schon der erste Delfin, ein Austral oder Chileno, mit schwarzem Rücken.

Auf der Insel geht dann die Post ab: Seelöwen, See-Elefanten, div. Kormorane, dann grosse Magellan Kolonien und als Höhepunkt die Rockhoppers mit ihren gelben Federn (erst ab 4-Jahren).

Die Rockhoppers sind vor 30 Jahren von den Falklandinseln rübergekommen und geblieben. Heute brüten über 1000 Paare hier max. 2 Eier, das erste ist klein und wird nicht grossgezogen, quasi als Reserve und Futter für die Raubmöwen. Das zweite ist grösser..

Wir geniessen die Zeit mit ihnen fast 3 Stunden. Köstlich, ihnen zuzuschauen, ihre Geduld im Nest, die sorgfältige Eierpflege, ihr possierliches Hüpfen. Wir beobachten sie beim Baden und müssen auch miterleben, wie Möwen ein Nest überfallen und die Eier rauben. Natur!

Auf dem Rückweg kommen wir in die Nähe von Skua-Nestern. Diese Raubmöwen verteidigen ihre Nester aggressiv mit Scheinangriffen.

Auf der Rückfahrt begleiten uns 5 lustige Tonina Overa oder Commerson Delphine.

Beim Clubhaus begiessen wir die absolut lohnende Tour mit einem Apéro. Brigitte und Udo kommen, ohne ihren Hund. Er hat sich am Lago Musters mit Blaualgen tödlich vergiftet. Gemeinsam laufen wir in die Stadt und essen im Quinto grosse Pizzas.

Die Nacht verläuft für Heidi sehr unangenehm: mitten in der Nacht kommt die Pizza unverdaut wieder hervor. Draussen regnet es und der Südwind bläst heftig. Am Morgen hält der Windschutz den Böen nicht mehr stand und fliegt auf mit einem Knacks. Natürlich, wenn das Fz nicht richtig im Wind steht! Gegen Mittag wird der Wind immer heftiger, bis 95km/h. Wenn der Windschutz richtig montiert und das Fz richtig steht: kein Problem, auch ohne Rückwand! Heute ein fauler Tag mit Fotos bearbeiten bei Wind und Kälte!

Wir machen uns zeitig auf den Weg. Walter fährt direkt nach Puerto San Julian auf den CP Municipal. Chris, Angie und wir tanken Diesel und fahren dann auf de RP47 / RN3 / Circuito Costero an die Playa La Mina. Die Landschaft ist abwechslungsreich hügelig, flach wie eine Flunder und von breiten Tälern durchzogen. Die RP47 ist grössten Teils eine Baustelle: irgendwann wurde hier sowas wie eine Autobahn geplant und mit dem Bau begonnen. Teils sind Stücke fertig asphaltiert, teils im Rohbau, teils erste Grabungen gemacht aber nirgends zum Gebrauch frei gegeben. Fertige Stücke sind mit Kieshaufen abgesperrt. Am Pflanzenwuchs ist abzuschätzen, dass seit Jahren nicht mehr gebaut wurde. Dafür ist die Tierwelt intakt: Maras hüpfen weg, auf der Strasse sonnen sich Nandus mit ihren Jungen. Zuerst läuft die Familie auf der Strasse, rennt dann doch ins Gras, worauf die Mutter frech vor das Fz rennt und so von ihren Jungen ablenken will. Guanakos springen elegant über den Zaun, Pferde freuen sich in Familienherden ihres Lebens. Schafe laufen mit ihren Jungen gemächlich weg. Wasserpfützen vom letzten Regen ziehen offenbar die Tiere auf die Strasse (und spritzen unsere Fz voll). Die befürchtete Flussquerung ist eine feuchte Betonplatte. Am Anfang des Circuito Costero zweigen wir zur Playa La Mina ab. Unter hohen Felsencliffs finden wir einen Platz mit Windschatten (wenn der Wind nicht vom Meer her blasen würde). Zum z’Nacht braten wir auf dem Cobb Ojo de Bife zu Kartoffelsalat und Kürbisgemüse. Fein, aber der Wind bläst kalt im Schatten der Felswand.

Der noch heisse Cobb bringt etwas Wärme unter den Tisch. Zum Abschluss gibt’s Kaffe mit Wienachtsgüezi vom Deseado-Beck

In der Nacht dreht der Wind. Am Morgen scheint die warme Sonne. Wir fahren den Circuito Costanero der wilden Küste entlang.

Die Argentinier geniessen den Sonntag. Auf dem CP Municipal in Puerto San Julian treffen wir wieder auf Walter. René und Brigitte aus dem Aargau, Willy und Isabelle aus Luzern. Eine lokale Familie hat noch Fleisch vom sonntäglichen Asado auf dem CP übrig und bietet uns Wein, Fleisch und Bier an.

Sehr freundlich, lustige Diskussionen und zum Schluss gemeinsames Fischen am Strand. Sie ziehen zwar rasch ein paar heraus, für Chris und uns bleibt nichts mehr.

Wir fahren zeitig los, pumpen die Reifen auf Asphalt-Niveau und folgen der RN3 bis Piedrabuena. Hier sieht Patagonien aus wie erwartet: flache Hochebene, leichtgewellt, Weidezäune auf beiden Seiten, weite, karge Weideflächen. Guanakos und Nandus mit Jungen lassen sich vom Verkehr nicht stören, was einigen zum Verhängnis geworden ist: Roadkill wie in Australien!

In Piedrabuena nehmen wir am Rio Santa Cruz einen kleinen Imbiss. Der Fluss führt reichlich trüb-grünes Wasser das aussieht wie Gletschermilch.

Ein Loica commun leistet uns Gesellschaft,

Wir wollen den NP Monte León besuchen. Er ist aber wegen Regenschäden geschlossen. Auf der RP9 suchen wir einen vernünftigen Platz. Beim Heli-Landeplatz der Estancia Rincón finden wir im Schutz der Lagerhallen für die Helis einen halbwegs windgeschützten Platz. Der junge Station Manager kommt vorbei und erlaubt uns den Aufenthalt. In einer Halle ist eine Art Museum aufgebaut, mit alten Flugzeugmotorbetandteilen und alten Fotos.

Zwei zutrauliche Hunde kommen vorbei, einer will sich bei uns einschmeicheln. Auf dem Feld läuft ein Skunk vorbei. Der neugierige Hund wird vollgespritzt mit einem starken geröstet-animalischen Duft nach Phenylethylmercaptan, vermischt mit Skatol und Indol.

Ein schöner Sonnenuntergang beschliesst den Tag.

Die Pflanzen sind voll haariger Raupen.

In der Nacht bläst der Wind heftig, wird zwar von den Gebäuden gut abgehalten, aber die Luftwirbel schütteln unseren Kooka doch heftig durch. Die Windschutzplatten krachen immer wieder laut. Die Fahrt auf der RP9 verläuft am Rand des Hochplateaus zum Tal des Rio Santa Cruz. Oben Patagonien wie erwartet: flach, weit, karges, trockenes Weideland. Unten: das unerwartete Patagonien: türkisfarbener Fluss, breites Tal, Talrand wie ein Gebirge.

Das Land ist ebenso trocken wie oben. Bald tauchen in der Ferne die ersten Schneeberge der Anden auf. Die RP9 ist recht ruppig gebaut mit groben Steinen und hat wenig Verkehr. Die RN40 ist wieder geteert.

Der Lago Argentino leuchtet unirdisch türkis-grün.

In El Calafate ziehen auf den CP Niriguao. Die Schwarzkopf Ibis lassen sich auf dem CP nicht stören.

Bei Apéro und einem Grillfeuer beschliessen wir den Tag. Wieder mal Internet.

 

Die Sonne geht auf, die Papageien kreischen…

Die Tauben gurren ihr Ua-Uh-Uuu. Papageien kreischen überall. Es ist halb sechs am 6. November 2018. In den USA finden die Midterms statt. Die Amerikaner sind aus dem Trump-Trauma erwacht. Neben mir schläft Heidi noch tief. Es ist 7*C im Kookaburra aber schön warm unter der Daunendecke. Wir sind in El Cóndor an der atlantischen Küste von Argentinien. Wir sind angekommen.

Vor fast 3 Monaten sind wir in die Schweiz zurückgekehrt. Haben das viele Geschirr in der Küche erstaunt angeschaut: weshalb brauchen wir so viel? Je 2 Tassen, Teller, Gabeln und Messer reichten uns doch immer! Wir haben die Zeit genossen, haben Familie, Freunde, Bekannte und Unbekannte getroffen, Besuche erhalten und Besuche gemacht. Ein wunderschöner, trockener Sommer erinnerte uns an die trockenen Altiplanos Boliviens, ohne Wasser. Langsam wurden wir wieder von der Agenda kontrolliert. Wir waren an der Chilbi in Wil: „Häsch gse, s‘ Grabe sind wider emol do. Schön öi z’träffe, nach so langer Ziit“.

Doch das Reisefieber hat uns wieder gepackt. Wir besuchten Reise-Vorträge von

Christian Zimmermann: The Trolly Man quer durch Australien.

Peter Bähni: 9 Jahre mit dem Segelschiff auf See.

Dylan Samararickrama, Martina Zürcher: Leben im Büssli, Am Ende der Strasse

Wir steckten im Shopping Center Brügg eine Visitenkarte ans Fenster eines Weltreisefahrzeugs: Susanne & Ueli Haslinger meldeten sich und sind jetzt auch hier unterwegs Richtung Süden. Wir werden sie noch treffen.

Wir haben „die Heimat“ schmählich verlassen. Martina und Vincent werden schon auf unser Haus aufpassen, Juan wird gelegentlich den Rasen mähen, Weiher und Tiefkühler überwachen, die Pflanzen einwintern und Simon wird alle unsere unerwünschten Rechnungen pünktlich bezahlen, die Post beantworten. Wir sind so dankbar, dass ihr uns das Weg-Sein erlaubt.

Lieber Daara, dein gebrochener Arm tut uns so weh. Hoffentlich wird dich der Gips nicht mehr lange nerven. Denk dran, auch ein Samurai bricht sich immer wieder den Arm.

Der wunderbare Sommer nimmt nun doch langsam ein Ende. Die Natur ist nicht sicher ist das nun der Herbst oder der Frühling? Veilchen im Herbstlaub!

Am 31. Oktober hat uns Ruth zum Bahnhof gebracht. Dort überrascht uns Marlis und begleitet uns bis Olten im Zug. Dank GA! Am Flughafen werden wir in der Bye-Bye-Bar von lieben Wilemer Freunden verabschiedet. Gute Freunde sind wichtig!

Wir versuchten, unseren Aufenthalt in Madrid von 9 auf 2 Stunden zu verkürzen. Keine Chance, wir haben ein Billig-Ticket, die Verkürzung kostet die Hälfte des ganzen Retour-Preises. Also schlagen wir uns die Zeit um die Ohren und füllen unsere Mägen.

Brösmelikaffee

Ziemlich übernächtigt landen wir am 1. November morgens in Montevideo. Felix steht bereits in der Flughafenhalle, wie schön, dass wir abgeholt und sicher zu Kookaburra geführt werden. Unser Gefährt hat den Urlaub sichtlich genossen, frisch geputzt und geschmiert, mit neuen Schuhen, steht er für die kommende Reise in den Süden bereit. Wir verstauen unsere mitgebrachten Schätze, Landi-Mehl, Italienisches Gewürz, Knorr-Bouillon, Ikea Fertigbrotmischung, Schweizer-Schoggi und steigen letztendlich todmüde in unser frisch gewaschenes Nachtlager. Es ist ein gutes Gefühl dort oben, wir freuen uns auf unsere bevorstehende Reise.

Am nächsten Morgen, 09.00 Uhr, wo sind wir? Wieso fliesst die Aare nicht vor unserem Fenster durch? Warum ist es nicht richtig hell und  lichtdurchflutet? Wir starren an Zeltwände, alles ist ziemlich viel enger als im Byfang-Schlafzimmer. Unsere Köpfe pochen, wir haben beide Kopfschmerzen. Ich steige einen Stock runter….., halt, wo ist die Kaffemaschine, deren Inhalt unseren dicken Köpfen den Garaus machen könnte? Haben wir überhaupt Kaffee? Eilig wird die Vorratskiste durchgeforstet… Verdauungstee, Migros-Bio-Alpenkräutertee, Magen-Darmtee, Chaitee…, kein einziges Brösmeli Kaffee weit und breit! Brösmelikaffee, die Stunde der Wahrheit ist gekommen, auf unserer Reise werden wir erneut auf BRÖSMELIKAFFEE umstellen, gefriergetrockneter Nescafe-Dolce oder Suave, den Kaffee den wir zuhause verachten und die Nase darüber rümpfen! Er wird unsere Kafisucht und das damit verbundene Kopfweh auf der Stelle heilen und Hand aufs Herz, nach ein paar Tagen Angewöhnungszeit finden wir das Gebräu super fein.

Also, nichts wie los in den nächsten Laden und hoffen, dass sie Brösmelikaffee am Lager haben!

Ute macht herrliches Vollkorn-Sauerteigbrot und die frischen Eier sind spürbar von glücklichen Hühnern. Wir nehmen einen Vorrat mit auf die Reise. Da wir für die Wale bei der Halbinsel Valdez recht spät dran sind, rasen wir „was gisch was hesch“ nach Colonia del Sacramento.

 

Auf die Schnellfähre nach Buenos Aires,

durch dichten Wochenend-Rushhour-Verkehr über die RN3

in die Pampa nach Süden.

mit Übernachten am Lago San Miguel del Monte, in den Sierras de la Ventana (die mit einem grossen „Martinsloch“ in den Felsen)

und gestern Abend in El Cóndor.

Wir sind angekommen. Unsere Reise kann beginnen. Wir suchen die kreischenden Papageien.

 

 

Rückkehr in die Schweiz & Fazit

Felix von UY-Storage fährt uns zum Flughafen. Die Maschine hebt pünktlich ab, der Flug ist ruhig, wenig Schlaf, viele Filme. pünktliche Zwischenlandung in Madrid. Wir müssen durch die Immigration. Stimmt, wir sind im Schengenraum eingetroffen und müssen überprüft werden. Wir haben ein wenig Zeit um uns über Madrid zu informieren. Das scheint wirklich eine interessante Stadt zu sein, da müssen wir unbedingt mal hin. Wir haben für den Rückflug nach Montevideo einen langen Stop-over in Madrid. Mal schauen, was sich da machen lässt. Wir haben in Singapore mal eine 2-stündige Taxi-Fahrt gemacht und damit ein wenig von der Stadt mitbekommen. Die Landung in ZHR ist etwas verfrüht. Dank der Immigration in Madrid können wir in Zürich ohne Kontrollen einreisen. Simon, Carine, Alika, Christoph holen uns ab. Lou und Daara sind auf einem Schulausflug. Nach langer Zeit wieder einmal ein schönes Familientreffen in der Hallo-Bar. Dann geht’s mit dem Zug nach Biel, mit Taxi in den Byfang. Wir sind wieder „daheim“.

Das begiessen wir mit einer Flasche Freixenet. Das Haus steht wie wir es verlassen haben, der Garten zwäg gemacht, die Fische im Teich haben überlebt. Lieber Juan, Du hast ganze Arbeit geleistet, vielen herzlichen Dank. Und auch ihr, Martina und Vincenz, vielen Dank für die Überwachung und eure Arbeiten und herzliche Gratulation zum wunderschönen, neuen Garten, wir sind neidisch.

Wenn das so „ring“ geht, haben wir fast keine Hemmungen, nochmals weit in den Süden abzuhauen.

Fazit der (ersten) Südamerika-Reise

Die Reise war wirklich toll, spannend, abwechslungsreich, schön und wie all die Attribute sonst noch heissen mögen. Sie war aber auch herausfordernd, zeitweise zermürbend streng. Wir hatten keine nennenswerten Probleme mit der Höhe der Anden oder der Gesundheit. Wir hatten keinen Unfall, keine wesentlichen technische Probleme mit unserem Kookabrurra. Wir haben eine Menge Menschen von ihrer freundlichsten Seite kennen gelernt, sowohl Einheimische wie Reisegefährten. Wir haben das „planlose“ langsame Reisen genossen: „bleiben wir noch oder wohin gehen wir heute?“ Wir konnten an wunderschönen, einsamen Plätzen bleiben und sind den Massen ausgewichen. Natürlich war nicht alles eitel Kuchen essen. Wir mussten uns an rudimentäre Sanitär-Anlagen gewöhnen, an eine unverständliche Bürokratie, an die laute Wochenend-Musik, an sehr ruppige, unangenehme Wellblechpisten, am Schluss an den kalten Winter-Regen. Die paar eiskalten Nächte haben wir gut überstanden.

War uns die überlange Reise auf dem Frachter zu viel? Nein! Wir Passagiere waren ein gutes Team auf dem Schiff und die Schiffs-Crew hilfsbereit, nett und der Koch ausgezeichnet. die längere Fahrt haben wir als Teil der Reise betrachtet und erlebt.

Die besuchten Länder haben uns einfach fasziniert, die eindrücklichen, abwechslungsreichen, farbigen, wilden Landschaften, die freundlichen Menschen. Ja es zieht uns nochmals in den Süden.

Haben wir aus den paar Fehlern etwas gelernt? Ich hoffe, ja.

Wir haben zwar ein super geländegängiges Fahrzeug, mit dem wir im Prinzip überall hin fahren können. Aber vielleicht sollten wir doch immer zuerst denken und überlegen, bevor wir „wie der Muni ine Chrishuufe inerenne“. Wir haben erlebt, wie Kookaburra sich wütend hinsetzt, wenn es ihm zu viel ist. Und wenn er bockt, brauchen wir unbedingt zusätzliche Hilfe.

Würden wir uns das wieder antun? Nun, Kookaburra ist in Uruguay hervorragend untergebracht, wird gehätschelt und gepflegt und wir haben nicht die Absicht das Retour-Billet zurückzugeben. Bis jetzt ist der 31. Oktober 2018 gesetzt.

Foz do Iguaçu – Uruguay

Foz do Iguaçu – Sao Miguel do Iguaçu – Santa Tereza do Oeste – Santa Maria – Capitao Leónidas Marques – Marmelándia – Realeza – Pérola d’Oeste – Santo António do Sudoeste – Barracáo /Dionisio Cerqueira – Sao José do Cedro – Guaraciaba – Sao Miguel do Oeste – Iporá do Oeste – Mondai – Caiçara – Frederico Westphalen – Palmeira das Missóas – Panambi – Cruz Alta – Itaara – Santa Maria – Canguçu – Pelotas – Balneario Cassino – Quinta – Santa Vitória do Palmar – Hermenegildo – Chui – Castillos – 19 de Abril – La Paloma – Rocha – San Carlos – Pan de Azúcar – Gregorio Aznarez – UY-Storage

Nach dem Besuch bei der Federal Police sind wir wieder auf Achse! Auf der BR277 fahren wir Richtung Cascavel den NP Iguaçu entlang durch eine fruchbar grüne Gegend.

In Santa Tereza do Oeste bleiben wir auf dem PP der Tankstelle.

Wir werden relativ spät vom Strassenlärm geweckt. Nach dem z’Mörgele brechen wir auf. Über die BR163 geht’s nach Süden, über hügeliges, frisch-grünes Gelände.

Bald überqueren wir den Rio Iguaçu bei Marmelândia.

Die Landschaft verändert sich, wird bergiger, erinnert an die bergigen Hügel Mitteleuropas und den Schwarzwald. Die Besiedlung wird kleinräumiger, dichter, viele Dörfer und Städte. Die Strassen sind recht gut, geteert mit einzelnen Löchern.

Über São Miguel do Oeste gelangen wir bei Mondai an den Rio Uruguai, den wir mit der Fähre überqueren.

Es ist Zeit für ein Nachtlager. In Frederico Westphalen werden wir fündig, bei der Tankstelle Posto da Lagoa. Nach 346km! Das ist eigentlich nicht unser Reisetempo. Die Schweiz ist heute gegen Schweden im Achtelfinal ausgeschieden. Nun müssen wir halt mit den Brasilianern mitfiebern.

Der Verkehr weckt uns nicht zu spät. Duschen, z’Mörgele und rasend ab nach Süden auf der BR158. Nebel und teils heftiger Regen begleiten uns über die Hügel und Berge durch Städte und Dörfer.

Kurz vor Santa Maria suchen wir einen CP. SOCEPE ist nur für Gruppen, privat. Sie schicken uns zu einer Pousada. Zwei junge Leute haben diese vor fünf Monaten übernommen, sind aber nicht für Camper eingerichtet. Also fahren wir weiter, hinunter nach Santa Maria. Das grosse Tafelgebirge bricht hier 300-400m ab ins Tiefland. Deshalb sind hier viele Wasserfälle zu besichtigen (wir haben keinen gesehen). Nach weiteren 60km finden wir einen Platz hinter einem Tankstellen-Restaurant.

Rasende Fahrt durch Nebel und Regen über die hügeligen Berge an die Küste von Cassino.

Das Meer brandet beige-braun an den flachen Sandstrand.

Im CP dos Ferroviários finden wir einen vernünftigen Nachtplatz.

Wir lassen uns sehr viel Zeit und fahren am Mittag weiter Richtung Chui durch ein flaches Feuchtgebiet mit Lagunen und Sumpfwiesen.

Dutzende Capibaras grasen neben der Strasse.

Riesige Windfarmen grasen den ständigen Wind in dieser flachen Landschaft ab.

In Hermenogildo bleiben wir auf dem CP Pachuca nahe am Strand. In der Nacht Dauerregen. Wir prüfen im Internet unseren Rückflug.

Die ganze Nacht Regen, Regen. Wir hauen ab Richtung Grenze. Brasilien: aufgestellte fröhliche Menschen, die WM ist auch für Brasilien gelaufen. Wir sind rasch durch bei der Brasilien Immigration und Receita. Die Multa, die Busse kommt kurz auf, ist aber weiter kein weiteres Thema. Bei der nächsten Einreise nach Brasilien sollte die Einsprache erledigt sein. Dann kommt die Zollfreizone Chui. Wir tanken auf. An der Uruguay-Grenze wieder aufgestellte Menschen. Auch für sie ist die WM vorbei. Immigration und Zollabfertigung für Kooka sind rasch erledigt. Wir rasen durch den Regen Richtung Dirk über eine flache, leicht hügelige, nasse Landschaft. Vor Rocha zweigen wir links auf einen dreckigen Feldweg Richtung La Paloma ab, typische Grab’sche Abkürzung. Bei beiden CP in La Paloma ist vorerst niemand da. Der CP MTOP ist geschlossen, wir kommen im PIT CNT unter. Grosse Bäume liefern guten Schatten, jetzt aber nur dicke Wassertropfen. Zum z’Nacht Heidi’s Kartoffelsalat mit Spiegeleiern. Mmmmh.

Bei strömendem Regen fahren wir noch kurz zum Leuchtturm am Strand. Kurze Fotosession und dann weiter Richtung Dirk.

Überall sind die Wiesen überschwemmt, die Flüsse bringen viel Wasser und sind teilweise über die Ufer getreten.

Olivenplantagen

Richtung Montevideo wird die Landschft wieder bergiger. Dirk’s Farm liegt etwas abseits. Von weitem sind die Hallen von UY-Storage sichtbar.

Felix weist uns auf den CP ein. Die Sanitäranlagen sind vom Feinsten was wir bisher in SA gesehen haben. Ein Paar aus Franz. Guayana (Bruno und Marilene ??) ist mit einem Hylux mit Aufsetzkabine hier. Sie wollen 2 Monate in Braslilien (u.a. Pantanal) verbringen. Mit dem Cobb kochen wir unseren Suure Mocke. Etwas trocken aber superfein. Wir versuchen, über eBookers unsere Flüge zu buchen. WiFi ist seeeeeehr langsam. Es klappt vorläufig nicht.

Wir machen uns an die Reinigung des Fahrzeugs. Kookaburra soll ja einen guten Eindruck machen in den nächsten 3 Monaten. Die Flugreservation mit ebookers.ch klappt immer noch nicht. Direkt buchen bei Iberia klappt mit einem USB-Modem. Wir können am 12. Juli fliegen. Felix zeigt uns die Werkstatt und die Lagerhallen. Die sind schon recht voll gepackt mit Overlander-Fahrzeugen.

Unsere ex-Begleiter von der Atlantico sind auch hier: die Lastwagen von Patrick und Chris. Eine Holländische Familie (Roos und Tanja) mit Hylux / Kabine reist am nächsten Tag via Buenos Aires ab. Wir reinigen innen und flicken kleinere Sachen wie die Seilwinde.

Am letzten Tag stehen wir etwas früher auf um die letzten Arbeiten zu erledigen: fertig packen, Wassertank füllen, Liste der Arbeiten mit Felix besprechen. Felix fährt uns zum Flughafen. Die Maschine hebt pünktlich ab, der Flug ist ruhig, wenig Schlaf, viele Filme. pünktliche Zwischenlandung in Madrid. Da müssen wir unbedingt mal hin. Landung in ZHR verfrüht. Simon, Carine, Alika, Christoph holen uns ab. Lou und Daara sind auf einem Schulausflug. Schönes Familientreffen in der Hallo-Bar. Mit dem Zug nach Biel, Taxi in den Byfang. Wir sind wieder „daheim“. Das begiessen wir mit einer Flasche Freixenet.

Foz do Iguaçu

Nach dem einfachen z’Morge vom CP brechen wir zeitig auf, fahren mit dem Bus zur brasilianischen Seite des Foz do Iguaçu.

Nebst einer Horde von Touristen werden wir von einer Horde Quatis (Südamerikanische Nasenbären) empfangen.

Sie sind ganz an die Menschenmassen angepasst, suchen sich etwas Fressbares. Ein unachtsam abgestellter Rucksack oder eine herunterhängende Plastiktasche wird sofort untersucht.

 

Aber eigentlich interessieren uns der Regenwald und insbesondere die Wasserfälle viel mehr. Der Rio Iguaçu fällt hier auf einer Länge von 2km über Felsenstufen 80 m in die Tiefe, ein gigantisches Schauspiel.

Von der brasilianischen Seite hat man einen schönen Ausblick auf die diversen Fälle und bekommt auf einer Plattform einen direkten nassen Eindruck von den gewaltigen Wassermassen.

Das meiste Wasser fällt jedoch, von hier aus schlecht sichtbar, in die Gargante del Diablo, den Teufelsschlund in der Flussmitte. In Restaurant verfolgen wir einen Teil des WM-Spiels Brasilien gegen Serbien und im Internet Schweiz Costa Rica. Dabei vernehmen wir auch, dass Deuschland ausgeschieden ist. Dieser Tag weckt überall Emotionen. Das Küchenpersonal fiebert mit, die Popcorns werden emsig eingeworfen. Beim Shop am Eingang ist der Match zu Ende. Hier könnte der Laden ausgeräumt werden, niemand würde das beachten. Der Jubel ist riesig. Mit dem Bus fahren wir zurück und geniessen einen Caipirinha.

Am nächsten Tag besuchen wir bei leichtem Regen das Itaipu-Stauwerk.

Der Rio Paraná wird hier 120 m hoch aufgestaut zu einem Stausee von 150km Länge. Mit einem Staudamm von 5km Lange. Eine imposante Anlage: 20 Turbinen (9 BBC, 9 Siemens, 2 Alstom) verstromen die riesigen Wassermassen zu 14 GW.

Davon sind 50% für Brasilien mit 60Hz / 110V-Netz, 50% für Paraguay mit 50Hz / 220V-Netz reserviert.

Das Wasser wird durch 10m dicke Druckrohre auf die liegenden Turbinen geleitet.

Bei seinem Bau war dieses Werk weltweit das grösste Kraftwerk. Mit dem Bau des 3-Schluchtenwerkes in China ist es „nur“ noch das zweitgrösste aber dank der grossen Wassermenge immer noch das Werk mit der grössten Leistung. Die Jahresleistung entspricht etwa 8 grossen KKW. Sie deckt Strombedarf von Paraguay zu 75%, für Brasilien 17%.

Leider war der sonst eindrückliche Überlauf trocken.

Für den Besuch der Argentinischen Seite des Foz do Iguazu werden wir mit dem Hotelbus chauffiert. An der Grenze ein grosser Schreck: im Pass ist die Aufenthaltsdauer in Corumba auf 8 Tage eingetragen. Das heisst, wir müssen eine Busse von je 1200 Reals bezahlen! Dies verdirbt uns fast den ganzen Tag.

Aber die Fälle sind wirklich eine Reise wert. Wir bekommen einen ganz anderen Eindruck als von der brasilianischen Seite. Mit dem kleinen Zug fahren wir zur Station del Gargante.

Auf einem 1km-langen Steg zur Garganta del Diabolo können wir fast an den Abgrund heran gehen. Riesige Wassermassen zwängen sich hier in den Teufelsschlund hinunter. Mir rund 3000m3 vergleichsweise wenig im Vergleich zu den Jahren 1982/83/92 als rund die 10-fache Menge runter donnerte und die alten Stege zerstörte. Wir laufen dann den Sendero Supperior und Sendero Inferior, die obere und die untere Rundtour zu Fuss.

Diese führen oberhalb und unterhalb der Abbruchkante zu den vielen „kleineren“ Wasserfälle.

Für weitere Touren sind unsere Füsse zu lahm und wir zu faul. Neben dem Naturschauspiel sind die Touristen bemerkenswert: die Selfie-Generation mit ihrem eingefrorenen Grinsen.

Eine Meute Coatis wandert mit uns auf dem Steg-Geländer.

Der Chauffeur holt uns pünktlich ab. An der Grenze geben unsere Pässe wieder ein paar Fragezeichen. Wir werden informiert, dass wir gegen die Busse bei der Federal Police Einspruch erheben können. Das reicht heute Freitag Abend nicht mehr, wir müssen bis Montag warten mit unserem Protest.

Deshab besuchen wir den Vogelpark beim Eingang zum NP Foz do Iguaçu. Der ist wirklich einen Besuch wert.

 

 

 

 

 

 

Eine dicke Vogelspinne

 

 

Als privater Park gegründet und unterhalten ist er heute eine wichtige Station für den Vogelschutz und für Aufzuchtprogramme. Die Anlage ist grosszügig wunderbar in einen natürlichen Regenwald eingebettet. Auf verschlungenen Pfaden folgt man den versteckten Volieren. Sie sind Teil des Waldes. Einige sind begehbar und sehr gross. Die Papageien fliegen einem nur so um die Ohren.

Ein Schmetterlingshaus ergänzt den Park.

 

 

 

Der Birdpark in Singapore ist zwar grösser aber weniger eindrücklich.

Am Montag steigen wir zügig aus dem Bett, „z’Mörgele“ vom CP: etwas sehr einfach, aber ok. Ein junges  Brasilianer- Paar (Rómulu, Arzt, Orthopäde, „Miliana“ Zahnärztin) aus Mogi das Cruzes bei São Paulo ist mit einem Mercedes Camper für 3 Wochen auf dem Weg nach San Pedro de Atacama. Sie sind andere Tempi gewohnt als wir: die 1000km von São Paulo machen sie in 2 Tagen. Wir Packen, zahlen und fahren zur Polizei: die hat erst am Nachmittag offen. also: Tanken, Einkaufen und etwas asiatisches essen. Der Match Brasilien-Mexiko läuft, im Shopping Center gar nichts. Alles sitzt oder steht irgenwo vor einem Bildschirm. Brasilien gewinnt, das ganze Shopping Center brüllt, draussen gehen die Knallpetarden los.

Um 2 Uhr sind wir bei der Federal Police. Nur wenige sprechen Englisch. Wir bekommen Hilfe. Unser Antrag wird angenommen und in den nächsten Wochen studiert. Mit Kopien können wir unbesorgt in Brasilien reisen. Wir sind wieder auf Achse!

Mato Grosso – Foz do Iguaçu

Pokoné – Varzea Grande / Cuiabà – Jaciara – Rondonopolis – Rio Verde de Mato Grosso – Sáo Gabriel do Oeste – Campo Grande – Dourados – Caarapó – Itaquirai – Guaira – Entre Rios de Oeste – Sáo Clemente – Santa Helena – Moreninha – Missal -Sáo Miguel de Iguaçu – Santa Terezina de Itaipu – Foz do Iguaçu

Die Tankstelle ist verlassen. Nach dem z’Morge läuft das WM-Spiel. Die Brasilianer gewinnen gegen Costa Rica 2:0 Das versöhnt sie wieder mit uns, vergessen das Goal „irregular“! Wir fahren durch die hügeligen Berge vom Pantanal Richtung Cuiabá.

Sie sind mit einem recht natürlichen Wald bedeckt. Rosarote Jacarandabäume leuchten hervor. Die Faziendas züchten die weissen Brahma-Rinder.

Várzea Grande und Cuiabá sind 2 zusammengewachsene Industrie- und Servicestädte für das Hinterland im Mato Grosso. Dann geht’s südostwärts auf ein Plateau 750müM. Beim Restaurant Trevo machen wir einen Mittagshalt, gerade richtig zum Matchbeginn Schweiz-Serbien. Nach dem 1:0 Rückstand der Schweizer machen wir uns wieder auf den Weg. Wir mögen kein Gemetzel sehen. Bald kommen sie dann, die erwarteten riesigen (mehrere Quadratkilometer grossen) Mais-, Zuckerrohr- und Sojafelder.

Dazwischen Rinderzucht mit hunderten Rindern. Wir sind mitten in der Zivilisation. Auf der „Autobahn“ drängeln die Lastwagen, fahren uns bei 80km/h in einem Höllentempo vor.

Bei den Steigungen sind wir dann wieder mit einem flotten Tempo vorn. Wir finden wieder eine neue Tankstelle mit Rastplatz für die Nacht. Vorerst ist noch reichlich Bewegung mit ankommenden Lastzügen. Wir hoffen, die wollen ebenfalls eine ruhige Nacht verbringen. Das WiFi meldet uns: die Schweizer haben bravourös gewonnen. Feiert richtig, zu Hause, die Katerstimmung kommt früh genug.

Die Nacht ist erstaunlich ruhig, die Kühlmaschine des Lasters brummt nur sporadisch. Als wir um halb sieben aufwachen, sind die meisten Lastwagen schon wieder weg. Wir lassen uns Zeit mit dem z’Mörgele, nutzen die Werkgruben zum Fetten des Kookaburra. Die Raststätten bieten hier in Brasilien Erstaunliches: Schlafplätze für die Trucks, Duschen, WC, Waschplätze, WiFi, Selfservice für den Fahrzeugunterhalt, ein Restaurant, das zum zuviel-Essen verleitet, weil gut, reichlich und billig (Buffet kalt, warm, Carne!). Diese Truckstopps sind auch für Touristen interessant weil sie günstig, weit verbreitet und sicher sind (im Gegensatz zu Europa). Der erwartete Lärm hält sich in Grenzen. Auf dem Parkplatz werden wir von Itamar und seiner Frau angesprochen. Sie haben ebenfalls ein Wohnmobil und einen Wohnwagen. Ein Selfie muss sein!

Wir „rasen“ wieder auf der Autobahn Richtung Süden, wechseln uns stündlich ab. Rondonópolis ist wieder so eine grosse Servicestadt, sogar mit Hochhäusern.

Nun nehmen die Zuckerrohrfelder zu, km um km.

20km südlich von Rondonópolis endet die Bahn nach Sao Paolo. Km-lange Züge transportieren die Ernten zu den Häfen am Atlantik.

Zwischendurch tauchen Quinoa-, Weizen- und Maisfelder auf.

Grosse Vieh-Herden mästen sich schlachtreif.

Scharen von Emas wildern in den abgeernteten Feldern und picken die letzen Körner auf.

  

Wir füllen unsere Mägen bei einem Zwischenhalt auf einem Truck-Stopp. Wieder ein Buffet, wieder sehr gut, wieder viel zu viel!

Das Plateau senkt sich auf 250-300müM.

Grosse Eukalyptuskulturen tauchen auf.

Bei Rio Verde do Mato Grosso zweigen wir rechts ab, kaufen im Supermarkt ein paar Früchte und fahren zum Balneario Quedas do Didi, einem Campingplatz an einem schönen, grossen Wasserfall. Wir werden uns an das Rauschen gewöhnen müssen.

 

Vor dem z’Morge eine Wasserfall-Tour. Das Wasser fällt hier über mehrere Stufen 15m tief in ein grosses Becken. Ein richtiger kleiner Rheinfall. Auf dem Parkplatz werden wir von einer enthusiastischen Arztfamilie aus Campo Grande begrüsst. Er ist seit 2 Monaten Arzt in Rio Verde, spricht gebrochen Deutsch: seine Grosseltern stammen aus Deutschland. Eliane, seine Frau ist ganz begeistert von Kookaburra. Wir bekommen noch die Adresse seines Bruders in Italien, falls wir mal…

Langsam brechen wir auf Richtung Süden. Die Hochebenen zeigen das übliche Bild: Maisfelder soweit das Auge reicht. Sojafelder soweit das Auge reicht, dazwischen Rinderherden bis an den Horizont. Eine Ausnahme: die Straussenfarm Strut.

 

Hunderte Strausse in grossen Gehegen. Im Laden könnten wir Strausseneier für Spiegeleier kaufen (bis die Pfanne überquillt).

Campo Grande, die Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso do Sul, wird umfahren dann geht’s im gleichen Stil weiter.

Wir merken, wir bewegen uns auf dem Soja-Highway. Der Verkehr ist locker-dicht. 10km nach Anhandui bleiben wir auf dem Truck-Stopp Posto Eucalipto. Hinter dem Restaurant finden wir einen ruhigen Platz.

Die Nacht ist recht ruhig. Wir lassen uns Zeit um wieder eine lange Etappe hinter uns zu bringen. Im wesentlichen das gleiche wie die letzten Tage: türkis-hellgrüne Zuckerrohrfelder, grün-beige Maisfelder, grün-weisse blühende Sojafelder, rot-braun-grüne Quinoafelder, weiss gesprenkelte Felder mit Rinderherden, in den Flussauen wilde Buschwälder.

Und auf den Strassen Kolonnen mit Lastwagen. Grössere Orte wie Rio Brillante oder Dourados sind ganz auf den Service für die Landwirtschaft ausgerichtet.

Nach Dourados lockt uns unser Navigationssystem maps.me auf eine Grab’sche Abkürzung über die MS156 statt auf die BR156.

Bald ist der Asphalt fertig und wir holpern auf einer Buckelpiste gegen Süden. Das sind wir uns schon fast nicht mehr gewohnt und hindert uns am km-blochen! Nach 40km haben wir genug und nehmen den Umweg nach Caarapó. Eine grosse Zuckerfabrik beduftet die ganze Umgebung mit einem Buttersäure-Melasse-Furfural-Geruch.

Die zuckerlose Mutterlauge wird auf den Feldern versprüht.

Vereinzelt taucht der Duft überfüllter Schweineställe auf. Bei einem grossen Fabrikgelände weisst der Duft auf die Endstation der Rinder hin: eine Riesenmetzgerei. Navirai mit dem schönen 8-eck-Strassenmuster lassen wir links liegen und fahren bis zum Truckstopp Autoposto Trevo in Eldorado weiter. Obschon wir schon in Dourados das Mittagsbuffet genossen haben, lassen wir uns hier nochmals verführen. Müssen wir uns wirklich all die verlorenen kg wieder anfressen?

Die Nacht ist recht ruhig, einzelne Lastwagen brummen. Um halb fünf Morgentoilette der Chauffeure, um halb sechs leert sich der Platz, um halb sieben rollt die Lastwagenkolonne. Für die nächsten tausend Kilometer. Ab sieben ist das Morgenbuffet geschlossen. Brasilien ist ein riesiges Land.

Nebel liegt schwabelnd über der Landschaft. Es ist kühler geworden. Wir lassen den Tag heranrollen. Ob wir die 274km bis Foz de Iguaçu schaffen? Die Landschaft wird kleinräumiger, kleinere Felder (immer noch gross im Vergleich zur CH), stärker bewohnt. Bei Guaíra an der Paraguy-Grenze uberqueren wir den Rio Paraná über eine 4km lange Brücke.

Viel Reklame soll die Brasilianer zum Einkaufen in Paraguay animieren. Offenbar sind dort Importwaren (China?)  sehr billig. Bei Nova Horizonte machen wir eine Grab’sche Abkürzung über einen Blocksteinweg.

Vor Foz de Iguaçu beginnt der angekündigte Regen sehr heftig. Sowas haben wir in den letzten Monaten hier nicht erlebt. Beim Hostel Paudimar in der Nähe des NP Cataratas do Iguaçu finden wir einen guten CP. Wir werden sofort von Brigitte aus Stein am Rhein angesprochen. Sie wohnt in Argentinien und fliegt morgen mit 2 weiteren Frauen in die Schweiz.

Pantanal – Die Transpantaneira

Die Transpantaneira, eine Legende, ein Albtraum, ein Vergnügen. Wir haben einiges gelesen und gehört. Sie war als Strasse quer durchs Pantanal von Cuiaba im Norden nach Corumba im Süden geplant. Mitten drin, bei Porto Jofre gaben die Strassenbauer Mitte der 70-er Jahre auf, die Natur war stärker. Viel zu viel Wasser in der Regenzeit, schlechter Baugrund und zu grosse Distanzen für den ganzen Materialtransport. Ein Glück und ein Segen für das Pantanal und seine Tierwelt. Man schaue sich nur die Agroflächen im Süden an, die sich wie ein Geschwür in die Natur hineinfressen. Die Transpantaneira ist berüchtigt wegen den tiefgründigen Schlammlöcher wenn sie nicht abgetrocknet ist. Berühmt und berüchtigt sind vor allem die Brücken: 127 Holz-Brücken verhindern, dass der Strassendamm zu einem verhehrenden Staudamm wird. Durch kleine und grössere Durchlässe fliesst das Wasser. Es kommt aus dem Nirgendwoher und fliesst ins Nirgendwohin. Weite, flache Nasssteppen, Buschland und kleinere Seen sind das Kennzeichen des Pantanal. Im Norden stürzen Flüsse aus den Hochebenen des Mato Grosso in die Tiefe und verlieren sich im Pantanal. 300km weiter im Süden und nur 30m tiefer sammelt sich das Wasser wieder im Rio Paraguay. In den Trockenzeiten kann ein Teil vom Vieh, das sich im Wasser wohlfühlt, beweidet werden.

Diese Transpantaneira wollen wir mit unserem Kookaburra befahren. Ein Abenteuer? Kaum, jetzt ist der Wasserspiegel schon deutlich gesunken und der Boden trocknet rasch aus. Doch wir sehen die Spuren der Nässe: tiefe Tracks würden ein Durchkommen verhindern.

Da sind schon grosse Traktoren stecken geblieben. Und die Brücken! Bei Nässe darüber rutschen könnte tief ins Auge gehen.

Sie werden zwar gelegentlich gewartet, will heissen, alte, morsche Bretter werden meistens ersetzt. Bei den Balken dauert das länger, sie vertragen grössere Schwächeanfälle. Und manchmal genügt es, die Fahrbahn etwas auf die sichere Seite zu schieben.

Das zum Kitzel der Transpantaneira. Aber daneben, wörtlich, sieht die Welt traumhaft aus.

Seen mit klarem, braunem Wasser voll Wasserpflanzen sind dicht bevölkert von Fischen, Reihern und anderen Wasservögeln.

Adler und Geier warten auf ihren Ausgucken auf ihre Gelegenheit. Komische Capibaras, die grössten Nagetiere, queren die Strasse.

Aligatoren liegen träge auf den Blättern, geniessen die Sonnenwärme und lassen sich nicht stören. Höchstens klimpert ein Augenlid zaghaft. Ist was?

Auf der Strasse müht sich ein Caricari, ein allgegenwärtiger Adler, mit einem Frosch ab.

Er lässt sich von unserem Auto nicht stören, hüpft ein wenig zur Seite. In einem Teich lebt eine wilde Riesenotter-Familie.

Vergnügt zischen sie umher tauchen ab, 10m weiter wieder auf, gucken frech herüber: was wollt ihr hier? Stört uns nicht beim Fischen!

Wenns sein muss, verjagen sie gemeinsam einen Jaguar. Im Wasser sind sie sehr schnell und über dem Wasser sehr laut mit ihrem Geschrei. Ihre Zähne sehen nicht gerade wie zuckerschlecken aus.

Z’Mittag auf der Transpantaneira.

Nach 80km und unzähligen (wir haben das Zählen aufgegeben) heil überwundenen Brücken bleiben wir über Nacht auf dem Parkplatz des Hotel Pantanal Mato Grosso am Rio Pixaim und lassen uns nach einen Caipiringia das feine z’Nacht Buffet schmecken.

Capibaras grasen auf dem Rasen.

Wir starten am Morgen mit der einstündigen Bootstour auf dem Rio Pixaim vor dem Hotel. Mit von der Partie sind Michael und Steffi, Kindererzieher aus Berlin. Sie sind auf einer kurzen SA-Reise ins Amazonasbecken, das Pantanal, Uyuni und La Paz. Auf der Tour entdecken wir viele Vögel und Tiere: ein angefütterter Jabiru fliegt uns entgegen und folgt uns zu Fuss.

  

  

  

  

Ein Grünes Igunana- Pärchen, Makaken-Affen, kleine Welse.

   

 

Die reiche Vielfalt der Tier- und Vogelwelt ist erstaunlich. Ein Ornithologe müsste sich neue Bestimmungsbücher beschaffen.

„Zierwelse“

Nach der Tour gibt’s ein feines z’Morge-Buffet. Michael und Steffi erzählen von ihren vielen Reisen in Afrika und Asien. Wir fahren weiter auf der Transpantaneira.

Ab dem Hotel Mato Grosso sind alle 31 Brücken neu betoniert, bis auf die Letzte. Wir müssen.immer wieder anhalten und unsere Blicke schweifen lassen. Ein Ameisenbär quert die Strasse,

  

Capibaras grasen friedlich im Strassegraben, Alligatoren ruhen sich mitten auf der Strasse aus, sind aber sehr flink, wenn wir zu nahe kommen.

Wieder das volle Programm der Vögel, inklusive den Ema, die Nandus.

Die Zahl der Fazendas nimmt mit dem höheren Boden zu. Interessant sind die Begleiter des Viehs: jede Kuh hat ihre 1-3 weisse Reiher, die sie ständig verfolgen: die Kühe schrecken Insekten auf, eine Delikatesse für die Vögel.

Dutzende meterhohe Termitenhügel erheben sich im hohen Gras.

Nicht ganz so gross wie in Australien. Kurz vor der Araras Lodge treffen wir auf alte Bekannte: Anna Maria und Mathias aus Wien, die wir in San Pedro de Atacama getroffen haben, sind auf dem Weg nach Porto Jofre, sie möchten mit dem Floss nach Corumba fahren. Sie sind in der Zwischenzeit bis Kolumbien gefahren.

2 stolze Fischer mit ihrer Beute

 

 

Im Restaurant der Araras Lodge essen wir ein feines Curry-Reis. Nun wird die Transpantaneira ruppiger mit Wellblech und somit „gewöhnlich“.

Das Ende oder der Anfang der Transpantaneira.

In Poconé ist die Churrasceria mit falschen Koordinaten im iOverländer, wir fahren deshalb weiter Richtung Cuiabá, vorbei an hohen Abraumhalden der Goldminen.

Nach Cangas bleiben wir bei der Neuen Tankstelle über Nacht. Sie bieten WC, Duschen, Parkplatz und WiFi „for free“ und das Abendessen ist Lastwagenchauffeurgerecht gut, reichlich, billig.

Pantanal Auf der Suche nach dem Jaguar

Wir suchen uns einen Platz für die nächsten paar Tage. Wir wollen eine „Jaguar-Tour“ mitmachen. Das Pantanal-Jaguar-Camp liegt mitten im Dschungel, unter Palmen.

Es wirkt neu, bereit für die vielen Touristen, die entweder hierher fliegen oder mit dem Geländewagen über die Transpantaneira von Cuiabá hierher transportiert werden.

Adler, dunkelblaue Hyazinth-Macaw-Papageien, Tukane, Affen, Capibaras und viel anderes Getier kreucht und fleucht umher.

 

       

Ausser dem Gekreische der Vögel Totenstille und das Kesseln des Kochgeschirrs in der Küche. Ein Schmetterling sucht etwas Süsses in den Orangenschalen. Bääh, nichts für ihn.

Zum Mittagessen liegt ein feines Büffet mit Salat („cook-it, peal-it or forget-it“ vergessen wir), Reis, Linsen, Gurkengemüse, Fisch und Fleischvogel bereit. Die Touristen aus den USA, Irland und Holland kommen von ihren Touren zum Futtertopf. Ein fischender Jaguar wurde gesichtet. Wir buchen die Tour für morgen und machen uns einen gemütlichen Nachmittag mit Internet (ja, das WiFi funktioniert ganz ordentlich, über Satellit, auch wir sind immer noch News-Junkies!) sowie einem Spaziergang durch den Dschungel zum Fluss.

  

  

Mücken sind hier eigentlich eine Dauerplage. So sind wir ganz glücklich, dass wir den Dutzenden Herr werden. Zum z’Nacht lassen wir uns von der Kochkunst der Lodge verführen.

Heute müssen wir früh aufstehen: um 6 Uhr gibt’s Morgenessen und vor 7Uhr ist Abfahrt, auf die Jaguar-Tour. Wir sind 6 Touristen im Schnellboot, neben der Schweiz sind Holland, Spanien, Kanada und am Nachmittag noch Italien vertreten. Wir fahren rassig den weiten Rio Cuiabá hinauf mit einem kurzen Abstecher in den Corixo Negro. Wir suchen angestrengt die Uferböschungen ab.

Bei Hochwasser graben Fische diese Löcher für ihre Brut.

Die verschiedensten Reiher, Kormorane, Adler fliehen vor uns in die Luft, setzen entfernt wieder ab.

  

Kingfisher (Eisvögel) warten auf ihre Gelegenheit.

Ein Kardinal leuchtet mit seinem roten Kopf, ein orangeroter Oriol.

Das Pantanal bietet eine enorme Vielfalt an Vögeln, eine Fundgrube für Ornithologen.

Träge liegen die Kaimane im Wasser oder auf den Sandbänken.

Eine Riesenotter Familie schwimmt elegant durch die schwimmenden Hyacinthen, aber eigentlich suchen wir was anderes.

Plötzlich kommt Heltik auf. Wir wenden und fahren den Fluss wieder hinunter, bis wir weitere Boot am Ufer sehen: da steckt er, der Jaguar!

 

Ja wo denn? Im Gebüsch sind Lichtflecken zu sehen. Nur Gebüsch! Doch, da haben sich Lichtflecken bewegt. Jetzt sind die Konturen deutlich zu sehen. Er sitzt da, schaut uns gelangweilt an und streckt uns die Zunge raus. Hä, nichts zu machen, ich schlage mich in die Büsche. Und weg ist er. Nicht gerade befriedigend. Nach einer Wartepause kommt wieder ein Funkspruch. Noch ein Jaguar. Diesmal im Wasser.

Er schwimmt kräftig gegen den Strom den Schwimmpflanzen entlang. Es ist Jasy, gut zu erkennen an seiner hängenden Oberlippe. Er biegt ins Schilf ab. Doch dieser Platz ist besetzt von einem Kaiman. Kurzes aufschäumen und der Jasy zieht weiter, verschwindet dann im hohen Schilf. Warten bringt nichts.

Ein Hirsch wundert sich über die vielen Zuschauer

Es ist Zeit für die Rückkehr ins Camp zum Mittagessen.

Eine Riesenotter Familie geniesst den Mittagsschlaf an der wärmenden Sonne.

Sie lässt sich von uns nicht stören.

Ein Jabiru-Paar steht stoisch auf einer Sandbank. Der grösste Storch Südamerikas.

  

Nach der Mittagspause geht die Suche weiter. Weit flussaufwärts.

Nur das übliche: Vögel, Vögel, Vögel, Kaimane. „Nichts besonderes“.

  

  

Nur weil wir auf unseren Jaguar warten. Eine Spur im Sand.

Doch plötzlich kommt Hektik auf, wir drehen um und nun geht es im Höllentempo mit über 60km/h den Fluss runter, in einen Seitenarm.

Das Boot berührt die Wasseroberfläche kaum, wir fliegen fast. Und da ist diese wunderbare Katze. Im hohen Gras zwar, aber doch fast freigestellt. Ein ganze Stunde können wir das majestätische Tier beobachten.

Es ist vorsichtig auf der Suche nach etwas Fressbarem. Einmal eine kurze, vergebliche Attacke auf einen Vogel. Doch irgendeinmal hat es genug von der Show und verschwindet im hohen Gras.

Nach weiterem Warten wieder Hektik. Umdrehen, Höllentempo und da steht wieder einer, guckt keck aus dem Gras, lässt sich beobachten, aber nur kurz.

Es ist schon bald Abend, wir haben ein paar herrliche Tiere gesehen. Das Pantanal ist wirklich eine Reise wert.

  

 

 

 

  

  

  

Da rufen uns Fischer. Hört! Ein Knurren und Fauchen geht um hinter den Büschen. Die Spannung steigt. Da kommen sie, ein kleineres Weibchen wird von einem stattlichen Kater verfolgt, bedrängt.

Auf der Präsentationsbühne dreht sie sich wütend um, faucht ihn an. Es ist Juka. Entsetzt schreckt er zurück, kann aber sein Werben nicht lassen. Juka lässt sich jetzt nicht drängen und verschwindet in den Büschen.

Entspannt kehren wir bei Sonnenuntergang zurück. Die blaue Stunde verfärbt den Himmel blau-orange-gelb.

Beim Abendessen tauschen wir die Eindrücke aus. Wir werden morgen abreisen, die andern haben noch weitere Tripps gebucht

 

Pantanal Rio Paraguay

 

Das Pantanal ist eines der grössten Feuchtbiotope der Welt und gehört seit 2000 zum UNESCO-Welterbe. Mit einer Fläche von 230'000 Quadratkilometern erreicht es die Grösse von Westdeutschland. Das Überschwemmungsland wird von zahlreichen Flüssen, insbesondere vom Rio Sāo Lourenço, Rio Cuiabà und Rio Paraguai bewässert und vom Rio Paraguai entwässert. Da die Flüsse auf 600km nur ein Gefälle von 30m haben, wird das ganze Gebiet jährlich von den starken Regenfällen im Norden komplet überschwemmt und trocknet wieder aus. Dadurch entsteht ein einzigartiges Biotop mit Wasserflächen, Feucht- und Trockengebieten mit Flüssen, Seen, seichten Lagunen, Savannen, Flussgalerie- und Trockenwäldern.

Das Pantanal ist kaum erschlossen. Viele Farmen sind meistens nur in der Trockenzeit bewohnbar. Der Staat hat 1973 mit dem Bau der Transpantaneira eine Nord-Süd-Verbinung mitten durch das Pantanal begonnen, musst aber mitten drin abbrechen. Diese Strassenverbindung ist in der Trockenzeit über 127 Brücken befahrbar. in der Regenzeit jedoch grösstenteils geschlossen. Dank dieser fehlenden Erschliessung ist das Pantanal ein Pflanzen-, Tier- und vor allem Vogelparadies.
(Wikipedia)

Das möchten wir auf einem nicht ganz gewöhnlichen Weg besuchen und erleben. Mit unserem Kookaburra auf dem Floss von Corumba nach Porto Jofre und auf der Transpantaneira nach Pokoné.

Wir sind an einem wirklich schönen Ort gelandet. Hugo und seine Mutter Jane haben hier ein einmaliges, potentielles Bijou, eine Liegenschaft mit Potential, sie braucht aber etwas Arbeit.

(www.pousadadocachimbo.com.br). In längeren Diskussionen mit Hugo um die Zukunft der Pousada kommen wir uns näher. Die Pousada (Herberge) ist Teil seiner Familiengeschichte, hier ist schon seine Mutter gross geworden. Sein Vater handelte mit Vieh aus dem Pantanal. Hugo war 8 Jährig als sein Vater starb.

  

Hier in Corumba, direkt über dem Rio Paraguay, im Pousada do Cachimbo  bereiten wir uns auf diese Reise vor.

Die Nacht ist ruhig, abgesehen von lauter Samstagabendmusik einer Veranstaltung, die aber kaum stört. Am Morgen wecken uns krähende Hähne, gackernde Hühner und schnatternde Gänse. Wir geniessen einen ausgiebigen z’Morge (mit Magen-Darm-Tee und Breili wegen dem aus Bolivien mitgebrachten anhaltenden Durchfall seit Tagen).

Der Blick auf die Flusslandschaft ist überwältigend. Hugo gibt uns gute Ratschläge und nimmt uns gleich mit in die Stadt. Das Restaurant Laça de Ouro wechselt uns U$ in Real um. Wir essen in der Churrasceria gleich vom grossen Buffet. Anschliessend laufen wir zum Hafen runter: ein Touristen-Schiff macht sich bereit für einen Fischer-Ausflug.

Die Marine sucht neue Leute und hat einen Tag der offenen Kampfboote an der Hafen-Mole.

Wir vernehmen, dass ein Schiff mit Balsa (Floss) in 2-3 Tagen nach Porto Jofre ausfahren wird. Die Schiffsleute sind am grillieren, sie werden am Mittwoch Abend wegfahren. Wir könnten für 1100 U$ oder 6000Real mitfahren. Auf dem Rückweg zum CP lassen wir eine ATM Reals ausspucken. Wir verpassen deshalb den leuchtenden Sonnenuntergang über dem Pantanal.

Die Nacht ist kühl-schwül im Camper. Wir stehen erst spät auf. Hugo will mit dem Bootsführer verhandeln. Das angekündigte Boot macht am Mittwoch nur eine Teilstrecke, kommt für uns also nicht in Frage. Ein anderes Boot läuft jedoch am Freitag nach Porto Jofre aus. Der Preis wird berichtigt auf 3500 Real, inkl. Essen, zahlbar zur Hälfte bei Abfahrt, die andere Hälfte bei Ankunft.. Wir müssen uns überlegen, ob uns dieser Trip oder der Termin für die Rückreise in die Schweiz wichtiger ist.

Der Sonnenuntergang ist nicht ganz so farbig wie gestern Abend, aber immer noch eine sehr schöne Aussicht auf das Pantanal.

„Zu Hause“ geniessen wir einen selbst eingelegten „Suure Mocke“ mit Kartoffelstock à la Heidi.

Nach einer längeren Kälteperiode wird die Nacht feucht-warm, schon lange nicht mehr so geschwitzt. Heute kämpfen wir um unsere Entscheidung: Pantanal oder zeitig nach Hause? Beides sehr emotionale Argumente. Wir haben uns so lange auf das Pantanal gefreut, aber das bedeutet, erst Mitte Juli zurück in der Schweiz. Denn eigentlich war unser Reiseplan anders: wir wollten von Norden nach Süden durchs Pantanal fahren. Wir bekamen jedoch keine brauchbaren Informationen zum Zustand der Transpantaneirea und dem Fahrplan der Schiffe. Die Umkehrung des Weges bedeutet für uns ungeplante 2-3 Wochen spätere Rückkehr in die Schweiz. Wir lassen die Zeit verrinnen, sitzen am Internet, bummeln durch die Stadt, lassen uns vom brasilianischen Essen verführen. Wir müssen das Geld (Effectivo, Bargeld) für die Fahrt organisieren.

Am Freitag heisst es zeitig aufstehen, z’Mörgele, packen, Abschied nehmen von Jane und Hugo. ATM-Besuch, Einkaufen für die nächsten 2 Wochen, Tanken. Nochmals das Büffet im Laça de Ouro geniessen. Dann ab zum Hafen. Die Laura Vicuña und die Balsa (Floss) warten schon um 2 Uhr auf uns.  Wir müssen vom Ufer 1m Höhe überwinden. Aus dem Schlamm werden 2 dicke, massive Bretter herausgezogen, als Rampe aufgebaut und sauber ausgerichtet.

Mit leichtem Schwung befördert sich Kookaburra selber auf die Balsa. Er wird mit einem Seil abgesichert, damit er sich nicht selbständig machen kann.

Dann heisst es warten. Weitere Fracht wird geladen: Futtermittelzusatz, Diesel, Motorenoel, Gasbomben, Bettstatt, Reitersattel, Leder-Lassos, Reisekoffern, Gepäcke, Hühner etc. Die Viehgatter werden fast voll.

Auf dem Schiff reisen noch 20 Passagiere mit. Um halb sechs laufen die Motoren warm. Es ist nur der Generator. Wir nutzen noch die letzten Internet-Signale. Die Sonne verabschiedet sich dunkelrot. Um halb acht kommt nochmals ein voll beladener Lastwagen mit Umzugsgut, Reitsätteln, Kochherd, Schrank, Betten und Passagieren. Werden jetzt die Faziendas im Pantanal für die Trockenzeit eröffnet? Um viertel nach acht fährt die Laura Vicuña endlich aus, hängt sich die Balsa vorne an, schleppt sie aus dem Sumpf, dreht um und stösst uns voran auf den Rio Paraguay in die Nacht hinaus.

Die haben ja sicher modernste Navigationsmittel, Radar und Infrarotscheinwerfer, damit sie den Weg durch die vielen Flussschlingen finden. Oder der Skipper fährt nach seinem Gefühl und seinem sechsten Sinn.

Wie auch immer, bis jetzt ist er noch nicht auf Grund oder in die Büsche gefahren. Wir wären die ersten, die das merken würden. Draussen ist es kalt, wir flüchten in unsere warm beheizte Camper-Stube.

Die Nacht ist kühl, nur 15*C. Ruhig schaukelt unser Floss durch die Nacht. Der Skipper kennt seinen Weg. Er sucht jeweils kurz mit einem Suchscheinwerfer das Ufer ab, so kennt er immer seine genaue Position. Einmal erwachen wir kurz. Das Schiff steht still, wird offenbar entladen. Um halb sieben gibt’s Morgenkaffe mit Brötli. Wir verschlafen den Termin. Erst langsam werden wir wach, machen unser eigenes Müesli. Die Passagiere sind alle noch schlaftrunken (oder immer noch betrunken). Eine Farmerfamilie hat sich häuslich eingerichtet mit Bett, Decke und einfach warm zugedeckt.

Sie zügeln in der Trockenzeit von der Stadt zurück auf die Fazienda, mit dem ganzen Hausrat und zwei Jagdhunden.

 

Wir setzen uns in unsere bequemen Campingstühle zu vorderst auf dem Deck. Wir geniessen den weiten Blick.

Am Rand streift die grüne Hölle oder das grüne Paradies, je nach Sichtweise mit 8km/h an uns vorbei.

Eine undurchdringliche Wand bis ins tiefe Wasser und dahinter Flachwasser. Versteckt sich der Jaguar, die Anaconda dahinter? Wir sehen nichts. Nur die Vögel: Geier, Adler, Papageien in allen Grössen und Farben, Kormorane fliegen über das Wasser.

   

Aufgescheuchte grosse Graureiher schweben wellenförmig vor unserem Ausguck vorüber. Kleine Wasserhyazinthen-Inseln ziehen träge an uns vorbei.

Trotz dem geringen Gefälle von 30m auf sechshundert Kilometer fliesst das Wasser deutlich, sogar mit eine paar Wirbeln. Der Skipper meint, der Fluss sei 30-50m tief, eine riesige Wassermasse. Dabei hat die Trockenzeit gerade begonnen, der Wasserstand ist schon deutlich gesunken und wird noch weitere 3m abnehmen. Am Ufer versinken die Häuser auf ihren Stelzen fast im Wasser. Keller graben ist hier nicht möglich.

Dafür kann das Motorboot fast in die Küche fahren.

Das dunkle Wasser plätschert leise unter dem Floss. Vom Wind bilden sich leichte Schaumkronen.

Am Mittag verlassen wir die dunkle Wolken-Wetterhalle am Himmel, ein grosses Sonnentor öffnet sich gegen Norden.

Endlich etwas Wärme. Das Mittagessen ist einfach, aber gut.

Unser Cookie hat aus Kartoffeln, Reis, Bohnen und Rindsprägu ein feines Menu zusammengestellt.

  

Die Gespräche mit den Mitpassagieren und der Mannschaft sind nicht leicht, wir verstehen kaum portugiesisch. Aber mit Mundart, Zeichen und ein paar Misch-Brocken aus spanisch, italienisch, französisch und englisch können wir uns verständigen.

  

Hörst Du was? Ja, das Schiff fährt langsamer. Hinten wird das Beiboot mit Waren fast überfüllt, 2 Passagiere nehmen Abschied, sie haben ihr Ziel erreicht. Im Caracho zischt das Boot durch einen schmalen Kanal ins Grüne.

Wir fahren weiter ohne anzuhalten. Das Boot wird uns wieder einholen. Fliegend laden und entladen im Fluss!

Gegen Abend erreichen wir Amolar an einem Gebirge mitten im Pantanal, keine Siedlung, nur ein Flugfeld und ein paar Hütten, wie überall im Pantanal.

Die Faziendas sind weit gestreut, sind kaum durch Strassen verbunden. Das einzig Verbindende: Wasser, ein Flugfeld und eine Funkantenne. Die Landung ist etwas ruppig, unser Kookaburra wird in die Äste eines Baumes gedrückt.

Aufgeregt verlassen ein Dutzend grüne Papageien ihr riesiges Nest. Zum Glück bleibt es hängen.

Der Wind erlahmt. Wir schweben auf spiegelglattem Wasser still dahin, dem Sonnenuntergang entgegen. In der blauen Stunde entflammt der Himmel feuerrot.

Magisch. Frösche quaken, über den Büschen schweben dunkle Wolken von Zuckmücken. Bis der graue Deckel alles zudeckt.

Das z’Nacht: eine gehörige Portion Kohlenhydrate: Reis, Bohnen, Spaghetti Bolognese. Wir verziehen uns wieder in die traute Stube unseres Kookaburra zu Kaffe und Kuchen. Das sonore Brummen und leichte Schütteln begleitet uns in den Schlaf.

Die Nacht ist finster, die Sterne im diesigen Nebelschleier. Die Venus begleitet die zunehmende Mondsichel in die Nacht.

Am Schiff leuchten die grünen und roten Positionslichter und der Maschinenraum, sonst ist alles dunkel. Die Passagiere haben sich in ihre Hängematten verzogen schlafen den Schlaf des Gerechten oder den Rausch aus.

Von Zeit zu Zeit leuchtet der Skipper mit dem Suchscheinwerfer das Ufer ab. Er möchte die Kurven nicht allzu eng schneiden. Wir sind fast die einzigen auf dem Fluss. Selten begegnet uns ein Fischerboot.

Den Fluss kennt der Skipper wie seinen Hosensack, jede Kurve, jeden Busch. Keine Gefahr! In der Nacht ein ungewöhnliches Geräusch: neben uns schwimmt ein anderes Schiff und wir stecken tief in den Wasserhyacinthen!

Absicht oder ein Versehen?  Wir wissen es nicht, das Boot geht, wir kommen problemlos flott. Bei Sonnenaufgang parken wir bei der Anlegestelle der Fazienda Sâo Lourenço.

500 Säcke mit Futterzusatzstoffen (Mineralien) werden entladen. Dazu muss unser Floss umgedreht und von hinten entladen werden. Ein Manöver mit 20 Zuschauern.

Der Hundedreck der beiden Jagdhunde Panthera und Dynamiti wird aufgewischt.

Die 6 Hühner bekommen von Jao und Jarra eine Ration Mais zu fressen, sie sollen ja gesund und munter sein und sich auf der Farm tüchtig vermehren.

Wir geniessen den z’Morge: einerseits Spiegelei mit Reis, anderseits Cracker mit Käse und Wurst.

Das Wasser gluckert unter dem Floss. Bald beginnt die Hektik. Das Gros der Passagiere packt und verlässt das Schiff. Reisegepäck in Säcken, die Betten, Büchergestelle, Schränke werden auf Karren geladen.

 

Dann kommt die ganze Fracht dazu: Futtermittelzusätze, Vieh-Salz, ein Dutzend Dieselfässer, Benzinfässer, Gasflaschen, Laserdrucker,  Küchenkombination, Waschmaschine. Alles was man halt so braucht. Auf einer Fazienda. Während der Trockenzeit. Die Karren werden recht überladen, zum Schluss kommen noch die Leute drauf.

Ein schwerer Traktor schleppt ihn durch den Schlamm. Ohne kippen!

Endlich können auch Jao und Jarra ihren Hausrat verladen. Sie wurden vergessen, mit ihren Hühnern und überraschend, mit 2 kleinen frischgeborenen Hundebabies.

Leere Dieselfässer und Gasflaschen kommen auf die Rückreise. Wir haben ein Dutzend neue Passagiere mit ihrem dicken Reisegepäck. Aber immerhin noch keine Kühe!

Derweil beobachten uns ein grosser Alligator, ein Jabiru (der grösste Storch Südamerikas), Geier (Blackhead Jotas, keine Pleitegeier) Reiher, Schwalben und all die uns unbekannten Vögel.

Das Entladen zieht sich in den Nachmittag hinein. Der Skipper ist ganz locker: in 2 Stunden beginnt in Russland der Match Brasilien – Schweiz. Hektisch wird die Satellitenantenne gerichtet. Über Funk sollte er aktuelle Situationsberichte bekommen, wenns mit dem Satelliten nicht funktioniert.

Es ist Sonntag, der 17. Juni 2018 16 Uhr Lokalzeit. Wir sind in Porto Zé Viana. Unterwegs mit der Laura Vicuña auf dem Rio Cuiabá. Mitten im Pantanal Brasiliens.

Die Schweiz (mit 2) und Brasilien (mit 13 Zuschauern) spielen an der WM 1:1 unentschieden.

Die Emotionen gehen kurz hoch: „irregular“ sei das Tor der Schweizer. Die Enttäuschung der Brasilianer, die Freude der Schweizer. Wir malen uns aus, wie wir den Kaimanen zum Frass hingeworfen worden wären, hätte die Schweiz die Brasilianer gedemütigt. Wir können endlich weiterfahren. Mit der Suche nach versteckten Kaimanen oder exotischen Vögeln.

Es sind noch 60km bis Porto Jofre. Wir werden erst am Montag einen Schlafplatz suchen. Wir schweben über einem Spiegel dem Sonnenuntergang entgegen. Die blaue Stunde beginnt ihr Feuerwerk. Mystisch.

Unser Cookie lädt uns zum Nachtmal: Gulasch mit Reis und Bohnen. Wir gehen nicht schlafen, warten die Ankunft ab, mit Lesen und Bildern aufbereiten. Ein kurzer Halt beim Aerodromo Ilha do Caracará. Fässer mit Diesel und Benzin rollen von Bord. Lichter brennen, aber niemand ist weit und breit. Um Mitternacht legen wir an. Vis-á-vis von Porto Jofre im Busch. Entladen wird am Morgen, wir können schlafen gehen.

Bei Sonnenaufgang beginnt leichte Hektik: der z’Morge wird fertig: frittierte Brötchen und sehr süsser Maté-Tee. Dann wird das Boot vom Ufer gelöst und schwimmt auf die andere Seite, zum Porto Jofre. Wir sind die einzigen, die an Land wollen. Dicke Bretter werden sorgfältig ausgelegt.

Die Mannschaft hat ganze Arbeit geleistet.

Im ersten Geländegang, mit Sperrdifferential, fahren wir ganz langsam drüber hinweg. Achtung! Das rechte Hinterrad ist nur noch knapp auf dem Brett. Geschafft. Wir verabschieden uns von der Mannschaft und den Mitreisenden. Wir sind in Porto Jofre heil angekommen.

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