AUF DEN SPUREN DER MISSIONARE DURCH DAS TIEFLAND BOLIVIENS

Santa Cruz – San Ramon – San Julian – San Javier – Conception – an Silvestre – Santa Rosa de la Roca – San Ignacio de la Vasco – San Miguel de Velasco – San Rafael de Velasco – San Jose de Chiquitos – Taperas – Serrania de Santiago – Robore – Agua Caliente – El Carmen – Palmito – Yacuses – Puerto Suarez – Puerto Quijarro – Corumba

Kurz vor Abfahrt bemerken wir einen Druckverlust am linken Hinterrad: eine 20mm-Schraube steckt im Pneu. Bei der nächsten Gomeria wird das Fz kurzspitz auf der Strasse aufgebockt, der Pneu geflickt. Kooka auf dem Holzbein!

Wir umrunden das Zentrum von Santa Cruz auf dem 4.Ring nach Norden Richtung Trinidad / San Javier. Wir lernen ein neues Bolivien kennen: weites, flaches Land mit grossen Ackerbau- und Viehzuchtfarmen. Wir kommen an grossen Sonnenblumen-, Weizen-, Soja-Feldern vorbei.

Riesige Siloanlagen lagren das Erntegut. Uns fallen die vielen Reklamen der Agrofirmen auf: offenbar können hier noch sämtliche leistungssteigernden Methoden und Pestizide eingesetzt werden.

In den grösseren Ortschaften werden Märkte am Strassenrand abgehalten. Landmaschinenmechaniker haben hier ein gutes Auskommen im Unterhalt der alten und neuen Maschinen. Bei San Ramón beginnen die Serranias, ein hügeliges Gebiet bis 600müM mit vielen Estanzias.

Eine Gegend, die von den Jesuiten und anderen Missionaren vor 300 Jahren erfolgreich bearbeitet wurde. Fast jeder Ort ist nach einem Heiligen benannt. Die Kirchen bilden das sichtbare Hauptzentrum. Kloster-und Dorfeinrichtungen standen den Bekehrten als zivilisierte Unterkunft zur Verfügung. In San Javier suchen wir beim Einnachten einen vernünftigen Platz. Uns bleibt nur das San Xavier Eco Resort. Da schon alle Mitarbeiter weg sind, müssen wir uns im Zimmer selbst versorgen. Die Nacht ist kalt. Sogar im Zimmer ist es saukalt. Wir nutzen alles was uns irgendwie zudeckt. Das Morgenessen wird im Restaurant serviert, ebenfalls kalt. Die Sonne macht einen wärmenden Versuch. Dabei ist die Eco Lodge eigentlich ein tropisches Bijou, sie erinnert uns an Bali mit den Strohdächern, dem tropischen Garten.

 

Der Park ist zwar noch jung aber doch wirkt er schon ausgewachsen, tropisch eben. Der Besitzer ist ein Garten-Fan, hat alle Pflanzen botanisch angeschrieben. Sogar ein zahmer Ara begrüsst uns. Wir besuchen den grossen Kirchenkomplex beim Zentralplatz.

Die Jesuiten haben damals ganze Arbeit geleistet. Nach einer Renovation erinnern die schönen Bauten an die damaligen Zeiten.

Auf der F10 fahren wir via Concepción nach San Ignacio de Velasco über eine hügelige Berglandschaft, die an Mitteleuropa erinnert, aber mit vielen Palmen und indischen Buckelrindern oder Wasserbüffeln.

In den kleinen indigenen Dörfern ist heute Waschtag: überall hängt die farbige Wäsche zum Trocknen auf.

Oder ist es der erste sonnige Tag seit einer Woche?

Gelb und rosarot blühende Bäume leuchten trotz winterlicher Kälte. Schweinefamilien, Esel und Rinder trotten über die Strasse, ungeachtet des Verkehrs. Ein paar mal werden wir von der Strassenpolizei (korrekt) kontrolliert. Die Ausweiskopien genügen ihnen nach der Zusicherung, dass wir die Originale dabei haben. In San Ignacio de Velasco suchen wir auf dem Zentralplatz neben der grossen Kathedrale ein Café.

 

 

 

 

 

Ruedi mit ostschweizer Dialekt, von der Lavanderia Suiza lädt uns ein, bei ihm zu übernachten. Er ist seit 13 Jahren in Bolivien und 2 Jahre hier in Ignacio mit seiner bolivianischen Partnerin Miriam.

Mit der Lavanderia, feinem Vollkornbrot, dem kleinen Camping Platz und dem Untermieter Toni (Luzerner Hinterland, Metzger, seit >15 Jahren in Bolivien) kann er gut überleben. Nach dem Nachtessen bereiten wir das Fleisch für einen sauren Mocken vor. Der soll in den nächsten Tagen still vor sich hin marinieren. Vom Pantanal-Tour-Office bekommen wir eine unbefriedigende Nachricht: die Transpantanaira ist zwar offen, die Zeit ist ok für Jaguar-Beobachtungen aber die Schiffe ab Porto Jofre fahren nicht!

Die Nacht ist mit 13*C noch etwas kühl, die Sonne wärmt uns wieder nur leicht auf. Wir haben für Ruedi & Miriam ihren Platz auf iOverlander aufgeschaltet. Nach einem ausgiebigen Morgenessen brechen wir auf, zuerst zur Iglesia San Francisco de Assisi, dann an den See runter.

Wir haben heute eine lange Etappe vor uns, und das erst noch auf einer holprigen Piste. Wir haben unseren Plan geändert: statt via San Mathias / Poconé nach Porto Jofre ins Pantanal wollen wir den umgekehrten Weg versuchen: die Wahrscheinlichkeit, dass wir in Corumba ein Boot finden nach Porto Jofre ist wesentlich grösser als in Porto Jofre selber. Das bedeutet jedoch, dass wir mehr Zeit un Kilometer brauchen werden.
Über hügelges Gelände fahren wir an vielen Haziendas vorbei, oft durch einen Dschungel. Viehherden begleiten uns.

 

Eine Ameisenbär-Familie überquert die Strasse und versteckt sich sofort im Gebüsch. In San Miguel de Velasco und San Rafael de Velasco machen wir einen kleinen Umweg um den Hauptplatz mit Fototermin bei den Kirchen.

Zehn Leere Viehlaster kommen uns auf der schmalen Strasse entgegen. Der Hügelzug zieht sich weit in den Nachmittag hinein, endlich kommt die Ebene.

In San Jose de Velasco ist die Kirche nicht mehr ein Holzbau sobndern aus Steinen gebaut.

 

Wir fahren wir direkt auf den CP Villa de Chiquita. Im Hotel essen wir Chickensuppe und Schmorbraten. Wir haben wieder einmal ein funktionierendes WiFi.

Wir lassen uns treiben, geniessen die paar Sonnenstrahlen. Vor Mittag machen wir uns auf den Weg ins Valle de Luna im Gebirgszug südlich der Stadt.

 

Hier finden wir uralte Sandsteinklötze und tiefe Felsabbrüche. Über dem Valle de Luna ist ein Pilgerweg mit den Leidensstationen Christi und der Virgin de la Asunta aufgebaut.

Weiter östlich bei der Laguna Letei kommen böse Erinnerungen auf.

Abwer wir geniessen einen atemberaubenden Blick in die Felshänge und die weite Ebene von San Jose de Chiquitos.

Nun geht es auf der F4 Richtung Westen, vorbei an den hohen Serranias via Taperas nach Agua Caliente.

Bei Chochis sticht ein hoher Felsblock ins Auge: der Torre de David.

Nach Roboré zweigen wir links nach Santiago de Chiquitos ab.

Wir erwarten grosse Felstürme, nur macht das Wetter nicht mit: tiefe Wolken hängen über den Bergen und versauen die Aussicht. Dabei sind die Sandstein-Formationen wirklich sehenswert. Sie erinnern an die sächsische Schweiz in Deutschland, nur noch mächtiger. Das schlechte Wetter verleitet zu einer abgekürzten Tour, die Dämmerung beginnt schon und wir haben noch 40 km vor uns bis Agua Caliente. In der Nacht finden wir den CP doch noch. Leichter Regen in der Nacht. Manchmal fährt ein langer Zug vorbei. Der Morgen verhangen, kühl, nass. Charly und seine Frau aus Santa Cruz finden den Kooka „muy lindo“. Wir laufen dem „Fluss“ entlang zu den „Hervores“, dem Quellfluss.

Der Fluss ist eigentlich ein See mit fliessendem Wasser. Unter Sand quillt körperwarmes Wasser hervor, die Hauptquellen sind richtige Schwimmsandlöcher, man kann darin glatt versinken.

Das Thermalbad ist das grösste in Südamerika mit 5km x 100m x 1m. Überall im ganzen Fluss quillt warmes Wasser aus dem
Boden empor, begleitet mit Gasblasen. Das Schwimmen ist trotz der winterlichen Kälte sehr angenehm. Tausende kleine Fische (Moderlieschen? Sardinas, max. 10cm) umschwärmen die Füsse und den aufgewirbelten Schlamm. Das Wasser ist sehr sauber. Der Fluss hat keinen Abfluss, das Wasser versickert irgendwo. Eine Mennoniten-Familie verlässt das Bad in ihren traditionellen Kleidern. Gotthelf lässt grüssen.

Leichter Nebel deutet auf besseres Wetter. In der Nacht und am Morgen fahren lange Züge vorbei. Vor dem Morgenessen gehen wir schwimmen.

Mit dem Sonnenschein ein herrliches Gefühl. Die Fischchen können sich nicht genug satt fressen und piecksen in die Füsse.

Nach einem ausgiebigen z’Morge fahren wir auf der F4 weiter Richtung Corumba.

Die Landschaft: ein tropischer Buschwald soweit das Auge reicht, Abzweigungen zu Haziendas, ein paar verschlafene Dörfer, kleine Bergketten. Bei Yacuse wollen wir auf einen dieser Berge, der Weg scheint gut. Wir passieren die „modernste Zementfabrik Boliviens“. Ihren Rohstoff hohlt sie aus einem Steinbruch bei „unserem“ Berg. Der Weg führt um diesen Steinbruch herum und verläuft sich im Gras: er wurde seit langer Zeit nicht mehr benutzt. Nach der Devise: „Nicht schon wieder ein Abenteuer“ kehren wir um und suchen uns einen geeigneteten Platz in der Pampe. Diesen finden wir auf einem Kehrplatz einer Seitenstrasse zu einer kleinen Hazienda. Wir scheuchen viele Vögel auf.

Wir fühlen uns fast wie im Pantanal Boliviens, nur die Jaguare fehlen uns noch.

Am Abend kommt der Farmer der Estancia vorbei, hält kurz und will wissen, ob alles ok sei. Am Morgen werden wir von summenden Insekten geweckt. Das Summen wir immer stärker, bis wir merken, dass ein Bienenschwarm Gefallen am Kooka findet und auch das Innere erkundet wird. Wir packen schnell, ohne zMorge, zusammen und fahren bis zur Hauptstrasse zurück. Dort holen wir den zMorge nach und gelangen auf der F4 durcheine flache Landschaft nach Puerto Suarez.

Zollformalitäten der besonderen Art

Bei der bolivianischen Immigration warten wir 3/4 Stunden in der Schlange, das Abstempeln geht dann schnell. Bei derAduana müssen wir das Fz Papier abstempeln lassen. Eine weiter 1/4Stunde und wir sind durch.
Die brasilianische Immigration geht mit 3/4 Std ebenfalls recht zügig. Kommt die Receita, der brasilianische Zoll für das Fz. In Puerto Suarez haben wir in einem Internet-Café das ominöse Papier ausfüllen wollen, es hat einfach nicht geklappt. An der Reiceita heisst es stoisch: wir brauchen 2 Kopien des Ausdrucks, ohne geht gar nichts. Nun sind wir nicht mehr in Bolivien mit dem Internet Anschluss und Brasilien hat keinen. Wir benutzen das WiFi des Zolls und können das Formular doch noch ausfüllen. Aber sie brauchen eine gedruckte Kopie! Dazu müssen wir das File auf den Laptop bringen, eine logistisch Knobelarbeit, denn der Drucker geht nur über den Laptop (kein Zwischenkabel!). ITunes geht auch nicht: gerade dieses File erscheint nicht im Browser. Der Laptop kann im Moment keine Mails empfangen, also über die Dropbox zwischenspeichern, mit einem Hotspot des iPhones. Das klappt, der Drucker druckt und wir gehen erleichtert zum Zoll: das ist das falsche Dokument! Nochmals von vorne! In der Hitz des Gefechts kommt wieder ein flasches File. Endlich bestätigt der Zöllner: das ist alles richtig, ihr müsst jetzt nur noch warten, bis der bevollmächtige Zöllner den Stempel aufdrücken kann, er selber darf das nicht! Mit einem Kollegen sitzt er den ganzen Nachmittag am Computer, der eine liest die Daten aus den Kopien vor, der ander tippt sie mühsam ein. Nach zwei Stunden warten kommt der Bevollmächtigte endlich. Langsam, bedächtig sitzt er vor dem Computer, tippt gelegentlich drauf herum, studiert zwischendurch sein Handy. In einer halben Stunde hat er das Formular abgeschrieben (das eigentlich auf dem Netz des brasilianischen Zolls zu finden ist) ich muss nur noch den Originalpass und das Fz für die Inspektion holen. Autonummer, Marke, Typ und Farbe stimmen. Wir bekommen das ersehnte Papier ausgehändigt, wir können gehen, nach 7 Stunden. Merke: wenn der brasilianische Zoll eine Kopie eines Dokument verlangt, dann sofort spuren! Sie haben unendlich Zeit für jeden Blödsinn und lassen Dich das spüren!
Im Pousada do Cochimba in Corumba, direkt am Rio Paraguay finden wir spät abends den gesuchten, ruhigen Platz für 2 müde iOverlanders bei Hugo und seiner Mutter Jane.

2 Gedanken zu „AUF DEN SPUREN DER MISSIONARE DURCH DAS TIEFLAND BOLIVIENS“

  1. Servus Heidi und Willi,
    es freut uns, Eure Berichte zu lesen. Wir hoffen, wir sehen uns irgendwo, irgendwann wieder. LG Mona und Sepp

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