Feuerland

Feuerland – ein magisches Wort für Weltentdecker. Magallan, Beagle, Darwin, Kap Horn, ein Traum, Abenteuer und Entbehrungen schwirren im Kopf umher. Feuerland, das Land der Feuer. Die krumme Südspitze Amerikas, zerfurcht von Fiorden, bedeckt mit Gletschern, wilden, unzugänglichen Urwäldern. Feuerland mit seinem berüchtigten 4-Jahreszeitenwetter: jeden Tag alle vier Jahreszeiten. Das Ende der Panamericana, der längsten Strasse der Welt, von Alaska bis Feuerland. Das wollen wir besuchen, entdecken, erleben, im Hochsommer, der Ferienzeit der Argentinier.

Wir sind in Punta Arenas, der südlichsten Stadt Chiles, noch auf dem Festland. Victor, ein Zufallsbekannter von Chris hat uns seinen Hinterhof als Stellplatz angeboten. Praktisch, da in Punta Arenas kaum Plätze für Overlanders zu finden sind. Im Hinterland von Punta Arenas hat der Schweizer Skitross schon mal sein Sommertraining gemacht.

Wir besuchen den Hafen. Die Fähre nach Porvenir auf Feuerland fährt jeden Tag um 9 und 16 Uhr, es ist keine Reservation nötig. Also keine Eile.

Wegen einsetzendem Regen lassen wir uns vom Taxi zum Mercado Munizipal mit seinen Fressbuden kutschieren. Der Lachs ist ausgezeichnet. Das Strassenverkehrsamt des Kt. Bern braucht von uns ein Lebenszeichen wegen der verpassten Medizinischen Kontrolluntersuchung. Wir sollen eine Postkarte schicken! Von hier? Das kann Wochen dauern! Oder ist ihr Office mit Postkarten aus aller Welt tapeziert? Ein Mail sollte genügen, nur können sie das Beweisfoto nicht öffnen.

Am nächsten Tag nehmen wir die Fähre um 4 Uhr, Zeit genug um unsere Vorräte aufzufüllen und das Schiffsmuseum zu besuchen. Hier sind die Original-Kopien der Nao Victoria von Magallan und die Beagle von Darwin aufgestellt.

Wenn man sich in diesen Schiffen bewegt, merkt man die Grösse und gleichzeitig die Enge an Bord.

Erstaunlich mit welchen Wohnmobilen man damals um die Welt gereist ist, ohne maps.me und Mapout! Kein Dieselmotor half, den Gegenwind zu bekämpfen. Die Lebensmittel konnten nicht im Carrefour aufgefüllt werden. Gegen Unfall und Krankheit half nur die Zeit. Kein Internet, um den Daheimgebliebenen die beruhigende Nachricht des Überlebens zu schicken.

Wir sind früh bereit zum Verladen. Ein deutsches Paar ist mit einem gemieteten Camper von Punta Arenas via Feuerland nach Santiago unterwegs, in 6 Wochen, eine Horror-Vorstellung für uns.

Die Überfahrt mit der grossen Fähre ist ruhig, zügig, nach 2 Stunden kommen wir in Porvenir an. Helen & Marco, die wir in El Chaltén getroffen haben, empfangen uns am Quai. Sie sind auf dem Rückweg nach Punta Arenas und haben den Laster von Chris gesehen. Von Provenir fahren wir auf der Y71 der Küste entlang auf der Suche nach einem geeigneten Nachtplatz. Wir finden ihn bei Bersovio el Covacio in der Nähe einer Fischerhütte. Der Enkel des Fischers will uns frisch gefangene Riesenkrabben verkaufen.

Wir können leider die armen Viecher nicht in unseren kleinen Pfannen kochen. Der Wind hält sich in Grenzen und flaut in der Nacht ab. Der Platz gefällt uns, wir bleiben und lesen den ganzen Tag.

Am nächsten Tag fahren wir zeitig weg durch eine Hazienda-Landschaft aus kargen Weiden mit Schafen, ein paar Guanancos, Graugänsen, Flamingos.

Beim Parque del Pinguino Reys stellen wir fest: am Montag geschlossen, erst am 2.Januar wieder offen. Die Königspinguine müssen warten. Wir fahren weiter der Küste entlang auf der Y897 Richtung Puerto Arturo in den Karukinka NP.

Zuerst wie gehabt: kahle Weiden mit Schafen, dann kommt ein richtig urchiger Wald mit grossen Bäumen und Baumleichen, ein richtiger Urwald.

Vor dem Rio Galeta ist für Walter Schluss: der Track ist ihm zu beschwerlich, er kehrt um, will bald nach Ushuaia.

Wir fahren mit Chris auf dem schönen Off-Road-Track weiter bis wir bei der Estanzia Yartou aufgeben.

Der Track wird immer schlimmer, die Beschreibungen auf dem iOverlander sind nicht gerade einladend und was haben wir davon? Dann noch der Rückweg! Wir kehren um, fahren zum Lago Yartou zurück und finden einen guten Platz abseits der Strasse, direkt am See.

Bei einem warmen Lagerfeuer geniessen wir den Apéro und ein feines Asado-z’Nacht: gegrilltes Fleisch mit Mais, frischem Salat und einem Glas Rotwein.

Zur Silvesterfeier gibt es einen Moscato-Klepfwein mit Panetone. Dank Whatsapp-Connection können wir von dieser verlassenen Gegend unsere Silvestergrüsse in alle Welt verschicken.

Für den Rückweg müssten wir die Ebbe um halb vier abwarten. Wir bleiben auch am Neujahrstag hier.

Die Owner Family kommt vorbei, sie wohnt in Puerto Natales. Das eingesammelte Holz fiel sofort auf den Boden! Die Farm war eine Schweizer Kolonie, mit Sägewerk, deshalb die verrosteten Dampfkessel. Wir dürfen problemlos bleiben, einfach mit dem Feuer vorsichtig sein. Wegen der Kälte verfeuern wir was gisch-was-hesch das Fallholz aus dem Wald.

 

Wohlige Hitze und schneidiger, kalter Wind wechseln sich beim Drehen um die eigene Achse ab.

Unser Neujahrsmenu: Schlangenbrot an Stecken mit Wienerli am Bügel des Scheibenwischers. Dazu Klepfwein. Bis spät Abends und bei Sonnenschein sitzen wir um das Feuer.

Auf einem Spaziergang dem Meer entlang begleiten uns 2 Delfine schwimmend und tauchend. Nach dem Mittagessen fahren wir die „schöne“ 4-WD-Strecke zurück. Die Ebbe ist genügend tief, wir können den Rio Galeta problemlos durchqueren. Die Landschaft erinnert an Szenen in Irland, wie wir sie uns vorstellen: wilde Küste, grüne Weiden.

Der Buchen-Wald ist jedoch typisch „Feuerland“ verhangen mit langen Flechten. Nach Cameron steigt das Gelände über die Y85 stetig bis über 200m an. Weite Weideflächen, eher kahl, mit Schafen und Guanacos, ein paar Kühe und Pferde.Eine alte verlassene Goldgräber Maschine

Nach Pampa Guanaco folgen wir beim Chilenischen Posten der Y761 zum Lago Blanco.

Der Weg führt durch dichten, jungen Wald zum See hinunter.

Beim CP begrüsst uns Victor aus Punta Arenas, der mit dem Stellplatz. Er kennt nur die Namen, Chris & Angie, hat jedoch den Steir im Internet gesehen. Die Welt ist klein! Chris hat ihn über camperlibre via Internet kontaktiert für einen Platz in Ushuaya. Victor & Anita sowie Gerardo & Rosanna as Ushuaia sind mit einem riesigen Wohnmobil-Car hier in den Ferien.

Zum z’Nacht „vernichten“ wir mit Heisshunger Kartoffelsalat mit überlagertem Poulet Gschnätzelten. In der Verpackung hat sich Methylmercaptan angereichert. Das Fleisch war überreif, aber nicht kontaminiert, wir hatten in der Nacht keine Verdauungsprobleme.

Prächtiger Sonnenschein am frühen Morgen kann uns kaum wecken. Wir schlafen noch den Schlaf des Gerechten. Vor Mittag ziehen wir los, Richtung Lago Deseado, durch eine herrliche Hügel-, Farm- und Berg-Landschaft des Parque Karukinka.

Viele Guanacos, märchenhafte Wälder bis auf über 600müM. Von Ferne leuchten Gletscherberge.

Dann geht’s auf Serpentinen zum Lago Deseado runter. Der anvisierte Nachtplatz ist nicht offensichtlich, wir fahren deshalb weiter auf Serpentinen bis 700m hinauf und runter zum Lago Fagnano und weiter zur Hazienda Galeta Maria.

Wir treffen Gerardo Klein, den uns Victor empfohlen hat. Wir könnten hier übernachten, aber der kalte Wind ist uns zu stark. Gerardo empfiehlt die Brücke über den Rio Azopardo: der Platz ist windgeschützt und der Fluss soll fischreich sein.

Das wollen wir kurz ausprobieren. Das klare Wasser des Flusses reisst ordentlich. Ausser Bodenhechten (einer viel zu gross, die Leine reisst) nichts. Bei Chris beisst einer kurz an, geht aber wieder verloren. Heute haben die Fische keinen Hunger.

Die Windwirbel hinter der Brücke zerren an der Zeltplache und den Nerven. Am Morgen feiner Regen über dem See, ein Regenbogen, schnelle Wolken verändern das Licht. Im See schwimmt ein Biber, taucht weg und im Fluss wieder auf. Wir fahren auf der Y85 weiter bis zum Ende der Baustelle.

Diese Strasse soll dereinst Chile bis ganz in den Süden erschliessen, bis Yendegaia am Beagle Kanal. Dort soll sogar ein Flughafen entstehen und die Touristen in Konkurrenz zu Ushuaia anziehen. Die letzten 40km werden an hohen Bergen mit Gletschern vorbei führen.

Die Landschaft ist wunderbar, erinnert ein wenig an Seitentäler des Engadins. Viele Hochmoore mit Biber-Dämmen.

Auf dem Rückweg treffen wir auf Jorge aus Santiago. Er ist per Autostop unterwegs in dieser einsamen Gegend, mit Zelt und einem Boot zum Übersetzen kleiner Seen, Flüsse. Beim Lago Deseado finden wir einen Strandplatz direkt am Wasser.

Chris lockt ein tiefer Graben zum überqueren. Mit viel Holz und Steinen reduzieren wir den Böschungswinkel etwas. Zum z’Nacht werden alle Gemüse- und Fleischreste zu einem feinen Irish-Stew gekocht.

In der Nacht fällt leichter Regen, die Berggipfel sind weiss überzuckert, ein kalter Wind weht. Chris verbessert seinen Graben noch etwas, dann gelingt die Durchfahrt problemlos. Wir fahren die Haarnadelkurven der Y85 zurück durch den Parque Karukinka und über die Y769 zur Grenze Paso Bella Vista.

Die Abfertigung ist auf beiden Seiten sehr speditiv, die befürchtete Lebensmittelkontrolle entfällt. Ein grosser Schäferhund streunt unauffällig umher, findet aber keine Drogen. Auf der argentinischen Seite leeres Farmland mit Schafherden, Guanacos, Rindern. In Rio Grande tanken wir auf und erneuern unsere Vorräte im La Anonima. Dann geht’s rassig auf der asphaltierten RN3 nach Süden der Küste entlang, durch feuerländische Wälder und Hügel nach Tolhuin.

Der CP Hain ist eine Kunstausstellung zum Erleben, ein grosses Sammelsurium von Nützlichem und Unnützen, kunstvoll vereint mit einem Recicling-Hintergrund. Walter und sein Kollege Karel (sie waren wochenlang zusammen in San Pedro de Atacama) sind ebenfalls hier.

Sie haben genug vom Touristenstress und -Lärm in Ushuaia und von der Kälte. Sie wollen an die Wärme.

Der Wind bläst unablässig stark die ganze Nacht. Der Windschutz bewährt sich hervorragend in der richtigen Parkrichtung: Schnauze gegen den Wind. Beim Morgenessen klopfen Heike & Oskar ans Fenster. Sie sind seit 2 Jahren unterwegs: Halifax, Kanada, Alaska, Panamericana bis Ushuaia. Jetzt auf dem Rückweg Richtung Montevideo, zum Verschiffen ca. im März. Ein Spaziergang durch den CP zeigt erst die grosse Vielfalt und Fantasie:

Roberto verspritzt fast vor Lebensfreude, seit 29 Jahren baut er diesen Platz aus. Schulen verbringen ihre Ferienlager hier und lernen modernen Umweltschutz spielerisch. Am Nachmittag laufen wir ins Dorf zu einer Parilla im Posada de los Ramirez. Sehr viel Fleisch, gut. Die Panaderia de Union ist eine Grossbäckerei-Konditorei mit Café, voll Leute. Auf dem CP trinken wir den Apéro in der warm-geheizten Cocina para todos. Roberto zeigt uns seine Imitationskünste als Töffmotor.

Schönes Morgenrot, warme Sonne, windstill am Morgen. Bis Mittag entscheiden wir uns zu bleiben. Hinter der Küche entfachen wir ein Feuer und rösten Schlangenbrot und Bratwürste. Vilunium (?) aus der Nähe von Rio de Janeiro ist „Geografer & Geologe“, hat im Amazonas und Bolivien gearbeitet, ist mit einem grossen Ford mit grosser Wohnkabine unterwegs. David Schwaiger aus Oesterreich, Unternehmer, leistet sich seine ersten 5 Wochen Ferien seit 10Jahren. Er reist mit seinem Onkel, der schon monatelang in Südamerika unterwegs ist. Er ist erstaunt, dass es sowas wie ein Leben nach der Arbeit (er meint: vor dem Tod) gibt.

Es graupelt / schneit / taut in der Nacht. Wir verabschieden uns von Walter und Karel und fahren nach Ushuaia über den Paso Garibaldi. Zuerst Regen, dann schönster Sonnenschein.

Wir parken vor dem Casino auf dem grossen Parkplatz, geben die Wäsche ab, finden das erste Café mit WiFi. Im Hafen liegen 3 grosse Schiffe vor Anker. Welche fahren wohl in die Antarktis? Bei den Travel Agents ist klar: nächste Fahrten 15. und 21. Januar. Kosten: 5600.- bis 7500.- U$. Wir buchen nicht, lassen die Antarktis sausen. Wir fahren am Abend in den NP Tierra del Fuego zur Laguna Verde. Beim Eingang schauen uns die Parkranger tief in die Augen: die Kasse ist geschlossen kommt am Morgen früh zum bezahlen.

Der CP ist sehr schön, mit einer chemischen Toilette. Wir bleiben 2 Tage und wandern die diversen Senderos ab: dem schönen sauberen Fluss entlang, zum Hochmoor, zum Mirador Lapataia, zum Leuchtturm La Baliza.

Erstaunlich viele Touri-Cars führen hunderte Touristen in die Wildnis Feuerlands, ans Ende der RN3. Ein Chinese as Shanghai (arbeitet bei DHL) begrüsst uns enthusiastisch. Er ist 23 Tage in SA inkl. Lima, Iguassu, Feuerland und hat für ein Dutzend Flüge knapp 1600U$ bezahlt! Da müssen ja die Produkte aus China billig sein.

Gegen Abend braten wir auf dem Cobb Ojo de Bife, mit Gemüse-Beilage. David und sein Onkel sind ebenfalls hier. Mit einem kleinen Lagerfeuer verbrennen wir unseren Abfall.

Wir fahren gemütlich zum Parkeingang zurück. Der Gegenverkehr ist heftig, staubig. Bei der Kontrolle warten wir: wir müssten noch bezahlen, sagen wir. Fahrt ihr nochmals zurück in den Park? Nein. Dann könnt ihr passieren, meint der Ranger. Wir haben ein blankes Gewissen! Wir parken vor dem Casino, holen die Wäsche ab und suchen einen Cambio. Auf dem PP taucht John auf, Deutscher, lebt seit Jahren in USA, Canada. Er ist seit 2Jahren unterwegs, manchmal allein. Im Cafe tauchen Andrea & Marco LU auf. Ueli & Susanne (Brügg) sind ebenfalls da.

Gemeinsam übernachten wir bei der Laguna Victoria auf dem Weg zur Est. Harberton.

Es ist bedeckt und regnet am Morgen. Wir fahren weiter zur Esta. Harberton durch einen Feuerland-Wald mit Hochmooren. Der Beagle Kanal ist mit Inseln besetzt.

Wir beteiligen uns an der Tour durch die Estancia, einer der ersten missionarischen Siedlungen in Feuerland mit Sägewerk, Schafschur-Hallen und

einem schönen Wohnhaus mit Gemüse- und Blumen-Garten

sowie einem Friedhof auf dem Hügel.

Die Nachkommen der Gründerfamilie Bridges wohnen immer noch hier. Daneben liegt ein Museum mit lokalen Skeletten einheimischer Tiere, vor allem Meeressäuger, Wale. Biologinnen sind mit der Präparation gefundener toter Tiere beschäftigt.

Anschliessend fahren wir auf der RP33 Richtung End of the World. Beim Rio Cambaceres finden wir einen guten Platz für alle 4 Fahrzeuge. Während dem Apéro wird das Lagerfeuer entfacht. Zwischendurch scheint die Sonne schon warm.

Bei viel Regen, Wind und wenig Sonnenschein fahren wir am Morgen weiter auf der gut ausgebauten RP33 Richtung Osten. Der Wald der Estancia Moat ist geschützt und dementsprechend schön grün. Tosende, weissgischtende Wellen, felsige und steinige Beaches, grüne Wälder, graue Baumleichen, Mistel-geimpfte Bäume, Biber-Stauseen, Sonnenlöcher und Regenschleier wechseln sich ab. Der starke Wind bleibt. Im Beagle Kanal wächst viel Seetang. Am Ende der Strasse, End-der-Welt, befindet sich eine Station der argentinischen Prefectura Naval (deshalb die gut ausgebaute Strasse).

Die Schifffahrt durch den Beagle Kanal muss recht dicht sein. Heute steht ein Frachter vor Anker, wartet besseres Wetter oder einen freien Platz in Ushuaia ab.

Nathalie aus Sion ist mit einem kolumbianischen Töff seit 2 Jahren in SA unterwegs. Sie geniesst die Möglichkeit einer Dusche in der Station.

Für uns wird das Wetter zu garstig: Schnee, Regen, heftiger Wind (gem. Prognose bis 90km/h). Wir kehren um, suchen uns einen vernünftigen Platz. Niemand hat Lust bei diesem Wetter, also treffen wir uns im Restaurant Sirena y Capitan in Puerto Almanza. Es soll feine Riesenkrabben geben. Leider sind die Fischer nicht ausgefahren, es gibt nur Fisch, der ist auch gut. Im Hafengebiet besetzen wir den Rasen mit unseren 4 Fahrzeugen. Der Sonnenuntergang verläuft unspektakulär. Die Nacht ist zwar windig, aber wir sind einigermassen in der Wagenburg geschützt.

Am Morgen lacht uns die Sonne ins Gesicht, trotz einem stetigen Wind. Ueli & Susanne wollen noch bleiben, vielleicht bekommen sie doch noch eine Riesenkrabbe. Alle andern haben genug von der Kälte und fahren zum CP Hain. Hier treffen wir auf Martina & Herrmann aus D. Sie sind mit einem Steir seit 2 Jahren unterwegs von Halifax, via Alaska, Mittelamerika in SA. Nachdem sie die Füsse auf das Ende der Strasse gesetzt haben, planen sie die Rückkehr diesen Frühling /Sommer durch ARG, Paraguay, Pantanal, Brasilien nach Montevideo zum Verschiffen. Nach einem kühlen, windigen Apéro verziehen sich alle in ihre Gemächer. Später treffen wir uns in der Cocina para todos wieder zu einem Glas Wein, Erfahrungsaustausch und viel Lachen.

Martina & Hermann fahren früh weg. Für uns beginnt ein fauler Tag mit kleineren Reparaturen (u.a. die Fischerrute). Die Suche nach Fett-Patronen für die Fettpresse ist ohne Erfolg,

Regen zum Aufwachen. Regen zum Aufstehen. Regen zum Wegfahren. Hermann & Martina sind schon wieder vom Ende der Strasse zurück.

Wir reduzieren den Pneudruck auf Piste und fahren auf der RP18 Richtung Lago Chepelmut / Lago Yehuin durch hügelige Wälder mit flechtenverhangenen Bäumen.

Ein schöner Umweg. Auf der RP9 Richtung Norden grosse Farmen mit wenigen Rindern, zwischendurch viele Guanacos.

Zurück auf der Hauptstrasse RN3 geht’s zügig nach Rio Grande ins La Anonima zum gebremsten Einkauf. Wir wollen ja Morgen über die Grenze nach Chile, also keine Früchte, Gemüse, Fleisch etc. Im Shop begegnen wir dem Sohn einer Estancia-Dynastie. Ihr gehörte früher fast halb Feuerland. Wir könnten bei ihm morgen etwas Guanaco-Fleisch abholen. Schade haben wir den Grenzübergang schon vorgesehen. Der CP La Casa Azul de Graziela ist für uns eindeutig zu klein, es gehen knapp 2 PW hinein. Aber Graziela sprüht von Grazie. Wir tanken nochmals billigen argentinischen Diesel. Zum kalten Wetter meint die Tankfrau: „Der Wind bläst noch bis Ende Januar. Wenn die Hitze im Hochsommer 15*C erreicht, reissen wir uns das Leibchen vom Leib“. Das sind ja mutierte Hitzköpfe! Wir fahren zurück auf der RP8 Richtung Chilenische Grenze Paso Bella Vista. Starker Gegenwind. Unterwegs finden wir einen geschützten Platz neben der Strasse in einem lichten Wald in der Nähe der Est. Aurelia.

Der Morgen ist ganz klar. Um halb fünf leuchten im Osten Venus und Jupiter um die Wette. Eine Rinderherde wird von uns überrascht. Im Wald rufen sie sich gegenseitig Suchrufe zu.

Später kommt eine Herde Guanacos dazu. Wir packen und machen uns auf den Weg durch den Wald und über Farmland zur Grenze Bella Vista. Die Immigration / Zollabfertigung geht auf beiden Seiten zügig voran. De Biokontrolle ist bei uns kurz. Bei Chris werden sie fündig und behalten Kartoffeln, Bohnen, Zwiebeln zurück. Gekocht dürften sie behalten werden. Über die Y85, Y895 und Y981 fahren wir nach Norden, nahe der Grenze nach Cerro Sombrero. Zuerst ist die Strecke noch dicht bewaldet, dann folgt eine Farm, die vor kurzem den Wald gerodet hat und später folgen die endlosen, leeren Weidegebiete der grossen Haziendas. Wir begegnen vielen Schafen, Gunanacos und weniger Rindern. Eine Schafherde wird von Gauchos und den Schäferhunden zum Scheren durch die Strasse getrieben.

Unterwegs finden wir ein Guanaco, festgehalten vom Zaun. Wir können es mühsam befreien. Es hat Angst, Schmerzen und schreit. Endlich kann es weiter humpeln, wahrscheinlich ist ein Bein gebrochen oder Muskeln gerissen. Auf der asphaltierten 257CH geht es zügig nach Cerro Sombrero.

Diese Stadt wurde ursprünglich für die Familien der Angestellten der chilenischen Oelgesellschaft ENAP gebaut mit einer amerikanischen 50-er Jahre-Architektur. Im kleinen Shopping Center füllen wir wieder unsere Frisch-Reserven. Im Touristenbüro weiht uns Enrique in die Geschichte der Stadt ein. Daneben befindet sich eine öffentliche, freie Toilette mit warmer Dusche. Auf einem etwas windgeschützten PP verbringen wir die Nacht. Hermann und Martina sind ebenfalls hier. In der ganzen Stadt gibt es freies WiFi. Wieder mal interneten.

Wir bleiben einen weiteren Tag hier, aktualisieren unsere Internetdaten. Neben dem CP üben Männer Paint-Ball. richtig kriegerlen im Erwachsenenalter.

Viele Interessierte an der Theke. Enrique in seinem Element. Marco von Bologna, Italia, seit 2017 unterwegs auf der Panamericana vom Norden in den Süden. Susanne & Ueli reisen nach ihrem Riesenkrabbenessen hier vorbei zur Fähre. Heute ist der Coiffeursalon „Chez Willi“ offen. Heidi bekommt eine neue Frisur.

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