Uruguay – Pampa Argentiniens

Montevideo – Paraiso Suizo – Punta del Este – Santa Lucia – Mercedes – Gualeguaychu – Victoria – Rio Parana – Rosario – Carcarana – Villa Maria – Rio Tercero – Almafuerte

Nach der Ankunft in Montevideo fahren wir direkt ins Paraiso Suizo zu Heinz und Silvia. Sie haben sich vor 30 Jahren hier ein kleines Paradies geschaffen, eine Feriensiedlung direkt am Meer. Sie bieten einen umfassenden Service für Südamerikareisende aus Europa: die obligatorische Versicherung für die Mercurosur-Staaten und einen Abstellplatz für Fahrzeuge während die Besitzer in Europa den Heimurlaub machen. Während der Standzeit werden die Fahrzeuge regelmässig gelüftet und kurz laufen gelassen, sowie eventuelle Service-Reparaturen vorgenommen. Auf dem Campingplatz lässt es sich gut einleben nach der langen Schiffsreise. Der Sandstrand ist endlos, das Meerwasser eher auf der kühlen Seite, es hat Wellen und verpasst uns Gringos den einen oder anderen unfreiwilligen Schluck Salzwasser. Ein kurzer Besuch in Punta del Este, eine mondäne Werk- und Ferienstadt an der Spitze des Rio Plata, erinnert an Nizza.

 

Noch sitzen wir zusammen mit Walter, Chris und Angie, unseren Schiffsfreunden seit Hamburg auf dem Campingplatz zusammen, fast scheint es, als könnten wir nicht mehr ohne den andern weiterreisen, wir brauchen alle Zeit, um uns abzunabeln.

Nach einer Woche zieht es uns weiter. Wir wollen nach Gualeguaychú zum Carneval. Walter, Chris und Angie werden an die Küste Richtung Brasilien gehen zum Kiten. Ein kurzer Abstecher nach Montevideo,

dann queren wir die leicht gewellten Landschaften Uruguays.

Viel Landwirtschaft, wenige Dörfer.

Überall stehen Verkaufsschilder. Uruguay scheint ein Land zu sein, in dem man noch günstig an Liegenschaften herankommt. Es ist offenbar ein beliebtes Land für Rentner aus Frankreich, wie uns Jean-Louis erzählt hat. Nach einem Zwischenstop in Santa Lucia erreichen wir schon bald den Rio Urugay und damit die Grenze zu Argentinien. Folgsam wie wir sind, haben wir alle Lebensmittel für den Übergang vermieden. Wegwerfgeschichten haben uns den Appetit verdorben. Der Grenzübergang ist denkbar einfach: das Uruguay-Fz-Dokument wird ausgestempelt, der argentinische Zollbeamte daneben füllt das Fz-Dokument für Argentinien aus und wir können gehen. Keine Quarantäne-Kontrolle.

Über die hohe Brücke passieren wir den Rio Urugay und nach ein paar Kilometern erreichen wir Gualeguaychú.

Der CP befindet sich etwas ausserhalb, aber in Gehweite zur Stadt. Wir sollten uns ein Vogelbuch anschaffen, die Vogelwelt Südamerikas ist gewaltig. Kolibris schwirren überall herum. Mit Peter aus Uster besuchen wir den Carneval, ein Spektakel sondergleichen. Auf dem Cosmodrome, eine grosse Arena beidseits der Strasse, läuft die Show um 10 Uhr nachts: drei Gruppen mit je 1000 Teilnehmern, prunkvollen Wagen, viel Musik und Samba-Tanz defilieren in 3 Stunden an uns vorbei.

 

 

 

 

 

 

 

Man spürt die enorme, farbige Lebenslust und Freude dieser Menschen. Carnevals dieser Art sind in Südamerika weit verbreitet und finden von Januar bis März statt. Kein Vergleich mit der Fasnacht in Europa. Um ein Uhr nachts ist Schluss und in der Flaniermeile der Stadt fängt das Nachtleben an. Familien mit Kleinkindern geniessen die warme Morgennacht bis morgens um 5 Uhr.

Wir lernen bald den Volkssport Argentiniens kennen: Asado! Grillen im Freien mit sehr viel Fleisch.

Der ganze Familienclan trifft sich am Wochenende auf einem der gut ausgerüsteten, öffentlichen Grillplätze, meistens Campingplätze. Während Stunden wird kunstvoll eine perfekte Glut erzeugt, bis das erste Stück Fleisch erhitzt wird. Dann tritt der Maestro de Asado in Aktion: er prüft die Hitze über der Glut mit der Hand, sie muss heiss werden, darf aber nicht verbrennen. Glutkohle wird je nach Bedarf näher oder weiter weg geschoben, das Fleischstück wird plaziert und gebraten, bis der Saft oben raus quillt, dann wird gewendet und wieder geduldig gewartet. Eine Familie mit 10 Personen vertilgt ohne weiteres 7 kg Fleisch plus ein Dutzend Blutwürste (richtig, die, die wir zuhause mit der Leberwurst vertilgen im Winter) an einem Abend. Die Metzgereien sind ganz auf diese Leidenschaft eingestellt: riesige Stücke Rippenfleisch mit Knochen liegen zum Verkauf zu einem Preis, der uns nur träumen lässt. Wir lernen rasch, dass das Ojo de Bife, dick geschnitten, mit Salz und Pfeffer ein wunderbar zartes Essvergnügen wird.

Die meisten Städte Argentiniens sind wie ein quadratisches, geometrisches Muster aufgebaut. Die Orientierung ist leicht: „nimm den nächsten Block rechts, 4 Blocks, dann 5 Blocks links, wieder eineinhalb Blocks rechts, da ist der Ferrari-Spezialist, der hat alles, was Du brauchst“. Wie oft wir „verkehrt“ in die Einbahnstrasse einbiegen, erwähnen wir lieber nicht! Wir machen unseren Kookaburra „Argentinien-tauglich“ mit reflektierenden Streifen und der 110-er Tafel. Damit können wir die weite, leichtgewellte Pampa, Argentiniens überqueren und sind kein gefundenes Fressen für bussenhungrige Polizisten.

   Rinderfarmen, Soja- und Maisfelder ziehen an uns vorbei, die Fahrt ist lange und unspektakulär.  Wir überqueren die grossen Feuchtgebiete des Rio Parana mit den vielen Wasservögeln,

fahren an Vittorio und Rosario vorbei, auf der Autobahn bis Villa Maria.

Wir besuchen einen dieser beeindruckenden Friedhöfe. Da leben nach dem Tod die Träume weiter

Eine Abkürzung führt über eine extreme Staubstrasse bis Almafuerte am Rio Tercero.

Der Fluss bringt, nach einem Staudamm, viel klares Wasser in eine traumhafte Auenlandschaft.

 

Zu schön, da wollen wir übernachten.

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