Paso San Francisco

Wir suchen einen Ausweg aus Chile. Die meisten Pässe sind witterungsbedingt oder saisonal geschlossen. Der wichtigste Übergang zwischen Santiago und Mendoza (Redentor) wird wenn immer möglich offen gehalten. Nun sind jedoch grosse Mengen Schnee gefallen und tiefe Temperaturen führen zur Eisbildung. Die Bilder, die wir sehen lassen nichts Gutes erwarten. Dieser Übergang ist rund 700km im Süden. Die Pässe Sico und Jama im Norden sind wieder offen, bedeuten aber einen Umweg von fast 2000km. Der Paso San Francisco ist seit ein paar Wochen geschlossen, unsere Wetterinformationen zeigen jedoch, dass es dort kaum Schnee hat, nur tiefe Temperaturen. Dieser Pass sollte eigentlich in den nächsten Tagen auf gehen. Die Informationen im Internet sind unklar.

Wir sind in Copiapó. Auf einem Parkplatz bei einer Copec Tankstelle. Die Nacht ist recht ruhig, wenig Verkehr, keine Spinner mit lauten Fahrzeugen. Am Morgen 10*C. Wir benutzen das Angebot der warmen Dusche, ein Service der Copec, den wir nicht mehr missen möchten. Zuerst fahren wir in die Stadt, zur Touristeninfo. Die wissen dort genau soviel wie wir aus dem Internet. Daneben liegt das Govierno Regional de Atacama-Gebäude. Hier werden wir fündig mit Matías Clavijo Vita. Er hat auch nicht neuere Infos, aber er kann die verantwortlichen Leute kontaktieren. Er meint, dass der Pass bis Ende Woche öffnen sollte. Er wird uns Bescheid geben, mangels Verbindung aufs SatPhone.

Da wir sowieso nicht in 4 Stunden auf den Pass wollen, sondern in 4Tagen, zischen wir los in die Berge. Wir möchten ja die Höhenkrankheit verhindern und sollten gemäss Angaben des Arztes höchstens 500m pro Nacht höher schlafen. Der Pass hat eine Höhe von 4755müM, wir brauchen Zwischenstationen.

Die Landschaft wird noch viel karger, nur wunderbar wüste Berge, staubig-felsig, keine Pflanzen, nicht mal trockene Stauden. Dafür überall Minen-Löcher. Ein paar grosse sind immer noch aktiv, viele Kleine sind verlassen.

Das breite Bachbett zeigt die Wucht, wenn Wasser fliesst, jetzt ist alles furztrocken. Die kleine Siedlung Puquios war einmal, jetzt stehen nur noch Ruinen der Adobe-Bauten aus strohverstärktem Lehm. Das letzte Hochwasser hat ganze Arbeit geleistet.

Bei der Abzweigung der C-341 in La Puerta bleiben wir auf der grossen Schwemm-Ebene auf 1600müM. Heidi muss einen Erkältungs-Fieberschub auskurieren. Wir geniessen (trotzdem) die Wärme dieses Tages. Über 20*C nach Sonnenuntergang. Zum z‘Nacht Resten von der Parillade mit feinem, scharfen Gemüse. Die winzigen Chilischoten sind enorm konzentriert.

Wir lassen uns viiiil Zeit, wir haben heute nur eine kurze Strecke vor uns, wir wollen ja noch nicht hoch hinaus! 4 Rotkopf-Geier haben unsere Toilette entdeckt. En Guete.

Ein Camper hält an. Renate & Yannick aus Solothurn sind 3 1/2 Monate in Chile unterwegs, von Punta Arenas, Feuerland nun noch 9 Tage bis Calama. Dann ohne Auto bis Mitte August in Bolivien und Peru. Sie wollen noch heute zur Laguna San Francisco über 4100müM, obwohl sie vom Pacific gestartet sind. Ob das gut geht?

Wir fahren etwas höher als geplant bis auf 2860müM auf einen zwar etwas engen aber grossen, flachen Platz. Bald tauchen Renate & Yannick auf. Sie hatten in der Höhe Motorprobleme und Renate Anzeichen von zu viel Höhe. Sie fahren noch weiter runter. Heidi muderet immer noch.

Die Nacht ist frisch, 8*C. Renate &Yannick fahren schon recht früh vorbei. Alles ok? Heidi fühlt sich nicht wohl, muss erbrechen. Das Kopfweh verschwindet mit dem Kaffee. Wir fahren ein Stück zurück, 200m tiefer und machen eine kurze Wanderung. Das hilft.

Mit besserem Gewissen können wir das Tal hinauffahren bis zur Passhöhe auf 4123müM. Die Landschaft: karge Berge mit viel Fels-Schutt, kleine Oasen mit Wasser und Feuchtgebieten, vereinzelte, verlassene Häuser (Winterbetrieb?).

Bald sehen wir erste Schneefelder, schön dekorativ an den Berghängen. Ein Adlerpaar prüft unseren Kooka auf Herz und Nieren: setzt sich auf die Motorhaube, beäugt uns und die Partnerin faucht uns heftig an: was wollt ihr eigentlich hier oben? Auf der Passhöhe die obligaten Fotos, doch plötzlich schreit Heidi entsetzt: das Fahrzeug wird durchgeschüttelt, von einem Erdbeben.

Das Refugio Flamenco an der Laguna Santa Rosa ist ganzjährig offen. Alvero, der freundliche Concessionar von CONAF ist mit Einrichtungen beschäftigt. Er gibt uns nützliche Hinweise über die Gegend. Wir fahren um die Lagune herum und bleiben über Nacht mitten in der Ebene. Ein schönes Abendrot leuchtet am Himmel. Die Heizung hilft gegen die Kälte.

Die Nacht ist sehr kalt, -10*C im Fz. Aber unter der Bettdecke ist es angenehm warm, obschon sich die Kälte jede kleinste Ritze und Lücke sucht. Am Morgen funktioniert die Heizung nicht mehr. Sie ist verschnupft, verrusst. Dank warmem Sonnenschein frieren wir nicht.

Wir haben alle Zeit. Matías Clavijo hat uns über Satphone weitere Infos zur Öffnung des Paso San Francisco versprochen, hat jedoch immer noch keine News. Wir fahren zur Aduana Chile. Da ist kein Betrieb. Einzig ein Zöllner und ein Carabinieri tauchen auf. Der Pass soll morgen „bearbeitet werden“ mit dem Grader, der untätig herumsteht. Am Samstag morgen soll der Pass dann geöffnet werden.

Der Zöllner macht uns einen Vorschlag zum Besuch des grossen Salar de Pedernales am Fuss des Volcan Doña Inés und der Sierra Borax. Wir queren eine weite, öde Hoch-Landschaft mit vielen Vulkanen, Steinhaufen und grossen trockenen Kies-Ebenen. Bei einer Ruine begegnen wir zwei neugierigen, einsamen Eseln. Wir bleiben über Nacht, ohne Heizung, hier.

Die Nacht ist wieder sehr kalt (-10*C im Fz) Am Morgen ist das Wasser eingefroren. Doch mit der Sonne wird es sommerlich warm. Die Ruinenmauer hat den Wind recht gut abgehalten. Langsames z‘Mörgele mit Spiegelei & Schinken / Käse auf Toast.

Wir laufen auf den Salar hinaus zu einer Lagune. Etwa 2 Dutzend Flamingos suchen den Schlamm nach essbaren Krebsen ab. Der Boden des Salars ist sehr vielfältig, salzverkrustet, sandig, sumpfig.

Am späteren Nachmittag fahren wir den Weg zurück Richtung Zollposten. Wir haben von Matias vernommen, dass der Pass morgen geöffnet wird. Die Rückfahrt gibt eine ganz andere Perspektive des Salars und der Berge. Jetzt haben wir den Volcan Copiapó vor uns.

Bei La Ola ein kurzer Halt. Hier wird der Bach gestaut und das Wasser für die Kupfermine El Salvador gefasst. Das Schild: „no pescar, privado“ hat seine Bewandtnis: Forellen zeigen die Qualität des Wassers an und kleinere Fische sind ihr Arbeitslohn. Ein schnell fliessender Bach mitten in einer trockenen, unwirtlichen Wüste ist schon erstaunlich: ein Anfang, ein Ende und dazwischen Leben.

Bei der Zollstation ist noch alles geschlossen, aber wir dürfen in den Komplex einfahren und bekommen ein warmes Zimmer zugewiesen. Wir kochen die Gemüsereste zu einem feinen z‘Nacht.

Wir schlafen, warm, zwar etwas unruhig. Der Morgen erwacht langsam, ein Beamter geht mit einem breiten Besen durch die kalten Räumlichkeiten, keine Hektik. Nach einem ausgiebigen z‘Morge suchen wir zuständige Schalterbeamte. Nun geht es nach den Regeln voran: zuerst Immigration, dann Aduana und schon können wir gehen.

Kooka ist noch nicht ganz wach und warm, er raucht fürchterlich schwarz und weiss. Bald zieht er, wie gewohnt, die lange, flache Steigung hinauf Richtung Paso San Francisco. Wir tauchen in eine faszinierende Bergwelt mit vielen Vulkanen und Sand / Kies-Ebenen.

Ein paar Bäche haben tiefe Furchen gegraben, sogar einen echten Wasserfall mitten in der Wüste. In der Höhe nimmt der Schnee leicht zu, wie erwartet.

Die Laguna Verde ist wirklich kräftig grün. Die Terme ist etwas heruntergekommen, einzelne Wannen enthalten schön warmes Wasser, aber so richtig anmächelig sind sie nicht.

Gegen die Passhöhe begegnen wir dem ersten, glatten Eisfeld, etwa 50m lang. Auf der argentinischen Seite dasselbe nochmals. Langsam darüber rutschen! Etwa ein km Schnee musste weggeräumt werden. Dafür würden die CH-Teams in den Alpen keinen Tag brauchen. Es gab wohl andere Gründe, den Pass nicht sofort freizuschaufeln. Der Grenzübertritt nach Argentinien in Las Grutas geht zügig voran: Personalien eintippen, Fz-Details eintippen und die Fz-Kontrolle: ein kurzer Blick hinten rein, ein weiterer, noch kürzerer Blick in den Fahrerraum: „Buen Viaje!“ Und wir habe uns so Mühe gegeben mit dem Opfersäckli mit Zitronenschnitzen, Knoblauchzehen. Der Rest im Kühlschrank („na, dann nehmt ihr halt die Butter und den Rest der Wurst auch“) oder im grossen Kühlschrank sehr gut versteckt. Dafür bekamen wir für Kooka einen 8-Monate-Aufenthalt in Argentinien. Den brauchen wir zwar jetzt nicht, aber gut zu wissen, dass das problemlos geht. Nach dem Zoll geht die Fahrt durch ein Hochtal langsam runter. Links und rechts die alten Spuren vulkanischer Aktivitäten: schwarze Lava, regenbogenfarbige Berghänge, goldgelbe Grasbüschel und viele Vicuñas. Eigentlich möchten wir wegen der streikenden Heizung in tiefere Regionen, aber bis Fiambala ist es uns doch zu weit. Wir bleiben auf 3360müM beim Touristenkomplex Cortaderas am Bach Guanchin.

Wir geniessen unseren neuen Apéro-Drink: Tardia (Tinto dulce) / Cola / Wasser, das ist sowas wie kalter Glühwein!

Die Nacht ist ruhig, -3*C. Am Morgen wärmen wir das Fz mit dem Motor und der Heizung der Klimaanlage, das klappt ganz gut. Und bald scheint die Sonne warm. Am Mittag! Ja wir bleiben lange im warmen Huli. Beim z‘Mörgele taucht Lukas auf, ein Farmer, der an Pfingsten seine Kühe sucht. Er ist erstaunt über unsere Spanisch-Kenntnisse.

Die Fahrt durch das breite, lange Tal erinnert an das Hinterrheintal, nur mit 100km Länge viel grösser. Die Berge zeigen alle Erdfarben, der Bach bringt genügend Feuchtigkeit, Wildgänse fliegen zu den offenen Wasserstellen, Kondore kreisen am Himmel, Vicuñas und Guanacos (die mit dem Bart), Esel und wenige Kühe weiden das trockene Gras ab. Kein Verkehr auf der Strasse.

In der Quebrada Los Angosturas verlieren wir endlich an Höhe, von 3100 auf 1500müM. Diese Schlucht ist wieder ein Highlight an farbigen Felsstrukturen. Einfach eindrücklich.

Im Tal von Fiambala dominieren dann wieder die enormen Kieshaufen und am Gegenhang die Sanddünen. Im Fiambala ist wegen Pfingsten fast alles geschlossen.

Wir tanken, füllen Wasser nach und fahren zu den Termas de Fiambala hinauf. Im Vergleich zum letzen mal zahlen wir eine hohe Inflationsrate! Im Februar 2018 haben wir noch 400 Eintritt und 300 fürs Übernachten bezahlt. Diesmal 600 und 700! Trotzdem lohnt sich der Besuch der schön angelegten, warmen und grossen Terme. Wir geniessen das warme Wasser fast bis zum Umfallen, anschliessend lassen wir uns von El Negro mit einer Poulet-Roulade verwöhnen.

Wir bleiben über Nacht auf dem Parkplatz, mit WC und Stromanschluss.

Die Nacht ist ruhig, abgesehen vom Dauerrauschen des Baches neben dem PP. In der Nacht „gemütliche“ 13*C. Nach einem langen z‘Morge schaffen wir es doch noch, vor dem Mittag im warmen Wasser zu baden. Herrlich! Nach einer Stunde sind wir so müde, wir müssen raus und uns ausruhen. Warmes Wasser belastet den Körper.

Über die Anden an den Pazifik

Wir versuchen, möglichst früh von Mendoza wegzukommen, damit wir noch den Gäseler besuchen können. Doch dort müssten wir das Auffüllen der Gasflasche bis 17 Uhr abwarten, das geht uns zu lange. Wir werden in Uspallata nachfragen. Tanken, Wasser füllen, Pneudruck etwas anpassen, dann los.

Über die Autobahn durch Mendoza, kreuz und quer durch ein Industriequartier, dann auf der RP52 Richtung Villavicencio, durch eine flache, leicht ansteigende Pampa. Im NP Villavicencio geht‘s dann steil in die Berge.

Die Termas de Villavicencio sind saisonal geschlossen, das Hotel wäre geöffnet aber wir lassen es rechts liegen. Durch die Caracoles de Villavicencio steigt die Strasse steil und kurvenreich in engen Serpentinen von 1600 auf 2800müM an. Eine Augenweide und für die BeifahrerIn ein Albtraum. So steil, so tief runter!

Der NP soll sich von den früheren Sünden erholen und schön verwildern. Alpacas, Fuchs, viele Vögel und Puma sollen sich schon wieder heimisch fühlen.

Kurzer Halt beim Mirador del Balcón: hier stürzten sich seit Jahrtausenden Wassermassen über eine Felsenstufe über hundert Meter in die Tiefe und formten eine enge, tiefe Schlucht mitten im Gebirge.

Auf der Passhöhe, beim Cruz de Paramillo machen wir einen Abstecher zur Telecom-Relais-Station. Leider ist der Aconcagua in dichten Wolken verhüllt. Das Panorama über die Anden und die vorgelagerten Cordilleren ist dennoch beeindruckend. Jean-Philippe ist mit 3 Freunden im Landcruiser mit Dachzelt unterwegs.

Nach den verlassenen Goldminen campen wir gemeinsam mit Susi & Ueli in einem Bachbett. Apéro mit Tokayer von Rivier. Zum z‘Nacht Gemüseresten mit Schweinsfilet.

Morgens müssen wir zeitig aufstehen für den Sonnenaufgang über den Anden. Ein kalter Wind bläst, der Himmel ist leicht bewölkt doch das himmlische Feuer kommt doch noch.

Die Fahrt nach Uspallata ins Tal hinunter führt durch eine wundersame Bergwelt mit farbigen Gebirgen.

Uspallata ist herbstgelb gefärbt, bei der Kreuzung mit der RN7 herrscht wieder viel Verkehr. Im Touristendorf suchen wir den Gäseler. Er hat heute kein Gas, wartet auf die nächste Lieferung. Mit Susi & Ueli trinken wir im Café Suiza Kaffee und Kuchen. Ein herzlicher Abschied „bis zum nächsten mal“.

Wir fahren auf der RN7 Richtung Chile. Das Tal des Rio Mendoza ist hier „fantastisch“: unwirkliche Berg-Farben-Felsformationen. Der Fluss schlängelt sich durch eine tiefe Rinne. Diese wurde, wie wir später lesen, vor 10‘ und 14‘ 000 Jahren durch eine riesige Wasserflut von den Gletschern gebildet.

Die alte Bahnlinie ist ausser Betrieb, Schienen, Tunnels, Wasserstationen und Brücken stehen noch.

Die Puente del Inka ist eine Thermalquelle, aus deren Mineraliengehalt mit der Zeit eine grosse Sinterbrücke über den Fluss entstanden ist. Das Thermal-Hotel ist zerfallen. Ein Shop verkauft Souvenirs mit gesintertem Kalkbelag.

Im NP Aconcagua laufen wir den Sendero bis zum Aconcagua Mount View Point. Der Berg zeit sich von der schönsten Seite: wolkenlos. Wir bleiben auf dem PP des Visitor Centers. Es ist kühl und windig.

Die Nacht ist saukalt, die Heizung geht nur am Abend. Gegen Morgen haben wir -4*C drinnen. Der Himmel ist bewölkt, der Aconcagua ist zwar frei, aber die Sonne versteckt sich hinter den Wolken. Eine Lücke erleuchtet den Gegenhang.

Nach einem ausgiebigen z‘Morge mit Spiegeleiern packen wir und fahren Richtung Paso Uspallata / Redentor.

Bei Las Cuevas hat vor 13‘000 Jahren ein grosser Bergsturz das Tal abgeschlossen. Die Spuren sind immer noch deutlich. Vor dem Autobahn-Tunnel zweigen wir links ab zur Passhöhe. Historische Relikte zeigen die Bedeutung des Passes schon zu Prä-Inka-Zeiten.

Der Weg auf den Pass ist besser als erwartet, ruppig, steil und kurvenreich. Die Spitzkehren zählen wir erst am Schluss, auf der Karte. Die Sicht ist, trotz der Bewölkung atemberaubend: farbige, gestreifte und hingeworfene Felsen, Berge bis zum Horizont, tiefe Täler, Gletscher bis zur Abbruchkante.

Auf dem Pass stehen die militärischen Relikte aus früheren Zeiten sowie das Redentor-Denkmal, eine Christusfigur, als Versöhnungsgeste zwischen den beiden Ländern Argentinien und Chile.

Auf der chilenischen Seite öffnet sich eine ganz andere Perspektive: die grossen Gletscher des Cerro Juncal sind mehrheitlich in den Wolken versteckt, die Berghänge leuchten in allen Farben, der Blick ins tiefe Tal des Rio Aconcagua lässt einiges erwarten.

Schon die Karte deutet auf eine ungewöhnliche Fahrt hin. Kurz: nach 90 steilen, engen, nur im kleinen Gang fahrbaren Spitzkehren, die die Tremola als harmlose Rennbahn erscheinen lassen, gelangen wir auf einer normalen Autostrasse zum Chilenisch-Argentinischen Zoll. Die Zusammenarbeit der beiden Behörden ist hervorragend, die Abfertigung zügig und mit der Opfer-Zitrone auch schmerzlos vorbei.

Das enge Tal fällt bis Los Andes noch weitere 1300m runter. Erst hier öffnet sich das Tal etwas. Die alte Andenbahnlinie ist immer noch bis Rio Blanco offen.

In Los Andes stürmen wir zuerst in den Jumbo um unsere Fresserven aufzufüllen. Der hat wirklich schöne, gute Produkte. Die Suche nach einem CP ist etwas schwieriger. Der CP El Sauce etwas ausserhalb Los Andes ist eine echte Notlösung.

Die Nacht ist kühl, ruhig, gelegentlich rattert ein Güterzug vorbei. Am Morgen 8*C. Als erstes müssen wir die defekte Heizung wieder in Gang setzen. Wahrscheinlich ist sie in der Höhe ohne Höhenkit verqualmt. Mit Pressluft in den Auspuff blasen und mehrmals zünden funktioniert sie wieder.

Wir fahren Richtung Santiago auf die Autobahn 57 durch die Berge, durch den 2km Tunnel Chacabuco durch eine voll kultivierte Landschaft mit vielen Obstkulturen (Walnüsse, Kirschen? Aprikosen?). Die Weinreben auf Hochgestellen sehen aus wie wildwuchernde Brombeerstauden. Wer will all diese Pferdeherden reiten?
Wir nähern uns der Metropolitan Area: Verkehr, Häuser, Industrie nehmen zu. Als erstes fixieren wir den Eingang zu Cramer, als zweites suchen wir eine COPEC-Tankstelle, mit Übernachtungs-gelegenheit. Negativ. Dafür können wir die Entel-SIM aufladen und so nebenbei beim Chinesen Nostalgie-essen. In der Shopping Mall Arauco Maipu verweist uns die Hörgeräte Spezialistin direkt an Phonak im Zentrum Providencia. Das gibt Übung im Stadt-Orientierungs-Fahren. Es wird schon spät, die Rush-Hour läuft. Morgen ist ein Feiertag, alles geschlossen. Phonak kann das defekte Teil ohne Umschweife ersetzen.

Nun noch eine 40km Fahrt durch Verkehr, Stau, im Dunkeln zum nächstgelegenen CP. Die sind um Santiago dünn gesät. In San José de Maipu ist der CP zwar offen, aber niemand zu sehen. Wir richten uns ein, genehmigen einen Apéro, dann kommt der Owner, erklärt uns das Notwendige und will 10‘000 Ch-Pesos. Nach dem Nachtessen interneten in der doch nicht so warmen Stube, denn die Heizung ist störrisch. Gelierter Diesel? Morgen kommt Kerosin in den Tank. Auf den Bergen um uns herum liegt frischer Schnee.

Kalte Nacht 0*C, langer Schlaf, etwas frieren, z‘Mörgele, Tagi lesen. Spaziergang durchs Dorf. Beim Zentralplatz viele Verkaufsstände: Feiertag ist Geschäftstag. Im Oveja Negra lassen wir uns Pisco Sour, Empanadas und Kaffee servieren.

Wir lassen uns früh wecken, packen und fahren im Berufsverkehr durch Santiago zu Cramer. Pünktlich werden wir von Juan empfangen und von seinem Team begrüsst. Es folgt eine intensive Diskussion von Aroma- und Reisefragen. Das Mittagessen bekommen wir in der Kantine.

Beim Abschied ein kurzer Schreck: der linke Vorderreifen hat Luft verloren, sieht fast aus wie Messerstich. In der nächsten Gomeria dann die Entwarnung: kein Stich, der Pneu ist etwas stark abgenutzt, aber kein Loch gefunden. Wir werden den Reifen-Druck im Auge behalten.

Via Nr 78 fahren wir aufs Land hinaus. Bei Isla de Maipo ist der CP Millantú saisonal geschlossen. Los Puentes ebenfalls, aber der Besitzer Jaime Lutz (Familie ex Zürcher) lässt uns herein und weil geschlossen ist, dürfen wir gratis bleiben.

Wir raffen uns langsam auf Richtung Küste, La Boca. Die Landschaft ist hügelig-bergig, urban, übernutzt, trocken. Viele Obstkulturen (Trauben, Mangos, Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen) Uns fallen grosse Kakteen-Plantagen auf. Ob hier wohl Läuse gezüchtet werden für den Cochinella-Farbstoff?

Viele verstreute Baustellen für Häuser, die Flüsse sind verkrautet aber das Wasser ist noch recht sauber. Gegen die Küste tauchen vermehrt Palmen, Citrusbäume und Geranien auf. Wird das Klima mediterran? In La Boca, an der Mündung des Rio Rapel finden wir einen offenen CP direkt am Fluss.

Der Morgen ist kalt, draussen herrscht Frost. Die aufgehende Sonne scheint kurz durch die Wolken. Der Fluss ist flach wie eine Flunder: Watvögel stehen noch weit draussen kaum im Wasser. Nichts zum Fischen.

Nach dem Packen wollen wir an die Spitze der Halbinsel fahren, den Blick auf den Pazifik werfen. Der Weg ist bald als privat signalisiert, die tiefen Spuren der Fahrzeuge und des Regens deuten auf einen öffentlichen Zugang hin. Im Geländegang erreichen wir einen heruntergewirtschafteten CP. Wir kehren um und können den Pazifik doch noch von der Höhe aus sehen. Lange Wellen donnern an den Strand.

Wir fahren durch die hügelig-bergige Landschaft nach San Antonio, tanken, pumpen die Reifen weiter auf. Wir wollten die dicht bevölkerte Küste eigentlich meiden, passieren trotzdem die Aussenbezirke von Valparaiso. Das ist wie Ostchinesische Küste: sehr dicht bebaut, im Bau-Umbruch, Kehricht an den Strassenrändern, Favelas & Bidonville.

Der gesuchte CP La Higuera in San Francisco de Limache ist geschlossen. In der Nacht fahren wir etwas zurück zum CP La Parque Victoria, direkt an der Hauptstrasse 64. Nach Mitternacht rasen die Jungen mit ihren frisierten Töffen und Autos auf der Strasse rauf und runter.

Wir fahren erst gegen Mittag los, über die Ruta del Mar der Küste entlang. Die Mittelmeerküste von Frankreich bis Italien ist hier kopiert: schöne Küstengegend, viele Ferien- und andere Häuser, enge Fischerdörfer, im Hinterland die weniger Vermögenden in ihren Reihenhäuschen. Die Landschaft (im Frühwinter) trocken, ausgelaugt, mediterran. Die Strassen sind recht neu angelegt, asphaltiert wie Richtungs-getrennte Autobahnen. In Maitenchillo stocken wir unsere Fresserven auf. In Pichidangui landen wir auf dem grossen CP El Bosque zu vorderst gegen den Strand. Das dumpfe Dauertosen des Pazifik wird uns im Schlaf begleiten.

Ein frischer Morgen mit 14*C. Nach dem Morgenessen Beachcomben am Pazifik. Das Wasser ist frisch, die Wellen lang, der Strand sauber. Ein Gruppe Padler turnt Padelübungen.

Wir fahren auf der Panamericana / Autopista 5 der Küste entlang zügig nach Norden. Die Landschaft: weiterhin hügelig mit tiefen ausgewaschenen Tälern, trocken, ausgelaugt. Bald nur noch Kakteen und Buschland. Ab Maitencillo grosse Windturbinen-Parks.

In der Reserva de la Biosfera Bosque Fray Jorge verlassen wir bei La Cebada die Autobahn und folgen dem Acceso Sur Mineral de Talca an die Küste. Der Weg ist schmal, ruppig und stellenweise verblockt. Wir kommen im Geländegang nur langsam vorwärts. Zudem zweigen immer wieder neue Dead-Ends ab, zu Fischerplätzen oder kleinen Minen.

Direkt hinter den Strandfelsen finden wir einen guten Nachtplatz. Der Himmel ist leicht bedeckt, wenn die Sonne durchdringt ist es angenehm warm. Beim Sonnenuntergang gibt die Sonne noch alles und brennt ein Feuerloch in den Pazifik. Zum z‘Nacht Schweins-Kotelett an einer Rahmsauce mit feinem Gemüse. Zum Kaffee lassen wir ein Lagerfeuer brennen, mit feuchten Holzresten vom Strand und angeschwemmten Plastikflaschen. Die heizen uns richtig ein.

Die Dauerwellen haben uns im Schlaf begleitet. Morgen frisch 14*C. Beim z‘Mörgele den Wellen zuschauen. Unter den Steine leben dutzende Krabben und Schnecken.

Unser Nachbar Roberto Lopez ist Algensammler. Er trocknet diverse Algenarten für Pharma und Lebensmittel (Alginate) für den asiatischen Markt. Er bekommt 100CP / kg. Er hat seinen Sektor zum Sammeln.
Wir wollen den Track weiter Richtung Minera fahren, werden aber am ersten Steilhang mit Sand aufgehalten. Nach einer guten Vorbereitung der Piste mit Algen und Sträuchern, Druck ablassen und intensivem „Sandblecheln“ kommen wir endlich mühsam hoch.

Der Track ist sehr ruppig und muss im 1./ 2. Geländegang gefahren werden. Viele Fahrspuren führen zur Küste für die Algensammler. Eine kleine Siedlung in Galeta El Talca liegt kurz vor dem alten Minengebiet Mineral El Talca. Ruinen und Löcher zeugen von früheren Aktivitäten.

Bald erreichen wir über den Berg die Autobahn. Bei der Copec Tankstelle können wir unsere Reifen wieder auf Strassen-Niveau auffüllen. Wir entscheiden uns kurzfristig für einen Abstecher zum Astrocamping Viento Sur im NP Biosfera Bosque Fray Jorge. Der neue, hübsche, kleine CP wurde von einem jungen Paar mit viel Engagement aufgebaut.

Nach einer klaren, kühlen Nacht mit 8*C rasen wir auf der Panam nach Norden durch eine hügelige, trockene Landschaft, rechts in der Ferne die Anden. Palmen tauchen auf, man fühlt sich an die spanische Küste versetzt: grosse Hotelanlagen, Ferien-Resorts

Die Einfahrt nach Coquimbo überrascht: sehr dicht bebaut bis zum Horizont, bildet mit La Serena eine richtige Grossstadt.
Bei „5aSec“ die Wäsche abgeben, Im Jumbo hungrig einkaufen. Der Versuch, bei Gasco Autogas unsere Gasflasche aufzufüllen, artet in die Suche nach einem Übergangsstück aus. David in einer Torneria will das Ding nachdrehen. David macht ganze Sache! Es ist spannend, wie aus einem groben Bronze-Klotz etwas Neues entsteht Das Stück wird perfekt, die Zeit hat sich gelohnt. Wir können nun im Prinzip an jeder Gas-Tankstelle auffüllen (wenn sie dazu bereit sind)
Wir bleiben auf dem CP Turismo El Huerto in Coquimbo, ein „Clamping“ mit privatem Bad, schöne Unterstände, sauber, gutes WiFi.

In der Nacht Regen, am Morgen 14*C. Die Pässe Redentor, San Francisco, Sico, Jama sind wegen Schnee und Wetter geschlossen. Agua Negra und Picras Negra sind saisonal geschlossen. Da wird die Anden-Überquerung ja noch spannend! Da bleiben nur wenig Optionen. Unsere WetterApp hat für den San Francisco 14 Tage schönstes, warmes Wetter vorausgesagt. Im Nachhinein stimmt die Prognose überhaupt nicht. Schnee ist gefallen, Temperaturen bis minus 10*C, der Pass ist zu. Sind wir jetzt in Chile blockiert?

Wir laufen an der schönen Beach 7km bis wir ein gutes Strandcafé finden, geniessen einen Pisco Sour mit Dessert. Pelikane und Möwen lassen sich von uns kaum stören. Wir fühlen uns wie an der Riviera.

Für den Pass werden sich schon noch Lösungen finden, wir bleiben eine weitere Nacht in diesem „Clamping“

Knapp vor Mittag kommen wir weg, Richtung Norden auf der Autobahn Panam Nr.5. Die Bebauungsdichte von La Serena nimmt langsam ab. Wir folgen der Küste bis Los Hornos, dann geht‘s in die Berge in langen Serpentinen auf 600müM. Langsam steigend und bei Los Cristallos wieder in Serpentinen auf 1300müM. Überall sind Spuren von früherer oder aktueller Minenaktivitäten. Die Bahnlinie La Serena – Vallenar ist längstens stillgelegt. Bei Vellenar zweigen wir ab zur Küste auf die Ruta del Desierto. In Huasco kommt uns ein Güterzug im Schritttempo entgegen.

Die Küstenstrasse führt auf weiten Strecken durch eine wüstenähnliche Landschaft: trocken, mit Kakteen versetzt, breite Sanddünen. Wir bleiben auf einem schönen Platz vor dem NP Llanos de Challe, direkt am Meer, zwischen grossen, abgerundeten Granitblöcken. Beim Apéro beobachten wir die gewaltigen Wellen. Beim Sonnenuntergang brennt der ganze Pacific und taucht die Küste in ein magisches Licht.

Die Nacht wird verdonnert von den Wogen, 12*C am Morgen. Die Sonne scheint warm, ein fauler Tag mit Kleinreparaturen. Wir hängen in den Matten mit einem Glas Wein und Snacks. „Es chönnt schlimmer sie!!“ Zum z‘Nacht Härdöpfel-Gmües-Salat mit Schwinsgottlet. Der Sonnenuntergang ist „normal schön“

Morgen 9*C, sonnig, warm. Ein fahrender Händler kommt vorbei mit Eiern, Gemüse, Früchten und was die Algensammler sonst noch so brauchen.

Wir folgen der Ruta del Desierto weiter nach Norden. Karge, trockene Landschaft, Sanddünen an den Berghängen, Dunst-Nebel über der Küste. Kaum Tiere, abgesehen von ein paar Guanacos. In Copiapó besuchen wir als erstes die Mall Plaza. Der Food Court lässt uns das Wasser im Mund zusammen fliessen. Im „Bariloche“ bestellen wir eine viel zu grosse Parillada. Rest wird im Dogy-Bag mitgenommen. Einkauf im Tottus. Nur das Wichtigste! Das Touristen-Infobüro hat geschlossen, wir wissen also noch immer nicht, ob der Paso San Francisco doch noch aufgeht. Bei der Copec Tankstelle ausserhalb der Stadt bleiben wir auf dem Parkplatz.

Argentinien, das Weinland

In Malargüe suchen wir zuerst die Wäscherei auf, die ist aber bis 6 geschlossen. Auf dem CP Munizipal richten wir uns ein, haben Internet-Verbindung.

Susanne & Ueli sind heute von hier ins Valle Hermoso gefahren. Sie werden in 2 Tagen wieder zurück sein. Dafür tauchen bald Flo & Alina auf. Nach der Wäsche-Tour essen wir am gleichen Tisch und tauschen Reiseerfahrungen aus. Eine Familie aus Californien ist seit 4Jahren auf dem Weg nach Süden. Die grossen Söhne lernen übers Internet.

Die Heizung läuft auch in der Nacht, morgens haben wir 17*C drinnen, draussen deutlich frischer. Langes Morgenessen mit dem feinen Zopf-Brot vom Laden gegenüber. Flo & Alina fahren weiter Richtung Mendoza.

Wir haben einen Arbeitsplan für heute: Wohnung entstauben, Fahrerkabine entstauben, diverses mit Superkleber leimen, Motorkontrolle: Oelstand, Scheibenwaschanlage, Luftfilter ausklopfen, Hupe: Wackelkontakt fixieren.

Haare schneiden, erster Teil.

Gegen Abend tauchen Susanne & Ueli wieder auf. Sie waren kurz im Valle Hermoso. Bei einer Flasche Wein intensiver Erfahrungsaustausch.

Wir nehmen‘s in Malargüe recht gemütlich, keine Eile, viele Kleinarbeiten, zusammensitzen und schwatzen. Wir grillen mit dem Cobb auf dem Tisch, eine interessante Idee von S&U!

Einkaufen, Tanken, Kooka wieder einmal waschen, endlich die SIM-Karte richtig einsetzen, danke Ueli, jetzt habe ich einen eigenen Internet-Zugang.

Beim Kühlschrank den defekten Stecker ersetzen, Federheber und Stecker schmieren, Fliegengitter reparieren, Turnschuhe waschen.Die Webseite aktualisieren, Shoppingtour der Frauen,

Heidi beim Coiffeur „Chez Willi“: Schnitt und Farbe sind ok, aber dann schlägt Murphy zu: kein fliessendes Wasser um die Haare auszuwaschen, weder in der Dusche noch auf dem ganzen CP. Die Warmwasserdusche im Kooka streikt ebenfalls! Und das gemeinsame Znacht mit S&U wartet auf den Finish!. Stress und Verzweiflung pur. Sorry, es tut mir so leid!

Eigentlich wollten wir nach 6 Tagen wieder weiter, aber das Internet-Guthaben erlaubt noch einen weitern Ausbau der Webseite. Die Frauen gehen auf die Pirsch. Wir verwöhnen uns mit Osso Bucco und Poulet in Bollito Misto. Mmmmh, soooo fein.

Endlich, nach einer schönen Woche in Malargüe heisst es Packen, Wasser tanken, Abschied nehmen von Tim, Malia und ihren Söhnen, Susi & Ueli.

In der Stadt besuchen wir noch einen gut bestückten Gemüse-und Früchteladen, dann geht‘s auf der RN40 nordwärts Rchtung San Rafael. Rechts die flache Pampa mit dem Cerro Nevado und den vielen kleinen Vulkanen, links die ansteigenden schrägen Anden-Ebenen und dahinter die hohen Gipfel. Die Fahrt auf der RN40 ist zügig, ruhig, schön asphaltiert.

Bald erreichen wir El Nihuil am gleichnamigen Stausee.

 

Dahinter fliesst der Rest des Rio Atuel durch einen tiefen Cañon 600m hinunter auf die Ebene von San Rafael.

Das Gefälle wird in mehreren Stufen zur Stromgewinnung ausgenutzt. Am Info-Stand bekommen wir einen ersten Eindruck, was wir im Cañon erwarten dürfen. Wir finden einen flachen, etwas windigen Platz direkt am See. Das Wasser ist weit hinaus flach. Ein Fischversuch verleidet: das Wasser ist zu flach und verkrautet. Zum z‘Nacht: Resten vom Chili con Carne auf einem Wrap mit Salat.

Die Nacht ist kalt, der Himmel am Morgen bei uns bedeckt, die Anden aber wolkenfrei. Das ergibt einen schönen „Alpenblick“.

Heute ist Cañon angesagt. Schon der erste Ausblick zeugt von der milliarden Jahre alten Geschichte des Rio Atuel.

Schichten bis ins Präkambrium sind hier offen. Natürlich wurden einfach die alten Schichten freigelegt, mit allem was später dazu kam.

Erstaunliche, farbige Fels-Strukturen regten die Fantasie der Besucher an:

das Wachsfiguren Kabinett, die Mönche, der Astronaut, die alte Frau mit der Tasche, die Hängenden Gärten usw.

Das Gefälle wird durch 4 EKW ausgenutzt.

  

Wir bleiben auf einem grossen Parkplatz direkt am Fluss mit wenig Wasser. Riverrafter lassen jedoch einen deutlich höheren Wasserstand erwarten, wenn der Strom benötigt wird.

Heute hat Kookaburra die 80‘000 km-Grenze überschritten. Wir danken und gratulieren.

Der rote Pfeffer wächst auf grossen Bäumen

Die Nacht ist ruhig, kaum Verkehr, nur 18*C kalt, der Morgen trüb, feucht, neblig. Wir fahren durch den Rest der Schlucht mit vielen Touristen- und Freizeitaktivitäten, Ferien-Cabañas, Hotels, Restaurants. Da kommen die schönen Fels-Strukturen kaum zur Geltung, kein Wasser im Bach.

Bald kommen wir in die trockene Ebene von San Rafael mit Weinbau, Oliven, Obstkulturen und viel Buschland.

An den Strassensenken merkt man: hier kann auch mal sehr viel Wasser fliessen. In San Rafael finden wir eine gut bestückte Ferreteria, für Gaspatronen und einen Grill. Im VEA lassen wir uns von den vielen guten Sachen verführen und füllen den Einkaufswagen fast. Bei der YPF Tankstelle ein proforma Kaffee und ein schnelles Internet. Wir bleiben im Hinterhof

Am Morgen geniessen wir Kaffee, Gipfeli und Sandwich im YPF-Café und ein schnelles Internet. Gegen Mittag raffen wir uns auf und besuchen die Bodega Jean Rivier in San Rafael, ein Familiengeschlecht aus der Gegend Lausanne. Sie haben sich u.a. für Tokayer spezialisiert. Wir kommen zu knapp, werden trotzdem noch reingelassen., kaufen 2 Jahrgänge Tokayer. Das hat nichts mit dem ungarischen Tokayer zu tun (ausser der Rebe).

Die Fahrt Richtung Mendoza führt vorerst durch eine reiche Weingegend mit vielen Bodegas.

Später überwiegt die trockene Busch-Pampa. Im Valle Uco dann wieder die grossen Bodegas. Die Städtchen und Dörfer sind ganz auf Wein eingestellt.

Es beginnt zu regnen, die Anden stecken unter einer Nebeldecke, schwarze Wolken künden die kommenden Gewitter an.

Wir finden bei El Manzano Historico einen leeren CP. Die Geheimnisse des historischen Platzes werden wir morgen ergründen.

Die Nacht ist ruhig, der Morgen grüsst mit einem Vollbrand des Himmels, wird später blau. Wir schlafen lange, brauchen Zeit zum Packen bis wir endlich aufbrechen nach El Manzano Histórico.

Der Bovist kann fast Kindskopfgrösse erreichen.

Der Ort ist in die Argentinische Geschichte eingegangen, weil General San Martino nach seinen Siegen über die Chilenen in Chacabuco 1815 auf einem Maulesel hier zurückkehrte und die Unabhängigkeit Argentiniens deklarierte.

Neben dem grossen Monument steht noch ein historisches Museum, eine Forellenzucht-Anstalt, viele Campingplätze und Shops mit Touristen Accessoires.

Vom Mirador über dem Monument haben wir einen guten Überblick über die Weingegend und die Berge.

Der Weg führt uns weiter durch zahllose Fincas, die Reben sind abgeerntet, leuchten mit roten, gelben und grünen Blättern.

Nach Tupungato steigt der Weg langsam bis 2300müM an und bietet einen schönen Blick auf die hohen Berge der Anden: Cerro Plata, Volcán Tupungato, Cerro Negro.

 

Nach der Quebrada del Cóndor öffnet sich plötzlich ein tiefes Tal. Der Weg fällt in engen Serpentinen runter.

Bei Potrerillos erreichen wir die RN7 Mendoza-Santiago. Wir bleiben diese Nacht am Stausee.

Der Platz am See verleitet zum Bleiben. Wir raffen uns dennoch auf und fahren auf der RN7 zur Estanzia Ojo de Agua von Dieter Meier, Musiker und Kunst-Performer aus der Schweiz.

Sie liegt mitten im grossen Weingürtel mit Blick auf die Vulkane Tupungato und Cerro Negro.

Im Restaurant genießen wir das Menu: Empanadas, Steak und Dessert.

Dazu 3 verschiedene Weine: ein Chardonnay (sehr gut) ein Cuvé Merlot/Shiraz/Cabernet Sauvignon/Malbec im Eichenholz (sehr gut) und ein Cuvé Malbec/ Sauvignon Franc (gut, verliert nach dem vorhergehenden Wein etwas). Das Essen ist ausgezeichnet. Ein autobiographisches Buch zeichnet die Karriere von Dieter Meier nach.

Nach einer „Verrauchpause“ fahren wir zum nahegelegenen CP Sindico de Petrolo y Gaz, neben dem Stauwehr des Rio Mendoza, vorbei an grossen Erdölraffinerien. Auf dem Platz treffen wir auf Elmar & Ilse aus dem Schwarzwald. Sie sind seit 3 Jahren unterwegs von Halifax via NA nun in SA. Bei einem Pisco tauschen wir Reiseerfahrungen aus.

Die Nacht ist warm, weil die Heizung zwischendurch läuft. Etwas Nachtlärm vom Stauwehr und den Raffinerien. Nach dem Morgenkaffee weitere Diskussionen mit Elmar & Ilse. Sie werden das FZ hier in Mendoza einlagern bei Valentin, eine private Adresse. Wir schauen uns die Halle morgen an.

Am späteren Nachmittag Fischen mit Elmar im Rio Mendoza. Eine knapp mäsige Forelle bleibt am Angel. Zum z‘Nacht Pilze vom Park (Ringloser Butterröhrling oder Douglas Schmierröhrling?) mit Zucchetti, Lauch und der Forelle darauf an einer feinen Rahm/Weinsauce. Wunderbar.

Nach dem z‘Morgekaffee fahren wir nach Palmira zu Valentin Quiroz. Er hat eine Halle (ehemalige Bäckerei) zum Einstellen von Campern, wäre für uns eine Alternative zu Dirk in Uruguay. Anschliessend fahren wir ins Zentrum von Mendoza. Der Mercado Central ist geschlossen, die Essbuden sind am Schliessen.

Beim Bummel durch die Strassen finden wir eine Parilla im Tenedor Libre. Wir schlagen uns die hungrigen Bäuche voll.

Mendoza ist momentan eine herbstgelbe Stadt mit den vielen Alleebäumen.

Auf der Autobahn geht‘s zurück zum CP. Elmar hat ein Lagerfeuer vorbereitet. Bis in die kalte Nacht tauschen wir Reiseerfahrungen aus.

Nach einer ruhigen Nacht mit 8*C am Morgen bleiben wir noch einen Tag um unsere Fresserven aufzubrauchen: Kürbissuppe, Tomatensalat.

Die vielen Butterpilze vom Campingplatz werden zu Pilzbutter nach Ilse-Art verarbeitet: ringlose Butterpilze andämpfen mit Zwiebeln, Knoblauch, Pfeffer, Salz, ital. Gewürz, Chilli in frischer Butter mischen, etwas verfeinern mit Pisco. Zu gebrauchen ist er wie Kräuterbutter.

Ein Fischversuch im Rio Mendoza ist negativ, ein Löffeli geht verloren. Ilse und Elmar putzen ihr Fahrzeug, wollen es bei Valentin einlagern.

Warme Nacht dank der Heizung und ein weitere fauler Tag vergeht mit Pilze sammeln, Brot backen. Fröhliches Wiedersehen mit Susanne & Ueli bei einem Apéro mit Wein, Brot und allen möglichen Zutaten. Das frisch gebackene Brot ist bald aufgegessen, weil soooo gut. Zum z‘Nacht Pilze mit Teigwaren (von Susanne). Bei einer Flasche Malbec von Dieter Meier tauschen wir mit Susi & Ueli Reisepläne und Reiseerfahrungen aus.

Noch ein fauler Tag mit Einkaufen, SIM-Karte nachladen, Fotos bearbeiten, Webseite aktualisieren. Ueli macht zum z‘Nacht eine feine Paella. Lange Diskussionen und Erfahrungsaustausch.

 

Nach einer gemütlichen Woche wird es Zeit zur Weiterreise