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Wo sind wir

Leben in der Corona Quarantäne 21.3.-19.4.2020

Die Nacht ist ruhig, die Strassensperre wird um Mitternacht aufgehoben, das Militär zieht ab. Um 5 Uhr laufen die lauten Motoren der abgeblockten Lastwagen warm, der Verkehr nimmt rasch zu. Wir schlafen noch eine Weile, der Pneu-Laden hinter uns bekommt neue Reifen geliefert. Vor 8 Uhr machen wir uns auf den Weg zum HiperMaxi Markt, durch dichten Verkehr. Der Supermarkt ist voll Kunden. Beim Eingang werden uns die Hände desinfiziert. Das volle Wägeli wird verladen und durch dichten Verkehr fahren wir zum CP/Hostel Las Lilas. Alex lässt uns auf seinem CP campen, das Hostel ist geschlossen. Hier sind wir gut aufgehoben, ein ruhiger Platz mit gutem Internet Anschluss. Kaffe Defizit und Hunger werden gestillt. Ab Mittag gilt in Cochabamba eine totale Ausgangssperre. Die Nervosität sinkt ab. Endlich wieder mal Kontakt mit der Familie, den Reisekollegen und der Welt.

Das Hostal Las Lilas bietet uns eigentlich alles, was wir brauchen: wir bekommen das Morgenessen, es hat eine schöne, fast perfekte Toilettenanlage mit warmen Duschen.

 

Uns werden Zimmer zum gleichen Preis angeboten (uns ist es aber wohler im Camper als in unbekannten Betten). Wir haben Strom Anschluss, ein recht schnelles WiFi, sauberes Wasser zum Nachtanken und viiiiel Platz.

  

Der grosse Aufenthaltsraum hat TV, Spieltische, einen Billiard-Tisch, eine Bibliothek.

Draussen eine grossartige Grill-Anlage, eine Küche. Ein Swimming Pool.

Auf der Wiese ein kleines Fitness-Center mit Home-Trainer, Box-Sack, Bauch-wippe, Gewichtsstangen. 

Die Familie und die Angestellten sind angenehm freundlich, hilfsbereit.

Alex, der Besitzer betreibt in einem Nebengebäude eine Produktion mit Plastik-Spritzguss-Maschinen.

Damit produziert er diverse Flaschen aus PET und PE.

Er hat einen Corona-Auftrag: Flaschen für dringend benötigte Desinfektionsmittel.

Deshalb ist der Betrieb nicht der Quarantäne unterworfen. Er muss pro Tag 10‘000 Flaschen produzieren. Das braucht natürlich Nachschub von den Rohstoffen. Die kommen aber aus Santa Cruz, da sind die notwendigen Bewilligungen und die Transporteure nicht einfach auf zu treiben. Deshalb steht die Produktion einige Tage still. Nachdem das Material endlich angekommen ist, arbeiten Carlos und sein Kollege fast Tag und Nach durch.

3 Hunde wohnen ebenfalls hier: Ein kleines, wildes, kläffendes Wollknäuel,

ein schwarzer, finster dreinblickender Pit Bull, der das Anwesen mit hin und her rennen verteidigt

und ein alter, gebrechlicher Bergamasker mit einem blauen Auge.

Er ist über 15 Jahre alt, kann sich nur schwer hinlegen. Plötzlich kommt er mit einem voll vereiterten Auge daher. Die Angestellten pflegen ihn liebevoll, bis die Entzündung weg ist. Er tut einem richtig leid.

Wir informieren uns über die Corona-Situation weltweit in der Schweiz und lokal, jeden Tag, ein paar mal. Wir möchten sie verändern, geht schlecht. Wir nehmen Kontakt auf mit der Schweizer Botschaft in La Paz. Wir merken, sie wird bestürmt von nervösen Touristen die einen Heimflug-Service vom Bund erwarten. Wir lassen uns nicht ins Bockshorn jagen: wir haben einen guten, sicheren Platz, die Corona-Situation ist hier viel überschaubarer und weniger dramatisch als in Europa, in der Schweiz. Wir nehmen uns die Zeit und bleiben geduldig. Wir klären mit Massimo in Reinach BL mögliche Transport-Szenarien ab. In WhatsApp wird eine Gruppe „Suizos stuck in Bolivia“ zusammengestellt. So können wir uns gegenseitig informieren, was läuft (oder nicht).

In Bolivien sind am 10.März die ersten beiden Corona Fälle aufgetaucht. 1 in Santa Cruz, 1 in Oruro. Sie kamen von einer Reise in Italien zurück. Sie wurden sofort isoliert. Nach 4 Tagen waren die Familienangehörigen in Oruro ebenfalls angesteckt. In diesem Moment hat die Regierung eine totale Quarantäne über Oruro verhängt, die Stadt von der Umwelt abgeschnitten. Zeitgleich wurde der Internationale und nationale Flugverkehr eingestellt und bald die Grenzen geschlossen.Das haben wir ja erlebt.

Dieses beherzte Vorgehen zeigte sehr gute Wirkungen: nach einem Monat sind in Oruro keine weiteren Fälle mehr aufgetaucht. Die Situation in Santa Cruz verschlechterte sich zusehends. Die Regierung ist sich bewusst, dass das bolivianische Gesundheitssystem im Argen liegt und keine Corona-Explosion verdauen kann. Deshalb musste die Regierung eine landesweite totale Quarantäne ausrufen, Seit in Pisiga Bolivianer aus Chile einreisen durften, steigen die Zahlen in Oruro wieder.

Corona-Quarantäne in Bolivien heisst: die Versorgung mit dem lebensnotwendigsten ist gesichert. Der leidenden Bevölkerung soll ein „Familien-Korb“ ausgeliefert werden, Strom- und Wasserkosten werden zu einen Grundbeitrag übernommen.

Die Total-Quarantäne bedeutet:

  • Kein Ausgang, ab Mittag generelles Ausgangsverbot
  • Kein Verkehr (nur mit restriktivem persönlichem Passierschein: Spitalbesuch für Dialyse, Lebensmitteltransporte, Polizei, Militär)

  • Einkaufen einmal pro Woche, je nach Endziffer im Personalausweis, nur am Morgen
  • Nur zu Fuss im nächsten Laden
  • Kein Einkauf ab 65 Jahren
  • Nur mit Gesichtsmaske
  • Keine Massenzusammenkunft
  • Abstand halten
  • Hygienevorschriften: fleissiges Händewaschen, Desinfizieren
  • Nicht einhalten der Vorschriften wird mit Busse, Gefängnis und Konfiskation des Fahrzeugs bestraft „wegen Gefährdung der Volksgesundheit“

Seither ist es ruhig in der Stadt, praktisch kein Verkehr, nur das viele Hundegebell stört.

Vereinzelt werden kleine Strassenmärkte mit 1-2 Ständen am Strassenrand toleriert. Lieferwagen fahren mit Gemüse, Eiern, Früchten mit Lautsprechern einmal in der Woche durch die Quartiere. Die Leute werden kreativ: in einem Haus werden Fische verkauft, im andern Poulets.

Ein Bauer im Wohnquartier hat einige Milchkühe. Ein Nachbar macht aus seinem Hauseingang einen kleinen Laden.

Alex organisiert einen Käser von den „Colinas del Sol“ mit wirklich gutem Käse: frischer Kräuterkäse zum Streichen, Camembert wie Délice de Bourgogne, einen weissen, harten Frischkäse mit vielen Löchern wie ein Sieb, Parmesan. Ein Glückstreffer für uns.

Einmal pro Woche darf Alex zum Metzger. Er brachte uns ein feines Lomo, das sofort im Kühlschrank verschwindet, Poulet-Brust und schönes, mageres g’Hackets.

Lomo mit Gemüse, frischen Pilzen, Kartoffeln

Beim Gemüse dürfen wir nicht allzu wählerisch sein: nicht alles ist frisch aus dem Garten, der Salat meistens etwas schlampig. Aber Tomaten, Gurken, Karotten gibt‘s genug.

Bei den Kartoffeln haben wir eine Andine Auswahl: der Ursprung dieser Knollen liegt ja hier in den Anden, mit hunderten Sorten. Grosse, kleine, gelbe, rote, violette, rosarote, gleichförmige und komplett verzworgelte, mit unterschiedlichem Geschmack und unterschiedlichen Kochbedingungen, frühe, späte, solche aus grosser Höhe über 4500müM, solche aus dem Tiefland. Viele werden getrocknet als weisse Knollen verkauft. Die Verkäuferinnen wissen immer genau, wie sie zubereitet werden, geben gerne Tipps ab.

Daneben sind Gemüse erhältlich, die wir nicht einmal von der Form her kennen. Die Caigua (Inka Gurke) ist eine Art spitze Paprika, aber völlig verschieden. Roh sei sie unbekömmlich, müsse gekocht werden. Das haben wir versucht: Caigua, gefüllt mit g‘Hacketem und kleinen rosaroten Andenkartoffeln an einer Hoisin-Sauce.

Wirklich fein! Heidi bekommt Blàhungen davon.

Saubohnen sind riesige Bohnen mit Kernen, nur diese werden verwendet. Gibt mit Teigwaren, Tomaten, Frühlingszwiebeln, Pecorino (oder bolivianischer Frisch-Käse) frischen Saubohnen nach einem alten sizilianischen Rezept der Spitzenköchin Anna Sgroi ein wunderbares z’Nacht.

Ein Art Kürbis zum Kochen.

Bei den Früchten ein ähnliches Bild: die Bananen gleichen nur dem Namen nach unseren Chiquittas. Ihre Formen, ihr Geschmack sind jedoch vielfältiger, manchmal fein-fruchtig, manchmal eher mehlig, eher Kochbananen.

Die Bolivianischen Orangen sind ebenfalls sehr ungewohnt: komplett grüne Schale mit leichtem Mandarinen Duft, extrem saftig mit einem harten, trockenen Fruchtfleisch, ähnlich wie Pomelos mit den einzelnen Zellen. Der Geschmack ist eher fad, säuerlich mit einer Mischung aus Pomelo und Mandarine, keinen Orange-Geschmack.

In den Gärten wachsen überall Zitronen und Limetten.

Die Äpfel sind eher 08-15. Offenbar aus marktwirtschaftlichen Gründen eingeführt.

Im tropischen Tiefland wären viel Exoten erhältlich: Chirimoya, Guanabana, Starfruit, Mango, Cupuaçu, Baumtomaten. Die sind hier rar.

Wir kennen noch nicht alle Tonsignale auf der Strasse: mal sind es die Gemüse- oder Früchte- Händler, mal ist es der Gas-Lieferant, mal die Kehricht Abfuhr alle rufen ihre Dienstleistung aus. Wir rennen oft vergebens zum Eingangstor.

Da unsere Aufenthaltsbewilligung abläuft suchen wir eine Lösung über die Botschaft. Sie bekommt ein Schreiben vom Außenministerium, dass alle Aufenthaltsbewilligungen automatisch über die Quarantänezeit verlängert werden. Für den Camper gibt es noch keine definitive Lösung, da der Zoll nicht voll arbeitet. Trotzdem sind wir zuversichtlich, dass auch hier eine pragmatische Lösung gefunden werden kann.Wir stellen Alex schon eine Vollmacht aus, damit er bei Bedarf den TIP beim Zoll verlängern kann.

Der Corona-Alltag beginnt mit dem Morgenessen, Rührei mit Salz, Brötli mit Butter und Vierfrucht-Konfi, Kaffe. Jeden Werktag, wenn die Arbeiter im Spritzwerk ebenfalls das Morgenessen bekommen.

Wir beginnen mit den neuesten Nachrichten, lassen uns dabei aber nicht zu stark nervös machen. Das kann sich hinziehen, wir haben ja viiiiel Zeit.

Daneben immer wieder Kleinigkeiten:

  • Wasserfilter wechseln
  • Port á Potti leeren, reinigen
  • Die WC-Tür der Toiletten Anlage flicken
  • Die Schiebetüre zum Aufenthaltsraum schmieren
  • Die Glas-Eingangstüre zum Aufenthaltsraum richten
  • Rasen mähen
  • Rasen zusammenrechen, wegräumen
  • Home Trainer reparieren, Fitness Geräte vorbereiten
  • Fitness Geräte auch nutzen! H: 30min, W: 10min (dann droht Milchsäure in den Muskeln)

  • Haare schneiden (H<->W) Unser Coiffeur hat immer offen. Die Distanzen halten wir nicht ein.
  • Haare färben
  • Brot backen

  • Kooka waschen
  • Grosse Wäsche waschen lassen
  • Kleine Wäsche zwischendurch
  • Bett neu anziehen
  • Kooka Reifen Aufpumpen
  • whot – Fotos bearbeiten, Berichte fertigstellen und aufschalten
  • Tägliches Fitness Programm (wenigstens eine von uns)
  • Bedienungsanleitung der Bose-Kopfhörer studieren. Es ist ja verrückt, was die alles können
  • Musik hören
  • Internet
  • Lesen
  • Foto Session in Garten und Betrieb

Das Ganze wird immer wieder unterbrochen von der Frage: was wollen wir essen/kochen?

Für den Apéro ist uns der Wein ausgegangen. Die letzte Flasche Portwein leert sich unheimlich schnell. Noch ein paar Dosen Bier für unser BiCoWa-123. (Bier-Cola-Wasser im Verhältnis 1:2:3, gar nicht so schlecht wie es tönt)

Am Sonntag bringt uns Alex einen Teller mit Gefülltem Rinds-Filet mit Reis, sehr geschmackvoll. Der Reis wurde mit gehackten schwarzen Oliven und roten Zwiebeln dunkel eingefärbt und ist sehr gut.

Das Filet ist mit Schinken und Käse (dem Lochkäse aus der Käserei!) gefüllt, auf dem Grill gebraten, sehr gut gemacht.

An Ostern wieder eine Platte mit gegrilltem Rindfleisch, Chorizo, Gschwellti und Risotto. Sehr fein! Wir schätzen Alex‘ Hobby, die Sonntags-Parillada, immer mehr!

Es gibt gute Gründe, den Heimweg so rasch wie möglich anzutreten. Nach einem Monat hat Bolivien die 300-er-Corona-Grenze überschritten, die nächsten Schritte werden grösser als bisher. Kürzlich wurde die Stadt Montero von der Umwelt militärisch abgeriegelt. In Santa Cruz werden die Massnahmen drastisch verschärft, weil sich die Leute nicht an die Vorschriften halten und „wie normal“ sich in der Stadt aufhalten. Militär wird die Einhaltung überwachen und Fehlbare müssen mit groben Strafen (bis 3 Jahre Gefängnis) rechnen. Santa Cruz ist die am stärksten betroffene Region. In 3 Nächten wurde die ganze Stadt (3500km lokale Strassen) komplett desinfiziert. Die Stadt ist ein Zentrum für Landmaschinen und die umliegenden Farmen haben viele Pestizid-Spritzmaschinen zur Verfügung gestellt: 150 Spritzmaschinen und 300 Tanklaster. Andere Städte wie San Ignazio de Velasquez wurden ebenfalls desinfiziert mit Hypochlorit, hat uns Ruedi mitgeteilt.Vor unserem Garten fuhr ebenfalls eine Spritz-Equippe durch. In El Alto / La Paz machen sie auf alternativ: Sprühvorrichtungen verteilen Eucalyptus, Wiri-Wiri, Kamillen Duft „zur Stärkung des Immunsystems“

Aus Ecuador erreichen uns Horrorgeschichten von Leichen auf der Strasse, die bereit zum Abtransport herumliegen. Alex‘ Mutter ist guter Dinge: die Bolivianer seien schon lange die Armut gewöhnt, immer wieder Krankheiten und krankmachenden Keimen ausgesetzt. Sie hätten ein gut trainiertes Immunsystem.

Es gibt aber auch gute Gründe, die Abreise zu verschieben. Die Situation in Europa, der Schweiz ist noch nicht rosig, obschon der Bundesrat vom Licht am Ende des Tunnels redet und Szenarien für eine Rückkehr zur Normalität entwickelt. Was Bolivien in einem Monat schafft, macht die Schweiz locker in einem Tag. Zudem sind die Reisebedingungen alles andere als einfach: Bisher wurden ein paar wenige Rückführungs-Flüge von der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Holland aus Südamerika durchgeführt. Die Familie Frei muss vorerst wieder aussteigen, weil ihre Plätze für die Crew reserviert seien. Auf den Flughäfen sehen wir Szenen, die wir lieber nicht erleben wollen: dichte, durcheinander gewürfelte Meute, manchmal für den nächsten Flug in Warteposition gesetzt. Ein Bus mit Rückkehr-Touristen donnert in einen Felsen.  Aber meistens klappts doch noch und dann sehr schnell: am nächsten Morgen bekommen wir schon die Grüsse von zu Hause. Die Gruppe „Suizos stuck in Bolivia“ wird stark dezimiert.

Wir haben Kontakt mit einigen gestrandeten Overlanders in Südamerika: René & Brigitte sind in Pilpichaca / Peru auf 4000müM zwar nicht glücklich, können dort aber vorläufig überleben. Roberto & Vreni mussten ihren Platz in Arica / Chile räumen: das Militär hat ihn beschlagnahmt. Am neuen Platz wurde Vreni von einem streunenden Hund gebissen. Die Wunde heilt gut aus. In Cafayate / Argentinien stecken Chris & Angie, Andrea & Marco, Marcus mit seiner Hündin Frieda, Patrick & Beatrice, Peter & Marita fest. In Cuzco, Peru harren Udo & Brigitte mit ihrem Hund aus, in Santa Teresa, Uruguay warten Susanne & Ueli auf bessere Zeiten und in Guaratuba haben Ilse & Elmar eine Ferienwohnung bezogen, bis sie von Sao Paulo in den Schwarzwald wegfliegen konnten. Udo, Brigitte mit Chili melden sich plötzlich aus dem Baselbiet. Sie konnten kurzfristig über Lima zurückfliegen.Frau Baumberger von der Botschaft in La Paz kann uns plötzlich einen Flug anbieten: Cochabamba – La Paz mit Bus, Flug La Paz – Quito, Quito – Buenoa Aires, Buenos Aires – Zürich Abfahrt hier Freitag -Morgen um 6 Uhr, Ankunft Zürich Sonntag Mittag 12.40.

Sollen wir? Wollen wir? Müssen wir?

Die Aussichten für eine kurzfristige Besserung der allgemeinen Situation sind nicht gut. Mit diesem Flug sind die meisten Schweizer aus Bolivien weg, ein weiterer Flug ist nicht in Sicht und noch 2 -4 Monate hier bleiben ist auch keine Option. Wir melden uns an.

Plötzlich wird alles hektisch. Wir müssen packen, unseren Kookaburra „standfest“ machen, den CP und die Parking-Miete bezahlen, Bolivanos für den Bus nach La Paz besorgen. Die restlichen Lebensmittel aufbrauchen oder abgeben, nochmals im trauten Huli schlafen.

Von Martina vernehmen wir, dass das Pfadiheim im Byfang der Stadt Biel als Quarantänelager für angesteckte Corona-Opfer genutzt wird. Darauf haben wir gerade gewartet!

Die Behörden in Ecuador verlangen eine Verschiebung des Fluges La Paz – Quito, sie wollen keine wartenden Leute im Flughafen. Die Abfahrt in Cochabamba wird auf 11.15 verschoben. Wir werden vom CP abgeholt als erste von 11 Erw. + 2 Kindern, in ganz Cochabamba zusammen gesammelt.Ein Abschiedskomité.

Kurz vor der Abfahrt setzt Regen ein. Schliesslich treffen wir um 1 Uhr den Bus aus Santa Cruz.

Cordula nimmt’s mit der Desinfektion genau

Gemeinsames Foto mit Cordula Thöni, Honorarkonsul in Cochabamba.

Die Strecke durch die Stadt und über die Berge ins Altiplano kennen wir schon gut, aber anders. Wenig bis kein Verkehr, die Strassen fast leer.

Die meisten Geschäfte sind geschlossen. Fussgänger und Velofahrer mit Mundmasken.

Strassensperren mit bewaffnetem Militär bewacht.

Auf der Passhöhe La Cumbre liegt etwas Schnee.

Das Altiplano gleich: fast kein Verkehr, Strassen leer, Geschäfte geschlossen.

Eine desolate Situation für die Betroffenen

Langsam geht die Sonne unter und übergiesst die Landschaft imit einem magischen Licht.

Um 8 Uhr erreichen wir den Flughafen El Alto. Gähnende Leere.

Später tauchen Leute mit roten Windjacken auf: die Vertreter der Botschaft stellen ein paar Tische auf mit Empfangsbüro,

Tee- und Snacks, die Schweizerfahne und 2 Ketten mit den Kantonswappen zum Check-in Schalter. Frau Baumbergerist auch dabei. Alle Formalitäten werden vorbereitet, wir können den Flug einchecken, das Gepäck abgeben und warten.

Gegen 3 Uhr morgens bewegt sich der Tross durch die üblichen Kontrollen zum Gate. Boarding,Mit Temperaturmessung.

Abflug um 3.45 Uhr. Nach einem kleinen Imbiss ist Lichterlöschen. Der Flug ist ruhig. Wir erwachen neben dem Cotopaxi, dem höchsten Vulkan Ecuadors. Quito ist komplett im Nebel. Die Passagiere mit Ziel Quito können aussteigen, wir müssen noch 1 1/2 Stunden warten., dann können wir über das Flugfeld zur A-340 der Edelweiss wechseln.

Nach einer Stunde wollen die Motoren nicht starten, wegen der Höhe. Quito liegt auf fast 3000müM. Um 12.30 können wir endlich starten. Der Flug nach Buenos Aires dauert 6 Stunden. Hier steigen weitere Heimkehrer ein. Das Flugzeug wird fast vollständig gefüllt, über 300 Passagiere. Der Flug ist ruhig, das Filmangebot wird genutzt. Müde verschlafen wir den langen Flug. Endlich, nach 18 1/2 Stunden landen wir in Zürich.

Das Aussteigen erfolgt wegen den Corona-Bestimmungen gestaffelt in kleinen Gruppen, zieht sich deshalb sehr in die Länge. Wir sind erstaunt, dass keine Corona-Prüfungen gemacht werden: Befragung zum Befinden, Temperaturmessung etc. nichts. Die Pass- und Zollkontrollen sind zügig, auf den Gepäckbändern warten schon unsere Koffer und beim Eingang erwartet uns Elsi.Wir trinken beim Beck vor der Migros einen Distanz-Kaffe, kaufen ein paar Sachen im Laden und fahren mit dem Zug nach Biel. Der Zug ist recht gut besetzt, wir achten darauf, dass die andern Passagiere den Abstand einhalten. Wenige Leute tragen, wie wir, eine Gesichtsmaske.  Zum ersten mal seit Jahren erleben wir wieder einmal einen grünen Frühling mit (viel zu früh) blühenden Kirsch- Apfelbäumen Flieder.

Herrlich. Ein Taxi bringt uns um 18.30 in den Byfang, nach seehr seehr langen 59 Stunden. Müde, aber doch zufrieden, feiern wir unser Ankunft mit einem Freixenet mit Sushi. Wir sind wieder zu Hause.

Ein besonderer Dank geht an die vielen Mitarbeiter und Vertreter des EDA, ganz besonder Frau Thöni in Cochabamba und Frau Baumberger in der Botschaft La Paz. Sie haben alle eine unglaubliche Leistung vollbracht mit der Organisation und Koordination der Repatriierungsflüge aus allen Erdteilen in die Schweiz. Das war sicher nicht immer einfach, vor allem, wenn die gestrandeten Personen nervös, ängstlich und manchmal sehr fordernd waren..Danke, Merci, Gracie. Grazia figt!

Der ungebetene Reisebegleiter 14.3.-21.3.2020

Wieso rasen wir 200km durch Nacht, Regen und Nebel über einen 4500m hohen Pass auf einer Strecke, die wir schon einmal gefahren sind, vorbei an Felsbrocken mitten auf der Strasse, vorbei an Strassensperren, hinunter nach Cochabamba, das wir vor einer Woche verlassen haben mit Ziel Chile?


Nach 5 faulen Tagen verabschieden wir uns von Carolina und Jochen. Wir müssen bald unsere Aufenthaltsbewilligung verlängern, deshalb ist unser nächstes Ziel die Chilenische Grenze, aber nicht zu schnell, wir haben noch zu viele Frischprodukte.

Wir füllen unsere Reserven im Hiper-Maxi, unter anderem Coca-Tee gegen den Höhenkoller. Nach dem Volltanken geht’s dann durch den hektischen, dichten Stadt-Verkehr Richtung Oruro. Unser Ziel ist der NP Sajama mit dem imposanten Vulkan gleichen Namens. Bald steigt die Strasse in die hohen Berge, die Cordillera del Confital. Wir bleiben auf 3260müM beim Llavini-Viadukt, der alte Strassentrack hinter dem Viadukt.

Wir wollen nicht zu viel Höhenunterschied. Der Platz ist ein iOverlander-Eintrag wert. Im Canyon hinten eine luxuriöse „Toilette“ mit Spülung vom Bach, ein grosser, flacher Platz. Der Straßenlärm sollte sich in Grenzen halten. Wir verschlingen nach dem Apéro das Grill-Poulet vom Hiper-Maxi.

Die Nacht ist erstaunlich ruhig, bald kein Verkehr mehr, der nimmt erst am Morgen wieder zu. Zuerst Sonnenschein, dann bewölkt. Wir fahren auf der F4 weiter in die Höhe, bis 4500müM bei La Cumbre. Es herrscht sehr viel Lastwagen- und Busverkehr in beiden Richtungen, überholt wird bei jeder sich bietenden, teils riskanten Gelegenheit. Niemand will hinter einem laaaangsamen, überforderten Laster dahinkriechen.

Weite Tiefblicke öffnen sich, mal links, mal rechts auf eine karge Landschaft mit steilen Matten in den Felsen, kleinen Dörfern mit zerfallenden Adobe-Lehmhäusern, gelegentlich einzelne Lamas. Eine Ölpipeline folgt der Strasse über die Berge. Einsetzender Regen führt zu triefenden Rinnsalen über die Felsen. Wir begegnen Schnee- oder Hagel-Resten. Die Bäche schwellen rasch und braun an. Die Regenzonen sind örtlich begrenzt.. Nach La Cumbre ist die Strasse zur 4-spurigen Autobahn ausgebaut. Nun muss man nicht mehr hinter den ganz langsamen Lastwagen hinterher zotteln, warten bis ein seltenes, gerades Strassenstück ein Überholen erlaubt. Bei Caihuasi-Ocotavi erreichen wir die Altiplano auf 3700-3800müM. Diese „Hoch-Ebene“ reicht fast 1000km, vom Titicaca-See in Peru bis über den Salar de Uyuni hinaus. Hier wird viel Landwirtschaft betrieben: Felder grob gepflügt,

Quinoa leuchtet in diversen Farben: rot, gelb, grün. Die Strecke Caracollo – Ancotanga ist ein einfacher Feldweg, ausgewaschen. Ein Gewitter zieht über den nahen Bergen auf. Wir verstecken uns in der Kiesgrube bei Ancotanga, sie ist windgeschützt. Es ist kalt, wir verschwinden im trauten Heim. Wir merken die Höhe: rascher Atem, doppelte Kochzeiten! Wir überlegen uns einen alternativen Reiseplan: statt weiterhin gegen den Winter in den Bergen zu frieren, wieso nicht hinunter an die warme Küste und nach Norden an die Karibik und im nächsten warmen Sommer in die Berge?

In der Nacht 10°C bei leichtem Regen, am Morgen trocken, die Sonne scheint warm. Wegen der Kälte war die Kiesgrube gar kein schlechter Platz, wir könnten sowieso die Gegend nicht geniessen.

Wir fahren auf der F31 weiter Richtung Sajama NP. Zuerst noch Asphalt, bis La Joya. Eine Brücke überquert den grossen, viel Wasser führenden Rio Desaguadero. Er entwässert den Titicacasee in den Salar de Uyuni. Wir passieren einen grossen Flugplatz mitten im Nowhere. Militär? Minen? Oder wegen dem Kraftwerk? Eine grosse Photovoltaikanlage für 50MW ist im Bau.

Vor uns haben wir eine kräftige Regenfront, die sich gegen unser Ziel hin bewegt! Nach La Joya wieder eine Dreckpiste im wahrsten Sinn des Wortes: der aufgeweichte Schlamm spritzt am Kooka hoch. Zum Glück gibt es grosse Pfützen! Links eine niedere Bergkette, rechts eine Salar-Ebene soweit das Auge reicht (und die tiefen Wolken es zulassen).

Viele Ackerfelder mit Quinoa, Lamas, Alpakas und viel Wasser. Vereinzelt ein paar Flamingos und Wasservögel. Ab San Pedro de Totora eine luxuriöse, neue Autostrasse bis zur F4. Diese durchquert eine Hügelkette mit vielen, farbigen Sandsteinformationen.

Die Abzweigung Richtung Ojsani ist ein ausgewaschener Feldweg durch eine spannende Landschaft: Wasser- und Wind-Erosion formten aus dem Sandstein viele skurrile Felsen-Figuren:

 

Säulen, Kugeln, durchlöcherte Fantasie-Gebilde. In der Ferne zeigt der Nevado Anallajsi seine schneebedeckte Spitze. „Unser“ Vulkan Nevado Sajama ist ganz in Wolken verhüllt. Wir passieren viele halbverlassene Kleinstdörfer, teilweise mit halbverfallenen Kirchen.

In den Bofedales weiden sehr viele Lamas, Alpakas und Guanacos. Nach Caripe wäre ein schöner Ausguck auf die weiten Bofedales mit den Lamas und im Hintergrund der majestätische Vulkan Sajama.

Leider zeigt er nur sein Knieröckchen.

Plötzlich rennen  grosse „Hasen“ über die Strasse, mit langen Schwänzen: Cuvier Hasenmaus Lagidium viscacia

   In Tonarapi werden wir von Community-Mitgliedern empfangen. Darunter Tivo, das aufdringliche Mascottchen der Community.

Sofort werden uns im Officina die Parkbillette verkauft. Auf einer kurzen Führung besuchen wir die alte, renovierte Kirche, das Restaurant mit Laden.

  

 

Wir bestellen ein Nachtessen und kaufen Handschuhe und eine Mütze. Im Camper wärmen wir uns mit Tee, Kaffee, Rohschinken und Käse auf. Zum Nachtessen im Eco Hostel gibt es eine feine Kartoffelsuppe mit Gemüse, Quinoa, ein dünnes Schnitzel (Lama? Rind?) und Kuchen als Dessert mit Tee. 2 Amerikanerinnen und ein Mexikaner sind mit von der Partie. Die Leute der Community teilen ihre Aufgaben im Turnus auf: Tourist Office, Empfang, Küche, Bedienung etc.

Wir parken direkt vor dem Hostel. Regen in der Nacht, 10*C, die Toilette ist geschlossen.

Der Wecker weckt uns zum Morgenessen im Eco Hostel: Omelette (mit Milchpulver, Kakao Pulver, Konfitüre, eine Eigenkreation), Brot, Cracker-Biscuit, Spiegelei, Tee oder Kaffee. Das Wetter ist bedeckt. Der Vulkan versteckt sich hinter dicken, „tiefen“ (etwa 4800müM) Wolken.Dafür gibt es ein Modell der Umgebung und in Hostel ein Fot mit Sonnenschein.

Der Ausblick wäre wirklich schön! Wir packen und fahren zur nächsten Etappe: die Laguna Huayna Khota. Sie enttäuscht uns mit 2 Flamingos, ein paar Enten, vielen Mücken und Fliegen.

Vicuñas

Also nächstes Ziel: Thermal Bath. Kurz vor dem Rio Sajama steckt der Viehtransporter von Amadeo und seinem Sohn Joshua im tiefen Dreck fest. Wir können mit Sandblech, Abschleppseil und der Seilwinde raus helfen.

Die Durchfahrt durch den Schlamm und die anschliessende Flussquerung erscheinen uns zu riskant, wir kehren um.

Nächstes Ziel: die Geysire lassen wir aus, der Weg dorthin sei nicht völlig fahrbar.

Also Papel Pampa: Hier ist der Fluss zu hoch. Was nun?

Der NP Sajama lässt uns im Stich: zur falschen Zeit hier: Regenzeit, kalt, viel Wasser.

Ein SMS von Christoph rät uns, in die Schweiz zurückzukehren. Der Bundesrat empfiehlt die Rückkehr von allen Schweizern im Ausland: die Gesundheitsvorsorge wegen dem Coronavirus sei besser gewährleistet als im Ausland. Wir werden uns das überlegen, vorläufig sind wir in den Hochanden recht sicher.

Wir verlassen den NP Richtung Colchane, sind aber für einen Grenzübergang nach Chile zu früh dran, zu viele frische Lebensmittel. Ab der F4 folgen wir einer Minenstrasse nach Chachacomani und auf dem Feldweg der Bergkette entlang weiter bis Macaya.

Überall kleine und grosse Wasserpfützen auf und neben der Strasse. Überall kleine Bäche.

Einige werden ruckelig umfahren, andere waschen den Kooka oder spritzen ihn voll mit Schlamm. Vor uns braut sich eine Gewitterwand zusammen.

Zum Glück zieht sie über die Ebene.

In Macaya eine Militärkontrolle. Im Dorf hält uns ein Mann auf. Wohin wir wollten? Richtung Cochane! „Da ist kein Durchkommen, der nahe Rio Lauca führt zuviel Wasser, keine Durchfahrt möglich. Die einzige Brücke befindet sich in Sacabaya. Es gibt einen kleinen lokalen Feldweg quer über die Ebene, kein allzu grosser Umweg“.

Aber er führt uns mitten ins Gewitter hinein. Heftiger Regen, Blitz, Donner und Hagel verwandeln die Gegend in eine wassergetränkte weisse Geister-Landschaft.

Die Wasserlöcher werden unheimlich tiefer, die Umfahrungen sind ebenfalls überschwemmt. Eine vermeintliche Umfahrung führt uns zu einem kleinen Gehöft, viele Wege führen weiter. Zum Glück weist uns der Bauer den richtigen Weg. Eine kleine Flussdurchfahrt schaffen wir gerade noch. Endlich erreichen wir den Haupt-Feldweg.

Beim Rio Sajama bleiben wir in der Nähe von Wila Kkolki auf einem guten Platz über Nacht. Hoffentlich steigt er nicht über das Ufer. Wir heizen den Kooka auf 20*C, nehmen die Wolldecke hervor.

Die Nacht ist kühl, drinnen 10*C. Wir schlafen ausgezeichnet. Wetterbesserung am Morgen, bald scheint die Sonne warm wir haben einen wunderschönen Platz, bleiben also noch einen Tag.

Am späteren Nachmittag ziehen über den Bergen dicke, dunkle Wolken auf mit Regenfronten. Kommen die auf uns zu? Wäre eine Weiterfahrt nicht besser? Wir spekulieren, dass die Regenfronten kaum bei uns kräftig abregnen. Wir bleiben und geniessen den Platz am Fluss. Das Wasser steigt merkbar, offenbar regnet es im Einzugsgebiet kräftig.

Viele Lamas / Alpacas und vereinzelte Vicuñas grasen in der Nähe, Wasservögel geniessen die Wasserflut. Bald setzt leichter Regen ein. Wir verziehen uns in den wärmeren Kooka. Lesen und Fotos bearbeiten.

Wir bekommen SMS und Anrufe von Christoph und Simon: Corona-Alarm. Wir rufen über das Satphone zurück. Sie machen sich Sorgen wegen uns Risikopersonen. In der Schweiz wird in den Stuben mit den Kindern gespielt. Der BR empfiehlt die Rückreise aller Schweizer. Wir bleiben vorerst in den Anden, fahren dann an die Küste runter und können uns dort besser informieren.

Wir geniessen einen Gemüsemix mit Rinderfilet, mmmmhh, ist das fein.

Am Abend wieder heizen. Lesen und Musik hören – bis halb vier, dann ist das Buch fertig!!

Wir schlafen bis zehn Uhr. Draussen scheint die Sonne, in der Nähe weiden Schafe, mit Kinder-Hirten. Ein paar der Vulkane sind nun sichtbar.

Das macht unsere Toilette nicht gerade privat! Nach dem Morgenessen werden alle nicht Grenz-tauglichen Lebensmittel gut verpackt, versteckt. Der Weg zur Grenze in Pisiga Bolivar, 120 km, entlang der Gebirgskette über die Ebene, ist nicht gerade einfach. Viel Sand, Schlamm, Wasserlöcher, Ausweichwege (die auch nicht besser sind).

Bei Sacabaya überqueren wir den hochgehenden Rio Lauca. Ja da wäre nur Durchschwimmen möglich gewesen.

Wir würden den Umweg nicht jedem empfehlen! Zu viele unsichere Verzweigungen. Ohne hohe Bodenfreiheit, 4WD mit Reduktion und Diff-Sperre könnten einige Schlammlöcher zu Fallen werden. Das Wasser ist zeitweise über 60cm tief. Zu allem Übel zieht noch ein Gewitter auf, mit heftigen Blitzen, leichtem Regen und Hagel. Der Weg zwischen Sacabaya, Quea Queani, Agua Rica ist ein zu viel benutzter Feldweg, tiefe Schlammlöcher und wenn befestigt, dann mit üblem Ripio.

Hier führen meistens Parallel-Pisten etwas ruhiger durch Schlammlöcher. Die ganze Strecke ist entweder ein Horror oder ein Genuss, je nachdem wie gerne man solche Pisten fährt. Im Fahrzeug sind beide Seiten vertreten.

Wenigstens gibt es schön farbige Quinoa-Felder zu bestaunen

Im Rücken die Cordillera Cabaray

Vor uns der dunkle Cerro  Cariquima in Chile

Von Simon haben wir vernommen, dass Bolivien und Chile die Grenzen seit heute dicht gemacht haben. Wir fahren trotzdem hin, denn unsere Aufenthaltsdauer in Bolivien läuft bald ab. Endlich erreichen wir die neu asphaltierte F12. In Pisiga Bolivar holt uns dann der Corona-Ernst ein:

Militär mit Schusswaffen, Strassensperre und die Auskunft: Chile lässt nur noch Chilenen einreisen. Keine Ausländer. Und Bolivien lässt auch niemanden mehr rein. Von der Migration bekommen wir keine Verlängerung, die müssen wir in Oruro einreichen. Wenigstens bekommt Kooka 3 Monate Verlängerung in Bolivien. An der chilenischen Grenze offeriert Claudio, als Vertreter der Chilenischen Regierung für Morgen ein Gespräch, vielleicht gibt es doch noch ein Schlupfloch. Wir parken am zentralen Platz, suchen dringend eine Toilette. Die sind in Pisiga eine Rarität und das Baño Publico ist nachts geschlossen. In einem Restaurant essen wir ein Menü: Quinoa-Gemüse-Suppe mit einem zähen Stück Fleisch. Kein Baño! Wir aktivieren unser Port á Porti. Gar nicht so schlecht.

Die Nacht ist sehr ruhig, einzelne Passanten. Am Morgen gehen wir, ohne z‘Morge zum Chilenischen Zoll: Claudio hat keine andere Nachricht: die Grenze ist dicht, vorläufig. Wir vernehmen, die Migracion in Oruro sei bis 3 Uhr geöffnet. Mit der Stunde Chile-Zeit, reicht uns das für die 240km, wenn wir sofort gehen und durchfahren. Die gut ausgebaute F12 führt fast schnurgerade über die flache Wüstenlandschaft.

Wir kommen mit flottem Tempo vorwärts. Eigentlich schade, die Landschaft hat was zu bieten: frisch verschneite Vulkane, farbenfrohe Lamas und Alpacas, riesige Quinoa Felder, schnell fliessende, trübe Flüsse, Lagunen und Salzseen, farbige Dörfer (Evo Morales hat offenbar jeder Familie ein farbiges Dach geschenkt).

Und für Gaffer: Ein Tanklastenzug verfehlt die Strasse, Tankerkollegen helfen dem Unglücklichen. Er hatte Glück im Unglück.

Kurz vor Oruro eine Strassensperre mit Militärunterstützung: Oruro sei unter Quarantäne, geschlossen für Fremde.

Aber wir müssen doch zur Migracion! Die hat um 13 Uhr geschlossen, ist erst wieder am Montag Morgen offen. Ein Missverständnis:13: treize, 3: trés? Egal, nach langem hin und her („ihr müsst wieder zurück nach Chile! Oder zurück, und Oruro weiträumig umfahren“, dh. Wieder durch die Sumpflöcher. Nein) können wir schliesslich doch Oruro durchfahren, ohne Anhalten, mit geschlossenen Fenstern, vorbei am Lago Uru Uru,

auf der andern Seite der Stadt bei einer Therme einen Platz aufsuchen und am Montag zur Migracion gehen. Am Montag sei die Quarantäne aufgehoben. Die Quarantäne in dieser Stadt haben wir uns etwas anders vorgestellt: dichter Verkehr, Verkaufsstände, sogar der grosse Markt ist offen. Man kann ja das tägliche Leben nicht komplett unterbinden. Wir finden die Therme Obrajes. Sehr schönes Bad, gute Plätze zum übernachten – aber leider wegen der Quarantäne geschlossen, strikt verboten. Etwas weiter oben leuchten gelbe „Felsen“.

Über einen holprigen Feldweg gelangen wir dorthin. Es ist eine Art Lehmgrube. Plötzlich setzt ein heftiges Gewitter ein, mit viel Regen und Hagel. Unser Standplatz wird sofort überflutet. Wir fliehen zu einem anderen Platz, mitten in Quinoafeldern bei Soracachi. Der ist noch trocken. Der fehlende Kaffe macht sich mit Kopfweh bemerkbar. Umpacken und schnell einen Kaffe trinken. Aah tut das gut. Wir können die versteckten Sachen wieder hervorholen.

Ein bisschen Internet funktioniert, wenigstens die SMS. Alarm von Simon: Bolivien wird ab morgen eine Verkehrssperre zwischen den Regionen einführen. Wir brechen sofort auf nach Cochabamba, das wäre morgen vielleicht nicht mehr möglich. 200km, nachts, bei Regen und Nebel, viele Lastwagen, vorbei an Felsbrocken mitten auf der Strasse, bis 4500müM hinauf und runter auf 2500m, kein Zuckerschlecken. Überall Militär und Polizeisperren. Sie lassen uns bis Cochabamba durchfahren, doch in der Stadt gilt ein striktes Nachtfahrverbot. Wir müssen am Trottoirrand übernachten. Wir verschlingen und trinken noch etwas, dann legen wir uns ins Bett und harren der Dinge, die da kommen sollen. Gelegentlich Lastwagenverkehr. Lebensmitteltransporte sind zugelassen.


Nun hat also der Coronavirus auch Bolivien erreicht , nachdem die Schweiz schon auf Hochtouren ausflippt und rotiert. 3 Fälle sind bekannt geworden: 1 in Oruru, 2 in Santa Cruz. Der Flugverkehr zwischen Bolivien und Europa soll unterbrochen werden. Scheint mir auch richtig in Anbetracht der prekären hygienischen Verhältnisse, die hier kaum zu kontrollieren sind und einem auf den täglichen Bedarf zugeschnittenen Gesundheitswesen. Auf jeden Fall haben wir uns auch mit Mundschutz und Wodka zur Händereinigung (!) eingedeckt.


Bolivien 26.2. – 13.3.2020

Wir parken wie vor 2 Jahren, weit weg vom offiziellen Grenzübergang Corumbá / Arroyo Concepción. Die Immigration hat noch eine Multa offen, die wir ihnen jedoch ausreden können, dann kommt der Stempel in den Pass und weiter zur Receita, dem brasilianischen Zoll. Hier ist der Stempel reine Formsache. Weiter zur Immigration in Bolivien. Etwas umständlich aber problemlos. Die 30 Tage können vor Ablauf verlängert werden. Bei der Aduana wird‘s kompliziert: wir müssen Kopien machen lassen, aber der Schalter schliesst für 2 Stunden! Bolivanos können wir besorgen und dann heisst es warten. Die Kopien bekommen wir bald im benachbarten Shop für ein paar Bolivanos. Bananen shoppen, ein Milanese essen, beim Zoll warten. Ein heftiger Regen setzt ein, verwandelt die Strasse in einen Wildbach. Die junge Schalterdame nimmt ihren Job sehr ernst. Es dauert, bis der Stempel endlich auf dem Zettel steht.

Nach der Grenze blochen wir auf der F4 3Std. Richtung Aguas Calientes. Vorbei an niedrigem Urwald, teilweise frisch oder früher abgebrannt.

Vereinzelt Vieh am oder auf dem Strassenrand. Gegen Abend treffen wir müde auf dem CP Tucan in Aguas Calientes ein. Wir geniessen eine kurze Erfrischung im warmen Flusswasser.

Die Nacht ist trocken und ruhig, abgesehen von einem Hund der irgend einem langsamen Viech hinterher bellte und vereinzelten Güter-Zügen auf der Bahnlinie. Ein herrlich warmes Bad am kühlen Morgen im warmen Fluss. Der Sand wäre schön, ist aber teilweise mit Schlamm bedeckt. Die kleinen Fische sind sehr aktiv im knabbern an unseren Beinen. Gegen Mittag entschliessen wir uns doch noch, weiter zu fahren.

Torre de David bei Chochis.

Serrania de Santiago

Bis San Ignazio ist es zu weit. Über die F4 bis San José de Chiquitos geht’s rassig, aber die F17 nach Norden ist happig: wir müssen den Reifendruck reduzieren:

Wellblech, grobe Steine, Löcher und lange Baustellen machen den Weg mühsam. Die anvisierten Schlafplätze sind inexistent oder unzugänglich, wir müssen bis San Miguel weiterfahren bis in die Dunkelheit hinein. Ist ja genau das, was wir schon immer wollten! Und das ist für das partnerschaftliche Raumklima nicht förderlich! Der Platz am See scheint in Ordnung zu sein, wir werden Morgen sehen.

Hoppla, gegen Mitternacht halten junge Leute mit Töff, Auto, lauter Musik, viel Gelächter und Gegröle eine Saufparty neben uns ab. Um 3 Uhr ist endlich wieder Ruhe. Da wir noch nicht im Bett waren, haben wir die Zeit mit Lesen verbracht. Am Morgen dann die Bescherung: Müll, Flaschen, Dosen überall. Wir räumen auf, legen alles fein säuberlich vor die Sitzbank. (Die Fotos sind im Mülleimer). Der Junge mit dem Töff kommt vorbei, sieht das Ganze verständnislos mit einem abwesenden Blick an. Sein Kopf scheint immer noch zu brummen. Wir packen und fahren Richtung San Ignacio weiter. Die Strasse ist übel: es wird gebaut, vorbereitet für den Bau, oder seit langem nicht mehr unterhalten, weil ja sowieso gebaut wird. Für die 40km brauchen wir fast 1 1/2 Stunden.

In San Ignacio fahren wir ins Zentrum, essen im „Food Court“ Fisch (+-) und Poulet (++) und kaufen im Mercado Central etwas Früchte ein.

 

   

Anschliessend erreichen wir Ruedi, Miriam, Toni und Heidi. Herzliches Wiedersehen. Wir bleiben auf dem neuen CP im Schatten grosser Bäume.

Es wird immer noch gearbeitet, gefräst, gebohrt. Aber die Anlage wird toll!  

Carlos baute eine schöne Freiluft-Dusche  

Bummel in die Stadt, wir suchen das Café Ame Tauna von Renate aus Österreich, mit WiFi. Leider erst ab 4 Uhr offen.

  

  Im Markt finden wir noch etwas Früchte und Gemüse. Und im „Food Court“ essen wir ein Chuletta mit einem kleinen Salat.

Bei Renate gibt‘s dann doch noch eine Glace mit WiFi. Toni ist jeden Tag um vier hier. Am Abend die übliche laute Musik

Wir sind eingeladen zu einem feinen Brunch mit der ganzen Familie.

Ein böser Käfer legt mich flach: Brechdurchfall, Gliederschmerzen, Fieber. „Cook it, peel it or forget it!“ wäre doch besser gewesen. Die Hängematte ist ein Segen. Am Sonntag die übliche laute Musik

Nach einem Tag scheint der Käfer besiegt. Durchfall, Fieber und Gliederschmerzen sind weg, die Lebensgeister zurück. Fauler Tag mit Compi-Arbeit. Am Nachmittag Einkauf im Val-Mart. Auf dem Rückweg treffen wir Christa Frei S. vor ihrem Casa Suiza.

Die interessante Frau erzählt bei Kaffee und Kuchen etwas aus ihrem Leben, wohnt seit 46 Jahren in Bolivien, hat 5 Bücher geschrieben, Geschichten aus ihrem Leben in Versform. Spannend und lustig. Vor einem Jahr ist ihr Mann Horst gestorben. Ihre Tochter Barbara Hasen hat eine Schnapsbrennerei in Ottiswil, Grossaffoltern.

Am Abend lange Gespräche mit Ruedi.

Wir geniessen die Ruhe in Ignazio mit Lesen, Fotos bearbeiten und Webseite vorbereiten. Das aufladen braucht Stahlseil-Nerven.

Nach einer knappen Woche verabschieden wir uns herzlich von der ganzen Familie. Es war wieder toll mit euch. Wir wünschen euch viel Erfolg mit dem schönen, neuen CP.

Wir ergänzen im Val-Mart unsere Vorräte, tanken fast voll (erstaunlich, dass wir in Bolivien als Ausländer Diesel zum lokalen Preis tanken können) und sind wieder auf Achse. Über die gut ausgebaute F10 Richtung Concepción. Durch eine fast natürlich wirkende hügelige Waldlandschaft.

 

Gelegentlich indigene Dörfer. Vereinzelt Abzweigungen zu Haziendas. Wir bleiben auf dem schönen CP Las Piedras, genannt nach den grossen Monolithen..

Zur Büffelfarm gehört ein kleines Hotel mit Zimmern, einem See. Ein Naturparadies.

Eine Herde Büffel quert den See schwimmend, geniesst noch das Wasser.

Viele Capibaras mit Jungen grasen oder schwimmen im See. Viele Vögel und Papageien bevölkern das Paradies.

Am Morgen schwimmen 2 Mutterkühe mit ihren Kleinen durch den See, als Nachhut?

Die Hazienda hält 80 Wasserbüffel für die Cholesterin-freie Käseproduktion.

Der weisse, feste Käse ist wirklich sehr fein. Er wird nach Santa Cruz geliefert. Die Kühe werden von Hand gemolken. 6 Bedienstete schmeissen die ganze Hazienda und das Hotel mit 2 Dutzend Betten.

Das Restaurant ist nur offen, wenn genügend Betrieb ist, während der Carnevalszeit, der Semana Santa und anderen Ferienzeiten. Der Besitzer ist über 90, wohnt in Mexiko und den USA und will die Farm verkaufen. Ein Bijou!

Nachdem wir etwas Wasser in Bidons abgefüllt haben, geht‘s los. Durch eine bergig-hügelige Voralpen-Landschaft mit schönem natürlichem Wald. Kurvenreiche, gut ausgebaute, steile Auf-und-ab-Strasse, auf etwa 500müM. Verstreute Farmen. Bei San Ramon erreichen wir die Ebene auf 250müM. Diese queren wir, zuerst asphaltiert, dann kommt eine eckelhafte Sand-Staub-Piste mit enormem Lastwagenverkehr.

Die Gringo-Frau macht einen Super-Sau-job, fährt mit stoischer Ruhe hinter den Staubfahnen der Laster her.

Grosse Sojafelder werden bald durch Zuckerrohr-Felder ersetzt.

Der breite Rio Grande

Montero ist eine grosse Industriestadt mit einer grossen Zuckerfabrik, ein Nest für grosse Lastenzüge.

Endlich ist die neue Autobahn wenigstens 1-spurig fertig gebaut. In Buena Vista fahren wir an der Queseria Suiza vorbei, hinauf zur Hazienda y Hotel El Cafetal. Eine wunderbare Anlage mitten im Dschungel, mit grossartiger Weitsicht über die Wälder (Kaffeeplantagen?) zun NP Amboró und einem einladenden Swimming Pool. Leider ist ausser einem Hund und vielen Katzen kein Knochen zu finden. Wir kehren um, fahren in die Stadt zurück zum überteuerten CP Pozazul. Der Besitzer weiss, dass er der einzige ist in der Stadt! Es ist schon recht spät und wir sind beide müde von der langen Fahrt.

Nachts herrscht viel Verkehr auf der Strasse. Ich gebe ja zu, der CP-Wart und seine Frau sind sehr freundlich, die Toiletten sauber, die Dusche funktioniert und das Schwimmbad ist angenehm. Trotzdem bleibt die Wolle im Bauch wegen der Preis-Diskussion der bolivianischen Camping Plätze! Fauler Tag mit Waschen, Lesen, Schwimmen, Reise-Details planen. Gegen Abend gehen wir in die Queseria Suiza.

Der Käse ist „wie gewohnt“, einfach gut. Das Essen im dazu gehörigen Restaurant: Züri Gschnäzlets mit Rösti und Medaillons Café de Paris ungewohnt gut gemacht. Wir verzichten auf das Fondue!

Happy Birthday, z’Mörgele mit Blüemli.

Wir dürfen die Queseria Suiza besuchen.

Peter und Markus, ex Emmi-Mitarbeiter, betreiben die Käserei seit fast 20 Jahren, erst etwas mühsam, riskant. Nun läuft das Geschäft „gut“ im kleinen Rahmen, ca 500 lt Milch. Auf der Führung bekommen wir einen guten Einblick in die modern eingerichtete Käserei und die Reife-Keller.

Sie machen etwa 10 verschiedene Käse-Sorten, darunter Emmental, Gruyère, Buena Vista, Tilsiter, Reblochon, Raclette, Ziegenkäse, Sandwichkäse, am Wochenende noch Quark und Yoghurt natur. Sie haben ihre 24 Lieferanten unter vernünftiger Qualitäts-Kontrolle.

Vor der Weiterfahrt machen wir einen Abstecher zum Markt, kaufen Brot, Früchte, darunter Key-Limes, gelbe Limetten mit dem feinen Methyljasmonat-Geruch in der Schale. Dann weiter, auf die F4 Richtung Villa Tunari. Die F4 ist die Hauptverkehrsader zwischen Cochabamba und Santa Cruz. Die 4-spurige Strasse ist weitgehend wenigstens 2-spurig befahrbar, die restlichen Spuren sind im Bau. Sehr viel Lastwagenverkehr. Die Landschaft ist flach, rechts die flache Pampa, links etwas entfernt die Gebirgskette des Amboró NP. Immer wieder folgen Dörfer und kleinere Städte wie Chimorré.

Wir quere mehrere breite Flüsse mit viel Sand. Am Wochenende wird viel gebadet, sogar die Autos stehen im Wasser des Rio Rio Vinchuta.

Gegen Villa Tunari wird der Wald dichter, üppiger, natürlicher. Die Berge vor uns sind wolkenverhangen, Regen?

Grosses Sportzentrum für Adventure Sport

Der CP Leña Verde ist ein Naturpark. Wir werden vom Grossvater Hugo und 2 schönen blau-gelben Aras sowie 3 kleinen, wilden Hunden empfangen.

Ruhige Nacht, etwas Hundegebell, weil sich Leute in der Nähe bewegen. Etwas Donnergrollen. Beim z‘Mörgele offeriert Hugo eine Tour über das Grundstück. Er ist 78, die 55ha gehören der Familie seit über 50 Jahren. Seit längerer Zeit wird hier nicht mehr intensiv produktiv geerntet, sondern ein natürliches Erbe gepflegt.

  

Seine Philosophie deckt sich weitgehend mit unserer: „la naturaleza es la vida“. Es gibt viele Fruchtbäume mit tropischen Früchten, Blumen und Gewürzen,  

 

  

Kakao, Cupuaçu, Palmen, Bananen, Zitrus in diversen Sorten, Chili,

Starfruits. Wenn sie reif sind, sind sie erstaunlich süss und aromatisch, nicht sauer, erdig,herb.

Coca Pflanze

Grosse Schmetterlinge und kleine Kolibris schwirren um die Blüten. Viele ungewöhnliche Insekten und Wildbienen machen uns nervös oder neugierig.

Ein paar wenige Baum-Riesen haben die Holzfäller überlebt.

Ein Fluss schließt das Gelände ab, er soll früher viel mehr Wasser geführt haben.

Zurück im Camp löschen wir den Durst. Der Nachmittag wird sehr heiss. Gerade richtig zum Brot backen, in der Hängematte lesen. Die 4 Aras lassen sich von Hand mit Starfruits füttern.

Nachts folgt ein heftiges Gewitter mit viel Regen. Am Morgen 100% Luftfeuchtigkeit und 38°C warm, wir triefen nur so. Nach dem Abschied von Hugo fahren wir auf der F4 Richtung Cochabamba.

Durch Villa Tunari

Zuerst durch einen feuchten, natürlichen Berg-Regenwald, vorbei an vielen Baustellen auf den 3700m hohen Pass.

Nebel in der Höhe, die Temperatur fällt drastisch. Ein Elektizitätswerk nutzt die Wasserenergie über die grosse Höhendifferenz durch einen Druckstollen. Nach der Passhöhe wechselt die Landschaft: Kleinfelder-Landwirtschaft an steilen Hängen, vereinzelt verbuscht.

Unten grüsst die grosse Stadt Cochabamba.

Wir suchen zuerst einen Supermercado und dann einen CP. Las Lilas ist überraschend gut gemacht. Heisshungrig verschlingen wir ein Gnagi im Essig, fein. Ein CDN / CHL- Paar ist mit einem Kleinbus unterwegs.

Wir merken, dass wir die Strecke von Villa Tunari über den 3713m hohen Waqanqui-Pass bis Cochabamba auf 2600müM zu schnell angegangen sind: Druck im Kopf, leichter Schwindel, „Dizziness“ macht uns zu schaffen. Anzeichen von Höhenkrankheit! Da hilft auch der Maté-Coca-Tee nicht viel. Wir müssen die Höhe 4 Tage aussitzen und bleiben auf dem CP.

 

2 Holländer tauchen auf: Thijs und Rieneke  lebten viele Jahre in den USA und sind jetzt auf ihrer 2. Weltreise. Als junges Paar haben sie alle Kontinente bereist, sind jetzt mit einem Mercedes Sprinter Lastwagen mit Aufbau in SA unterwegs. Sie haben das Amazonasbecken von Quito bis Belem durchquert. Sie wollen das Fz in Quito stehen lassen, müssen in die NL zurück und ihr Wohnboot einrichten. Dann wollen sie weiter bis in die Antarktis.

Wir machen einen Ausflug in die Stadt, besuchen die grossen Märkte Las Canchas und 25.Mayo.

Arbeiten macht müde

Die Busse sind alt und sehr farbenfroh.

Sehr strukturierte Angelegenheit: die Schuhstrasse, Tortenstrasse, Kinder-Ballkleiderstrasse, Ess-Strasse, Gemüse- & Früchtestrasse, usw. in jeder Strasse hat jedes Geschäft etwa die gleichen Artikel.

  

  

Eine Ordnungs-Polizeitruppe macht eine Razzia: Ständer und Verkaufswaren, die in die Strasse hinein reichen, werden in einem Lastwagen abtransportiert.

Wir finden eine Fressbude mit gutem Essen.

 

Die Advokaten offerieren ihren Service offen

Mit dem Taxi gelangen wir abends wieder zum CP.Ein veritabler Skorpion rennt durch die WC-Anlage. Hab nicht geprüft, ob er sticht.

Jochen, Maschinenbauingenieur, repariert und optimiert die chinesischen Plastik-Spritzguss-Maschinen des CP-Besitzers. Er arbeitet hier ein paar Wochen im Auftrag eines Hilfswerks der deutschen Behörden. Interessante technische Gespräche.

Brasilien 17.2. – 26.2.2020

Die Grenze führt mitten durch die Stadt Pedro Juan Caballero auf dem Gras-Streifen zwischen 2 Strassen. Beim riesigen Maxi Hypermercado kaufen wir nochmals ein und beim noch grösseren China Shopping finden wir im Food Court einen echten Japaner, der uns wieder einmal nach Asien zurückversetzt. Einfach gut. Die Grenzformalitäten sind etwas kompliziert, da Zoll und Migration jeweils weit auseinander liegen. Exit Paraguay geht rasch und schmerzlos. In Brasilien müssen wir zuerst zur Migration am Flughafen. Die stellen fest, dass da noch eine Multa offen ist und kein Ausreisestempel existiert. Wir sind offenbar in Porto Soberbo nicht ordentlich nach Argentinien ausgereist. Wir können trotzdem rein. Die Receita Federal (Zoll) nimmt es sehr genau: wo ist der brasilianische TIP, der ist immer noch offen, obschon wir ihn bei Soberbo abgegeben haben! Vom Fz werden Nr und Plakette sauber abfotographiert, alle Dokumente kopiert, der richtige Versicherungsnachweis (nicht der alte) verlangt. Endlich können wir doch noch einreisen. Wir müssen den TIP als Kopie behalten. Wir sind recht spät dran, unser Ziel, Seu Assis 250 km entfernt. Wir suchen einen Zwischenstopp bei einer Tankstelle, diese ist jedoch geschlossen.

Die Fahrt über die Hochebene des Mato Grosso do Sul ist wie erwartet: km2-grosse Sojafelder, vereinzelt Mais, Zuckerrohr. Immer wieder riesige Silo-Anlagen. Km-fressen auf den gut ausgebauten Strassen. Nach Sonnenuntergang erreichen wir endlich, müde, etwas gereizt den CP Seu Assis bei Jardim. Wir richten uns knapp ein, vertilgen das halb-gare Poulet. Die Nacht ist mit 25*C erstaunlich frisch.

Die Nacht ist sehr ruhig. Am Morgen werden wir von Motorenlärm geweckt: heute ist grosser Gartentag: die Bäume werden mit Klein-Kettensägen „schön-gestutzt“, der Rasen wird geschnitten, mit nervösen Fadenmähern. Wir haben das grosse Los gezogen: die Arbeit reicht bis in die Abendstunden.

Wir sammeln ein paar frische Limetten auf, sie sind sehr sauer, haben leicht oranges Fleisch und sehr viel Saft. Das gestrige Huhn oder die Orange heute morgen verpassen uns „eine Unpässlichkeit“. Leichter Durchfall plagt uns den ganzen Tag.

  

Der Fluss hinten am Platz ist leicht trüb aber voll Fische, kleine wie grosse.

Ein gestreifter Putzerfisch knabbert an unseren Füssen, kitzlig – stechend. Wie wild schiessen die Fische auf herabfallendes Laub. Kurzes Gewitter mit Regen.

Am Abend tauchen 8 grosse, hühnerartige Vögel auf. „Motun“ nennt sie der Gärtner. Endlich, kurz vor Sonnenuntergang, kehrt Ruhe ein – bis die Zikaden loszirpen.

Am nächsten Tag besuchen wir den Rio Prata, etwas verspätet zwar, aber früh genug, denn wir sind den Brasilianern ein Stunde voraus. Das Recanto Ecológico Rio da Prata ist der touristische Teil der Fazienda, Es empfängt viele Touristen für das „once-in-a-lifetime“-Erlebnis: Schwimmen im glasklaren Wasser mit tausenden Fischen. Doch zuerst wird das Mittagessen serviert: ein üppiges Buffet mit div. Salaten, Poulet, Pork, Reis und Teigwaren in verschiedensten Zubereitungen und ein reiches Dessert-Buffet natürlich mit Dulce de Leche. Wären wir doch beim z‘Mörgele etwas zurückhaltender gewesen!. Um 2Uhr (Brasilien Zeit) werden wir instruiert und mit Schnorchel, Anzug, Brille und Schuhen ausgerüstet.

Mit einem Kleinlaster werden wir 7 Touristen zum Startplatz gefahren. Zu Fuss laufen wir noch ein halbe Stunde. Das ist speziell angenehm, bei diesen Temperaturen. Der dicke Neopren gibt nie so warm wie jetzt! Wir kommen an einer klaren Quelle vorbei. Mit einer Giesskanne bekommen wir eine Dusche zum Abkühlen dann erreichen wir den Startplatz, den Olho d‘Agua.

Im kleinen (50m) glasklaren See tummeln sich hunderte kleine und grosse Fische (es soll hier etwa 65 Arten geben. In einem, mit Steinen abgesteckten Feld dürfen wir den Boden berühren, sonst ist jeder Bodenkontakt zu vermeiden.

Das ist mit einem Neopren ohne Bleigürtel kein Problem. Wirbelnder Sand in Löchern zeigt die Wasserquellen an. Die Temperatur ist recht angenehm, um die 25*C. Die Fische lassen sich von uns nicht stören. Einfallendes Licht lässt deren Farben leuchten. Die grossen Doradas haben einen grimmigen Blick, sind ja auch die Könige des Flusses. Wir lassen uns im fliessenden Wasser treiben. Erinnerungen an unsere Tauchgänge kommen auf: das Riff schwebt vorbei. Wir geniessen die Treiberei, vorbei an versunkenen Baumstämmen, über grüne „Wiesen“, nahe am Ufer mit den überschwemmten Landschaften. Einfach herrlich. Bei einem Zwischenhalt knabbern die kleinen Putzerfische an unseren Beinen. Aus riesigen Sandlöchern wabern frische, klare Wassermassen aus dem Untergrund.

Ein Alligator versteckt sich hinter einem Baumstamm. Zwischen Steinen lauert eine Krabbe. Eine Fisch-Mutter buddelt Nahrung für ihre Jungen aus dem Sand. Der Rio Olho da Agua mündet in den Rio Prata, der führt viel mehr Wasser, ist viel tiefer und etwas trüber. Bald erreichen wir das Ende der Tour, glücklich, zufrieden und mit tollen Erinnerungen ans Tauchen. Eine Woche Bali wäre jetzt gerade richtig!. Auf dem Rückweg zum CP machen wir einen Abstecher zur Buraco das Araras. Wir kommen für heute zu spät, schon geschlossen. Morgen ist auch ein Tag.

Heute fahren wir doch noch zum Buraco das Araras, aber zuerst müssen wir Kookas 90‘000km feiern, gut gemacht, junger Mann!

 

Auf dem Weg zum Boraco begegnet uns ein grünes Wohnmobil auf einem Hylux. Wir verabreden uns im CP Rio Formosa.

Im Visitor Center werden wir von Kennedy, unserem Guide empfangen. Er führt uns mit viel Sachkenntnis und Interesse zum „grossen Loch“.

Ein hundert Meter tiefer Einsturzkrater (Doline, eine eingestürzte, unterirdisch ausgewaschene Kalksteinhöhle) mit See, senkrechten Sandsteinfelsen wird von 60 Arara-Paaren bewohnt.

  

Wir sehen ein paar davon. Am Ufer dösen 3 Krokodile, ein ausgewachsenes 2-3m grosses und 2 junge.

Die Armee hat, ausser einem Autowrack, die Überreste abgestürzter Tiere, darunter 23 Menschenskelette, ausgeräumt. Kennedy kennt und erklärt viele Pflanzen und Tiere.

 

Nach einer Stunde fahren wir weiter Richtung Bonito. Wir sollten noch vom Geldautomaten Bargeld beziehen. Der hat leider nichts mehr und die Bank gibt kein Bargeld aus. Im Shopping Center ergänzen wir unsere Vorräte und fahren bei strömendem Regen zum CP. Hier begrüßen uns Burkhard und Barbara in ihrem Innovation Camper. Er ist „Mr.Innovation Camper“! Er hat seine neueste Innovation, ein Expeditions-Wohnboot dabei, mit dem sie den Amazonas befahren haben. Sie sind regelmässig seit vielen Jahren in Brasilien. Unter ihrem Moskito-Himmelbett plaudern wir bis in die Morgenstunden. Sie erzählen viel von ihren Erfahrungen, u.a. mit Tom! Die Meinungen sind gemacht. Sie erkennen im Kooka ihre eigenen Innovationen wieder. Sie haben viele esoterisch-verschwörungs-theoretische Erfahrungen gemacht.

In unserem Häuschen hat ein Taubenpärchen sein Nest. Sie wechseln sich regelmäßig ab.

Unter den Bäumen finden wir viele rote, saftige Früchte mit einem grossen Kern: Siriguaia. Säuerlich, frisch, süss, an Mango und Pflaumen erinnernd.

Burkhard & Barbara fahren schon früh zur Cueva Laguna Azul. Wir suchen in der Stadt einen Geldautomaten, werden nach langem hin und her laufen doch noch fündig. Vor dem Casarao Restaurant treffen wir Barbara & Burkhard. Sie fanden den Besuch lohnend. Wir buchen eine Tour für morgen. Im Restaurant gibt es ein frisches Buffet „pro kg“. Französisch: „à discretion“. Bärntütsch: „ fris soviu de wotsch“.

Wir starten früh zur Tour Cueva Laguna Azul. Die Strecke ist weit und ruppig. Beim Emfangszentrum werden wir schon erwartet, bekommen Instruktionen (in Brasiliero), einen Helm und schon geht‘s los, durch den Wald bis zum Einstieg: ein tiefes Loch im Boden.

 

Eine Treppe führt hinunter ein eine riesige Höhle und unten leuchtet schon der Blaue See. Das Sonnenlicht beleuchtet den obersten Teil der Höhle, das genügt um dem Wasser eine schöne Leuchtkraft zu verleihen.

Wir sind ja nicht die Einzigen! Jeder Einzelne will ein Selfie mit dem kobaltblauen See im Hintergrund. Nach dem Aufstieg haben wir den 2. Termin, in der Cueva San Miguel. Wir können mit einer früheren Gruppe mitlaufen. Diesmal geht es im Besucherzentrum zuerst in den 2.Stock hinauf. Von der Plattform können wir 2 Arara Pärchen beobachten.

Dann stolpern wir über eine Hochseilbrücke durch die Baumkronen etwa 200m gegen den Eingang der Höhle. Von einer Plattform können wir in den Schlund der Höhle hinabschauen. Tief unten sehen wir eine andere Gruppe in Labyrinth der Tropfsteine. Der eigentliche Eingang ist auf der anderen Seite.

  

  

Die Höhle ist riesengross, schräg gefüllt mit Deckenschutt und voll mit Tropfsteinen, Stalagmiten, Stalaktiten und dicken Säulen.

  

Eine ganze Wand besteht aus weissem Gestein. Exlusiv finden sich in der Höhle Reste von Korallen. Von der Decke beobachtet uns eine Eule. Der Rückweg zum PP führt wieder durch den Wald.

In der Stadt treffen wir beim Casarao Restaurant Barbara & Burkhard. Gemeinsam füllen wir unsere Mägen vom feinen kg-Buffet. Wir fahren zurück zum CP, löschen unseren Durst mit BiKoWa 123 (Bier-Kola-Wasser im Verhältnis 1:2:3, enthält viel Wasser, viel Geschmack und wenig Alkohol und ist gar nicht so schlecht, wie es tönt!) und das Kopfweh mit einem starken Kaffee. Heute besichtigen wir gegenseitig unsere Wohnmobile. Burkhard erkennt in unserem FZ alle seine Erfindungen wieder. Seine neuste Kreation, den kompakten Aufbau auf einen 4-Tür-Hilux mit automatischem Getriebe erstaunt mit dem grossen Innenraum, trotz des kleineren Aufbaus im Vergleich zum Kooka. Da die Hecktüre fehlt, kann der ganze Raum als Schlafzimmer / Wohnstube benützt werden, geschlafen wir unten. Küche / Stehplatz ist vorne, der Eingang von der Seite.

Der gleiche Aufbau wurde auf eine Schiff-Schale aufgebaut, natürlich mit Innovation-Präzision. Das Boot ist Tropen-Expeditionstauglich und hat sich im Amazonas-Becken bewährt.

Die frühe Nacht wird etwas laut: „Samstag-Abend“ eben. Ab Mitternacht ruhig.

Sonntags-z‘Mörgele mit Barbara. Viel Wochenend-Betrieb herrscht auf dem CP. Ein Brasilianer bringt uns einen Teller mit Gegrilltem Chicken- und Rindfleisch.

Wir beraten zu viert: weiter oder bleiben? Da der Zoll nach Paraguay wahrscheinlich heute und morgen (Rosenmontag, Feiertag in Brasilien) geschlossen ist, entschliessen wir uns, nach langem überlegen, zu bleiben. Es wird ein fauler Tag mit interneten, „tief-schürfenden Diskussionen, schwimmen im Rio Formoso und Brot backen. Ein Argentinier taucht auf, mit einem Motorvelo „Eigenbau“ und einem grossen Hund, den er in einer Kiste auf dem Gepäckträger mitführt und sehr liebevoll pflegt.

Er isst mit uns (der Argentinier), fährt aber noch nachts weiter Richtung Corumba-Bolivien-Peru. Er ist seit einem Jahr unterwegs.

Wegen dem verlängerten Wochenende ist Musikbetrieb bis spät in die Nacht.Die Affen werden gefüttert.

Ein Leguan möchte auch etwas.

Wir schliessen unsere Diskussionen erst um Mitternacht.

Nach einer Woche in der Umgebung von Bonito wird gepackt und bezahlt. Aber es geht nicht ohne das kg-Büffet im Casarao mit Barbara & Burkhard. Ja, es war schön mit euch, danke für die vielen interessanten Diskussionen. Der Abschied fällt etwas schwer.

Über die MS-178 nach Norden gelangen wir nach Miranda. Die Landschaft ist gebirgig-ursprünglich-wild-waldig-hügelig, schön, mit intensiver Landwirtschaft dazwischen.

Der erste Tukan fliegt an uns vorbei. Nach Miranda zweigen wir auf einen schmalen Feldweg ab zum „CP“ Pesquero Primavera. Wir werden mit offenen Armen und schnellem brasilianisch empfangen. Der Platz wirkt etwas heruntergekommen, ist fast auf Grundwasserhöhe, vom Regen noch etwas sumpfig, voll Mücken. Nach dem Apéro gehen wir bald schlafen, bei tropischen Temperaturen im düppig warmen, feuchten Bett. In Miranda ist Karneval, mit Trommel und Musik bis in die Morgenstunden.

Wir wehren die Mücken ab, so gut es geht. Bald fahren wir weiter, über die BR-262 Richtung Corumbá. Bald führt die Strasse durch die weite Ebene des südlichen Pantanals. Überwachsene Bäume und Sträucher wechseln mit feuchten Wiesen ab. Wir überqueren den -Rio Paraguai.

Vor Corumbá tauchen hohe Berge auf. Wir bleiben bei Jane im Pousada do Cochimbo. Hugo arbeitet (leider) weit weg in Minas. Herzliches Wiedersehen. Hier treffen wir „Giovano“ aus Argentinien. Er ist mit einem Hund und 2 Katzen (auch in einer Kiste) mit dem Velo unterwegs, Richtung Peru-Equador. „Synchronizität“? Am Abend noch leichte Gewitter und Regen, erfrischendes Bad im Pool.

In der Nacht „schiffet es“. Alles nass-feucht, am Morgen besser. Wir verabschieden uns von Jane, mit Gruss an Hugo und fahren zum Grenzübergang.

Paraguay 4.2. – 17.2.2020

Vom NP Iberá fahren wir Richtung Trinidad, Paraguay, eine endlos lange Fahrt bis Posadas / Encarnación. Beim Grenzübergang kurze Hektik: wo ist mein Pass? Nach langem Suchen kommt er aus einem Kleidersack zum Vorschein. Beim Aus-Checken des Fz wieder Ungereimtheiten: wir haben kein Einreisepapier („no nessecitá“ hat der Zöllner gesagt).

Nun müssen wir auf der Einreiseseite ein neues Papier ausfertigen lassen, das für die Ausreise wieder eingezogen wird. In Paraguay wollen sie den Impfausweis sehen, dann brauchen die FZ-Dokumente wieder etwas Zeit. Endlich können wir einreisen. Bei einem Bankomaten werden wir zu Millionären: 1.525 Mio. Guarani. Das gesuchte Restaurant Hiroshima (es soll sehr gut sein) hat leider geschlossen. So fahren wir weiter, bei rechtem Verkehr Richtung Trinidad. Wir bleiben auf dem CP Parque Manantial in Hohenau, werden deutsch empfangen und von Schweizern begrüsst: John & Isabell aus Meilen ZH sind mit einem Landrover unterwegs. Im Restaurant verschlingen wir hungrig eine feine Pizza und Pollo Milanese.

Der Parque Manantial ist ein gut ausgebauter Vergnügungspark mit Swimming Pool, Grillplätzen, CP, viel Platz, ein Restaurant und wird von einer deutschen Familie geführt. Infrastruktur, Sauberkeit beweisen die deutsche Gründlichkeit.

In mehreren Gehegen sind Tiere untergebracht: ein grosser Tapir, wirkt wie ein kräftiger Eber, lässt sich streicheln, mit geschlossenen Augen.

Daneben separat 3 Agutis, scheu, sie wirken wie grosse Ratten oder kleine Capibaras.

In einer Voliere ein grosser Vogel, etwas zwischen Fasan und Wasserhuhn.

Ein kleines Reh, zutraulich, lässt sich streicheln, folgt mir. Der Platz ist schön und ruhig, wir entschliessen uns hier zu bleiben, der Markt in Altos kann warten.

Wir geniessen den faulen Tag mit Haare schneiden, lesen, Schwimmen im Pool, Zeit geniessen, Pizza und Hamburger zum z‘Nacht. Und Interneten.

Markus aus Deutschland ist schon seit 2015 mit einem Steir in SA unterwegs, zuerst mit Frau, jetzt allein.

Beim Wegfahren begrüsst uns die Tapir-Familie mit einem geflecktem Jungen (wie ein junges Wildschwein).

Bei starkem Regen fahren wir die kurze Strecke nach Trinidad zu den Jesuiten Ruinen, warten dort den Regen ab und besuchen dann die gut renovierten Ruinen, ein UNESCO-Welterbe.

 

Der Komplex war im 17.Jh nur während 60 Jahren aktiv, wurde dann verlassen und zerstört. Im Komplex wurden die Guaranis der Umgebung „eingesammelt“.

 

 

Nach einem Einkauf im Dorf-Shop bleiben wir auf dem PP des Besucherzentrums.

Am Abend besuchen wir die Son-y-Luz Vorstellung in den Ruinen, zusammen mit etwa 20 Personen. Der riesige Platz ist mit kleinen Leuchten dekoriert, die Ruinen kunstvoll beleuchtet.

 

Der Ton / die Musik begleitet uns von einem Ort zum andern. Kraftvoll wirkt das in der grossen Kirche mit den gregorianischen Musik. Eine Führerin erklärt die ganze Geschichte, leider mit schwer verständlicher Aussprache. Fazit: wer sich für die Geschichte des Auf- und Niedergangs der Jesuiten in Südamerika interessiert, bekommt hier sicher einen guten Überblick. Son-y-Luz ist recht gut gemacht.

Am Morgen wecken uns die neuen Touristen, u.a. Berni & Daniela, Backpacker aus ZH. Sie sind seit 2 Monaten in SA, arbeiten mal für Kost & Logis auf einer Farm. Sie haben keinen festen Zeitplan. Reist gut, geniesst SA.

Am Mittag fahren wir im Schnelltempo Richtung Hasta la Pasta. Wir fahren auf der PY06 zurück nach Encarnacion, dann über die PY01 bis Villa Florida an den Rio Tebicuari und bleiben auf dem CP Municipal Playa Caapucú. Nach dem Apéro das letzte grosse Plätzli mit Gemüsesalat. Kolibris sitzen in den Bäumen.

Eigentlich wollten wir früh weg, den Agromarkt in Altos erreichen, bevor er schliesst. Es reicht gerade für einen Kaffee.

Die Landschaft ist zuerst flach wie die Pampa, dann hügelig, in der Ferne grüssen ein paar Berge. Wir durchqueren viele kleinere Städte: die „Schnittbrett-Stadt“, die „Fussball-Stadt“, die „Badering-Stadt“, die „Gartenschwan-Stadt“, die „Schafwoll-Stadt“, die „Hängematten-Stadt“. Warum diese Definitionen? Weil in diesen Städten über einen Kilometer sich Stand an Stand reiht, alle mit den gleichen Artikeln. Nach welchem Prinzip ihre Marketingstrategie funktioniert, ist mir unklar: die ersten Beiden verkaufen noch nichts, dann merkt der Kunde, da spielt die Konkurrenz und nach dem Letzen hat er seine Chance verpasst,also nichts gekauft.

Gegen Altos steigt die Strasse an. Es reicht für den Agromercado. Zuerst verstehen wir nichts, sind erstaunt. Wir werden schweizerdeutsch und hochdeutsch angesprochen! Die Community trifft sich jeden Samstag hier auf dem Markt, isst Sauerbraten mit Knödel und Salat. Wir decken uns mit gutem Schweizerkäse (Gruyère, Sprinz, Tilsiter, Appenzeller, Blaukäse, Pfeffer-Raclette-Käse) und Brot ein. Natürlich mit Sauerbraten und Knödel.

In Hasta La Pasta treffen wir gute Bekannte: Ilse & Elmar, seit gestern angekommen, wollen 2-3 Wochen bleiben.

Uwe & Claudia (Hüter von Peppamobil) und Thomas sind schon Wochen hier. Marion & René sind perfekte Gastgeber in diesem Paradies. Sie haben es vor 13 Jahren aufgebaut, mitten im Urwald, nur die nötigsten Gebüsche gefällt, eine Pastafabrik, ein Restaurant und einen CP eröffnet, mit schönem Pool, perfekten Toilettenanlagen und ein Sundowner-Platz mit Blick auf den See und den Sonnenuntergang.

René kuriert noch die Folgen einer einseitigen Lähmung aus, macht aber einen sehr zuversichtlichen Eindruck. Pastafabrikation und Restaurant mussten sie verkaufen. Von den Söhnen ist einer Tierarzt in ZH, der andere Bauingenieur hier in PY.

Nach dem Sundowner braten wir, zusammen mit Ilse & Elmar am Lagerfeuer ein Kotelett.

Die nächsten Tage vergehen in Ruhe! Schrille Zikaden in der Nacht, Wäschetag, auch wenn es regnet.

Das berühmte Freiluft-WC (für die Bord-Toiletten!)

Eine Runde durch den „Urwald“ des Grundstücks mit seinen grossen, alten Bäumen, riesigen bis 20m hohen Kakteen und 25cm dickem Bambus. Auf ihnen entdecken wir laute Brüllaffen.

Wir geniessen den Sundowner und Pool, zusammen mit den anderen Gästen.

  

Und die Hunde: eine spritzlebendige Bande. Die “Rakete” saust im Höllentempo durch den Garten, Mia von Uwe & Claudia bringt unermüdlich einen Ball oder Ast zu Fortwerfen. Die andern beiden von René & Marion sind gute Wachhunde und geben immer Laut, wenn jemand zum Eingangstor kommt.

Mit dem Taxi, mit Ilse & Elmar gehen wir in San Bernardino einkaufen. Zuerst laufen wir durch den Park zum „See“ Lago Ypacarai.

 

Der ist zwar sehr schön gelegen, aber sein Wasser entspricht verdünnter Gülle, und riecht auch so. Offenbar ist „Abwasser“ kein Thema in Paraguay. Schade!

Vom Byfang erreicht uns von Martina eine traurige Nachricht: Der Fuchs, der hat die Gänse gestohlen, er gib sie nicht mehr her….

Nach einer Woche Hasta La Pasta ist Aufbruchtag für Lille & Thomas, Ilse & Elmar und uns beiden. Ein herzlicher Abschied von Mia, Uwe & Claudia, René & Marion. Es war sehr angenehm und schön in Hasta La Pasta. Uns bleiben die guten Erinnerungen. Mia versucht nochmals, uns um ihre Pfoten zu wickeln mit einem Ast.

Wir fahren zuerst nach Altos zum Gas und Diesel tanken. Keine Probleme, nur sind die Kartuschen leider ausschliesslich im Camping44 in Assuncion erhältlich, das ist uns zu weit. Der Weg führt über Loma Grande und eine Grab‘sche Abkürzung mit einer „original Paraguay-Pflasterstein-Strasse“ zur PY03 und via Santa Barbara auf die PY08 nach Norden. Da unser SIM-Guthaben schon aufgebraucht ist, lassen wir bei einem Claro-Shop nach laden, es klappt sogar.

Die Landschaft ist zuerst hügelig mit Buschwald, dann flach-sumpfig, später kommen wieder Hügel mit intensiver Landwirtschaft, grossen Verarbeitungsbetrieben und Eukalyptus-Kulturen. Viele kleinere und grössere Orte. Wir suchen uns einen Schlafplatz beim Rio Aguaray Guazú, in der Nähe der Brücke. Ein Sandweg führt Richtung Wasser, aber bei einer Farm steht ein Schild: Privat, Zutritt verboten. Wir kehren um und bleiben bei der Petrobras Tankstelle in Santa Rosa del Aguaray. Die Strecke bis zur Laguna Blanca ist uns mit 30km zu weit. Wir trinken eine Kola und genießen eine Glace. Hinter der Tankstelle machen wir uns bequem, beginnen zu kochen, da hält ein Hilux. Der Fahrer Idilio Recalde begrüsst uns als Overlander und lädt uns zu sich nach Hause. Er wohnt genau in der „verbotenen“ Farm. Wir sind jedoch zu müde für einen Wechsel. Sein Sohn Roberto hat in Assuncion viel mit Overlandern zu tun. Schade, das wäre sicher ein guter Platz gewesen. Wir markieren aber den Platz im iOverlander. Unser Platz wird nur langsam ruhiger. Lastwagen kommen und gehen, die Chauffeure duschen.

Wir haben kein Internet, weder mit der Tankstelle, noch mit Claro, noch mit Qynamic oder Swisscom. So ein Desaster!!

Wir lassen uns viiiiel Zeit, hinter der Tankstelle, unter den schattigen Bäumen. Das Internet funktioniert wie gewünscht, nachdem die SIM-Karte kurz aus dem Router entfernt und wieder eingesetzt wurde. Es wird heute wieder heiss, über 30*C. Wir bemerken am hinteren rechten Rad eine fehlende Schraubenmutter, die wurde offenbar beim Reifenwechsel vergessen. Die Ersatzmutter passt nicht ganz. Die Mechanicos haben keinen Ersatz. Tom hat hier eine Spezialschraube eingesetzt.

Wir fahren nach Mittag auf der PY08 weiter Richtung Norden, durch eine hügelige Landschaft, Dörfer und kleinere Städte.

Die Farmen werden etwas grösser, viel Viehwirtschaft und grössere Silo-Anlagen. Nach Yby Yaú tauchen in der Ferne herausragende Felsengebirge aus der Landschaft auf: alte Vulkanüberreste.  

Hier hat Paraguay offenbar seine höchsten Berge, auch wenn die nur 2-500 m über die Ebene reichen. Eindrücklich. Wir fahren zum NP Cerro Corá auf den CP.

Ein Schutzgebiet, das einen historischen Wert hat: Ein Monument des „Guerra de la Triple Alianza“ sowie weitere Monumente sind im Bau.

  

Vor dem CP lagert eine Militär Kohorte. Wir nehmen an, die seien von der regulären Armee und nicht von der „paraguayanischen Befreiungsarmee“ die René erwähnt hat in diesem Gebiet. Die Baños sind noch im Bau, aber nutzbar.

Die Nacht ist sehr ruhig. Ein Geburtstagsschmaus zum z’Morge: Schinken-Zwiebel-Käse-Mini-Pizza. Mmmh, fein. Danke, für Dein Lächeln.

Am Morgen kommt Sgt. Marc Aurel vorbei. Er ist 15 Jahre im Militär verpflichtet. Nimmt an UNO-Missionen teil, war schon in Florida und hat eine Familie in Assuncion. Er baut mit seiner Mannschaft die Monumente und die Plätze für die Festivitäten vom 29.2.-3.3.2020: Paraguay feiert 150 Jahre „Guerra de la Triple Alianza“. Auch der Präsident wird anwesend sein. Es gibt noch viel zu tun.

Wir fahren auf der PY05 zurück und auf der PY08 weiter nach Norden.

In Bella Vista realisieren wir zu spät: der Paraguay-Zoll hat am Sonntag geschlossen und gemäss René („ich kenne niemand, der hier durchgekommen ist“) und iOverlander („keine Abfertigung von Fahrzeugen“) gar keine Chance für den Grenzübergang besteht. Also: alles retour und über die PY05 nach Pedro Juan Caballero. Da dort der Zoll auch geschlossen ist fahren wir zum Eco-CP Chacurru. Die letzten 10 km über eine ausgewaschene Landpiste durch grosse Sojafelder.

Der CP ist am Sonntag sehr gut besucht. Wir geniessen ein Bad im Pool. Nach 6 Uhr sind alle weg, es wird sehr ruhig.

Am Morgen bekommen wir Besuch von 2 aufgeweckten Herren, ein Brasilianer und ein Japaner. Sie finden das Fz interessant. Sie sind Zeugen Jehovas.

Wir besichtigen noch kurz den hohen Wasserfall (mit braunem Sand-Wasser) und fahren dann die ruppige Strasse zurück nach Pedro Juan Caballero an die Brasilianische Grenze.

Argentinien 31.1. – 4.2.2020

Der CP Munizipal, Salto Berrondo bietet eine ruhige Nacht. Nach dem tropischen z‘Mörgele füllen wir den Wassertank und besuchen den Salto Berrondo.

Immerhin etwa 10m und anständig Wasser. Dann folgt „autobahnrasen“ über die RN12 Richtung NP Iberá bis Ituzaingó mit seinem grossen Wasserkraftwerk am Rio Paraná.

Susanne & Ueli erwarten uns im CP Monte Rey. Der Weg in den Park ist gut, weil er trocken ist, sonst muss das eine Dreckpiste sein.

Heidi muss viele Vieh-Gatter öffnen und schliessen

Die Farmen nutzen jeden nicht geschützten Flecken dieser Feuchtgebiete. 

Wir sehen viele Wasservögel, Wasserbüffel, 2 Kaimane, und Capibaras, die sich von uns kaum stören lassen.

 

Beim CP freudiges Wiedersehen mit Susanne & Ueli. Beim Apéro tauschen wir Erinnerungen und Erfahrungen aus. Vor dem z‘Nacht machen wir eine kurze Wanderung in der Umgebung. Susanne hat einen feinen Eintopf gemacht.

Ein halbes Dutzend Füchse schleichen sich zwischen unseren Fahrzeugen hindurch. Am Abend wird die Welt total erneuert und verbessert.

Wir stehen für unsere Verhältnisse recht früh auf und entdecken auf einer kurzen Tour viele Vögel und eine Brüllaffen Familie.

  

 

 

Ein Kardinal

Nach dem z‘Mörgele fahren wir die 4km bis zum Wegende. Wieder sehen wir viele Vögel, Capibaras, Kaimane, Hirsche, Fische.

 

Für die Rückfahrt sind S&U schon vorausgefahren, zum Tanken, wir treffen uns beim anderen Parkeingang in San Miguel im Tourist Office. Hier bekommen wir ein paar interessante Infos zum Park, zur Geschichte der Guaranis, Jesuiten, den Park und die Pläne zur Wieder-Ansiedlung des Jaguars. Die Weiterfahrt zum CP San Nicolas führt über einen kritische, tiefsandige Piste, vorbei an Kieferplantagen zur Gewinnung des Baumharzes.

Mit 4WD und 2x-Diffsperre kommen wir gut durch bis zum Visitorcenter mit angeschlossener grosszügiger Camping-Anlage.

Müde und durstig geniessen wir den Apéro. Die Wanderung entlang eines kurzgeschnittenen Weges will kein Ende nehmen.

Er führt durch eine hochgewachsene Steppe, bei der kein Tier gesichtet werden kann. Mit einem gemeinsamen Nachtessen geniessen wir Ojo de Bife vom Grill mit Ratatouille und Cous-Cous.

Der nächste Tag ist ein eher fauler Tag, wir stehen früh auf, und fahren langsam bis Puerto Carambole.

Auf dem Weg begegnen wir vielen Wasservögeln, faulen Capibaras, vereinzelten Kaimanen und einem Hirschpaar. Beim Fluss haben wir eine Weitsicht auf die Insel, auf der ein Aufzuchtprogramm für Jaguare laufen soll.

Die Frauen nutzen den Tag zum Brot backen. Auf dem Abend-Spaziergang durch die Gras-Steppe bestaunen wir die fleissigen Blattschneiderameisen.

Wir bekommen Besuch

Auf dem Rückweg fallen uns dicke Pfotenspuren auf. Ob die wohl von einem Ameisenbären stammen? Der Parkwächter klärt uns auf: nein, das war ein grosses Capibara!

Am nächsten Tag trennen sich unsere Wege wieder. Susanne & Ueli machen sich „im dritten Gang“ dh. recht schnell Richtung Uruguay auf, in 5 Tagen wollen sie Flo bei UY-Storage treffen. Es wird ein herzlicher Abschied. Ja, es war schön euch wieder zu treffen. Bis zum nächsten mal, irgendwo auf dieser Welt.

Brasilien 1. – 31.1. 2020

Seit 4 Jahren feierten wir wieder einmal Weihnachten im Familienkreis. Wir packten unseren alten Weihnachtsbaum von Singapore aus, schmückten ihn schon mit den glänzenden goldenen Kugeln und den still leuchtenden LED-Ketten. Auch wenn er nur aus Plastik ist, hat er sich in den letzten 15 Jahren immer wieder bewährt. Geschenk-Päckli unter ihm erfreuen jedes Kinderherz. Ja, es war wunderschön, mit der ganzen Familie zusammen plaudern, etwas wehmütig erfahren, dass die Enkel sehr schnell wachsen, gross und erwachsen werden. Eigene Reisezeit ist eben auch Lebenszeit der andern.

Carine ist ganz entsetzt, dass wir für den Flug vom 27.12. noch nicht gepackt haben. Schon seit einem Monat sind ihre Koffer bereit für ihre Reise mit Familie in den Kongo, Mitte Januar.

Uns reicht es noch lange, den Weihnachtsbaum sauber zusammengelegt zu versorgen, die Wohnung aufzuräumen, von Ruth, Juan, Martina und Vincent Abschied nehmen. Der Koffer ist zwar voll (mit Schweizer Schokolade, Migros Gewürzen etc.), aber wir wissen nun, dass weniger Gepäck immer noch zu viel ist.

Endlich geht’s los, mit dem Zug zum Flughafen Zürich. Das Einchecken klappt gut. Wir hatten unsere digitalen Unterlagen für den Rückflug nach Montevideo komplett gelöscht, konnten im Internet nichts mehr finden. Keine Reisedaten. Panik! Der vermutlich geplante Flug nach Montevideo war ausgebucht. Ich verlangte von Air France (das wussten wir noch!) einfach eine Bestätigung unseres vermuteten Fluges und bekamen sie umgehend, mit allen Details und Codes. Wo is’n da ne Panich?

Der Flug Paris – Sao Paulo – Montevideo ist einfach (Sandwitches), ruhig.

Nach einem langen Flug erreichen wir am Mittag müde Montevideo. Bald holt uns das versprochene Taxi ab. Der Taxifahrer bringt uns mit einem Zwischenstopp im grossen Shopping Center in Atlántida zu UY-Storage. Er weiss, die Neuankömmlinge müssen sich mit allem Nötigen versorgen, bevor sie auf die grosse Reise gehen können. Unser Kookaburra erwartet uns auf dem Stellplatz, mitsamt der Familie von Felix. Der Service ist gemacht, neue Reifen und neue „Sandbleche“ aus Kunststoff sind montiert. Kooka ist bereit für neue Abenteuer.

Nur wir brauchen noch Zeit: Ankommen, Ausschlafen, Retablieren, Einräumen, Reise vorbereiten.

Wir sind nicht allein: Peter & Michelle aus Holland, Konrad aus Düsseldorf mit seinem grossen MANsind nicht zum ersten mal hier. Sie haben ihre Fahrzeuge eingelagert, machen sich wieder bereit für ihre Weiterreise. Das gibt Gelegenheit für viele interessante Gespräche.

Am Silvester Abend sind alle bei Timo, Felix und ihrer Familie eingeladen. Mit einem feinen Filet vom Grill, Sekt und Karaokemusik im Poolhaus schwappen wir gemütlich ins neue Jahr.

An Neujahr lange Ausschlafen, ein neues Mückennetz montieren. Felix kann die Klimaanlage nicht flicken. Ein Spezialist findet das Leck nicht. Wir müssen ohne Klimaanlage in die Tropen fahren.

Anfang Januar ist die Grande Hamburgo der Grimaldi in Montevideo angekommen. Es gibt viel neuen Besuch:

Fritz und Norbert aus Deutschland, Daan & Helle aus Holland, Joy & Karim aus dem Waadtland sind auf einer „Bio-Forschungs-Tour“ auf der Suche nach neuartigen Schlangengiften. Peter & Renate aus Wien mit Mitsubishi + Kabine, Roberto & Vreni aus Tägerwilen, Thurgau ziehen mit ihrem Landcruiser Prada „den besten Geländeanhänger aus Südafrika“ durch die Welt, Roberto lebte 3 Jahre in Südafrika. Markus mit seinem liebenswerten Hund im Lastwagen.

Wir müssen nochmals ein paar Tage warten: neue Probleme tauchen auf: die Bord-Batteriehalterung ist ausgerissen, der IBS-Battery-Monitor geht nicht. Wir brauchen eine Abwechslung und fahren an die Küste, zur „Beach Nr.5“ in Bella Vista von Peter & Mychelle (NL) Bei der 5.Strassenabzweigung. Wieder einmal Beach-comben! Wir geniessen den langen, kühlen Tag am Meer.

Am andern Tag wird wieder gearbeitet: Der Klimatiker kann nicht helfen. Wir füllen das Gas nachbei Rio Gas, verbinden den IBS-Battery Monitor mit einem Kabel zur Masse, alles ok. Mit Timo können wir die Batteriehalterung mit einer Stahlplatte erneuern.

Erwin/Edwin & Ziti aus Antwerpen / Belgien, machen ihr Motorrad Zorro für ihre Reise zu zweit bereit.

Endlich, nach 2 Wochen, machen wir uns auf den Weg Richtung Atlantik-Küste. In La Paloma betreten wir den tausend-km-langen Sandstrand, von Uruguay bis weit nach Brasilien.Ein Fischer zeigt uns einen frisch gefangenen Rochen.

Wir geniessen den Sand und den frischen Wind. Wir finden in der Nähe in La Pedrera auf dem CP Club del Campo einen guten, ruhigen Übernachtungsplatz im Wald. Raffael ex Montevideo, setzt sich zu uns, will sein Englisch trainieren. Daneben steht ein grosses Zirkuszelt. Später am Abend beginnt die Vorstellung. Wir hören die Ansagen, laute Musik und die dröhnenden Motorräder, die offenbar wie wild im Kreis herumfahren. Nach der Vorstellung wird bald alles ruhig.

Wir machen uns „rechtzeitig“ nach einem Kaffee gegen Mittag auf den Weg Richtung BrasilienGrenze. Mit 75-80 preschen wir durch die Gegend. Uruguay ist flach-hügelig, mit viel Rinderzucht, teilweise abgebrannten Eukalyptusbäumen. Vereinzelt tauchen Nutrias auf, etwas zwischen Meerschweinchen und schwanzloser Ratte.

Das verspätete Morgen-Mittag-Essen geniessen wir an de Laguna Negra bei Santa Teresa: ein wunderschöner Platz mit Schatten am See und nur wenige Besucher.

Der Grenzübergang in Chuy nach Brasilien ist einfach und problemlos. Der Beamte starrt zwar lange auf seinen Bildschirm, aber er macht keine Bemerkungen zum (abgelaufenen) Verfahren vom letzten Jahr. Wir füllen Diesel und Wasser nach der Grenze. An der Lagoa Mirim werden wir bei Anselmi fündig für einen ruhigen, schönen Nachtplatz, direkt am See.

Mitten in einem Vogelparadies mit Reihern, Störchen, Kara-Karas. Nach einem roten Sonnenuntergang, beim Einnachten leuchten überall die Leuchtkäfer. Bei einem (oder mehreren) Gläsern Ojo de Vino von Dieter Meier, Mendoza, geniessen wir unseren ersten wilden Nachtplatz, gefolgt von Spiegelei mit Speck.

Am frühen Morgen um 05.15 fahren Fischer auf die Lagoa hinaus. Sie ist etwa so gross wie der Bodensee. Die Fischer kommen um 11 Uhr zurück mit Plastikbecken voller Fische, darunter viele „Grundeln“, „Viola“ die sie einfach filetieren: Bauch wegschneiden, mit einem Holz mit 2 Drahtbügeln, werden die Filet einfach rausgekratzt. Ein grosser Raubfisch, ein „Salmonide“ mit grossen Zähnen, weckt unser Interesse. Wir kaufen für 20 Real genug Fisch für 2 Tage.

Der Platz ist wunderbar, weit, offen, mit vielen Vögeln: grosse und braune kleine Ibise, Südamerika-Taucherli, wenig Kormorane, weisse und graue Reiher, rot und gelb leuchtende „Amseln“, ein ganz magerer „Zaunkönig“ mit langem, spitzen Schnabel, eine „Lerche“. Kara-Kara und andere Raubvögel werden von einem toten, aufgeblähten Rind angezogen.

Wir finden hunderte von grossen Schneckenhäusern

Wir fahren die lange, schöne BR-471 Strecke durch ein überschwemmtes Feuchtgebiet, viel Capibaras, Wasservögel, sogar ein Krokodil. Daneben Weideland mit Rindern, zT. Im Wasser stehend. In Rio Grande Einkauf in einem riesigem Shopping Center. Mit der Fähre setzen nach São José do Norte über.

Weiterfahrt auf der BR-101 bis zur Abzweigung in Estreito Richtung Küste. Der Weg zweigt rechts über eine Brücke, mit vielen Weekend-Besuchern. Wir nehmen den Weg geradeaus, wie auf der Karte eingezeichnet – direkt ins Verderben: 2Std. Schaufeln, Sandblechen, Wagenhebern nützen nichts. Beim Einnachten schleppt uns ein Traktor aus dem Schlamassel. Muchas Grazias, Rogero. Aus dem Fischessen wird nichts! Wir übernachten im leeren Wald, wo vorher Dutzende Besucher herumlärmten.

Geburtstagsgrüsse müssen bei fehlendem Netz per Sat-Phone übermittelt werden.

Nach dem Kaffee wandern wir zur Küste durch die Dünen. Da hat‘s noch mehr „Loch-Möglichkeiten“.

Die Wellen schlagen stochastisch-chaotisch auf den feinen Sandstrand.

Der zieht sich über 1000km dem Atlantik entlang ziehen, von Uruguay bis weit nach Brasilien. Das Wasser wie gewohnt leicht bräunlich-trüb aber sauber. Gibt es wirklich individuell identische Sandkörner oder ist das rein statistisch unmöglich?

Jedes Sandkorn hat eine eigene Geschichte. Vereinzelte kleine blaue Quallen und eine „portugiesische Galeere“ schmachten ihrem Trockentod entgegen.Eine Seeschwalbe bleibt still sitzen.

Im Flussbett verschwindet eine kräftige Krabbe ins tiefere Wasser. Auf dem Rückweg ist doch ein Hilux im Sand versoffen. 2 schaufeln schwitzend. Wir alarmieren Rogero. Der lässt sich Zeit. Der Hilux kommt selber frei. Disput über „Gutmenschentum“ und übertriebene Hilfsbereitschaft! Dabei sind doch wir diejenigen, die immer wieder froh um unkomplizierte Hilfe sind. Wir fahren auf der RSC-101 bis Mostarda, dort an die Küste zum Balneario. Sand soweit das Auge reicht. Wir wollen nichts riskieren und fahren nach Mostarda zurück auf den CP Poente. Ein sehr sympatischer Empfang. Zum z‘Nacht garen die beiden ganzen Fische auf einem Gemüsebett, mit Reis und Salat.

Sonniger Morgen leichter Wind, viele Vögel, 2 Pferde und ein gutes Internet, wieder einmal den Zeitgeist des Tagi verfolgen. Gegen Mittag fahren wir weiter, auf der RSC-101. Nach Bacupari versuchen wir einen direkten Weg nach Quintão. Geht nur bis zum grossen Windpark, dann ist Schluss, also zurück auf die Hauptstrasse und weiter bis Capivari, dann Richtung Küste.

Durch den Kiefernwald via Cidreira nach Cruzeiro do Sul bei Tramandai finden wir im CP Lagoa e Mar eine luftigen Platz. Nach dem Apéro schauen wir den enthusiastischen Kite-Surfern zu: bei diesem heftigen Wind sausen die einen wie verrückt und voll stolz hin und her.

Andere versuchen immer wieder aufzustehen, einfach, im untiefen Wasser. Die Lagoa ist grossenteils nicht tiefer als 50cm, ideal für die ungeübten Surfer. Der grosse CP ist voll festverbauten Wochenendhäuschen, mit Zwergen und bunt beleuchteten Büschen. Eine Nachbarin sucht sofort all ihre Deutschkenntnisse zusammen. Zum z‘Nacht werden die Filets der „Grundeln“ in Soja/Knoblauch/Ginger/Limettensaft mariniert. Sie haben absolut keinen unangenehmen Fischgeruch. Sie munden mit Kürbis-/Kartoffelstampf und Salat mit Basilikum bestens.

Chris, Angie, Andrea & Marco sind in der Nähe. Wir finden sie auf einem schönen Platz am See, durch das Condominium Jardin da Lagoa.

Fröhliches Wiedersehen, tratschen, gegen Abend Churrasco: Feuer, Grill, Fleisch und diverse Zutaten: Salat, Crackers, Käse, Snacks. Viola von der Kite-Schule besucht uns und macht Andrea & Chris eine Kite-Bootsfahrt schmackhaft für Freitag.

Nach ein paar Tagen “die Welt verbessern”, baden im See, kiten, faulenzen, Brot backen und immer wieder mal essen (Quiche von Markus, Pizza von Angie) kommen wir „früh„ um 12 Uhr weg. Chris & Andrea gehen Kiten. Wir markieren noch den Workshop von Alexander im iOverlander und fahren über die Küstenstrasse ERS389 Richtung Torres.

Wir suchen in Praia Itapeva Sul die Farm von Laurence & Jaqueline auf dem Morro. Sie wohnen auf einem wunderschönen Platz auf einem Hügel, und lassen Overlander frei campen auf ihrem Grundstück. Ein tolles Angebot.

Sie wollen selber mal reisen und suchen Erfahrungen und bauen sich ihr eigenes Wohnmobil aus.

Morgen früh scheint die Sonne, das entfernte Meer rauscht. Wir sind im Paradies! Kurze Fototour: Bromelien, Orchideen, Vögel, Blumen und Gräser. Feine Duftblüten (Benzyklester, Ionon, Lacton, Zimtester) auf dem Baum. Exotisch-fruchtige Palm-Früchte (nach Ananas, Guanabana, Methylester schmeckend).

 

  

 

Wir geniessen ein feines z‘Morge mit tropischen Früchten (Ananas, Passionfruit, Baby-Banane, Mango) einfach herrlich. Laurence schenkt uns die halbe Wassermelone des Nachbars. Er ist Architekt, hat italienische Wurzeln, Jaqueline ist Ernährungsberaterin, hat deutsche Wurzeln. Der Nachbar bringt uns eine selbstgemachte Salami aus Schweinefleisch, wunder bar im Geschmack.

Wir geniessen den freien Tag im Paradies.

Am nächsten Morgen verlassen Jaqueline & Laurence das Haus, ohne dass wir sie bemerken. Wir lassen ein Tafel Schokolade und ein CH-Messer zurück. Gegen Mittag brechen wir auf, kaufen im Supermercado Nacional in Torres das Wichtigste ein.Das Gemüse ist soso, viele Früchte sind ok. Auf dem Weg Richtung Cânon Itaimbezinho suchen wir noch Gas-Patronen für den Kocher.die sind in Brasilien dünn gesäht. Die Ebene bei Praia Grande erinnert mit ihren Reisfeldern und den Palmen an Bali.

Bald geht es steil bergauf, der Asphalt bleibt auf der Strecke, ruppige Steine, ausgewaschene Löcher zehren an den Nerven. Gegenverkehr mit grossen Holz-Lastwagen in den Haarnadelkurven geben den Rest.

Heidi ist hart im Nehmen! Beim Parkeingang klären wir die Übernachtungsmöglichkeit, fahren weiter zum Café Parador und vertilgen ein feines Toastbrot. Wir bleiben über Nacht beim Eingang des NP Aparados da Serra mit dem Cânon Itaimbezinho, geniessen die feine Wassermelone von Laurence‘s Nachbar.

Araukarienstamm

Wir lassen uns von den vielen Touristen beim Morgenessen vor dem Parkeingang nicht stören. Gruss mal hier, mal dort. Wir begeben uns auf eine Tour zum Cotovelo (Ellbogen).

      

Alles ist in dickem Nebel, der Cañon lässt sich nur erahnen. Wir fühlen uns auf einerRadio-Herbst-Wanderung mit Touri-Cars. Schöner Bergwald mit Araukarien säumt den Cañon.

Die zweite Tour zum Ausblick auf den Wasserfall ist gesperrt „wegen Bienen“. Wir hätten wegen dem Nebel trotzdem nichts gesehen.

Wir wollen unser Glück beim Fortaleza Cañon versuchen. Der Weg via Cambará do Sul führt zuerst über eine grobe Schotterstrasse, dann bis vor den Park über Asphalt. An den steilen Strassenstücken haben wir den Eindruck, Kookaburra sei lahm. Wir durchqueren grosse Baumkulturen mit Föhren, finden am Boden einige Perlpilze. Bei einem Steinbruch steht ein bekanntes Fahrzeug: Helle & Daan sind auch hier. Wir begegnen ihnen auf ihrem Rückweg zu Fuss: sie wollten ihrem Fahrzeug den Schotter-Weg nicht zumuten. Wir fahren bis zur Abzweigung zur Cascata do Tigre Preto. Zuviel Nebel und einsetzender Regen geben uns den Bogen: wir kehren um und campen etwa 500m vom Parkeingang in einem flachen Steinbruch. Apéro mit Jean Rivier: Tocai. Nicht schlecht, aber kein Ungarischer Tokayer! Z‘Nacht eine Gemüse-one-pot-Pasta mit Chicken. Mmmmh.

Nachts leichter Regen, Leuchtkäfer am Mückennetz, Stille. Draussen sehr dichter, nasser Nebel. Wir verzichten auf die Besichtigung des Cascata do Tigre Preto und fahren zurück an die Küste, über die grosse Hauptstrasse. Kookaburra lahmt bei jedem Hoger. Etwas mühsam erreichen wir die Tiefebene. Wir fragen Laurence nach einem Tipp für eine Werkstatt. Er gibt uns „Nene“ in Praia Grande an. Nach 160km finden wir im Zentrum in einer Tankstelle „Nene“ auf Grund einer Foto von Laurence. Nene vermittelt uns eine „vertrauenswürdige“ Werkstatt. Der Unterstand ist voller Lastwagen und Pick-ups. Der etwas gar übergewichtige Chef schaut sich den Motor an, verlangt einen Reserve-Dieselfilter, lässt ihn montieren und nach einer halben Stunde schnurrt Kooka wieder wie gewohnt! Superarbeit. Nach dem Auftanken bleiben wir über Nacht auf dem lokalen CP Munizipal Praia Grande

Am Morgen ist der CP leicht unter Wasser vom Regen. Nach einem feinen zMorge machen wir uns auf den Weg Richtung Küste. Kurzer Kola-WC-Unterbruch im Strassenrestaurant. Das Büffet riecht verführerisch, die Leute vertilgen grosse Teller voll. Wir bleiben hart. Bei Sondrio rechts an die Küste nach Balneario Gaviota. Die Brandung ist stark, der Regen auch. Retour nach Sondrio und weiter nach Balneario Arroio do Silva. Wir suchen den CP Pousada Serra e Mar. maps.me will uns in den Kakao leiten. Eine Polizei-Patrouille zeigt uns den richtigen Weg. Ubaldo und Joce haben sich hier einen Traum erfüllt auf 74‘000 m2 mit Fischteichen, Ferienchalets, Restaurant und ihr besonderer Stolz: organischer Bio-Anbau von Gemüse und einheimischen Früchten.

  

Wir bekommen eine Einführung und Essproben von Pitaya, Ananas, riesigen Brombeeren und brasilianischen Tropenfrüchten. Joce produziert gefrorene Teigwaren zum freien Verkauf.

Wir verbringen eine ruhige Nacht bei leichtem Regen. Wir bleiben noch einen Tag hier. Ubaldo zeigt voller Stolz seinen Bio-Garten mit vielen Früchten und Gemüsen, Hühner, Schweine, Enten, Gänse. Er wird sich noch 3 Kühe für Milchprodukte anschaffen. Für den Eier-Räuber-Leguan hat er ein Falle gebaut. Wir sehen viele Vögel und Kolibris. Am Nachmittag laufen wir zum Strand (etwa 1000 km von Uruguay bis Florianapolis) und genießen dort den frischen Saft einer Kokosnuss.

Zurück, bringt Ubaldo eine Karaffe mit frisch gepresstem Passionsfruchtsaft mIt Zitrone, Ginger. Mmmmh fein. Am Abend treffen Don und Samantha aus Toronto ein. Sie sind sind Wein-Einkäufer, in 3 Jahren von Alaska nach Feuerland gereist, via Mittelamerika. Jetzt haben sie noch 3 Monate. Wir sind zum z‘Nacht eingeladen. Joce mach ein feines z‘Nacht mit selbstgemachten Spagetti mit Chicken, ein fein geröstetes Kohlgemüse mit Tapiokamehl, Salat. Wir bringen eine Tafel Schokolade für die Jungs und eine Flasche Wein. Joce kümmert sich nach dem Tischgebet um den Nachschub des feinen Essens. Wir verschlingen alles und wundern uns, dass Joce erst nach uns einen Teller füllt. Hier herrschen noch patriarchale, autoritäre Verhältnisse!.

Da 2 kleine Feldwege hinten an den CP führen, die von normalen Fahrzeugen gar nicht befahren werden können, werden Besucher immer wieder in die Irre geleitet. Wir lösen das Problem mit der Navigation zum CP im iOverlander mit einem neuen Eintrag:

Erst nach Mittag schaffen wir den herzlichen Abschied von der feinen Familie. Mit Gefrorenem Fruchtgelee, Pasta und einem Dutzend Bio-Eiern. Wir fahren auf direktem Weg zum Vista da Serra do Rio do Rastro. Ein tausend Meter hoher Cañon wird wie die Tremola erklommen, in 284 engen Spitzkurven.

Von oben bietet sich ein wunderschöner Tiefblicke in den Cañon und ins hügelige Vorland bis zum Meer.

Ein Töff-Fahrer-Paradies

Wir bleiben auf dem Parkplatz über Nacht. Mit uns 3 weitere Paare aus Brasilia, Angela (spricht etwas englisch) Andre (spricht einfach drauf los) Gilmar, Aurileda. Der Platz ist gut bewacht von der Polizia Militar. Zuerst tönt noch laute Musik aus geöffneten Kofferdeckeln. Der Lover will seine Liebste mit seinem Power-Pack beeindrucken.

Schon früh wecken uns die ersten Touristen. Die Nachbarn sind auch schon wach, bereiten das z’Morge vor. Wir halten uns heute bei einem Kaffee zurück. Interwall-Fasten. Einige Touristen interessiert unser Kookaburra, in schnellstem Brasilianisch. Ein wenig können wir ihrer Neugier folgen.

Andre bringt uns eine Schachtel mit Butiá (Palmfrucht etwas grösser als die von Laurence, weniger aromatisch, süsser). Nach einem herzlichen Abschied fahren wir weiter Richtung Sao Joaquim, Lages. Das Hochplateau erinnert an die Schwäbische Alb / Schwarzwald: hügelig, Täler, Wälder (Kultur und Wild) mit kleineren Farmen, Dörfern und Städten. kleineren Flüssen. Lages ist eine recht grosse Stadt. Der CP befindet sich tief im Tal am Stausee des Rio Caveiras.

Viele Sonntags-Ausflügler veranstalten ein Hip-Hop-Festival mit lauter Musik. Sie endet erst um halb Acht. Dann herrscht Totenstille, nur ein paar quakende Frösche, Fische im Wasser. Bald sind wir mutterseelenallein.

Wir erwachen recht früh bei schönstem Sonnenschein und Geschnatter von braunen Ibisen.

Sehr ruhige Nacht nach dem „Hip-Hop-Konzert“. Gemütliches z‘Mörgele mit tropischem Müesli, Siesta zum Beobachten der Fische und Kormorane, sogar ein Eisvogel sucht sich den z‘Morge-Fisch. Nachher kurzer Spaziergang über den grossen CP. Ein grosser weisser Schmetterling mit guter Tarnfarbe weckt unser Interesse.

Aufbruch Richtung Rio Chapecó Wasserfall bei Abelardo Luz. Die 300 km werden wir heute kaum schaffen. Über weite Hügel, Berg- und Talfahrten, vorbei an kleinen Farmen, Dörfern und Städten zieht sich der Weg in die Länge. Campos Novos ist ein landwirtschaftliches Zentrum mit Landmaschinen, riesigen Siloanlagen.

Wir begegnen vielen Mais und Sojafeldern, eher klein im Vergleich zum Mato Grosso. Nach langer, ermüdender Fahrt suchen wir nach Vargem Bonito ein Nachtlager. Etwas abseits der Hauptstrasse finden wir einen flachen Waldweg für die Nacht. Feine Risotto mit Rindsgeschnetzeltem (dem „schönen“ aber immer zähen), Gemüse, Chili von Ubaldo und Muskatnuss. Mmmmhh, fein. Feiner Regen und entferntes Donnergrollen setzen ein.

Wir stehen recht spät auf, erfrischend warm, bald scheint die Sonne heiss. Gmüetlechs z‘Mörgele mit tropischen Früchten, dann Brotohniwurscht mit Käse. Die Föhren (Pinus) stehen dicht an dicht, mit 2.5m Abstand —> 16pro Are, 1600 pro ha. Vergleich: im Naturwald stehen ca 6 Stk einer Spezies pro ha, dafür 2-300 verschiedene Spezies pro ha. Kein Baum oder Gebüsch berührt einen andern, jeder hat seine eigen Ameisen-Kolonie zur Verteidigung gegen Angreifer. Hier: ein wildes Durcheinander, die Äste machen sich gegenseitig Konkurrenz und verdrängen sich, sind verdorrt. Eine Situation wie in einem Konzentrationslager! Der Boden ist durchgehend bedeckt von Trockenen Nadeln, vereinzelt ein grüner Büschel, wenig grosse Boviste, trostlos. Wir bemerken 2 Arten Ameisen: grosse Soldaten und ganz kleine Arbeiterinnen. Kein Leben. Ein farbiger Schmetterling, Nr.88, weckt unser Interesse, die offenen Flügel mit der schönen grünen Zeichnung zeigt er jeweils nur kurz.

Wir fahren weiter Richtung Argentinische Grenze, lassen die Wasserfälle am Rio Chapecó aus. Unser Tagesziel: die Termas Ilha Redonda, ca. 200km. Hügel, Berge, Täler wie gehabt, die Agro-Felder werden etwas grösser.Friedhöfe, eine Augenweide in Südamerika!

Zwischendurch 2 Regengüsse. Die grossen Städte Xanxere, Xanim und Chapecó lassen wir links liegen. Treibhauskulturen.

Nach Balnéario de Pratas zweigen wir von der SC-283 ab auf die Linha Seis de Setembro, ein ruppiger Feldweg, der uns runter zum Rio Uruguay und direkt zum CP führt.

 

Wieder einmal eine gute Grab‘sche Abkürzung. Der grosse CP liegt direkt neben dem Bad der Therme. Nachts gelegentlich Regen. Am Morgen Sonnenschein. Wir lassen uns Zeit. Vor Mittag reicht’s doch noch für einen kurzer Schwumm im Bad. Weil wir so spät dran sind, ist der Eintritt gratis. Schön warmes Wasser. Packen und weiter geht die Fahrt, Richtung Frederico Westphalen über Berge, durch Täler, über eine grosse Brücke über den breiten Rio Uruguay. Im dichten Nebel-Regen sehen wir den Fluss kaum. Die Soja-und Maisfelder werden grösser, überall verstreut. Leuchtende grün- und strohfarbene Töne. Heftige Regenfälle begleiten uns, unterbrochen mit blendendem Sonnenschein. In Frederico Westphalen tanken wir und fahren weiter Richtung NP Turvo mit dem längsten Wasserfall der Welt, des Rio Uruguay; Salto Yucumá (Brasilien) oder Saltos del Moconá (Argentinien). Wieder sehr starker Regen, wir müssen mitten auf der Strasse anhalten, weil wir nichts mehr sehen. Beim Parkeingang müssen wir umkehren, wir sind zu spät dran und im Park darf man nicht campieren. Beim CP Parque das Fontes haben sie den Preis noch weiter erhöht, als schon im iOverlander bemängelt wird. Wir fahren deshalb zum CP Balneario Martens. Hier werden wir freundlich empfangen.

Gedeckte Plätze mit WC, Strom und Fischteiche. Beim Füttern springen die Fische wild in die Höhe.

Weiter Regen und Abends noch Gewitter. Zum z‘Nacht Heidi‘s Neukreation: Kürbis mit Kartoffeln, gestampft mit scharfen Chili von Ubaldo, Zwiebeln, Knoblauch, Bouillon, Essig, Speckschwarte und oben drauf Spiegeleier. Mit Parmesan einfach gut. Dauerregen in der Nacht, der gegen Morgen abnimmt. Der Tag bringt viel Sonnenschein. Wir besuchen heute den NP Parque Estadual do Turvo. Im Besucherzentrum bekommen wir einen Einblick in den geschützten Park. Brasilien und Argentinien haben die Grenze von Foz do Iguaçu bis zur Missiones-Grenze geschützt. Wir sehen Aufnahmen von Jaguaren und vielen anderen Tieren.

Ameisen, 2cm gross

Nutrias

Wir fahren runter zum Salto Yucumá oder Saltos de Moconá. Mit 1800m Länge gehört er zu den grössten Wasserfällen der Welt, trotz bescheidenen 5m (bei geringen Wasserstand bis 10m Höhe.

Die Wassertiefe in der Rinne soll 90-100m sein. Ein eindrückliches, endloses Spektakel.. Wir geniessen das Laufen auf den grossen Steinen zwischen den „Mühlen“ hindurch..

Ein paar argentinische Boote bieten Touristen einen „Adventure-Kitzel“ direkt unter den Wassermassen des Rio Uruguay an.

Wir werden von Bernard angesprochen. Nicole & Bernard aus der Nähe von Perpignan, France, sind seit 40 Jahren unterwegs, min. 6 Monate. Im Moment mit einem Hilux mit „Gazelle“-Wohnaufbau.

 

Der Weg im Park hat von den gestrigen Niederschlägen gelitten: „Bäbätsch“ überall. Kookaburra legt sein Werktags-Gwändli an, eine dicke, braune Kruste. Auf dem Rückweg helfen wir einem Pannenfahrzeug mit Wasser aus: sein Kühler ist defekt, sein Motor heiss gelaufen. Wir fahren zurück zum CP Balneario Martens. Im Weiher suchen wir unser Nachtessen, Heidi fängt bald einen kapitalen Tilapia. Der „fachgeprüfte Fisch-Spezialist“ ausser kleinen Beifang (geschränzt) keine einzige Flosse. Bernhard hilft aus der Patsche. Die Fische werden vom CP-Personal fachgerecht vorbereitet. Zum z‘Nacht gibt es frisch gebratenen Tilapia mit Kartoffelstock an einer Sauce Hollandaise. Eigentlich gar nicht so schlecht, wie wir gemeint haben. Der Tilapia hat eine recht zähe Haut und festes, weiss-rotes Fleisch. Gekocht ist es fein, zart. Bei einem Glas Wein sitzen wir mit Nicole & Bernhard zusammen und tauschen Reiseerfahrungen aus.

Nach dem Packen bekommt Kooka ein Bad: mit dem Kärcher wird er sauber abgespritzt, mit dem Lappen nachgeputzt. Nun darf er sich wieder ungeniert zeigen. Regennasse Strassen sind in Brasilien ein „roter Bäbätsch“! Wir verabschieden uns von Nicole & Bernhard und fahren eine „Grab‘sche Abkürzung“ zur Fähre in Soberbo. Der Weg führt uns über Feldwege, durch ein hügeliges Bergland mit vielen Bauernhöfen, Kleinfarmen.

Soja-, Mais-, Tapioka-Felder wechseln sich ab. Die Zollabfertigung geht auf beiden Seiten rasch, schmerzlos (zu rasch, wie wir später erfahren werden). Die Fähre über den Fluss ist voll. Auf der Argentinischen Seite fallen vermehrt die Wälder auf, z.T. Mischwald, Föhren- und Eucalyptus-Kulturen. Die RP2 begleitet den Rio Uruguay. Über die RP103 gelangen wir nach Oberá, vorbei an kurz geschnittenen Maté-Tee-Feldern. Im Supermercado El Cóndor füllen wir unsere Reserven (mit Hunger, der Einkaufswagen wird randvoll). Beim CP Munizipal, Salto Berrondo bleiben wir für eine Nacht.

Fazit der Reise 2019

Bald geht’s weiter, zurück nach Uruguay zu unserem Kookaburra. Wir lassen die Post bis Mitte Juli 2020 umleiten

Seit Sommer 2019 sind wir wieder in der Schweiz, geniessen das warme Wetter, die Familie, Freunde und unser Haus. Ferien vom Reisen! Das Pilzlen kommt nicht zu kurz:

Kookaburra haben wir bei Dirk, Felix und Timo in Uruguay in einer Lagerhalle untergebracht. Sie werden ihm neue Schuhe für die Weiterreise verpassen, die notwendigen Servicearbeiten und ein paar Anpassungen machen.

Wir hatten eine tolle Reise in den letzten Monaten, natürlich mit ups and downs. Würden wir wieder alles gleich machen?

Wir hatten viele Highlights, die wir nicht missen möchten. Die Atlanikküste mit ihrer spannenden Fauna. Die wilden Weiten Patagoniens, seine grandiose Berg- und Gletscherweltwelt. Das wilde, rauhe Feuerland. Wobei man sich Ushuaia gerne schenken kann, mit seinem Selfie-Touristenrummel.

Etwas Besonderes war die Fahrt mit dem Schiff durch die patagonischen Fjorde Südchiles. Wir konnten leider nicht die Fähre Puerto Natales – Galeta Tortel nehmen. Sie hat eine beschränkte Kapazität, fährt selten und muss deshalb frühzeitig gebucht werden. Die „Notlösung“ nach Puerto Montt hat sich trotzdem gelohnt. Trotz schlechtem Wetter und hohen Wellen (eigentlich ein Dauerzustand). Der Nachteil: wir „mussten“ die Carratera Austral weit nach Süden „zurückfahren“ und haben damit den klimatischen Zeitplan etwas durcheinander gebracht: am Schluss mussten wir wegen Schnee offene Pässe Chile – Argeninien abwarten. Aber die Anden in Südchile haben uns grossartg entschädigt.

Auf einem zick-zack Kurs überquerten wir die Anden, genossen den Wein Argentiniens und die Pazifikküste von Chile. Wir badeten hoch in den Bergen im warm-heissen Flusswasser, fischten grosse Forellen aus dem glasklaren Wasser, staunten immer wieder vor den geologischen Wundern der Erdgeschichte.

Wir trafen viele Overlanders, genossen gemeinsame Reiseerlebnisse, hatten Spass miteinander, tauschten Reiseerfahrungen aus und pflegen die Kontakte weiter.

Wir froren ein paar Tage bei tiefen Temperaturen und streikender Heizung, haben aber dank warmen Betten nie gelitten.

Die Fahrt von den Anden über die Pampa nach Uruguay war eher ein „Abspulen“ der grossen Distanz, mit Lustfaktor.

Wir haben einen Rückflug Montevideo – Paris – Zürich – Montevideo gebucht. Am 27.12.2019 geht’s wieder los. Das Wetter wird wieder garstig in de Schweiz.

Über die Pampa nach Uruguay

Frisch gebadet in der Termas de Fiambala geht‘s ans Packen und weiterfahren. In Fiambala finden wir trotz Siesta einen offenen Shop für das Allernötigste. Die Fahrt durch das Tal Richtung Tinogasta / Ainogasta überrascht uns mit der Weite, den Distanzen. Die „nahe“ Bergkette ist 80km entfernt, die Berge 3-4000m hoch. Der Cerro del Candado ist 5500m hoch und 150km entfernt. Die grosse Ebene von Aimagasta ist 10‘000 km2 gross, ungefähr die Fläche des Schweizer Mittellandes. Um Aimagaste wachsen die Olivenbäume in den Himmel, grosse Palmen zeugen vom milden Klima. Die Flüsse aus den Bergen vertrocknen hier komplett. Bei einem Strassenhändler kaufen wir frische Orangen und Mandarinen. Nach Aimogasta suchen wir uns einen Nachtplatz in den Bergen. Das wird nicht ganz einfach, entweder ist alles privat eingezäunt oder die Felder voller Kakteen, ohne Seitenpfade. Einzig unter der Starkstromleitung des grossen Windparks finden wir etwas abseits der Strasse eine Fläche zum bleiben. Wir nennen ihn „Kaktus unter Strom“. Die Quebrada ist voll von Kakteen der verschiedensten Sorten.

Die Heizung läuft! Auf 900müM! Die Nacht ist ruhig, kein Wind, wenig Verkehr auf der Strasse, 13*C. Wegen den Windschutzplatten nehmen wir den Sonnenschein kaum wahr. Der grobkörnige Granit zerbröselt langsam. Gegen Mittag kommen wir doch noch weg. Die Pampa sieht von oben aus wie ein grosses Meer. Viel Buschland das an Australien erinnert. Bald tauchen grosse Olivenkulturen auf. In der grossen Stadt La Rioja füllen wir im Vea-Shopping unsere Fresserven auf. Haben wir eigentlich nicht schon genug bis Uruguay? Natürlich, die Frischwaren fehlen uns, und das Wasser, und…und…und… Dann geht das km-fressen weiter. Endlose gerade Strecken, wenig Verkehr. In Patquía eine Kurve, dann weder geradeaus, eine weitere Kurve in Punta de los Llanos und dann bis Chamical geradeaus. Im iOverlander sind drei Möglichkeiten erwähnt: 2Tankstellen und der CP Munizipal. Der wird aber so negativ beurteilt, dass wir ihn gar nicht berücksichtigen. 8 km gegen die Sierras de las Minas ist ein kleiner Stausee verzeichnet, das sieht vielversprechend aus. Leider darf man hier nicht übernachten. Der junge Wächter möchte uns den Platz schmackhaft machen, aber nur bis 20 Uhr. Wir kehren zurück zur Shell-Tankstelle und bleiben dort über Nacht. WiFi.

Die Nacht ist recht ruhig, etwas Töfflärm am frühen Abend, ein Laster, der am Morgen früh startet. 13-16*C recht warm. Heidi fühlt sich nicht wohl, wir stehen zu flach. Wir lassen den Morgen kommen, trinken Kaffee und Tee.

Die Fahrt durch die Pampa ist wie gehabt: 30km geradeaus, leichte Kurve bei Cañar, weitere 30km schnurgerade, S-Kurve um die gerade, alte Bahnlinie zu überqueren, 20km-Linie bis Serrezuela, weiter40km gerade bis Villa de Soto, mit einem Schlenker bei Paso Viejo. Die Landschaft trocken, Buschland mit vielen Baum-Kakteen, wenig Oliven.

Bei der Grenze La Rioja / Córdoba die tiefste Stelle mit einem vertrockneten Salzsee. Grosse Stein-Quader und Steinmöbel deuten auf die steinverarbeitende Industrie hin. In der YPF-Tankstelle Pause mit Kaffee und Sandwich. Richtung Cordoba nehmen wir den Weg „hintendurch“, die RPS401 durch die Sierra Grande.

Ein enger, holpriger Weg durch eine felsige, wilde Berg-Hügel-Landschaft mit Buschwald, vereinzelten Bachdurchfahrten und kleinen Farmen. Auf der Höhe suchen und finden wir einen Platz zum Übernachten bei Los Manantiales. Z‘Nacht: feines Suurchabis-Rippli mit Härdöpfel.

Linde Nacht, 16*C kaum Verkehr. Am Morgen bedeckter Himmel, kühl. Die Fahrt auf der RPS401 geht ruppig weiter über ein Hochland, Busch, wenige Farmen, in der Ferne eine Bergkette mit Cerro Pencales und Cumbre del Perchel. Über Brücken am Rio Candelaria und Rio Pintos. Felsige Rinnsale analog Vercasca aber flach. Gegen Cosquin queren wir die Bergkette kurvenreich. Das Tal des Rio Grande de Punilla ist dicht bebaut. Beim Stausee La Roque fahren wir die alte Strasse durch die Schlucht nach Cordoba. maps.me will uns direkt zum CP Munizipal führen, der Weg durch das Schutzgebiet ist jedoch nur für registrierte Fz. Statt 3km machen wir einen Umweg von 8km, vorbei am modernen Sport- und Konferenz-Zentrum. Der CP ist sehr gross, leer. Zum z‘Nacht eine „Omnia-Chicken-Roulade mit Gemüse“.

Nacht frisch, 17*C, ruhig, morgens leichter Regen. Heute Stadtbummeltag. Wir nehmen ein Taxi zum Zentralplatz San Martin, besuchen die Kathedrale, die älteste in SA. Schönes Kulturdenkmal. Auf einer Stadtrundfahrt mit einem alten englischen Doppeldeckerbus lernen wir in 80 Minuten „die Stadt kennen“.

Viele alte, prunkvolle Gebäude mit der ältesten Universität Argentiniens, grosse Parkanlagen. Frierend suchen wir ein gutes Restaurant, in der Fussgängerzone vergeblich. Nach dem Essen im El Ruedo fahren wir mit dem Taxi zurück.

Morgens frisch, leicht regnerisch. Fauler Tag mit interneten. Am Abend tauchen Flo & Alina auf. Fröhliches Wiedersehen, nach dem Nachtessen Geschichten und Erfahrungsaustausch bei einem Glas Malbec Selection von Dieter Meier bis Mitternacht.

Stromausfall in ganz Argentinien, Uruguay und Regionen von Paraguay und Brasilien. Aber das Internet funktioniert, wir bekommen die Meldung aus der Schweiz mit. Der Nachbar, Detlev und Rosmarie Tanas gesellen sich zu uns. Sie übernachteten ebenfalls in Chamical bei der Shell-Tankstelle. Sie sind mit ihrem WoMo seit 2002, mit Unterbrechungen, unterwegs. Kanada, Asien, Sibirien im Winter, Transpanamericana und planen von hier die Verschiffung nach Südafrika. Rosi hat 2 interessante Reisebücher geschrieben (nur privat).

Wir haben am Sonntag einen intensiven Werktag: Flo prüft und nimmt die ganze Webasto-Heizung auseinander.

Wir reinigen sie von Russ-Rückständen. Das ganze Ding ist eng verpackt, der Zugang recht schwierig. Nach dem Zusammenbau dreht der Motor unerklärlicherweise in die falsche Richtung, nochmals demontieren, Fehler suchen und wieder zusammensetzen. Die Heizung geht. Nun noch optimieren, es ist schon spät abends, das z‘Nacht wartet, die Frauen haben feine Teigwaren mit Sauce und Salat vorbereitet. Wieder bis Mitternacht Geschichten und Erfahrungen austauschen. Die Heizung streikt: Flamm-Abbruch. Wurde zuviel optimiert? Wir werden morgen sehen.

Kühler Morgen, frierend kalt ohne Heizung. Nach dem Kaffee geht‘s wieder an die Eingeweide der Heizung. Die Flamme löscht, sie springt nicht an, sie raucht weiss und schwarz Das Konzept: irgendwie verbrennt nicht aller Diesel. Dieser verdampft und löscht die Flamme. Wir bauen die ganze Heizung wieder aus. Ansaugstutzen und Brennkammer sind nass. Der Diesel kann nicht ungehindert durch das Sintersieb diffundieren und wird in den Ansaugstutzen zurück gedrängt. Das Sieb wird (kompliziert) ausgebaut, geputzt, mit Benzin, Bremsreiniger WD-40 und Alkohol gewaschen, mit einem Gasbrenner ausgeglüht bis möglichst alle Teer/Russ-Rückstände ausgeglüht sind. Nun sieht das Gitter etwas besser aus. Wieder (mühsam) zusammenbauen und testen. Erste Enttäuschung: es raucht. Zweite Enttäuschung: die Flamme löscht. Mit der Anpassung der Parameter kann Flo das Problem lösen. Wir haben wieder eine warme Heizung.

Detlev und Rosi verabschieden sich bald, dafür tauchen Susanne und Ueli auf. Fröhliches Wiedersehen.

Wir sitzen bei einem Kaffee bei Flo & Alina zusammen und nach dem Abendessen bei S&U bei ein paar Gläsern Malbec von Dieter Meier, lachen viel, tauschen Lebens- und Reiseerfahrungen aus. Nach Mitternacht geniessen wir unsere warme Stube.

Recht später z‘Morge, Flo, Alina Susanne & Ueli gesellen sich dazu. Neben Essen und Trinken wird die Welt verbessert. Die Heizung tut, aber mit Husten. Nach dem Mittag herzliches Abschied nehmen. Auf wiedersehen, wir werden uns wieder mal treffen, irgendwo auf dieser Welt. Es war schön, mit euch zu reisen, zu plaudern.

Wir tippen Santa Fe ins maps.me und nach fast einer Woche verlassen wir Cordobá. Zuerst auf der Stadt-Autobahn durch/um Cordoba, dann über die RN19 durch die Pampa Argentiniens: weite Flachlandschaft bis zum Horizont. Bald beginnen die quadratkilometer grossen trockenen Maisfelder, Landwirtschaft ohne Ende. Grosse Siloanlagen, Landmaschinenhändler, Dörfer mit „modernen Traditionen“: Disney-Figuren. In Arroyito ein „kleiner“ Einkauf: Früchte, Fleisch etc. Da der Sonnenuntergang naht, suchen wir eine Bleibe und werden im Balneario Munizipal am Rio Segundo fündig: grosser Parkplatz, viele Grillstellen, direkt am Fluss. Ruhige Nacht. Die Heizung läuft, mit Anlaufschwierigkeiten.

Puente Golgante

Wir sitzen nach dem Kaffee am Internet, wollen den Heim-Flug buchen. Die Reservation klappt, die Bezahlung nicht. Also los Richtung Santa Fe, da gibt es Reisebüros, vielleicht können die weiterhelfen. Über die RN19 über die weite, flache Pampa. Maisfelder, trocken, am Ernten oder missraten: kleine Pflanzen teils grün, teils verdorrt. Der Maiszünsler? Verarbeitungsbetriebe, Lagersilos, Zulieferer. Das Land ist flach, das Wasser des letzten Regens läuft kaum ab.

Rinderherden, vereinzelt Caucho-Pferde. Es reicht uns nicht bis Santa Fe, wir bleiben bei der Cruce 6/19 – Tankstelle. Grosse, tiefe Pfützen vom letzten Regen. Auf dem Camion-PP finden wir eine geeignete Ecke. Z‘Nacht: Bife de Chorizo mit Kabis/Kartoffel-Gemüse. Mmmhhh, fein, vollmundig, zart-rosa.

Die Nacht ist ruhig, die grossen Camions auf dem Platz fahren unbemerkt früh weg. Nach Duschen, z‘Mörgele fahren wir auf der RN19 weiter nach Santa Fe. Wir wollen in einem Reisebüro den Flug bestätigen. Wenig Verkehr, viel Platz auf dem zentralen PP Super Dar sollte uns eigentlich stutzig machen. Das erste Büro ist zu, das zweite ebenfalls. Aha, heute ist ein Nationaler Feiertag! Alles zu. In einem Café kann Heidi einen Air France Flug buchen, dann schliesst auch dieses Café! Zurück auf dem PP ist dieser auch noch geschlossen, Kooka einsam und allein. Wir können wenigstens durch eine kleine Tür rein. Wir machen einen Bummel durch die Stadt, essen beim Plaza 25 de Mayo etwas und kehren dann auf unseren sicheren Platz mitten in der Stadt.

Am frühen Morgen wecken uns Lastwagengeräusche. Der Supermercado wird wieder aufmunitioniert. Um 8 Uhr klopft es ans Fenster. Wir stehen etwas im Weg und ab 8 Uhr gelten die normalen Park-Tarife. Keine Probleme wegen der Nacht. Wir parken um, trinken im Shop Kaffee und Gipfeli (die best gesalzenen seit Monaten!). Ein kleiner Einkauf verbilligt die Parkgebühr, dann fahren wir zum Hafen runter.

Nun, das war mal ein wichtiger Hafen, heute sind die Silos zu Wohnungen umgebaut, die Hafenkräne als Zier-Erinnerungsstück und im Hafengebäude ein Casino. Dann besuchen wir die „berühmte Golden Gate Bridge“ von Santa Fe: nichts filigranes. Eckig, kantig, gerade.

Der Rio Coronada fliesst rasch aus der Laguna Setúbal, braun, mit vielen Wasserpflanzen. Beim alten Bahnhof trinken wir im Brew Pub Cola.

Der Bahnhof ist längstens umgenutzt worden mit Sprachschule, Dokumentationszentrum, Vergnügungspark. Auf der RN168 überqueren wir das breite Tal des Rio Paraná (etwa die Breite des CH-Mittellandes). Der Fluss selber ist untertunnelt. Nach Paraná führt uns die RN18 über die flach-hügelige Pampa des Entre Rios. Zum Rio Uruguay. Die Farmen werden wieder grösser, grosse Verarbeitungsbetriebe, Rinder- und Schweine-Mästereien, abgeerntete Felder. San Salvador ist die Reis-Hauptstadt Argentiniens. Das erscheint gut möglich, das Land ist sehr flach und überall unter Wasser. Bei Concordia zweigen wir ab nach Salto Grande zum Stausee des Rio Paraná. Hier war der Ursprung des grossen Black-Outs letzter Woche. Wir finden einen gemütlichen Platz im CP Las Palmeras direkt am See. Heute gönnen wir uns ein Raclette mit argentinischem Schmelzkäse und allem Drum und Dran. Das Raclette-Öfeli bewährt sich bestens.

 

Wir erwachen, es ist warm, im Park sieht es tropisch aus: Palmenstrand. Wir fühlen uns in den Tropen, angenehm warm nach dieser kalten Reise. Erinnerungen an Bali kommen auf. Kurzer Spaziergang dem Strand entlang.

Spuren von Capibaras. Am warmen Abend kommt ein Pferd vorbei, erhält Rüebli.

Ein Rasender Bötler mit einem Flugzeugmotor

Ein fauler Tag mit lesen. Simon & Melanie (?) aus Basel treffen ein. Wir haben uns in El Chaitén und Porvenir getroffen. Wir machen uns Grill-Plätzli mit Gemüse-Mix und Pure de Papa und das Pferd holt sich wieder ein Rüebli und Salatblätter.

Noch eine angenehme Nacht / Tag 17*C. Langsam packen, Wasser auffüllen und ab Richtung Uruguay. Keine Eile, dort herrscht kaltes, regnerisches Wetter. Beim gemeinsamen Zoll ARG/ UY geht die Abfertigung zügig voran, nach einer halben Stunde heisst es „pasa“. Keine unangenehmen Kontrollen, alle Papiere / Stempel i.o.

Der Weg führt über den grossen, 37m hohen, Staudamm des Rio Uruguay. An beiden Ufern die Kraftwerke der beiden Staaten. In Salto Grande ein kurzer Einkaufsstopp, dann weiter, durch eine weite, hügelige Landschaft mit Farmen auf beiden Seiten, bis zu den Termas de Guaviyu. Wir buchen 2 Tage auf dem dazugehörigen CP. Neben Apéro wird Fleisch für ein paar Tage eingelegt: mager, schön rot, vom Rücken oder Stotzen in Kola (original) / Wein, ein Ojo de Agua von D.Meer. Mit Zitronensaft, Essig, Pfeffer, Knoblauch, Zwiebeln, Chili, Lorbeer, Nelken, alles fein gehackt. Das wir ein feiner Ragout werden. Zum z‘Nacht Bohnen/grüner Salat. Das Internet funktioniert erstaunlich gut mit dem Argentinischen Movistar-Chip. Wie sich herausstellt, nur in Grenznähe.

Das Wetter ändert, wird regnerisch und kühl mit einem starken Wind. Wir füllen einen faulen Tag mit Brot backen. Am Abend ein leuchtender Sonnenuntergang. Das Internet von Movistar ist abgehängt..

Kühle Nacht, Morgenfrost, innen 4*C. Nebel über dem leicht erwärmten Fluss.

Ein Konfi-Brot zum z‘Morge. Wir fahren weiter über die RN3 via Paysandu zum Geoparque Grutas del Palacio nach Trinidad. Die Landschaft: weit, flach, wellig. Viele Farmen, grosse Rinderherden, abgeerntete Felder, grosse Silo-Anlagen.

Der Geopark Grutas del Palacio ist etwas Besonderes: eine dicke Sandsteinplatte, die sich durchs halbe Land zieht, ist hier durch Wassererosion in eine Säulen-Skulptur mit Höhlen verwandelt worden, nicht sehr gross, aber sehr hübsch.

 

Im Visitor Center wird die geologische Erdgeschichte kurz gestreift. Die Suche nach einem CP wird schwieriger: sie sind dünn gesät, insbesondere an der RN3. Im Centennial Park in Trinidad dürfen wir nicht bleiben, sagt die Putzfrau! Bei der Axxon-Tankstelle können wir übernachten. Der Sonnenuntergang ist ein grandioses Farbenspiel.

Die Nacht ist ruhig und kühl aber nicht kalt 6*C. Morgenessen im Café mit Gipfeli, WiFi. Gegen Mittag Aufbruch auf der RN3 Richtung UY-Storage bei Dirk.

Die Landschaft wie gehabt, mal eine Sammlung ausrangierter Agro-Maschinen, mal alte VW-Bullis, mal von der Polizei eingesammelte Töffs. Viele Mastrinderherden, glückliche Mastschweine. In San José Abstecher ins Stadtzentrum. Mittagessen im Club Cantina. Weiter über die RN11, RN8 zu Dirk. Die Sonne ist schon farbig untergegangen, Felix empfängt uns, wir richten uns ein und schliessen die Reise mit einem Apéro ab. Der Ojo de Agua von Dieter Meier mit Cola ist eine exklusive Kombination!

Ja, wir haben die Reise gut überstanden, keine wesentlichen Probleme gehabt und eigentlich (fast) alles gut gemacht.

Die letzten Tage sind eher ruhig, regnerisch und kühl. Ein letztes Brot backen, die Wäsche waschen, das Trocknen können wir vergessen, Fotos bearbeiten und Werkplan für die Reisevorbereitungen, Aufräumen, putzen. Der Internet-Empfang ist schlecht.

Zum z‘Nacht wird der Kola-Wein-Ragout von Guaviyu zubereitet, zusammen mit Rüebli, Lauch, Zwiebeln, Chili, Salz, Bouillon. Das Fleisch darf nur kurz angebraten werden, es verliert sonst rasch Wasser. Die Flüssigkeit einkochen bis sie dick ist, mit Rahm verfeinern, das Fleisch kurz mit wärmen. Mmmmh, fein, das Fleisch ist chäch aber nicht zäh.

Der letzte Tag bricht an, starker Wind leichter Regen, nass-kalt. Doch bald scheint die Sonne etwas durch die Wolken und hilft die Wäsche trocknen. Die Heizung läuft fast den ganzen Tag, damit Kookaburra etwas austrocknen kann. Ausräumen, Putzen, Einräumen, zwischendurch alles unter Dach bringen, wegen Regen. Am späten Nachmittag meldet sich der Hunger. Kochen. Reste vom Ragout, Bratwurst-Rugeli, Teigwarenreste an Cremesauce. Mmmmhhh, fein. Am Abend kommt noch Besuch: Konrad aus Düsseldorf (nicht zu verwechseln mit Klaus, El Bolson), ist mit einem Mercedes Geländelastwagen (ähnlich Steir) seit längerem unterwegs. Er hat sich im Hochland von Uruguay 126ha Land gekauft und will dies natürlich entwickeln mit einem See mit Fischzucht, quasi als Gegenbild zu den kranken Fischen die er in Punta del Este gesehen hat. Am Abend wird noch ein Landi bereitgestellt.

Wir stehen recht früh auf, die Sonne scheint. Konrad wird schon um 8Uhr abgeholt. Fertigpacken, Fz einpacken. Der Landi wird von einer deutschen Familie mit 2 Kleinkindern abgeholt. Sie wollen in 6 Wochen via Iguassu nach Peru fahren. Sie haben schon einige Etappen hinter sich. Wir werden pünktlich abgeholt und erreichen den Flughafen zeitig. Der Air France- Flug ist ruhig. Das Umsteigen in Paris klappt und in Kloten steht das Empfangskomitee bereit. Wir sind zurück in der heissen Schweiz.

Paso San Francisco

Wir suchen einen Ausweg aus Chile. Die meisten Pässe sind witterungsbedingt oder saisonal geschlossen. Der wichtigste Übergang zwischen Chile (Santiago) und Argentinien (Mendoza), der Redentor,  wird wenn immer möglich offen gehalten. Nun sind jedoch grosse Mengen Schnee gefallen und tiefe Temperaturen führen zur Eisbildung. Die Bilder, die wir sehen lassen nichts Gutes erwarten. Dieser Übergang ist rund 700km im Süden. Die Pässe Sico und Jama im Norden sind wieder offen, bedeuten aber einen Umweg von fast 2000km. Der Paso San Francisco ist seit ein paar Wochen geschlossen, unsere Wetterinformationen zeigen jedoch, dass es dort kaum Schnee hat, nur tiefe Temperaturen. Dieser Pass sollte eigentlich in den nächsten Tagen auf gehen. Die Informationen im Internet sind unklar.

Wir sind in Copiapó. Auf einem Parkplatz bei einer Copec Tankstelle. Die Nacht ist recht ruhig, wenig Verkehr, keine Spinner mit lauten Fahrzeugen. Am Morgen 10*C. Wir benutzen das Angebot der warmen Dusche, ein Service der Copec, den wir nicht mehr missen möchten. Zuerst fahren wir in die Stadt, zur Touristeninfo. Die wissen dort genau soviel wie wir aus dem Internet. Daneben liegt das Govierno Regional de Atacama-Gebäude. Hier werden wir fündig mit Matías Clavijo Vita. Er hat auch nicht neuere Infos, aber er kann die verantwortlichen Leute kontaktieren. Er meint, dass der Pass bis Ende Woche öffnen sollte. Er wird uns Bescheid geben, mangels Verbindung aufs SatPhone.

Da wir sowieso nicht in 4 Stunden auf den Pass wollen, sondern in 4Tagen, zischen wir los in die Berge. Wir möchten ja die Höhenkrankheit verhindern und sollten gemäss Angaben des Arztes höchstens 500m pro Nacht höher schlafen. Der Pass hat eine Höhe von 4755müM, wir brauchen Zwischenstationen.

Die Landschaft wird noch viel karger, nur wunderbar wüste Berge, staubig-felsig, keine Pflanzen, nicht mal trockene Stauden. Dafür überall Minen-Löcher. Ein paar grosse sind immer noch aktiv, viele Kleine sind verlassen.

Das breite Bachbett zeigt die Wucht, wenn Wasser fliesst, jetzt ist alles furztrocken. Die kleine Siedlung Puquios war einmal, jetzt stehen nur noch Ruinen der Adobe-Bauten aus strohverstärktem Lehm. Das letzte Hochwasser hat ganze Arbeit geleistet.

Bei der Abzweigung der C-341 in La Puerta bleiben wir auf der grossen Schwemm-Ebene auf 1600müM. Heidi muss einen Erkältungs-Fieberschub auskurieren. Wir geniessen (trotzdem) die Wärme dieses Tages. Über 20*C nach Sonnenuntergang.

Zum z‘Nacht Resten von der Parillade mit feinem, scharfen Gemüse. Die winzigen Chilischoten sind enorm konzentriert.

Wir lassen uns viiiil Zeit, wir haben heute nur eine kurze Strecke vor uns, wir wollen ja noch nicht hoch hinaus! 4 Rotkopf-Geier haben unsere Toilette entdeckt. En Guete.

Ein Camper hält an. Renate & Yannick aus Solothurn sind 3 1/2 Monate in Chile unterwegs, von Punta Arenas, Feuerland nun noch 9 Tage bis Calama. Dann ohne Auto bis Mitte August in Bolivien und Peru. Sie wollen noch heute zur Laguna San Francisco über 4100müM, obwohl sie vom Pacific gestartet sind. Ob das gut geht?

Wir fahren etwas höher als geplant bis auf 2860müM auf einen zwar etwas engen aber grossen, flachen Platz.

Bald tauchen Renate & Yannick auf. Sie hatten in der Höhe Motorprobleme und Renate Anzeichen von zu viel Höhe. Sie fahren noch weiter runter. Heidi muderet immer noch.

Die Nacht ist frisch, 8*C. Renate &Yannick fahren schon recht früh vorbei. Alles ok? Heidi fühlt sich nicht wohl, muss erbrechen. Das Kopfweh verschwindet mit dem Kaffee. Wir fahren ein Stück zurück, 200m tiefer und machen eine kurze Wanderung. Das hilft.

Mit besserem Gewissen können wir das Tal hinauffahren bis zur Passhöhe auf 4123müM. Die Landschaft: karge Berge mit viel Fels-Schutt, kleine Oasen mit Wasser und Feuchtgebieten, vereinzelte, verlassene Häuser (Winterbetrieb?).

Bald sehen wir erste Schneefelder, schön dekorativ an den Berghängen.

Ein Adlerpaar (Kara Kara) prüft unseren Kooka auf Herz und Nieren: setzt sich auf die Motorhaube, beäugt uns und die Partnerin faucht uns heftig an: was wollt ihr eigentlich hier oben?

Auf der Passhöhe die obligaten Fotos, doch plötzlich schreit Heidi entsetzt: das Fahrzeug wird durchgeschüttelt, von einem Erdbeben.

Das Refugio Flamenco an der Laguna Santa Rosa ist ganzjährig offen. Alvero, der freundliche Concessionar von CONAF ist mit Einrichtungen beschäftigt. Er gibt uns nützliche Hinweise über die Gegend.

Wir fahren um die Lagune herum und bleiben über Nacht mitten in der Ebene auf 3800müM. Ein schönes Abendrot leuchtet am Himmel. Die Heizung hilft gegen die Kälte.

Tres Cruzes

Die Nacht ist sehr kalt, -10*C im Fz. Aber unter der Bettdecke ist es angenehm warm, obschon sich die Kälte jede kleinste Ritze und Lücke sucht. Am Morgen funktioniert die Heizung nicht mehr. Sie ist verschnupft, verrusst. Dank warmem Sonnenschein frieren wir nicht.

Wir haben alle Zeit. Matías Clavijo hat uns über Satphone weitere Infos zur Öffnung des Paso San Francisco versprochen, hat jedoch immer noch keine News. Wir fahren zur Aduana Chile. Da ist kein Betrieb. Einzig ein Zöllner und ein Carabinieri tauchen auf. Der Pass soll morgen „bearbeitet werden“ mit dem Grader, der untätig herumsteht. Am Samstag morgen soll der Pass dann geöffnet werden.

Der Zöllner macht uns einen Vorschlag zum Besuch des grossen Salar de Pedernales am Fuss des Volcan Doña Inés und der Sierra Borax.

Wir queren eine weite, öde Hoch-Landschaft mit vielen Vulkanen, Steinhaufen und grossen trockenen Kies-Ebenen. Bei einer Ruine begegnen wir zwei neugierigen, einsamen Eseln.

Wir bleiben über Nacht, ohne Heizung, hier. Die Nacht ist wieder sehr kalt (-10*C im Fz) Am Morgen ist das Wasser eingefroren. Doch mit der Sonne wird es sommerlich warm. Die Ruinenmauer hat den Wind recht gut abgehalten.Guanacos tauchen auf.

Langsames z‘Mörgele mit Spiegelei & Schinken / Käse auf Toast.

Wir laufen auf den Salar hinaus zu einer Lagune.

Volcan Doña Inés

  Etwa 2 Dutzend Flamingos suchen den Schlamm nach essbaren Krebsen ab.

Der Boden des Salars ist sehr vielfältig, salzverkrustet, sandig, sumpfig.

Am späteren Nachmittag fahren wir den Weg zurück Richtung Zollposten. Wir haben von Matias vernommen, dass der Pass morgen geöffnet wird.

Die Rückfahrt gibt eine ganz andere Perspektive des Salars und der Berge. Jetzt haben wir den Volcan Copiapó vor uns.

Bei La Ola ein kurzer Halt. Hier wird der Bach gestaut und das Wasser für die Kupfermine El Salvador gefasst. Das Schild: „no pescar, privado“ hat seine Bewandtnis: Forellen zeigen die Qualität des Wassers an und kleinere Fische sind ihr Arbeitslohn.

Ein schnell fliessender Bach mitten in einer trockenen, unwirtlichen Wüste ist schon erstaunlich: ein Anfang, ein Ende und dazwischen Leben.

Bei der Zollstation ist noch alles geschlossen, aber wir dürfen in den Komplex einfahren und bekommen ein warmes Zimmer zugewiesen. Wir kochen die Gemüsereste, bevor wir die Grenze überqueren, zu einem feinen z‘Nacht.

Wir schlafen, warm, zwar etwas unruhig (sind da nicht Flöhe herumgehüpft?). Der Morgen erwacht langsam, ein Beamter geht mit einem breiten Besen durch die kalten Räumlichkeiten, keine Hektik. Nach einem ausgiebigen z‘Morge suchen wir zuständige Schalterbeamte. Nun geht es nach den Regeln voran: zuerst Immigration, dann Aduana und schon können wir gehen.

Kooka ist noch nicht ganz wach und warm, er raucht fürchterlich schwarz und weiss. Bald zieht er, wie gewohnt, die lange, flache Steigung hinauf Richtung Paso San Francisco. Wir tauchen in eine faszinierende Bergwelt mit vielen Vulkanen und Sand / Kies-Ebenen.

Ein paar Bäche haben tiefe Furchen gegraben, sogar einen echten Wasserfall mitten in der Wüste.

                                                                                                   Peña Blanca

In der Höhe nimmt der Schnee leicht zu, wie erwartet.

Die Laguna Verde ist wirklich kräftig türkis-grün.

Die Terme ist etwas heruntergekommen, einzelne Wannen enthalten schön warmes Wasser, aber so richtig anmächelig sind sie nicht.

Gegen die Passhöhe begegnen wir dem ersten, glatten Eisfeld, etwa 50m lang. Auf der argentinischen Seite dasselbe nochmals.

Langsam darüber rutschen! Etwa ein km Schnee musste weggeräumt werden.

Aber nicht zu schnell!

Dafür würden die CH-Teams in den Alpen keinen Tag brauchen. Es gab wohl andere Gründe, den Pass nicht sofort freizuschaufeln.

Nevado San Franzisco 6016m

Berechtigte Warnung vor starkem Wind.

Schutzhütte auf der Passhöhe 4754m. 

Dunkle, drohende Vulkane: Cerro El Fraile 6062m 

Volcán Incahuasi 6638m

Der Grenzübertritt nach Argentinien in Las Grutas geht zügig voran: Personalien eintippen, Fz-Details eintippen und die Fz-Kontrolle: ein kurzer Blick hinten rein, ein weiterer, noch kürzerer Blick in den Fahrerraum: „Buen Viaje!“ Und wir habe uns so Mühe gegeben mit dem Opfersäckli mit Zitronenschnitzen, Knoblauchzehen. Der Rest im Kühlschrank („na, dann nehmt ihr halt die Butter und den Rest der Wurst auch“) oder im grossen Kühlschrank sehr gut versteckt. Dafür bekamen wir für Kooka einen 8-Monate-Aufenthalt in Argentinien. Den brauchen wir zwar jetzt nicht, aber gut zu wissen, dass das problemlos geht.

Nach dem Zoll geht die Fahrt durch ein Hochtal langsam runter. Links und rechts die alten Spuren vulkanischer Aktivitäten: schwarze Lava, regenbogenfarbige Berghänge, goldgelbe Grasbüschel und viele Vicuñas.

Eigentlich möchten wir wegen der streikenden Heizung in tiefere Regionen, aber bis Fiambala ist es uns mit 100km doch zu weit. Wir bleiben auf 3360müM beim Touristenkomplex Cortaderas am Bach Guanchin. 

Wir geniessen unseren neuen Apéro-Drink: Tardia (Tinto dulce) / Cola / Wasser, das ist sowas wie kalter Glühwein!

Die Nacht ist ruhig, -3*C. Am Morgen wärmen wir das Fz mit dem Motor und der Heizung der Klimaanlage, das klappt ganz gut. Und bald scheint die Sonne warm. Am Mittag! Ja wir bleiben lange im warmen Huli. Beim z‘Mörgele taucht Lukas auf, ein Farmer, der an Pfingsten seine Kühe sucht. Er ist erstaunt über unsere Spanisch-Kenntnisse.

Die Fahrt durch das breite, lange Tal erinnert an das Hinterrheintal, nur mit 100km Länge viel grösser.

Die Berge zeigen alle Erdfarben, der Bach bringt genügend Feuchtigkeit, Wildgänse fliegen zu den offenen Wasserstellen, Kondore kreisen am Himmel, Vicuñas und Guanacos (die mit dem Bart), Esel und wenige Kühe weiden das trockene Gras ab. Kein Verkehr auf der Strasse.

Junge Kakteen

In der Quebrada Los Angosturas verlieren wir endlich an Höhe, von 3100 auf 1500müM. Diese Schlucht ist wieder ein Highlight an farbigen Felsstrukturen. Einfach eindrücklich.

 

Im Tal von Fiambala dominieren dann wieder die enormen Kieshaufen und am Gegenhang die Sanddünen.

Im Fiambala ist wegen Pfingsten fast alles geschlossen.

Wir tanken, füllen Wasser nach und fahren zu den Termas de Fiambala hinauf.

 

Im Vergleich zum letzen mal zahlen wir eine hohe Inflationsrate! Im Februar 2018 haben wir noch 400 Eintritt und 300 fürs Übernachten bezahlt. Diesmal 600 und 700! Trotzdem lohnt sich der Besuch der schön angelegten, warmen und grossen Terme.

Wir geniessen das warme Wasser fast bis zum Umfallen, anschliessend lassen wir uns von El Negro mit einer Poulet-Roulade verwöhnen.

Wir bleiben über Nacht auf dem Parkplatz, mit WC und Stromanschluss.

Die Nacht ist ruhig, abgesehen vom Dauerrauschen des Baches neben dem PP. In der Nacht „gemütliche“ 13*C. Nach einem langen z‘Morge schaffen wir es doch noch, vor dem Mittag im warmen Wasser zu baden.

Herrlich! Nach einer Stunde sind wir so müde, wir müssen raus und uns ausruhen. Warmes Wasser belastet den Körper.