Patagonia Argentina

Der NP Patagonia ging aus einer heruntergewirtschafteten Farm hervor. Nun wird das Gelände mühsam, langsam wieder renaturiert. Er ist Teil eines grossen binationalen Projektes mit Argentinien. Die chilenischen NP Patagonia und Jeinimeni sollen mit einem neuen NP auf der argentinischen Seite, der Mesa Lago Buenos Aires, ein angrenzendes 3000km2 grosses, fast unzugängliches Hochplateau zu einem länderübergreifenden Schutzpark zusammengefasst werden.

Der Erfolg zeigt sich jetzt schon an der grossen Anzahl zurückgekehrter Guanacos, Huemuls und dem Puma.

Die Landschaft ist steppenartige Pampa, praktisch ohne Wald.

Der Rio Chacabuco schlängelt sein glasklares Wasser durch ein breites Tal.

Auf der gegenüberliegenden Seite grüssen die hohen / vergletscherten Berge des Jeinimeni NP.

Die Nacht ist absolut ruhig, der Tag beginnt mit Sonnenschein bei kühlen Temperaturen. Im Casa Piedra ist der Ranger ist schon früh wach. Beim Waschbecken begegne ich einer Californierin. Sie ist mit ihrem Mann zu Fuss auf Touren. Sie wollen nach Cochrane laufen („2-3 days“).

Wir fahren das Chacabuco Tal weiter Richtung Argentinische Grenze. Ein paar Farmen sind offenbar noch nicht in den NP integriert, es gibt wieder mehr Schafe, dafür weniger Guanacos. Die Grenzkontrollen auf beiden Seiten sind recht flüssig und „human“. Die Kontrolle des Fz ist kurz und bündig.

Nach der Grenze zweigen wir auf die RP41 nach Norden ab. Wir befinden uns wieder in Argentinien-Patagonien: trocken, karg, links die hohen Gebirge des Jeinimeni NP, rechts viele alte Vulkanspuren, farbige Felsen.

Ein halbes Dutzend Kondore fliegt uns entgegen. Nandus laufen uns auf der Strasse davon. Die Qualität der Strecke ist ungewohnt fein, steigt bis auf 1500 müM an. Im Jeinimeni-Tal finden wir neben der Strasse einen guten Übernachtungsplatz. Der Fluss ist zu weit weg für einen Fischversuch.

Dieses Verkehrsflugzeug fliegt doch viel zu tief! Jetzt geht‘s noch steiler nach unten. Es verschwindet hinter dem Berg. Da! Es kommt wieder rauf, aber wie?? Das fliegt ja auf dem Rücken. Es reicht nicht über die Bergkuppe. Es fällt auf die Bergspitzen, bleibt auf den spitzen Felsen hängen. Es brennt nicht. Wir sind soeben Augenzeugen eines Flugzeugabsturzes geworden. Mitten in der Pampa Patagoniens. Wir befinden uns in Argentinien, der Absturzort liegt in Chile, im Jeinimeni NP, auf etwa 1500müM, 10km von uns entfernt. Der nächste Ort, Chile Chico ist 45km entfernt, verbunden über eine schmale Strasse. Ein abgestürztes Flugzeug in dieser verlassenen Gegend aufzustöbern ist äusserst schwierig. Aber wir sind Augenzeugen, können alarmieren, wir kennen die Position des Absturzortes, wir haben ein Satphone! Wir haben keine lokalen Notrufnummern. Nur den TCS-Alarm. Bis das Satphone sich in die Satelliten eingeloggt hat, bis wir Verbindung mit Genf haben, das dauert eine Ewigkeit – mehr als 2 Minuten! Ja, hallo! Hier ist soeben ein Flugzeug abgestürzt. Meine Position 46°47′23.1″S 71°47′25.73″W. Die ungefähre Postion des Absturzortes 46°47′08.95″S 71°59′33.31″W Bitte alarmieren Sie …..Was wollen Sie wissen? meinen Namen? Aber das spielt doch jetzt keine Rolle. Sie haben meine Satphone Nummer auf dem Display. Die Zeit drängt, es gibt Überlebende des Absturzes, alarmieren Sie die Rettungsmannschaft in Chile Chico in Chile, die sind am nächsten. Jetzt tun Sie nicht so kompliziert. Wir sind Augenzeugen und Sie sind für uns die einzige Verbindungsmöglichkeit. Was?….mir brummt der Schädel….ein Auto fährt auf der Strasse vorbei, ich erwache aus einem bösen Traum“.

Aber sonst ist die Nacht sehr ruhig, der Morgen beginnt mit warmem Sonnenschein. Nach dem z‘Mörgele und Packen fahren wir auf der RP41 weiter Richtung Los Antiguos.

Links die Gebirge des Jeinimeni NP neben uns das tiefe Tal des Rio Jeinimemi mit den seltsamen Felsen des Valle Lunar.

Rechts die senkrechten Abbrüche der Mesa del Lago Buenos Aires, die riesige Tafel des zukünftigen Argentinischen NP Patagonia. Bald taucht der Lago Buenos Aires / General Carrera auf, der zweitgrösste See in Südamerika nach dem Titicacasee.

Im Hintergrund die scharfen Spitzen des Cerro Castillo.

Der Rio Jeinimeni und der kleine Nebenfluss Rio Los Antiguos seien berühmt für ihren Forellenreichtum. Das wollen wir doch mal nachprüfen! Zum Rio Jeinimeni haben wir keine Zugang, der ist nur in Chile möglich. Beim andern ist das Wasser recht knapp. Doch, es gibt Forellen! Ein 15cm-Jungfisch verbeisst sich im Angel und 2 grosse, ausgewachsene Forellen schiessen auf den Köder los, stoppen und kehren um: das war ihnen offenbar zu suspekt, Im Vivo el Viento bekommen wir den Lachs vom Grill, etwas trocken und fad aber für argentinische Verhältnisse gut gemacht. Die kennen eigentlich nur Rindfleisch in grossen Mengen. Der CP Los Amigos ist zwar geschlossen, wir können trotzdem bleiben.

Der Morgen beginnt bewölkt, nach Mittag setzt leichter Regen ein. Wir verzehren langsam noch die letzten Reste aus Chile, dann packen wir, tanken und kaufen ein.. Man merkt, wir haben einen grossen Nachholbedarf, der Stauraum quillt über. Die Fahrt entlang dem Lago Buenos Aires bietet eine typische argentinische Patagonien-Landschaft: hügelig, buschig, Farmen mit herbstgelben Pappelreihen. Am See-Ende ein letzter Fischversuch. Negativ, bei diesem sauberen Wasser verhungern die glatt! In Perito Moreno dann die Überraschung: ein vollbestückter La Anonima Supermarkt. Wenn wir das vorher gewusst hätten, wären die Frischwaren jetzt frischer!

Auf der geteerten RN40 geht die Fahrt ruhig und zügig nach Norden.

2 Lagunen bieten sich für das Nachtlager an, sind aber hinter einem Hazienda-Gatter. Die Karte weist auf 2 geologische Anomalien hin: ein grosses Loch und dahinter ein hoher Hügel sehen aus wie Tiefsee-Rutschung vor Jahrmillionen. Die Landschaft ist nun flach wie eine Flunder mit 360*-Flachhorizont. Die Platte ist leicht schief, die Strasse schnurgerade. In Rio Mayo fahren wir über den Flussdamm zu einem schönen Platz (gemäss iOverlander), wo sich Pferde und Hase Gute-Nacht sagen. Nach dem Aufräumen ein Apéro mit sagenhaft gutem Käse. Wir lieben Argentinien‘s Käse.

Kalter, windiger Morgen. Ein Fischversuch im Rio Mayo. Negativ, obwohl kleine Fische hüpfen. „Wo ist der Chlepfwii? Wele Chlepfwii? Eh, dänk zum hütige Tag! Shit, hab den Hochzeitstag vergessen!

Heute ist Reisetag: auf der RN40 bis Gobernador Costa 240km durch eine sehr flache, endlose Patagonische Ebene, in der Ferne vereinzelt Berge.

Bei Facundo Fischversuch im Rio Senguer. Reaktionen und Biss, aber zu schwach. Am Strassenrand 2 gestrandete Argentinier mit einem alten Wohnmobil, den Schalthebel halten sie in der Hand. Wir suchen Hilfe mit dem Satphone – geht nicht. Wie telefoniert man eigentlich damit? Aha, zuerst ins Phonebook eintragen, alles kein Problem. Ein anderer Autofahrer nimmt sie mit nach Sarmiento. Wir bleiben über Nacht auf dem CP Munizipal in Gobernador Costa.

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