Vulkane im Zentrum

Gegen Morgen nimmt der Wind etwas ab. Es bleibt kalt trotz schönem Sonnenschein. Wir fahren bei klarem Himmel das Valle Rio Malleo hinauf.

Bald leuchtet der Vulkan Lanin, schneeverzuckert, hinter den Bergen auf. Unterwegs begegnen wir mehreren kleinen Siedlungen und Farmen der Mapuche mit vielen Schafen.

Auf dem Pass-Plateau tauchen wir in unsere ersten Araucarien-Wälder ein, mit dem mächtigen Lanin als Hintergrund.

Die Grenzformalitäten sind schnell erledigt: Ausreise aus Argentinien, der frühere Beamte im NP Patagonia hat offenbar die Formulare nicht ganz richtig ausgefüllt. Einreise in Chile: wir haben fast alle Frischwaren weggegessen, kein Problem, ausser dem Bambusstab, der geht nicht durch.

Die Chilenen beeindrucken die Touristen mit schönen Teerstrassen. Auf ihrer Seite geht die Strasse steil 800m ins Tal des Rio Trancura hinunter, vorbei an hohen Bergen, dichten Wäldern. In Curarrehue füllen wir unsere Fresserven auf. Wir bleiben auf dem CP Hans in Catripulli, direkt am Fluss, mit Blick auf den Vulkan Villarrica.

Wir haben eine ruhige, kalte Nacht, mit Frost am Morgen.

 

Bei Sonnenaufgang leuchtet der Vulkan Villarrica zuerst blau, dann rosarot, dann weiss. Neben uns parkiert ein riesiger Camper mit einem spanisch-irischem Paar mit 2 Buben. Sie haben das Fahrzeug nur für 2 Wochen gemietet, sonst sind sie 7 Wochen in Chile mit dem Flugzeug unterwegs. Am Rio Trancura dürften wir fischen. Der CP Hans ist mit modernen WC-Anlagen und 2 holzbefeuerten Heisswasserbottichen zum Baden ausgestattet. Nach einem Kaffe mit Müesli fahren wir „hinten durch“ über die S923 / S937 / S931 / S907 / S905 zu den Ojos del Cabourga.

Die Landschaft ist geprägt vom reichen Vulkanboden mit viel Wald, Haselnuss- und Kastanienkulturen.

In einem Gehege futtert ein Herde Huemul / Zuchthirsche. Die Wasserfälle und die Laguna Azul der Ojos del Cabourga sind schön, aber nicht die Reise wert.

Die, als gute Fressbeiz bekannte Lodge Landhaus ist wegen zu geschlossen, von aussen nicht besonders einladend.

Wir wenden und fahren Richtung Vulkan Villarrica / Termas Geometricas. Zuerst ist die Fahrt durch das Tal des Rio Palguin auf der S941 noch „normal“, manchmal etwas steil. Beim Parkeingang zum NP Villarrica werden wir vom Parkwächter gewarnt: der Weg sei in sehr schlechtem Zustand, aber mit Kooka wäre das zu schaffen. Er hat nicht zu viel versprochen.

Nachdem wir die Passhöhe überschritten haben, geht es sehr steil runter. Aufwärtsfahrende Fahrzeuge hatten hier sichtbar grosse Mühe. Tiefe Löcher, blanke Felsen, ausgewaschene Spuren zeugen davon. Wir müssen uns den Weg Meter für Meter „erkämpfen“. Die Fahrt artet diesmal nicht aus, wir kommen unbeschadet durch. Der Urwald ist bezaubernd, viele alte Bäume und oben alte Araucarien, darunter ein tausendjähriges Exemplar mit 2m Stamm-Durchmesser und 50m Höhe mit einer gesunden Krone.

 

Die Termas Geometricas sind ein Highlight: in einer tiefen Schlucht wurden Thermalquellen nach Japanischem Vorbild mit 20 Bade-Becken ausgestattet, verbunden mit roten Holzplanken.

Die Wechselkabinen ebenfalls in Rot, die Toiletten in Schwarz.

 

In den Becken Wasser zwischen eisigen 6*C und heissen 46*C.

Die Naturlandschaft erinnert an die Lava-Schluchten in Bali. Üppiges Farngrün, Bambus, Moos und Flechten über den Felsen.

Ein rauschender Bach unter den Füssen.

Eine magische Stimmung, die am Abend mit LED- Lichterketten und dem grossen Mond verstärkt wird.

Der Besuch hat sich wirklich gelohnt, nicht nur wegen der porentiefen Haut-Reinigung.

Wir essen im Quincho ein Gohan: Reis mit Terriyaky, Smoked Salmon, Frischkäse, Sojasauce mit Wasabi und Ginger, gegessen mit Stäbchen. Uuufein. Wir dürfen nicht auf dem Parkplatz der Therme übernachten. Nach iOverlander halten wir bei einem „Pullout“ neben der Strasse weiter unten am Fluss.

Die Nacht ist ruhig, kaum Verkehr. Am Morgen entpuppt sich der Platz als ausnehmend schön, direkt am rauschenden Fluss. Wir fahren den Berg steil hinunter nach Coñaripe durch dichte Wälder mit kleinen Farmen und Ferienhäusern. Wir folgen dem Lago Calafquén nach Licán Ray und über eine gebirgige Strecke nach Villarrica.

Beim Bootshafen haben wir einen schönen Ausblick auf den Vulkan, leider verdorben durch 3 grosse Wohnblöcke / Hotelpaläste.

In der Nähe schlendern wir durch ein paar Strassen, finden ein Sushi-Restaurant und können nicht widerstehen. Wir sollten’s eigentlich langsam wissen: Sushi sind in Chile einfach anders als in Asien! Zwar recht gut zum essen, sehr sättigend, aber ihnen fehlt das gewisse Etwas! Und die Wasabipaste kann man löffelweise essen! Über die S69 fahren wir nach Norden Richtung Los Laureles. Der anvisierte CP Trailanqui am Rio Curaco ist leider seit einiger Zeit geschlossen, das Land für Ferienhäuser verkauft. Bei Hortensias zweigen wir auf die S497 ab zum Rio Allipén. Neben der S493 finden wir einen guten Nachtplatz, direkt am Fluss. Der Fischversuch ist negativ. Die Buschfrau kocht alles Frischgemüse, Pilze und Poulet zollgerecht ein. Das Versucherli schmeckt hervorragend.

Wir fahren zurück zur S61 Richtung Cunco. Wir entscheiden uns für einen Besuch des NP Conguillío mit dem Vulkan Llaima.

Bei der Abzweigung auf die S335 bemerken wir einen Steir hinter uns. Kennen wir doch! André und Baba steigen aus. Herzliche Begrüssung. Der Rest der Reisegruppe: Chris & Angie, Andrea & Marco folgen bald. Sie sind noch immer oder wieder zusammen, auf dem Weg zum Nevado de Sollipulli. Freudiges Wiedersehen, Geschichten austauschen. Wir fahren unseren Weg um den Vulkan Llaima weiter, sie wollen auf den Sollipulli. Unser Weg steigt steil in die Cordillera de Melo hinauf und hinunter ins Tal des Rio Calbuco, vorbei an Waldplantagen mit Eucalyptus, Fichten, Föhren.

Grosse Parzellen werden abgeholzt und wieder aufgeforstet.

Im Wald locken Fliegenpilze und scharfe Täublinge zum Suchen, aber sonst finden wir nichts gescheites. Vor Cherquenco zweigen wir auf die S31 Richtung Vulkan ab. In dichten Wäldern stehen alte dbuchen und Araukarien.

Wir suchen ein paar der essbaren Kerne. In der Ferne tauchen 2 weitere Vulkane auf, der schneebedeckte, symmetrische Longquimay und der Tolhuaca. Nach dem Eingang in den NP fällt das Gelände tief ab in ein eiszeitliches Gletschertal. 1957 floss Lava aus dem Vulkan in dieses Tal.

Der wolkenverhangene Llaima ist einer der aktivsten Vulkane in Südamerika.

Die letzten Ausbrüche: 2003, 1994, 1984. Der Parkwächter erlaubt uns das campieren auf dem PP der Laguna Captrén. Vor dem Nachtessen umrunden wir die Laguna.

  

Riesige, uralte Bäume, stehend und gefallen, säumen den Weg. Beim PP treffen wir auf José aus Los Andes bei Santiago. Er ist mit seiner Familie auf einem Ferientripp, gibt ein paar Tipps zum Reiseprogramm. Er hat in der Nähe ein Ferienhaus. Zum z‘Nacht gibt es das vorgekochte Gemüsehuhn mit Pure de Papas. Mmmmmhh, fein.

In der Nacht fahren ein paar Fz vorbei. Am Morgen leichter Nebel über der Lagune. Wir lassen uns Zeit mit dem z‘Mörgele. Spontan entscheiden wir uns für einen Umweg an die Grenze: retour nach Curacautin. Kurzer Einkauf im Unimarc („nur das Nötigste“). Kaffe bei Petronras, mit WiFi. Weiter über die 181CH via Mananzar, Malalcahuello, durch den Tunnel Cordilliera de las Raíces ins Tal des Rio Lonquimay. Die R955 bringt uns auf einer sehr steilen, sehr kurvenreichen Strasse über die Cordilliera de Litrancura ins Tal des Rio Quinquen.

Die Berglandschaften sind herrlich, etwas Mitteleuropäisch mitten in alten Vulkanen. Die Wälder sind abwechslungsreich, mal uralte Buchen / Araukarien, mal Kulturen mit Fichten, Eucalyptus, Tannen. Ganze Berghänge sind kahlgeputzt für neue Baumkulturen. Wir queren eine Furt und bleiben über Nacht auf dem schönen iO Platz am Rio Quinquen, noch mit warmem Sonnenschein, und dem grandiosen Anblick von grossen Araukarien.

Der Bach reizt, doch die Fische lässt’s kalt. Am Abend kommt Moises, der Landbesitzer vorbei. Er möchte 1500 für den Platz. Ich kann ihm klarmachen, dass Land innerhalb der Hochwassergrenze dem Staat gehört. Er gibt seine Forderung auf, bietet uns dafür 1kg Araucaria-Nüsse an, für 1500. Leider gehen wir morgen über die Grenze, da werden sie sicher konfisziert.. Im Gespräch über den Winter vernehmen wir, dass hier bis 2m Schnee fallen vom Mai bis August. Das wird dann hart für die lokale Bevölkerung, trotz Schneeräumung und angepasster Technologie (Kleider, Pferde, Schneeketten, Schneeschuhe, Schneepflug). Zum z‘Nacht verzehren wir einen Thon-Kichererbsen-Salat.

Der Morgennebel verbreitet eine eigenartige Stimmung: im Dunst stehen die archaischen Araukarien.

Es fehlen nur noch die grossen Dinosaurier, die mit ihren langen Hälsen oben die weichen Blütenstände von den stacheligen .Ästen abzupfen. Wir sind recht früh zur Weiterfahrt bereit, den Bach furten und auf der ruppigen Strasse Richtung Argentinien fahren. Die Landschaft wird flacher, viele Araukarien-Wälder, gelegentlich Nadelbaumkulturen. Links die blaue Laguna Galletué. An ihrem Ausfluss, dem Rio Bio-Bio ein kurzer Fischversuch. Das Wasser ist extrem klar, trotzdem ist kein Fisch zu sehen oder zu spüren. Wir passieren das kleine Touristenstädtchen Icalma an der gleichnamigen, schön blauen Laguna. Nach einem kurzen Anstieg über die obligate, löchrige Asphaltstrasse in Grenznähe erreichen wir den chilenischen Zoll. Die Abfertigung geht sehr zügig. In 5 Minuten ist alles erledigt. Auf der argentinischen Seite glänzen die Argentinier mit einer neuen Asphaltstrasse. Auch hier geht die Abfertigung rasch vorüber. Nach 10 Minuten ist auch die Lebensmittel- und Autokontrolle erledigt. Wir sind wieder in Argentinien.

Schon von Weitem leuchtet der dunkelblaue Lago Aluminé.

In Villa Pehuenia füllen wir unsere Fresserven wieder auf. Im Las Troncos bestellen wir Lachs und eine spanische Paella. Ja, wir sollten es eigentlich längstens wissen: die zweitbeste Paella machen die Spanier, die Beste gibts im Byfang und in Argentinien sollten wir Rindfleisch essen. Na, ja, das nächste mal!

Wir tanken noch Diesel, dann geht‘s weiter durchs Hinterland der Grenze entlang auf der RP23 nach Norden. Die Strasse ist meistens sehr ruppig, mit grobem, spitzen Kies, die Landschaft wie alte Sanddünen, Vulkansand in hohen Schichten.

Dichte, grosse Auraukarien-Wälder begleiten uns. Die Rinde der Araukarien sieht aus wie alte, gegerbte Elefantenhaut.

Bei einem kurzen Stopp finden wir ein paar Kerne, die wollen wir mal rösten und kochen. Die Passstrasse RN 242 zum Grenzübergang Pino Hachado ist wieder sauber geteert. Wir kommen zügig voran, vorbei an bizarren Basaltfelsen alter Vulkane ins breite, flache Tal des Rio Agrio. Wir haben wieder einen Eindruck von „Pampa, Patagonien“. Der Karfreitag scheint kein besonderer Feiertag zu sein. Die Läden sind normal geöffnet, auf der Strasse verkehren grosse Lastzüge, aber in den Wäldern picknicken Familien, tragen kesselweise Araukarienkerne zusammen. Wir bleiben auf dem schönen iO-Platz am Rio Agrio, in der Nähe von Las Lajas.

Der Fischversuch ist negativ und das Mittagessen liegt uns immer noch auf dem Magen, deshalb gibt‘s einen ausgiebigen Apéro mit Allem-drum-und-dran.

Bald geht die Sonne unter und lässt den Himmel farbig aufleuchten. In der Ferne entdecken wir 2 Waldbrände.

In der Nacht vereinzelt Verkehr auf der Hauptstrasse, sonst sehr ruhig, nur das Rauschen des Flusses lullt uns im Schlaf ein. Der Morgen ist frisch mit 6*C im Fz, aber dank der Sonne angenehm warm. Wir lassen uns Zeit mit dem z‘Mörgele und kommen erst gegen Mittag weg. Über die gut ausgebaute RN21 fahren wir durch das weite Tal des Rio Agrio. Viehwirtschaft, herbstgelbe Pappelhaine und Wässermatten dominieren.

Nach Loncopue zweigen wir ab Richtung NP Copahue. Dies scheint ein uralter Vulkankessel zu sein, mit neueren Vulkanen am Rand.

Flüsse haben sich durch den Kraterrand Schluchten gegraben, darunter der Rio Agrio mit seinem Wasserfall (werden wir morgen besuchen). Wir machen einen kurzen Spaziergang zu den Cascadas.

Hier hat der Rio Agrio sein junges Bett durch die Lava erarbeitet. Schön ist die Umgebung mit den grossen Araukarien.

Wir bleiben am Ende des Lago Caviahue auf einem flachen Kiesplatz.

Das Wasser hat die Ufersteine kräftig rostrot gefärbt.

Das Vulkanwasser ist eisenhaltig. Die Sonne scheint warm, gegen Abend kommt leichter Wind auf. Nach dem Apéro wird Brot gebacken und ein feines Znacht vorbereitet.

Am Morgen Frost, im Camper 0*C, die Frontscheibe mit Eisblumen bedeckt.

 

Die Sonne scheint warm. Die Farben des Sees sind spektakulär: rostige Ufer.im  Hintergrund der Vulkan Copahue.

Vor dem Morgenessen laufen wir auf den „Hausberg“ um Ostergrüsse an unsere Söhne-Familien zu schicken. Von oben ist die Aussicht wunderprächtig auf den Vulkan Copahue und das Städtchen Caviahue.  

Nach der Rückkehr lassen wir uns einen ausgiebigen Oster-z‘Morge mit feiner Züpfe, Ostereiern und „dem ganzen Programm“, inkl. Anke u Gonfi munden.

Erste Besucher kommen schon vorbei. Kurze Fototour zur „Puente Birra“, einer kleinen rostigen Steinansammlung im See. Der Name kommt von einem gestrigen Missverständnis: jemand suchte eine „Puente Piedra“.

 

Vor der Abfahrt bewegt sich eine grosse Meute von Ziegen vom Hausberg runter, heim Richtung Mapuche-Dörfli an der Hauptstrasse.

Endlich fahren wir nach Caviahue, entledigen uns vom gesammelten Müll und fahren zum Salto Rio Agrio.

Die Brücke über den Agrio ist, entgegen den Befürchtungen im iO nicht so kritisch.

Der 60m hohe Wasserfall bringt recht wenig Wasser, aber die Farben sind schon beeindruckend.

Leider ist der Sonnenstand ungünstig, die „ultimative Foto“ muss bis morgen warten. Wir finden keinen Weg, um in den Canyon runter zu gehen.

Wir sind nicht die einzigen Besucher, dauernd neue Interessierte bis zum Sonnenuntergang, dann ist Ruhe. Wir haben uns mit dem z‘Morge etwas übernommen, kein Hunger.

Am Morgen bekommen wir die erwarteten leuchtenden Farben am Wasserfall: rostrot, grün, weisses Wasser..

 

Bald trudeln die ersten Touristen ein. Wir machen eine Runde den Fluss aufwärts.

Wenig Wasser viele rostige Steine und 2 weisse Felsbänder wecken unser Interesse.

Auf dem Pfad versinken wir immer wieder in die Bauten eines rattengrossen Viechs, eine Ratte, ein Mull? Wir wissen es nicht. Nach Mittag sind wir endlich fahrbereit. Unser Ziel: 140km bis Andacollo, „hintendurch“ über die RP21.. Sie führt durch weite Täler, über Hochflächen mit tiefen Einschnitten mit Flüssen, durch ein paar kleinere herbstbunte Orte, vorbei an Forstkulturen, kleineren Farmen. Die Landschaften sind geprägt von vulkanischen Aktivitäten:

 

Basaltsäulen, kleine Vulkane, dicke Staub-, Sand- und Steinschichten.

Ziegenherden werden von Gauchos in „Alpabzügen“ von den Weiden ins Tal gebracht, bald kommtder Winter.

Von Ferne grüsst der Vulkan Domuyo. Vor Andacollo folgen wir dem Rio Neuquen bis zum CP. Ein kurzer Fischversuch im Fluss ist negativ (wollte da einer anbeissen?) Zum z‘Nacht feines Entrecôte mit Gemüse.

Kühle Nacht mit 8*C am Morgen. Wir lassen uns Zeit, füllen den Wassertank und fahren zur Tourist-Info. Wir bekommen, was wir brauchen für die de Tour zum Domuyo. Einkauf in der Cooperativa. Die sind schon am schliessen, wir rasen wieder einmal durch ein Einkaufszentrum, sind die Letzten. Dann fahren wir über die gut ausgebaute, asphaltierte RP43 nach Las Ovejas über steile, enge Berge ins breite Tal des Rio Nahueve. Die Farmen liegen in goldener Herbstpracht der Pappeln. Las Ovejas ist wie Andacollo ein verstreuter, staubiger Ort mit viel Bauaktivitäten. Wer will schon hier wohnen? Der Weg bis Varvarco ist ruppig, roh und führt durch steile Berghänge.

Ein Mirador erlaubt einen Tiefblick ins Tal des Rio Neuquén und zum Vulkan Domuyo.

Im Tourist-Office von Varvarco bekommen wir die notwendigen Detailinfos für die geplante Strecke und die Warnungen zur Vorsicht. In der modernen Hosteria Varvarco geniessen wir, obschon das Restaurant geschlossen ist, einen Kaffee und Toast mit Konfi. Leider funktioniert das WiFi auch hier nicht. Die Terrasse bietet einen schönen Blick auf die Confluencia des trüben Rio Varvarco mit dem klaren Rio Neuquén. Die Weiterfahrt auf der RP43 durch das Varvarcotal ist zwar etwas mühsam wegen der steilen, ruppigen Strasse und den engen Kurven, aber das Tal ist ein Hammer: sehr tiefe, enge Seitentäler und Schluchten wechseln ab mit Hochebenen.

Gelegentlich kreuzen wir Ziegen-und Rinderherden auf dem Weg zu den tieferen Winterweiden.

Die Vulkanaktivitäten sind auf Schritt und Tritt zu sehen: dicke Schwemmland-Schichten, Vulkanasche, Vulkanauswurf, Lava-Reste, Basaltfelsen.

Die Bolillos finden wir zwar nicht auf Anhieb, aber der Umweg hat sich gelohnt: skurrile, spitze Vulkanstaubfelsen bilden einen Park, viel kleiner als der Brice Canon.

Leider verdecken Wolken über dem Domuyo das strukturierende Sonnenlicht. Wir sind schon etwas spät dran und suchen einen Schlafplatz. Die flachen Plätze sind dünn gesät, deshalb fahren wir bis zum PP der Tachos, auch mit einem Umweg.

Es wird langsam dunkel, die Sonne verschwindet in den Wolken. Doch plötzlich öffnet sich eine Lücke.

Die Berge erleuchten in einem tiefen Rot.

Der Domuyo lässt sich nicht bitten, entfernt die Wolken etwas und brennt um die Wette.

Bei Dunkelheit richten wir uns auf dem PP ein und verschlingen einen Apéro-z‘Nacht. Wir sind müde von der anstrengenden Fahrt, die Stimmung ist im Eimer!

Die Nacht entspannt, der Morgen ist bedeckt und kühl mit 8*C. Nach dem Kaffee laufen wir direkt zu den Tachos. Das sind 3 sprudelnde, kochend heisse Geysire, 1-2m hoch, dazu eine Unzahl kleiner Dampfquellen.

 

Wer Island kennt, ist nicht beeindruckt.

Aber der Bach hat eine Temperatur von 38-40*C, ideal zum Baden. Wir sind ganz allein. Wir bleiben fast 2 Stunden in der starken Strömung.

Stell dir vor, Du bist in einem Sprudelbad und 10 Feuerwehrpumpen lassen die volle Leistung raus! Kein Masseur bringt das hin. Bei der Temperatur merkt man kaum, dass die Finger langsam Wöschwiberfinger werden, so angenehm warm. Einfach h e r r l i c h.

Nach der Rückkehr stillen wir unseren Hunger. Besucher aus Buenos Aires trudeln langsam ein. Weiter oder bleiben? Da sind ja noch Villa Aguas Calientes, Las Olletas und der zweite warme Bach.

Der „Complejo Aguas Calientes“ ist eine Sammlung von Cabañas mit Office und Feuerstellen. Im Moment saisonal geschlossen. Der Zugang zu den warmen Quellen ist jedoch offen.

Das sind frei fliessende Bäche mit zum Teil kochend heissen Quellen. Wir finden 3 wannengrosse Becken: aufgestauter Bachlauf. Das Wasser ist 46*C, zu heiss zum lange baden. Wir treffen Hector und Adriana aus Buenos Aires. Sie sind mit einem 2WD-Hylux mit einer aufstellbaren Schlaf-Box unterwegs. Sie wollen noch heute (fast 6Uhr!) über Andacollo hinausfahren, das sind weit über 100km, und die ersten 50 sind sowas von anstrengend, ruppig, kurvig, steil, nichts für uns. Wir begnügen uns mit dem warmen Bach, das sind nur 7km. Die Olletas sparen wir uns für morgen auf. Gauchos kommen uns mit einer Rinderherde entgegen. Ja, ja, wir sind spät dran, es geht auf den Winter zu. Im Bach werden Badewannen vorbereitet. Zum z‘Nacht feines Entrecôte mit Gemüse aus dem Dampfkochtopf.

In der Nacht setzt leichter Regen ein. Am Morgen messen wir 10*C im Fahrzeug. Wir flitzen in den warmen Bach, eine tiefe Badewanne lädt zum Bade. Nun, bei der kalten Luft ist das Wasser angenehm warm. Aber nach einer halben Stunden beginnen wir zu frieren.

Wir packen und fahren zu den Olletas hinauf. Eine grobe Enttäuschung: die versprochenen Fumarolen sind 2-3 kleine dampfende Wasserlöcher mit wenig Algen.

Absolut nicht lohnend!

Wir fahren auf der RP43 weiter ins Varvarco-Tal hinein, eine breite Altiplano-Landschaft mit vereinzelten Bauernhöfen, Ziegen, Schafen und Rindern.

Der Weg ist teilweise eng, ruppig, dann wieder schön sanft. Auf den Karten ist er nur als Fussweg eingezeichnet, bietet aber keine Probleme.

Sogar eine neue Brücke führt über den Fluss. Ein halbes Dutzend Condore kreisen im Aufwind.

Bald erreichen wir die Laguna Varvarco Tapia. Das Rangerhaus ist leer.

Wir bleiben über Nacht direkt am See. Natürlich muss hier ein Fischversuch gemacht werden. Negativ. 3 Fischer aus San Juan fahren vorbei, sie sind an der höher gelegenen Laguna Varvarco Campos und haben am Morgen 4 grosse Forellen gefangen. Heidi kocht die Pouletschenkel als Vorrat, 3 davon gibt‘s mit Ebli-Gemüse. Vor Sonnenuntergang kommen die Fischer nochmals zum Fliegenfischen. Eine der beiden riesigen Forellen bekommen wir! Muchas grazias,

Der Morgen ist kalt, innen 0*C aussen -4*C Wieder nichts mit Fisch am Angel.

Zwei Holländer, Mart & Nadja fahren mit einem gekauften Chile-Fz (Nissan, 4×4) vor. Sie wollen die gleiche Route über die Berge fahren wie wir. Die Beschreibungen lassen nichts Gutes erwarten. Nach dem Morgenkaffee fahren wir gemeinsam los. So könnten wir uns gegenseitig aus der Patsche helfen, wenn nötig.

Der Weg ist zuerst nicht schön, aber gut fahrbar. Weiter oben im Tal beginnen dann die spitzen Steine.

Bei der steilen Strecke ist „crawlen“ im 1.Geländegang, langsam die maximal zulässige Geschwindigkeit um die scharfen Spitzkehren. Der Track ist zwar gut befahrbar, aber die Reifen müssen viel ertragen können.

Die Landschaft ist einfach fantastisch.

Auf dem Plateau 2800müM leuchtet der schneebedeckte Cerro Crestón herüber, wir fühlen uns eine wenig ins Altiplano versetzt.

Bald tauchen wir ins Tal des Arroyo los Nevados runter. Der Weg ist immer noch gleich ruppig, mit spitzen Steinen versetzt. Bald kommen die ersten (von vielen) Wasserlöchern. Mart & Nadja kommen gut zurecht mit ihrem PW. Sie lassen ihre Drone steigen und filmen uns von oben.

Das Tal wird breiter, erste Farmen tauchen auf. Wir fühlen uns in den Norden Argentiniens und nach Bolivien mit dem Bofedales versetzt.

 

Aussergewöhnliche Fels-Strukturen und -Farben faszinieren uns.

 

Eine wunderbare, sehr eindrückliche Berglandschaft, die die Strapazen lohnen.

Das Tal des Rio Barrancas ist breit, der Fluss nutzt teilweise die ganze Talbreite. Kuhherden oder Pferde lassen sich nur schwer vom Weg abbringen.

Beim Zusammenfluss des Arroyo Domuyo mit dem Rio Barrancas finden wir neben der Strasse einen guten Nachtplatz.

Beim gemeinsamen Apéro, Nachtessen und Kaffee/Tee trinken tauschen wir viele Reiseerfahrungen aus. Die beiden sind für einige Zeit aus dem Berufsleben ausgestiegen. Sie haben sich in Santiago ein Auto gekauft und reisen etwa ein Jahr herum.

Gemeinsames Morgenessen. Wir fahren ein Stück weiter durch das Tal. Erstaunliche Felsenformationen.

Beim Ausfluss der Laguna Cari Lauquen und etwas weiter unten ein paar Fischversuche, alle negativ.

Wir entschliessen uns noch eine Nacht in diesem schönen Tal zu verbringen, bleiben bei einer kleinen Nebenstrasse in Flussnähe.

Gemeinsamer Apéro.. Starker Wind kommt auf. Heidi fertigt Brotteig an. Gegen Abend erneuter Fischversuch, diesmal klappt’s: eine schöne Regenbogenforelle und 2 Schnapper. Die Forelle hat 5 noch lebende Flusskrebse im Magen.

Zum gemeinsamen z‘Nacht gibt‘s Forellen auf einem Gemüsebett.

 

Bei iPhone-Laternenlicht (eine Wasserflasche wird auf die iPhone-Taschenlampe gestellt) wird eifrig Gemüse gehackt.

Einfach gut! Zum Dessert frisch gebackenes Brot mit Butter und Himbeerkonfi.

So fein! Das beste Brot das wir seit langem essen wird rübis und stübis aufgegessen. Die krose, schön gebackene Brotkruste und der gute Geschmack machten uns alle süchtig.

In der Nacht kommt sehr starker Wind auf, wir müssen nachts das Fz umparkieren. Morgens haben wir warme 17*C Der Föhn bläst auch in den Anden! Vor dem Morgenessen ein Fischversuch, negativ, dafür aber ein kurzes Bad im Fluss: ein grosser Stein rutscht drehend in das stark strömende Wasser. Ich spüre einen schwachen Schlag aufs Knie. Im starken, warmen Wind trocknen die Kleider rasch. Zum z‘Morge bekommen wir von Mart ein Banane / Haferflocken / Milch-Wrap serviert. Mmmhh, fein, noch Schlagrahm und Erdbeer-Konfi, mit den gebratenen Äpfeln einrollen, alles perfekt.

Die Strecke bis Barrancas ist extrem: hohe Übergänge, tiefe Täler, kurvige gute Strasse, Felsen- und Landschaftsbilder vom Feinsten.

Plötzlich öffnet sich eine grossartige Weitsicht ins Barrancas- und Rio Grande Tal. Die Vulkane Payún Piso und Tromen grüssen von Ferne.

Barrancas ist ein Ort, den man eigentlich nur aufsucht, weil er am Ende des Barranca-Tales liegt. Wir bleiben auf dem CP El Domuyo. Erstmals wieder Internet beim Zentralplatz: freies WiFi. Leider keine Foto von den 4 Internet-Addicts! Gegen 100 Mails kommen rein. Mart & Nadja verabschieden sich. It was a nice time with you, and thanks for the delicious Banana-Pancakes and the Fotos.

Gegen Abend schmerzt das Knie recht stark. Krankenschwester Heidi pflegt den Patienten mit Voltaren.

Fazit derTour: absolut lohnend. Gut, aber mit Vor-sicht befahrbar: gutes Wetter, gesunder Menschenverstand, sehr gute Reifen, 4×4, low gear medium-high clearance, keine Höhen- (Tiefen-)Angst, Lust an schwierigen Tracks. Das Varvarco Tal besticht durch seine vielfältigen Landschaften, mit tieferodierten Tälern, erstaunlichen Fels-Strukturen und die Abgeschiedenheit. Die heissen Quellen mit Geysiren, Schlammlöchern und warmen Bächen sind ein weiteres Highlight. Traumhafte Badegelegenheiten. Den Abschluss des Tales bilden die Lagunen Varvarco Tapia und Campos. Sie sind berühmt für ihre riesigen Forellen (die wir ebenfalls genossen). Die nächste Etappe ist ein berüchtigter, steiler 4×4-Track durch mehrere Geländekammern über 2800müM ins Tal des Rio Barrancas. DieserTrack bietet traumhafte Ausblicke in eine grossartige Bergwelt mit dem vergletscherten Cerro Crestón, entfernten Vulkanen und Altiplano-Eindrücke. Das Tals des Rio Barrancas überrascht erneut mit einer grossartigen Berg-und Tallandschaft: hohe Berge, tiefe Täler, einzigartige Fels-Strukturen und eine atemberaubende Enge Strasse mit vielen Spitzkehren in angsteinflössenden steilen, mehrere hundert Meter tiefen Abhängen. Der Fluss bietet wieder gute Fischgründe. Der einzige Wermuts-Tropfen ist Barrancas selber. Der Ort ist eine lebende, vergessene Ortschaft.

Warm Duschen, Kaffe, Packen und zum Zentralplatz: freies Government-WiFi. Das Knie ist etwas besser dran. Dann weiter zur Tankstelle, die ist (scheinbar?) geschlossen. Also weiter Richtung Malargüe auf der RN40: schöner Asphalt, wechselt bald mit „45km sind in Arbeit“-Gravel.

Die grandiose Berg-Landschaft imponiert mit ihren Farben und Formen, ein Vorgeschmack auf Nord-Argentinien. Diverse Vulkane tauchen auf: Volcan Tromen, Payún Liso, und eine ganze Gruppe von Payunia, die grösste Ansammlung kleiner Vulkane.

Bald erreichen wir das breite Tal des Rio Grande. Der Fluss wurde von Lavaströmen aus Payunia gegen die aufsteigenden Anden gedrückt.

    

An einer Stelle, hat der Fluss sich durch die Lava einen engen Cañon ausgewaschen. Wir bleiben etwas weiter bei einer Baustelle, direkt am Fluss.

Fischversuch negativ (3 Kontakte). Dem Knie geht’s schon fast übermütig. Zum z‘Nacht geniessen wir ein feines Osso Bucco mit Bohnen.

Am nächsten Tag geht’s nach Malargüe

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